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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

«nd den Beilagen:Nach Feierabend» (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage."

45. Jahrg.

l'o IßQ jährlich durch die

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v. Schönberger, in Schönbrunn empfangen. Die De«

einiger Zeit wurde aus Hongkong gemeldet, es schwebten dort Verhandlungen zwischen dem General Machado und dem chinesischen Unterhändler Kaereh- tschienwegen Abgrenzung Macaos von dem chine­sischen Hinterlande». Selbstverständlich versteckie sich dahinter die chinesische Absicht, die Portugiesen ganz aus Macao hinaus zu manövrieren: man schien sich

Marburg

Freitag, 22. Juli 1910

DieOberhessische Zeitung» erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- ' ' > Post bezogen 2,25 M (ohne Bestellgeld), bei

unseren Zeitüngsstellen und der Expedition (Markt 21), 2,00 M. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

Die Znsertionsgebühr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7getnaltene Zeile oder bereit Raum 15 4, für auswärtige Inserate 20 A, für Reklamen 40 L. Druck und Verlag: Ioh. Aug. Koch, Univerfitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

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für die Monate August und September mif dieOberhesfifche Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedl- kion (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt, Wetter, Ebs­dorf, Hachborn, HeSkem-Mölln, Lek« denhofen, Dreihaufen, Wittelsberg, Ricdcrweimar, Niederwalgern, Damm und Lohra fowie von allen Post­anstalten und Landbriesträger« entgegengenom­men.

Etwas vom Nationalverein.

Bald nach den Reichstagswahlen von 1907 wurde von Männern sehr weit links gerichteter politischer Anschauungen ein sogenannterNa« tionalverein» ins Leben gerufen, der mit Bedacht an den Namen des alten Nationalvereins an­knüpfte. Dieser, der seinen Namen mit vollem Rechte führte, weil sein Ziel die nationale Einig­ung Deutschlands war, mußte sich schon nach we­nigen Jahren auftösen, nicht etwa well er sein Ziel erreicht hatte seine Auflösung erfolgte schon 1867, sondern weil feine Mitglieder sich nicht über die Frage einigen konnten, wie sie den neuen Bau des geeinten Deutschland im Innern einrichten sollten. So ging man denn noch recht­zeitig auseinander, hier nach rechts, dort nach links. Ob unter Berücksichtigung dieser geschicht­lichen Tatsache eS grade sehr geschickt gewesen ist, den alten Namen wieder aufleben zu lassen, konnte füglich bezweifelt werden. Die Begründer des neuen Nationalvereins haben selbst Wohl bald herausgefühlt, daß der Name für eine ganz andere Ziele verfolgende Organisation nicht passe, und es wurde dem Namen der Zusatzfür das liberale Deutschland» hinzugefügt.

Der neueNationalverein für das liberale Deutschland» hielt im Sommer 1907 seine erste Tagung in Heidelberg ab. Auf dieser Tagung hielt Professor Dr. Gothetn-Heidelberg die pro­grammatische Rede, und was er sagte, klang ganz leidlich ,sowet er sich mit der Stellung des neuen Vereins zur Sozialdemokratie beschäftigte. Pro­fessor Goiheiu erklärte ausdrücklich, daß der Na- tionalberein die politische Sozialdemokratie be­kämpfe und zwar dadurch, daß man bestrebt sein werde, die Sozialdemokratie innerlich umzuwan- delu. Seitdem sind drei Jahre ins Land ge­zogen, von einer Bekämpfung der Sozialdemo­kratie durch den Nationalverein hat man aber nie etwas verspürt, auch hat man nichts davon gehört, wie den der Rationalverein diese innere Umwandlung erreichen wolle und was er über­haupt zur Erreichung dieses gewiß sehr löblichen Zieles bisher unternommen hat.

Da kommt aus Süddeutschland eine Kunde, die vielleicht geeignet ist, den Schleier von den

Absichten des Nationalvereins auf diesem Ge­biete ein wenig zu lüften. Vor wenigen Tagen hat nämlich in Landau eine Versammlung von Nationalliberalen, Jungliberalen und Freisin­nigen stattgefunden, in der der Direktor des Na­tionalvereins, Dr. Ohr, eine Rede hielt, in deren Verlauf der Herr rund heraus erklärte,daß es uns Liberalen gleichgülttg sein kann, wie viele Sozialdemokraten im Reichstage sitzen». Wir wissen nicht, welche Liberalen Hern Dr. Ohr das Mandat übertragen haben, vor aller Welt eine derartige Erklärung abzugeben, das eine aber wissen wir, daß es unzählige wirklich liberale Männer gibt, denen es nicht nur nicht gleichgülttg ist, wie viele Sozialdemokraten im Reichstage sitzen, sondern die jede Vermehrung der sozial- demokrattschen Parlamentssitze für das größte nationale Unglück ansehen, das Deutschland über­haupt treffen kann. Herr Dr. Ohr, der geiftige Leiter des Nationalvereins, ivird sich daher schon dazu bequemen müssen, seine Aeußerungen dahin einzuschränken, daß die Liberalen vom National­verein einer Vermehrung der sozialademokratt- schen Reichstagssitze mit vollster Teilnahmslosig­keit zuschanen werden.

Wer die Namen derjenigen Polittker, die bei der Begründung des Nationalvereins Gevatter gestanden haben, an sich vorüber ziehen läßt, wird über die Aeußerungen Dr. Ohr's nicht sonderlich überrascht sein, bestätigen sie doch nur, was man von vornherein erwartet hatte, nämlich daß der Nattonalverein für das liberale Deutschland» nichts anderes fein werde, als eine bürgerliche Hilfstruppe die Sozialdemokratte. Selbst die Mainbrücke», das Organ der Frankfurter Jung- liberalen, die, wenn auch nur verblümt und schämig, die Wahl des Sozialdemokraten bei der Stichwahl in Friedberg-Büdingen befürwortet hatte, muß zugeben, daß es doch nicht anginge, die sozialdemokrattsche Bewegung mit allen ihren schlimmen, auch für den Liberalismus und grabe für diesen schlimmen Begleiterscheinungen einfach zu übersehen und unbekämpft sich ver­mehren zu lassen».

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Portugal und China.

Aus dem portugiesischen Schutzgebiet in Ostafien kommt seltsame Kunde. Auf der Insel Eolowan haben die Einwohner mit den Piraten gemeinsame Sache gemacht und sich gegen das portugiesische Regi­ment erhoben. Der Gouverneur von Macao hat da­rauf 200 Mann Infanterie dorthin gesandt und das Fort Colowan durch die KanonenbootePatria» und Macao" beschießen lassen. Die Kämpfe dauern schon mehrere Tage. Hunderte von Chinesen sind gefallen, und auch die Portugiesen haben einige Verluste an Toten und Verwundeten erlitten. Eine Flotte von 7, nach anderen Meldungen 14, chinesischen Kanonen­booten soll bemüht sein, die Portugiesen dabei zu unterstützen, die Insel vollständig abzusperren. Wahr­scheinlich handelt es sich bei dieser Hilfsaktion der chinesischen Regierung um nichts weiter als ihr üb­liches Bestreben, dasGesicht zu wahren". Vor

in Peking nur noch nicht ganz sicher zu sein, ob solcher Versuch nicht durch Einmischung ftemder Großmächte vereitelt werden möchte. Schon damals sandte die portugiesische Regierung schleunigst Kriegsschiffe in die südchinesischen Gewässer, weil in ihrem Schutz­gebiete Unruhen auszubrechen drohten.

Macao erlebte seine größte Blüte, als in Amerika die Sklaverei abgeschafft wurde und infolgedessen dort ein empfindlicher Mangel an Arbeitern sich ein­stellte. Damals erfanden die Portugiesen Ostasiens die Auswanderung chinesischer Kulis nach Süd- und Mittelamerika, den Handel mit chinesischer Menschen­ware, und Macao wurde der Hauptknotenpunkt dieses Handels. Später eröffneten die Engländer im be­nachbarten Hongkong, das sich zuerst nut langsam ent­wickelte, einen heftigen Federkrieg gegen die Greuel der portugiesischen Kuliausfuhr und das führte dazu, daß sich die Portugiesen 1876 genötigt sahen, ihre Auswanderungsstätten in Macao zu schließen. Ma­caos Handel ging dann größtenteils an Hongkong über: sein Hasen versandete. Dagegen ist das Topho- spiel, das unter dem Namen Macao auch eine Zeit­lang in europäischen Weltstädten, namentlich Paris, grassierte, noch heute eine typische Erscheinung des Lebens in Macao, und zahlreiche Vergnügungs­dampfer bringen in derSaison" an Sonntagen Tau­sende von weißen und farbigen Einwohnern Hong­kongs nach derStadt der Gärten", derPerle des Ostens".

Deutsches Reich.

Zusammenkunft zwischen dem Zaren und Kai­ser Wilhelm. Kopenhagen, 20. Juli. Wie hiesige Blätter aus Petersburg melden, soll auf Wunsch des Zaren im August in den finnischen Gewässern eine Zusammenkunft zwischen dem Zaren und Kaiser Wil­helm stattfinden.

Hebet den Tag der Ankunft Kaiser Wilhelms in Wien. Wien, 20. Juli. Wie die Korrespondenz Wilhelm" zuverlässig erfährt, wird Kaiser Wilhelm am 20. September in Men eintreffen. Für den Aufenthalt find zwei Tage in Aussicht genommen. Vorher wird der Kaiser am 17., 18. und 19. Sept, auf Einladung des Erzherzogs Friedrich in Bellye an Jagden teilnehmen. In die Zeit des Wiener Aufenthalts des deutschen Kaisers fällt beiläufig das 25jährige Jnhaberjubiläum des Husarenregiments Rr. 7, das im September 1885 dem damaligen Prin­zen Wilhelm von Preußen verliehen wurde. Wäh­rend seines Wiener Aufenthaltes wird der Kaiser eine Deputation dieses Regiments unter der Füh­rung seines Kommandeurs, des Obersten Freiherrn

putatton wird dem Monarchen einen Ehrensäbel mit entsprechender Inschrift als Widmung des Regiments überreichen. Das Offizierkorps hatte die Absicht, eine Deputation zur llebergabe des Ehrensäbels nach Berlin zu entsenden, erhielt jedoch auf eine dies­bezügliche Anfrage die Antwort, daß bet Kaiser ohnehin zur Zeit bes Jubiläums in Wien sein und die Deputation in Schönbrunn empfangen werde.

Fürst und Fürstin > Bülow haben vorgestern abend um 11 llhr 41 Min. vom Lehrter Bahnhof aus Berlin verlassen, um sich nach Norderney zu begeben. Zur Verabschiedung war Legationsrat v. Kemnitz anwesend, der im Auftrage des beurlaubten Unter­staatssekretärs Wahnschaffe im Namen der Reichs­kanzlei gekommen war.

Neuer Kur» im Kolonialamt?» Unter diesem Titel veröffentlicht dieDeutsche Tagesztg." folgende Zuschrift:Das Regime Lindequist im Kolonialamt beginnt in seinen von den Dernburgschen abweichen- den Zügen allmählich hervorzutreten. So scheinen die besten Tage bet Land- und Bergbaugesellschaften in Südwest vorüber zu sein. Die Auseinandersetzung mit betSouth-West-Afrika-Territories" ist z. B., wie wir hören, bereits im Gange unb wirb vermut­lich demnächst zu Feststellungsklagen übet den Um­fang bet beiderseitigen Rechte führen. Ebenso barf^ man nach gewissen Anzeichen annehmen, daß das Ko- lonialamt nunmehr auch den Umfang der Rechts-1 fphäre bet beutschen Kolonialgesellschaft wenigstens in einigen Punkten für tevistonsfähig hält. Schließ­lich hat bet gesunde Grundgedanke der bekannten Erzbetgetschen Vorschläge, daß die Aufwendungen be» Reiches während der Kriegszeit diesem besondere moralische Ansprüche gegen die südwestafrikanischen Gesellschaften gegeben haben, und daß solche An­sprüche in lohnendem Umfange auch auf dem Wege' der Sonderbesteuerung geltend gemacht werden können, neuerdings auch im Kolonialamt mehr - Freunde als bisher. In den Personalfragen wird nach wie vor verhandelt, ohne daß man damit bisher viel weiter gekommen wäre."

Ersatzwahl zum Abgeordnetenhause. Gnaden- selb (Reg.-Bez. Oppeln), 20. Juli. In der Ersatz­wahl zum Abgeordnetenhause im Wahlbezirk Oppeln 8 wurde Justtzrat Rttta (Zentrum), Breslau, mit 356 Stimmen von 357 abgegebenen Stimmen ge­wählt. Ein Gegenkandidat war nicht ausgestellt worden.

Ei« neuer Postpaketvertrag mit China. Ber- lin, 20. Juli. Der neue Postpaketvertrag zwischen Deutschland und China, der den Austausch von Paketen auf der Basis bes Weltpostvereins regelt, sieht vor: Den Postpaketaustausch in beiden Rich­tungen und mit allen Orten mit den Postanstalten in China und zwar bis zum Gewicht von 10 Kilo mit* ber Einschränkung, daß bas Gewicht von Paketen nach chinesischen Postanstalten, die nicht an einer Eisenbahn oder Dampferanlegestelle liegen, auf drei' Kilo beschränkt werden kann, wenn die chinesische Be-

89 (Nachdruck verboten.)

> Kantate.

Bon Anny Wolhe. I

(Fortsetzung.)

Magiias Klingel tönte wild dazwischen. Fräulein Walther hat das Wort.»

Ferdinande Walther rückte ihren Kneifer etwas fester auf der kleinen kecken Rase zurecht. Ein ver­nichtender Blick traf Borns aus den kampflüster­nen Augen, als sie begann:

Graf v. d. Grobe« hat «ns den Vorwurf ge­macht, daß unser Vorgehen unserer eigenen Sache nur schade. Wir können natürlich diesen Vor­wurf nicht aus uns sitzen lassen. Ich protestiere in unser aller Namen gegen diese Auffassung, die nur ans Unkenntnis der ganzen Sache möglich ist. Die Furcht der Männer vor unserer größeren Intelligenz, unserer Opserfteudigkeit, unserer Ausdauer, unserer Hingebung an eine Sache ist es allein, die den Vorwärtsstrebenden Frauen in jeder Weise Hemmschuhe anlegen. Der Unfehl­barkeitsglaube des starken Geschlechts, zu dem untere Mütter und Großmütter noch anbetend aufsahen, ist Gott sei dank lange im Aussterben begriffen, seitdem die Frauen sich aus sich selbst besonnen haben. Liebe und Ehe, der Inbegriff aller Seligkeit und der einzige Lebensinhalt für die Frau von dazumal, hat lange aufgehört, et­was Erstrebenswertes zu jein. Das kommt höch­stens noch für solche Weiber in Betracht, welche die Ehe als Pcrsorgungsanstalt ansehen, weil sie selbst unfähig sind, auf eigenen Füßen zu stehen. So lange nicht jede Frau im Stande ist, für sich selbst zu sorgen, sollte ihr überhaupt von Staats­wegen die Ehe verboten werden. Biel Gleich, diel Rot und Sorge würden dadurch aus der

Welt geschafft. Denn in Tausenden und Aber tausenden von Familien ist heutzutage nicht der Mann, sondern die Frau, der erwerbende Teil, und ist sie es nicht, so müßte doch jede Frau im Stande sein, in Fällen bet Not, wenn Krankheit ober sonstiges Unheil hereinbricht, die Stelle des Erwerbers einzunehmen.»

Sehr richtig,» rief Clarisfa Röder mit leuch tenden Augen, wäbrend das Rösele übermütig lachte:

So dumm! Auch noch einen Mann und Kin­der ernähren, ich will froh sein, wenn ich mich selber durchbringe. Nach zehnjährigem Studium verdiene ich vielleicht soviel, daß ich allein satt werde.»

Unwillig straften Fernandes Augen die Heine Vorlaute, dann reckie sie das Näschm noch höher und fuhr fort:

So lange noch die Gesetzgebung allein in den Händen der Männer liech, haben wir nichts zu hoffen. Darum müssen wir wieder und immer wieder darauf bestehen, daß die Frauen Sitz und Stimme im Reichstag haben und ihr Wort so viel gilt wie das des simpelsten Mannes, der vielleicht nicht mal einen Hund hinter dem Back­ofen hervor locken kann.»

Sein s barmherzig, Grafel,» flehte das Rorle mit angstvoll erhobenen Händen,da steckt man uns am Ende a noch in de Uniform, denn wenn wir alle Rechte wie die Mannerln haben, muffen wir a noch moal mit in den Krieg?»

Ruhe,» gebot Magita wieder und ein ner­vöses Zucken lief über ihr zartes Gesicht. Von Zeit ju Zeit fuhr sie mtf der Hand in ihren hohen, steifen, weißen Kragen, als wäre er ihr zu eng, als müßte sie ersticken.

Der Graf bemerkte es mit heimlicher Schaden­freude. , - .

Der Mann überhaupt,» rief Clarffsa Röder dazwischen,ist das Bmtalste, was existiert. Nur die Frau, die ihm zum Spielzeug taugt, findet Gnade vor seinen Augen, und die Frau, die ringt und strebt, die, wie er selbst, im Daseinskampf steht, die wird erbarmungslos mebergetreten, weil ber Mann meint, sie kürze ihm feinen Platz am wannen Ofen. Nichts als gemeiner Egois­mus ist es, ber bie Männer veranlaßt, unserer heiligen Sache in jeder Weise zu schaden unb ihr entgegen zu treten.»

Graf Borris erhob sich langsam. Bis jetzt hatte er die ganze Geschichte von ber amüsanten Seite genommen, aber in der Kampfesweise die­ser Mädchen lag ein solcher Fanatismus, eine solche Ueberjeugung, daß er auch unwillkürlich in Eifer geriet.

Meine verehrten Damen,» begann er mit einem prüfenden Blick auf Magita, die, den Kops in beide Hände gestützt, da saß, als müsse sie sich die Ohren zuhalten und finfiet, fast feindselig sei­nen Blicken begegnete.

Ich bin durch Zufall in diese Versammlung gekommen und ich habe Ihnen schon vorhin er« klärt, daß mir bie ganze Art der Frauenbeweg­ung ein Greuel ist. Ich glaube garnicht persön­lich, fonbern im Sinne bes ganzen männlichen Geschlechtes zu sprechen, wenn ich sage, daß selbst das Herrlichste, bas Schönste, das Größte herab­gewürdigt wird, wenn es sich uns in Form einer Karrikatur naht. Jeder einsichtsvolle Mann, ja der ganze Staat wird der Frauenbewegung Tür und Tor öffnen, wenn sie sich im gesunden Sinn und mit gesunden Forderungen naht, die lächer­lichen Auswüchse aber muß man unerbittlich ab- fchneiden. Für einen Zukunftsstaat, tote ihn bie moderne Frauenbewegung erstrebt, sind wir alle, Märmer unb Weiber, noch nicht reis genug. Viele

sind betufen, aber wenige sind auserwählt. Da- tüchtige Weib, das den Daseinskampf aufnehmen muß, wird auch ohne Stimmrecht seinen Platz in der Welt ausfiillen und alle Rechte genießen, wozu ihre Intelligenz und ihr eigenes Können sie berechtigt, die Weiber aber, die wie Verzweifelte nach Erlösung schreien, die von dem Mann mit Gewaft los wollen, auf ben sie doch dank ihrer eigenen Unzulänglichkeit angewiesen sind, bie werden auch, selbst wem, ihnen überall gleiche Rechte mit den Männern zustehen, mit diesen Er­rungenschaften nichts anzufangen wissen. Jeder vernünftige Mann, aber auch jede vernünftige Frau wird übet diese großsprecherischen Karika­turen lachen, die so weit gehen in dem Aufgeben ihrer Weiblichkeit, baß sie sogar bie, nebenbei be­merkt, scheußliche Kleidung des Mannes nach­äffen. Frauen, die vorwärts streben, bie im Kampf des Lebens feststehen und wissen, was sie wollen, in allen Ehren, aber die Drohenden, bie' klug reben, ihre Rase in alles stecken unb nach Rechten schreien, mit benen sie gar nichts anzu- fangen wissen, bie nicht einmal Ne einfachsten, Verrichtungen ausführen können, bte lieber mit abgerissenen Knöpfen Herumlaufen, weil sie eS unter ihrer Würde hatten, sich mit so plebesischen Beschäftigungen abzugeben, bie sind in meinen i Augen biejenigen, bie bet heiligen Frauensache, von der Sie reden, bas Grab graben. ES sind bie Aermsten ber Armen, bie nie ein Kind auf bem Schoße wiegen, bie niemals lieben unb nie­mals geliebt werden.»

Einen Augenblick war es totenstill in bet. großen, vom Zigarettenrauch erfüllten Stube, > es war, als Hänge die tiefe Männerstimme tote aus einem sagenhaften Lande, zu bem bm' Hörerinnen bie Pforte verschlossen war. j

Dann aber brach es los. Ein wüster LlteM,