und den
ng und Kirchhain
und.Landwirtschaftliche Beilage.
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45. Jahrg.
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nebst
betreffs der zum Schutze dieses erforderlichen Matz» nahnien zu verständigen. Dieses Abkommen schafft eine wahre Allianz zur Verteidigung und Entwick« lung de« Status quo der Mandschurei zum Vorteil« Rußlands und Japans und bildet eine endgültige Antwort auf den Versuch Chinas, die Oberhand iit der Mandschurei zurückzugewinnen sowie auf den Vorschlag des amerikanischen Staatssekretärs Knox betreffend Internationalisierung der mandschurischen Bahnen. Rußland kann nunmehr unbehindert sein« Interessen in der Mongolei schützen und Japan hat freie Hand bei der geplanten Annektion Koreas.
Die „Oberhessifche Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel» ; Post bezogen 2,25 <M lohne Bestellgelds, bei unseren Zeitüngsstellen und der Expedition (Markt 21), 2,00 Jt. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
Meter-Sekunden, und bald stietz die zur Aufwärtsfahrt stehende Hintere Gondel mit voller Fahrt an Baumkronen an. Nach kurzer Weile satz das ganze Luftschiff in den Bäumen fest. Erheblichere Beschädigungen erlitt e, nur unmittelbar vor der Hinteren Gondel, wo mehrere Träger brachen; ein gänzliche» Durchbrechen und Abreitzen hat nicht stattgefunden. Die weiter« Zerstörung wurde nachträglich erst durch den Sturm verursacht. Das Versagen des vorderen Motors in dem gefährlichsten Augenblick war anscheinend Folge von Benzinmangel, da der Motor ganz in Ordnung war. In dem Tank waren zwar noch ein paar Liter Benzin vorhanden, es ist aber möglich, daß dieser bei der starken Schräglage bee Schiffes nicht mehr an die Ausflußmündung zum Motor heranreichte. Ein allgemeiner Mangel an Benzin bestand nicht; im Gegenteil war davon noch ein Vorrat für Speisen aller drei Motoren für mehrere Stunden vorhanden. D-elleicht war auch in der schwierigen Lage, worin fick das Luftschiff seit langem befand, mit dem Nachfüllen des Tanks des vorderen Motor» etwas zu lange gezögert worden.
E» unterliegt nun keinem Zweifel, daß das statische Schwebevermögen dem Luftschiff nur durch das Hineingeraten in den auffteigenden, von starkem Schneefall begleiteten Drehsturm benommen worden ist. Der Auftriebsverlust durch die erreichte Höhe, durch di« Abkühlung um etwa 15 Grad und durch die Belastung mit nassem Schnee berechnet sich auf rund 2000 Kilogramm.
Solche Stürme sind zum Glück nur mit bestimmten Wetterlagen verknüpft, ähnliche Erscheinungen wie die von der Seeschiffahrt noch immer wieder Opfer fordernden Taifune.
Wie die Seeschiffahrt aber bereit» gelernt hat, diesen auszuweichen oder sie durch geeignetes Vorbetfahren unschädlich zu machen, wofern das bedrohte Schiff nur über das nötige Tiefwaffer zu völliger Bewegungsfreiheit verfügt, so wird die Luftfchifsahrt auch sehr bald jene Drehstürme nicht mehr zu fürchten brauchen.
Di« Passagierluftschiff« können und sollen ste daher in Zukunft ganz vermeiden. Die Katastrophe im Teutoburger Wald mutz in ihrer Art ein« einzige bleiben. Daß die Erinnerung an ste nicht eine viel traurigere ist, verdankt man der Bauweise meiner starren Luftschiffe, welche die Gefahr für das Leben der Reisenden durch das Vorlagern großer, die Stöße bei dem Anfahren an feste Gegenstände bi» zur völligen Unschädlichkeit ab- schwächender Bauteile, sowie durch die wegen der ausgedehnten llnterflächen bestehende Unmöglichkeit allzu raschen Fallens vermeidet. Auch der wackere Monteur, welcher, um die Hintere Gondel zu entlasten, auf einen Baum abspringen wollte, diesen aber verfehlte und sich nun bei dem Absturz schwere Beschädigungen zuzog, wäre unverletzt geblieben, wenn er die Gondel nicht verlassen hätte. Doch die Hauptsache ist, daß der Vorgang vom 28. Juni das Vertrauen zur Sicherheit meiner starren Luftschiffe in keiner Weise zu erschüttern angetan ist. Man wird aus demselben nur die Lehre ziehen, daß man sich in Zukunft namentlich für Passagierfahrten mehr
al, bisher an die Befolgung folgender Grundsätze halten muß: Zn erster Linie sorg» fältige Beachtung der allgemeinen Wetterlage, au» welcher stets das wahrscheinliche Auftreten von Drehstürmen zu erkennen ist. Will man von einem Bergungsorte ausgehend, zu welchem man unbedingt zurückkehren muß, Passagierfahrten unternehmen, so darf man bei irgend unsicherer Wetterlage sich immer nur in einer dem herrschenden oder dem sicher vorauszusehenden Winde entgegengesetzten Richtung entfernen, um die Gewißheit zu haken, an den Ausgangspunkt zurück- gelangen zu können. Es genügt nicht, nur erst eine kurze Fahrt gegen den Wind zu machen, um sich von der Ueberlegenheit der Schiffsgeschwindigkeit über diejenige des herrschenden Windes zu überzeugen. Die Windstärke kann zunehmen oder die Eigengeschwindigkeit durch das Versagen von Motoren abnehmen, wodurch die Rückkehr unmöglich wird. War man in dem Winde entgegengesetzter Richtung gefahren, so genügt die geringste Eigengeschwindigkeit, um vor dem Wind« treibend, zum Ausgangspunkt zurück- kehren zu können.
Die Passagierfahrten werden um so sicherer und regelmäßiger ausführbar, von je mehr Landungsorten die Ausgangsstation in einer kleinen Tagesfahrt-Enffernung umgeben ist. Es läßt sich dann bei jedem Winde auch in der Windrichtung und auch dann abfliegen, wenn eine Drehung des Windes vorauszusehen wäre, weil man die Sicher- heit hat, einen jener Landungsorte erreichen oder im Notfälle an seinen Ausgangspunkt zurückkehren zu können. Ein sehr einfacher Melde- und Alarmdienst an den in Frage kommenden Landungsorten während der Flüge bei zweifelhafter Wetterlage wird die Sicherheit noch in beruhigender Weise erhöhen."
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 54.
Politische Umschau.
Rußland und Zapan.
Paris, 4. Juli. Der „Temps" meldet, datz das russisch-japanische Abkommen den Kabinetten von London und Pari» übermittelt worden sei und schreibt dazu: Frankreich und England können sich nur über die wachsende Intimität, zwischen ihren Bundesgenossen Rußland und Japan freuen. Die Rückwirkung, welche die asiatischen Konflikte zu gewissen Zeiten auf di« europäische Politik ausüben werde, wäre für Frankreich immer unangenehm, bisweilen sogar unheilvoll. Deshalb muß alles, was derartigen Zwistigkeiten durch eine Polittk des Gleichgewichts und des Status quo vorbeugt, von Frankreich willkommen geheißen werden und das ist in ganz hervorragender Weise bei diesem russischjapanischen Abkommen der Fall. — Das „Journal des Debats" schreibt: Durch das russisch-japanische Abkommen, welches bereits unterzeichnet ist, wird die vollständige Solidarität zwischen den russischen und japanischen Interessen in der Mandschurei anerkannt. Die beiden Mächte verbürgen sich die Stellung, welche sie in der Mandschurei einnehmen und verpflichtete, falls dieser Status quo bedrüht würde, sich
Marburg
Mittwoch, 6. Juli 1910.
Deutsches Reich.
— Son Kaiser. Kiel, 4. Juli. Nach der Früh- stückstafel beim Prinzen Adalbert kehrte der Kaiser an Bord der'„Hohenzollern" zurück. Er nahm am Vormittag die Vorträge des Chefs des Militär- kabinetts, Vizeadmiral v. Müller, entgegen. Di« Kaiserin ging an Bord ihrer Jacht „Iduna". — Der Kaiser tritt heute nachmittag die Nordlandreise an. an der teilnehmen: Eeneraladjutant General der Kavallerie v. Scholl, der Chef des Eeneralstabes <5e» neral der Infanterie v. Moltke, der Chef des Mill» tärkabinetts und der Chef des Marinekabinetts, di« Flügeladjutanten Oberst v. Chelius, Fregatten» kapitän v. Bülow, Hausmarschall Frhr. v. Lyncker, Generalarzt Dr. Ilberg, Prinz Albert von Schlei« wig-Holstein, Prinz Otto von Sayn-Wittgenstein, Graf v. Schlitz genannt Görtz, Generaladjutant Graf v. Hülsen-Häseler, Gesandter v. Treutler, Oberst Dick» huth, Geh, Regierungsrat Prof. Dr. Eüßfeldt und Marinemaler Prof. Stower. — Der Kaiser kehrte nach 4 Ahr an Bord der „Hohenzollern" zurück. Gegen 4.25 Uhr ging die „Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord in See. Die Flotte feuerte Salut, die Mannschaften paradierten. Die „Hohenzollern" wird begleitet von dem kleinen Kreuzer „Stettin" und dem Depeschenboot „Sleipner". * Da» Wetter ist schön.
— Som Reichskanzler. Berlin, 4. Juli. Reich»» kanzler 9. Bethmann-Hollweg reist am Mittwoch abend nach Karlsruhe und kehrt am 8. d. M., nachmittags, hierher zurück.
— Staatssekretär Dr. Delbrück über die Aerzt«» frage. Berlin, 4 .Juli. In der heutigen Sitzung der Reichstagskommission für die Reichsversicherungsordnung führte Staatssekretär Dr. Delbrück über di« Aerztefrage aus: Die Regierungen hätten nicht ein- fettig die Interessen der Aerzte wahrnehmen können, sondern auch die Kassen und die Versicherten berücksichtigen müssen. Ein Teil der Aerzte habe den wirtschaftlichen Kampf überspannt. Die Vorlage suche zwischen den Aerzten, den Aerzteorganisationen und den Kassen Boden für einen Ausgleich zu schaffen. Zunächst sei den Aerzten und den Kassen völlig« Freiheit gelassen und erst im Noffalle trete die Behörde regelnd in die Schranken. Die freie Aerzte» wähl sei in der Hauptsache durch die Vorlage ga- ranttert.
— Der neue Oberpräsident der Rheinprovinz Frhr. v .Rheinbaben, ist in Koblenz eingetroffen.
jhrcn Beilagen werden von unserer Expeditton (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt, Wetter, EbS» Dorf, Hachborn, HeSkem-Möll«, Leistenhosen, Dreihause«, Wittelsberg, Riederweimar, Niederwalgern, Damm und Lohra sowie von asten Post- anstalten und Landbriesträgem eMgegmgenom- Men.
Graf Zeppelin über den Verlust der „Deutschland."
In einem „offenen Briefe" an die Deutsche Lust, schiffahrtsgesellschaft, der von Bord de» Dampfer» „M a i n z" datiert ist, spricht sich Graf Zeppelin über die Glahner Katastrophe, ihre Folgen und ihre Lehren aus. Er glaubt dabei, nach einer Nachprüfung der Fragen, ob er berechtigt gewesen sei, der Gesellschaft das Luftschiff für Passagieffahrten zu überlasten, und ob er berechtigt sei, auch ferner für den Verkehr bestimmte Fahrzeuge zu bauen, mit gutem Gewissen diese Frage bejahen zu dürfen, und begründet dies folgendermatzen:
' Die „Deutschland" habe sich bet den Probefahrten in Friedrichshafen nach allen Richtungen bewährt. Es fei daher kein Grund denkbar gewesen, weshalb das Schiff bei vorschriftsmäßiger Ausrüstung und normalen Witterungsverhältnissen, solange seine Betriebsmittel reichten, zu einer unfreiwilligen Landung zur Erde niedergedrückt werden sollt«. „In der Tat sind — so fährt er dann wörtlich fort — die . Witterungsverhältnisse am 28. Juni ganz ungewöhnliche gewesen. Nach den mir bis jetzt gewordsnen Schilderungen ist die „Deutschland" in einen aufsteigenden Drehsturm geraten, der sie mit unwiderstehlicher Gewalt in eine Höhe von 1250 Meter hinaufriß. Das Drehen wurde durch wiederholtes vollständiges Sichumwenden der Nordnadel bekundet, während Barometer und Barograph die erreichte Höhe anzeigten. Nach dem in der Höhe erlittenen bedeutenden Gasverlust sank da» Luftschiff, schwer mit nassem Schnee belastet, wieder herab. Die Erde war nicht zu sehen bis man plötzlich in geringer Tiefe unter sich Baumwipfel gewahr wurde. Alsbald wurde wieder nach oben gesteuert. Al» aber di« Hebung um 3—4 Meter gelungen war, versagte der vordere Motor, und nun war die Geschwindigkeit nicht mehr genügend, um da» Luftschiff noch dynamisch nach oben drücken zu können. Es sank jedoch nur mit einer Geschwindigkeit von 1—1%
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26 (Nachdruck verboten.)
Kantate.
Von Anny Woihe, * 1 kgorffetzung.)
„Du bist ein Prachtmädel, Riffle, jetzt aber sage schnell, wie trägt Jela di« Veränderung, fragt sie noch nach ihrer Mutter?"
1 Es lag fast wie Angst in der tiefen Stimme des Fragenden.
Riffle schüttelte den blonden Kopf. „Rein. Rolf, sie plaudert nur immer von dem Papa, mit dem sie Wett fortreist, weit in die Welt."
Dr. Mehnert atmete erleichert aus. „Gott sei Dank, ich fürchtete erst schon bei dem Eigenwillen und der Ungeberdigkeit des Kindes da« Schlimmste. Hast du denn noch immer Angst, Mütterchen," fragte er, sich liebevoll zu der alten Frau wendend, „daß man uns das Kind nehmen rann?"
„Wann sie es finden. Rolf, natürlich. Du hast das Kind seiner Mutter heimlich entwendet und ,h>ie die Verhältnisse liegen, weißt du ja am besten, daß das Gesetz der Mutter das Kind zusprechen wird."
Das muß eben verhindert werden. Die Beweise ihrer Schuld muß ich bringen, und daß ste Nicht im Stande ist, die Erziehung des Kindes zu wilen."
„Das würde alles weniger schwierig sein, Rolf," wandte die alte Frau ein, „wenn du dich durch deine Flucht nicht allen Aufklärungen entzogen hättest."
• Ein finsterer Blick flog über die Greist« hin, »das verstehst du nicht, Mutter, verzeih«. Ich
weiß ja, alle, vielleicht auch du, Rickle, halten es für Feigheit, daß ich mich nicht stelle, um meine Sttafe zu erleiden dafür, daß ich den Schuft, mit dem sie mich betrog, nieder knallte. Aber die Beweise, die ich für Sorkas Schuld habe — die für mich tausendfach genügen — sind dem Gericht gegenüber so hinfällig, daß man mich einfach wegen gemeinen Totschlages verurteilen würde, während im anderen Falle meine Sttafe, wenn sie überhaupt erfolgt, nur sehr milde ausfallen würde. Die Freiheit ist das Einzige, was mir momentan nützen kann, wenn ich mein Kind vor der eigenen Mutter retten will."
„Es ist mir so gewagt, Rolf," wandte die Pro- feflorin besorgt ein. „Denke nur, wenn man dich doch hier findet. Ich bin überzeugt, daß Sorka, die ja gleich auf der richtigen Fährte war, dich und das Kind hier zu suchen, dieses Haus nicht aus den Augen lasten wird."
„Ganz recht, Mutter, wie ich sie nicht aus den Augen lasten werde und damit ich das leichter kann, habe ich mir heute dicht am Rosental eine Wohnung gemietet."
Die alte Frau sank erschöpft auf einen Sessel, während Rickle beruhigend über ihre weißen
L offenpuffen strich.
„Ich ftude es bodenlos leichtfinnig von dir, du setzt wieder alles aufs Spiel."
„Ich möchte wohl wissen, waS ich überhaupt noch zu verlieren habe, Mutter! Du sorgst dich aber unnötiger Weise, ich mache mtt nur etwas mehr Bewegungsfreiheit und sichere mich, daß man mit jetzt nicht, das für mich so unersetzliche Gut, die Frecheit, nimmt."
Und dabei zuckte plötzlich der Bedanke in ihm auf: .. . .
„Eine gibt es, die dich verraten kann, die weiß, daß du ein Verbrecher bist."
Wie erschöpft ließ Rolf einen Augenblick das stolze Haupt sinken, dann aber strafften sich feine Glieder und um den Mund mit den vollen Lippen grub sich eine eigensinnige Falte.
Rein, sie würde den Verrat nicht begehen, ttohdem er wußte, daß sie ihn wieder erkannt hatte.
„Ich bin sogar noch weiter in meiner Kühnheit gegangen, Mütterchen," nahm Dr. Mehneri das Gespräch wieder auf, „ich habe etwas unternommen, was auch Rickle interessieren wird. Ich bin bei der Firma Bermann u. Co. als Volon- tair eingetteten."
Die Professorin rang enffetzt die Hände und Rickle war fast ängstlich in die enffentteste Ecke des Turmgemaches geflüchtet.
„Bei Bermann u. Co.?" flüsterte sie scheu, mit verängstigten Augen, „o, mein Gott!"
„Ich hatte an Bermanns eine wertvolle Empfehlung von einem Freunde aus der Schweiz, der die Verhältnisse genau kennt und mir dringend riet, bei Bermanns zu meiner eigenen Sicherheit und auch, damit ich eine Beschäftigung habe, einzutteten. Er hat mir die erforderlichen Papiere besorgt, ich werde von jetzt ab, auch für dich Rickle, Dr. für. Eisele sein. Verstanden?"
Etwas kühnes, herrisches lag in seinen bunt- len, unheimlich glänzenden Augen.
„Barmherzigkett, Rolf, du begibst dich immer in neue Gefahren. Bedenke doch nur, wenn die Geschichte herauskommt," jammerte die Mutter.
„Du hast ganz recht, Mütterchen, eine Sünde zieht immer die andere nach sich. Aber ich habe gar keine Wahl. Hier in dem «dien Versteck, das
ich ja segne, weil es mir «ine erste und sichere Zuflucht bot, halt ich's auf die Dauer nicht au». Ich würde ja verkommen, wenn ich mich hier einsperrte und hätte auch keine Gelegenheit, meine Zeit zu nützen. Frei muß ich fein, um der Fra« dort, die mich um ein Haar den Gerichten auSge- liefert hätte, heimzahlen zu können, was st« mir getan "
„Ich fürchte, bu wirst den Kürzeren ziehen, mein Sohn. Wenn fie dich, fobald du dich irgendwo in der Leipziger Gesellschaft bewegst, erkennen so bist du verloren und Sorka eriumphieri."
„Sie wird mich nicht erkennen, Mutter, verlaß dich drauf, und wenn e8 geschieht, dann wird es Zeit fein, alle Masken fallen zu lassen."
„Du ruinierst dich selbst, Rolf," mahnt« di« Professorin.
„Ich habe nichts mehr zu verlieren, Mutter. Meine Praxis habe ich aufgegeben, den größte« Teil meines Vermögens bU ich los, meine Mannesehre ist geschändet, dreifach geschändtt durch das frivole Weib, das damit lächelnd spielt«, und meine bürgerliche Ehre endet vielleicht im Gefängnis. Was bleibt mir also noch?"
„Ein süßes, ein entzückendes Kind, ein großer Schatz, Rolf," rief Rieck!« mit glänzenden Augen, „und eine Mutter, die treulich zu dir steht, die mit dir geht in Not und Tod, in Gefahr und Schande. Und daS nennst bu nichts?"
„Ja, und treue Freunde, Rickle," gab Rolf warm zurück. „Verzeihe, daß ich'S vergesse« konnte. Und weil ich das weiß, will ich auch noch
। einmal den Kamps mit dem Schicksal wagen wi* I wenn ich siege, Riefle, so Hai dein« Freundschaft I einen großen Teil daran."
lFortsetzung folgt.)