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wnä den Beilagen: .Flach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage."
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45. Jahrg.
Marburg
Sonntag, 3. Juli 1910.
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Erstes Blatt
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plötzlich gekommen. Wir hatten bisher geglaubt, daß die mannigfachen Verdienste, die sich Frhr. o. Rhein- baben in seiner Stellung als Staats- und Finanz. Minister erworben hat, sein Verbleiben in seinem schwierigen Amte im Interesse des Landes gerecht- fertigt hätten. Da diese Tatsache ja wohl zweifellos feststeht, dürfen wir annehmen, daß, abgesehen vielleicht von einzelnen personellen Friktionen, lediglich der private Wunsch des Herrn v. Rheinbaben, dem allmählich nach zehnjähriger Ministertätigkeit die schwere Geschäftslast trotz seiner stets bewährten körperlichen und geistigen Frische doch vielleicht empfind- lich geworden ist, ihm zu seinem Rücktrittsgesuch bestimmt hat. Wir bedauern seinen Rücktritt aufrichtig, nicht sowohl im Parteiinteresse, als vielmehr in dem des Landes, das dem herooragenden Beamten vielen Dank schuldig ist. Er hat die Staatsfinanzen aufs Beste verwaltet und die Spuren seiner Tätigkeit auf dem Gebiete der Gesetzgebung des letzten Dezenniums sichern ihm bei allen Patrioten ein ehrendes Andenken. Bon seinem Nachfolger, Herrn Dr. Lentz«, weiß man man wenig. Er soll als kärger» meister von Magdeburg nilfit untüchtig gewesen sein. Wie wett ihm die Fähigkeiten für das so viel bedeutsamere Amt, das ihm jetzt übertragen worden ist, innewohnen, muß man eben abwarten. Herrn von Kiderlen-Hächter, dem neuen Staatssekretär des Auswärtigen Amts, geht der Ruf ganz hervorragender Befähigung für feine neue Stellung, die er vertretungsweise schon einmal eingenommen batte, voraus. Wir sind der Meinung, daß diele Wabl besonders glücklich war. Eine neue Hand kann dem Auswärtigen Amt nichts schaden. Im allgemeinen wird man aber immerhin sagen muffen, daß diese Häufung von Aenderung in den höchsten Staatsstellen etwa» Ausfallendes hat.
I und da diese seit 15 Jahren der ständige Zankapfel zwischen den beiden Mächten war, so geht daran» hervor, daß auch in den anderen ostastatischen Fragen zwischen beiden Einverständnis herrscht. Di« Bast» der Verständigung ist die Aufrechterhaltung des Sta- tusquo. Rußland und Japan werden daher alle Bemühungen anderer Staaten, die jetzige Lage zu verändern, zurückweisen. Aus diesem Grunde kann an eine Verwirklichung des amerikanischen Vorschlages, die Mandschureibahn zu neutralifieren, nicht mehr gedacht werden. Die Bedrohung der rusfischen und I japanischen Interessen durch Amerika dürfte das Zustande kommen des Beitrages beschleunigt haben.
Sehr interessante Einblicke in die Verwaltung»- tätigkeit derIapanerinKorea gewährt der in englischer Sprache abgefaßte Jahresbericht des japanischen Eeneralrestdenten. Danach ist die Ruhe im Lande vollständig hergestellt, es gibt keine Organisation von Insurgenten mehr. Die japanische Garnison kostete im Berichtsjahre 9,5 Millionen Kronen. Verwaltungswesen und Hofstaat stnd reorganifiert, nicht weniger als 2126 Beamte, 222 Hofdamen und 2900 Tempeldiener find entlassen worden. Die höheren Aemter, namentlich auch die Richterstellen, find mit Japanern besetzt. Die Einnahmen aus den Etaats- ländereien, die vor 1908 nichts einbrachten, außer in die Taschen der Beamten, find jetzt mit 4,4 Millionen Kronen veranschlagt, der Zuschuß für die Eisenbahnen hat fich gegen das Vorjahr um die Hälfte vermindert und die Münzreform weitere Fortschritte gemacht. Einfuhr und Ausfuhr wachsen ebenfalls beständig, zumal Japan bestrebt ist, Ackerbau, Seidenzucht, Anbau von Baumwolle, Fischerei und Bergbau in Korea zu heben und zu fördern.
Der Konflikt der Kurie mit der spanischen Regierung nimmt einen akuten Tharatter an. 62 spanische Prälaten haben gegen die Kirchenpolitik Eanalejas protestiert und im Einvernehmen mit der Kurie auch das Dekret verworfen, da» den Dissidenten Freiheit de» Kultus verliehen hat. Es läßt sich aber nicht übersehen, daß die spanische Regierung in ihrem Kampfe gegen den Klerikalismus sich in einer Notlage befindet, die durch die massenhafte Uebersiedlung geistlicher Kongregationen aus den Philippinen und aus Frankreich nach Spanien entstanden ist. Aber eine Gefahr bedeuten diese Gegensätze trotzdem, da die Regierung nebenher noch durch das Bündnis der Republikaner und mit den Karli- sten behindert wird. König Alfons befindet sich tat- sächlich in einer schwierigen Lage, und es kann leicht zu einer Katastrophe kommen, zumal die anarchistischen Elemente noch ihre besondere blutige Politik verfolgen.
quenz: denn auch hier hört das Streben nach oben keineswegs auf. Je höher wir hinaufkommen in die lichtreichen Regionen, in denen die Mater Gloriosa, „Göttern ebenbürtig" einherschwebt, desto reiner, vollendeter stnd die Wesen, die sie anbeten. Sowohl die Löwen, wie auch die Patres M"d Goethe in reichlicher Anzahl auf jenen Bildern. Drei hat er in seinem Gedichte verwendet. Er giebt ihnen Beinamen, die ihr« Geistes rt charakterisieren, und die der Patristik entnommen sind. Die drei Patres stnd daher weniger als einzelne Personen aufzufassen, sondern vielmehr als Vertreter einer bestimmten Sttife geistiger Entwickelung. Den in Entzückung auf und abschwebenden Pater ecstaticns führt Schumann als Tenor ein. Auf- und absteigende Figuren im Violoncello-Solo, Bratschen und Violinen malen seine Ekstase prachwoll. Wunderbar ist auch sein Streben nach oben dadurch ausgedrückt, daß die Bässe hartnäckig die Tonleiter stufenweise hinaufschreiten, nur selten unterbrochen. In schönem Gegensätze stimmt nun der Pater profundus seinen hinreißenden Gesang an die allmächtige Liebe an, „die alles bildet, alles hegt", erst in ruhigem Rezitativ, dann in einem kurzen, geschlossenen AllaVBreve Satz von mächtigem Schwung, der aber wieder in einem innigen, rührenden Gebet ausklingt. Es folgt nun eine entzückend schöne Episode: Der Pater seraphicus und der Chor seliger Knaben. Während der Pater profundus noch unter den Lüsten der Sinne, wie unter dem Schmerz scharf angeschlossener Ketten leidet, und Gott um gnädige Erleuchtung für seine aufwärts strebende Seele anfleht, steht der Pater seraphicus eine Stufe höher. Er ist von stiller, beseeligender Frömmig- feti durchdrungen, frei von Leidenschaft, aber nicht »hneMttleid mit dem leidenden Menschengeschlecht.
Umschau im Auslande.
So oft in der letzten Zeit Gerüchte verbreitet worden find, die den Stempel der Tendenz trugen, Mißtrauen zwischen den Dreibundstaaten und den Tripleententemächten zu erwecken, führte die Verfolgung der Spuren der Ausstreuungen auf slawische Quellen. Ganz besonders gilt dies von den Gerüchten über die günstigen Aussichten der Verwirklichung des Balkanöundes. Dieses Gerücht ist nicht ernster zu nehmen als die oorange- gangenen; vielleicht bezweckt feine Wiederholung diesmal nur, auf den König Ferdinand von Bulgarien aus Anlaß seiner Anwesenheit in Paris einzuwirken. Bezeichnend ist, daß von Montenegro dabei fast nie die Rede ist. Man scheint sich in Eettinje in der Tat von der ganzen Sache bisher ferngehalten zu haben. Jedenfalls steht mit diesem Gerücht das von der bevorstehenden Proklamierung des Fürsten Nikolaus zum König in keinem Zusammenhänge.
In wenigen Tagen wird wahrscheinlich die Unterzeichnung eines neuen Vertrages zwischen Rußland und Japan erfolgen, der eine neue Grundlage für die ostasiatischen Verhältnisse schafft. Das Abkommen betrifft nur die Mandschurei,
wenn das aber der Fall wäre und selbst, wenn aus diesem oder aus anderen Gründen die Einführung des parlamentarischen Regimes bei uns erwünscht wäre, so möchten wir wohl wissen, wie bei unseren Parteiverhältniffen dieses System prakttsch durchMhrbar sein sollte. Man sieht, wie schwer seine Durchführung jetzt in England ist, weil eine reinliberale Mehrheit nicht vorhanden ist und die Arbeiterpartei und die Iren den Aus- schlag geben. Jeden Augenblick kann das Ministerium in die Lust fliegen, wenn diese Parteien sich auf die Seite der Opposition stellen. Eine sachliche, stetige und demLande zumNutzen gereichende Politik ist dadurch auf das äußerste erschwert. Nun liegen bei den Engländern die Verhältnisse in dieser Hinsicht noch lange nicht so schwierig wie bei uns. Bei uns ist die Sozialdemokratte stärker als die Arbeiterpartei ein England und sie wird im nächsten Reichstage noch stärker sein. Ebenso ist daS Zentrum ganz wesentlich stärker als die Iren, denn seine Abgeordneten machen mehr als % der Mitgliederzahl des Reichstages aus, wäh- rend die Iren noch nicht ganz 1/a des englischen Parlaments im Besitz haben. Dazu kommen bei uns noch die zahlreichen Keinen Partten, die En^and überhaupt nicht kennt. Daß wir jemals eine liberale oder eine konservative Parlamentsmehrheit haben könnten, erscheint angesichts dieser Konstellatton vollständig ausgeschlossen. Aus welchen Partien sollten demnach bei uns die Minister und Staatssekretäre ausgewählt werden. Wenn dies überhaupt gelänge, so würden wir noch unvergleichlich häufiger Ministerwechsel haben als Frankreich oder Italien und jede gedeihliche Sacharbeit würde aufhören. Man soll deshalb nicht Ziele anstreben, die nicht zu verwirklichen sind.
Deutsches Reich.
— Som Kaiser. Kiel, L Juli. Die „Hohen, zollern" und das Deveschenboot „Sleipner" find heut« Mittag nach Travemünde in See gegangen. — Trave, münde, 1. Juli. Der Kaiser begab fich um 7% Uhr vom „Meteor" an Bord der „Hohenzollern", di« om Nachmittag hier eingetroffen und wie immer auf der Reede vor Anker gegangen war. — Der Ehef des Zivilkabinetts v. Valentini ist hier eingettoffen und hat auf der „Hohenzollern" Wohnung genommen
— Ein« Erklärung der hessischen Regierung gegen die Borromäus-EnzyNika. Darmstadt, 30. Juni. In der Sitzung der Zweiten Kammer gab Staatsminister Ewald folgende Erflärung der Regierung zur Boromäus-Enzyklika ab: Die groß- herzogflche Regierung bedauert tief, daß in der an das Epiflopat gerichteten Kundgebung in ihrer Form kränkende Urteile über die Reformation, die Fürsten, die die Reformation in Schutz genommen haben, und über die Völker, die ihr gefolgt stnd, enthalten sind, Urteile, die die Empfindungen vieler, besonders in einem Lande verletzen müssen, in dem Fürsten und Vöfler in dem Anschluß an die Reformation vorangegangen
Daher naht sich ihm denn auch vertrauensvoll als einem liebendem Vater der Chor seliger Knaben, Seelen früh verstorbener Kinder, beten Geist auf der Erde keine Zeit zur Entwickelung gehabt hat, und die so glücklich waren „schroffe Erdenwege" nicht kennen zu lernen. Er nimmt sie izr sich auf und läßt sie durch fein Wesen wie durch eine Brille einen Blick in die irdische Welt tun, der sie erschauern macht. Das war aber nötig, damit sie nun von ihm höher und höher geMhtt, endlich die höchsten Gipfel umkreisend den Jubel himmlischer Glückseligkeit empfinden können. Wie Schumann hier dem Dich'er As ins Einzelne folgt wie sich vertrauensvoll erst zwei Knaben, dann der ganze Chor dem pater nähert, wie sie „mit Schreck und Grauen geschüttelt" nun zu höchster Wonne geMhtt werden, wie dies Alles ohne jede Leidenschaft selig verflärt empMnden ist, — sor- dett unsere rückhaltlose Bewunderung heraus und ist tieffter WirMng sicher.
Run kommen Engel mit der unsterblichen Seele des Faust: „Geretttt ist das edle Glied." Die jüngeren Engel (bei Schumann Sopran Solo und Chor) erzählen noch mit jubelnder Freude, wie ihnen der Sieg über die Hölle gelungen ist, tote „jene Rosen aus den Händen liebend heiliger Büßettnnen den Teufeln auf dem Rücken brannten." Schumanns anmuwolle Melodie an dieser Stelle wird toohl Jedem unvergessen bleiben. Die vollendeteren Engel, nicht im Stande, das Irdische, was noch Faust's Seele anhafttt, von der Seele selbst zu trennen, weisen sie zur ewigen Liebe hin, die hierzu allein fähig ist. Bei dem folgenden Gesang der jüngeren Engel: „Rebelnd um Felsenhöh" hat Schumann, wohl angeregt t durch jene Wotte, das Experiment gewagt, den Chor im dreiteiligen Taft singen und daS Orwester im zwettelligen Taft begleiten zu lassen.
Politische Umschau.
Z« dem Wechsel im Finanzministerium und im Auswärtigen Amte
schreibt man der „Kons. Korr." von besonderer Seite:
Die Nachricht vom Rücktritt des Finanzministers
Frhrn. o. Rheinbaben ist etwas überraschend und
die sich anschließende Grablegung und den Kampf des Himmels und der Hölle um Faust's Se-le. Ein feierliches Orchester-Nachspiel, in dem Schu- I mann den Ausgang dieses Kampfes leise anzudeuten scheint, schließt die ergreifende Szene: Faust's Seele zieht himmelwätts.
Die nun folgende dritte Abteilung der Faust- Musik ist fraglos der Höhepunkt des ganzen Werkes, es ist die Scbluß-Szene von Goethes Faust, von Schumann überfchrieben: „Faust's Verklärung." Wir befinden uns nicht im Himmel, nicht in der Region der seligen, vollendeten Engel, auch nicht auf der Erde, sondern an einem „geweihten Ort", einem „heiligen Liebeshott", dem heiligen Berge, von dem Jesaias 65 im letzten Vers sagt: „Wolf und Lamm sollen auf ihm weiden zugleich, der Löwe wird Stroh essen . . . Sie werden nicht schaden . . ." Ein Einführungs-Chor macht uns mit diesem Ort bekannt, läßt ihn vor uns entstehen. Er giebt dem Ganzen die weihevolle Stimmung. Schumann schickt ihm eine Mrze aber berückend schöne Einleitung voraus. Nach oben weit ausgreifende Intervalle tragen uns gleichsam hinauf weit über alles Irdische hinweg. Run setzt der Chor ein: „Waldung, sie schwankt heran," eine wahrhaft überirdische Stimmung ergreift uns und hält uns gefangen bis zum Schluß, der leider nur zu schnell da ist. Der Chor gehört zum Schönsten, das je geschrieben wurde. Auf die eigenartige StimmMhrung ist wohl die Goethe- sche Ueberschrist „Chor und Echo" von Einfluß gewesen. Zu der Anschauung der Gegend, welche der Chor uns beschreibt, und zu der ganzen Anordnung der Szenerie ist Goethe angeregt worden durch eine Darstellung auf alten Fresken aus Giottos Schule vom Campo santo in Pisa. Es findet hier der oben angedeutete Grundgedanke des Faust-Gedichts gleichsam sein« letzt« Konse-
Ministerwechsel und parlamentarische Regierung.
Es konnte nicht ausbleiben, daß der ungewöhnlich starke Wechsel in den höchsten Staatsstellungen die mannigfachsten Kombinationen hervorrief, insbesondere nach der Richtung hin, daß nicht sachliche, sonderen persönliche Motive maßgebend gewesen wären. So spricht ^„Vorwärts" von höfischen Stimmungen und persönlichen Rivalitätskämpfen um die Macht und er glaubt, daß insbesondere Herr von Rheinbaben das Opfer eines solchen Kampfes geworden fei. Nach der Ansicht des sozialistischen Zentralorgans kann nur der Uebergang zum parlamentarischen Regierungssystem solchen persönlichen Ränken ein Ende beretten.
Wenn es sich auch bei den Ministerverände- . rungen der letzten Wochen nicht um persönliche Rivalitäten, sondern um den sachlichen Wunsch des Ministerpräsidenten, ein ausgesprochenes Arbeiterministerium zu schaffen, gehandelt hat, so rst gewtß zuzugeben, daß in anderen Fällen der Sturz eines Ministers manchmal ans Gründen persönlicher Rivalität erzeugt ist. So war es eispielsweise bei der Entlassung Miquels und bei der Posadowsky der Fall.
Ist es aber schlimmer, wenn ein Ministerpräsident einen gefürchteten Rivalen zu Falle bringt, als wenn, wie es in parlamentattsch regierten Ländern dutzendfach vorkommt, eine Anzahl ehrgeiziger Abgeordneter die Mnister stürzt, um selbst ans Ruder zu kommen? Wenn in par- lamentattschen Ländern die Minsstetten mir dann wechselten, wenn durch ungünstige Wahlen die bisherige Regierungspartei sich in di« Minderheitspattei verwandelt,, so liege die Sache noch anders. Das ist aber durchaus nicht der Fall. Wir haben es in Frankreich und noch mehr in Italien unzählige Male erlebt, daß während einer «nb derselben Legislaturperiode — also durch dieselben Abgeordneten — mehrere Ministetten gestürzt wurden. Wir erinnern nur an das Ministerium Crispi, das bei den Wahlen vom Winter 1891 eine «/, Majorität gestürzt wurde. Ein demokratisches Blatt, die „Berfiner Volkszeitung", hat neulich herausgerechnet, daß während der 22jährigen Regierungszeit des Deuffchen Kaisers 88 Minister und Staatssekretäre verbraucht worden sind. Es sollte doch einmal herausrechnen, wieviel Mnister in demselben Zeiträume in Frankreich und Italien verbraucht worden sind, obwohl, wenn wir die preußischen und die Staatssekretäre znsammen- zahlen, Preußen-Deutschland mehr Mnister Hai als diese Länder. i
Es kann also gar keine Rede davon sein, daß m,s parlamentarische Regiment eine größere Stetigkeit in den hohen Staatsstellen und eine größere Sachlichkeit bei der Ernnenung oder der Entlassung der Minister gewährleistet. Selbst,
ZurSämmann-Feier.
" Robert Schumanns Szenen aus ' Goethe's Faust. I
von Professor Dr. G. Jenner
Hi.
C>anz anderes Kolorit trägt die Todes Sr-n- I Mephistos Trompeten-Ruf Engt, die Lemuren ^en herbei. Ihr Graben malt der Komponist I Mäh /UrtfiÄvkAuü L... ihre „neckt- I
®er ^nifch kichernde Flöten,
^bst >st zweistimmig gesetzt für Al, Scnor, die eigentümlich herbe Klangfarbe — I M^ewtönw^E^ter im Parsifal auch benutzt - bie eintönige schwermütige Melodie sind unae- I
D-?Mnd. ÄKS dan?bö?dt- ^'ter grabenden Lemuren; »ann hort die staccato-Figur aus: das Werk der I ndThnn" sm erti8: ^""st's Empfindung steigert I «ustand 2n,C"VU ^oment' er gerät in einen Begeisterung - da sinkt er um. »«an achte auch hier auf das Orchester In den I durchaus" de^"5" Mepchistos folgt Seemann bur$ou3 der Intention Goe'hes: Selbst Mephisto scheint ergriffen zu sein. Kein Wott des Hohnes I oder Spottes mehr, es klingt aus seinen Motten I Ast ein Ton des Mitleids. Bei der Wette die I
Uhrf ^geschlossen hat, hieß' es:
„Die Uhr mag stehn, der Zeiger fallen " Dessen I ennnert sich nun Mephisto: „Die Uhr steht N ^7 ber Chor fällt ein, wie bei Goethe: „Steht I
Sie schweigt wie Mitternacht. Der Zeiger 2®*' Mephistopheles: Er fällt, es ist vollbracht. I Bei Goethe fährt dann der Chor fori: „Es ist I »orbei , und bei biefem Wotte finbet Mephistophe- | le» seine wahre Natur «nb Kraft wieder. Schu- j mann laßt den Chor Mephistos Wotte: „es ist I vollbracht" abschließend wiederholen und streicht •