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mit dem Kreisblatt kür die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen: .Flach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage.«

45. Jahrg.

ausgetauscht, in denen sie sich gegenseitig zu der

Erstes Blatt

a

französische«

Ursache ist

konnte keine Kohlen nehmen und Toulon nicht

mit großem Geschick der Juden bedient. Man

kann

antigriechische Boykott. Paris, 22.

wohl sagen, daß die russische Judenpolitik von Rück­

sichten auf die Polenpolitik mit bestimmt ist.

land geht darauf aus, möglichst viele Juden

Ruß- nach

herzlich He­in italient.

verlassen.

* Der

neuen internattonalen Verbindung glückwünschen Wrba telegraphierte scher, Sacchi in deutscher Sprache.

* Massenvergiftung auf einem

gierung , ganz abgesehen von moralischen Bedenken, schon aus dem einfachen Grunde nicht schreiten, weil unter solcher Gesetzgebung der zwischen dem polnischen Besitz verstreute deutsche Besitz ebenso leiden würde. Dies nur ein Beispiel für die starke und bequeme Stellung der russischen Regierung den Polen gegen­über ,die es den Russen ermöglicht, in der Stille viel härter vorzugehen. Die Schwäche der nationalen Be­wegung in Russisch-Polen beruht auf ihrer Hoff­nungslosigkeit. Die russische Regierung hat sich auch

noch unaufgeklärt. Der Kreuzer

miteinander blieben, bi» die Apparate auf dem Phönix" zerbrachen, al» sich während der Fahrt Un­wetter und teilweise Rebel einstellten. Am 16. Juli wurde die drahtlose Verbindung wiederhergestellt. Di«Mainz" lag einen Tag infolge Eisganges bei dem Grünen Hafen fest, wo auch derPhönix" am 16. Juli eintraf, der bereits südlich vom Eisfjord Eis angetroffen hatte. Prinz Heinrich mit Gefolge reiste am 17. Juli nach der Adventsbucht weiter. Am 18. Juli wurden 130 Behälter mit komprimierter Lust an Bord genommen, womit eine Probefüllung des Ballons auf dem Eise vorgenommen werden soll.

Die Geschwindigkeit des KreuzersKolberg". Danzig, 22. Juli. Der auf der Schichau-Werft in Danzig gebaute KreuzerKolberg", der mit Schichau­turbinen ausgerüstet ist, erreichte bei der Probefahrt eine Höchstgeschwindigkeit von siebenundzwanzig See­meilen pro Stunde.

1800 Deutsche der Ausweisung aus Rügland gewärtig. Breslau, 22. Juli. Wie dieSchlesische Bolksztg." meldet, sind in Wolhynien 300 Arbeiter­familien deutscher Nationalität vor die Alternative gestellt worden, sich entweder naturalisieren zu lassen oder Rußland zu verlassen. Die Deutschen haben ersteres abgelehnt und erwarten jeden Tag den Aus­weisungsbefehl. Da es sich um sehr kinderreiche Fa­milien handelt, kommen gegen 1800 Personen in Frage. Das Erenzamt Myslowitz der deutschen Feldarbeiterzentrale zu Berlin ist bereits beauftragt, sich der Leute anzunehmen.

Line Richtigstellung. DieDaily Mail" hatte da» deutsche Reichsmarineamt gebeten, die Angaben des Premierministers Asquith in seiner Rede über den Ausbau der deutschen Flotte auf ihre Richtigkeit prüfen zu wollen. Das Reichsmarineamt hat diesem Ersuchen entsprochen und dem englischen Blatte fol­gende Auskunft erteilt:Es ist ünrichttg, daß irgend welche Beschleunigung in dem Bau und in den Vor­bereitungen für den Bau der vier Linienschiffe des vorigen Jahres vorgekommen ist. Mr. Asquith sagte ferner, daß die Bauzeit der fünf deutschen Dread­noughts zwischen 26 und 33 Monaten betragen habe. Es sind aber nur vier deutsche Dreadnoughts vorhan­den, der fünfte, der KreuzerVon der Tann", ist noch nicht fertig, und die Bauzeiten bei den vier Schiffen Betrugen 40, 37, 37 und 38 Monate. Zn dem Monat des Jahre 1911, welchen Mr. Asquith al» den kri­tischen bezeichnete und von dem er behauptete, daß Deutschland dann 13 oder 17 Dreadnoughts haben könne, wird Deutschland nur elf besitzen, erst int Herbst de» Jahres 1912 wird es über dreizehn ver­fügen.«

Juli. DerTemps" meldet: Nach aus Konstan- ttnopel eingerroffenen Nachrichten dürfte der Boy­kott der griechischen Wann in zwei bis drei Tagen Bei der Pforte geplante gemeinsame Schritt sich als überflüssig erweisen dürfte.

** Die Debatte über die englische Zivilliste. London, 22. Juli. In oer heuttgen Sitzung wurde über die Resolutton Betreffend die König­liche Zivilliste verhandelt, welche in Ueberein- stimmung mit den Beschlüssen der Kommission die Königlichen Bezüge auf 470 000 Pfund Ster­ling für den König und den Königlichen Haus­halt festsetzt; ferner auf 10 000 Pfund Sterling für jeden Sohn, der das 21. Lebensjahr erreicht hat mit Ausnahme des Prinzen von Wales auf 15 000 Pfund Sterling, im Falle der Verheiratung und auf 6000 Pfund Sterling jährliches Einkom­men für jede Tochter. Für den Prinzen von Wales ist keine Apanage ausgeworfen, weil er die Einkünfte der Herzogttimer Corwales und Lano Master erhält. Schatzmeister Lloyd George, der die Vorlage einbrachte, erklärte, daß sobald der Souverän und sein Haushalt in Betracht komme die Resolutton gegenüber der früheren Zivilliste eine Veränderung der Belastung bedeute, und wies daraufhin, daß der König seither stet- willig die Einkommensteuer bezahlt habe, während die Ausgaben für die Staatsbesuche vom Staats­schatz getragen wurden. Jetzt sei er so arrangiert worden, da"; die Zivilliste künftig die Kosten der Staatsbesuche zu tragen habe, während die Ein- fommcttfieuer an ihr nicht mehr erhoben werden soll. Barnes (Arbeiterpattei) sprach sich geg « die Resolutton aus, weil die Einkünfte der Her­zogtümer von Cornwales und Lancaster Staats­eigentum sein sollen, und weil der Betrag der Zivilliste unverhältnismäßig hoch sei. Ein An­trag Barnes, die Königliche Zivilliste von 470 000 Pfund Sterling auf 385 000 Pfund Sterling her­abzusetzen, wurde mit 207 gegen 20 Stimmen verwogen. Im weiteren Verlaufe der Verhand­lungen erhob Keir Hardis hefttgen Widerspruch gegen die Apanagen für die Kinder des Königs mit Ausnahme des Prinzen von Wales. Er be-: gründete dies damit, daß diese großen Summen zu müßigem und luxuriösem Leben verleiten, ohne daß von den Pttnzen keine Gegenleistung ver­langt würden. Lloyd George betonte hierauf nachdrücklich, daß die Königliche Familie sich be». reitwillig dem öffentlichen Dienst zur Verfügung stelle. (Beifall.) Schließlich wurde die Resolutton über die Zivilliste mit 197 gegen 19 Stimmen an-. genommen.

Kriegsschiff. Patts, 22. Juli. Au Bord deS französischen PanzersteuzersDupettt Thouars" sind demBett. Lok.-Anz." zufolge, hundett Mann an Vergiftungserscheinungen erkrankt. Die

Ausland.

** Die Eröffnung der Bahn TttentBmedig. Wien, 22. Juli. Anläßlich der gestem erfolgten Eröffnung der neuen Bahnlinie, die Tttent mit Venedig verbindet, haben der österreichische Eisen­bahnminister Wrba und der italienische Minister der Oeffeutlichen Arbetten Sacchi Telegramme

Russisch-Polen zu treiben. Es werden jährlich Tau­fende aus den russischen Landesteilen ausgewiesen und wenden sich nach Polen. Sie haben sich der Handels- und Bankorganisationen in einer Weise be­mächtigt, die es ganz aussichtslos erscheinen läßt, daß jemals in Ruffisch-Polen diese Organisationen ähn­lich in den Dienst der nationalpolnischen Sache ge­stellt werden können, wie dies in Preußen geschehen ist. Ruffisch-Polen ist heute ein reiches Land, der bestbevölkerte Teil Rußlands und der Sitz des größ­ten Teils seiner Industrie. Aber Industrie und Han­del sind nicht in polnischen, sondern in deutschen und jüdischen Händen, und die wirtschaftliche Kraft be» Landes ist für die nationalpolnische Sache kaum nutz­bar zu machen.

So ist es also nicht etwa die mildere, sondern die strengere Behandlung der Polen durch die Ruffen, nicht ihre bessere, sondern ihre schlechtere Lage, welche von dem Kampf der Polen gegen die Russen weniger reden macht als von dem gegen die Preußen. Wenn Russen und Polen bei Feiern, wie der Tannenberg­seier, sich gegen den Unterdrücker im Westen wenden, entbehrt das nicht eine gewissen Komik.» Man braucht sich bei uns nicht um die Phrasen zu küm- tnern: sie zerstören sich selbst.

Deutsches Reich.

Die Erbprinzessin Charlotte von Sachsen- Meiningen, die älteste Schwester des Kaisers, vollen­det am Sonntag ihr 50. Lebensjahr. Aus diesem Anlaß wird der Erbprinzessin eine Abordnung des Verbandes der vaterländischen Frauenvereine Schle­siens, dessen Vorsitzende die Erbprinzessin ist, eine von Professor von Gosen entroorfene silberne Plakette überreicht werden. Ferner begeben sich heute abend vierzehn Offiziere des 11. Grenadierregiments, dessen Chef die Erbpttnzessin ist, nach Meiningen, um die Glückwünsche de, Regiments zu übermitteln.

von der Zeppelinschen Borexpedition.Aften- posten" meldet, einem Telegramm zufolge, aus Tromsö, daß die DampferMainz" undPhönix" mit dem Prinzen Heinrich und den übrigen Teil- nehmem an der Zeppelinschen Vorexpedition an Bord, die am 13. Juli von Christiania abgingen, bis zum 14. Juli in drahtloser Telegraphenverbindung

Die Polen in Rußland.

Bei der Tannenbergfeier, die kürzlich stattfand, Haben Slawen aller Schattierungen in Krakau mehr oder weniger schöne Reden gehalten. Auch Franzosen Innb Engländer haben teilgenommen und find sich 'wohl nicht bewußt geworden, daß die Geschichte ihre Teilnahme nicht rechtfertigt, und daß die eben ge­tauften Polen mit ihren heidnischen Bundesgenossen aus Rußland und Litauen auch die französischen und englischen Ritter geschlagen haben, die damals auf Seite der Deutschritter, deren Sache die Sache der ganzen Christenheit war, gekämpft hatten. Aus dieser Krakauer Feier sind sich die Polen und die Russen etwas in die Haare geraten. Die Polen haben na­türlich nicht nur von der Autonomie Polens, sondern auch von seiner Befreiung und Loslösung von dein russischen Reiche gesprochen. Dagegen haben die Rus- fen, was ebenso natürlich ist, ihrerseits Verwahrung eingelegt. Darin äußert sich wieder einmal die Künstlichkeit des ganzen Panslawistenrummels. Die Behandlung der Polenfrage ist durch ihre Verbin­dung mit der panslawistischen Phrase überhaupt «durchaus verfälscht. Es scheint, als richte sich die Front der Polen ausschließlich nach Westen, gegen Preußen. Von Rußland und der Situation der pol­nischen Untertanen Rußlands ist verhältnismäßig wenig die Rede. Das kommt aber nicht etwa daher, weil die Situation der Polen in Rußland eine bes­sere, die Polenfrage dort nicht brennend wäre. Der Grund liegt vielmehr darin, daß der Kampf in der deutschen Ostmark auf der Grundlage des preußischen .Rechtsstaats in Schrift und Wort frei und, da die Aktionsmittel des Staates hier beschränkt sind, mit Besserer Aussicht geführt worden ist. Die preußischen Polen wollen ihre Situation nicht um alle» mit der her russischen Polen vertauschen, aber sie sagen e» nicht. Die Situation in Russisch-Polen ist sehr Inter- effant und von der in Preußen grundverschieden.

Das Barium Polen ist beinahe ausschließlich von Polen bewohnt. Die russische Regierung tut sich also mit ihrer Gesetzgebung sehr leicht, da sie die Möglich­keit einer auf diesen Landesteil beschränkten Aus- nahmegesetzgebung hat. Von dieser Möglichkeit macht sie auch bis in Einzelheiten Gebrauch, deren Härte und Bedeutung außerhalb der russisch-polnischen Grenzen nur sehr wenig bekannt sind. ®» gibt z. B. eine Reihe von Verordnungen ,die, auf dem Grund­sätze divide et impera! aufgebaut, darauf ausgehen, zwischen Großgrundbesitzer und Bauern durch die Möglichkeit gegenseitiger Schikanen möglichst viel Zwietracht zu säen. Tatsächlich ist auch in Ruffisch- Polen eine einheitliche Front der Grundbesitzer und Bauern gegen die Regierung so gut wie undenkbar, und die nationale Bewegung bleibt dort ganz und gar auf den Adel und die Jntellettuellen beschräntt. Zu ähnlichen Maßregeln könnte die preußische Re-

Marburg

Sonntag, 24. Juli 1910

Die Jnsertiou»gebübr beträgt für Inserenten aus bem engeren Verbreitungsgebiet be» Blattes für bte 7ge!"altene Zeile ober bereu Raum 15 i, für auswärtige Inserate 20 4. tot Reklamen 40 4. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. C. Hitzerotb. Marburg, Martt 21. Telephon 55.

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme bet Sonn» und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- WD 4 71 jährlich durch die Post bezogen 2,25 M (ohne Bestellgeld), bei

*/VJr. 1 11 unseren Zeitungsstellen und der (Spedition (Markt 21), 2,00 M.

(Für unverlangt zugelandte Manustripte übernimmt die Redak- tton keinerlei Verantwortung.)

41 (Nachdruck verboten.)

Kantate.

Von Anny Wothe.

(Fortsetzung.)

Eine cnffetzliche Wut wilder Verzweiflung packte mich. Wenn fte das Zimmer verschloß, konnte ich nicht unbemcrft bei ihr einbringen. Ich schlich, den Revolver in der Hand, zu der Tür des Zimmers des Herrn von Keßler. Leise drückte ich auf die Klinke. Sie gab nach Argwöhnisch spähte ich in das Gemach. Es war leer. Jetzt ttat ich mit angehaltenem Atem ein. Vorsichtig schlich ich weiter, die Tür zu Sottas Zimmer war 'angelehnt, ein Lichtschein verriet es mir.

Ich hörte ein Geräusch wie von Schluchzen und Küssen und meiner selbst nicht mehr mächtig vor Wut und Schmerz riß ich die Türe auf.

Da sah ich Sotta, meine angebetete Sotta, auf deren Treue ich Felsen gebaut hätte, den Lieb­kosungen des Herrn von Keßler hingegeben, in seinen Armen. Ein Blitz, ein Knall! Rocy heute weiß ich nicht, wie es gekommen; ober ich sah den Hauptmann wanken und tot zusammenbrechen in Sottas Umarmung. Ich wollte die Waffe auch -gegen Sotta richten. Richt eine Stunde sollte die Verräterin leben, aber schon füllte sich das Zim­mer, das Sotta sofott geistesgegenwättg öffnete, mit Menschen, die durch den Schuß und Sottas Geschrei herbei gelockt wurden.

Ergreift ihn," schrie Ssrka.Dort steht der Mörder, er hat auch mich bedroht, er ist Wahn- ßnnig, denn er hat einen Unschuldigen getötet."

Ich ließ mich willenlos ins Gefängnis führen. Mein Kind sah ich nicht. Warum sehen Sie mich so jammervoll an?" herrschte jetzt Rolf Karleen an.Warum wenden Sie nicht Ihre Augen mit

Enffetzen ab von einem, der das Kainsmal des Mörders an der Stirn trägt?"

Karleen hob wie bittend die Hände zu ihm auf.

Schonen Sie sich doch," bat sie leise,alles begreifen, heißt alles verzeihen."

Verzeihen," wiederholte Rolf bitter.Nein, das Brandmal wird niemand mehr von meiner Stirn tilgen. Immer werde ich der Verruchte bleiben, der einen anderen getötet hat. Wenn Sie ahnten," fuhr er fort,welche entsetzliche Tage und Nächte ich durchlebte. Immer sah ich des Toten brechende Augen und wenn ich auch meine schnelle Tat nicht bereute, so lag es doch wie eine Felsenlast auf meiner Seele. Ich sah mich als gemeiner Totschläger verurteilt und gerichttt, ich sah mein Kind, wie es sich schaudernd von mir wandte und was ich einst an heißer Liebe für Sotta empfand, das wandelte sich in Haß, in glühenden Haß. Ans den Vemehmungen des Untettuchungsrichters entnahm ich, wie schlecht es um meine Sache stand.

Sotta hatte ausgefagt, daß sie int harmlosen Plaudern mit Herrn von Keßler in ihrem Zim mer gewesen, in welches ich plötzlich getreten fei, um dm Hauptmann ohne ein Wort der Erklärung niederzuschießen.

Umsonst warm meine Beteuerungen von einem anderen Sachverhalt. Sottas > Zeugnis, das sie bereit war, eidlich zu bekräftigen, daß ich aus grundloser wahnsinniger Eifersucht geschaffen, stand allen meinen Behauptungen entgegen.

Beweise," sagte mir der Untersuchungsrichter. Beweise von der Untreue meiner Frau müßte ich bringen, wenn ich überhaupt auf mildernde Um­stände rechnen wollte.

Ich war vollständig niedergeschmettert. Wo­her sollte ich im Gefängnis die Beweis« nehmen,

woher sollten sie mir überhaupt kommen, denn Sotta würde sich schwerlich zu ihren Liebesaben- teuern Zeugen laden. Sotta hatte auch eine einst­weilige Verfügung erreicht, wodurch ihr vor­läufig das alleinige Recht zugestanden wurde, über unsere kleine Jela zu bestimmen.

Ich war dem Wahnsinn nahe. Die abentmer- lichsten Pläne dnrchkrmzten mein Gehirn. Mein Kind, das einzige Kleinod, was ich noch besaß, in den Händen dieser Frau. Würde es nicht zu Grunde gehen, würde es nicht auch werdm wie die Slutter?

So fest ich einst an Sotta geglaubt und immer für sie eingetreten war, fo fest glaubte ich jetzt an ihre Schuld. Richt nur, daß sie mich mit Keßler betrogen, nein, Masche reihte sich an Masche in meinem Erinnerungsnetz. Was ich früher ganz harmlos genommen, ihre Sucht, mit Männern ziemlich frei zu verkehren und alle als Trabanten um sich zu scharen, nahm ein ganz anderes Gesicht an und ich erkannte in den langen Stunden der Einsamkeit Sotta wie sie Wittlich war. Eine Ver­worfene, die mich nur meines Vermögens wegen gewählt und weil die Ehe ihr dm Deckmantel für ihre leichtsinnigen Liebesabenteuer bot

Beweise, Beweise! schrie meine Seele unab­lässig, aber nirgends sah ich eine Möglichkeit, wenn ich nicht frei war.

Und da, eines Nachts, da entfloh ich aus dem Gefängnis. Es war mir gelungen, einen Wärter zu bestechen, und die Flucht gelang.

Einige Tage verbarg ich mich, durch allettei Verfleidung unkenntlich gemacht, in Ostende. Ich wollte den Ort nicht ohne mein Kind verlassen.

Da endlich sah ich meinen Liebling eines Ta­ges am Strande spielen. Die Wärterin war im eifrigen Gespräch mit ihren Gefährtinnen. Ich er­

griff die Kleine und trug sie zu einem bereitstehen-, den Wagen.

Erst wollte das Kind schreien, es fürchtete sich vor meinem großen Bart; als ich es ober an- flüsterte, daß ich ja der Papa fei, erkannte sie mich jauchzend. Sie wollte nicht wieder zu Mama,, erzählte sie, Mama wäre böse und hätte Jela ge-: schlagen, weil sie nicht dem Onkel, der immer kam,' die Hand geben wollte. Es kämen viele Onkels zu Mama, aber Jela wollte die Onkel nicht, die wollte nur dm Papa.

Zitternd preßte ich das Heine Plappermäulchen an mich. Wenn man mich jetzt entdeckte, wem» man mir das Kind wieder nahm?

Aber die Entfühmng gelang. Zu Schiff, zn Wagen, mit der Eisenbahn, nur immer ganz kurze Strecken zurücklegend, fuhr ich mit dem Kinde die Krmz und die Quer. Hier und da sah ich Plakate angeschlagen, die meine steckbriefliche Verfolgung kundgaben. Immer wechselte ich meine Verklei­dung. Wochen lang war ich schon mit dem Kinde herum geirrt.

Eine Wärterin wagte ich mir nicht zu nehmen, aus Furcht vor Verrat. Soffen Sie mich schwei-, gen übet diese entsetzliche Zeit. Da fiel mir mein Vaterhaus ein mit seinen heimlichen Verstecken, - und ich dachte in heißer Liebe und Qual an die heißm Mutterhände, bte in der Heimat sich betend für mich ineinander legten. Zu ihr wollte ich mein Kleinod bringen, es vor der eigenen Mutier zu schützen.

Heimlich in der «acht kam ich nach Bastt zu­rück. Mein Freund Reiter wurde dort in alles eingeweiht. Er warnte mich auch, meine Woh­nung zu betreten. Sotta ließe fte Tag und Nacht bewachen, um meiner und deS Kindes habhaft zu werden. Er hätte gehört, daß fie sich nach Leipzig gewandt und zwar sei fte in Gesellschaft