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45. Jahrg.'
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lForlsetzung folgt.)
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Politische Umschau.
Deutscher Ortskrankenkaffentag.
In Regensburg hat unter Beteiligung von Delegierten aller im Zentralverbande der Ortskrankenkassen Deutschlands organisierten Ortskrankenkassen trat Montag vormittag die 17. Jahresversammlung des Zentralverbandes von
Eisenbahnlinie« in der Mandschurei urib in der, Vervollkommnung des Berbindungsdienstes der erwähnten Eisenbahnlinien und sich jeder Konkurrenz zu enthalen, die der Verwirklichung die- scs Zieles schädlich wäre. 2. Jede der beiden vertragsschließenden Parteien verpflichtet sich, ben Status quo in der Mandschurei, wie sich aus allen Verträgen der Konventionen und der an« deren Abkommen ergibt, die bis heute, sei es zwischen Rußland oder Japan oder zwischen dieser beiden Mächten und China geschloffen sind, ausrecht zu erhalten und zu respektieren. Di«-Kopier der erwähnten Abkommen sind zwischen Rußland und Japan ausgetauscht. 3. In dem Falle, das ein Ereignis eintreten sollte, das geeignet Ware den status quo zu gefährden, werden die beiden vertragsschließenden Parteien jedesmal miteinander in Verbindung treten, um sich über dit Maßnahmen zu verständigen, die sie für richtig und notwendig erachten, um den status qu' aufrecht zu erhalten.
England dort vielfach ausgeschaltet ist, Man arbeitet deshalb wieder mit derartigen dreisten Verdächtigungen, die nun leider auch nicht ohne Früchte bleiben werden. Die „Post,, erhält dazu folgende Meldung: „In Washington betrachtet man das Vorgehen des Kaisers als Vertrauensbruch gegenüber Nordamerika. Man glaubt, daß Deutschland eine Intervention in der nicaraguanischen Angelegenheit vorbereitet (?). In der Presse wird der Schritt vielfach als „antiamerikanisch" bezeichnet und äußerst abfällig kritisiert." Und die „Morning Post" weiß freundschaftlich selbst zu melden: „Die Washingtoner Regierung legt dem kaiserlichen Brief keine allzu große Bedeutung bei. Internationale Verwicklungen irgendwelcher Art werden ihm nicht folgen. Doch ist man ziemlich ungehalten darüber, daß Deutschland in der Frage der mittelamerikanischen Kämpfe Partei ergriff und diesen Schritt tat, ohne das Staatsdepartement davon in Kenntnis zu setzen. Auch erinnert man daran, daß vor einiger Zeit das Gerücht ging, Präsident Madriz habe einer europäischen Großmacht eine nicaraguanische Insel als Kohlenstation angeboten, wenn diese ihn anerkenne und ihm finanzielle Unterstützung gewähre. Nordamerika würde einen derartigen Schritt der mitelamerikanischen Republik als Bruch der Monroe-Doktrin betrachten und ihn zu Hintertreiben versuchen."
Das aufreizende Telegramm dieses Blattes lautete: „Der deutsche Kaiser hat das bekannte „Krüger- Telegramm", das er dem Präsidenten der einstigen südamerikanischen Republik entsendete, erneuert, wenn freilich auch in milderer Form und weniger auffälliger Weise. Diesmal hat er Nordamerika schwer verletzt. Als die amerikanische Regierung gegen den Präsidenten Zelaya von Nicaragua vorging, wurde General Madriz zu dessen Nachfolger ausgerufen. Die Regierung der Union weigerte sich jedoch, ihn anzuerkennen. Im Dezember vergangenen Jahres schickte General Madriz Zirkularnoten an die Großmächte, in denen er diesen seinen Amtsantritt anzeigte. Die Regierung in London sondierte erst in Washington und weigerte sich dann, General Madriz anzuerkennen. Der deutsche Kaiser jedoch beantwortete am 26. April die Note Madriz', indem er seinen „großen und guten Freund" beglückwünschte und ihm versicherte, daß „meine Regierung bemüht sein wird, die guten Beziehungen, die bisher zwischen Deutschland und der Republik Nicaragua bestanden haben, aufrecht zu erhalten und auch weiterhin zu pflegen."
Sorka hob hochmütig das dunkle Haupt, abwehrend und kühl flogen ihre Augen über seine robuste Gestalt.
„Welcher Sprache erdreisten Sie sich, mein Herr/ gab sie erregt zurück. „Ich habe wirflich nicht Lust, Ihre beleidigenden Aeußerungen noch länger mit anzuhören.'
Plötzlich aber wurde ihr Gesicht ganz fahl. Landheim nahm soeben mit spitzen Fingern einen gklben Herrenhandschuh von dem Ruhebett, den er schon lange fixiert hatte.
„Tragen Sie diese Nummer?" fragte er eisig.
Sorkas Antlitz verzerrte sich vor Schreck, doch sagte sie leicht hin:
„Den wird einer meiner jungen Landsleute, die hier auf dem Konservatorium Musik studier n und von denen schon heute vormittag einige hier waren, vergessen haben?"
„So?" entgegnete der Bankier kalt, „dann befindet sich vielleickst auch noch einer dieser lands- männischen Freunde hier im Nebenzimmer. Sie erlauben?"
Und ohne eine Entgegnung abzuwarten, schritt er auf die Tür von Sorkas Schlafzimmer zu.
Das Blut der schönen Frau erstarrte einen Augenblick zu Eis. dann aber schrie sie laut auf und stürzt zur Tür.
Mit unglaublicher Gewandheit hatte sie diese noch vor dem Bankier erreicht.
„Zurück!" rief sie mit wahrhaft fürstlicher Geberde. „Roch einen Schritt weiter und ich rufe durch die Klingel das Dienstpersonal des Hotels herbei. Es ist unerhört, welche Dreisttgkeiten Sie sich einer anständigen Fran gegenüber erlauben. Zurück, sage ich noch einmal."
Der Bankier lächelte ironisch und doch hörte man an seinem keuchendem Atem, welche wahnsinnige Aufregung ihn gepackt hatte.
„Ich habe in meinem Leben viel schöne und interessanten Frauen kennen ctzelentt," fagße er langsam, „treu war keine. Ich gebe zu, daß mein
(Nachdruck verboten.)
Kantate.
Von Anny Wothe.
l Fortsetzung.)
Sorka," flüsterte er mit zärtlicher Eindring-
Marburg
Donnerstag, 14. Juli 1910.
lichkeit. „Geben Sie doch den Gedanken auf. Sehen Sie, ich verlange ja natürlich nicht, daß Sie Ihr Kind preisgeben sollen. Nur die fana- ttsche Sucht nach Rache kaffen Sie fahren."
Es verfolgt mich," murmelte Sorka tonlos. „Ich fühle es."
„So lassen Sie sich doch verfolgen. Es wird uns auf dieser Jagd dann wenigstens sicher in die Hände fallen. Der Ausgang des Prozeffes kann ja für Sie nach dem Vorangegangenen nur ein günstiger sein und das Kind ist Ihnen sicher. Es ist Tatsache, daß er einen vollständig Unschuldigen erschossen hat und auch Ihr Leben durch ihn bedroht wurde. Man wird wahrscheinlich mildernde Umstände annehmen, aber verurteilt wird er auf alle Fälle und Sie sind dann frei, frei, Sorka!"
Er hatte es leidenschaftlich, ihre beiden Hände in die seinen pressend, so bedeutungsvoll hinaus gejubelt, daß Sorka erbebte.
„Sttll still, ich bitte Sie, nicht so laut," flüsterte sie und es war dem Bankier, als flöge ihr Auge angfwoll nach der Tür.
„Sind wir nicht allein?" fragte er mißtrauisch.
„Doch, doch," versicherte Sorka zerstreut, aber ihr Ohr lauschte aufmerksam. Es war ihr, als hörte sie im Nebengemach Tritte.
Das frische Gesicht Landheims iourde dunkel- rot. Nervös wirbelte er seinen rotblonden Schnurrbart durch die Fingerspitzen.
„Eins möchte ich Ihnen doch zu bedenken geben, meine gnädige Frau, spielen lasse ich nicht mit mir. Merken Sie sich das. Dazu bin ich zu alt* wollte er sagen, er verschluckte das Wort aber «nb setzte hinzu: .Zu vernünftig."
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis be ragt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 (ohne Bestellgeld) bei unseren Zeitungsstellen unb der Exped-tron (Markt 211, 2M^. (ftür unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) _______
Neue englische Hetze.
Vor einigen Tagen tauchten in der englischen Presse mehrfach Meldungen auf, Präsident Madriz von Nicaragua habe einer europäischen Macht eine »Insel als Kohlenstation angeboten, um sich mit Hilfe dieser Macht gegen seinen Rivalen, General Estrada »nd gegen Nordamerika zu sichern. Nach den jetzt in den englischen Blättern gemachten „Enthüllungen" soll .natürlich Deutschland die betreffende Macht sein, und zwar ist die Ursache ein harmloser Brief des deutschen Kaisers an den Präsidenten von Nicaragua, den der Kaiser als Antwort auf die Mitteilung des Prä- fidenten Madriz von seinem Regierungsantritt an diesen gemacht hatte. In diesem Briefe hatte der Kaiser, wie das gegenüber den Präsidenten üblich ist, Madriz seinen „großen und guten Freund" genannt und ihm gleichzeitig zu seinem Regierungsantritt beglückwünscht. Weiter wurde darin versichert: „Meine Regierung wird fortfahren, die besten Beziehungen zu erhalten und zu pflegen, die glücklicherweise zwischen dem Deutschen Reiche und der Republik von Nicaragua existteren." Aus diesen harmlosen Briefen will nun in Zusammenhang mit früher von England aus kolportierten Gerüchten die englische Presse herauslesen, daß Deutschland auf Madriz einen Druck ausüben wolle, um diesen zu veranlassen, an Deutschland zur Errichtung einer Kohlenstation eine Insel abzutreten.
Gleichzeitig habe der Kaiser durch diesen Brief den Vereinigten Staaten den Fehdehandschuh auf dem Gebiete der zentralamerikanischen und südamerikanischen Politik hingeworfen. Zu dieser englischen Hetze wird von amtlicher Seite folgende Erklärung abgegeben: „Das in Rede stehende Schreiben an den Präsidenten von Nicaragua, eine Antwort auf die hier .'erfolgte Notifikation des Wechsels des Staatsaber- . Hauptes, ist in der zwischen Monarchien und Republiken üblichen Form abgefaßt und enthält die Anrede: „Großer und lieber Freund", eine stereotype Wendung, wie sie im diplomatischen schriftlichen Verkehr bei solchen Gelegenheiten stets gebräuchlich ist. Ebenso weicht der Brief auch inhaltlich nicht von den Gepflogenheiten eines Glückwunschschreibens an ein fremdes Staatsoberhaupt bei Uebernahme der Regierung ab. Es gehört somit viel böser Wille dazu, ein übliches Schreiben, wie das hier besprochene, zu politischen, Treibereien gegen Deutschland zu verwerten." — Jeder blamiert sich so gut er kann. Wir können uns aber nicht versagen, diesen für die systematische Hetze der englischen Presse typischen Fall hier wieder festzunageln, und zwar ist das dieselbe englische Presse, die bei jeder Gelegenheit ihre Friedensliebe nicht laut genug betonen kann.
Das Manöver ist außerdem außerordentlich durchsichtig. Man neidet uns in England, die außerordentlich guten Beziehungen zu Amerika, durch die
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und .chandwittschastliche Beilage
Ortskrankenkassen im Deutschen Reiche zusammen. I Nach den vom Vorsitzenden des Zentralverbandes I Fräßdorf (Dresden) vorgelegten Jahresbericht I umfaßt der Zentralverband zurzeit insgesamt 323 I Ortskrankenkassen bezw. Krankenkaffenverbände. Der Jahresbericht gibt eine intereffante Ueberstcht über die Entwickelung der Krankenversicherung tm I Deutschen Reiche seit 1885. Die Zahl der Krankenkassen hat sich bis 1908 (für 1909 liegt der Abschluß noch nicht vor) nicht sonderlich vermehrt, I wohl um so mehr die Zahl der Mitglieder. Während die Zahl der Kassen von 18 776 aus 23 240 I sti-g, wuchs die Zahl der Versicherten von 4 294173 auf 12 324 094 an. Dementsprechend sind natürlich auch die Einnahmen und Ausgaben I gewachsen. Die Kosten für ärzüiche Behandlung stiegen in dem angegebenen Zeiträume von I 9 060 945 M auf 67 692 047 M, die Kosten für Arznei und Heilmittel von 7 072 016 M auf I 43 351620 JfL An Krankengeld wurden 1885 rund 23 958 923 M ausgegeben, im Jahre 1903 I dagegen 13 542 355 X Der Vorsitzende Fräßdorf betonte, der Selbstverwaltung der Deuffchen Orts- I krankenkaffen dürfe im Interesse ihres Weiterbestandes keinerlei Abbruch getan werden. Demi I gerade das Selbstverwaltungsrecht habe die I deuffche Arbeiterversicherung zu ihrer jetzige« I stolzen Höhe emporgebracht. Die Regierung habe I ja nichts zu verwalten, sondern lediglich darüber 1 zu wachen, daß dem Statut und den Gesetzen I Genüge geleistet werde. Arbeitgeber und Arbeit- I nefmier müßten in dieser wichtigen Frage zu- I sammenstehen und alle polittschen Tendenzen aus- I schalten, um diesen Angriff mit Erfolg abwehren I zu können. Der Kampf, der zwischen bett Aerz- ten und Kaffen vielfach tobe, müsse endlich einmal I ausgefochten werden. Hierauf wurde der vorge- 1 legt- Geschäftsbericht genehmigt. Ebenso der I Kassenbericht, zu dem Kassendirettor Heß noch I einige Erläuterungen gab. Er hob tt. a. hervor, I daß die Versicherungsausgaben stark gestiegen seien und daß der Aerztestand von der Versiche- I rungspflicht bisher noch keinerlei Nachteile, sondern nur Vorteile gehabt habe.
Rußland und Japan im fernen Osten.
Petersburg, 12. Juli. Der russisch- japanische Vertrag, der am 4. Juli in Petersburg unterzeichnet wurde, hat folgenden Inhalt: Die Lg-ferlichen Regierungen von Ruß- i land und Japan sind ausrichttg den Grundsätzen ergeben, die durch die zwifchen ihnen am 30. I Juli 1907 geschlossenen Konvention ausgestellt I werden, und von dem Wunsche beseelt, die Wirkungen dieser Konvention hinsichtlich der Konsolidierung des Friedens im fernen Osten zu erweitern, übereingekommen, das erwähnte Abkommen durch folgende Bestimungen zu vervollkommnen: 1. Um den Verkehr zu erleichtern und den anbei der Völker zu entwickeln, verpflichten sich die beiden vertragsschließenden Parteien, sich
I gegenseitig freundschaftliche Mitwirkung zu leihen hinsichtlich der Verbesserung der beidenseitigen
I Benehmen nicht ohne Brutalität ist, aber ich habe nun eben das bestimmte Gefühl, daß vor meinem
I Eintritt in dieses Zimmer ein anderer hier wa., deffen Hauch ich noch zu spüren meine und den
I Sie verberaen wollen. Lassen Sie mich nu. einen einzigen Blick in dieses Zimmer werfen. Sorka, und ich will zu Ihren Füßen tausendfach um
I Vergebung flehen. Erlösen Sie mich von dieser I grenzenlosen Qual."
„Es ist mein Schlafzimmer," stammelte Sorka I mit dem holden Erröten einer Sechzehnjährigen, I schonen Sie mich doch!"
I „Sorka, Geliebte!" schrie er, auf sie zusturzend I und sie heiß umfangend. „Erlöse mich!"
Und ehe sie es hindern konnte, hatte er die I Tür hastig aufgeriffen. Halbobnmächttg hing I Sorka in seinen Armen.
I Sein Blick überflog das Gemach. Es war I leer.
I Wie im Fieber streifte sein Blick das von matt I rosa Seidendecken und Spitzen überrieselte Lager, I dann brach er aufschluchzend vor Sorka auf die I Knie
I „Verzeihe, Sorka, verzeihe," rief er wie im I Taumel. „Sieh, ich liebe Dich ja so unsagbar. I Ich hätte es ja nicht ertragen, von Dir betrogen | zu werden. Nun aber bist Du ganz mein und I nichts, nichts soll uns mehr von einander I trennen."
I Ein Blick des Triumphes zuckte über Sorkas I Antlitz, dann aber schoflen große Tranen über I ihre zarten Wangen, während sie ihren liebe- I atmenden Körper weich und hingebungsvoll an I den Mann schmiegte, der ihr noch immer zu I Füßen lag.
Du hast mir zu weh getan, zu weh," I schluchzte sie. _. „
I „Geliebte, Einzige," rief er, ferne Arme um I ihren schlanken Leib legend und sie heiß an sich I pressend. „Mein ganzes Leben soll ja eine einzige I Sühne fein, Du mein süßes, angebetes Weib!
Die Jnsertionsgebühr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes kür die 7gefnalten« Zette oder deren Raum IS 4, für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 L. — Druck und Verlag: Ioh.Aua. Koch, Universitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. E. Httzeroth. Marburg, Markt 21. — Telephon SS.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser stiftet einen Pokal f" - Schützenfest in Bern. Bern, 12. Juli. Der deutsche Kaiser hat als Ehrengabe für das am nächsten Sonntag in ■ Bern beginnende eidgenössische Schützeiffest einen prächttgen silbervergoldeten Pokal gestiftet.
— Fürst Bülow in Darmstadt. Darmstadt, 12 Juli Fürst Bülow traf mit Gemahlin und dem Grafen und der Gräfin Wallwitz um 1 Ubr zum Besuche des preußischen Gesandten v. Jemsch hier ein. Um 4 Uhr begaben sich die Herrschaften nach Wiesbaden zurück.
— Fürst Bülow und Bethmann Hovweg. Der Reichskanzler wird in Berlin mit dem Fürsten Bülow Mitte Juli eine Zusammenkunft haben. Er kommt zn diesem Zwecke besonders von Hohenfinow nach Berlin.
— Die Fahrt des „P 6" nach Dresden. Bitterfeld, 12. Juli. Der Ballon „P 6" ist bei schwachem Regen und mäßigem Winde um 3V4 Uhr zur Fahrt nach Dresden aufgestiegen. Führer ist Oberleutnant Stelling; außer ihm nahmen sechs Herren an der Fahrt teil. — Dresden, 12. Juli. Das Luftschiff „P 6* wurde um 5 Uhr 30 Min. über ben Lößnitzer Bergen gesichtet. Er erreichte um 5% Uhr Dresden, schwebte eine Zeit lang über der Stadt, umkreiste in einem weiten Bogen den Turm des neu n Rathauses und schlug dann in ruhiger schön« Fahrt die Richtung nach dem Landungsplätze ein, wo es in Anwesenheit des königlichen Hofes unter b.geisterten Jubelrufen einer großen Menschenmenge kurz nach 6 Uhr glatt landete. — Uw 7 Uhr machte bet Parsevalballon einen Aufstieg zu einer Schleifenfahrt über ben Heller, an Welcher Prinz unb Prinzessin Johann Georg, sowie die beiden Prinzen von Casetta teilnahinen. Die Fahrt ging über ben Heller in ber Rich'ung auf Dresden, wo bas Lufffchiff abermals etnfe
Willst Du mein fein, Sorka, meine Gattin, mehr Alles?"
Er sah nicht bas böse, siegessicbere Lächelik ihrer roten Lippen, auf bie er jetzt gierig Me seinen preß'e. Er fühlte nut ihre heiße Glut unb all feine Sinne fdbtoanben i.t ben Atmen ber Circe, die lächelnd über ihn hinweg in eine rosigr glanzumhüllte Zukunft schaute. _
Karleen Betmann war am Morgen nach ihrer Verlobung aus dumpfen Träumen mit 'efngai Kopfschmerzen erwacht. Zuerst konnte sie sich absolut nicht auf die Vorgänge des gestrigen Abend» besinnen. Nut daß etwas Verbängni volles, etwas Furchtbares geschehen, fühl e sie mit bleie» net Schwere. Erst als Etta zu ihr ins Zimm r stürmte unb ihr Rosen auf bie Bettbecke legte die Peter Pankwitz fchon in der Frühe gcfchi !, wurde ihr bas Schreckliche klar. Karleen stöhnte gequält auf, als ihr bie Erinnerung kam.
Etta sah sie Lertounbert an. „Steh man blas aus," ermunterte sie bie Scktwester. „Es ist ja balb Mittag unb Papa hat telephoniert Die ganzen Pankwitze kommen zu Tisch zum Verlobungs- mahl Papa ist heute garnicht ins "'es^äft gegangen. Et hat sich in seinem Zimmer cinae- schloflen. Ich glaube, er präpariert ein. Rebe. Du es muß dock himmlisch sein verlobt > fein kicherte sie, ber Schwester, bie mübe bie schwer-« I ©lieber reckte, einen sanften Puff versetzend. „Du I mußt mir natürlich alles erzähle«, wenn Du I heiratest, wie es ist unb wie Peter sich zu Dir I benimmt. Ich meine, ob er Dick küßt unb ob er I sehr zärtlich tut. Ach, wäre ich boch auch erst f« I """Pfui. Nm, schäme Dich, so unpassende Rebe« I zu führen," entgegnete Karleen mit ungewohnter I Hastigkeit, inbem sie fick langsam erhob und mit | schmerzenden müben Gliedern ihre T : ict'c de-