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45. Jahrg

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Em sozialdemokratischer Kolonialfrennd.

In den sozialistischen Monatsheften, die es hin und wieder wagen, der Wahrheit die Ehre zu geben nnd dabei häufig genug mit dem Partei- dcgma der Bebel, Liebknecht u. Gen. in bösen Konfl.kt geraten, tritt der bekannte sozialdemo­kratische Schriftsteller Gerhard Hildebrand fiir die Bewilligung der Kolonialforderungen im Reichs­tage seitens der Sozialdemokratte ein. Er schreibt: Es liegt im Interesse unserer Textilarbeiter, daß die Sozialdemokratie nach dieser Richtung hin eine energische Aktton unternimmt. Es liegt zugleich im Interesse aller, die Baumwolle am Leibe tra­gen und ohne gründliche Besserung der Verhält- hältnissc auf dem Baumwollmarkt mit immer stei­genden Preisen für ihre Anzüge rechnen müssen. Es liegt zugleich im Interesse unserer gesamten Volkswirtschasst, weil der Handel mit unseren eigenen Kolonien, so unscheinbar er heute ist, doch wenigstens auf der Grundlage einer dauernden Austauschbeziehung beruht unb uns erhalten blei­ben wird, wenn sich eins nach dem anderen unse­rer jetzigen Rohstoffländer industriell verselb­ständigt, das heißt, uns seine Agrarlieferungen und Jndustrieausträge entzieht. Kamerun, Togo und Deutsch-Ostafrika sind zusamen dreimal so groß wie das Deutsche Reich, aber ihre Menschen­zahl wird heute kaum 12 Millionen überschreiten. Sorgen wir dort für Volkshygiene und Volks­bildung, so ist auf ein sehr schnelles Bevölkerungs- wachsttrm zu rechnen, und schneller als die Be- völkerirng werden ihre Leistungen wachsen. Die Baumwollnot zwingt uns dazu, diesen Weg zu gehen. Wenn er erst in 30 Jahren zu elnemtoirt* lich bedeutenden Ziel führen sollte, so können wir uns doch an den fiinf Finge« einer Hand ab­zählen, daß wir in 30 Jahren auf die Vereinig­ten Staaten und Osttndien längst nicht mehr im heutigen Maß, erst recht nicht im Maß unseres zuküflfttgen Bedarfs zu rechnen haben. Wollen wir, daß die deutsche Arbeiterschaft in 30 Jahren reichlicher gekleidet ist als heute, fo heißt das, daß wir dann nicht 2, sondern 4 Millionen Ballen Baumwolle gebrauchen und daß wir wahrschein­lich mehr als den vierten Teil davon aus unseren Kolonien betonten oder gar nicht bekommen. Wer fimerhalb der deutschen Sozialdemokratie diese Prophezeiung" widerlegen zu können glaubt, soll es tun. Sollte aber die Partei dauernd mit der bisherigen Gleichgültigkeit an dem Ernst der Baumwollfrage vorübergehen, so würde sie sich, wenn nicht dem Vorwurf der Fahrlässigkeit, so dem des Mangels an Mut aussetzen. Das aber ist die alte, brüchige Agitattonsschablone nicht wert, die sie bisher daran gehindert hat, die Augen aufzuttm." Einen Gesinnungswechsel werden allerdings auch diese Vorstellungen bei den Macht­habern der Partei kaum herbeiführen. Interessant sind aber diese Ausführungen insofern, als sie be­weisen, daß das wachsende Verständnis in den

stattung gebeten wird. DieNorddeutsche Allge­meine Zeitung" gibt einen großen Teil aus der Begründung dieser Eingabe wieder. Da Herr von Dallwitz bisher in dieser Frage eine wohl­wollende Stellung eingenommen hat, so hofft man in den Kreisen der Freunde der Feuerbestatt­ung auf baldige Erfüllung ihrer Wünsche.

Die Manöver desZ 1". Metz, 14. Juli. Im Laufe des Nachmittags unternahmZ 1* noch zwei Aufstiege von ewa einstündiger Dauer und kreuzte über der Stadt. Der erste Flug war zwischen 1 und 2 Uhr, der letzte von 7.10 bis 8.20 Uhr. Beide Male landete das Schiff glatt vor seiner Halle.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 57.

Deutsches Reich.

Der Kaiser aus der Nordlandsfahrt. Bale- strand, 14. Juli. Der Kaiser ist nach guter Fahrt heute früh sy2 Uhr in Balholmen eingetroffen. Das Wetter ist unverändert fchön und sehr warm. Nachts sind 9 Grad. An Bord ist alles wohl.

Ordensverleihung an Frhrn. v. Schoen und DernbMg. Dresden, 14. Juli. Der König hat den Staatssekretären Freiherrn v. Schoen und Dernburg anläßlich ihres Ausscheidens aus ihren Aemtern das Grotzkreuz des Albrechtsordens mit dem goldenen Stern verliehen.

Abschied des Frhrn. v. Schorlemer vom Rhein. Koblenz, 14. Juli. Anläßlich des Scheidens des bisherigen Oberpräsidenten Frhrn. v. Schorlemer- Lieser hatte die Rheinprovinz und die Stadt Koblenz heute Nachmittag ein Festmahl veran­staltet, an welchem alle Regierungskreise der Rheiichrovinz teilnahmen. Ferner der komman­dierende General des 8. Armeekorps von Ploetz, mehrere Oberbürgermeister, Vertreter der staat­lichen, kirchlichen, militärischen und Gemeindebe­hörden, die Vertreter des Handels, der Industrie und der Landwirtschaft. Bürgermeister Spiritus- Boml hob in der Festrede die Verdienste des Fr'i- herrn v Schorlemer als Präsident der Rhein­provinz ' hervor. Tief bewegt dankte dic'er und versicherte, er werde das. was er als Oberprast- bent für wahr und richtig befunden habe, auch als Staatsminister nicht versäumen. Er gebe die Hoffnung nicht aus, daß dem deutschen und dem preußischen Volke durch die polittschen, ^nfessio- nellen und wirtschaftlichen Gegensätze die Freude am Vaterland nicht verleitet iverbe.

Wieder ein deutsch russischer Grenz wischen­fall. Beuthen, 13. Juli. Ein 14jährigcr deutscher Knabe wurde heute von Kosaken an der rassischen Grenze aus unbekannten Gründen erschien. Es wurde ein Lokaltennin abgehalten, an dem b-r preußische Landrat, der russische Gouverneur, so­wie der preußische und russische Staatsanwalt teilnahmen. Dabei wurde festgestellt, daß d.r deutsche Knabe von den Kosaken auf preußischem Gebiet erschosien worden war. Wenn sich diese Meldung bestätigt, dann wird für Sühne und Ab­hilfe gesorgt werden müssen!

Eingabe zugunsten der Feuerbestattung. Berlin, 12. Juli. Die Kommission der preußischen Vereine für Feuerbestattung hat am 1. Juli dem neuen Minister des Innern von Dallwitz eine Eingabe zugesandt, in welcher unter Hinweis auf den letzten Befchluß des Landtages um eine baldige Einführung der fakultattven Feuerbe-

fehr aufregend. Doch kamen die Insassen ohm. Verletzungen davon.

** Drahtlose Telegraphie in Schweden. Stock­holm, 14. Juli. Wie aus Stockholm gemeldet wird, wird heute die schwedische Marconi-Statton in Karlskrona für den allgemeinen Verkehr geöff­net werden, wodurch es dem Publikum ermög­licht wird, mit Schiffen auf 300 Kilometer Ent­fernung in Verbindung zu treten.

** Unruhen in Holländisch Indien. Haag, 14 Juli. Nach einer offiziellen Depesche aus Hol- ländisch-Jndien ist im Bezirk Moro des Distrikts Tapanoeli auf Sumatra ein Patrouille angegrif- efn worden. Ein europäischer Soldat wurde ge­tötet, wahrscheinlich sind auch acht von den einge­borenen Soldaten gefallen.

** Zn den Unruhen aus der Insel Coloman. Loudon, 14. Juli. Reuter meldet aus Hongkong zu den Kämpfen bei Macao: Das Feuer des von Macao entsandten Kanonenboots vertrieb die Chinesen aus dem Fort Colowan. Das Kanonen­boot brachte zwei Dschunken mit flüchttgen Chine­sen zum Sinken; alle Chinesen ertranken. Stuf der Reede von Macao wohnten sieben chinesische Kanonenboote den Kämpfen bei Die chinesische Regierung postterte auf der Insel Wungkum bei Coloman 1200 Soldaten, welche die Entwicklung der Dinge abwarten. Lissabon, 14. Juli. Rack amtlichen Nachrichten sandte der Gouverneur von Macao 200 Mann Infanterie und einige Geschütze zur Wiederherstellung der Ordnung nach der In­sel Coloman. ES scheint, daß die Bewohner ColomanS gemeinsame Sache mit den Piraten machen, die gestohlenen Kinder zurückzuha.ten. Von Seiten der Portugiesen sind ein Unteroffv zier und ein Soldat gefallen und drei Mann ver­wundet.__

** Die Rote« der Mächte an China. Pettng, 14 Juli. Die Gesandten GroßbrtannienS, Franko rei'chs, Deutschlands unb bet Vereinigten Staat« haben in besonberen, aber ibentischen Noten di« chinesische Regierung ersucht, das Gesetz über b« Abschluß ier HankouSzetschuan-Bahnanleihe nunmehr zu veröffentlich«.

Zur Verschwörung in der Türkei. Kon­stantinopel, 14. Juli. Wie verlautet, ergab bie Untersuchung, daß bar entdeckte Ge' nmkomtree eine wett größere Ausdehnung hatte, als anfangs angenommen wurde. ES sollen ihm 20 Depu­tierte angehören.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

«nd den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) «nd.Landwirtschaftliche Beilage

Die Jnsertionsgebllbr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7gehaltene Zeile oder deren Raum 15 für auswärtige Inserate 20 -5, 1t Reklamen 40 Druck und Verlag: Ioh. ®ug. Koch,

niverfitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

weitesten Bevölkerungsschichten für die Beden- > tnng unferet Kolonien auch die Sozialdemokratie I zwing« wird, gerade 'hn Interesse der nach ihrer Meinung ausgepowerten Arbeiter hierzu Stellung zu nehmen. Wie diese nur fein kann, will sie ihre eigen« Anhänger und Mitläufer nicht fchädigen, kann nach obigem nicht zweffelhaft fein, ebenso wie es verständlich ist, wenn die Parteipäpste so lange wie möglich zöge«, ein bisher so zugkräf­tiges Agitationsmittel aus dem Programm zu streichen.

Ausland.

** Das belgische Königspaar bei FalllöreS. Paris, 14. Juli. Aus dem Paradcfeld von Song» champs fand anläßlich des Nattonalsestes eine Truppenschau statt, nach welcher Präsident Fal- Mres ein großes militärisches Frühstück gab, dem der König und die Königin der Belgier, der Mnisterpräses, die Minister und sämtfich« fremde Militärattaches beiwohnten. Der geplante Aus­stieg von vier Lenkballons und vier Mllitär-Aero- planen wurde wegen Nebels nicht unternommen.

** Das englische Flottenbudget. London, 14. Juli. (Unterhaus.) Bei den Verhandlungen über den Flottenbauetat von 3 444 000 Pfund bean­tragte Dillon (Nattonalfft) eine Herabsetzung um zwei Millionen. Er fetzte auseinander, baß die Wirkung ber Herabsetzung einfach barin bestehen würde, die Ausführung des ungeheuerlichen Pro­gramms zum Teil aufzuschieben. Dies würde in keinem Falle die Sicherheit des Landes gefährden. Im weiteren Verlauf seiner Rede bemühte sich Dillon zu zeigen, daß der Fall, welcher den Bau von vier Weiteren Dreadnoughts rechtfertig« sollte, nicht eingetreten sei. Der Beginn des Baues dieser vier Schiffe bilde beinahe eine Verletzung der bona fides. Diese Dinge würden sicher nicht vergessen werden und auf die deuffche Regierung einen starken Einfluß machen. Auch nicht ein Wort der Rechtfertigung fei von der Regierung vorgebracht worden, soweit Deuffchland in Bet­tracht komme. Oestereich und Italien in Rechnung ziehen zu wollen, sei lächerlich. Italien sei tm Begriff gegen Oesterreich Schiffe zu bauen. Das österreichische Parlament habe noch nicht ein« Penny für einen Dreadnought bewilligt.

* Zum Unfall des englische« Armeelustschiffes. London, 14. Juli, lieber die Ursachen des von uns geftem bereits gemeldeten Unfalls des «g- lifchen ArmeeluftschiffesBeta" wird h«te mite geteilt, daß der Propellerschaft gebrochen sei. Weiter wird aus Andover berichtet, daß her ArmeelenkballonBeta" zu Bury Hill, zwei eng­lische Meilen von Andover, wohin er nach der Landung geschleppt wurde, unter sicher« Schutz gebracht ist. Der Gasballon bleibt gestillt. Die Maschinerie wurde abgenommen. Es hängt von dem Ausfall ber Arbeiten ab, ob der L«kballon heute nachmittag feine Fahrt nach bet Ebene von Salisbury fortsetzen oder nach Alderfhot zurück- kehren wird. Die gestrige Landung gestaltete sich

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 da» Urheberrechts nut mit der deutlichen Quellenangabe Obechess. fite ' gestattet.)

Marburg, 15. Juli.

Universität. Dem Seh. Med.-Rat Prof. Dr. Mannkopff ist die Krone zum Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub verliehen worden.

Oberrealschnle. Die Oberlehrer Dr. Max Eeürg Schmidt und Dr. Gustav Schwerdtfeget sind unter dem 2. Juli zu Professoren ernannt worden.

Königin Luise-Eedächtnisseier. Aus Anlaß de, 100jährigen Sterbetages der Königin Luise, die b«-

Marbnrg 3e-

Sonnabend, 16. Juli 1910. K

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- "Wl Iß4 jährlich durch die Post bezogen 2,25 M (ohne Bestellgeld), bei

vl=. 1V4 unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2,00 -4t.

' ssandte Manuskripte übernimmt die Redak­

keinerlei Verantwortung.)

84 (Nachdruck verboten.)

Kantate.

Von Anny Wothe. ; *' (Fortsetzung.)

Gnädiges Fräulein, dieser Brief wurde vor­hin gebracht," meldete das Mädchen, auf silber­nem Teller ihrer jungen Herrin ein Billet über­reichend.

s ist gut", nickte Karle«. Die Tür schloß sich wieder unb mit angstbebenben Händen hielt Kar- leen das seltsame Briefblatt in bet Hand, das sie mit flackernden Augen las:

Mein Fräulein!

Verloren ist nut bet, bet wankt und weicht, wenn das Leben stürmt. Ich gebe den Kampf nicht auf, denn ich glaube an Sie. Ans Duft und Traum geboren, sehe ich ein Land, zu dem Ihre Milde, Ihre Güte einen Verfehmt« führ« wird.

Sie haben es abgelehnt, mich zu hören, Sie haben sich aus Furcht, aus unbegründeter Furcht vor mir, einem Mann in die Arme geftür$t, b« Sie nicht lieben. Dieser Mann wird Ihnen keine Schutzwehr fein, wenn des Lebens Stürme Sie umtosen. Doch das muss« Sie allein mit sich ausmachen, mir bleibt nur eins, Ihnen zu sagen, daß ich Ihnen vertraue. Gläubig, wie der fromme Pilgersmann zu dem Gnadenbilde am Wege auf- fchaut, das sein krankes Herz heilt, so hoffe ich auf Sie. Ich weiß, daß ein Wort von Ihnen genügt, mich zu den Toten zu werf« ich weiß aber auch, daß Sie dieses Wort nicht sprechen werden. 9He! Ich weiß, wenn die Dämmerstunde kommt, die Ich bestimmt, wird cs Sie unwidersteblick hin- zlehen zu der Stätte, wo wir dereinst alle enden, zum Friedhof. Ich harre Ihrer, Vertrauend lege

ich mein Schicksal in Ihre gnadenreichen, Weichen Hände.

Ein Einsamer.

Karleen lehnte ihr blondes Haupt aufftöhnend gegen die alten Scheiben. War der Mensch denn wirklich wahnsinnig? Sie, sie sollte diesem freut« den Manne, von dem sie wußte, daß man ihn eines Verbrechens wegen verfolgte, heimlich, ohne Miss« ihrer Angehörigen eine Zusammenkunft bewilligen, sie, die Brant eines anderen?

Nie?" gelobe sie sich wieder. Sie zerriß den Brief in Reine Stücke Dann wusch-sie sich die Hände. Die Papierfetzen in ihrer Hand hatten gebrannt wie Feuer.

Stolz und sicher, einen fast hart« Zug um den w.lcheu Mund, fchritt sie dann hinab.

Bevor sie ins Wohnzimmer trat, wollte sie zu ihrem Vater. Die Tür zu feinem Zimmer war verschlossen.

Karleen stopfte wiederholt an die eichene Tür.

Schwere, müde Schritte kam« näher.Ach, Du bist es, Kind," sprach Alexander Bermann die Tür öffnend,komm nur herein."

Karleen sah in ein bleiches überwachtes Ge­sicht. Mit sorgender Un«he blickt sie zu ihrem Vater auf.

Ich danke Dir, Kind," fugte der Kommerzien­rat Karleen innig in feine Arme fchließmd,daß Du mir das Opfer gebracht hast. Ich weiß ja, daß es ein Opfer für Dich ist. Ich habe aber Hans Jürg« gelobt, Dich nicht zu ber Verbin­dung mit Peter zu zwing«, an die ich, ich gestehe es off«, schott nicht mehr geglaubt habe. Hans Jürg« hat wohl nun selber eingesehen, baß eS nicht aftders geht unb er hat Dir zugerebet, da doch kein anderer Ausweg bleibt. Glaube mir, Karleen, das Opfer, bas Du mir, das Du Deiner Fannlie bringst, wirb Mr zum Seg« werb«."

Ich verstehe kein Wort, Papa," «tgegnete Karle« mtt bedeckter Stimme, ängstlich in dem von Sorgen durchfurchten Antlitz thres Vaters forschend.Hans Jürgen hat mir nichts gesagt. Was Du da von einem Opfer sprichst, ich verstehe es nicht. Ich weiß ja lange, daß es Dein Wunsch ist aber" sie brach jäh ab. Ihr Vater hatte sich aus ihre Hände tote in Demut hernieder gebeugt und während er sie küßte, fiel eine Träne brenn­end auf ihre Hand und das Wort, das sie fprech« wollte, daß sie niemals Peter Pankwitz's Fran werden könnte, erstarb auf ihren Lippen.

Wie merkwürdig der Vater war. So hatte sie ihn nie geseh«. Und dunkel und schwer, kam ihr die Ahnung von etwas Schrecklichem. Ein Fieber­frost schüttelte ihren Körper.Geht es nicht anders, Papa?" fragte sie mit halb ersticktem Ton.

Es muß sein, mein Kind. Und nun geh mit Gott. Daß Du allem Anschein nach, Peter frei« willig erwählst, nimmt mir eine Bergeslast von der Seele."

Karleen hätte am fiebften laut gefchrle«:Ez ist ja alles nicht wahr? Ich will nicht das Opfer fein," aber fest schloß sie den Mund und kein Laut entrang sich ihren Lippen.

Eine felffame fast betäubende Ruhe kam bann über sie. Als sie am Arme ihres Vaters einige Minuten später in bm grünen Salon trat, wo die Ihrigen mtt der Famllie Pankwitz schon ver­sammelt harrten, zeigte ihr blasses Gesicht keiner­lei Erregung mehr. Rur ht d« Augen flackerte noch ein unruhiger Schein.

Sie floß sich geduldig von dem alt« Pankwitz dem reich« Rauchwarenhändler vom Brühl, ans die Stt« küss« und sie duldete ergeben, tote Mutter Pankwitz sie mit Vehemenz an ihren statt- kchm Bus« drückte und gerührt versicherte: Sie

wäre ihr die fiebste Schwiegertochter, die sich wünsch« könnte." ,

Karle« hörte auch tolBlg zu, wie Maxel, bet Leutnant, ihr in hochtönend« Worten seine Be­geisterung schilderte, die immer für sie und ihre Schwester in ihm geglüht und sie ließ es auch ge­schehen, baß Peter sie auf die Wange küßte. Aber der Kuß brannte noch wie ein häßliches Mal aus ihrem Gesicht, als sie fchon längst bei Tisch saß« Und wie geftern in all ihrer Verzweiflung sah sie daß Peter heute zur Feier des Tages eine tote West« angelegt hatte und da lachte sie ganz lato auf. Camilla Landheim, ihr gegenüber, sah sie ganz erstaunt an, sie wollte augenscheinlich eint spöttische Bemerkung machen, aber das undurch­dringliche ernste Gesicht Hans Jürgens, der seine Schwester fortgesetzt sthars beobachtete, schüchterte sie ein.

Es wurde viel geredet und viel getrunken bei diesem Verlobungsschmaus, die Pankwitze ver­standen das. Puschke schleppte fortgesetzt n«e Champagnerflasch« in silberblinkend« Eis­kübeln herbei.

Papa Parckwitz, ein Heiner dicker jovialer Herr mit zwinkernden weinstöhlich« Augen, hielt dann noch eine begeisterte Rede, worin er auch die beiden weltberühmten Firm« Alexander Ber­mann u. Co. und August Pankwitz Söhne, die sich nun verbänden, gehörig feierte, unb Maxel schnitt Etta fo gewaltig die Kur, baß diese mit b°d)roten Back« da saß und dies« Leutnant mit bem Hute unb bem viel« Geld tm Hintergründehumn lisch" fand, denn soeben hatte er ihr vertrato. daß er sich einen neuen Rennstall einrichten wollte, seine alten Pferde genügt« ihm nicht mehr.

(Fortsetzung folgt.)

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