mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
xnd den Beilagen: »Jach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage."
Jti. 170
Die „Oberhefflsche Zeitung« erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2,00 <M.. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
Marburg
Sonnabend, 23. Jiili 1910.
Die Insertionsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebier des Blattes für die 7gelnaltene Zeile oder deren Raum 15 4, für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 4- — Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch. Universttäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
45. Jchrg.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 59.
Bestellungen
für die Monate August uud September auf die „Ob er hessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt, Wetter, Ebb- dors, Hachborn, HeSkem-Mölln, Sei* denHosen, Dreihause«, Wittelsberg, Niederweimar, Niederwalgern, Damm und Lohra sowie von allen Post- anstalten und Landbriesträger« entgegengenommen.
Ein Versuchsballon.
Die „Tribuna" weiß von einer bevorstehenden Veränderung der politischen Stimmungen in der Türkei zu berichten: die gegenwärtige türkische Regierung wolle ihr Heim in einem möglichst engen Anschlüsse an den Dreibund suchen
Man wird in dieser Meldung einen Versuchsballon zu erblicken haben: das einflußreiche italienische Blatt möchte gern feststellen, welch« Wirkung seine Meldung in Berlin und Wien ausübt und es möchte daraus »röglichste Gewißheit über die gegenwärtigen Beziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich Ungarn auf der einen Seite und der Türkei auf der anderen gewinnen. Daß die Meldung des Blattes keine tatsächliche Unterlage hat, geht schon daraus hervor, daß eS in Verbindung mit den Verhältnissen auf dem Balkan von do:n Dreibunde spricht. Wenn schon in manche« anderen Fragen die Geschlossenheit des Dreibundes nicht immer zweifellos ist — man denke nur an Marokko —, so kann man bet den Balkanfragen schon garnicht vo« dem Dreibunde als einem einheitlichen Fattor sprechen. Denn auf dem Balkan bestehen seit Jahren Gegensätze zwischen Oesterreich-Ungarn und Italien, die nur mühsam verkleistert werden konnten. Man drnke beispielsweise an die Donau-Adria- vahn, bei der Italien eine den Jntereffen Oesterreich-Ungarns entgegengesetzte Haltung eingenommen hat. Aehnlich verhält eS sich in der alba- Nsfchen und in zahlreichen anderen Fragen. Dazu kommt noch, daß bei der Zusammenkunft in Racconigi Abmachungen zwischen dem russischen Kaiser und dem italienischen Könige getroffen sein sollen, die keineswegs im Sinne der österreichischen Jntereffen gehalten sein sollen. Endlich sei noch daran erinnert, daß in der gegm- wärtig brennendsten Balkanfrage, in der kretischen Angelegenheit, Italien zu den sogenannten Schutzmächten gehört, während Deuffchland und Oesterreich-Ungarn bekanntlich außerhalb dieses Konzerts stehen.
40 (Nachdruck verboten.)
>>," Kantate.
Von Anny »othe. ' ^Fortsetzung.)
Ein Zittern rann durch Karleens KSrper. Wie sanft und weich des Fremden Stimme sich in ihr Herz schmeichelte. Wie Glockmton aus fernen Kindertagen.
„Den Kelch der Gnade beut die Liebe." Hatte er die Worte wirllich wieder gesprochen oder zitterten sie nur durch ihre Seele?"
Und wieder fühlte sie sich dem seltsamen Banne verfallen, dem sie doch entfliehm wollte um jedm Preis.
„Und wenn ich Ihren Wunsch nicht erfüllm kann, mein Herr? Wmn mein Pflichtgefühl mir gebietet, nicht länger zu schweigen?"
Er hob abwehrend die Hand.
„Pflicht! Was ist Pflicht? In dm meisten Fallen eine Selbstgefälligkeit, in der wir uns so groß, so ehrlich, so erhaben Vorkommen. Ich habe in meinem Leben viele Pflichten erfüllen, viele verletzen sehen, aber immer nur aus Egoismus."
„Die Menschen müssen Jhnm sehr wehe getan haben, daß Sie so schlecht von ihnen denken. Mer wollen wir nicht zur Sache kommen? Was haben Sie mir zu sagen? Es dunkelt bald, und ich muß «ach Hause."
Das seltsame Paar war unwillkürlich dm breiten, verschneiten Weg entlang gegangen, tiefet in den Friedbos hinein.
Karleens Furcht war gewichen. Klar und ruhig sah sie jetzt in des fremben Mannes Ange- sicht.
Rein, er war kein Verbrecher.
Aus allem geht hervor, daß es geradezu sinnlos ist, bei den Balkanangelegenheiten von dem Dreibunde zu sprechen. Solange wenigstens sinnlos, als Italien nicht eine ganz andere Haltung einnimmt, wofür aber noch keine Anzeichen vorhanden sind. Das italienische Blatt ist wohl zu seinem Aufdenbuschklopfen durch die Meldung veranlaßt worden, daß je 30 türkische Offiziere demnächst in Oestereich-Ungam und in Deuffchland militärischen Studim obliegen werden und es schließt daraus auf eine Intimität, über die es gern Näheres erfahren würde. Taffächlich besteht eine solche Intimität zur Zeit noch nicht. Es ist vielmehr nur etwas Negattves festzustellen, nämlich, daß die Begeistemng der gegmwärffg jung- türkischen Regiemng für England einen starken Stoß erlitten hat. Richtiger vielleicht eine ganze Anzahl von Stößen, so beispielsweise die Haltung Englands in der kretischen Frage, die För- demng der Unruhen in Arabien durch die Engländer, die ungerechfferttgten Ansprüche Englands in der Angelegenheit der Schisfahrt auf Euphrat und Tigris. Einen neuen Grund der Verstimmung gegen England bildet der volkstümliche Mißerfolg der mit so großer Reklame eingeleiteten Willcorschen Bewässerungsarbeiten in Mesopotamien, durch die nicht Nutzm gestiftet, son, dern Schaden angerichtet worden ist. Die Geldmittel der jungen Türkei sind zu knapp, als daß sie für solche schädlichm Experimente verausgabt werdm könnten.
Trotz alledem ist an eine vollständige Abkehr der Jungtürkm von ihrer bisherigen england- freundlichen Polittk noch nicht zu dmken. Dazu ist für diese das Wort Freiheit unausgesetzt im Munde führenden Leute der Begriff politischer Freiheit zu sehr mit England verknüpft. Die Sache könnte sich allerdings änbern, wenn, woran kaum zu zweifeln ist. die griechische und die kre- ttsche Frage in einigen Monaten wieder brennend werden. Gewiffe Vorkehrungm Griechenlands lassen darauf schließen, daß dieser kleine Staat seine ehrgeizigen, dm Friedm schwer gefährdenden Pläne noch immer nicht ausgegeben hat. Kommt es dann zu einem schweren Konflikte zwischen der Türkei und Griechenland, dann wird die Türkei erkennen, wo sie ihre Freunde hat, und auf welcher Seite sich ihre Gegner finden. Bis dahin aber ist an eine völlig andere Orientierung der türkischen Polittk nicht zu denken. wenn auch freilich anerkannt werden muß, daß jmes schwere Mißtrauen gegen Deutschland, mit dem das jungtürttsche Regime begann, schon seit geraumer Zeit merklich abgenommen hat.
Ist Johann Orth tot?
Die durch die beantragte Todeserklärung wieder aktuell gewordene Frage, ob Johann Orth noch lebt, läßt natürlich wieder allerhand Meldungen austauchen, die beweisen sollen, daß sich Johann Orth noch am Leben befindet. So veröffentlicht der belgische Südpolarforscher Lecointe heute präzise Mitteilungen über ein Zusammentreffen mit einem Deutschen in Patagonien, den er für den verschollenen Johann
Und in dieser Erkenntnis zuckte es wie ein Wehes Lächeln in ihrem Antlitz auf.
Rolf Mehnert sah das Lächeln, und er sog es in sich mit seinen brennenden Augen.
„Ich muß weit ausholm," sagte er, „wmn ich Jhnm klar machen soll, wie mich das Schicksal in die selffame Lage zwang, in der ich mich augenblicklich befinde."
„Ich hatte ein« glücksfrohe, sonnige Kindheit,« fuhr er fort, den großen schwarzm Hut vom Kopfe nehmend, als dränge es ihn, die hohe Stirn vom Winde kühlen zu laffe«.
„Mr wohnten hier in Leipzig in einem lieben alten Hause, ganz veffteckt im grünen Gerank. Mein Vater war ein Gelehrter, ein stiller, aber glücklicher Mann. Vor einer Reinen Weile habe ich dort unten in der Gruft an seinem Sarge gestanden und mir Mui geholt zu der Beichte, die ich Ihnen ablegen wollte."
Karlem fühlte, wie ihr das Blut heiß ins Gesicht stteg. Sie zog den schwarzen Schleier fester um die blonden Haarwellen, die unter dem Hut rebellisch hervorquollen.
„Meine Mutter war eine Kaufmannstochter," fuhr der Redende fort, „in dem lieben alten Hause da unten an der Pleiße hattm schon Jahrhunderte lang ihre Vorfahren gehaust. Ihr Vater war ein sehr vermögender Mann, der es nur un- gem sah, daß sein einziges Kind einen, wie er meinte, simple« Professor nahm. Er hatte andere Pläne mit meiner Mutter. Alexander Berrnmm, Ihr Herr Vater, mein Fräulein, bewarb sich um meine Mutter."
Karlem gab einen Laut der Ueberrafchung von sich.
„Rolf Mehnert! Sie, Sie wäre«?'
„Der einzige Sohn der Jugendfrmndin Ihres Vaters, die er, wie ich glaube, innig geliebt hat."
I Orth hält. Er verweist dabei auf seinen Bericht an die belgische geographische Gesellschaft in Brüffel und zittert folgende vom 15. Juli 1899 datierte Stelle daraus: Am 6. Juli 1899 stießen wir auf einen Deut« scheu. Seine Aussprache ließ ihn uns für einen Deutschen halten, zudem nannte er sich Friedrich Otten. Dieser Mann lebte in bet Gegend seit sechs Jahren von der Jagd auf das Puma und auf den Strauß. Dann heißt es weiter: Unsere Karawane bestand aus vier Leuten und sieben Pferden. Wir zogm dem Laufe des Rio de Santa Cruz entlang stromaufwärts, um die argentinischen Seen zu erforschen. Als wir bei einem See anlangten, kam uns ein Rudel Hunde entgegen, die uns zu ihrem hochgewachsenen Herrn führten, der zwar ganz in Fetzen gekleidet war, aber trotzdem in seinem ganzen Benehmen eine gewiffe Eleganz verriet. Haar und Bart waren verwildert. Er lebte unter einem arabischen Zelte, das allerdings sehr notbürfttg eingerichtet war, aber wohin man blickte, sah man Bücher. Ich fragte ihn nach seiner Herkunft, und nach längerem Besinnen antwortete er: Ich bin von deutscher Geburt und man nennt mich Friedrich Otten. Er sprach vollständig fließend deutsch, spanisch, englisch und französisch. Seine Pferde und Hunde hausten in der Nähe seines Zeltes. Er gewährte uns Gastfreundschaft. Ich fragte ihn nach den Gründen seines zurückgezogenen Lebens, aber er gab nur ausweichende Antworten. Herr Lecointe erzählt bann noch, baß er ein Jahr nach seiner Rückkehr aus Patagonien in Berlin einem biplo- mattschen Diner beiwohnte, wobei er einen Bericht von seiner Reise gab. U. a. kam er auch auf ben geheimnisvollen Deutschen am Ufer des Leone-Sees zu sprechen, unb als er mit seiner Schilderung fertig war, da sagte der anwesende österreichisch-ungarische Botschafter: Sie haben uns da einen Mann beschrieben, der außerordentlich dem verschollenen Johann Orth gleicht!
Nach einer wetteren Meldung soll sich Johann Orth In Aegypten befinden. Der „Deutschen Tageszeitung,, wird darüber geschrieben: Erzherzog Johannes Salvator, genannt Johannes Orth, lebt nach Aussage eines höhere« Beamten der englischm Su- dan-Reglerung seit langen Jahren in Kairo unb ist von bem österreichischen Kaiserhaus« verpflichtet worden, nicht nach Oesterreich zurückzukehren. Mein Gewährsmann ist mit den österreichischen Verhältniffen sehr vertraut unb hat mir wiederholt versichert, daß seine Mitteilungen ber Wahrheit entsprächen. Orth hat einen anberen Namen angenommen und lebt dort in Kairo resp. auch in anderen Teilen Aegypten» sehr zurückgezogen und läßt sich nirgends sehen.
Politische Umschau.
Eine Besteuerung des Vermögenszuwachses schlägt der Landtagsabgeordnete und frühere ßanbrat v. Dewitz in dem „Erenzboien" vor. Folgende Sätze feien aus bem Artikel wieder gegeben: „Der Steuer* zuwachs in den sechs unteren Vermögensstufen von 6000 bis 500 000 M beläuft sich in 14 Jahren auf
Karlem fenfte tief ben blonbe« Kopf.
„Einmal sprach mir Papa bavon, unb auch von Ihnen. Papa unb ich gingen an Ihrem Haufe vorüber. Ich weiß es genau, es war am Kantate-Sonntag, kurz nach meiner Konfirma- tton. Wir standen an bem eifernen Tor und fchauten in ben stillen Garten, ber in Mitten prang,«.
Bis jetzt, fugte mein Vater, wohnte bort in bem alten Hanse das Glück — mein Glück ist dort versunken — nun ist zum ersten Mal ein Schatten auf das Leben meiner einstigen, unvergeßlichm Freundin gefallen, sie hat ihren einzigen Sohn verloren.
Ist er tot? fragte ich.
Nein, gab mein Vater zurück. Rolf ist ein Abtrünniger geworden. Er hat Vater und Mutter verlassen, um einem Weibe anzuhängm, das feiner nicht wert ist. Der Vater hat ihn verstoßen und die Mutter sitzt im Jammer.
Du solltest sie trösten, Vater, sagte ich.
Da schüttelte Papa ernst das Haupt. Es gibt Schmerzen, die so tief sind, daß niemand daran rühren darf. Fttedttke Mehnert und ich sind im Groll geschieden, unb ich habe kein Recht, mich ihr zu nahen. Deine Mutter, Kinb, wünschte es auch nicht, aber ich habe boch immer ihr Geschick mit waumem Freundesherzen verfolgt. Sie muß nun alt fein wie ich, die gute Fttedttke, unb sie hat ihren einzigen Sohn verloren."
„Wir ftanben lange an bem Eismgitter," schloß Karlem, „unb ich haßte Sie bamals, well Sie Ihrer Mutter, bie Papa einst geliebt, Schmerz bereitet hatten."
Rolf Mehnerts Blicke hingm an ben roten Lippen des jungen Mädchens, das, wie verloren in toeiter gerne, vor sich hinfprach.
„Ja," wiederholte Solfc „viel Schmerz habe
7 423 345 Millionen, was einem Vermögenszuwach» von rund 14 854 Millionen oder jährlich von 1060 Millionen entspricht. Bei einet Zuwachssteuer vo« 0,5 bis 5 Prozent, im Durchschnitt von 2,5 Prozent für diese Vermögenssteigerung würde sich hiernach ein Ertrag von 24,5 Millionen ergeben. Der Steuer* zuwach» in den drei oberen Vermögensstufen von 500 000 <* und mehr berechnet sich in dem gleichen Zeitraum auf 13 070 Millionen oder jährlich auf 934 Millionen. Bei einer Wertzuwachssteuer von 5—10 Prozent, im Durchschnitt von 7,5 Prozent für diese Vermögenssteigerung würde sich hiernach ein Ertrag von rund 70 Millionen ergeben. Das wäre eine sozial gerechte Verteilung einet Steuer, wie sie weder bei der Einkommensteuer infolge der Begrenzung der Steuetptogteffion auf 5 Prozent, noch bei einet Erbschaftssteuer vom Vermögen, die bekanntlich mit 3 Prozent bei Besteuerung de» an die Deszendenten fallenden Erbteils ihr Ende haben sollte, zu erreichen ist."
Schutzvetband gegen StreiffchLden.
Berlin, 18. Juli. In der letzten Mitgliederversammlung des Schutzverbcmbes gegen StreiffchLden (Gruppe bet Hauptstelle deutscher Arbeitgeberverbände), die unter dem Vorsitz des LandratS a. D. Roetger tagte, erstattete zunächst Syndikus Dr. Länzler ben Geschäftsbericht. Diesem ist zu entnehmen, baß zu» Zeit Hauptver- bftnbe und 41 Unterverbände bem Schutzver- bande angeschloffen sinb. Sie umfassen 2335 Betriebe mit 359 689 Arbeiter« unb einer JahreS- lohnsumme von über 264 Millionei Mark. DiS vergangene Geschäftsjahr 1909, so sagt ber Bericht, ist ein ruhiges gewesen. Die Zahl bet Streiktage (Zahl bet ausständigen oder ausgesperrten Arbeitet multtplliziett mit der Dauer der Bewegung) betrug mir 36 616 gegen 343 074 im Jahr« 1908. Das Vermögen des Schutzverbandes hat hiernach einen erheblichen Zuwachs erfahrm. Für das Jahr 1910 sinb jedoch größere Arbeiterbewegungen zu erwarten unb zum Teil schon eingetreten. Der Berichterstatter hob bei ferneren hervor, baß bie günstige Entwickelung des Schutzverbandes und bie verhältnismäßige Ruhe ber zurückliegenden Zelt es ermöglicht habe, für die Voraussetzungen des Einttetens des Schutzverbandes einige wesentliche Milderungen eintreten zu -assen. Es stehe zu hoffen, daß man in dieser Hinsicht in Zukunft noch weiter werde gehen können. Die Kasse des Schutzverbandes fei bisher in der Lage gewesen, ihre Verpflichtungen rn voll'M Umfange zu erfüllen. — Die Versammlung nahm hiervon mit Befttedigung Kenntnis. Die Jahresrechnung für das Jahr 1909 wurde für richtig befunden und die Entlastung des Vor-, stanbes ausgesprochen. Der Haushaltsplan für die Jahre 1909 und 1910 wurde in der vorgeschlagenen Form genehmigt. — Für die aus bem Vorstände satzungsgemäß ausscheibenden Herren wurden durch das LoS gewählt: Fabttk-, besitze! Eduard Meyer (Aachen) und Direttot Haasernann (Bremen). Da Fabrikbesitzer Meyer die Wahl nicht annimmt, wird an dessen Stelle Regierungsassessor a. D. Pastor (Aachen) gewählt.
ich meiner Mutter bereitet. Aber lassen 'Sie mich weiter berichten"
„Mein Großvater gab, wie gesagt, nur widerwillig seine Einwilligung zu der Verbindung meiner Eltern. Meine Mutter hatte sich in letzter Minute von Alexander Sermon« abgewandt, als bas Verlöbnis schon beschlossene Sache war, ober enblich opferte doch mein Großvater seinen Patttzierstolz bem Glück seines einzigen KinbeS.
Meine Eltern wurden ein sehr glückliches Paar. Ich war und blieb ihr einziges Kind. Trotz unseres Reichtums wurde ich sehr einfach erzogen.
Nie hat auch nur ein Mißton unser Farnilien- leben getrübt, bis eine Frau in mein Leben trat, die alle Bande löste, welche mich mit meinem Elternhause verknüpften. Ich hatte meine Studien beendigt und war auf Wunsch meines Vater- einige Zeit auf Seifen gegangen, mit die Wett anzusehen. " ;
Ich genoß in vollen Zügen. Mit reichen SHt» fein ausgestattet, mit offenen Augen und offenem Herzen offenbarte sich mir überall nur Schönheit. Mit jugendlicher Empfänglichkttt trat ich allem Reuen entgegen, beraufchte mich an der Herrlichkeit fremder Länder, unb war glücklich, wenn ab unb zu ein Briefblatt aus bem stillen alten Hause baheim mir sagte, welch ein heimliches liebe» Plätzchen ich doch ganz in ber Ferne mein Eigen nannte, ein Besitz köstlicher als alle Schätze bet Erde. _______‘
Da begegnete mir auf einem meiner Streik züge ein Weib. Sie war fchön wie ba8 Morgen-' licht, unb sie fang.
Sie hatte eine Stimme wie Glockenton, rock, wenn sie lachte, bann war es, al8 blühten Soft« zwischen ihren Lippen auf. >
(Fortsetzung folgt.) >