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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

unb den Beilagen: .Jach Feierabend» (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage.«

45. Jahrg. i

nebst

mit meinem

Buenos-Aire- Zettung" ein Mchter.. Er

gemacht wird, schildert in der in erscheinendeDeutsche La Plata junger Deutscher namens Josef schreibt u. a.:

Eines Tages promenierte ich

Deutsche Arbeiter im Ausland.

Gar oft hört man, daß unter allerhand ver­lockenden Aussichten Deutsche Bauern und Ar­beiter veranlaßt werden, chrer Heimat den Rücken zu kehren. Daß nicht alles so rostg ist, wie es

großen Entbehrungen schlug dann der Schreib« der Schilderung sich nach Buenos-Aires durch. Sein Warnungsruf bezweckt, deusche Auswa» derer vor ein« Reise ins Blaue nach Brastlle» zu warnen.

I mix nicht. Außerdem hatten wir schwer mit den beffchiebenerlei Gefahren zu kämpfen. Richt ge-

I uug damit, daß wir bei jeder Schaufel Erde die Fleberdünste einatmen mutzten, es waren da die Milliarden von Mosquiws, die uns das Leben sau« machten; Karabatten ähnlich d« Wanze waren noch schlimm«, denn sie bohrten sich uns in Fleisch, sobald man sich auf den Boden hin- setzte oder legte, da mutzten wir zum Mesier grei­fen und sie herausschneiden; Schlangen hatten wir auch genug in allen Größen und Farben, und noch greulich«« Tiere gab es, das waren die Riesenspinnen. In der Größe von zehn Zoll marschierten sie ums Zelt herum; sobald wir einer zu nahe kamen, spreizte sie die vier Vorder­füße und stellte sich uns entgegen. Mit dem Re­volver im Gürtel mutzten wir arbeiten, denn auch Panther besuchten uns. Wenn die große Schlange, von den Schwarzen Sucuryschlange genannt, aus dem Gebüsch hervorkam, dann rückten wir aber aus, um sie aus d« Ferne zu beschießen. Die Klapperschlange war ja auch schr gefährlich, ab« nicht so zahlreich. Es ver­ging manchmal keine halbe Stunde, während nicht bei Irgend einer Kolonne ein Schutz ertönte.

Nachdem wir sechs Wochen gearbeitet hatten, waren wir bloß noch zwölf Mann. Die anderen lag n eingebettet in heißer Erde mit all ihren Wünschen und Hoffnungen, über die Hälfte un­serer Genossen hatten wir verloren. Die anderen Stationen hatten zwar auch viele Tote zu be- trauern, besonders die Italiener; sie waren ab« immer noch nicht so schlimm daran wie wir. Zehn von uns waren dem Malariafieber erlegen, ein« starb am Schlangenbiß und zwei am Httzschlag.

Als der Oberingenieur kam, erklärten wir Deutsche ihm, daß wir aufhören wollten zu ar­beiten und drangen auf Zahlung.Geld gibt es - keins, erst müßt ihr drei Monate arbeiten^ dann bekommt ihr einen Monat ausbezahlt,« erklärte et uns kategorisch. Mr wußten, daß in drei Mo­naten keiner von uns mehr leben würde; wir sagten es chm auch, daß schon die Hälfte von uns dem Fieber erlegen sei, er blieb ab« bei seinem Entschluß. Wir zwölf Deuttcke beschlossen des­halb, das Geld, das wir verdient hatten, im Stich zu lassen und der Gegend den Rücken zu kehren. Auf unsere Vales, die wir hatten, kauften wir im Almaeen soviel ein, als nur möglich war, an Lebensmitteln und Patronen für unsere Schießwaffen. Bares Geld hatte keiner von uns. Dann packten wir unsere Sachen, brachten die Waffen in Ordnung und sprachen ein letztes Ge­bet am Grabe uns«er Kameraden, die hi« fern von der Heimat unt« dem Kreuz des Südens in heiß« Erde gebettet lagen, unbeweint und unbe­trauert, darunter vi« Familienväter, von denen einer sechs kleine Kind« in d« alten Heimat hat.

Der Schreiber schildert dann, wie sie sich auf dem Rückmarsch im Urwald verirrten und vier Mann den Schlangen, zwei Mann den Krokodilen zum Opf« fielen, einer von einem Panther zer­rissen wurde und zwei im Sumpf versanken. Rur drei Mann kamen in Boa Esperanza an, wo zwei sofort das Hospital aufsuchen mußten. Unter

Freunde, einem stämmigen Ostfriesen, durch den Paseo de Julio (eine Hauptstraße von Buenos- Aires),. um .rach Arbeit Umschau zu halten. Bei einer Agentur fiel uns eine Tafel auf, an der mit mächtigen Buchstaben verkündet wurde, daß zweihundert Arbeiter für den Bahnbau Sao Paolo-Boa Esperanza gesucht würden. Wir wußten wohl, wo Sao Paolo liegt; hatten ab« keine Ahnung, wo Boa Esperanza sei. Ein groß« Trupp Deutscher, alles junge, kräftige Gestalten, umstand die Tafel und hörte den Schilderungen eines Mannes zu, der den Leuten das Land in seinen schönen Farben vor Augen führte. Wir gesellten uns dem Trupp bei und hörten auch mit an, was uns der Mann da In unser« Sprache vorschwindelte, doch entdeckten wir dieses erst, als es zu spät war. Wir waren ja alle begeistert für das wilde Leben im Urwald, die Indianer interessierten uns am meisten, die dort hausen sollten.

Ter Manu wußte uns schließlich alle zu über­reden. Binnen Siner halben Stunde hatten sich fünfundzwanzig Deuffche gemeldet, und jeder hatte seine 3 Dollars gezahlt. Am nächsten Mor­gen sollte die Reise losgehen. Schnell wurde noch das fehlende zur Ausrüstung angeschafft, in der Haupffache Waffen. Am nächsten Morgen kamen wir an Bord des brasilianischen Dampfers »Javarh". Wir waren im ganzen 150 Mann, welche die Reiss antraten. Schon in den efften Stunden, .die wir an Bord waren, sank unsere Begeisterung für Brasilien um ein beträchtliches, da wir wie wilde Tiere behandelt wurden. Die Soldaten, die zu unser« Bewacht«an Bord waren, suchten bei jeder Gelegenheit Streit mit

Marburg

Freitag, 8. Juli 1910.

Deutsches Reich.

So« Kaiser. Odde, 6. Juli. Die JachtHohen, zollern" mit dem Kaiser an Bord ist heute vor Odd« eingetroffen. Da, gute Wetter hat bis jetzt angehal­ten. Gestern gegen Abend hielt Oberst Dickhut seinen ersten Dortrag über das Jahr 1812. An Bord alles wohl. Kurz nach 6 Uhr ging der Kaiser an Land und unternahm einen Spaziergang.

Besuch Kaiser Wilhelms in Wie«. Wie«. 6. Juli. Es wird jetzt, nach der Dffch. Tagcs^g.", für feststehend erklärt, daß Kaiser Wilhelm im Sep- tember in Wien eintreffen und Kaiser Franz Josef persönlich seine Glückwünsche zum 80. Geburt.^age darbringen werde. Don Wien reist Kaiser Wilhelm mittels Bahn nach Mohacs und von dort mittel« Schiff nach Schloß Bellue, wo er drei bis vier Tag« dem Jagdvergnüg^n obliegen wird. Das ^gdschloß Bellue ist bereits neu hergerichiet worden.

Freiherr v. Rheinbaben. Koblenz, 6. Juli. Der neue Operprästdent der Rheinprovinz Frhr. v. Rhein­baben hat zu seinem Amtsantritt folgende Bekannt­machung erlassen:Durch die Gnade Sr. Majestät des Kaisers und Königs ist dem Wunsche meine« Herzens, an die Spitze der Rheinprovinz zu treten, Erfüllung geworden. Indem ich die Geschäfte heute übernehme, bitte ich, mich, bei der Führung diese» Amt'' freundlichst zu unterstützen, wie ich gelobe, Herz und Hand einzusetzen für das Wohl der schöne« Provinz. Freiherr v. Rheinbaben, Staatsmini,ter, O^-r-^ffrdent der Rheinprovinz Wie dieKreuz­zeitung" mitteilt, soll der Grund des Rücktritts Frei­herr« v. Rheinbabens in politischen Meinungsver- schiedenheiten mit dem Reichskanzler bestehen. Leider teilt sie nicht mit, welche Art die Meinungsverschie­denheiten sind.

Der neue Kommandeur des S. Großherzogl.che« Jnf.-Regmts. Rr. 168. Berlin, 6. Juli. Oberstleutt n-nt R-'chause beim Stabe des 5. Rhein. Inf.. ..gl«. Rr. 65 wurde unter Beförderung zum Obersten zum Kommandeur des 5. Eroßherzogl. Hess. Jnf.-ticgt«. Nr. 168 ernannt.

Ein neuer Weihbischof von Enesen. Posen. 5. Juli. Bekanntlich hat der Posener Weihbischas fti« kowski längere Zeit provisorisch das Aml als Weih» bischof von Enesen verwaltet. Nunmehr ist der frü- Here Divistonspfarrer in Königsberg, Domherr Ja- fin^-ki-Enesen, zum Weihbischof von Enesen ernannt worden. Jasinski ist von Geburt Pole, hat sich aber als ein Mann von patriotischer preußischer Eesin- nung betätigt.

Bon der Marine. Berlin, 6. Juli. Vize­admiral v. Usedom wurde von seiner Stellung al» Ober-Werftdirektor der Kieler Werft enthoben und

Bestellungen

H fit das dri tte Quartal 1811 aus dieOberhessische Zeitung"

ihren Beilagen werden von unser« Expedi­tion (Markt 21), unseren Ausgabestellen In Kirchhain, Reustadt, Wetter, EbS- vorf, Hachborn, Heskem-Möll«, Lei- denhofen, Dreihauseu, Wittelsberg, Riederweimar, Riederwalgern, Damm und Lohra sowie von allen Post- anstalteu und Landbriefttägern entgegengenom­men.

Die Jnsertionsgebübr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebier des Blattes für dir 7gehaltene Zeile oder deren Raum 15 4, für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 4. Druck und Verlag: Joh. Aua. Koch, Universitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. E. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Televhon 55.

uns anzufangen, um dann mit Waffen drein- I schlagen zu können. Beschwerden beim Kapitän halfen nichts, das Essen war knapp und schlecht. Da konnte ich manchmal bewundern, wie treu die Italiener zusammenhielten. Auf der Agentur wurde uns gesagt, daß das Schiff nach Sao Paola führe. Wie schwer sahen wir uns da getäuscht, als das Schiff den La Plata hinauffuhr. Aber wir mußten geduldig sein und wie Schafe alles über uns ergehen lassen. In d« Bucht von Asuncion blieben wir volle acht Tage liegen; während der Zeit verschwanden viele vom Schiff. Am 8. Tage schrieben wir, die Angehörigen jeder Ration für sich, an ihre betreffenden Konsulate mit d« Bitte, uns vom Schiff zu befreien. Kaum hatte d« Kapitän Kenntnis davon erhalten, so wurde die Abfahrt beschleunigt. Rach weiteren sieben Tagen wurden wir plötzlich nachts ans dem Schlafe geweckt, wir waren am Ziel in Boa Esperanza und wurden ansgeschifst. Als es Tag wurde, bekam jeder Kaffee und Brot, dann wurden wir sofort wieder eingeschifft auf drei kleine, flache Flutzboote, in denen wir nicht Platz zum Stehen, viel weniger zum Liegen hat­ten, bann ging es wieder weiter. Nachts ver­ließen wir den Haupffluß und fuhren in einen kleinen Seitenarm hinein, hier konnten wir schon Unmassen von Krokodile erblicken. Am dritten Tage erreichten wir Miranda, wo wir ausge- schlfft wurden. 9hm teilte uns der Ingenieur mit, daß wir noch 12 Leguas zu marschieren hätten. Eine nette Aussicht. Waren wir auf dem Schiff schon den Unbilden der Mtterung preis- gegeben, denn es regnete drei Tage lang und wir hatten keine Gelegenheit, uns«e Kleider zu trock­nen, so waren es wir hier erft recht: keine Zelte, keine Kochgeschine und keinen Proviant; wer Geld hatte, konnte sich etwas kaufen, wer keins hatte, mußte hungern. Alle fingen schon an zu murren, nützte aber nicht viel, denn hi«., waren wir dem Geldsack auf Gnade ob« Ungnade aus- geliefert, was uns der Ingenieur auch sagte, und das sehr offen.

Am dritten Tage erreidften wir endlich unser Ziel, wo wir sofort in Partien eingeteilt wurden. Wir 25 Deutsche bildeten für uns eine Partie und bekamen vom Ingenieur einen deutschfeind­lichen Franzosen. Es wurden uns 1000 Meter Strecke angewiesen, und zwar der schlechteste Teil. Die eine Hälfte war ein tiefer Sumpf, die andere war dichter Urwald mit riefenhaften Baum- strünken. Mr machten uns fofort an die Arbeit. Während der eine Teil die Zelte, bie mittlerweile angekommen waren, aufbaute, suchte b« anbere Teil Wasser, sand aber keins. So mußten wir mit bern hellbraunen, schlechten Sumpfwasser für- lieb nehmen. Fleisch hatten wir genug, auch schwarze Bohnen unb Salz, das war ab« auch alles. Wo b« sonstige Proviant steckte, wußten wir nicht, ber Ingenieur vertröstete uns itnm« auf bie nächsten Tage. Schwer haben wir ge­schafft in ber glühenben Hitze.

Am achten Tage lagen schon zehn Mann von uns am Malariasieber darnieder; wir andern sahen auch nicht zum besten aus, Arznei hatten

DieOberhessifche Zeittmg" erscheint täglich mit Ausnahme d« Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- jährlich durch die Post bezogen 2,25 M. (ohne Bestellgeld), bei lv / unseren Zeitungsstellen und oer Expedition (Markt 21), 2JOO1 M. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

28 (Nachdruck verboten.)

Kantate.

Von Anny Woihe.

(Forffetzung.)

Landheim sah ganz verblüfft in das kluge Ge­sicht. Dann verbeugte er sich steif. Hochrot schritt er in Linas Begleitung, die brummend mit ihrer Laterne leuchtete, durch den veffchneiten Garten.

Seine Mission war ja kläglich mißglückt, und doch sollte die Erfüllung, die er sich so leicht ge­dacht, ihm den süßen Lohn bringen von der schö­nen schillernden Sirene, die fein alterndes Herz in fo heißen Brand gesetzt hatte, daß ihm oft j be Ucbertegung unb Besinnung schwand. Und bis jetzt war « doch der Kühlsten einer gewesen, er, ber bie Welt so gründlich kannte unb bie Frauen erst recht.

Eine Keine Weile später eüt auch Rickle Gün­thers Keiner Fuß üb« ben knisternden Schnee auf dem sich bis zum Tor windenden Gartenweg hinan. Als sie mit Lina die das Tor fchloß. an dem hohen schwarzen Eisengitter da oben stand, flog ihr Blick zurück zu dem kleinen Haus, aus dessen unterem Fenster gastlich ein Lichtstrahl blinkte.

Und Rickle hob wie betend die Hände, als müßte sie Schutz für das geliebte alte Haus herabflehen, das ihr seit den Tagen d« frühesten Kindheit eine Stätte der Freude und des Glückes gewesen, wo sie so viel empfangen hatte, ohne geben zu können. Endlich, jetzt war bie Zeit ba, wo sie ber lieben alten Frau dort durch die Tat zeigen konnte:Ich habe Dich lieb."

Eenen scheenen Kruß ans kenädische gleene Freilein,* brummte Lina, dann schloß sie das Tor ab.

Rickle nickte freundlich, bann schritt sie leicht­füßig ber Promenabe M.

Ueberatt brannte schon Licht. Wie Hunbnte von feurigen Kugeln glühten bie Laternen auf. Wie weit war noch ihr Weg.

Rickle fröstelte. Den Weg hier war sie so ost in b« Dämmerung heimlich mit Hans Jürgen ge­gangen. Ganz still, Arm in Arm unb ben Himmel im Herzen.

Jetzt fiel ber Schnee. Weiche weiße Flocken wie tausend Sterne. Sie fielen unaufhörlich und verwischten jede Spur.

So war auch Rickles Glück v«weht.

Einmal in d« Woche war bei Bermanns ein fognannter musikalischer Abend.

Eine bunte Gesellschaft sand sich da zwang­los zusammen, Künstler, Gelehrte, Schriftsteller und ein Teil ber Leipziger Gesellschaft, der, wenn er sich auch sträflich langweilte, boch den Ehrgeiz hatte, mit dabei gewesen zu sein.

Die hübschen Töcht« des Hauses übten neben dem Glan; unb bem ganzen vornehmen Zuschnitt des Hauses, auch eine große Anziehungskraft auf bie Besucher, unb so kam es benn, daß Einlad­ungen bei Bermanns zu diesen Keinen Abenden sehr geschätzt toaren unb für eine besondere Aus­zeichnung galten. Auch konnte man sicher f in, immer eine Anzahl interessant« Persönlichkeiten dort können zu lernen, die man anderswo nicht traf.

Auch heute war wieder ein anregender Kreis beisammen.

Frau Bermann thronte mit ihrem breiten, roten, gutmütig lächelnden Gesicht im großen Salon am Teetisch hinter der summenden Tee­maschine und bie anmutigen Töchter glitten zwi­schen ben Gästen hin unb her, zierlich bie Tee- taffen präfentierenb.

Im großen Musiffaal war d« kostbare BlÜchner-Flügel weit geöffnet.

Lili Lehmann hatte gesungen. Ihre könig­liche Erscheinung in bem roten Samtkleid wirkte wahrhaft imponierend. Die lebhaften Augen in dem geiswoll kühn geschnittenen Gesicht mit dem weißen Haar hingen einen Augenblick traumver­loren an ben saust bahin gleitenben Gestalten ber Töchter bes Hauses, als ber Beifallssturm über bie Sängerin bahin brauste. Für biese Traum­gestalten bort hatte sie gesungen. Wie ein Gedicht erschienen ihr bie beiben Schwestern, Karleen und Ute, so seltsam gleich in ben weichen Bewegungen unb doch so verschieden unb reizvoll im Aus­druck.

Meister Klengel mit seinem Cello löste die Sängerin ab. Wie es unter seiner Hand jauchzte und schluchzte, das Instrument, von Meisterhand auf bem Flügel begleitet.

Donnerwetter?" flüsterte Graf v. b. Gröben seinem Freund Lassow zu,Musik vefftehen bie Leipziger zu machen, bas muß man sagen, ich habe noch nie einen künstlerisch so vollendeten Abend in einem Privathaus erlebt. Na, die Mutter macht's wohl nicht?"

Rein, aber der Alte und die Töchter. Die Mutter ist ja zufrieden, wenn sie das bißchen Le­ben hat mit allem, was es angenehm macht und ihren Klaffch dazu. Aber sie ist gutmütig und ganz ungefährlich. Ich hätte mir ja zwar meine Schwiegermutter ganz anders vorgestellt," schloß Benno von Lassow seufzend,aber der Keine Racker da macht alles zu Schanden."

Du wolltest, Benno? Wirklich die Kleine? Sie scheint mir doch noch sehr Kndlich."

Ra, das gibt sich," lachte Benno. Plötzlich aber wurde er ernst:Nun sieh nur, wie die Kleine jetzt mit dem Leutnant Pankwitz kokettiert."

Nimm Dich in Acht, Benno, daß das bunte Tuch nicht Deiner Seinen Angebeteten, die Dich, nebenbei bemerft, oft en Canaille behandelt, das

Köpfchen verwirrt. Ich höre, baß d« anbete Pankwitz, Du weißt boch, ber Geck mit bem Scherben im Auge, sich um bie älteste Tochter be­wirbt Das wäre mir höchst unangenehm, höchst unangenehm."

Du benkst also ernstlich an Karleen, Borti?"

Denken? Was bleibt mir benn anders übrig? Denken tue ich an etwas ganz anderes, die zweite Bermann scheint mir ja allerdings bequemer, ab« ich fürchte, bie schmachtet in anderen Banden, und dazwischen zu fahren, ist immer eklich."

Er dehnte ein wenig seine breite Gestalt, Achtung", sagte er bann.

Ute saß am Flügel. Weich wie Schwanenge- fieber floß bas Weiße Gewanb an ihrer schlanken Gestalt herab unb fiel weithin auf ben buttsten Teppich.

Unb an bem Flügel lehnte Erik Lanbgreen. Er hatte ein Buch in ber Hanb unb las mit ber« fcbleicrter weich« StimmeVon ben Tagen be? Glücks unb ber Sonne".

Unb Ute ließ leise bazu bie Weißen, schmalen Hänbe über bie Tasten gleiten, unb in jedem Ton, der unter ihren Fingern hervorguoll, zitterte baS Sieb, das traumhaft von bes Dichters Lippen Kang.

Alles staub wie unt« feinem Samt.

In bas Laub ber Sehnsucht lockte ber Dicht« bie Hörer unb Utes leise Harmonien schmiegten sich so weich, so melodffch ben Worten an, daß jeder glaubte, das von fern ragende Land der Verheißung, boll götffich« Paradiesschönhett, mit eigenen Augen zu sehen, es mit seinen eigenen Händen greifen zu können, das Land ber Sehn­sucht mit seinem Leben und Lust spendend« Zauberquell. /

(Forffetzung folgt.)