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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
»nd den Beilagen: »Jach Feierabend» (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage.»
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Die „Oberheßische Zeitung» erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2,00 M. (Für unverlangt zu gesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
Marburg
Dienstag, 19. Juli 1910.
Die Znsertionsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7gelnaltene Zeile oder deren Raum 15 L, für auswärtige Inserate 20 4, Siir Reklamen 40 L. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, lniverfitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. E. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Televbon 55.
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45. Jahrg.
Zum 100jährigen Gedenktage der Königin Knise.
(t 19. Juli 1810.)
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Nicht selten ist in Deutschland das Glück auf dein Boden des Mißgeschicks, der Not erwachsen, «nd das ist gut so. Das Unglück hat für den Starken eine große sittliche Kraft. Es fegt den Materialismus des Alltags aus den Gedanken und ruft an seine Stelle den Idealismus, der allzeit der Vater der Kultur und des Fortschritts gewesen ist.
So war's auch in Preußen vor länger als 100 Jahren, als der verschlafen« Materialismus, der sich mit alten Lorbeeren brüstete und nur im gestern nkkd heute lebte, eines Tages zu seinem Schrecken erfahren mußte, daß das von den Vätern übernommene Erbe, nach den Worten des Dichters, erworben werden muß, um zum Besitz, zum Eigentum zu werden, daß es aber dem Erben zum Unglück gereicht, wenn es ihn mit trägem Stolz erfüllt und ihn erschlafft. Im Tilsiter Frieden vom Juli 1807 holte sich der stemde Schnitter die Ernte von den deutschen Feldern und ließ das Land brach liegen und säete nicht wieder. Das Floß auf dem Riemen, auf welchem Aelexan- der von Rußland mit dem triumphierenden Napoleon die ersten „Grundlinien' zum sogenannten Frieden, des Kirchhofs, zog, lieferte gleichsam die Bretter zum Sarge, in welchem der preußische Patriot kummervollen Herzens die jäh verblichene Größe seines Landes erblickte. Und an dem Sarge stand eine Frau mit zitterndem Herzen, eine Königin, die nun im Unglück ganz eins geworden war mit dem Volke und dann mit ihm hoffte und ersehnte, Pläne schmiedete und Pläne verwarf, aber die große Zeit nicht erleben sollte, die wieder wie ein Sämann über das Land ging «nd den Herrgott um Mairegen und Sonne bat.
Sie hat mit anderen im gleichen Alter das Schicksal geteilt, daß sie vor der Zeit der Wieder-
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Kantate.
Von Annh Wolhe. 1 *"i: 1' (Fortsetzung.)
Magita sah den Grafen kopfschüttelnd an. „Sie sind und bleiben doch ein schnurriges Huhn. Na, aber wenn Sie brav sind, können Sie dableiben. Wic haben heute Vereinssitzung.'
„Was haben Sie?'
„Ra unser Verein „Los vorn Mann' kommt heute hier zusammen.'
Borris lachte, daß ihm die Tränen kamen.
„Warum nicht lieber gleich Kegelklub „Krumme Neune' nein, Baroneffe, es ist ja zum Schrei:», daß Sie einen solchen Unfug mitmachen.'
„Unfug?* empörte sich Magita mit zornig flackernden Augen. „Wer fugt Ihnen denn, daß wir Unfug treiben? Ist das vielleicht Unfug, wenn die Frau nach Selbständigkeit ringt? Wir haben es satt, von diesem Männervolk abhängig zu sein, das nichts weiter versteht, als die Fran zu unterdrücken, auszunutzen und ihr alle Beruss- zweige wegzunehmen. Wir werden den Männern beweisen, daß wir selbst Männer genug sind, um allein durchs Leben zu kommen. Mr verzickten daraus, von dem Manne zur Kindermuhme und Wirtschafterin degradiert zu werden. Auf eigenen Füßen wollen wir stehen.'
Der Graf batte sich gemächlich in einen Schaukelstuhl niedergelaffeu. Sein ganzes Gesicht war reinstes Vergnügen, als er in Magitas zorniges Antlitz sah. Wie feurige Lohe türmte sich bas rote Haar um das zarte Gesicht, und die feinen ttefroten Lippen bebten und zeigten die kleinen weißen Fuchszähne.
gebürt abgerufen wurde, mit Ferdinand von Schill I dem stürmischen Draufgänger, mit Heinrich von I Kleist, dem Dichter, der einst an sie das Sonett I gerichtet:
Erwäg' ich, wie, in jenen Schreckenstagen, Still deine Brust verschloßen, was sie litt. Wie du das Unglück mit der Grazie Tritt, Auf jungen Schultern herrlich hast getragen, Wie von des Kriegs zerrißnen Schlachtenwogen Selbst oft die Schar der Männer zu dir schritt, Wie ttotz der Wunde, die dein Herz durchschnitt, Du stets der Hoffnung Fahn' uns vorgetragen: O Herrscherin, die Zeit dann möcht' ich segnen! Wir sahn dich Anmut endlos niederreansn, Wie groß du warst, das ahndeten wir nicht!
Dein Haupt schien wie von Strahlen mir um- schimmett;
Du bist der Stern, der voller Pracht erst flimmert, Wenn er durch finstere Wetterwolken bricht!
Mau kann nicht gut genug von den guten Frauen denken. Die Königin Luise ist eine von den besten Frauen, denn sie hat durch ihr Beispiel dem Volke die sittliche Kraft wiedergegcben, aus welcher dann der Segen eines neuen Volksfrüh- liugs auskeimte. Sie hat noch die ersten Sonnenstrahlen mit erlebt, die nach 1809 wieder über Preußen zogen, sie hat es noch mitfühlen dürfen, daß int Stillen sich etwas Neues, Großes vorbereitete, daß ttef im Volksherzen das alte Ver- trauen zur eigenen Kraft sich wieder belebte, die sich in früheren Jahrhunderten immer wieder aufzurichten wußte, so schwer sie mich zu Boden geschlagen war.
Als bir Königin in den Junitagen 1810 fröhlich zu ihrer letzten Reise nach der Heimat die Berliner Linden entlangfuhr, dankte Oe den zahlreichen Spaziergängern mit ganz besonderer Freundlichkeit. Bald darauf erkrankte sie an einer Lungenentzündung, die schnell zur Entwicklung kam und nur zu bald die Kraft des durch Seelenleiden geschwächten Körpers erschüttern sollte. Ueber die letzten Stunden am 19. Juli, dem Sterbetage, berichtet in der „Deutschen Revue* Julie von Goßlar nach den Aufzeichnungen des alten Heim, einer der Zierden der Berliner Aerzteschaft. Der alte Arzt war an das Schmerzenslager der Fürstin geeilt, sah aber nur zu bald, daß menschliche Kunst hier vergeblich war. Am 19. Juli schreibt er in seinem Tagebuch:
„Von gestern abend um 11 Uhr an bis heute früh um 4 Uhr am Bett der Königin gesessen, die die ganze Zeit Über meine rechte Hand in der ihrigen hielt. Diese Nacht ist die fürchterlichste Nacht, die ich je gehabt habe, für mich gewesen. Ich war so müde, daß ich fast alle Minute einschlief, soviel Mühe ich mir auch gab, zu Wachen, da das die Umstände erforderten, indem die Königin immer engbrüstiger wurde und kaum laut reden konnte und doch ost mit mir reden wollt«. Vor 5 Uhr, da mir eben die Königin erlaubt hatte, mich schlafen legen zu können, kam der König an. Als die Königin ihn sah, sagte sie mit schwacher Stimme „mein lieber Freund*. Der König und alle, die im Zimmer waren, weinten. Der Kronprinz und sein Bruder Mlhelm, die bald darauf auch ans Bett der Königin kamen, weinten und schrieen ganz laut. Um 9 Uhr starb
die Königin, sicherlich die schönste Frau in des l Königs Staaten, von der besten Herzensgüte!!! I Der König, die Aerzte und Frau v. Berg waren dabei gegenwärtig. Der König betrug sich gut.' In der Todesnacht schnitt der König eine der wundervollsten blonden Locken der Königin ab für Heim als lebendiges Erinnerungszeichen an die Enffchlafene. Auf das Papier, in das er die Locke legte schrieb er: „Abgeschnitten in der traurigsten Nacht meines Lebens!* 20. Juli. „Vormittags wurde der Leichnam geöffnet. Was wir in der Brust zu finden geglaubt hatten, fände i wir nicht.
Einer, der in jenen Tagen wie eine Verkörperung des Volksgeistes und des Volksherzens wirtte und später einer der volkstümlichsten Deutschen geworden ist, „der alte Blücher* schrieb unter dem Eindruck der Todesnachricht an einen Bekannten: „Ich bin wie vom Blitz getroffen, der Stolz der Weiber ist also von der Erde geschieden. Gott im Himmel, sie muß vor uns zu gut gewesen sind. Schreiben Sie mich ja, alter Freund; ich bedarf Uffmunienlng und Nnierhalttlng. Es ist doch unmöglich, daß einen Staat so viel aufeinander folgendes Unglück treffen kann als den unsrigen. In meiner jetzigen Stimmung ist mir nichts lieber, als daß ich erfahre, die Welt brenne an allen vier Enden!*--
Es bedurfte der Denkmäler und Bildnisse gewiß nicht, um das Andenken dieser Fran im Volke festzuhalten. Aber die Bilder sind mehr geworden als das Bild einer Fürstin, die der Vaterlandsfreund als Anhänger seines Fürstengeschlechts verchtt, ihr Bild ist heute das Sinnbild einer Zeit, welche die ersten Steine in das Fundament der Zukunst senkte, die unsere eigene Gegenwatt ist. —
Politische Umschau.
Die bayrische Kanimer und das Fabianstischr Bild.
München, 16. Juli. In der heutigen Kammer- fitzung wurde bei der Beratung des Kultusetats von mehreren Rednern die Entfernung des Fabianskischen Bildes, „Der Progrom in Kiew», aus der diesjährigen Ausstellung im Elaspalast besprochen. Staatsrat Loessl gab als Vertreter des Ministerpräsidenten eine längere Erklärung ab, nach der das Bild zweifellos als ein tendenziöser Angriff auf den Souverän eines befreundeten Staates aufgefaßt werden müße. Das Bild erregte bei allen monarchisch gesinnten Rußen den größten Anstoß. Der Redner hat von der Ausstellungsleitung die Entfernung verlangt, die sofort erfolgt sei. Die Beschwerde der russischen Gesandtschaft wartete man nicht erst ab. Das Vorgehen des Ministeriums sei nicht eine Schwäche oder Demütigung der bayrischen Regierung oder der Münchener Künstlerschaft, sondern ein Akt der Courioisie gegenüber dem Souverän eines befreundeten Staates. Das Bild wäre von dieser Ausstellungsleitung von vornherein nicht zugelaßen worden, wenn man den politisch anstößigen Eharakter erkannt hätte. Mehrere sozialdemokratische Redner richteten heftige Angriffe gegen Loeßl und bezeichneten sein Vorgehen als eine Blamage, wofür der Präsident ihnen eine Rüge erteilte. Städtrat Loeßl wies die Angriffe
Aller Unmut war von Borris gewichen.
„Wenn Sie nicht das abscheuliche enge Sportkleid anhätten, Baroneffe, und den verfluchten hohen Kragen mit der knallroten Kravatte, die absolut nicht zu Ihrem Haar paßt, dann müßte ich Ihnen jetzt sagen, daß ich Sie ganz entzückend finde. Wirklich reizend, Baroneffe. Sie sollten sich die Scheußlichkeiten abgewöhnen.*
„Na, wenn Sie hier herauf gekraxelt sind, nvr fade Komplimente zu sagen, dann hätten Sie sich auch den Aufstieg sparen können, Graf. Sie wissen doch, daß mir solche Albernheiten unausstehlich sind.'
„Danke, meine Gnädigste. Ich hatte eigentlich gehofft, daß man um diese Zeit wenigstens eine Taffe Tee bei Ihnen bekäme.*
Magita zog die Schultern in die Höhe. „Erst können vor Lachen*, wie der Berliner sagt. Mich kann einer totschlagen, ich kann keinen Tee kochen. Da müssen Sie schon Watten bis Fernande Walther kommt, die versteht das mit allen Schikanen.*
Graf v. d. Gröben lächelte arnüsiett und nahm dankend das dargereichte Zigarettenetui.
„Und Sie soll man nun ernst nehmen, Baronesse. Sie reden von Freiheit und Gleichheit, von Unrerdrücttsein und Konkurrenz des Mannes, unv dabei sind Ihnen die einfachsten häuslichen Vorrichtungen fremd. Nicht einmal Tee können Sie locken. Es ist nur gut, daß Sie nicht meine Frau sind und werden wollen. Man müßte Sie in einfach als gemeingefährlich für jede Wirtschaft aus dem Hause tun.*
Jetzt flog eine helle Röte in Magitas weißes Gesicht.
„Darüber brauchen Si« sich wirklich keine Sorgen zu machen, Graf. Ich würde mich be
danken, einen Mann zu nehmen, der sich überall herumamüsiert, sein bischen Geld verjuxt hat und nun sich von einer reichen Frau ernähren lassen will. Ich kann Ihnen nicht voreuthalten, daß ich diese Art von adeliger Lebensauffassung bei weitem schändlicher finde, als meine mangelnden häuslichen Tugenden, die ich wenigstens immer offen und ehrlich eingestehe.*
Der Graf war bei den ersten Worten der Baronesse gereizt aufgesprungen.. Es war, als wollte er sie heftig unterbrechen.
Dann aber lächelte er ironisch und ließ sich schwer in seinen Schaukelstuhl zurückfallen.
„Wie reizend Sie in Ihrem Zorn sind, Magita Ick möchte Sie immerfort ärgern, um Sie so aus sich herausgehen zu sehen. Im übrigen habe ich wirklich kein Recht mich über Ihre Standpauke aufzuregen, heute besonders nicht, wo ich als ganz zerknirschter Sünder zu Ihnen komme.'
Magita wollte ihm eben wieder ein heftig:s Wort zuschleudern, da wurde es draußen auf dem Gange laut und dann wirbelte wie ein krabbelnder Knäuel eine lebhafte Schar von Weiblein in die Stube.
Der Graf war mit allen Zeichen des Entsetzens aufgesprungen.
„Allmächtiger!* rief er.
„Sehen Sie,* rief Magita schadenfroh, „daß Sie den Verhälmissen nicht gewachsen sind. Jetzt aber bleiben Sie gefälligst hier und stehen mal Ihren Mann.'
„Der krummen Neune gegenüber,* flüsterte ihr der Graf zu und seine Augen tauchten so lachend, fast zärtlich in die ihren daß sie sich zornig von ihm wandte.
„Meine Damen,' wandte sie sich dann laut zu den durcheinander schwatzenden SBeiblein: „Ich
zurück und betonte, er würde es bedauern, wenn er mit den Rednern einer Meinung sein müßte. Red« ner teilte schließlich mit, er habe auf eigene Verantwortung gehandelt; v. Podewils habe von der An» gelegenhett nichts gewußt. Damit wurde bet Gegen» stand als erledigt betrachtet.
Deutsches Reich.
— Geschenk Kaiser Wilhelms an Norwegen. Christiania, 16. Juli. Der Kaiser erbot sich durch den König Haakon, dem norwegischen Volke al» Dank für seine gastfreie Aufnahme während sein-ic Nordlandreisen eine Fridijofstatue zu schenken. Der Kaiser nahm eine Anhöhe im Sogne-Fjord bei Framnes in der Nähe von Fridtjofs Grab für dl» Aufstellung der Statue in Aussicht. König Haakon dankte namens des norwegischen Volkes für diest Aufmerksamkeit. Professor Unger-Sieglitz wurde mit der Ausführung der Statue beauftragt.
— Der Kaiser auf der Nordlandsfahrt. Bale- strand, 17. Juli. Heute vormittag hielt der Kaiser Gottesdienst an Bord der „Hohenzollern» ab, eile- bigte dann Regierungsgeschäfte und nahm die Vorträge bei Kabinettschefs und bes Gesandten vor Treutler entgegen. Am späten Nachmittag ließ bet Kaiser bie Hochseeflotte vorüberpassieren, die Sonntag zur Fahrt ins Sognefjord benutzte.
— Born Reichskanzler. Berlin, 16. Juli. Der Reichskanzler ist nach Hohenfinow zurückgekehrt.
— Der Eroßherzog von Keßen erhielt das Sol bene Vließ. Madrid, 16. Juli. Der König von Spanien verlieh dem Gtoßherzog von Heßen ba» Goldene Vließ.
_ Eine Ehrung des Prinzregenten von Bayer» wird zu feinem 90. Geburtstag geplant, den er 6e- kanntlich im nächsten Jahre feiert. Die bayrischem Städte haben beschlossen, ihm zu diesem Tage eine Adresse mit oder ohne kunstgewerblichen Gegenstand zu überreichen. Der auf München treffende Teil würde etwa 6000—8000 betragen, die in der geheimen Sitzung des Eemeindekollegiums am Mittwoch genehmigt wurden. Die Entscheidung über bas, was gegeben werben soll, ist bem Stäbtetag überlassen. Weiter soll eine Sammlung burch ganz Bayern veranstaltet werben, deren Ertrag dem Regenten zu einer Stiftung übermittelt wird.
— Die Tannenbergfeier in Osterode. Am 15. Juli versammelten sich die Mitglieder des Deutschen Ostmarkenvereins in Osterode (Ostpreußen), zu welchem Kreise das Dorf Tannenberg, in dein sich vor 500 Jahren das für uns Deutsche so bedeutungsvolle Drama abgespielt hat, gehött, zu einer sehr ernsten, aber wirkungsvollen Feier. Es rou-bc alles vermieden, was irgendwie als eine Herausforderung bes Polentums hätte gedeutet werden können. Der Denkstein des Hochmeisters Ulrich von Jungingen «Dar von unbekannter Hand geschmückt, wo dann j hon oom frühen Morgen an durch Abordnungen Kränze nied-t» gelegt wurden. Die Festversammlung wurde durch den Vorsitzenden des Osteroder Kreisverbandes durch
bitte um einen Augenblick Gehör. Hier mein Jugendbekannter Graf Borris v. d. Gr'-ben, dn Gegner der frauenrechtlichen Bestrebungen und Verfechter läppischer, milchsüppiger Weiblichkeit, will die Ehre haben, unserer Versammlung br'zu- wohnen.'
Ein Gewirr von Stimmen surrte durcheinander.
„Damit auch Sie orientiert sind, Graf,' fuhr Magita fort:
„Hier Brigitta Reinhard, die zwefte Vorsitz-; ende unseres Vereins und unermüdliche Kämpferin für Frauenrecht und Gleichheit. Sonst im Leben ziemlich harmlos und Schülerin der Kunstakademie.'
Eine dürre, hoch aufgeschossene Jungsr ru mit funkelnden grauen Augen sah ihm neugierig in? Gesicht.
„Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um," bemerkte sie achselzuckend. „Hier ist eigentlich kein Boden für Männerfüße."
Borris lachte. Die impertinente Person mit den kurz abgeschnittenen blonden Haarbüscheln aus der faltenreichen Stirn amüsierte ihn königlich, namentlich ihre langen Füße, die unter einem kurzen Rock indiskret hervorsahen, hatten es ihm angetan.
„Ich hoffe, mein gnädiges Fräulein,' sagte er mit chevaleresker Verbeugung, „daß die zarten Frauenfüße hier siegreich dem plumpen Mäuner- fuß den Weg bereiten?'
„Er ist galant,' flüsterte eine Stimme von der Türe her. „Laßt Euch bloß nich betumpeln,' ries eine andere. „Schöne Redensarten, ja, das kennet. wir schon, die sind wohlfeil."
(Fortsetzung folgt.)
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