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GßechM Jeilmg mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain wnb den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."

Jts. 168

Die ,Qberhessifche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Exvedition (Markt 21), 2.00 JM. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

Marburg

Donnerstag, 21. Juli 1910.

45, Jahrg.

Die Jnserttonsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Berbreitungsgebier des Blattes für die 7ge^altene Ze,le oder deren Raum 15 4, für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 i. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, llnioersttäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. C. Hitzerotü, ~' 'rfiurg, Markt 21. Telephon 55.

Die Berufsstände im Reichstage.

Die Aufgaben, die die Volksvertretung zu lösen hat, liegen heute vorwiegend auf wirtschaft­lichem Gebiet. Deshalb sollten wenigstens in de: Theorie im Deutschen Reichstag die Inter­essen der verschiedenen Berufs- und Erwerl's- stände des deutschen Volkes gleichmäßig ver­treten sein. Das würde der Fall sein, wen:: jeder Wähler einen Angehörigen seines Bemfsstandes in den Reichstag wählte. Dann käme die wirt- fchafiliche Zusammensetzung des deutschen Volkes auch in der Zusammensetzung des Reichstages zum Ausdruck, wir hätten dann eine berussstän- dige Volksvertretung. Aber der Deutsch- scheint doch noch nicht materialistisch genug zu sein, nm bei den Wahlen seine wirtschaftlichen« Interessen ganz in den Vordergrund zu rücken. Die Zu­sammensetzung des Reichstages ist gmndverschi:- den von der des deutschen Volkes. Ein getreues Bild der wirischaftlichen Zusammensetzung deS deutschen Volkes die letzte Berufszählung. Nach ihr g.hören 28,7 Prozent der Bevölkerung des D.utschen Reichs zur Landwirtschaft, 42,7 Prozent zu Industrie und (scnn-tur, 18,4 Prozent zu Han­del und Verkehr, 6,8 Prozent zu den übrigen Be- rufsarten (Beamte, Heer, freie Bemfe, Dienst­boten usw.) und 8,4 Prozent zu den berufslosen Klassen (Rentiers, Pensionäre usw.). Ueberträgt man das gleiche Verhältnis auf d> deutsche Volks­vertretung, so müßten im Reichstag 223 Abgeord­nete sietzen. die beruflich zu den Gruppen Indu­strie und Gewerbe, sowie Handel und Verkehr ge­hören. In Wirflicheit gehören dem Reichstag aber nur 62 Angehörige dieser Wirtschaftsgruppe an. Die Landwirtschaft müßte ' urch 114 Abge­ordnete vertreten sein. Da im Reichstag minde­stens 107 Landwirte sitzen, so ist also hier ein an­nähernd richtiges Verhältnis hergestelli. Wie steht es nun aber mit den übrigen Berufsflassen und den Berufslosen ? Auf sie entfallen 15.2 Prozent der deutschen Bevölkerung, dem entspricht die Zahl von 60 Abgeordneten. Im Reichstag zählen wir aber nicht weniger als 227 Abgeordnete, die ihrer bürgerlichen Stellung nach unter diese Klasse ein­zureihen wären; statt 15,2 Prozent sind das 57,2 Prozent aller Reichstagsmitglieder. Unter ihn'N find besonders stark vertteten die Richter und Be­amten, Geistlichen und Lehrer, Redaktmre und Schriftsteller, Privatters und Pensionäre. Die meisten Angchörigm anderer Bemfsstände wäh- ken regelmäßig die Sozialdemokraten, die sich Wohl hauptsächlich aus Industriearbeiter zu­sammensetzen. Man könnte fragen, ob deren In« teressen nicht besser vertteten würden, wenn ste ihre Führer und ihre Abgeordneten ar. 3 dem Kreise der eigenen Berufsgenossm wähltm. Aber dann müßten sich die Arbeiter von den heuttgen Führern der sozialdemottattschen Partei frei­machen, ste müßten Angehörige tt-reS Berufes ihr Vertrauen und ihre Sttmme schenken, und dazu ist die große Masse der Sozialdemokratm offenbar noch nicht bereit; sie folgt blindlings der von den Führern ausgegebenen Parole.

=sa

Die Seuchengefahr in der Großstadt.

Die bedauerlichen Typhuserkrankungen im - Rirdorfer Fernsprechamt, beten epidemisches Auf- treten durch rechtzeitiges Eingreifen Wohl sicher

88 (Nachdruck verboten.)

Kantate.

Bon Anny Wothe. (Fortsetzung.)

BorriS hatte Mühe, ernsthaft zu bleiben, als jetzt Magita mit großem Tonaufwand begann:

Meine Damen! Ich eröffne hiermft die Sitz­ung. ES ist heute das erste Mal, daß wir einen Mann als Gast in unserer Mitte sehen, dem eigentlich statutengemäß der Eintritt in unseren VereinLos vom Mann' verschlossen bleiben sollte. Ich gehe aber von dem Standpunkte aus, daß eS vielleicht für uns alle besonders lehrreich sein dürfte, in diesem einmal eine Spezies von Männern näher kennen zu lernen, der allen un­seren Bestrebungen dirett feindlich gegenübersteht. In Graf Borris v. d. Groeben sehen Sie eine« Mann, der alle Frauen verachttt, die nicht tat Strickftrumpf und Scheuerlappen ihren Lebens­inhalt sehen und nicht willenSlose SNavinnen d«S Mannes sind.'

Ein unwillige« Gemurmel erhob sich. Man wußte nicht recht, galt es dem Grafm oder Ma- gitas heftigem Angriff gegen ihn.

Halien's man's Köpferl fest,' lachte da- Norle fast vergnügt von seinem Polster her, un­geniert ihren linken Fuß in die Höhe ziehend und sich das Schuhband zuknöpfend,daS Baroneßle jH, halt heut alles in Grund und Boden.' G J rris stand auf.

.~rf ich ums Wort bitten, Gnädigste?" ^.Später,' besckiod Magita hochmüttg über ihn

hätte vermieden werden können,, erinnern uns, als seltene Ausnahme von der Regel, daran, wie I gut es doch im ganzen genommen heutzutage um I die sanitäre Fürsorge in öffentlichen großstädti­schen Betrieben bestellt ist. Pessimisten, wie sie unter guten sozialen Verhältnissen immer am zahlreichsten zu finden sind, werden freilich sagen: Ein Wunder, daß nicht mehr passiert" und ver- schiedene Klagen daran knüpfen. Ihnen wird man ertoibem müssen, daß -s keinen menschlichen Zustand gibt, der nicht immer noch verbesserungs­bedürftig ist. Darum wäre es auch ein falscher Stolz, zu behaupten, daß wir das Ideal einer öffentlichen Gesundheitspflege schon erreicht hät­ten, dämm wäre auch ein Vergleich mit früher n Zeiten nicht am Platze, wo die Epidemien in der Reichshauptstadt noch eine böse Rolle spielten, sich nicht nur wie heute auf ein Haus oder höchsten­falls auf eine Straße, sondern auf ganze Stadt­viertel erstreckten. Aber man denke nur an die Menschenauhäufungen, die sich im täglichen Groß­stadtverkehr bilden, an den Sttom der sechs Millionen Fußgänger, der täglich die Sttatzen Groß Berlins durchflutet, an die 2V2 Millionen Fahrgäste, die täglich in Stadt-, Sttaßen-, Hoch­bahn und Omnibus nebeneinandersitzen, nun denke an die zahllosen Menschenmengen, die in Fabrik- und Bureaubetrieben zusammenarbeiten, an die Massen, die in Versammlungssälen und auf Festplätzen zusammenfttömen, und halte sich dabei gegenwärtig, daß ein großer Bruchteil aller dieser Menschenmassen aus fremden Elementen besteht, die in punkto Gesundheitspflege vielfach noch in sehr rückständigen Anschauungen leben, dann ist man geneigt, auszumfen, allerdings in einem ganz anderen Sinne:Ein Wunder, daß nicht mehr passiert." Die Furcht vor dem Bazillus mag unvermindert weiterbestehen, die Bazillen­gefahr wird dank der öffentlichen Reinlichketts- vflege und den Bemühungen unserer Bakterio­logen und Mediziner tarntet geringer. Dafür wächst unter der zunehmenden Unrast des groß- städttschen Verkehrs und Erwerbslebens ein anderes Uebel: die Nervosität und mit ihr im Gefolge die Massensuggestionen.

Politische Umschau.

Die badischen Genossen und die Partei.

Die Haltung der badischen sozialdemokratischen Frattion in der Kammer hat die Berliner Parteilei­tung doch mehr erregt, als es in dem von uns kurz skizzierten Arttkel desVorwärts" zum Ausdruck kam. In Berlin finden am 26. Juli sechs außer­ordentliche Generalversammlungen der Wahlvereine statt, die sich mit den Badener Genossen beschäftigen sollen. In Leipzig hat eine Bersammlung die Budgetbewilltgung alsschweren Disziplinbruch" be­zeichnet und die Erwartung ausgesprochen, daß der nächste Parteitag die Schuldigen ausschließe.

Die badischen Genossen lassen diese Angriffe na­türlich nicht unbeantwortet und suchen ihre Haltung in ihrer Presse zu rechtferttgen. So heißt es in einer Erklämng u. a.:Die große Mehrheit der badischen Sozialdemokraten billigt die von der sozialdemokratt- schen Fraktion praktizierte Taktik, und wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß sie auch die Zusttm- mung zum Budget billigen wird. Und zwar aus dem

hinweg; dann fuhr sie mit blitzenden Augen fort, während der Graf gelassen wieder Plaß nahm.

Ich freue mich, Gelegenheit zu haben, auch einmal einem Vertreter des Geschlechts, das sich unbefugter Weise das stärkere nennt, klar zu machen, worin eigentlich die Zwecke und Ziele der mobernen Fran gipfeln."

Ich bitte ums Wort.' rief Fernande Walther ungeftflm dazwischen.Was wir wollm, habe ich in einer Schrift niedergelegt,"Ruhe ausredm lassen,' tönte e8 von allen Setten durcheinander.

Magitas Klingel übertönte endlich den Lärm.

Man hat uns Ftaum Jahrhundertelang ge- knechtet,' fuhr Magita mit fanatischem Feuer fort, man hat durch eine unverantwortliche Erziehung systematisch unser Rönnen herabgemindert, unsere Kräfte gelähmt, alles zum Heile der Männer, damit wir ste als unsere Herren anerkennen und preisen. Und nachdem man Jahrhundertelang dies« Verbrechen an der Frauenwelt verübt, wagt man unsere Befähigung cmzuzweifeln. Meine Damm, ich protestiere gegen biefe Vergewaltig­ung der Frau. Ich verlange gleiche Rechte für alle, dieselbe Erziehung, dieselbe Zett für unsere Ausbildung, die man so berettwMg jedem bunt« men Jungen zugesteht unb die freie Wahl deS Be­rufes. Und dann wollm wir sehen, wer der Stärker« ist.Los vorn Mann' fei unser Feldge­schrei. Mein« Damen, lassen Sie sich durch keiner­lei hinfällige Einwände aus dem feindlichen Lager beirren, sondern kämpfen wir mit Gut und Blut für unser Recht gegen unsere Unterdrücker, di« größtm Feind« unseres Geschlechte-, di« Männer, die nur fürchten, daß wir sie überflügeln fitanen.*

einfachen und naheliegenden Grunde, weil sie weiß, daß durch die entgegengesetzte Taktik unsere ganze politische Arbeit in den letzten Jahren, der man den Erfolg nicht absprechen kann, paralysiert unb auf Jahre hinaus die politische Attionsfähigkeit der Partei aufs schwerste gefährdet worden ~re. Unsere politische Arbeit soll und darf nicht zur bloßen Agi­tationsarbeit degradiert werden. Hebet die Zeit der bloßen Agitattonspolitik find wir in Baden hinaus- gcwachsen. Das muß jeder wissen, der stch kritisch über die von der badischen Sozialdemokratie und ihrer parlamentarischen Vertretung befolgten Taktik äußern will."

Das kann ja auf dem nächsten Parteitag« nett werden!

Deutsches Reich.

Der Kaiser auf der Nordlandsfahrt. Dront- heim, 19. Juli. Der Kaiser ist nach sehr angenehmer Fahrt vor Drontheim eingetroffen. Auch hier ist das Wetter sonnig, aber recht kühl. Morgens um 5 Uhr sind nur 5 Grad Wärme.

Pmfionsgesuch des Unterstaatssekretär« Fleck. Berlin, 19. Juli. Der Unterstaatssekretär im Mini­sterium der öffentlichen Arbeiten, Fleck, reichte mit Rücksicht auf fein vorgeschrittenes Alter sein Pen- fionsgesuch «in.

Ein Bankett zu Ehren Kiderlen-Wächters. Bukarest, 19. Juli. Die deutsche Kolonie veranstaltete gestern zu Ehren des zum Staatssekretär ernann>a bisherigen Gesandten von Ktderlen-Wächter ein. Bankett, an dem etwa 800 Personen teilnahmen; von Kiderlen Wächter gedachte in seiner Erwiderung auf den auf ihn ausgebrachten Toast Rumäniens, des gastlichen, zukunftsreichen Landes, pries die Weisheit des Königs Carol und trank auf die Deutschen Ru­mäniens.

Enthüllung des Prinzessinnen-Denkmal» iw Hannover. Hannover, 19. Juli. Zum 100jährigen Todestage der Königin Luise fand heute mittag bei schönem Wetter die Enthüllung des vom Kaiser der Stadt Hannover geschentten Prinzessinnen-Denkmals statt. Als Vertreter de« Kaisers wohnte der Kron­prinz der Feier bei.

Zollerleichterungen für di« Einfuhr französischer Flaschenmein«. Paris, 18. Juli. Die von dem deutsch- französischen Wirtschaftskomitee mitoeteilten Erleich­terungen, di« Anfang September für einfache fran­zösische Flaschenweine auf private Bestellung platz- greisen sollen, sind hier sympathisch ausgenommen. Es handelt sich um Befreiung solcher Sendungen bi» zur Höhe von 10 Kilo von der Weinanalyse. Bei größeren Sendungen wird nur auf 2400 Flaschen eine Musterprobe erhoben. Für Faßweine fordert die deutsche Zollbehörde künftig nur eine Analyse für Sendung bis 30000 Kilo.

Bon Leuten, dir -s Gras wachsen hären, war schon vor einigen Jahren die Nachricht aufgetaucht, daß dte Türkei an den Dreibund angeschlossen werden soll. Jetzt meldet da»Echo de Paris" aus Kon­stantinopel, daß der Grotzwefir nach Marienbad und der Schweiz gehen werde. Auf der Reis« nach dem böhmischen Kurorte werde er den österreichischen Mi- B = 1

Borris lachte jetzt hell auf.

Sie sind entzückend, Baronesse; wenn ich nicht fürchtete, Ihren Zorn weiter zu erregen, dann machte ich gleich Ihnen in Gegenwart aller Ihrer Genossinnen hier eine Liebeserklärung."

Magita warf ihm einen vernichtenden Blick zu, das Norle aber lachte vergnügt:

Schaun's, tan'S a mal n bissel nett a zu mir, Herr Graf. Wollen'S noch a Glimmstengel?'

Borris nahm bereitwillig die dargereichie Zigarette.

Graf v. d. Gröben hat's Wort, tönt« da Ma­gitas Stimm« an fein Ohr.

BorriS sprang auf.

Einen Augenblick verbarg er Vie vom lustigen Spott sprühenden blauen Augen unter den lang bewimperten Lidern. Dann ließ er sie wie in ehrfürchtiger Zerknirschung über die Anwesenden schweifen. Sein Blick blieb an den buntten Augen Clarissa Röbers haften, bie ihn erwartungsvoll durchbohrten.

Meine hochverehrten Damen,' begann er. Gestattten Sie, daß ich Ihnen zuerst den er- gebensten Dank ausspreche, daß Sie mich bisher in Ihrer Mitte geduldet haben. Bei Ihrer aus­gesprochenen Männerseindlichkett unterschätze ich diesen Vorzug keineswegs. Die Ausführungen der Baronesse Diesterweg finde ich durchweg halt­los. Alles, was man den Männem heute und ehemals vorgeworfen hat, refultiert nur aus der Unfähigkeit der Frau, die Person von der Sache zu trennen.*

Auf dem Piedestal, auf welchem ®te sich jetzt fühlen, Herr Gras," rief Clarissa Röder sarkastisch

nister des Aeußeren Grafen Aehrenthal auf dessen böhmischer Besitzung besuchen. Der Zweck dieses Be­suches sei in dem Wunsche der Türkei gelegen, einen möglichst engen Anschluß an den Dreibund zu finden.

Die Walhalla Eigentum Bayerns. München,' 16. Juli. Das Gutachten des bayrischen Kronanwalts über das Eigentumsrecht an der Walhalla liegt nun­mehr vor. Wie der Kultusminister in der heutigen Sitzung der Abgeordnetenkammer mitteilte, lautet es dahin, daß durch die Schaffung des Deutschen Reiches das Eigentumsrecht Bayerns an der Walhalla nicht berührt worden ist. Daher hat Bayern auck' kein« Verpflichtung, auf Grund des Codizils Ludwigs I. vom 14. Mai 1862 die Walhalla an das Reiib abzu­treten. Den allenfalfiaen Ansprüchen des R ^es könnte mit dem Einwande der Verm^-'nn heneanet werden.

Ausland.

** Der Transport desPluviose" nach Cher­bourg. Paris, 19. Juli. Der Marineschlepper Bussle" hat Befehl erhalten,benPluviose" . nach Cherbourg ins Arsenal zu bringen. Man rechnet auf große Schwierigkeiten bei diesem Transport, weshalb genaue Verhaltungsmaß regeln erteilt sind. Auch ist eine Menge Kork an Bord genommen worden, bie bazu dienen soll, denPluviose" Über Wasser zu halten, wenn sich ein neues Leck an seinem Rumpfe zeigen sollte. Gleich nach feinem Eintreffen in Cherbourg wird benPluviose" ins Trockendock wandern und wiederhergestellt werden, da der Marineminister ben größten Wert barauf legt, daß das Boot möglichst bald wieder kampffähig werde.

** Der Rochetteskandal. Paris, 19. Juli. Der Justizminister hat dem mit der Untersuchung bet Rochette-Affäre betrauten Kammerausschuß auf dessen Ersuchen verschiedene Beichte der Staats­anwaltschaft Überwiesen und gleichzeittg mttge- te*'t, daß der Ausschuß auch von dem Ergebnis der Über die Baissespekulationen gewisser Kulissen- häuser eingeleiteten gerichtlichen Untersuchung verständigt toerben würde. Der Oberstaatsanwalt Fabre hat verlangt, daß er vor dem Unter­suchungsausschuß mit verschiedenen Zeugen kon­frontiert werde, damit er die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen zurückweisen könne. Der Mattn" erflärt heute, et könne mit Bestimmtheit behaupten, daß der stühere Ministerpräsident Clemenceau den Pofizetpräfekten Lupine beanf- ttagt habe, die Lösung der Rochette-Affäre da­durch zu beschleunigen, daß er unverzüglich einen Privatkläger ausfindig mache.

** Die Franzosen in Marokko. London, 19. Juli, lieber die letzten Kämpfe im Süden von Marokko wird demDaily Telegraph" aus Magtwor telegraphiert, daß dort eingetroffenen Briefen aus Marraeschk zufolge die Niederlage der Franzosen durch die Tablastämme bei El Brodje bestättgt werde. Biele der algerischen und senegalischen Soldaten feien in die Hände der Mauren gefallen. Die Algerier erflärten, daß st«, wider ihren Willen gezwungen worden seien, gegen die Mauren zu kämpfen und daraufhin wur­den sie von diesen nur entwaffnet. Die Schlacht wurde am 2. Juli geschlagen, am folgenden Tage wollten die Mauren den Kampf wieder auf-

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dazwischen,stehen alle Männer, da müssen Sie eben herunter."

Versuchen Sie es doch mein Fräulein," gab der Graf zurück.Der Mensch steht immer so hoch, wie er stch behaupten kann, ganz gleich, ob Mann oder Weib. Ich habe bisher wenig ®e«' legenheit gehabt, mich um die Frauenbewegung zu Rimmern, ich kann aber nur sagen, daß die Auswüchse derselben, die ich in Ihrem Klub Krumme Neune", pardonLos vom Mann", finde, mir jede Lust genommen haben, mich wei­ter mit ihr zu befassen. Einer vernünftigen Be- weisführuug wird jeder Mann zugängig sein, nicht aber einer unvernünftigen S himpferei. Sie selbst, meine Damen, sind die ärgsten Feinde der Frauenbewegung. Sie schaden Ihrer eigenen Sach« am meisten."

Ein wüster Tumult brach jetzt los. Alles schrie durcheinander. Rur die Schriftführerin des Ver- eins, die Schülerin der Kunstakademie, schrieb unentwegt an ihrem Protokoll, wobei sich ihre strähnigen Haarbüschel empört sträubten.

So'n Kerl hätte man ja sofort heraus- schmeißen müssen."

Protest müssen wir erheben," schrie ste dann, einen Moment von dem Protokoll aufsehend, dann flog wieder die Feder hastig über back Papier.

Norle lacht« und rauchte dazu. Die ganze Stube war schon voll Qualm. 1

Sein'S gescheidt," ermahnte ste ben Grafen, : und lassen - die Weiberle reden."

lForlsetzung folgt)