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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

*nb den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage.

M 158

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Erpedition (Markt 21), 2M Jl. (Für unverlangt zugelandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

Marburg

Sonnabend, 9. Juli 1910.

Die Znsertionsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7gel"altene Zerle oder deren Raum 15 4, für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 4. Druck und Verlag: Joh. Aua. Koch, Universttäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. C. Sitzerath, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

45. Jahrg«

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 55.

Bestellungen

für das drt tte Quartal 1111

uf dieOberhessifche Seitn*g" nebst ihren Beilagen werden von mrferer Exstedi- . klon (Markt 21), unseren Ausgabestellen tu

Kirchhain, Neustadt, Wetter, darf, Hachborn, HeSkem-Mstll«, Lei« denh^öfen, Dreihause«, Wittelsberg, Riederweimar, Niederwalgern, Damm und Lohra sowie von asten Post- anstalten und LandbriestrSger« entgegeugenom- men.

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Fraukreichs stille Arbeit in Marolko.

Die neuesten militärischen Operationen der Fran- >osen bei lldschda und in der weiteren Umgebung der Schauja sind in aller Stille vor sich gegangen. , Man erfuhr von ihnen erst, als die Verlustlisten aus den stattgehabten Kämpfen vorlagen. Welche Trag­weite das Vordringen der Franzosen in Ostmarokko hat, läßt sich nicht näher beurteilen, da die Fäden der journalistischen Berichterstattung nicht bi» in jene Gegenden reichen und daher über die Art und Aus­dehnung der dortigen militärischen Operationen nichts Zuverläffiges bekannt wird. Jedenfalls gehe« auch dort die französischen Kolonnen planmäßig und nachhaltig vor. Von größter Bedeutung find jedoch die Züge der französischen Truppen, worunter ein starkes Kontingent von Negertruppen, über die Grenzen der Schauja hinaus nach Süden, Südosten und Südwesten tief in das Innere dessouveränen" Sultanats Marokko hinein. In Algeciras wurde bekanntlich kraft deutscher Initiative die Integrität und Souveränität Marokkos verbürgt. Aber es klingt ja bereits fad und abge­schmackt, sich auf die Akte von Algeciras zu berufen. Vor allen Dingen ist es die Besetzung der Landschaft Tadla, die einen Stoß in das Herz des unabhängigen Marokko bedeutet, soweit von dieser Unabhängigkeit überhaupt noch gesprochen werden darf. Mit der Besetzung Tadlas, das von der Grenze der Schauja bis an den Fuß des Atlas reicht, haben die Fran­zosen einen richtigen Keil durch Marokko getrieben, der die Verbindung zwischen Nordmarokko und Süd­marokko in ihre Hand gibt. Will der Sultan von Marokko, wie er es zu tun pflegt, seine Residenz in Fez mit der in Marrakesch vertauschen, so geht dieser Weg künftig durch französisches Okku­pationsgebiet. Vom Tafilelt, dem heiß- ersehnten Ziele, dem die Franzosen von Osten her

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Kantate.

Von Anny Wothe, (Fortsetzung.)

Strahlend, sehnsüchtig hoben sich zuweilen die blauen Augen des Dichters, während er sprach, Ute entgegen und ihre braunen, sanften Augen­sterne senkten sich dann verwirrt auf die Tasten. Immer sehnsüchtiger wurde ihr Lied, immer süßer und bestrickender, bis es leis wie ein Hauch er­starb.

Sprach daraus nicht eine Welt voll Leid und Entsagung? Waren die Tage des Glücks und der Sonne schon vorbei für das holde Geschöpf, das dort ganz versunken am Flügel saß?

Alexander Bermann lehnte seltsam erschüttert an der Tür. Was war das mit seinem Kinde? Er fuhr mit der mageren Hand ängstlich üb'* seine kahle Stirn, als müßte er einen häßlichen Gedan­ken fortwischen.

Er hörte kaum den Beifall, der nun wie eine Sturzwelle sich über Erik Landgreen und Ute er­goß, er sah nur wieder ein einziges, drohendes Gespenst, und das trieb ihn fort von den Fröh­lichen, immer weiter, bis in sein stilles Arbetts- zinimer, wo er einen Augenblick wie gebrochen in einen Sessel sank.

Ute," fügte, eine kleine Weile später Karleen zu ihrer Schwester, als sie neben dem Musiksaal einen Augenblick allein in dem »einen japanischen Zimmer verweilten, in denen große Büschel blas­sen Flieders dufteten und japanische Laternen mir mattes Licht gaben.

»Wie war daZ schön!"

Glaubst Du nun, daß Erik Lundgreen ein Dichter ist?"

Ich habe nie voran gezweifelt, ab« Du, Ute,

zustreben, sind sie in der Schauja nur noch durch das Atlasgebirge getrennt. Auf marokkanischer Seite hat man die weittragende politische Bedeutung des neue« französischen llebergriffs unschwer erkannt. Litt elegischem Bedauern quittierte der marok­kanische Finanzminister El Mokri, der die Anleihe­verhandlungen und den neuesten französisch-marok- kanischen Vertrag in 14monatiger Anwesenheit in Paris mühsam zum Abschluß brachte, öffentlich die Störung des ftanzösisch-marokkanischen Einverneh­mens, indem er einen französischen Interviewer em- pfing. Ihm wie der Regierung in Fez bleibt eben nichts anderes übrig, als das Bedauern. Frankreichs Macht in Marokko geht unweigerlich seinem Schick­sale entgegen. Man erkennt jetzt deutlich den Hinter­gedanken, der die Franzosen bei der Einrichtung einer Fähre über den llmerrebia, den südlichen Grenzfluß der Schauja, leitete. Unter dem Vor­wande, die Nachbargebiete von Französisch-Marokko denn von einem solchen kann man bereits sprechen zu schützen und zu beruhigen, werden auch in Zu­kunft immer weitere Teile des Sultanats unter fran­zösische Verwaltung kommen. Für uns Deutsche be­deutet dies die Vernichtung unseres zukünftigen Ma­rokkogeschäfts. Darüber darf man sich trotz der wirt­schaftlichen Linsengerichte, die uns Frankreich in der Gegenwart mit ausgezeichneter Höflichkeit serviert, keiner Täuschung hingeben.

Kleinstaaterei in der Union.

Präsident Taft will, was ihm zu genügen scheint, die Wirksamkeit der seit 1887 für den zwischenstaatlichen Eisenbahnverkehr In der Union bestehenden Aufsichtsbehörde derInterstate com- ntcrce Commission" vereinfachen und ihre Befug­nisse erweitern, aber an das eigentliche Grunb- übel, die Selbstherrlichkeit der Einzelstaaten für den innerstaatlichen Verkehr, wagt ct noch nicht zu rühren. Das ginge auch nicht ohne eine tiefem greifende Aenderung der amerikanischen Ver­fassung, die sich freilich früher oder später als un­bedingt notwendig erweisen wird. Die Väter der Staatsgrundgesetze der Union waren echte Demo traten, Freunde eines möglichst weitreichenden Selbstbestimmungsrechtes der einzelnen Gruppen ihrer Ration. Deshalb glaubten sie, nicht peinlich genug Bedacht darauf nehmen zu können, daß dem Eigenleben der Einzelstaaten ja kein Schade aus der Einrichtung einer Bundesregierung er­wachse. Diese wurde als ein notwendiges Uebet angesehen und darum bei der Verteilung der Machtbefugnisse so stiefmütterlich wie möglich be­handelt. Sie sollte lediglich von Gnaden der Einzelstaaten bestehen. Rur diese besitzen deshalb nach der Verfassung ursprüngliches Recht. Die Be­fugnisse, die die Bundesregierung mit ihren Or­ganen ausüben darf, sind ihr von den Staaten übertragen. Damals, wo man nur mit Ochsen­wagen oder Postkusschezwischenstaatlich" ver­kehrte, mochte das angehen. Heute, wo die ersten dreizehn zu sechsundvierzig Staaten aus- und an­

Du dichtest ja auch. Deine Musik war ein einziges großes Lied."

Plötzlich brach Karleen entsetzt ab, ihre Augen wurden groß und weit, fast starr. Haltsuchend schlang sie den Arm um der Schwester Leib, als könnte Ute sie schützen.

Auch Utes Lippen war ein leiser Schrei ent­fahren. Der Fremde, der sie an dem verglühenden Herbstabend da oben am Völkerschlach'denkinal so tief erfchreckte, stand vor den Schwestern und neigte zum Gruße das bärtige Haupt.

Gestatten Sie, daß ich Sie endlich mit meinen Schwestern Karleen und Ute bekannt mache," er­klang die etwas nervöse Stimme Hans Jürgens. Herr Dr. Eisele, von dem ich Euch schon erzählte. Wie, Ihr kennt Euch?"

Ute hatte Ihren Schreck siegreich niederge- kämpst und reichte nun, tapfer ihre Scheu bezwin­gend, dem Fremden mit holdem Erröten die Hand.

Das ist allerdings ein seltsames Zusammen­treffen, Herr Doktor," sagte sie, und zu Hans Jürgen gewandt, sagt« sie:Wer hätte gedacht, daß der Herr, mit dem wir da oben auf der Höhe, fern von der Stadt mit ihrem Lärm und Haften, ein fo seltsames Gespräch hatten, von dem ich Dir schon erzählt, in so nahe Beziehungen zt» Dir und unserem Geschäfte getreten ist. Seien Sie uns berzlich willkommen, Herr Doktor."

Ich bin sehr glücklich, mein gnädiges Fräu­lein, daß Sie sich meiner freundlich erinnern," entgegnete der fremde Gast mit einer leichten Ver­beugung, aber sein Auge fuchte Karleen, ine mit finsteren Blicken, faft drohend, zu ihm herübersah.

Enffchuldigen Sie mich, bitte, lieber Doktor," rief Hans Jürgen schon an der Tür,und lassen I Sie sich durch meine Schwester etwas über die Gäste orientieren. Ute komm doch, bitte, einen Augenblick."

gewachsen sind, und wo man in einem Tage durch ein halbes Dutzend Staaten reisen und dadurch Gegenstand der Gerichtsbarkeit in so vielen selbst« ständigen Gemeinwesen werden kann, steht es da- mit anders aus. Wenn nämlich jemand in Amerika eine Bahnstrecke bereist, deren äußerste Punkte innerhalb desselben Staates liegen, so ist er den Gesetzen dieses Staates unterworfen. Liegt aber der Ausgangs- oder Endpunkt der Reise in einem anderen Staate, bann ist siezwischenstaat­lich". Für den Güterverkehr gilt natürlich das Gleiche. Verfassungsgemäß hat aber der Kon­greß die Beftrguis, den zwischenstaatlichen Ver­kehr, oder, wie es im Gesetz lautet, denHandel zwischen den verschiedenen Staaten" zu regeln. Die Anordnungen, die der Kongreß für den zwi­schenstaatlichen und die, die die Staaten für den innerstaatlichen Verkehr treffen, widersprechen sich natürlich in der mannigfaltigsten Weife. Dar­unter haben die Eisenbahngesellschaften felbst ost viel zu leiden. Die großen transkonttnentalen Linien laufen durch viele Staaten, und in jedem sind sie Gesetzen und Verordnungen unaerworsen und in Gefahr, von unehrlichen demagogischen Politikern geschädigt zu werden. Wandel kann in diesen Verhältnissen nur geschaffen werden, wenn manche Sonderrechte der Einzelstaaten einer Stär- htng der Bundesgewalt zum Opfer gebracht wer­den. wozu die Verfassung geändert werden mutz. Daß auf eine folcke Aenderung auch anderer For­derungen die Gegenwart hindrängen, lehrten seinerzeit die japanerfeindlichen Ausschreitungen in Kalifornien mit ihren Folgen; fehlte doch der Bundesregierung jede Handhabe, um den ein­zelnen Staat zu hindern, durch Beleidigung einer fremden Macht das Wohl der Ration frivol aufs Spiel zu setzen.

Politische Umschau.

Zur Wahlrechtsreform

schreiben die offiziös gut unterrichtetenBerl. Pol. Nachr.: DieDeutsche Tagesztg." entrüstet sich über unsere Ausführungen betreffs der preußischen Wahl­rechtsreform. Bei der Stellung dieses Blattes zu der ganzen Frage ist es allerdings erklärlich, daß jede Berührung derkelben ihm unbequem ist. Wenn, wie es scheint, aber die Mahnung des Blattes an die Regierung, ja die Frage der Wahlrechtsreform nicht zu berühren, von dem Wunsche diktiert ist, ihren Leserkreis in dem Glauben zu erhalten, daß mit dem Scheitern des ersten gesetzgeberischen Versuchs auf diesem Gebiete die Sache erledigt und wieder völlige Ruhe eingetreten sei, fo hieße das geradezu die unter dem Einflüsse des Blattes stehenden Kreise irrezu- führen. Es mag daher an der Zeit fein, einer solchen Legendenbildung von vornherein entgegenzutreten. Es wird zu diesem Zwecke genügen, an die Worte zu erinnern, die der Ministerpräsident bei Einführung im Abgeordnetenhause gesprochen hat. Er äußerte sich damals folgendermaßen:Aber auch nocki einer anderen Vorstellung muß ich von vornherein ent«

Karleen und Dr. Eisele waren allein. Flam­mend flogen die großen blauen Augen über das Antlitz des Fremden.

Der winste abwehrend mit der Hand.

Ich lese durch Ihre Augen in Ihrer Seele, mein gnädiges Fräulein, wie in einem aufgeschla­genen Buche," sprach er langsam.Ich weiß, daß Sie es drängt, hinaus zu schreien in alle Welt: Seht da, den Verbrecher. Er wagt es, in unser geheiligtes Gebiet zu bringen. Ergreifst ihn, schlagt ihn. steinigt ihn. Reißt ihm die Binbe von bem Antlitz! Ist es nicht so? Ich weiß, ich bin in Ihrer Gewalt, nützen Sie bieselbe, so gut Sie können, mein Fräulein."

Wie müde lehnte et sein bunkellockiges Haupt an ben bunten Waubteppich des kleinen Gemaches und sah gebietend in Karlcens totenblasses Ge­sicht.

Ich habe nur den einen Wunsch, Herr Dok­tor," kam es dann leffe von ihren bebenden Lip­pen.Gehen Sie! Gehen Sie, schnell, ich be­schwöre Sie."

Und wenn von meinem Bleiben allein meine Rettung abhinge? Würden Sie mich auch bann noch bitten zu gehen? Wenn Ihr Schweigen für mich Erlösung von enblofer Qual bedeutet, wür­den Sie auch dann mich von sich weisen?"

Gehen Sie, ich bitte Sie," flehte Karleen noch­mals, aber ihre Stimme klang unsicher und die ganze verzweifelte Angst und Qual ihrer Seele zuckte auf dem blassen Gesicht.

Ich gehe nicht," entgegnete Dr. Eisele, den Kopf stolz in den Racken werfend.In Ihren kleinen weichen Händen liegt mein Geschick. Ich glaube, daß diese Hände sanft und lind wie Mutterhände walten. Ich vertraue Ihnen, ob Sie mir zum Segen oder zum Fluche werden."

Karleen stand mtt wogender Brust, zitternd an allen Gliedern, bem Trotzige» gegenüber, der

gegentreten. Man hat es dargestellt, als sei es gar nicht bie wirkliche Ueberzeugung der Staatsregie­rung, daß das Wahlrecht geändert werden soll (sehr richtig! bei den Sozialdemokraten), als habe sie dies« Vorlage nut eingebracht, weil sie durch jenen Passus der Thronrede in eine Zwangs- und Notlage versetzt worden fei. Man hat zwischen den Worten der Thronrede und der Ueberzeugung der Etaatsregie» rung, ja des Königs, einen Widerspruch konstatiert. Meine Herren, daran ist kein Wort wahr. Was die Thronrede ankündigt, ist die Willensmeinung Seiner Majestät des Königs, und für diese Willensmeinung tritt die Königliche Staatsregierung geschlossen mtt Ihrer Verantwortung ein. Diese ErUärung de« Ministerpräsidenten ist so deutlich, daß jedes weitere Wort darüber überflüssig erscheint-

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Deutsches Reich.

Der Reichskanzler in Karlsruhe. Karlsruhe, 7. Juli. Der Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg ist heute vormittag %10 Uhr hier eingetroffen und vom Eroßherzog und der Großherzogin im großherzog- lichen Palais empfangen worden. Heute abend 7 Uhr findet zu Ehren des Reickskanzlers ein Diner statt. Wie dieKarlsruher Zig." meldet, hat der Groß- Herzog dem Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg de« Hausorden der Treue und dem llnterstaatssekretär der Reichskanzlei Wahnschaffe das Kommandeurkreuz 1. Klaffe des Zähringer Löwenordens verliehen. Bald nach seiner Ankunft hatte der Reichskanzler, der am Bahnhof von dem großherzoglichen Staats­minister Freiherrn v. Dusch, dem Minister des groß­herzoglichen Hauses und der auswärtigen Anac.^gen- heiien Frhrn. v. Marschall und dem preußischen Ge­sandten v. Eisendecher begrüßt worden war, eine 8» sprechung mit Freiherrn o. Marschall in der preu- ßkschen Gesandtschaft. Rach der Audienz beim Groß- Herzog und der Großherzogin war Frühstückstafel beim Ctaatsminister Freiherr« v. Dusch, an der außer dem Reichskanzler und dem preußischen Ge­sandten die aktiven Minister mit Ausnahme de» wegen Familientrauer verhinderten Freiherrn vo« Marshall, Staatsminister a. D. Eroßhofmeister von Bauer und der kommandierende General des 14. Armeekorps Freiherr v. Hoiningen genannt Huene teilnahmen. Nachmittags 5 Uhr empfing Groß­herzogin Luise den Reichskanzler. In bc~ Beglei­tung des Reichskanzlers befindet sich der Unter­staatssekretär der Reichskanzlei, Wahnschaffe. Die Ruckreise nach Berlin erfolgt heute nacht. "

Huldigungsfackelzug zur silbernen Hochzeit des Großherzogpaares vo« Bade«. Karlsruhe, 7. Juli. Heute abend wird vor dem großherziglichen Schlosse anläßlich der silbernen Hochzeit des Gr... nog- paares ein Huldigungsfackelzug der badischen denienschast stattfinden.

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das bleiche Antlitz mit bem langen schwarzen Bart noch immer wie mübe gegen bie Wand lehnte. In ben dunklen Augen lag ein so zwin­gender Glanz, ein fo fester, eiferner Wille, daß Karleen sich ihm unwillkürlich beugte.

War sie denn wirklich liefern schreckliche» Menschen verfallen. Gab es denn wirklich kett Entrinnen für sie?

Und wenn Du gehst Dann bin ich allein, Sieh noch zurück einmal. Ein letzter Blick nur fei noch mein, Ein letzter, wärmender Sttahl.

Sieh, wenn am Abend dte Sonne sinkt, Hold küßt sie Berg und Tal.

Ich aber fehe Dein Auge vielleicht Vielleicht zum letzten Mal."

Der blasse Flieder duftete betäubend in ben kleinen Gemach. Karleen btängte es, bem Baum bet dunklen Augen dort zu entfliehen, aber ihr Fuß wat wie festgebannt.

Ich weiß, ich fordere UngewöhnficheS von Ihnen," mein gnädiges Fräulein, nahm Dr.Effele das Gespräch wieder auf,wenn ich ermatte, daß Sie übet die Art unserer ersten Begegnung schwei­gen. Ich könnte ja leugnen und ich würde eS ja gewiß auch tun, wenn Sie mich verraten, um anderen gegenüber alles in Abrede zu stellen. Zn Ihnen aber möchte ich wahr fein. Ihnen allein möchte ich vertrauen, Ihnen, aber auch nur Ihnen gegenüber fühle ich die Verpflichtung, Aufklärung zu geben über das, was Sie in Schrecken und Furcht vor mir versetzt. Aber hier ist nicht dte Gelegenheit ba$u und ich flehe Sie an, mit eine» Drt zu nennen, an bem ich Sie ungestört sprech« kann."

Jetzt hatte Karle« ihre Sicherheit Wteder gewonnen. t

(Fortsetzung folgt.)