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mH dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
*nb den Beilagen: .Mach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) «nd.Landwirtschaftliche Beilage.«
JVs. 161
Die „Oberhessifche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 «M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Erpedition (Markt 21). 2.00 <«. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
Marburg
Mittwoch, 13. Juli 1910.
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45. Jahrg
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 56.
Abgeordneter v. Heydebrand über konservative Gedanken und Ziele.
Auf Einladung der Leipziger Freien Studentenschaft hielt vor einiger Zeit der Reichstags» m.d Landtagsabgeordnete Dr. v. Heydebrand im großen Gesellschastssaale des Zentraltheaters zu Leipzig vor einem nach vielen Hunderte« zählenden, den weiten Raum bis auf das letzte Plätzchen dichtgedrängt füllenden Auditorium von Studenten der Leipziger alma mater einen gedankenreichen Vortrag über konservattve Gedanken und Ziele.
In studentischer Weise, mit lebhaftem und lang anhaltendem Beifall begrüßt, führte Herr v. Heh- debrand, indem er daran erinnerte, daß er vor nunmehr 80 Semestern in Heidelberg zu de« Füßen Vangerows und Heinrichs v. Treitschke gesessen habe, aus, daß die heutige Zeit in politischer Beziehung für den Studenten lebendiger sei, als die Ihre vor dem großen Krieg. Niemand verlange von der akademischen Jugend, daß sie sellst schon Partei ergreife, Wohl aber sei es zu begrüßen, daß sie das Bestreben habe, sich über die Anschauungen und Ziele der politischen Parteien der Gegenwart zu unterrichten und Worte aus- der politischen Praxis zu hören. Was die Bedeutung einer politischen Partei ausmacht, so erklärte, zu dem eigentlichen Thema übergehend, Herr v. Heydebrand, daß dies sich nicht in der Zahl der Mandate bekunde, sondern in der inneren Kraft und Bedeutung der Ziele, die sie vertritt und fördert. In seinen Gedanken und Erinnerungen habe Fürst Bismarck ein derbes Wort über die polittschen Parteien der damaligen Zeit gesprochen, das aber in gewissem Sinne doch berechttgt gewesen sei, da prakttsch und prinzipiell damals die polittschen Parteien nicht immer auf der Höhe ihrer Aufgaben standen. Wer sich einer polittschen Partei anschlicßt, welcher Richtung sie auch angehört, der muß sich ein hohes Maß von innerer Bescheidung, eine feste innerliche Richtungslinie zu gewinnen verstehen. Wer Führer einer Partei sein will, der muß in hohem Maße die Gabe besitzen, mit Menschen umzugehen, b:nn kein; Regierung vermöchte mit Parteiführern zu arbeiten, die nicht eins sind mit allen zu ihren Partei Gehörenden, die nicht gettagen sind von dem Vertrauen ihrer Partei.
Die Anfänge des Parteiwesens reichen so weit zurück, als es überhaupt eine menschliche Geschichte gibt. Bei Plato und Aristoteles findet man Anschauungen über eine grundsätzliche Auffassung das Parteiwesens, die zum Teil heute noch in voller Geltung sind. In Deutschland besaßen wir an Stelle des alten Parteiwesens zunächst eine berufsmäßige ständige Gliederung, der es an innerer Berechtigung gewiß nicht mangelte. Mit der französischen Revolutton aber kamen dann
82 (Nachdruck verboten.)
Kantate.
Von Anny Wothe.
(Fortsetzung.)
Endlich richtete sie sich energisch auf und deutete gebieterisch auf einen Platz an ihrer Seite:
„Erst beichten, Du Böser.*
Er zog ihre Hände an seine wildklopsende Brust und dann küßte er ihre Fingerspitzen mit heißem Munde wieder und immer wieder. Urb indem er jeden einzelnen Finger an feine Lippen legte, ließ er plötzlich mit jähem Ruck ihre beiden Hände fallen.
„Salome," stieß er fast ächzend hervor.
„Was hast Du, Du Liebster?"
Borns hatte sich schon wieder gefaßt. Finster, grübelnd betrachtete er ihre schön geformten, wie blasser Marmor leuchtenden Hände.
„Ich war vorhin im Museum," sprach er aus seinen Gedanken heraus, „und stand lange vor Mar Klingers Salome gefeflelt. Ihr« Hände hielten mich im Bann, Hände der Lust und der Sünde, und ich meine, sie gleichen den Deinen, Sorka."
Blitzschnell stand Sorka jetzt an Borris Seite. Ihre geschmeidigen Glieder schmiegten sich weich und bebend an ihn und ihre Lippen suchten wieder die seinen.
„FürchtestDu Dich," flüsterte sie unter seinen Küssen.
„Ick fürchte nichts, wenn ich Dich habe Sorka."
„Und doch bist Du vor mir geflohen, Borris? Warum kamst Du nicht sofort, als D« wußtest, wo Du mich finden konntest?"
Verlegen strich Borris mit der kräftigen Hand über seine niedere, breite Stirn.
Grundsätze auf, die alles Bestehende umstürzten I und alles auf die Basis des reinen Menschen- i ttrms stellten. Das Jahr 1848 brachte ähnliche Erscheinungen bei uns und hier setzte nun mit vollem Bewußtsein die konservattve Auffassung als Re- aktton ein gegen das Ueberquellen solcher Grundsätze. Es kam die Zeit Bismarcks, es kamen ihre Jnteressenkämpfe, und wieder lehnte sich hier die konservattve Partei, vielfach verneinend, an das Bestehende an. Aber es wäre ein Fehler, wollte man behaupten, daß die konservattve Gedankenwelt sich nur auf das Vergangene richtet und nur von Negation erfüllt ist, während von einer Tendenz zum Vorwärtsstreben nichts bei ihr vorhanden wäre. Es ist klar, daß man in jungen Jahren stets geneigt ist, die Welt und den Menschen als Dinge an sich zu betrachten. Später ändert sich das und die Anschauungsweise wird bedingter, relattver, historischer. So pflegt denn auch die konservative Bettachtungsweise zunächst zu fragen: Wie war die Sache, wie ensstand sie, welchem Zwecke dient sie? Ist sie stark genug, um auch in Zukunft bestehen zu können, ist sie auf- bessemngsfähig? Für die konservattve Anschauungsweise ist der Mensch und sind alle menschlichen Einrichtungen Produkte der Verhältnisse und der Entwicklung. Sie erkennt weder die Gesellschaft, noch den Staat, ja nicht einmal das Recht als Dinge an sich an, sondern sie bettachtet sie nach der Art ihrer Entwicklung. Hierin aber liegt der fundamentale Grundsatz zu dem, wie in der ftanzöstschen Revolutton, und wie in der Paulskirche der Mensch und die Menschenrechte zu konstituieren versucht wurden.
Mit Energie wendete sich Herr v. Heydebrand gegen die überlebte Auflassung, daß die konservattve Partei, namentlich die der Gegenwart, der Fortschritt nicht wolle. Wo alles vorwärts, aus dem Dunklen ins Helle strebt, ist auch die konservative Partei der Meinung, daß sie sich einer gesunden und dauerhaften Entwicklung anpassen muß und auch nach ihren Grundsätzen durchaus anzupassen versteht. Rach ihrer Ueberzeugung aber darf diese Entwicklung nicht sprunghaft sein, sondern sie muß sich vollziehen in Anlehnung an das Bestehende und Bewährte. Ehe sic das nach ihrer Auffassung wohlbegründete und wohlbewährte Alte verläßt, verlangt sie vom Neuen den Beiveis, daß es gut, stark und entwicklungsfähig ist. Sie will nicht das Neue, nur Weik es neu ist, sondern nach ihrer Auflassung hat das Neue die Pflicht, gegenüber dem Bestehenden zu beweisen, daß es das Bessere ist.
Die konservattve Weltanschauung richtet sich also danach, wie sie die Stellung des Individuums zur Gesellschaft und zum Staat sich dentt, ihr erscheint es nicht erstrebenswert, dem Menschen ohne weiteres das Maß von Freiheit zuzuerkennen, das der Liberalismus will, wenngleich sie anerkennt, daß die menschliche Fähigkeit der Entwicklung einer gewissen Freiheit bedarf. Nur muß diese Freiheitsentwicklung Rücksicht zu nehmen wissen auf die idealen Mächte und die wirtschaftliche Beziehungen. Gerade die Entwicklung
„Du kennst meine Verhälmisse, Sorka. Du weißt, daß ich nach einigen leuchtenden Tagen in Ostende dem öden Nichts gegenüberstand.
Ich bin nicht nur hier, um mein Referendar- Examen zu macken, sondern um mich auf Befehl meiner Tante, die mich erhält, mit irgend einer reichen Leipziger Patrizier'ochter zu verheiraten."
Sorka lachte leife und girrend auf.
„Du Armer, da hat Dir gestern die merkwürdige Verlobung Wohl gar einen Strich durch die Recknung gemackt?"
„Laß das." wehrte der Gras fast unwillig ab. Dann aber fragte er, Sorkas Hände gegen seiuc glühenden Wangen legend, „und wie kam es, daß Du gerade nach Leipzig kamst? Du paßt garnickt in diese solide Welt. Nur Paris, Ostende, Monte Carlo, oder sonst ein internattonales Babel ist ein Feld für Dich."
„Ich habe auch garnicht die Absicht, für immer in Leipzig zu leben. Du weißt aber, daß es mir nach der bekannten Affäre nicht möglich war, in Ostende zu bleiben und dann." ihr Auge wurde drohend, die Nasenflügel bebten und die etwas großen, weißen Zähne knirschten hörbar aufeinander — „hatte mir ja dieser Elende meinen einzigen, süßen Liebling, mein Kind fortgenommen. Hier hält er es verborgen. Wehe, wenn ich ibn finde und er mir noch länger Ideale vorenchält."
„Dein Kindl" sprach der Graf langsam, ernüchtert.
Sorka verstand ihn sofort. Eine unruhige Hast flammte in ihren Augen auf.
„Lassen wir doch die alten Geschichten," schmeichelte sie, sich von neuem zärtlich an ihn sckmiegend. „Laß uns allein der Gegenwart leben, sie ist einzig schön?"
„Ja, sie ist schön," jauchzte der Graf, Sorka an sich reißend, um sie dann leise auf die Polster gleiten zu lassen. „Denkst Du, Sorka, wie es einst war? Denkst Du an die zauberischen Rächte ht
der modernen Zeit ist geneigt, hier über das Ziel hinauszuschießen und die Jmponderabflien zu unterdrücken, die konservattve Anschauungsweise unter dem Begriff derAutorität zusammenfaßt und den sie unter allen Umstände« zum Ausdruck gelangt wissen will. Rach konservativer Anschauung ist das Zusammenleben in der bürgerliche« Gesellschaft begründet auf die Rücksicht, die die einzelnen Stände aufeinander nehmen müssen. Die konservattve Partei ist daher weder ein« Partei der Arbeiter, noch der Arbeitgeber, sondern sie fordert, daß diese beiden Stände, die aufeinander angewiesen sind, auch Rücksicht aufeinander nehmen. Das ist der verhängnisvolle Irrtum der So- ziakdemokratte, daß sie den Begriff Arbeiter ganz einseitig auffaßt und darunter nur den industrielle« Lohnarbeiter versteht, während die konservative Partei gerade den Begriff des Arbeiters so weit als möglich ausdehnt. Wenn die Rücksichtnahme der beiden Stände des Arbeitnehmers und des Arbeitgebers jemals in Deuffchland aushören sollte, wenn diese beiden Stände nicht mehr von dem Bewußtsein durchdrungen sein sollten, daß sie aufeinander angewiesen sind, so würde« damit Meere an Kultur verloren gehen.
Auf das Gebiet der Ethik und der Religion übergehend, erklärte Herr v. Heydebrand, daß beide Gebiete niemals so umstritten waren, wie in unserer Zeit und gerade deshalb halte es die konservative Partei für die vornehmste Pflicht, die innerliche Kraft religiösen Empfindens und di« innere Wärme ethischer Auffassung als Gegengewicht gegen gewisse moderne Strömungen der Gegenwart zu erhalten und zu pflegen, ohne dabei dem einzelnen ein gewisses Maß von subjektiver Gedankenfreiheit verkümmern zu wollen.
Die konservattve Auffassung vom Staat sieht in diesem nicht nur ein Institut, das dazu da ist, dem einzelnen wirffchastliche Sicherheit und wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen und im übrigen die Dinge laufen zu lassen. Rach konservattver Auflassung hat der Staat nicht nur seine starke Hand zum Zwecke der Regulierung zu gebrauchen, sondern besonders auch für die Eindämmung der Strömungen, die dem monarchischen Gedanken, der staatlichen Autorität, der Gesellschaftsordnung und der Kultur feindlich sind. Der Deuffchc hängt tief, fest und treu an feinen Fürstenhäusern und an feiner partikularen Eigenart. Der Sachfe will Sachfe, der Preuße will Preuße, aber beide wollen zugleich auch Deutsche fein. In dieser Richtung erscheint konservattve Auflassung eine gesunde und segensreiche Fortentwicklung, die unserem Reiche Frieden im Innern und Att- schen nach außen gewährt, Wohl möglich. Deuffchland hat in kürzerer Zeit wie je ein Volk, eine Kulturhöhe sondergleichen sich errungen, und dabei ist bemerkenswert, daß es doch in der Hauptsache innerlich gesund geblieben ist. Wenn man die Geschichte der Menschheit überblickt, so findet man vielfach, unmittelbar hinter den Zeiten höchster Kultur Zeiten des Niederganges. Dies hatte immer seine Ursache darin, daß die inneren sozialen und sittfichen Werke krank und schwach wur-
Ostende? Wenn das Meer flammte und wir dufftige Küsse tranken und Himmel und Erde um uns versanken?"
Sorka zog sein junges Haupt an ihre wogende Brust.
„Sie kehren wieder, diese Zaubernächte. Sie kehren wieder."
„Eins sage mir noch, Sorka," flehte er unter ihren Liebkosungen. „Ist es wahr, daß Dein Mann damals einen Unschuldigen niederschoß?"
Ein Schleier legte sich über Sorkas Augen. Borris riß sie ungestüm an seine Brust.
„Antworte," keuchte er mühsam voll fiebernder Angst.
„Ich habe immer nur Dich, nur Dich, Borris, geliebt!"
Da ein Klopfen an der Tür. Die Liebenden hörten es nickt.
Wieder klopfte es. Dieses Mal lauter. Verstört fuhr Sorka in die Höhe. Ein Zug irrer Angst trat in ihr Gesicht.
„Wer kann es fein?" fragte Borris ebenfalls erschreckt. Ein unbehagliches Gefühl kroch langsam in ihm empor. Sorka legte den Finger bedeutsam auf die Lippen. Dann glitt sie leicht wie eine Katze unhörbar über den weichen Teppich zur Tür.
„Wer ist dort?", fragte sie die Tür ein ganz Rein wenig öffnend. „Gnädige Frau," meldete draußen ein Boy des Hotels, „Herr Banffer Landheim bittet um die Ehre empfangen zu werden. Ich habe dem Herrn schon gesagt, daß gnädige Frau heute vormittag keine Besuche an- «ehmen, aber er bestand darauf, daß ich ihn melde."
„Führen Sie den Herrn hier herauf," gebot Sorka so gefaßt und sicher, daß Borris sie ganz bestürzt ansab.
„Bist Du wahnsinnig?" rief er erregt. „Der Mensch darf mich doch nicht hier finden?"
den. Daß unserem Volke niemals ein ähnliche- Schicksal beschießen sei« möge, daß seine hohen und starken sozialen und sittlichen Kräfte immerdar erhalten bleiben, diesem Ziele nachzustreben, ist nach Herrn v. Heydebrands Auffassung die hei- lige Pflicht und vornehmste Aufgabe der «atto- nalen polittschen Parteien und ihrer Führer, die sich immer das Wort Goethes gegenwärttg halten müssen: „So schaff' ich am sausenden Webstuhl der Zeit und webe der Gottheit lebendiges Kleid."
Mit andauerndem, sich immer wiederholendem Beifall dantte die studentische Hörerschaft, die Herrn v. Heydebrand mit tiefster Aufmerksamkeit gefolgt war, dem koufervativen Führer für seine ebenso klaren, wie objektiven und sachlichen Darlegungen, die sicherlich auch für wettere konservattve Kreise hohes Interesse haben werden.
Politische Umschau.
Di« Hauptaufgabe bei den nächsten Reichstags, wähle«.
Der reichspartelliche Vertreter des Wahlkreises Schaumburg-Lippe im Deutschen Reichstage, Amtsg«richtsrat Dr. Brunstermann, veröffentlicht im „Tag" vom 9. Juli d. I. einen sehr beachtens- werten Auffatz, dessen Schlußworte lauten:
„Was uns not tut, bitter not tut, ist die Wiederannäherung, ein Sichwiederverstehen, ein Wiedereinlenken in die alten Bahnen deS sogenannten Vertrauens. Wenn es denn ein „Block' sein muß, dann ein Großblock von rechts nach links, der unverrückbar sest und lückenlos gefügt ist aus allen Nattonalgesinn- ten, die cs gut meinen mit dem eigenen Vater- lande, eine Gemeinschaft aller bürgerlichen Parteien, die ihren sesten Ankergrund findet in der Treue zu Kaiser und Reich, die sich zusammensetzt aus jener Überwiegenden Zahl guter Deutschen, die in dem Gedanken an all das Große, was geschaffen ist und noch zu schaffen ist, sich einig zusammensinden zu positiver, gemeinsamer, fruchtbarer Arbeit, die sich von kleinlichem Parteihader freizumachen und sich über sich selbst zu erheben wissen, die sich versöhnend und versöhnt die Hand reichen zu wirffamer Abwehr der gemeingefährlichen und zerfeetznde« Bestrebungen der Sozialdemo- kratte."
Nicht riickfchauender Krittk, sondern zielbewußter Arbeit an den großen nationalen Aufgaben muß künfttg das Bestreben aller staatserhaltenden Parteien und des gesamten deuffchen Bürgertums gewidmet sein.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser auf der RordlandSfahrt. Berge«, 11. Juli. Der Kaiser ist heute Nachmittag nach sehr guter Fahrt in Bergen eingetroffen. Das Wetter ist dauernd wolkenlos und recht warm. An Bord ist alles wohl.
Sorka lächelte Überlegen. „Dort, mein Freund, ist Dein Platz," sie deutete auf die Tür zu ihrem Schlafzimmer. „Verbirg Dich d>rt, bis ich Dich rufe. Ich kann Landheim unmöglich abweifen laffen, da er mir eine wichtige Nachricht bringt. Eile Dich, ich höre schon feinen Schritt."
Sie drängte Graf Borris förmlich zur Tür hinaus. Willenlos ließ er sich über die Schwelle fchieben.
Als die Tür sich hinter ihm geschlossen, ver- änderte sich Sorkas Antlitz wie mit einem Schlag« Der ängstliche, aufgeregt« Zug verschwand und glücksfrohe Erwartung zog wie Rosenschimmer über ihre Züae.
Als Landheim, einen Strauß Treibhausflieder in der Hand, ins Zimmer trat, lächelte sie fo strahlend zu ihm auf, daß der Bankier feine ganze Selbstbeherrschung aufbieten mutzte, ihr nicht blindlings zu Küßen zu fallen wie vorhin Borris, aber er war ein Mann von Ueberlegung und er fürchtete mehr als alles den Fluch der Lächerlich- feit. Darum hielt er an sich und mit einem Handkuß den blassen Ffieder in Sorkas weiße Hände legend, fagte er:
„Ich wollte mich nur nach Ihrem Ergehen infolge des gestrigen Abends erkundigen, meine gnädige Frau und Ihnen mit Bedauern berich- ten, daß wirklich alle meine Schritte erfolglos geblieben sind. Wenn das Kind in Leipzig wäre, müßte es längst gefunden fein." ,
Sorkas Züge wurden kalt und finster. Land- heim bemerffe sofort den Wecksel in ihrer Stimmung. Eine sinnlose Angst kroch in ihm empor, er könnte dieses berückende Weib, das so spät noch mit tausend Wonnen in sein Leben geraten war, verlieren.
(Fortsetzung folgt.)
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