45. Jahrg.
Zweites Blatt
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Kaiserkrone hatte überreden lassen, unter den Kugeln der mexikanischen Rebellen das Leben aushauchte, nachdem alle von seiner verzweifelten Gattin an de« europäischen Höfen, besonders in Paris, gemachten Rettungsversuche mißlungen waren. Wenig mehr als drei Jahre hatte die Regierung Kaiser Maximilians gedauert, als der 35jährige Fürst das Lebe» lassen mußte. Kaiserin Ltzarlotte stand damals im 27. Lebensjahre. ,
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Englische und deutsche Torpedoboote.
In der englischen Presse, zumal der Fachpresse, macht sich eine gewisse Beunruhigung geltend, ob die Leistungsfähigkeit der im Bau befirwlichen und neu vergebenen Torpedofahrzeuge tassächlich auf der Höhe stehen werde. Man weist darauf hin, daß trotz erheblich höheren Deplacements die Geschwindigkeit der englischen Boote bedeutend geringer sei als die der neuen deutschen. Diese hatten bei ihren Probefahrten Geschwindigkeiten von 33 und 34 Knoten mit Leichtigkeit erreicht, während die neuesten englischen weniger als 30 Knoten zu laufen bestimmt wären. Wenn nun
erhebliche Vergrößerung des Deplacements führt sich hauptsächlich auf die Erwägung zurück, daß ein größeres Fahrzeug bei schlechtem Wetter weniger an Geschwindigkeit einbüßt als ein kleines, und deshalb beunruhigt man sich in England jetzt über die Frage, ob die Geschwindigkeit der neuen deutschen Boote nur eine sogenannte Schön- wettergeschwindigkect ist, oder gar überhaupt nur auf dem Papier steht, oder ob sie andererseits in der Front und unter ungünstigen Verhältnissen tatsächlich durchgehalten werden kann. Ein anderer grundsätzlicher Unterschied zwischen den deut- schen und den englischen Booten besteht darin, daß die letzteren eine erheblich stärkere Artillerie, aber eine um ein Drittel schwächere Torpedoarmierung führen als die deutschen. Der Unterschied erklärt sich dadurch, daß der Haupwerwendungszwcck des deutschen Fahrzeuges der Torpedobootsangriff ist, während das englische seinen Namen als Zerstörer durch die Wirkung seiner Artillerie den deutschen Booten gegenüber erweisen soll.
J-m Gegensatz zu dem sprunghaften Vorgehen des englischen Torpedobootsbaues zeigt der deut- W eine konsequente und ruhige Stetigkeit bei diel geringerer Deplacementssteigenmg. Daß die Geschwindigkeit unferer Boote auf dem Papier stehe, brauchen wir nicht zu besorgen, denn in kerncr Marine ist der Entwicklung des Torpedobootes technisch und militärisch eine so große und so langjährige Sorgfalt gewidmet Korden, tote
Oie Gedächtnis ka pelle in Qucrebaro en dar Stelle WO KaiserAaxImitlen am IWewchoMtovneda.
Kunst und Wissenschaft.
# Weimar, 28. Juni. Der Großherzog den Bildhau r Gottlieb Elster als Professor den Bildhauer Gottlieb Elster als Professor schen Hochschule in Weimar berufen.
gerade in Deutschland; nirgends auch werden so hohe Anforderungen an Boote und Besatzungen gestellt.
Der 70. Geburtstag der von der Welt abgeschlossenen, in vollster Zurückgezogenheit lebenden, seit den Schreckenstagen von Quertaro geistig umnachteten Gemahlin des unglücklichen Kaisers Maximilian von Mexiko hat das Interesse für die Schicksalsschläge, welche die schwergeprüfte Frau trafen, wieder reger werden lassen. Am 19. Juni 1867 war es, als Maximilian Joseph, Erzherzog von Oesterreich, der sich durch Xopolee» zur Annahme der mexikanische«
tenden Vorträgen usw. Die Wichtigkett und Dringlichkeit dieser Aufgaben ist von weiten Krei- sen der Arbeiterschaft wie der Arbeitgeber anerkannt worden. So ist erst am 19. d. M. die „Deutsche Arbeitgeber-Zeitung" warm für dies« nationalen Aufgaben des Förderungs-Ausschusses eingetreten- indem sie betonte, daß bei Verwirklichung derselben die deutschen Arbeiter in keiner Hinsicht mehr auf die Sozialdemokratie angewiesen sein würden. Bekanntlich fängt ja die Sozial- demokratie die Arbeiter gerade mit den gewerkschaftlichen KasseneinrichMngen ein, um sie dann durch skrupellose Hetzarbett zu zielbewußte« Klasscnkämpsen zu erziehen. Die Erfolge der Sozialdemokratie bei den Nachwahlen zum Reichstage beweisen, daß die rote Flut wieder im raschen Steigen begriffen ist, um so mehr verdienen daher die Aufgaben des Förderungs-Ausschusses die von ihm erbetene nachhaltige moralische und materielle Unterstützung.
Marburg
Sonnabend, 2. Juli 1910
*J4eherMexi mißen und Kaiserin Charlotta von Aexiko (1467)
Hessen-Nassau und Nachbargebiete.
Homberg, 28. Juni. Am Sonntag fand hier die 12. Wanderversammlung des Obstbauvereins für den Regierungsbezirk Cassel statt. Nachdem der Vorsitzende des Vereins, Herr Oekonomierat Gerland, den Vorbericht erstattet hatte, begrüßte
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# Internationaler Kongreß für gerichtliche Medizin veranstaltet anläßlich der Weltausstellung Medikin veranstaltet anläßlich der Weltausstellung in Brüssel einen internationalen Kongreß für gerichtliche Medizin vom 4. bis 10. August d. IS., verbunden mit einer Ausstellung von medizinischen Instrumenten und Apparaten. Der Kvn- greßbeitrag beträgt 20 Fr.; Schatzmeister ist Dr. Häger-Gilbert, Brüssel, place Jean Jacobs 9. Generalsekretär, bei dem Vorträge und Mttellun- gen anznmelden sind ,ist Dr. C. Morexu, tue de la Gendarmerie 6, Charleroi. Kongretzsprache ist ftanzöstfch, in anderen Sprachen gehaltene Vorträge werden, wenn möglich, sofort in französischer Sprache resümiert.
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Vermischtes.
Bakterien aus dem Obst. Der Genuß von frischem Obst ist eine so eigene und wohltuende Note in der Harmonie des Sommers, daß er gewiß niemandem beeinträchtigt werden soll. Da-! bei läßt sich aber doch die Mahnung anbringen, daß man in diesem Genuß weniger leichtsinnig und hastig sein soll, was übrigens beides oft zusammenfällt. Ein großer Teil des Obstes wird jetzt nicht mehr auf Märkten und in Läden, son- dern bei den (»genannten fliegenden Händlern gekauft, und namentlich in der Hochsaison der Kirschen kann man es oft genug sehen, daß Leute mit einer ftisch erstandenen Tüte durch die Straßen schlendern und sich damit wohl sein' lassen. Ganz abgesehen von der gewöhnlich damit verbundenen Unmanier, glitschrige Kirsch- kerne auf der Straße zu deponieren, hat dies eilige Verzehen von Obst auch für den Genießenden selbst Gefahren. In einer Sitzung der Pariser Biologischen Gesellschaft haben zwei Forscher, Sartorh und Fillassier, die Ergebnisse ihrer bakteriologischen Untersuchungen an verschiedenem Obst kundgegeben, wie es in Vcrkaussständen, die nach der Straße geöffnet sind, und auch in den Körben und Fässern der Krämer feilgehalte« wird. Das nntersllchte Obst bestand aus Trauben, Erdbeeren, Kirschen und Johannisbeeren. Das fterilifierte Wasser, mit dem die Früchte ab- gewaschen wurden, enthielt eine hübsche Blutenlese von Bakterien, unter denen sich einige recht gefährliche Gesellen befanden, nämlich Eiterbazillen ans der Gruppe der Streptokokken und Staphylokokken, daneben allerdings auch harmlose tote der Heubazillus. Die Zahl schwankte «ach dem Reinlichkeitszustande der Früchte zwischen 68 000 und 3 200 000 im Kubikzentimeter. $etm' zweiten Waschen ergaben sich noch zwischen 7000 und 120 000 und nach der dritten Waschung immerhin noch zwischen 3000 und 27 000 Keime.,
auch die englischen Konstrukteure sich offenbar zum Ziel gesetzt hätten, einen Typ zu erreichen, der be- sondcrs seefähig und solide gebaut sei, so ließe sich der angedeutete Unterschied nur so erklären, daß die deutschen Boote zu leicht gebaut seien und auf die Dauer nichts leisten würden, ober aber daß bei dem englischen Zerstörer trotz des großen Deplacements nicht die unbedingt nötige Leistung herausgeschlagen würde. Me wäre es sonst möglich, daß ein deutsches Boot von 600 Tonnen bei ungefähr gleichen Pferdestärken viel mehr liefe als ein englisches von 900 Tonnen« Es wäre, so meint ein Fachblatt, sehr erwünscht, wenn die den Torpedobau als Spezialität treibenden englischen Wersten sich zu diesem Punkte äußerten, um so mehr, als einige erfahrene Torpedobootsbauer der Ansicht wären, daß man bei den neuesten Konstruktionsplänen englischer Torpedoboote die Geschwindigkeit viel zu niedrig gehalten habe. Gute Seefähigkeit sei sicher notwendig, aber Geschwindigkeit für Torp-dosahr- jeitge nicht weniger. England würde feine jetzige erfreuliche Uebermacht an Torpedofahrzeugen in kurzem einbüßen, wenn tatsächlich derartige Fehler gemacht worden wären. Die Admiralität .nüffe sich unter allen Umständen versichert halten, daß sie für den Kostenaufwand auch einen im Sinne des Wortes vollen Kriegswert eintaufche.
Tiefe Aeußerungen, welche, wie gesagt, nicht vereinzelt dastehen, sind interessant genug. Als nett können sie freilich nicht angesehen werden, denn England hat fchon feit einer langen Reihe bou Jahren viel mit feinen Torpedofahrzeugen experimentiert. In den ersten Jahren des Jahrhunderts stellte sich durch eine lauge Reihe von Havarien und teilweise schweren Unfällen herattS, daß d>e englifchen Boote jenen Fehler zu leichter Bauart befaßen, den man heute gerne den deutschen Bauarten zuschieben möchte. Daraufhin tourbe die Geschwindigkeit von Neubauten zugunsten soliderer Bauart erheblich herabgesetzt, erwies sich aber in der Praxis als enffchieden un- genügeud. Dann ging man zur Schaffung von zwei verschiedenen Klassen von Torpedobootszerstörern über, bereit eine mehr auf ben Küftcn- dicnst. bte anbere für den Hochseedienst bestimmt sein sollte. Seit dem Jahre 1907 hat man weniger als neun erheblich voneinander schiedene Typen gebaut und ist offensichtlich heute noch nicht im flaren, ob man sich auf richtigen Wege befindet oder nicht.
Der englifche Torpedobootszerstörer foll___
--esprochenermaßen vor allem in der Lage fein, die deutschen Hochseeboote während eines Krieges zu vernichten. Die Grundbedingung hierfür ist Natürlich eine entsprechende Geschwindigkeit auch , bei bewegter See und ungünstigem Winde. Die
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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
«nb ben Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) unb,Landwirtschaftliche Beilage
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Der Friede im Baugewerbe.
Halle, 30. Juni. Die ursprünglich nach dem Reichsamt des Innern eingeladene Konferenz zwischen den Führern der Zentralorganisattone« der Arbeitgeber und der ArbeiMehmer fand gestern hier statt. Auf ausdrücklichen Wunsch der sämtlichen Parteien wohnten die Unparteiischen, Geheimrat Dr. Wiedfeld-Berlin und Gerich-s- bireftor Premier-München, den Besprechungen als Verhandlungsleiter bei. ES wurden die In den einzelnen Bezirken noch bestehenden Differenzen grundsätzlich besprochen. Dabei wurde festgestellt, daß zwischen den FÜHrem der Zentralorganisation über die Durchführung der Verträge keinerlei prinzipielle Meinungsverschiedenheiten bestehen, ferner, daß die sämflichen Zentralorganisationen bisher alle Mittel zur Durchführung der Entscheidungen deS Schiedsgerichts angewandt haben und bis auf wenige Orte auch ein Erfolg erzielt wurde. Wenn in einzelnen lokalen Organisaiionen noch Schwte- rigteiten bestehen, so stehen diese in Widerstreit mit den Abmachungen der Zenttalorganisattonen und den Entscheidungen des Schiedsgerichts. DieS wird im Interesse bet Organisation unb bet Entwicklung bet Tarifverträge allerseits bebauert Aber auch in diesen Fällen ist angesichts der entschiedenen Haltung der sämtlichen Zentralorgani- ttonen In kürzester Frist eine Beilegung der Differenzen mit aller Bestimmtheit zu erwarten, lieber» einstimmend wurde feftgelegt, daß die örtlichen Verhandlungen Überall sofort aufzunehmen und so zu fördern sind ,datz die im Schiedsgerichte festgelegten Termine (8. und 9. Juni) tunlich eingehalten werden.
Politische Umschau.
Konkursstattstik.
Rach der vorläufigen Mitteilung des Kaiserlichen Statistischen Amts zur Konkursstattstik gelangten tm 1. Vierteljahr 1910 im Deutschen Reich 2883 neue Konkurse zur Zählung, gegen 3221 tm 1. Vierteljahr 1909. Es wurden 614 Anträge auf Konkurseröffnung wegen Massenmangels abge- toiefen unb 2269 Konkursverfahren eröffnet; von letzteren hatte in 1346 Fällen bet Gemeinschuldner die Konkurseröffnung beantragt. Beendet wurden im 1. Vierteljahr 1910: 1948 (1. Vierteljahr 1909 : 2046) Konkursverfahren, und zwar durch Schlußverteilung 1319, durch Zwangsvergleich 409, infolge allgemeiner Einwilligung 50 und wegen Massemangels 170. In 875 beendeten Konkursverfahren war ein Gläubigerausschuß bestellt. Von den 2883 neuen und den 1948 beendeten Konkursverfahren betrafen:
Herr Bürgermeister Löber die Mitglieder des Vereins und deren Gäste namens der Stadt Homberg. Hieraus folgte der mit viel Mühe zusammengestellte Vortrag des Herrn Winterschulinspektors Rehbock-Fritzlar „lieber den Stand des Obstbaues tm Kreis Homberg", welcher allgemeinen Beifall fand, lieber das Thema „Neuere Erfahrungen aus dem Gebiete" sprach sich der Geschäftsführer Herr Huber eingehend aus und bot sehr viel Interessantes; auch wurden über die Aufbewahrung des Obstes beachtenswerte Winke gegeben. Zum Schluß wurde noch mitgeteilt, daß hier im nächsten Jahre die Gartenbau-Ausstellung stattfinben soll, welche im Herbst für dieses Jahr in Eschwege geplant ist. (Homb. Krcisbl.)
Wiesbaden, 29. Juni. Das Schwurgericht verurteilte heute den aus Büttelborn bet Darmstadt gebürtigen und in Eltville wohnhaften Steinhauer Heinrich Jockel, der am Abend des 23. Januar d. Js. auf feine Ehefrau mehrere Re- volverfchüsse abgegeben und von Lenen einer ein« erhebliche Verletzung am linken Auge zur Folge hatte, wegen fahrlässiger Körperverletzung unter Zubilligung mildernder Umstände zu sechs Monaten Gefängnis. Die Anllage lautete auf Totschlagsversuch.
Der Förderungs-Ausschuß
zu Berlin übersendet uns einen Aufruf zum Abdruck, auf den wir unsere Leser hie.'ourch besonders aufmerffam machen. Die Aufgaben des genannten Ausfchußes bilden eine wertvolle und notwendige Ergänzung der Zwecke des „Reichs- Verbandes gegen die Sozialdemo kratte". Während der Reichsverband den politischen Kampf gegen die Sozialdemokraten führt, widmet sich der Förderungs-Ausschuß der Wohlfahrtspflege der nichtsozialdemokratti schen Arbeiter. Geeignete Arbeitervereine folle« den nationalen Arbeitern Schutz gegen den roten Terrorismus gewähren, und biefen Vereinen soll es ermöglicht werden, daß sie ihren Mitgliedern mindestens die gleichen Vortelle bieten, tote die ähnlichen sozial- demokrattfchen Organisationen. Hierzu gehört di« Bildung von Kranken- und Sterbekassen, Spar- und Darlehnskassen, Baugenossenschaften, di« Einrichtung von Büchereien und Lesezimmern, die Veranstaltung von belehrenden und unterhal-
Die Jnserttonsgebühr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7gewaltene Zelle ober deren Raum 15 g, für auswärtige Inserate 20 g, für Reklamen 40 i. — Druck unb Verlag: Joh. Aug. Koch, Universttats-Buchbruckerei, Inhaber Dr. G. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
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(Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
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