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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
«nd den Beilagen: »Flach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.»Landwirtschaftliche Beilage."
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Die »»Oberhesjisch« Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 J*. (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Spedition (Markt 21), 2,00 =K. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
Marburg
Dienstag, 12. Juli 1910.
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45. Jahrg.
Zweites Blatt.
Eine sozialpolitische Reichstagsbilanz.
Man schreibt uns:
Jedesmal, wenn der Reichstag seine Pforten Geschlossen hat, beeilt sich die „Soziale Praxis", das Organ der radikalen Sozialreformer, die sozialpolitische Bilanz der Tagung zu ziehen. Es ist bis jetzt nur höchst selten vorgekommen, daß diese Bilanz zur Zufriedenheit ihrer Urheber aus^ gefallen ist. So viel auch an sozialpolitischen Gesetzen im Reichstage geleistet wurde: für die So- zialresormer — oder wie sie Graf v. Posadowsky einmal zornig bezeichnet hatte, für die sozialreformerischen Dilettanten — war es noch lange nicht genug. Sie würden erst dann allenfalls befriedigt sein, wenn die deutsche Volksvertretung alles andere beiseite ließe und sich nur mit sozialpolitischen Problemen beschäftigte. Man kann sich also denken, daß die Zensur, die die „Soziale Praxis" der letzten Reichstagstagung ausstellt, keine gut« ist. Daß sich drob die gescholtenen Parlamentarier grämen werden, glauben wir freilich nicht. Vielleicht holen sie sich bei ihren Wählern Trost, die der, der sozialreformerischen ganz entgegenges tz- ten Ansicht sind, daß der Reichstag sehr weise handelt, wenn er bei dem weiteren Ausbau unserer Sozialreform vorsichttg und unter gewisien- hafter Berücksichtigung der technischen und finanziellen Möglichkeiten und namentlich auch der wirtschaftlichen Tragfähigkeit fortschreitet.
Bekanntlich ist der Reichstag diesmal nur aus dem Grunde nicht geschlossen, sondern vertagt worden, weil die schwierigen sozialpolittschenAufgaben, die -ihm in dieser Session vorgelegen haben, gefördert werden sollen. Die „Soziale Praxis" aber macht den Abgeordneten Vorwürfe, daß sie ungewöhnlich früh die Heimat ausgesucht und die Entwürfe über Arbeitskammern und Heimarbeit bis zum Herbst verschoben haben. Aber die Sozialreformer sollten doch wissen, daß e geradezu ein Ding der Unmöglichkeit ist, in einer Sommer- tagung die Volksvertreter in beschlußfähiger Zahl zusammenzuhalten. Sie sollten auch im Interesse der Sache den Wunsch haben, daß so wichtige und noch keineswegs völlig geklärte Aufgaben, wie die Schaffung und Zusammensetzung von Arbeitskammern und die Regelung der Heimarbeit gründlich durchberaten und nicht vor schwach besetztem Hause durchgepeitfcht werden. Sollen derartige Neueinrichtungen Bestand haben und ihren Zweck erfüllen, dann darf man sie nicht übers Knie brechen. So eilig ist die Sache auch wahrlich nicht, daß deren Erledigung, und zwar deren sorgfältige Erledigung nicht auch nach einem halben Jahre zurecht käme.
Die „Soziale Praxis" ist anderer Ansicht; sie meint, die beiden erwähnten Gesetzentwürfe seien
81 (Nachdruck verboten.)
Kantate.
Von Anny Wo Ih r.
(Fortsetzung.)
Der also sollte sie schützen? Mit diesem albern-n Gecken.sollte sie den Weg durchs Leben gehen?
Sie lächelte nach allen Seiten, aber ein nervöses Zittern rann ihr plötzlich durch die Glieder, als sie dort drüben an der Tür des kleinen japa- niscben Zimmers Dr. Eiseles hohe Gestalt lehnen sah.
Es war, als hätte er die Augen geschlossen. Jetzt hob er die dunkelbeschatteten Lider und sah ihr fest und zwingend in die Augen, dann bewegte er langsam, wie verneinend, das bleiche Haupt.
Wieder lief ein Zittern durch Karleens Gestalt, zögernd wandte sie sich ihrem Verlobten zu.
Als sie nach wenigen Augenblicken wieder den Blick dahin richtete, wo der Fremde gestanden, war nichts mehr von ihm zu entdecken.
„Wer war der Herr mit dem schwarzen Bart?" fragte Frau Sorka Petöfi, die Bankier Landheim heute abend hier eingeführt hatte, die sehr lebhaft kokettierende Mills.
„Der? Ach, nichts besonderes. Ich glaube, sowas wie Buchhalter im Hause meines Schwiegervaters, jedenfalls Buchhändler."
„Seltsam," meinte Frau Sorka. „Sein Blick erinnerte mich an jemand, den ich gekannt, ich kann mich absolut nicht besinnen, an wen."
In demselben Augenblick beugte sich Graf d. d. Gröben über ihren Stuhl. Sie fühlte einen heißen Atem in ihrem Nacken. Wie ein versengender Hauch strich es plötzlich über sie hin.
„Darf ich morgen kommen?" flüsterte er heiß Mtd verlangend, nur ihr verständlich.
Sie neigte unmerklich das dunkelhaarig« Haupt.
„Dank, tausend Dankt" Bonns preßte hastig
in der Ausschußberatung schon ferttggestellt «nd hätten daher ohne Mühe vom Plenum noch vor der Vertagung erledigt werden können. So leicht aber würde sich die Erledigung nicht abgespielt haben. Was die Kommission an den beiden Vorlagen „ferttggestellt" hat, ist von der Regierung als unannehmbar erllärt worden, weil die von der Gesellschaft für Soziale Reform beherrschte Mehrheit in die Entwürfe Zusätze hineingeschrieben hat, die unmöglich gutgeheißen werden können. Wenn das Reichstagsplenum die Kommiffionsbe- schlüsse glatt bestätigte, dann würden eben die Entwürfe als gescheitert angesehen werden müssen. Und deshalb ist es imJntcresse der Sache nur gut, daß ein Auffchub eingetreten ist. Die Sozialreformer sollten daraus erkennen, daß — wie bis jetzt ihnen jeder Staatssekretär des Innern gesagt hat — ihr Drängen mit unerfüllbaren Forderungen das Forsschreiten der sozialpolitischen Gesetzgebung nicht fördert, sondern hemmt.
Jndirett gesteht auch das Organ der Gesellschaft für soziale Reform selbst ein, daß das Drängen mit sozialpolitischen Projekten keinen rechten Sinn hat. Auf der „Akttvseite" ihrer Bilanz bucht nämlich die „Soziale Praxis" freilich noch einige 50 sozialpolitische Etatsresoluttonen, aber sie be- mertt hierzu, daß der tatsächliche Wert dieses Postens sehr gering sei, da der Bundcs.rat erfah- rungsmäßig nur wenige -von diesen auf ihn gezogenen Wechseln einzulösen pflegt. Waruni aber ttotz dieser Erfahrungen, noch immer dieses alljährliche sozialpolitische Wettrennen, zu dem die Sozialreformer das Material liefern? Würde der Reichstag nicht mit diesen „dilettantischen" Anträgen und den sich an die darin enthaltenen Forderungen knüpfenden sozialpolitfchen Erörterungen die keinem Menschen etwas neues bringen, belästigt, dann würde er sehr viel mehr Zeit für seine übrigen, also auch für die positiven sozial- polittschen Aufgaben übrig behalten.
Von besonderem Interesse sind die folgenden Stellen aus dem Bilanzarttkel der „Sozialen Praxis": „Selbst wenn man die großen sachlichen Schwierigkeiten, die die Lösung solcher Aufgaben, wie die Errichtung von Arbeitskammcrn und die Regelung der Heimarbeit, in sich birgt, nach ihrem vollen Werte veranschlagt, darf man wohl sagen, daß die Arbeiten nur im Schneckengange, mit wiederholten, sehr langen Pausen fortschreiten — zu großer Enttäuschung und bitterem Mißmut sehr weiter Kreise, die in dieser Behandlung von Lebensfragen ein Erschlaffen des sozialpolitischen Reformwillens und ein Erstarken hemmender Einflüsse erblicken. Gewiß, lieber ein sorgsames, bedächtiges Handeln, als unvorsichttqe UeberMrzung! Aber von solchem Gegensatz kann man hier doch wirklich nicht reden. Namentlich nicht, wenn man die Energie bewachtet, die auf anderen Gebieten der Gesetzgebung, vor allem in Wehr- und Geldstagen, die Regel ist. Da drücken Regierung und Reichstag die Vorlagen durch; mag's biegen oder brechen,in kürzester Frist soll
seine Lippen auf ihren weiß»« Hals' dann trat er. zurück.
' Zur selben Zeit schritt Dr. Rudolf Eisele, wie sich Rudolf Mehnert jetzt nannte, in seinen dunklen Mantel gehüllt, die breite Mqmortreppe des Bermannschen Hauses hinab und trat auf die menschenleere Straße.
Er konnte die Farce, die sich da oben Mette, nicht länger ertragen.
Eisig wehte der Nachtwind an sein glühendes Gesicht.
Daß er Sorka wiedergesehen, daß er ihr Auge in Auge gegenübergestanden, und daß sie ihn erkannte, gab ihm ein stolzes Gefühl der Sicherheit.
Vernichten wollte er sie um jeden Preis, die ihn so schamlos betrogen und sein Leben zerstört hatte.
Und während er durch die schweigcude Mond nacht der Promenade zuwandclte und da m dem alten Theater zuschritt, dachte er grollend des blonden Mädchens, in dessen Händen sein Schicksal lag.
War sie nicht auch wie alle anderen? Sie, auf deren Verschwiegenheit^ auf deren Treue er Felsen gebaut hätte, trotzdem er Starken kaum kannte, die stürzte sich plötzlich einem Manne in die Arme, der ihr doch in keiner Weise genügen konnte, der ihrer vollkommen unwürdig war?
Einmal kam ihm auch der flüchttg« Gedanke, ob Starken nicht, aus Furcht vor ihm sich plötzlich in diese Verlobung gestürzt hätte, aber er wi.s diesen Gedanken gleich wieder weit von sich. Rein, ein Mädchen wie' Starken handelt nicht so sinnlos, so unüberlegt in der Erregung des Augenblicks.
Ein unbehagliches, ja fast ein trostloses Gefühl wollte nicht von ihm Weichen. Langsam ging er über die Brücke der Rosentalgasse zu. Ein eng- umschlungenes einsames Liebespaar wandelte (kosend vor ihm her und verschwand bald hinter den kahlen Büschen des Waldes. Es war ihm, als höre er ein Geräfch wie von Schluchz« und
alles ferttg sein, selbst wenn noch soviel Mängel und Lücken in den Kauf genommen werden müssen. Wir erheben deswegen keinen Vorwurf, wir verweisen nur auf die Tassachen. Wehrhafttg- keit des Vaterlandes und gute Finanzen sind die Grundlagen des Reiches. Aber auch di« Sozialreform gehört zu den Grundlagen . . . ."
Diese Logik und die Aufftachelung zur Unzufriedenheit muten fast sozialdemokrattsch an. Und tassächlich sind es ja auch die Gesellschaft für Soziale Reform und ihr Preßorgan, die der Sozialdemokratie unschätzbare Dienste für die Agitation leisten. Eine so einseittge und in ihrer Einseitigkeit so bedenkliche Organisation wie die genannte Gesellschaft dürfte es außer den sozialdemokra- ttschen und gewerkschaftlichen Organisationen nicht geben Es wäre wirklich Zeit, daß die Sozialreformer sich auch einmal das Deittsche Reich von einem weiteren Gesichtspuntte aus ansehen möchten. - - - -
Ausland.
** Konfliktsgefahr in Kreta. Canea, 8. Juli. Der zum Führer der Opposition erwählte Micheli- datts und feine Anhänger weigerten sich, zu gestatten, daß die stettschen und mohammedanischen Abgeordneten an den Sitzungen ohne Eidesleistung teilnehmen können. " Michelidakis macht sich nur anheischig, dafür zu sorgen, daß keine Unruhen stattfinden, wenn die Majorität sich dem Wunsche der Mächte geneigt zeigen sollte. Er und seine Freunde werden an der Nationalversammlung, die heute zusammentritt, nicht teilnehmen. Venizelos hofft nichtsdestoweniger, daß die Kammer beschlußfähig sein wird, und daß seine Anttäge angenommen werden. Infolge der Unsicherheit der Lage haben die Generalkonsuln der Schutzmächte Venizelos eine schriftliche Note überreicht, dahingehend, daß, wenn bis Montag Mittag i 'ht der Beschluß gefaßt sei, die mohammedanischen Abgeordneten ohne Eid zuzulassen, und die mohammedanischen Beamten ohne Eid ihre Aemter ausüben und ihr Gehalt beziehen zu lassen, sofort Truppenkonttngente gelandet werden sollen, um die Häfen zu besetzen und Beschlag auf die Zolleinnahmen zu- legen. Diese Maßregel wird übrigens auch bann Anwendung finden, wenn bis Montag dem Wunsch der Mächte eine Weigerung entgegengestellt werden sollte. — Die Nationalversammlung ist um 5 Uhr nachmittags zusammengetreten. Von 114 Abgeordneten waren 59 erschienen, davon stimmten 55 für die Zulassung der Muselmanen. Darauf vertagte sich die Versammlung auf vier Monate. — Konstantinopel, 9. Juli. Die Pforte beauftragte ihre Botschafter, bei den Kabinetten der Kretaschutzmächte gegen die Einmischung des Königs der Hellenen und der griechischen Regierung in die inneren Angelegenheiten der Türkei durch die den Kretern erteilten Rasschläge, den Wünfchen der Mächte nachzu-
Küssen, und heiß wallte es über ihn hin. All' seine Sinne waren plötzlich in Aufruhr, und et preßte beide Fäuste in seine brennenden Augen.
„Starken," drängte es sich dann voll bebender Leidenschaft Über seine Lippen. „Starken, du Einzige, du Süße."
Und der Mond warf sein kaltes Silberlicht über Busch und Strauch und huschte mit leuchien- den Streifen über die große Wiese des Ros-n- tales, um die Rolf Mehnert wie ein Verzweifelter herum irrte die ganze Nacht.
Als der Morgen endlich grau und fahl heraufdämmerte, wurde Rolf erst ruhiger. Lange stand et dann da und sah über die Wies« den ersten rosigen Schein des jungen Tages über Leipzig erwachen. Ruhig und gefaßt schien et, keine Sput zeigte sich mehr von den wilderregten Kämpfen der letzten Nacht. Nut einen Schein bleicher schien sein unbewegtes Antlitz. Müde und gebeugt schritt et seiner nahen Wohnung zu.
Im ersten Swck des Hotel Kaiserhof, dem imposanten Eckbau an der Bahnhofstraße in Leipzig, hatte Frau Sotka Petöfi seit Monaten ihr Heim aufgefchlagen.
Sie bewohnte mehrere mit künstlerischer Eleganz ausgestattete Räum«, von deren Fenster aus man einen wundervollen Blick auf die Promenade und den Schwanenteich hatte, der fo still und verträumt un'er der weiträumigen Gartenterrasse des Reuen Theaters liegt.
Sorka Petöfi hatte fchon eine ganze Weile hinter den kostbaren Spitzenvothängen, halb verborgen vom Fenster ihres Wohnzimmers, auf di« Promenade gelugt.
Es war am Vormittag nach dem Musikabend bei Beermanns.
Zwischen den Augen der schönen Frau lag eine tiefe Falte des Unmuks.
Ein Morgenkleid von himmelblauem Sammt mit weißem Hermelinbesatz, der den weißen Hals frei ließ, umtauschte ihre könMiche Gestatt. Die
kommen, zu protestieren. — Auf die neuerlich« Vorftellung der Türkei wegen der Ktiegsvotbe- tettungen, erwiderte Gtiechenlang, es handle sich um gewöhnliche Militärübungen. Uebrigens wurden dieser Tage 7000 Mann entlassen.
** Beilegung des rumänisch-griechischen Zwischenfalls. Athen, 10. Juli. Auf Befehl der Regierung ist der rumänische Deserteur dem Kapitän des Dampfers „Jmperatttl Trajon" übergeben worden. Damit ist der rumänifch-griechssstze Zwischenfall cndgülttg erledigt.
Hessen-Nassau und Nachbargebiete.
Aus Hessen, 9. Juli. Durch die staatlich. Brandversicherungsanstatt wurden in dem abge- laufenen Berichtsjahre 695110 Jl 90 a» Brandensschädigungen ausbezahlt. Davon entfetten 331070 M 32 $ aus Starkenburg, 210 838 M auf Oberhessen und 153 202 3t 58 H auf Rheinhessen. Durch 14 größere Brände wurden jemals über 10 000 3t Brandschaden verursacht. Der größte Brandschaden entfällt auf Darmstadt mit 80 500 3t.
Unpolitische Tagesnachrichten.
Die Cholera in Rußland. Petersburg, 9. Juli. Die Gouvernements Jekaterinoslowj, Cherson, Poltawa, der Jsjumbezitk und daS Ostrochskgebiet wurden für choletagesährlich, die Gouvernements Beßarabien, Astrachan, Simbirsk, Rjasan und die Stadt Tiflis für cholera- bedroht erklärt.
Neuer Ausbruch des Vesuvs. Neapel, 9. Juli. Auf dem Gipfel des Vesuvs steht man ein: gewaltige Helle Rauchwolke; seit heute Vormittag fällt ein Regen rötlicher Asche auf die Dörfer San Giuseppe und Ottanjano. Die Einwohner verließen ihre Häuser unb flüchteten in bie Kirchen. Der Aschenregen bauert an.
Aussperrung in der Bleistiftfabrik von Johann Faber. N ü r n be r g, 9. Juli. Nachdem bie heutigen Verhanblungen vor bem Gewerbegericht mit den Vertretern der seit einigen Tagen wegen Lohndiffereuzen streikenden Arbeiter der Bleistift- fabrik vormals Johann Faber Akttenges llschaft ergebnislos verlaufen sind, Wurden heute Abend sämtliche Betriebe der vier größten Bkistift- fabriken in Nürnberg geschlossen. Von der Aussperrung sind über 1500 Arbeiter betroffen.
Dampferzusammenstoß bei Cherson. Cherson, 9. Juli. Heute früh rannte ein aus Odessa kommender Dampfer gegen den Passagierdampfer „Lowky", dessen Dampfkessel explodierte, wodurch 50 Personen schwer verletzt und ein Mann getötet wurden. Der „Lowky" ging zwei Stunden nach der Explosion unter.
Verantwortlich für die Redaktion: Dr. phil. Carl Hitzeroth in Marburg.
Weiten, mit Hermelin besetzten Aermel ließ«» die durch matte Goldketten geschmückten Arm« leuchtend aufschimmern, und der elastische Fuß, der unter bem langschleppenben Kleide hervorsah, wenn er ungebulbig ben blutroten Teppich bei Zimmers stampft«, steckte in lichtblauen Selben- schuhen.
Der Schwanenteich, sonst ber Tummelplatz für bie bem Eissport hulbigende Jugend, lag still unb einsam. Die biinnc Eisdecke, bie sich flbei bas tief in Gesträuch unb Buschwerk eingebettet« Wasser spannte, trug Wohl nicht mehr. Rauhreif lag auf Baum unb Strauch. Wie von Tausenben von Diamanten glitzerte unb funkelte es ba drüben im Glanz ber Wintersonne in den Anlagen.
Die bunklen- Augen der schönen Frau forschten mit immer wachsetäer Ungebuld bie Promenade enssang.
„Ich habe ihn doch überschätzt,," murmelte fk dann leise, er ist auch feige."
Sie verschränft« di« Weißen Arme Über dem fchwarzhaarigen Kopf und blickte weiter angelegentlich hinaus.
‘ Wie stolze Siegsfreude zuckte es dann plötzlich in den dunflen Augen auf und eine heiße Röt« lief über ihr Auttitz. „Er kommt," jauchzte sie
Endlich ein scheues Klopfen.
„Herein," rief sie erregt. Sie hatte heute bw Portier Weisung gegeben, Gras Borris v. b. Groeben ohne Anmeldung bei ihr vorzulassen.
Fast schüchtern, die Röte der Verlegenheit ans dem frischen Gesicht, trat der Graf ins Zimmer. Einen Augenblick blieb er zögernd an der Tür stehen, dann aber hob sich plötzlich seine breite Brust, als er Sorka lächeln sah. Da stürzt« er ihr entgegen: „Endlich habe ich Dich wieder, end- lich bist Du mein!" ,
Er küßte ihre geschloffenen Augen, ihren u* tz« Hals, ihre zitternden, fiebernd« Arme, M ihn umfingen.
lLorisetzung folgt.) ;