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mit dem Kreisblatt für -re Kreise Marburg und Kirchhain

xnd den Beilagen: ,Iach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."

45. Jahrg.

Zweites Blatt

Togo

wurden nämlich aus allodialem Besitze im Jahrzehnt 18911900 107 Fideikommisse mit einer gegenwärtigen Gesamtfläche von 178 667 Hektar und in den letzten 7 Jahren, 19011907, 96 mit 144 796 Hektar gegen 89 mit 113 604 Hektar im Jahrzehnte 188190, 66 mit 116130 Hektar im Jahrzehnte 1871 bis 1880, 75 mit 100 465 Hektar im Jahrzehnte 1861 bis 1870 und 69 mit 128 529 Hektar im Jahrzehnte 185160 gegründet. Namentlich auch in den beiden letzten Jahren 1906 und 1907 hat eine sehr rege Fideikommißbildung angehalten, die mit einer Durchschnittsziffer von jährlich 18,5 Fideikommissen, soweit fich jetzt noch übersehen läßt, in der Vorzeit nicht ihres gleichen hat. Sie findet ihre Erklärung wohl zum Teil in dem zunehmenden Reichtum in der Monarchie. Der Flächenumfang ist im allge­meinen bei den in der Zeit bis 1850 gestifteten Fideikommissen am bedeutendsten, was sich zum Teil schon durch die neuen Erweiterungen jener erklärt. Nächstdem treten die im Jahrfünfte 189195 neu ge­bildeten Fideikommisse mit besonders großer Durch- schnittsfläche hervor. Auch die Fideikommiffe aus dem Jahrfünfts 190105 weiten mit 1121 Hektar Durchschnittsumfang recht ansehnliche Flächenver- hältntsse auf. Im allgemeinen gehen aber die für die Umwandlung in Fideikommiffe in Betracht kom­menden Sitzungen ihrer Fläche nach offenbar immer mehr zurück.

bei vollziehen. Für das Schürfen und den Berg­bau im Schutzgebiet Togo sind die Vorschriften der Kaiserlichen Bergverordnung vom 27. Februar 1906 maßgebend. Gegenwärtig ist allerdings der Landesfiskus von Togo laut einem Erlaß des Reichskolonialamts vom 19. Juni 1907 allein zum Schürfen und Bergbau auf Edelmineralien in den Bezirken Msohöhe, Atakpame und Sokode berechtigt, doch ist das Gouvernement von Togo selbstverständlich jederzeit bereit, mit ernsten und vertrauenswürdigen Interessenten betreffs ganzer oder teilweiser Abtretung seiner Sonderrechte zu verhandeln.

den Verse konnte der Komponist als sür seinen Zweck überflüssig, fortkafsen. Ebenso strich Schu­mann neun Verse am Anfang des Faust'schen Monologs vor dem Worthinaufgeschaut!" wohl nur, weil sich ihm hier eine Kürzungs-Möglich­keit darbot: denn jene Verse malen nur ein schon dageweseneS Stimmungsbild breiter aus. Auch fflt diese Szene, die in ihrer vollendet herr­lichen Poesie zum schönsten gehört, was je ein Dichter geschaffen, hat Goethe ausdrücklich Musik gewünscht bis zu der Stelle, wo die Sonne auf­geht. Sie ist schon von Goethe musikalisch kon­zipiert. Auch hat sich Schumann an Goethes Vor­schriften für den Chor gehalten:Einzeln, zu zweien und vielen, abwechselnd und gesammelt/ Die Szene ist eine jener vielenOpernszenen' des Faust, an denen Vischer Anstoß nimmt. Ich glaube, es wäre zu wünschen, Goethe hätte mehr solcherOpernszenen' geschrieben.

Zwischen der Schlußszene des ersten TeiftS des Goethe'schen Faust, der Kerkerszene, und beit Anfang des zweiten Teiles hat man sich eint Pause zu denken. Faust sucht am Busen der Na­tur Ruhe nach demerlebten Graus.' Durch seine Schuld ist ein holdes Menschenleben grau­sam vernichtet worden. Aber die Qual des Vor­wurfs, der ungeheuere Schmerz, dem eine schwächere Natur Wohl erliegen würde, muß in der im Grunde doch edlen und kräftigen Natur des Faust endlich ausftingen. Er wird geläutert. Gretchens Liebe und das Furchtbare, das er er­lebte, haben ihn von der Lust gemeiner Sinnlich« leit befreit. Fortan wendet er sich dem Edle«, Hohen zu. Aber noch hat er die Ruhe nicht wie­der gefunden. Eben seine Beruhigung und sei« Erwachen zu neuem Tatendrang ist der Inhalt der Ariel- oder Sonnenaufgangs-Szene. Goethe veranschaulicht diese Beruhigung, die doch wirk­lich nur aus der eigenen gesunden Kraft der Seele Faust's hervorgeben kann, durch den berück­enden Zauber eines Elfenchors, der ihn erst sanft einwiegt, dann mit tiefster Ruhe beglückt, ihm das Vorgefühl neuer Gesundheit schenkt und ih« endlich mit neuen Wünschen und frischem edlem Mut erwachen läßt.

Es ist Abend, eine Orchester-Einleitung in weichen milden Klangfarben breitet eine frieden- volle, feierliche Stimmung aus. Ariel mahM die Elfen an ihre Pflicht in einem schönen ruhigen Tenor-Solo. Das Tempo steigert sich, leicht schwebend kommen die Elfen herzu, erst in Gruppen von je dreien, die sich bald vereinigen; zwei scheiden Wieder aus, und eine Gruppe von vier einzelnen tritt dem Chor gegenüber, welcher mit den Worten:Nacht ist schon hereinge- funken' einfällt. Während dieses Eisenchors voll- zieht sich der Uebergang vom Abend zum Morgen. Er füllt dievier Pausen nächtiger Weile' in fei­nen herrlichen vier Strophen aus, die Goethe in der Handschrift Überschrieben hat: S6r4nade, Notturno, Matutino, Reveille. So leise, so unmerklich sich dieser schöne Uebergang bei dem Dichter vollzieht, wie hier eine Empfindung sanft die andere auslöst, so ist es auch bei Schumann.

Politische Umschau.

Gold in Togo?

Ueber Goldvorkommen im östlichen

Marburg

Sonntag, 3. Jnlt 1910.

Das Alter der Familienfideikommiffe in Preußen.

Ueber bas Alter der Familienfideikommiffe in Preußen bringt dieStatistische Korresp." (Jahr­gang 36, Nr. 21) interessante Mitteilungen. Nach diesen bestanden Ende 1907 insgesamt 1195 Fidei­kommiffe in Preußen mit einer gegenwärtigen Fläche »on 2 299 797 Hektar, sodaß durchschnittlach auf den Fideikommißbesitz 1925 Hektar entfallen. Nahezu drei Fünftel aller Ende 1907 vorhandenen Fidei­kommiffe mit annähernd der Hälfte der gesamten Fideikommißfläche sind erst nach dem Jahre 1850 ge­stiftet worden. Die aus der älteren Zett bis 1850 herrLhrenden Fideikommiffe bildeten bei der erst». Maligen Aufmachung der Fideikommißstatistik Ende 1895 noch rund die Hälfte der Gesamtzahl und etwas über drei Fünftel der Gesamtfläche des für diesen -Zeitpunkt ermittelten Fideikommißbestandes, sind also seitdem verhältnismäßig erheblich zurück­getreten.

Besonders bedeutend war die Gesamtzahl der im Jahrzehnte 188190 gestifteten Fideikommiffe. Seit­dem ist aber die Neigung zur fideikommiffarischen -Bindung von Grundbesitz keineswegs in der Ab­nahme begriffen, wenn schon im Jahrzehnte 1891 bis 1900 nur insgesamt 116 oder durchschnittlich jährlich 11,6 und in den darauffolgenden 7 Jahren 190107 im ganzen nur 98 oder durchschnittlich jährlich 14,0 Fideikommiffe gegen zusammne 164 oder 16,4 im Jahresdurchschnitte- 188190 errichtet worden sind. Denn nach 1890 sind im Gegensätze zu den voran­gegangenen Jahrzehnten nur unbeträchtliche Zu­gänge durch Umwandlung von Lehnen in Fidei­kommiffe erfolgt und anderseits hat die fideikommis- sarasche Bindung freien Grundbesitzes in weit größerem Umfange als früher stattgefunden. Es

schreibt Bezirksgeologe Dr. W. Koert in denMit­teilungen aus den Deutschen Schutzgebieten'. Er beschreibt die einzelnen Goldvorkommen, gold-- filhrenden Quarzgänge imb Waschgold im Monn, enthält sich aber eines Urteils Über den wirtschaft­lich? t Wert der Funde. Dagegen empfiehlt er ein weiteres Prospektieren in der Monu-Ebene. Die geeignetste Zeit zur Vornahme derartiger Ar­beiten ist die Trockenzeit kurz nach den Gras- bränben, weil bann bet Ausblick und die Be­wegungsfreiheit in der Steppe unbehindert ist. Die Wafferbeschaffung ist in der Nähe des Monu überall leicht möglich, weiter ab vom Flusse kann sie aus den in großer Zahl vorhandenen Tüm­peln und Kolken der Monuzuflüffe erfolgen, und im Gebirge finden sich stets Quellen, welche die ganze Trockenzeit aushatten. Wild ist in den menschenleeren Gebieten am Monu noch in großer Zahl vorhanden. -Nach Vollendung der im Bau begriffenen Bahn von Lome nach Atakpame wird die Gegend von Agbandi schon in drei Tagen auf der fahrbaren Straße Atakpame-Sokode vom Endpunkt der Bahn erreicht werden können. Eine gewisse Schwierigkeit bieten allerdings die Ar- beiterverhättmsse, weil die bärtigen Einge­borenen noch nicht an regelmäßige Arbeit für den Europäer gewöhnt sind, doch wird sich wahrschein­lich infolge des Bahnbaues hierin bald ein Wan-

Bestellungen

für das dri tte Quartal 1910 auf bieOberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden van rmferer Expedi- fion (Marft 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt, «etter, EbS- storf, Hachborn, HeSkem-Möll«, Lei­denhofen, Dreihaufen, Wittelsberg, Riederweimar, Riederwalgern, Damm und Lohra sowie von allen Post- anfialten und Landbriefträgern entgegengenom- ,men.

Marburg und Umgegend.

(Rachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 beU Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe Oberheff. Ztg." gestattet.)

Marburg, 2. Juli.

Sedanseier. Die 40. Wiederkehr des Sedan­tages, jenes großen Ereignisses, das uns die Wieder­geburt des Deutschen Reiches brachte, soll im gesam­ten deutschen Vaterlande in größerem Rahmen ge- feiert werden. Die Feier selbst soll am 3. und 4. Sep­tember (Samstag und Sonntag) stattfinden.

Jagdkalender sür den Monat Juli. Im Monat Juli dürfen Rehböcke, wilde Enten, Schnepfen und alle jagdbaren Sumpf- und Waffervögel (mit Aus­nahme wilder Gänse) erlegt werden. Alles übrig« Wild hat Schonzeit. Das Reh tritt Ende dieses Monats in die Brunstzeit und es kommt dann die Zeit des Blattens. Mit dem Blatten sollte jedoch vor dem 29. Juli nicht begonnen werden, da der Bock iwch sehr mißtrauisch und leicht vergrämt werden kann. Zweckmäßig ist ferner, wenn vor bet Brunst die Kümmererböcke abgeschoffen werden, damit nur gute Böcke ihr Gehörn der Nachkommenschaft ver­erben. _

Der Straußsche Konkurs hat dem Vernehmen nach ein gerichtliches Nachspiel. Wie wir hören, ist die Verhaftung zweier ftüherer Inhaber der Firma auf Antrag des Staatsanwalts erfolgt.

* Strafkammer. Ein junges Mädchen, die hier längere Zeit in einem hiesigen Geschäft als Verkäufe­rin tätig war, stand unter der Beschuldigung, Unred­lichkeiten zum Schaden ihres Prinzipals begangen zu haben, wurde unter Annahme von Milderungs­gründen zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Ein junger Bursche, der vom Schöffengericht in Wetter wegen Körperverletzung verurteilt worden war, hatte hiergegen Berufung eingelegt. Es blieb jedoch bei dem erstinstanzlichen Erkenntnis.

Die Jnsertionsgebübr beträgt sür Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7gewattene Zeile oder beten Raum 15 '<8, für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch,

Universitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

DieOberhessische Zeitung' erscheint täglich mit Ausnahme bet Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- H-A jährlich durch die Post bezogen 2,25 M (ohne Bestellgeld), bet

Ivv unseren Zeitungsstellen und der Ervedition (Markt 21), 2L0 (Für unverlangt zugesandte Manuflripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

Zur Schumann-Feier.

Robert Schumanns Szene« aus Goethe's Faust.

von Proseffor Dr. G. Jenner.

II.

Zwischen dieser und der folgenden Szene liegt bei Goethe der Schluß des ersten Theiles, Gret­chens Geschick vollzieht sich, bie Tragödie geht zu Ende. Bei Schumann folgt bie erste einleitende Szene von Goethe's 2. Teil des Faust. Er hat sie ziemlich vollständig komponiert. Nur bie ersten acht einführenden auf den Elfenchor sich beziehen-

24 , (Nachdruck verboten.)

Kantate.

Von Anny Wothe.

- J (Fortsetzung.)

Sie sah nicht, wie jubelnd sich zwei junge Hände heiß im Schutze der Dunkelheit ineinander legten und wie es so glücksonntg aufleuchtete in den Augen ihres Kindes.

Karleen und Etta sollten mit dem Pankwitz- schen Automobil fahren. Peter Pankwitz stand schon wartend ein Glas in das rechte Auge ge- ttemmt. Heute abend wollte er nachher beim Tee noch ordentlich ins Zeug gehen. Die schöne Kar­leen sollte endlich mal Farbe bekennen. Jetzt kam sie mit Etta langsam bie Stufen herab.

Auf Wiedersehen!' tönte da plötzlich die dunkle Stimme, die sie vorhin so erschreckt hatte, neben ihr,und vergessen sie nicht, was ich Ihn n neulich da oben auf der Höhe sagte:

Den Kelch der Gnade beut die Liebe!'

Wir werden einander bald wieder begegnen.*

Was wollte der Kerl von Ihnen?' fragte Peter Pankwitz sein Glas in das andere Auge zwingend, als er Karleen in das Auto hob, in dem Etta schon seelenvergnügt thronte.

Karleen schüttelte nur den Kops. Sie konnte nicht antworten. Der Atem versagte ihr. Die Hupe ertönte und pfeilschnell sauste das Automobil .dahin, den kurzen Weg bis zur Bermannschen Villa im Fluge nehmend.

Die Carl Tauchnitzsttaße lag still und schwei­gend in winterlicher Pracht, nur von der Luther kirche her schimmerten helle Lichter wie Weih­nachtskerzen durch bie Nacht.

In dem alten vergessenen Märchengarte-, dort Mtten an der Pleiße, wo bie bürten Zweige bet Bäume sich bräutlich ineinander wanden, lag tie­

fer Schnee. Ganz verschlafen ruhte das alte Haus mit den grünen Läden in dem weichen, weißen Nockenbett.

Die Mittagssonne glitzette über dem tief ver­schneiten Sonnentempel und über die Schneelast auf dem steinernem Haupt der beiden Sphinxen, die mit ihren Rätselaugen in den Wintertag starrten.

Am Fenster des großen Eckzimmers im Erd­geschoß saß Frau Professors und ftridte.- Ein paar schneeweiße Kätzchen spielten zu ihren Füßen mit den bunten Wollknäuleu, die ihrem Strickkorb entrollt waren und das leise Schnurren der Tier­chen war der einzige Laut, der durch dies tote Schweigen des Hauses wie ein Hauch des Lebens surrte.

Jetzt schlug draußen vor dem großen eisernem Tor, auf dem der Schnee sich in künstlicher Weise auftürmte, die mächtige Glocke an.

Ein seltener Klang in diesem vergessenem Hause.

Die Heine Frau sprang erschreckt auf und spähte durch den Garten, bann aber atmete sie erleichtert auf, und ein Lächeln irrte übt ihre runzelvollen Züge.

Lina. Lina, eile Dich,' rief sie in die Küche, das Rickle kommt.'

Ich geh ja fchone,' gab Lina unwirsch zu­rück.Meene Beeue sind doch ooch bloß Beene,' dann schlürfte sie davon um zu offnen. Wenige Augenblicke darauf stand Rickle Günther der al­ten Frau gegenüber.

Rickle,' rief die Profefforiu, dem jungen Mädchen beide Hände entgegenftredenb,endlich bist du wieder da. Ich habe mich schon gesorgt. Wie geht es deinem Vater unb bann sie brach jäh ab, als fürchte sie einen Lauscher.

Danke, Tante, bem Vater geht es besser. Er ist seit acht Tagen aus bem Krankenhaus entlassen unb"

Sie verstummte unvermittelt, um sich forschend umzusehen.

Er ist gesund,* sagte sie bann leise.Gott sei Dank* kam es von ben Lippen der elfen Frau, bann aber nahm sie ohne Umstände die Pelzmütze aus dem blonden Haar des jungen Mädchens.

So,* verfügte sie mütterlich,jetzt wird mal erst ein bischen dageblieben. Lina soll uns schnell ein Schälchen Kaffee machen, mein Mittagsessen habe ich leider schon verzehrt. Wo kommst du denn her, Kind?'

Ein flüchtiges Rot huschte über bas blaß unb schmal gewordene Antlitz des jungen Mädchens.

Ich war in der Motette, Tante, unb ba bie Thomaskirche so nahe, wollte ich bir doch gern einen Augenblid guten Tag sagen unb berichten, wie es steht.'

Die alte Frau nickte. Wo waren bie Zeiten hin, da auch sie noch in bie Motette ging unb baS Leben noch vor ihr lag, golbumfäumt?

Es war das erste Mal, nach bem Schreck­lichen, Unfaßbaren. Tante Friederike. Ich habe aber meine Kraft doch überschätzt. Als die Kan­tate begann, glaubte ich zusammen brechen zu müssen und nur mühsam habe ich mich hierher geschleppt.'

Ich habe es ja immer gafagt, Rickle, bie Heimlichkeiten taugen nichts». Na, Geschehenes läßt sich nicht änbem unb es soll auch kein Vor­wurf für bich fein, daß du den jungen Seemann immer in der Motette trofft Ich bin ja selbst jung gewesen unb ich kenne das Keine rebellische Herz darinnen in bet Brust und weiß, wie es sein Recht fordert.*

Die weißen Kätzchen schmiegten fich schnur­rend an das junge Mädchen, das zärtlich bas seidenglänzende Fell der Tierchen streichelte.

Frau Professor Mehnert hatte inzwischen ihre Anweisungen für ben Kaffee gegeben, ben Lina bann auch halb mürrisch herein brachte. Besuche

ivaren ihr ein Greuel, unb selbst Fräulein Günther, bie sie noch am besten leiben mochte, weil sie ihrer Herrin wirklich nahe staub, sand wenig Gnade vor ihren Augen.

Na, Lina.* neckte Rickle, die Linas Schwäche kannte, mit leisem Lächeln.Weil Sie wiedrr so unfteundlich sind, habe ich Ihnen auch wa- mitgebracht.'

Ei, Herr je mersch,* meinte Lina wegwerfend, de Mährde lernt mer.

Sie guckte aber doch neugierig auf das kleine Paket, das Ridle ihrem Muff entnahm.

Dann aber schrie sie laut auf unb starrte auf bie Kinderbildchen, bie ihr Rickle lächelnd ent­gegen hielt.

Ist es gelungen?* fragte sie mit einem wehen Lächeln die alte Frau.Das eine ist für Dich, bas andere foll Lina haben, wefl sie immer fo brummt*

Ach, du grundgütiger Himmel,* fchluchzte die alte Frau auf,des is ja nu das gleene Gnädige Freilein, wie's leibt un lebt. Re, fo was, was forne Freide, jleich Raab schlagen mochte man ba.*

Bloß nicht,' wehrte bie Professorin ab unb schob bie beglückte Lina zur Tür hinaus.

Du verstehst es aber mit bet grimmigen Al­ten umzugehen,' lächelte fie,unb ich danke dir noch besonders, Kind, baß bu an sie gedacht hast Die Bildchen sind ja entzückend, bu hast Wirklich ein großes Talent, Kind. Die Heinen Federzeich­nungen sind so lebenswahr, daß man das kleine Ding ht all seiner Possierlichkeit vor sich zu sehen meint Hat sie sich denn nun ein wenig einge- toöfmt und kommst bu mit bem Eigensinn zu­recht?' . ,

Ach, Tante, das Ktttb ist ja mein größtes Glück. Wie sollte ich denn die schrecklich langen einsamen Tag« ertragen, wenn ich das Kind «ich» hätte.' (Fortsetzung folgt)