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MchM Bettung

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

»nd den Beilagen: ,Mch Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage.«

45. Jahrg.

Erstes Blatt

nis der überwältigenden Mehrheit des deutsch n Volkes teuer und ehrwürdig ist, sollten wenigstens in der ernsthaften politischen Preste unterbleiben.

Hospitalsmänner ein besonderer Stand links dem Altar gegenüber eingerichtet.

Die Männer des Hospitals mußten die groß« Glocke der St. Elisabechkirche bei Leichenbegäng- nissen läuten, wofür jedesmal eine Summe in die Hospimlkaffe gezahlt werden mußte, das später auf die Univcrsitätskaste überging. Am 30. April, dem Walpurgisläuten, mittags von 121 Uhr, erhielten die Pfründner im Hospital einen Schop­pen Wein.

Am 8. September 1789 erhielten" die Katho­liken die Erlaubnis, ihren Gottesdienst in der Spitalskapelle abhalten zu dürfen. Der erste Geist­liche war der Kanonikus Falciola von Mainz, er wurde 1790 vom Pfarrer Braun abgelöst. Dieser nahm 1801 seinen Abschied, ihm folgte der Pfar- der Müller, der eine außerordentliche Professur hier bekleidete. In der Sakristei der Elisabetb- kirche fanden sich noch Kuliurgegenstände, wie Meßgewänder und Ornamente, die der letzte Landkomtur Freiherr von Seckendorfff der katho­lischen Gemeinde schenkte. Kaiser Napoleon löste am 24. April 1809 den deutschen Ritter­orden auf und erklärte dessen Güter für Staats- eigenttnn. Infolgedessen zog König Jerome di« Deutsch-Ordens-Kommende ein, einschließlich del Elisabeihkirche und dem Hospital, welches er auf hob und die Pfründner abfand.

Rach einem Dekret vom 10. Dezember 1810 er­hielt die katholische Gemeinde die Chöre der Kirch« zu ihrem Gottesdienst eingeräumt und das Schiff erhielt di« neugegründete St. Elisabeth-Gemeinde. Die Deutsch-Haus-Gcmeinde hatte aufgehört. BiS zur Aufhebung des Hospitals teilten sich bet Opfermann an der St. Elisabeihkirche und der HospUalverwalter in die in die Geldbüchse ge­fallenen Münzen, an des Letzteren Stelle trat nur* der katholische Opfermann.

(Fortsetzung folgt.)

DieOberhesfische Zeitung« erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vrertel-

Marburg

Sonntag, 10. Juli 1910.

streute aus, teilte den Armen mit, ihre Gerechtig­keit währet ewiglich.«

Der innere Raum des Hospitals war durch eine Wand in zwei Teile geteilt. In dem großen Raume vor der Kapelle standen neben Schränken und Kasten mit Leinzeug, die Betten für die Pfründner und für diejenigen, welche als Pilger zu Elisabethens Grab gekommen waren und hier einquartiert wurden. Der andere Raum war für eine Siechen- und Krankenstube für die Pfründ­ner eingerichtet. In dem Hause hinter dem Hospital, da wo jetzt das physiologische Institut steht, stand ehedem die Wohnung des Spital meisters mit den Kammern für dessen Gäste, für die beiden Hospitalmägde und für den Hospital- knecht. Ferner war hier die Hospitalküche samt den dazugehörigen Wirtschaftfsräumen, wie Ge­müse- und Bierkeller, der Speicher für Früchte, Heu, Oel und Leinsamen, und die Ställe für Vieh, wie Kühe, Schweine und Pferde.

Die Dotationen des ehemaligen Franziskus­hospitals waren von diesen auf das St. Elisabeth- Hospital übergegangen. Die Revenuen bestanden in Grundbesitz, Grundzinsen. Fruchtgefällen und in Lieferung von Gänsen, Hühner und Hahnen u. a. Diese wurden getrennt von dem Deutschen Hause von einem Spitalmeister verwaltet, dessen Stelle mit dem 17. Jahrhundert bis zum Auf­heben des Deutschen Ordens von einem bürger­lichen Beamten ersetzt wurde. Das Staatsarchiv enthäft noch zwei auf Veranlassung des Land­grafen Philipp im Jahri 1543 und 1545 aufge­nommene Jnventarien vom St. Elisabeth- Hospital, der Kapelle und der Behausung des Spitalmeisters. Rach diesen befanden sich im Hospital und in der Spitalmeisterwohnung 60 Betten, 8 in letzterer und 52 im Hospital, davon standen 32 im großen Raum vor der Kapelle und 3 i* bet Siechenstube; vor 33 hinge« feibene

Politische Umschau.

Abg. Basiermann kandidiert nicht «ehr, so meldete diePf. P." kürzlich. Der Vorstand der nationalliberalen Partei für den Wahlkreis Saar- brücken hatte dem Abgeordneten Basiermann für die kommend« Reichstagswahl die Kandidatur angetra­gen; Herr Basiermann hat abgelehnt, und zwar, «eil der recht« Flügel der Nationalliberalen, die Groß­industrie, sich entschieden gegen seine Kandidatur erklärt«. Die Absicht des Führers der nationallibera- len Partei, sich nicht mehr in den Reichstag wählen zu lasten, wird natürlich eifrig kommentiert. Die rechts- nationall.Rhein.-Weftf.Ztg." schreibt:Für die Ent­wickelung der nationalliberalen Partei wäre «in Aus­scheiden Bastermanns, des eigentlichen Führers de» linken und südwestdeutschen Flügels der Partei von hoher Bedeutung. Es ist Hat, daß die jetzige innere Spaltung in der natwnalliberalen Partei kaum mehr verschärft werden darf, ohne zu einer Krisis der Ge« samtpartei zu führen." DieBerl. Pol. Nacht." führen aus:Es mag sein, daß zu diesem Entschluste die Schwierigkeit mitgewirkt hat, einen nut einiger­maßen sicheren Wahlkreis zu finden, denn in seinem bisherigen Wahlkreise, wo Herr Bassermann in erster Linie von den Konservativen beider Richtungen ruf den Schild gehoben worden wat, ist eine Wiederwahl völlig ausgeschlossen. Es ist aber auch sehr wohl mög­lich, daß Herr Baffetmann bei seinem Entschlüsse sich des Bennigsenschen Ausspruchs erinnert hat, die Füh­rung bet nationalliberalen Pattei gehöre nicht nach Eüddeutschland, sondern nach Norddeutschland. Di« Erfahrung der letzten Zähre hat die Richtigkeit dieser Auftastung bestätigt. Unter dem führenden Einflüsse süddeutscher politischer Anschauungen hat sich der Zu­sammenschluß dft nationalliberalen Partei mit den­jenigen politischen Gruppen, mit denen sie die gemein- same entschiedene Gegnerschaft der Sozialdemokratie, die gemeinsame sozialpolitisch« Anschauung und der gemeinsame Standpuntt auf dem Gebiete der Wirt­schaftspolitik verbinden, immer mehr gelockert. Schon heute rechnet man mit einem Anwachsen der sozial­demokratischen Mandate selbst über die Zahl der 1903 errungenen Sitze hinaus, und zwar nicht bloß auf Kosten der weiter rechts stehenden Parteien, sondern, wie die Nachwahlen auf das Schlagendste zeigen, auch auf Kosten der nattonalliberalen Partei. Es wäre daher nur ein Att richtiger Selbsterkenntnis, wenn die lleberzeugung sich Bahn gebrochen hätte, daß di« Leitung der nationalliberalen Partei zweckmäßig wie­der in norddeutsche Hände zu legen ist. Anderer Ansicht sind dieLeipz. R. Nachr.", sie schreiben: Wenn Herr Bastermann geht, so fällt unzweifelhaft ein Pfeiler für die Brücke der Verständigung nach rechts. Denn wenn er auch unmittelbar nach dem Zu­samenbruch des Blocks seiner Mißsttmmung und Er­regung zuweilen allzusehr die Zügel schießen ließ, so weiß er doch, daß die entscheidenden Entschlüsie für die Polittk einer gr-ßen Partei nicht aus der Leidenschaft

Ein Wechsel im Präsidium des Reichstages.

Berlin, 8. Juli. DemBert. Lok.-Anz.« zufolge hat der Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg sein Amt als zweiter Vizepräsident des Reichstage» nieder­gelegt und seinen Rücktritt in einem längeren Schrei- ben an den Präsidenten Grafen Schwerin-Löwitz be­gründet. In dem Briefe heißt es: Als bei der Neu­wahl des Reichstagspräsidiums im Jahre 1909 die Nationalliberale Partei es ablehnte, aus ihrer Mitte einen Kandidaten für das Amt des zweiten Vizeprä­sidenten zu bezeichnen, bestand an beachtenswerten Stellen die Auftastung, daß die Wiederannäherung derjenigen Parteien, die bis zur Entscheidung der Reichsfinanzreform in wichtigen politischen Fragen zusammengewirkt hatten, durch die Bildung eine» parteipolitisch einseitigen Präsidiums bei Neubeginn der parlamentarischen Arbeiten von vornherein ernst­lich gefährdet sein würde. Um eine solche Gefahr zu mildern und dem Gedanken einer Wiederannäherung zu dienen, entsprach ich bemals? von verschiedenen Sei­ten an mich gerichteten Wunsche, indem ich die Kan­didatur für das Amt des zweiten Vizepräsidenten an» nahm. Der Einguß wurde mir dadurch erleichtert, daß die Partei, deren Hospitant ich bin, während der vorangegangenen parlamentarischen Kämpft stet» eine vermittelnde Stellung eingenommen hatte. In­zwischen haben die Vorgänge bei einer Reihe von Er­satzwahlen dem Reichstag und die jüngsten Veröffent­lichungen des offiziösen Organs der nationalliberalen Partei ein« erhebliche Vertiefung der Gegensätzlich­keit zwischen den einzelnen Blockparteien gezeitigt. Der bei dem Beginn der Tagung gerechtftrttgie Ver­such, durch den die Möglichkeit einer Wiederannähe­rung offengehalten werden sollte, ist gegenstandslos geworden und damit der Grund für meinen damali­gen Eintritt in das Präsidium fortgefallen. Glaubte ich in dieser Entwicklung der Dinge an und für sich noch keinen zwingenden Grund zur Niederlegung des einmal übernommenen Amtes erblicken zu mästen, so ergab sich dagegen angesichts des Inhaltes und der Wirkungen der Borromäus-Enzyllika für mich die Frage, ob in der nun entstandenen Lage die Fort­dauer meiner Zugehörigkeit zu einem Präsidium, wie es sich durch die parteipolittsche Verbindung seiner Bestandteile darstellt, mit den Grundsätzen ver­einbar ist, die mich bisher im öffentlichen Leben ge­leitet haben. Ich muß diese Frage nach gewistenhaster Prüfung bef erwähnten Tatsachen verneinen unb be­ehre mich beshalb ergebenst zu erklären, daß ich hier­mit bas Amt eines zweiten Vizepräsidenten des Deut­schen Reichstages nieberlege.

zu beruhigen verstand und jetzt hinter Bismarck her mit Geschossen wirft, -rhmert unseres Erach­tens sehr stark an die Fabel von dem Eftl, der dem toten Löwen, den er bei Lebzeiten nicht anzu­greifen wagte, noch einen Fußtritt versetzt. In ein besonderes Licht wird die Sache jetzt durch eine Zuschrift gesetzt, die dieKöln. Volks­zeitung«, eine sür Bismarckgegner gewiß nicht verdächtige« Quelle, veröffentlicht:

Zu diesem Kapitel möchte ich Ihnen eine Aeußerung eines hochangesehenen Herrn aus einem Privatgespräch erwähnen, die zu der Er- innemng eines Verwaltungsbeamten in direk­tem Gegensätze steht. In einer kleinen Ber­liner Abendgesellschaft von Geheimräten und Profefforen, di« ein Un'erstaatssekretär zu sich geladen hatte, kam auch die Rede auf den Fürsten Bismarck als Steuerzahler. Einer der Herren er­wähnte im Laufe der Unterhaltung, daß er eine Deklaration des Fürsten Bismarck bean­standet habe, weil dieselbe nach seiner Infor matton zu niedrig erscheine. Wegen dieser Ent­scheidung glaubte er, in seiner amtlichen Lauf­bahn großen Schaden zu haben. Aber das gerade Gegenteil sei in Wirklichkett ge­schehen. Der Fürst habe von der Enffcheidung der Kommission Kenntnis erhalten und sich damit a b g e f u n d e n. Er als Vorsitzender habe keinerlei Schwierigkeit deswegen gehabt, sei jüngst befördert worden und bei einem ge­legentlichen dienstlichen Zusammentreffen mit dem Reichskanzler zu seinem Avancem nt be­glückwünscht worden. Wenn also auch Bismarck in Geldsachen int allgemeinenknauserig« war, so muß man doch seinen Gerechtigkeits­sinn in diesem Punkte hoch anerkennen.«

DieDeuffch. TgszP." nennt die Behauptung v. Gerlachs völlig unwahrscheinlich. Weiter führt sie in einer Polemik gegen dieSchlesische Volks­zeitung, ein Zentrumsblatt, aus:

Wenn Fürst Bismarck, wie es die Zu­schrift an dieKöln. Volksztg." zeigt, gar nicht daran gedacht hat, eine Beanstandung seiner Steuererklärung während seiner Amtszeit übelzu- nehmen, so ist es doch fast absurd, anzunehmen, daß man aus Furcht vor ihm eine offenbar un­richtige Deklaration zu der Zeit einfach hätte passieren lassen, wo der Fürst nicht mehr im Amte und nicht einmal in der Gunst war! Es ist darum eine völlig unbegründete Verdächtigung seines Andenkens, wenn jetzt leider auch in ernst­haften Zeitungen gesagt wird, der erste Kanzler seibekanntlich« kein Freund des Steuerzahlens gewesen. Fürst Bismarck war gewiß ein spar­samer Hausvater, der sein Vermögen zusammen­hielt; er hatte auch allen Anlaß dazu, da seine Vermögensverhältnisse tatsächlich bet Stellung, die er in der großen Welt einnahm, nicht ganz entsprachen. Und die besonnene Preffe hätte allen Grund, gerade unserer leichüebigen Zeit den Alt­reichskanzler auch in dieser Hinsicht als Vorbild hinzustellen. Aber vorzuwerfen ist ihm auf die­sem Gebiete nicht das Geringste; und haltlose Verunglimpstrngen eines Namens, dessen Gedächt-

Decken. Di« Kapelle enthielt alle zum katholischen Gottesdienst nötigen Kultusgegenstände, aber auch andere Gegenstände kommen hier vor, wie Kasten mit Bettücher, Hecheln, Flasche», Kannen und Kopfkisien, ein Beweis, daß der Gottesdienst darin aufgehört hat. Das Hospital hatte 7 Kühe, 4 Rinder, 2 Pferde, 18 Schweine und eine An­zahl Hühner. Die Anzahl der Pfründner betrug 16, 4 männliche und 12 weibliche, die mm um 4 vermehrt wurden. Die Pfründner waren aus Marburg und Orffchaften, zu denen das deuffche Haus in Beziehung stand und das Pattonat hatte. Als weiteres Inventar ist verzeichnet:in der großen Stube ein eiserner Ofen, ein zinnernes Handfaß, drei lange Tische mit Bänken, drei kurze Bänke und Tische." Rach Enffernung von Mörtel vor dem Abbruch an der Westseite des Hospitals sah man nicht nur Teile der Fenstergewände der hohen und schmalen Rundbogenfenster, sondern auch zweiteilige Fenster mit ausrechten Fenster­pfosten zutage treten, welche letztere ohne Zweifel auf die Anlage jenerneuen großen Stube" schließen.

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderrs wurde der einstöckige Bau des Hospitals durch Einlegung einer Bodendecke in einen zwei­stöckigen verwandelt und mit neuen Fenstern unb neuem Portal versehen. Das hohe Dach wurde abgebrochen, worauf der Bau ein Dach mit fran­zösischer Mansarde erhielt, lieber dem Portal prangte nun ein in Stein ausgehauenes Wappen mit der Jahreszahl 1744. Die bis dahin in der Kapelle gehaltenen Andachten der Pfründner wurden nun in die Konven stnbe verlegt, während die Pfründner zum kirchlichen Gebrauch in die St. Elisabeihkirche verwiesen wurden, worin Sonntag und Donnerstag ein einmaliger Gottes­dienst abgehalten wurde, wo bann der Deuffch Ordenspsarrer predigte. Hier war für di«

Bismarck als Steuerzahler.

" lieber Bismarck als Steuerzahler erzählt H. d. Gerlach in feinen imFreien Volk« veröffent­lichten Erinnerungen eines Verwaltungsbeamten folgendes:

Ich bekam als Vertreter des Landrats den Vorsitz in der Einkommensteuerveranlagungs- lommission übertragen. Der Landrat, der mir bas eröffnete, fügte hinzu:Auf eins möchte ich Sie befouders aufmerksam machen. Zu unferen Zensiten gehört natürlich Bismarck. Sie werden sich vielleicht über die Kürze feiner Steuerklärung vor allem aber über die Niedrigkeit seiner Selbst- einschätzung wundern. Trotzdem bitte ich dringend ihn nicht mit Rückfragen zu belästigen oder gar seine ©teuererfiänmg zu beanstanden. Das würde ihn entsetzlich aufregen. Sie wiffen, wie er über Steuerzahlen denkt. Warum soll man auf einen Mann wie ihn nicht diese Rücksicht nehmen. Oben" ist man übrigens auch einverstanden. Na- türlich glaubt jedermann, daß sein Einkommen, höher ist. Aber ich habe gehön, daß er gewisse Kapitalien seinen Söhnen abgetreten habe. Die werden wohl ihrerseits dafür mehr Steuern zah­len. So können wir unser amtliches Ein­schätzungsgewissen beruhigen.«

So ungesähr sprach mein Landrat zu mir. Ich muß gestehen, mirschien« die Sache nicht recht. Aber als abhängiger Verwaltungsbeamter glaubte ich, mich fügen zu müffen.

Freilich, als ich nachher die Steuererklärung selbst sah, kriegte ich doch noch einen Schrecken. So bürftig hatte ich mit die Angaben, so niedrig die Einkommenssumme selbst nach bet schonenden Vorbereitung durch den Landrat nicht vorgestellt. Das sah ja so aus, als wenn der oberste der not­leidenden Agrarier wirklich nur ein paar lumpige Millionen im Vermögen hätte. Varzin, Schön­hausen, der Sachsenwald, die Güter im Stormarn- schen, die industtiellen Anlagen, das von Bleich- röder so erfolgreich angelegte Kapitalsvermögen und dann diese kümmerliche Einnahme! Da­bei wußte ich durch den Oberförster Lange, der ben Jmmobilienbesitz verwaltete, so einigermaßen über die Einkünfte Bescheid.

Na, ich legte die Steuererklärung meiner Kom­mission vor. Allseitiges, vielsagendes Lächeln! Wünscht einer der Herten das Wort?« Rein! Sollen wir uns mit dieser Steuererklärung be­gnügen?« Ja?

Ich ging zur nächste» Sache übet.«

Jedermann weiß, daß die Verhältnffse des Fürsten Bismarck nicht so glänzend waten, wie allgemein angenommen wurde. Diese Ver­dächtigung des großen Toten vorn Sachsen­walde verdient aber niedriger gehängt zu werden. Herr v. Gerlach versteht es, sichinteresiant" zu machen. Daß der tapfere unentwegte Herr von Gerlach seinamtliches" Gewiffen damals so gut

».tss

Zur^Geschichle der Armenanstalten und milden Stiftnnaen in Marbnrg.

Von L. 9?' 1er.

(Sortierung.)

Das St. Elisabeth-Hospital odsr Landkrankenhaus.

Arn 1. Oktober 1886 siedelten die Kranken aus dem alten Hospital in die neue Klint* über. DaS Elisabeth Hospital, das nun abgebrochen wurde, bis auf die Ruinen der Kapelle, war eines der ältesten Gebäude von Marburg, es wurde 1254 fertig gestellt. Als man das Franziskaner- Hospital, das infolge des Baues der Elisabeth­kirche im Wege stand, abgebrochen hatte, erbaute man auf dem vorn Landgrafen geschenkten Boden südlich der Kirche genanntes Hospital zu Ehren der heiligen Elisabeth. Bei der Einweihung gewährte der Erzbischof Gehrhard von Mainz am 10. IM 1251 allen, welche den von dem deuffchen Hause zu Marburg unternommenen Hospitalsbau be­fördern halfen und der Einweihung der Kapelle beiwohnten, 40 Tage Ablaß. Der Kardinallegat Hugo verspricht am 9. August 1253 sogar 100 Tage Ablaß allen Befördern genannten Hospitals und Kirchenbauten.

Das Elisabeth-Hospital, das 1890 gänzlich ab­gebrochen wurde, war ein rechteckiges, aus Bruch­steinen aufgeführtes Gebäude, mit flacher Holz­decke und hohen schmalen Rundbogenfenstern. Ans der Mitte der östlichen Langseite sprang die im Achteck abgeschlossene Kapelle hervor. Das massive Gebäude deckte ein steiles Dach zwischen hohen Giebeln, worauf sich ein Turm mit zwei Glocken besand, welche der Landkomtur Johann von der Rehe dem Landgrafen Ludwig IV. zur Verfügung stellte, als dieser am hiesigen Schlosse zum Besten »er Stadt Marburg ein Uhrwerk errichten wollte. Km Hospital stand der Spruch Übersetzt:Sie

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