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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

«nd den Beilagen: Illach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage.

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DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 <M. (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2,00 <M. (Für unverlangt zugeiandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

Marburg

Dienstag, 5. Juli 1910.

Die Insertionsgebühr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7get»altene Zeile oder deren Raum 15 4. für auswärtige Inserate 20 A, {ür Reklamen 40 4. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, lniverfitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Televbon 55.

45. Jahrg<

Bestellungen

V- für das dri tte Quartal 1911 wuf dieOberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedi­tion (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt, Wetter, Ebs­dorf, Hachborn, HeSkem-Mölln, Sei- denhofen, Dreihausen, Wittelsberg, Niederweimar, - Niederwalgern, Damm und Lohra soivie von allen Post- anstalten und LandbrieftrSger« entgegengenom- :«««.

Die Tragödie von Allenstein

ist nun nicht, wie man annahm und erwartete, end- giltig zu Ende geführt und dadurch aus der Welt geschafft worden. Vielleicht wird nach Vorschrift des Gesetzes noch einmal der ganze Schmutz vor \ eitet Welt aufgerührt werden. Wahrscheinlich ist freilich, daß der Prozeß nunmehr für immer zu den ; unerledigten gezählt werden darf, in denen der medi- . zinische Sachverständige das letzte Wort sprach. An- gesichts des Schmutzes, der dort in Allenstein neu auf- . gewühlt wurde, ist wohl oft die Frage aufgeworfen ' worden, ob der Prozeß überhaupt nötig war oder ob er dann wenigstens im Interesse der Gesundheit un­seres Volkes nicht besser hinter verschlossenen Türen ' stattgefunden hätte.

Die Verhandlung hat gezeigt, daß es nötig war, . in die dunklen Beziehungen zwischen dem Mörder

Gäben und dieser Frau einzudringen, die zur ' Mordtat führten, wenigstens mußte es mit allen Mit- : teln versucht werden. Es ist doch eines Rechtsstaates ; unwürdig, daß Bluttaten wie die Allensteiner un­gesühnt bleiben. Seitdem aber die ehemalige Frau

». Schönebeck mit Herrn Weber nach den Gestaden : Englands fuhr und ihm die Hand zum trauten Ehe­bunde reichte, war es nötig, daß die Frau nicht weiter als krank und verhandlungsunfähig behandelt wurde, schon um nicht Anlaß zu berechtigten An­griffen auf dieKlassenjustiz" zu geben. Besonders nötig, nachdem die wissenschaftliche Deputation in Berlin die Voraussetzung der Geisteskrankheit bei Frau Weber bestritt. Anders ist die Frage zu beant-

, Worten, ob es richtig war, den ganzen aufgewühlten : Schmutz einer hysterischen und perversen Liebesaffäre mit so traurigem Ausgang dem deutschen Volk nahe zu bringen. Gewiß ist, daß nur der bereits ange-

; kränkelte Teil eines Volkes an derartigen Eröterun- gen Freude findet und event. Schaden nimmt, aber es kann unmöglich von Nutzen fein, wenn ein Volk mit allen Einzelheiten einer Affäre Eulenburg oder Schönebeck überschüttet wird. Soll man daraus dem

1 Gerichte einen Vorwurf machen? Es hätte wohl die Oeffentlichkeit weit öfter ganz ausfchließen sollen. Doch erblicken wir in der Oeffentlichkeit des Gerichts­verfahrens ein so großes Gut, daß es uns bedenklich

26 (Nachdruck verboten.)

Kantate.

Von Anny Wothe, 'J

7 (Fortsetzung.)

.Du hast deine Tätigkeit für Bermann u. To. eingestellt, Ricklle?" fragte die Professorin und strich ihrem Patenkinde Rickles Mutter war eine Art Pflegekind von ihr gewesen besorgt über das blonde Haar.

Ja, Tante! Ich konnte mich nicht entschließen nou) weiter meine Kunst in den Dienst der Leute zu stellen, die mir so kaltherzig den Abstand ge­zeigt haben, der zwischen ihnen und mir besteht. Lieber will ich verhungern, ehe ich das Brot wei­ter von dem Manne nehme, der mich so grausam betrogen hat."

Es ist wirklich sehr schade," seufzte die Tante. Die neuen Werke mit dem Buchschmuck von dei­ner Hand, die Bermann u. Co. herausgegeben haben, sind wirklich kleine Kunstwerke, und der ausfallende Verdienst wird Euren kleinen Haus­halt empfindlich treffen."

Nicht mehr, Tante, seitdem du so lieb für uns eingesprungen bist, so daß ich die Summe, die der junge Bermann meinem Baler für Kurkosten übersandte, zurückweisen konnte. Ach, Tante Friederike, wie soll ich dir nur dafür danken?"

Heiß preßten sich die jungen roten Lippen auf die welke Hand der alten Frau.

Nicht so stürmisch, Kleine," wehrte die Greisin Du glaubst, recht getan zu haben, ich glaube aber, dein Vater denkt anders."

Ja, trotzdem Vater jetzt einen tiefe« Groll auf den Mann hat, dem ich vertraute wie entern

erscheint, hier Forderungen zu unterstützen, von denen wir nicht wißen, zu welchen Konsequenzen fie führen. Nur da, wo es aus Gründen der Sittlichkeit oder der Staatsraison nötig ist, soll davon Gebrauch gemacht werden. Die Entscheidung hat in diesem Falle mit Recht immer das Gericht.

Wir sehen die Schuld hier wo anders. Es war wirklich nicht notig, daß sichdie Schmutzfluten des Prozesses durch die Kanäle der Presse bis in die ent­ferntesten Winkel des Landes ergoßen", auch nicht das Publikum wochenlang mit breitester Ausführ­lichkeit über die einzelnen meistens höchst gleichgül­tigen Zeugenaussagen zu unterrichten. Wir haben von vornherein auf eine Mitteilung der ausführ­liche Prozeßberichte verzichtet, erstens ihres zum Teil anstößigen Inhaltes wegen, dann aber auch, weil die Aussagen der Zeugin Eue usw. usw. nicht- so intereßant erscheinen, um in ausgedehntem Maße verbreitet zu werden. Unsere Leser werden uns darob nicht gram sein. Wenn die Preße ihren Ein­fluß im Volke wirklich zu Recht haben will, so muß sie vor allem sich deßen auch da bewußt sein, wo sie in schwierigere Lagen kommt. Es hat uns immer komisch angemutet, wenn wir auf der ersten Seite großer Zeitungen lasen, daß es eigentlich falsch sei, über Schmutzprozeße wie den Allensteiner aus­führlich zu berichten, während die dritte Seite be­reits den vollen Prozeßbertcht gab. Das bischen Mut gegenüber der Konkurrenz der Senfationspreße haben sie^llso nicht aufgebracht.

Sei dem wie ihm wolle! Höher als alles dies steht die Erkenntnis, daß das Allensteiner Geschwür kein Symptom einer allgemeinen Erkran­kung unseres Volkskörpers ist, sondern eine, aller­dings nicht unbedenkliche Einzelerscheinung, die ein unglückliches Zusammentreffen verschiedener Um­stände verschuldet hat. Lediglich zwei defekte Per­sönlichkeiten sind damals nach dem Naturgesetze, daß das Kranke das Kranke anzieht, zur Selbswernich- tung zusammengeführt worden und alles was an ihnen hing, geht intatt aus diesem Prozeß hervor: Familienleben, Sittengesetz. Armee und Rechtspflege.

Politische Umschau.

Zu« Rücktritt des Freiherr« v. Rheinbabe« schreibt dieRordd. Allg. Ztg." in ihrem Wochen­rückblick:Der Rücktritt Rheinbabens von der Lei­tung des Finanzministeriums wird allgemein als ein Ereignis von starker politischer Bedeutung empfun­den. Auf allen Seiten kommt zum Ausdruck, daß mit dem Nachfolger Miquels eine Persönlichkeit von eigenartigem Gepräge, staatsmännischer Begabung und unermüdlicher Schaffenslust aus dem Amte schei­det. Auch die politischen Gegner Rheinbabens wer­den jetzt seinen bedeutenden Eigenschaften und seinen Leistungen für den preußischen Staat gerecht. Rhein­baben ließ es niemals an sich fehlen, wo es um große Entscheidungen ging: in der finanziellen Vertretung der Flottenintereßen wie bei der Reichsfinanzreform, in der Polenpolitik wie der Bekämpfung der staats­feindlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie hat er

Gott, will er nichts davon wißen, seine Stelle niederzulegen.Bis Kantate." sagte er mir heute wieder,muß ich unter allen Umständen auf meinem Posten bleiben."

Die Greisin nickte und sah gedankenverloren hinaus in den verschneiten Garten.

Die grauen, klaren Augen des jungen Mäd­chens folgten ihren Blicken.

Der Tag neigt sich bald. Tante, und ich mutz heim. Kann ich Rolf einen Augenblick sprechen?"

Prüfend glitten die Aug-m der alten Frau über das junge Gesicht.Komm! Ich weis; zwar nicht, in welcher Verfassung er sich augen­blicklich befindet: ich denke aber, dein Anbkick wird ihm wohltun!"

Sie legte ihren Arm in den des jungen Mäd­chens und zog sie mit sich fort.

Sorgfältig überzeugte sie sich dann e.st noch, ob die große, braune Haustür auch verschloßen sei, dann stieg sie langsam die Treppe hinan.

Rickle folgte ihr mit Herzklopfen. Die heim­lich süßen Schauer ihrer Kinderzeit wurden in ihr wach. Hier oben in den geheimen Gängen und Kammern hatte sie ost mit Rolf Versteck gespielt, damals, als er ein lang aufgeschossener Gym­nasiast war, und sie ein kleines, wildes vier­jähriges Ding mit wehenden Locken. Hier hatte er ihr Märchen erzählt, und wenn sie unartig war, dann hatte er ihr mit der Turmstube gedroht, die niemand fand, der nicht genau Bescheid wußte, und wo sie dann einsam trauern mußte, wenn sie nicht gut tat.

Und nun war ihm selbst die alte, große Stube unter dem verwitterten Turmdach zum Exil ge­worden.

Die Professorin schloß leise die Tür zu dem

große staatsmännische Kraft auch über den Rahmen seines Reßorts hinaus in den Dienst des Staates gestellt. Bet der patteipolitischen Bewertung des letzten Ministerwechsels ist die Preße wesentlich maß­voller gewesen, als btt der Beurteilung der vorher- gegongenen Veränderungen. Man erkannte in der liberalen Preße wohl, daß das bisher benutzte Schema mit den Tatsachen in Widerspruch steht, um unverändett weiter angewandt werden zu können."

Deutsches Reich.

Der Kaiser in Travemünde. Travemünde, 2. Juli. Der Chef des Zivilkabinetts v. Valentini ist abgereist. Der Chef des Militärkabinetts v. Lyncker und Staatssekretär a. D. v. Schön sind eingetroffen und nahmen auf derHohenzollern" Wohnung. Der Kaiser machte mit den letzteren beiden Herren nach­mittags einen Spaziergang an Land. Der Kaiser besuchte heute vormittag hier das auf der Reede lie­gende SchulschiffPrinzeßin Eitel Friedrich", wo­rauf er mit dem Eroßherzog von Oldenburg etwa eine Stunde verweilte. Der Kaiser hatte an den Eroßherzog von Oldenburg aus Anlaß des Stapel- laufes in Danzig folgendes Telegramm gerichtet: H.rzlichen Dank für die Meldung über den glück­lichen Stapellauf meines neuesten Linienschiffes, des­sen Namen an die nahen Beziehungen der Marine zu dem Eroßherzogtum Oldenburg erinnern soll. Mit besonderer ©enugtuung erfüllt es mich, daß eine die See von Kindheit an liebende deutsche FLrstentochter die Taufe vollzogen und ein deutscher Fürst, der als Seemann sein Schiff persönlich zu führen versteht, die Geleitworte gesprochen hat. Es gibt mir dies will­kommenen Anlaß, in dankbarer Würdigung der gro­ßen Verdienste Eurer Königlichen Hoheit um meine Marine und im besonderen um die Entwicklung der Schiffsbautechnik und die Heranbildung des See­mannsnachwuchses Eure Königliche Hoheit zu bitten, die Stellung 4 la suite meiner Marine anzunehmen und damit die Seeoffiziersuniform anzulegen, gez. Wilhelm I. R. Travemünde, 3. Juli. Der Kaiser hielt heute vormittag Gottesdienst an Bord der Hohenzollern" ab. Ilm 11% Uhr begann die Re­gatta des Norddeutschen Regatta-Vereins und des Lübecker Jachtklubs auf der Lübecker Bucht bei Regen und schwachem Wind. Um 11 Uhr ging dieHohen­zollern" mit dem Kaiser, vom TorpedobootSleip- ner" gefolgt, nach Kiel. Kiel, 3. Juli. Die .Lohenzollern" mit dem Kaiser an Bord und der Sleivner" sind heute nachmittag 5% Uhr von Tra­vemünde kommend in den hiesiaen Hafen eingelaufen.

Bom Rttchskanzler. Hohenfinow, 3. Juli. Der Reichskanzler von Btthmann-Hollweg und Unterstaatssekretär Wahnschasfe sind hier einge­troffen.

Jubiläum des 4. Magdeburgifchen In­fanterieregiments Nr. 67. Metz, 3. Juli. Das 4. Magdeburgische Infanterieregiments Nr. 67, das feit 1887 hier garnisoniett ist, feierte heute fei« 50jiihriaes Jubiläum.

Die Zeppelinsche atttische Vorexpeditton. Kiel, 2. Juli. Nachdem sämtliche Teilnehmer an der Zep-

schmalen Gang, dann drückte sie auf einen Knopf, und es war, als gehe darauf ein leises Klingen und Singen durch die Lust.

Was ist das?" fragte Rickle befremdet, sich an dem Arm der alten Frau klammernd.

Es ist für Rolf ein Zeichen, daß Freunde nahen. Er hatte den glücklichen Gedanken, die alte Spieluhr hier aufzustellen."

Jetzt tre^n sie durch die Tapetentür auf den geräumigen Boden, wo Rolfs Schaukelpferd stand und seine Kinderwiege. Da in der Ecke hatte noch immer die uralte große Puppe gesessen mit dem Perlaugen, die Rolfs Mutter aus ihrer Jugend­zeit hierher begleitet hatte, und mit welcher Rickle, wenn sie fein brav war, zuweilen spielen durfte.

Ricke nickte grüßend dotthin, wo ein betäub« tes Etwas in der Ecke saß, das der alten Puppe glich.

Die Professottn schloß jetzt leise die unsichtbare Tape'entür zu dem Gang mit dem alten Gerümpel vor dem damals die Beamten ihre Nach­forschungen eingestellt hatten.

Kennst du den Weg?" lächelt die alte Frau.

Rickles biegsame Gestalt bahnte sich durch Bretter. Mauersteine und vermorschte Balken ge­wandt den Weg.

Hier," sagte sie,muß die Tür sein." Die Profeßorin klopfte lttse dreimal gegen die Wand.

Wie auf Zauberschlag sprang eine unsichtbare Tapetentür auf, und Rickle trat an der Hand der alten Frau in ein hohes achteckiges Gemach. Es wurde nur durch Oberlicht erhellt. In einer Ecke erhob sich ein buntes türfisches Zelt, das wohl als Schlafraum diente, die übrige Einttchtung war einfach, aber wohnlich und bequem. Hohe Bücherregale an den Wänden und die grün her-

peltnschen arktischen Vorexpedition, unter ihn« Graf Zeppelin und Prof. Dr. Hergesell, sich auf dem DampferMainz" eingeschifst hatten, begaben sich Prinz und Prinzeßin Heinrich von Preußen heut; vormittag 10 Uhr an Bord des Expeditionsschiffes Bald darauf trat das Schiff durch den Kaiser Wil Helm-Kanal die Fahrt nach Norden an. Die Pri» zeßin begleitete ihren Gemahl bis Brunsbüttel. Bei der Abfahrt des Dampfers war der Norddeutsch« Lloyd durch die Direktoren Bremermann und Petze! vertreten. Frau Petzel überreichte der Prinzeßin Heinrich von Preußen ein Nelkenbukett. Um 10 Uhr war dieMainz" los, dampfte langsam an den vor der Förde liegenden Geschwadern vorbei und lief ge­gen 11 Uhr in die Holtenauer Schleuse ein.

Ein Nachspiel zum Kieler Werftprozetz. Kiel, 2. Juli. Der Reichsfiskus strengte beim Kieler Land­gericht gegen den Magazindirektor a. D. Heinrich, den Kaufmann Repenning jr. und die Erben f 'ne« verstarb«"^ Vaters Zivilprozesie auf Ersatz von 24 000 <M für Oele an, die auf der Kaiserlichen Werft in Kiel unterschlagen worden sind. Der Fiskus leitet seine Ansprüche dem Geständnis des vor dem großen Werftvrozeß vom Schwurgericht verurteilten Magazinaufsehers Kanowski her.

Eine Ente. München, 2. Juli. DieKorre­spondenz Hoffmann" teilte offiziell mit: Verschieden« Blätter, insbesondere auch dasBerliner Tageblatt", bringen wiederholt die Nachricht, es bestehe in maß­gebenden bayrischen Kreisen der Plan, die Regent­schaft zu beenden und 6r. König!. Hoheit, dem Prinz-' regenten, die Krone anzutragen. Diese Nachricht be­ruht auch diesmal, samt allen Angaben, durch die fti glaubhaft gemacht werden soll, auf freier Erfindung.

Ausland.

** Der griechisch - rumänische Zwischenfall Wege» des Uebersalles auf dem rumänischen Dampfer in Piräus ist nunmehr endgültig er­ledigt, da von Rumänien die Genugmuug, welche die griechische Regierung dem italienischen Ge­sandten in Athen gegeben hat, angenommen wurde.

** Erhöhung des Schiffszolls in Portugal. Lissabon, 3. Juli. In einem amtfichen Dekret wird bekanntgegeben, daß die Regierung er­mächtigt ist, die Zollgebühren für diejenigen aus­ländischen -Schisse zu verdoppeln, deren Heimat, länber den Handel und die Schiffahrt Portugals unterschiedlich behandeln. Diese Vorschrift soll am 1. Januar 1911 in Straft treten.

Spanien und dec Vatikan. Madrid, 2. Juli. Der Entwurf der Antwort auf die königliche Bot­schaft wird am Montag in der Kammer beraten: ei gibt insbesondere der Hoffnung Ausdruck, daß di« Regierung da» gute Einvernehmen zwischen Staat und Papst aufrechterhalten und zugleicki die Vorrecht« der bürgerltchen Macht und die rechtliche Stellung der Kirche und Spaniens wahren werde. Der Ent­wurf weist auf die Notwendigkeit hin, die religiösen Orden unter das Reglement zu bringen, ohne i*-- geistige Freiheit anzutasten, gibt dem Wunsch Aus­druck, daß die Verhandlunoen mit dem ' n

hangene Lampe auf dem Schreibtiich zeigten, daß dieses Versteck nicht nur eine Zufluchtsstätte, son­dern auch eine Stätte ernster Arbeit war.

Bei dem Eintritt der beiden Frauen erhob sich ein ungewöhnlich großer, schlanker Mann und streckte dem jungen Mädchen beide Hände entgegen

Rickle. wie soll ich dir nur danken?" begrüße sie Dr. Rolf Mehnert, der einzige Sohn der Pro- fessorin, die dunklen Augen voll Wärme auf daS junge Mädchen gerichtet.

Du ahnst ja garnicht, welche Last du von u»S genommen hast. Es war ja ganz unmöglich, wie ich erst dachte, das lebhafte Kind hier zn ver­bergen. Bei Euch da draußen, die Ihr so abge- schloßen von der Welt lebt, wird es niemand suchen."

Mr haben Jela als das Kind meiner verhetz töteten, verstorbenen Schwester ausgegeben," ent­gegnete Rickle mit einem leisen Lächeln um den Mund.

Ein Schatten legte sich über das hagere bart­lose Antlitz des Mannes. Die schmale sehnige Hand fuhr hastig durch das schwarzlockige Haar, das sich um die breite bleiche Stirn bäumte.

Wie leicht kannst du und dein Vater in «n- gelegenhetten kommen, Rickle," seufzte Rolf. Vielleicht war es doch unrecht, daß ich Euch dl« Last aufbürdete."

Jela ist unS keine Last, wett eher der ganz« Sonnenschein unseres einsamen Lebens, Rolf. Du kannst ohne Sorge fein und andere Konflifte all die mit unserem eigenen Gewißen sollen uns nicht abhalten, daS zu tun, was uns recht dünkt."

_ (Fortsetzung folgt.)