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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

«nd den Beilagen: .Mach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage.«

31.163

DieOberhessische Zeitung« erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 M. (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21). 2,00 <AU (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

Marbnrg

Freitag, 15. Juli 1910.

Die Jnsertionsgebühr beträgt für Inserenten aus dem enqeren Verbreitungsgebier des Blattes für die 7gel"altene Zeile oder deren Raum 15 4, für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 4. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Univerfitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

45, Jahrg.

Der panamerikanische Kongreß.

Der soeben eröffnete vierte panamerikanisch« Kongreß in Buenos Aires wird eine neue Etappe auf dem Wege der friedlichen Eroberung Süd­amerikas durch die Nordamerikaner bedeuten. Mehr als je sieht die Washingtoner Regierung heule in der Förderung panamerikanischer Be­strebungen eine ihrer Hauptaufgaben. Die Er­folge des Fleischtrustes bei dem Bestreben, daS englische Kapital aus Argentinien und Uruguay zu verdrängen, um sich die NahrungSmittelpro- duktion und -Ausfuhr dieser Länder botmäßig machen zu können, und die ebenso glücklich fort­schreitenden Bemühungen Morgans und Spevers die südamerikanischen Banken unter ihre Kon­trolle zu bringen, sind geeignet, die Pioniere des panamerikanischen Gedankens Root u«b Roose­velt mit hoher Genugtuung zu erfüllen. Auch das politische Pressige der Vereinigten Staaten ist seit dem letzten Kongreß in Südamerika gewachsen. Sonst würde Argensinien nicht den Bau seiner Kriegsschiffe nordamerikanischen Wersten anver- traut haben noch hätte die Washingtoner Regier­ung in Verbindung mi Argentinien und Brasi­lien den Grenzstreit zwischen Peru und Ekuador vorläufig schlichten können. Mit Befriedigung wird der Kongreß fernere Fortschritte beim pan­amerikanischen Eisenbahnprojest feststellen können. Im Süden hat Argensinien eine Linie nach Boli­vien hinein vorgestoßen und im Norden wird in wenigen Monaten eine Verbindung zwischen Newhork und Guatemala hergestellt sein. Die Beratungen des Kongresses werden sich unter anderem um die Vervollkommnung des Seever­kehrs zwischen den beiden Hälften Amerikas, um Gleichmäßigkeit des Konsularwesens und Rezi­prozität in Patentangelegenheiten und in bezug auf Verlagsrechte drehen. Bei den Debatten wird es freilich auch nicht an dunklen Punkten fehlen. Drei oder mehr Vertreter südamerikanischer Re­publiken beabsichsigen, gegen die von der Was­hingtoner Regierung in Zentralamerika verfolgte Politik zu protestieren; ja, es soll sogar einer sich mit der Absicht tragen, bei dieser Gelegenheit einen Zusammenschluß Spanisch Amerikas gegen Nordamerika anzuregen. Zu Mßklängen kön­nen ferner die Beziehungen zwischen Bolivien und Argensinien führen. Man kann es in Bolivien schlecht verwinden, daß der vom Präsidenten von Argensinien im letzten Sommer im Grenzstreit mit Peru gefällte Schiedsspruch ungünstig fiir Bolivien ausfiel. Eine Zeitlang war es selbst zweifelhaft, ob Bolivien den Kongreß beschicken werde. Auch sonst lasten die polisischen Bezieh­ungen zwischen südamerikanischen Republiken viel zu wünschen übrig und der Vertteter der Ver­einigten Staaten, Henry White, der ehemalige Botschafter in Paris und amerikanischer Ver­trauensmann auf der Konferenz von Algeciras, wi d sein ganzes diplomattsches Geschick aufwen­den müssen, um für einen harmonischen Ausklang zu sorgen.

88 (Nachdruck verboten.)

Karrlate.

Von Anny Wothe.

(Fortsetzung.)

Nanu,* lachte Etta.Warum soll ich denn nicht an so was denken? Bald achtzehn! Drei meiner Freundinnen sind schon verheiratet und eine hat schon ein Baby. Muß das reizend seins Ich wünsche mir viele Kinder, vielleicht acht, lau­ter Mädchen, die Bengels mag ich nicht leiden, die schlüge ich ja, weil sie so frech sind, ganz zu Schanden. Aber sage mal, Karleen, was hast Du denn eigentlich?* fragte sie mit ihren klugen, braunen Augen forschend die Schwester betrach­tend.Ich glaube gar, Du weinst?*

Ach, Etta, mir ist ja so grenzenlos elend,' schluchzte Karleen auf.

Das gibt sich,* tröstete Etta mütterlich.So soll allen Bräuten zu Mute sein. Mama s'.gt, man solle Dich heute ganz zufrieden lassen und Peter, der schon vorhin selbst mit seinem Auto vorfuhr hat sie gesagt, daß Du bis Mittag unbe­dingt Ruhe brauchtest. Da ist er dann wie ein begossener Pudel wieder abgezogen. Er schickt Dir nur hunderttausend Grüße.*

Karleen atmete beftett auf.Also noch eine Galgenfrist.Geh hinab Kleine,' gebot sie ernst, »und sage der Mama ich fühle mit etwas ange- griffen, in einer Stunde aber werde ich unten sein. Die Rosen kannst Du mttnehmen, ich schenke sie Dir.'

Etta stand einen Augenblick unschlüssig.Ree, sagte sie,Deine Brautblume« l Wo werde ich denn?*

Der Hetzversuch mißglückt.

Die englischen Blätter haben wohl eingesehen, daß die Angelegenheit des Briefes des deutschen Kaisers sich nicht recht zu einer sonst so beliebten Deutschenhetze eignet; sie gehen nicht weiter darauf ein und selbst der Berliner Korrespondent derTi­mes" telegraphiert, daß die in London veröffentlich­ten Nachrichten aus Washington sehr übertrieben sein dürften. Es sei einfach nichts weiter geschehen, als daß Deutschland klug oder unklug den neuen Prä­sidenten anerkannt habe, was man in den Vereinig­ten Staaten ein wenig übel ausgenommen hätte.

Der Vertreter desStandard" in Newyork meldet, daß die deutschen Zeitungen die ganze Angelegenheit sehr zu übertreiben schienen, in Amerika habe man sich darüber nicht im mindesten aufgeregt, denn die Zeitungen nähmen fast keine Notiz davon und brach­ten die Nachrichten nur ganz flüchtig aus einer der Hinteren Seiten.

Die deutschen Zeitungen haben natürlich keinen Grund diese Dinge zuübertreiben", sie befinden sich nur in der Abwehr der seit langem geübten englischen Hetzereien, von denen jetzt mal wieder ein Beispiel vorlag. Die wohl disziplinierte englische Presse hat freilich dem Angriff derMorning Post" nicht Folge gegeben, sie sah, daß diesmal nichts zu holen war.

Aus der Affäre eine Sensation zu machen, wie es verschiedenen Berliner Blättern erging, war natürlich unklug. Nötig war es aber auf diese neueste Hetz­leistung gebührend hinzuweisen gegenüber den immer wiederkehrenden englischen Freundschaftsbekun­dungen.

Weiter wird aus Washington gemeldet:Das Staatsdepartement hat die Mitteilung des deutschen Kaisers an den Präsidenten Madriz von Anfang an für einen reinen Formalitätsakt gehalten und sieht daher keinen Grund dafür gegeben, irgendwelche Auf­klärung in dieser Angelegenheit von der Madriz- partei zu verlangen."

Nur der Vertreter des berüchtigten Sensations- blattesDaily Mail" weiß aus Amerika zu berichten, daß man dort den Brief scharf kritisiere, man be­fürchte in Washington, die Anhänger des neuen Prä­sidenten würden sich auf den Brief hin zu einem langen Kriege aufhetzen lassen. Ferner falle es auf, daß Deutschland einen Kreuzer in die Gewässer von Nicaragua geschickt habe, während es früher den Schutz seiner Interessen dort den Bereinigten Staa­ten anvertraut habe. Törichte aber bezeichnende Phantasien! Die Geschichte mit der Kohlenstation wird in Amerika außerdem nirgends ernst genommen.

Also es war nichts!

Politische Umschau.

Das japanisch russische Abkommen.

Berlin, 13. Juli. Der russische Boffchafter. ebenso der japanische brachten am Montag dem hiesigen Auswärttgen Amt den Wortlaut des zwischen ihren Ländern getroffenen neuen Abkom­mens zur Kenntnis. Die Boffchafter bemerkten,

Nimm nur, Kind. Sie bringen Glück.'

Na, dann man los. Ich hoffe und wünsche, daß ich in Deine bräutlichen Fußstapfen trete. Wenn Du aber glaubst, daß ich auch so herum schmachte wie Du, wenn ich erst glücklich einen habe und Tränenbäder nehme, so irrst Du Dich riesig. Ich werde ihm sagen oder Du Peter, oder wie er sonst heißt: Wenn Du meinst daß ich nun, wo ich die große Gnade gehabt Dir einzu­gestehen, daß ich Dich liebe, glaubst, daß Du mir darum was zu sagen hast, so bin ich gleichSaft' mit Dir. Und ivenn Du meinst, weil ich so ruhig und duckmäuserig dabei stehen must, wenn Pastor Pank feierlich predigt:Und er soll Dein Herr sein,' daß ich jemals in Wirklichkeit daran denke, mich Dir unterzuordnen, so bist Du schief gewickelt. Gleiche Rechte, das ist die Hauptsache für eine moderne Frau! Laß Dir man blos nicht gleich die Butter von Peter vom Brot nehmen, Karleen. Unverschämt genug ist er dazu. Na, Peter überhaupt. Weißt Du, Marel gefällt mir besser. Vielleicht nehme ich mir den. Himmel, wenn ich dann Deine Schwägerin würde!'

Quatsch doch nicht solchen Blödsinn, Etta,' rief Karleen ungeduldig,und mach Dich davon.'

Soll geschehen. Aber ich sehe garnicht ein, warum ich nicht MaxÄ Pankwitz heiraten soll, wo doch Papa meint, er wLre der einzige junge Offizier im Regiment, der keine Schulden hätte. Einen solchen Ausbund von Tugend muß man doch auszeichnen. Weißt Du, Grete Almers, die reitet jetzt immer nach dem Exerzierplatz in der Hoffnung, Maxel zu sehen. Ra und der Grete | werde ich ihn doch nicht etwa lassen. Was? I Ehrensache?*

I Karleen schob die keine Schwester samt den

der neue Vertrag bilde eine Ergänzung zu dem russisch-japanischen Abkommen von 1907 und be­deute eine weitere Bürgschaft für die Erhaltung des Status quo und des Friedens im fernen Osten. Es wurde auch darauf hingewiesen, daß bet Grundsatz der offenen Tür unverletzt bleibe. Staatssekretär v. Schoen nahm die Mitteilungen der beiden Botschafter dankend entgegen und drückte die Erwartung aus, daß für Deuffchland bei der Verfolgung seiner wirtschaftlichen Be­strebungen im fernen Osten der wichttge Grund- satz der offenen Tür aufrecht erhalten bleibe.

Petersburg, 13. Juli. Die offizielle Rossija* erklärt zu dem russisch-japanischen Ver­trag, das Prinzip der offenen Tür in der Man­dschurei sei bereits durch den Vertrag von 1907 festgclegt. Daher könnten an der wirffchastlichen Erschließung der Mandschurei alle teilnehmm, die im fernen Osten Handelsinteressen hätten. Für Rußland schwinde die Beunruhigung wegen mög sicher Verwickelungen in jener Gegend. Die Er­klärung, der status quo solle erhalten werden, müsse den Verdacht Chinas beseitigen, daß Ruß­land von der Nordmandschurei und Japan von der Südmandschurei Besitz ergreifen _ wollten, wenn auch beide Staaten nicht daran dächten, die dort erworbenen Rechte aufzugeben.

Deutsches Reich.

Bon der Nordlandsfahrt be8 Kaisers. Bergen, 12. Juli. Der Kaiser stattete gestern abend noch einen Besuch auf derNahma* ab, die dann nach Rotterdam in See ging. Heute wurde gekohlt und der Kaiser brachte den Vor­mittag auf dem BegleiffchiffeStettin* zu, machte dem hier anwesenden Kriegsschiff einen Besuch und begab sich mit einem Teil der Herren des Ge­folges zum Frühstück beim Konsul Mohr und demnächst zu dem früheren Minister Michelsen zum Tee, wovon er um 6(4 Uhr zurückkehrte. Der Kurier vom 9. Juli ist hier eingetroffen. Das Wetter fft großartig, an Land aber recht warm. An Bord ist alles wohl.

Kaiser Wilhelm und der französische Bot- schafter de la Boud. Paris, 13. Juli. Die Pariser Agenttir Fournier veröffent­licht eingehende Einzelheiten über eine Begegnung des Deuffchen Kaisers mit dem französischen Vertreter de la Voud aus Chti- stiania. Es heißt darin: Die französische Fre­gatte Lavoisier mit dem französischen Vertreter in Norwegen de la Voud an Bord war morgens um 10 Uhr in Bergen eingeirossen. Sie fuhr gleichzeitig mit der hier vor Anker liegenden JachtHohenzollern* mit dem Deuffchen Kaiser an Bord im Hafen ein. Der Kapitän der fran­zösischen Fregatte, Kommandeur Magreville be­gab sich sofort an Bord derHohenzollern", um dem Kommandanten der kaiserlichen Jacht feine Grüße zu entbieten. Der Kapitän Magreville wurde vom Kaiser auf das liebenswürdigste empfangen. In der Unterhaltung mit ihm drückte der Deuffche Kaffer den Wimsch aus, eine Unter­redung mit dem französischen Geschäftsträger de la Voud zu haben. Er ließ diesen durch den deuffchen Gesandten in Christiania zu sich ein«

......a

Rosen zur Tür hinaus. Die lachte und dann san,; sie, als sie dieTreppe hinaufsprang mit Heller Stimme durch das Haus:

Kofewind, der vom Werden spricht, Kosewind, der aus Erden bricht Dunkles Eis int Eemüte, Lege zu Grabe, was morsch, was still. Segne, was leben, was rauschen will Fülle den kümmernden Herzensschrein Ties mit Schönheit, mit Sonnenschein.* Karleen lauschte. Ute hatte die Verse des Prinzen Emil von Schönaich-Carolath in Musik gesetzt, die jetzt Etta fang. Es war Karleens Lieblingsdichter, Trost und Ruhe in den gemüt­vollen freisinnigen Dichtungen gefunden. In das Heimatland ihrer Seele hatte sie der Dichter ge­führt und merkwürdiger Weife war ihr immer in diesem Lande, das sie suchte mit der Sehnsucht ihres jungen Herzens, der fremdeMann begegnet, der dort oben auf der Denkmalshöhe des Frei­heitsfeldes den gleichen Dichter zittert.

Karleen kämmte mechanisch ihr goldenes Haar. Me ein Mantel umwall e es ihre weiche graziöse Gestalt. Lässig sanken ihre Hände hernieder und sie blickte sinnend zum Fenster hinaus, vor wel­chem sich der im Rauhreif glitzernden Albertpark dehnte. Es war ihr, als schwebe aus den Baum­wipfeln ein leises Klingen zu ihr herüber. Das sprach von tauenden Schollen und grüner Saat und ihr Herz klopfte plötzlich so heiß, haß sie beide Hände darauf preßte.

Was war das nur! Wie wunderselig und doch wie schwer und wirr war ihr zu Sinne? Als hätte sie den Gipfel des Glückes erstürmt, als sehe sie die Welt mit goldenen Wolkensäumen. Ein Singen und Klingen war in der Lust wie von fernem Kinderlachm.

laden. De la Voud begab sich hierauf an Bord derHohenzollern* und hatte mit dem Kaisei eine einftünbige Unterredung. Die Unterredung dauerte von 910 Uhr vormittags. Kurz nach 10 Uhr ließ sich dann der deuffche Kaiser m Bord der französischen Fregatte Lavoisier brin g:it, die er in allen ihren Einzelheiten in Augen schein nahm. 11 Uhr 30 Minuten snhr der Kaiser wieder ab. De la Voud wird bis zum 15. ix Bergen verbleiben. Mittags war der deutsch« Kaiser mit 10 Personen seines Gefolges zu Gaß beim deuffchen Konsul in Bergen. Unter bex Geladenen befand sich auch der stanzösische Ge- schäftsträger de la Voud.

Die Kaiserin in Wilhelmshöhe. Cassel, 13. Juli. Die Kaiserin ist heute früh 7 Uhr 38 Minuten im Sonderzug mit der Prinzessin Vik­toria Luise in Wilhelmshöhe eingetroffen.

Herr Deruburg reift nach Ostasien. Berlin, 12. Juli. Herr Bernhard Dernburg wird dem Berliner Tageblatt* zufolge am 15. Juli Berlin verlassen, um seine Reise nach Ostasien anzu­treten. Zunächst begibt sich Herr Dernburg aus dem Landwege mit der transsibirischen Bahn nach Wladiwostock.

Die Adjutanten des Kronprinzen. Berlin, 13. Juli. DasMilitärwochenblatt' meldet: Graf Wildenfels, Major bei den 1. Garde-Ulanen, wurde zum persönlichen Adjutanten des Kron­prinzen ernannt, v. Zobeltttz, Leutnant bei de« 2. Garde-Ulanen, wurde auf ein Jahr als Or­donnanzoffizier zum Kronprinzen kommandiert.

Von der Zeppelinexpeditton. Tromsö, 13. Juli. Die DampferMainz* undPhönix* mit her; Prinzen Heinrich von Preußen und de« übrigen Teilnehmern an der Zeppelinschen Vor- expedttion an Bord, sind morgens, begleitet vom TorpedobootCarmen*, nach Spitzbergen abge- gangen.

Neuer Gesandter in Sofia. Bersin, 13. Juli. Wie dieRordd. Allg. Ztg* hört, ist für den Posten eines Kaiserlichen Gesandten in Sofia der bisherige Generalkonsul in Kalkutta v. Below Saleske in Aussicht genommen.

Ausland.

* Der Nachlaß Johann Orths. Men, 12. Juli. Das Obersthoftnarschallamt hat heut« an den Advokaten, der den Nachlaß des verschollenen Johann Orth verwaltet, ein Schreiben gerichtet und ihn um Herausgabe dieses Nachlasses er­sucht, in welchem sich wichttge Briefffchaften und wahrscheinlich auch die letztwillige Verfügung Johann Orths befinden.

** Das ungarische Abgeordnetenhaus und die Borromäus Enzyklika. Budapest, 13. Juli. Auf die Jntervellatton Thuroczys (Regierungspartei) über die Veröffentlichung der Borromäus-Enzv- klika durch den Erzbischof Varoshy erfiärte bet Minffterpräsibent, die Regierung werde sich zu­nächst eine amtliche Kenntnis der tatsächlichen Vorgänge verschaffen; er glaube aber, schon fttzi sagen zu können, daß Vorsätzlichkeit ausgeschlossen sei. In jedem Fall werde die Regierung es für ihre Pflicht erachten, eine Störung des konfes­sionellen Friedens hintanzuhalten und im Falle

Und es war ihr, als wandere sie mit fort in blauende Sonntagssernen und als fände sie nie, nie mehr den Weg nach Haus.

Und bann plötzlich dachte sie an Peter Pank­witz, und daß sie da unten schon alle auf sie war­ten würden und sie als feine Braut an feinet Seite sitzen müßte und seine Küsse dulden.

Nein, ndn!* schrie sie auf.

Nie, kann ich ihm gehören*

Eiligst, wie im Fieber vollendete sie ihre Toi­lette. Ihr frisches Gesicht war heute totenbleich und dunkle Schatten lagen unter ihren Augen. Sie wollte sofort zu ihrem Vater. Alles, alle- wollte sie ihm sagen. Wie und wo sie den Frem­den zuefft gesehen, wie alles gekommen, und daß die Furcht vor dem unheimlichen Mann, der fie wider Willen in Banden hielt, sie in Peter Pank- witz Arme getrieben hatte. Und sie wollte ihren Vater so heiß und inbrünstig bitten: Mach mich frei von diesem Menschen. Ich kann Peters Frau nicht werden, denn ich liebe ihn nicht und bann, wenn fie alles gesagt, bann würde fie endlich ein­mal ruhig werden, dann würde fie endlich di« Last, die sie seit Monden drückte, abwerfen können, bann würde sie wieder floh und heiter sein.

Und wieder hörte sie das leise Singen und Klingen. Aus des Parkes Tiefen da drüben mit den regungslosen glitzernden Bäumen kam bas Frühlingsgeläut.

Und plötzlich tauchten bie tiefen Männeraugen vor ihr auf. Gebieterisch flammten sie über sie hin unb ein unendliches Grauen kroch durch Karleens Seele.

Sie preß'e aufstöhnend beide Hände gegen die brennenden Augen.

Ein Klopsen an bet Tür riß sie aus ihrem Sinnen. (Fortsetzung folgt.)