Einzelbild herunterladen
 

Sonn- und Feiertage. — 3 1? 159 jährlich durch die Post be;

linieren QpHiinnattplTpn nnl

45. Ialirg,

Marburg

Sonnabend, 2. Juli 1910.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen: »Mach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbellage) und Landwirtschaftliche Beilage.

Die Jnsertionogebübr beträgt für Inserenten au« dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7gefnaltene Zeile oder deren Raum 15 4, für auswärtige Inserate 20 g, für Reklamen 40 4. — Druck und Verlag: Ioh. Aug. Koch, Universttäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 2L — Telephon 55.

Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 M (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen und der Erpedition (Markt 21), 2,00 M. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

Ernes Blatt.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 53.

&£■"■»'! ' ' ____________

- Bestellungen

für das dri tte Quartal 1910

«ms die „Oberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedi­tion (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt, Wetter, EbS- dorf, Hachborn, HeSkem-Mölln, Lei- denhofen, Dreihausen, Wittelsberg, Niederweimar, Niederwalgern, Damm und Lohra sowie von allen Post- anstalten und Landbriefträgem entgegengenom­men.

Heber den Ertrag der durch die Reichs­finanzreform geschaffenen Steuer

wird mitgeteilt: Die Einnahmen aus den durch die Reichsfinanzreform von 1909 eingeführten und abge­änderten Steuern haben sich in den beiden ersten Mo­naten des laufenden Rechnungsjahres überwiegend nicht günstig entwickelt. Ein über den anteiligen ktatsdurchschnitt hinausgehender Ertrag ist nur zu verzeichnen bei dem Stempel von Wertpapieren und vewinnanteilschein- und Zinsbogen in Höhe von 1,8 Millionen und bei dem Stempel von Grundstücks- Sbertragungen, der bereits im Rechnungsjahre 1909 den auf Grund des Nachtragsetats vorgesehenen An­schlag um 9,7 Millionen M überschritten hatte, in Höhe von 3,4 Millionen JC Dagegen hat Me Ent­wicklung der Zölle in beiden Monaten erheblich enttäuscht. Die April-Einnahme blieb um 8,1 Mill., die Mai-Einnahme um 5,6 Millionen gegen den Etatsansatz zurück. Während hier von April auf Mat eine Besserung eingetreten ist, hat fich bei der Branntweinverbrauchsabgabe die rückläufige Ent­wicklung noch verschärft: der Fehlbetrag gegenüber dem Etat betrug im April 3,5 Millionen, im Mai 6,5 Millionen <«. Damit sind aber auch die erheb­lichsten Ausfälle genannt. Allerdings erscheint auch die Vrausteuer mit einem Minus von 4,3 Millionen ««, aber der Fehlbetrag gegenüber dem Etat, der im April 3,7 Millionen betragen hatte, ist im Mai auf 0,6 Millionen zurückgegangen, und eine weitere Besserung dürfte bei dieser Abgabe mit Zuversicht zu erwarten sein. Alle übrigen Ausfälle bewegen sich um den Betrag von einer Million M. Bei der Tabak­steuer fehlten im April 0,3 Millionen, im Mai 0,4 Millionen, bei der Zigarettensteuer im April 0,2 Millionen, im Akai 0,1 Millionen, bei der Esfigsäure- verbrauchsabgabe in beiden Monaten 20000 M. bei der Schaumweinsteuer im April 50 000 JH, im Mai

28 (Nachdruck verboten.)

Kantate.

Von Anny Wothe. l Fortsetzung.)

Sie trug eine lichtgelbe Gazerobe, ganz von matrschimmernden Perlen und Brillanten über­rieselt. Dazu brennend roten Mohn an den Schul­tern, zwei große Blüten in dem nachtschwarzen Haar über den kleinen rosigen Ohren, in denen große Brillanttropfen blitzten.

Ein Schauer rann plötzlich über Karle.ns Leib, als ihr Blick den seltsam lauernden schwar­zen Augen der schönen Frau begegnete. Eine Sa­lome, voll gesättigter Grausamkeit und lechzender Begierde. Jetzt wandte sich die Fremde lächelnd dem hinter ihr sitzenden Herren Bankier Landheim und Karleens Bruder, Hans Jürgen zu und einj heiße Angst quoll plötzlich in dem jungen Mäd­chen empor. Wer war die schöne seltsame Fremde von der ihr Etta schon neulich gesprochen? Auch der König wurde jetzt aufmerksam, aller Augen waren auf die Loge gerichtet, die Sorka Petöfi und Camilla Landhcim einnahmen.

Zögernd wandte sich Karleens Blick, fast scheu streifte er die Ecke, wo der Fremde saß, und da gewährte sie voller Schrecken, daß er die Augen groß, glühend, fast drohend auf die schöne Frau gerichtet hielt und sein Antlitz bleich war, toten­bleich.

Das Zeichen des Beifalles, das König Fried­rich August lächelnd gab, riß das Publikum zu tosendem Applaus hin.

Karleen war froh, daß die Pause kam, die sie «us dem Bann der dunklen Augen befreite. Eiligst

0,2 Millionen «M, bei der Zündwarensteuer im April und Mai je 0,2 Millionen, bei der Leuchtmittelsteuer im April 0,7 Millionen, im Mai 0,6 Millionen, bei der Wechselstempelsteuer in beiden Monaten 0,1 Mil­lionen, beim Scheckstempel im April und Mai je 0,3 Millionen. Selbswerständlich dürfen weder wegen der Gesamtergebnisse, noch wegen der Ausfälle im einzelnen die neuen Steuern allein verantwortlich gemacht werden. Auch in der Gruppe der alten Ein­nahmequellen stehen Etatsüberschreitungen neben Mindererträgen. Letztere z. B. bei dem Stempel von Lotterielosen mit 1,7 Millionen, bei dem Personen­fahrkartenstempel mit 0,7 Millionen, bei der Salz­steuer mit 0,4 Millionen M. Ein Eesamturteil kann, da in den verschiedenen Monaten verschiedenartige allgemeine Umstände auf die Gestaltung der Einnah­men aus Zöllen und VerbrauKssteuern einzuwirken pflegen, auf eine den kurzen Zeitraum von zwei Mo­naten umfasiende Entwicklung überhaupt nicht be­gründet werden. Die Zölle, deren Ertrag bereits im Mai eine leichte Besierung gegenüber dem April auf- weist, können den bisherigen Ausfall wohl noch wie­der einbringen. Geringer, in Anbetracht des bis­herigen Ausfalles von fast 50 v. H. gegenüber dem Etatsanschlag, scheint die Aussicht zu sein, daß di« neue Branntweinverbrauchsabgabe den veranschlag­ten Ertrag von 180 Millionen <M. erricht. Da di« Branntweinsteuer die einzige Ueberweisungssteuel für die Einzelstaaten ist, würde ein solcher Fall, wenn et einträte, die einzelstaatlichen Interesien nicht unberührt lasten. Im übrigen wird man von den neuesten Steuern sagen können, daß fich die Leuchtmittelsteuer und der Scheckstempel bisher wenig günstig entwickelt haben, daß die Zündwarensteuer den Erwartungen, die allerdings im Vergleich zu denursprünglich im Reichstage geäußerten Schätz­ungen erheblich ermäßigt find, im wesentlichen ent­sprochen und daß der Stempel von Erundstücksüber- tragungen die gehegten Erwartungen übertroffen hat.

Deutsches Reich.

— Der Kaiser in Kiel. Kiel, 30. Juni. Der besichtigte den neuen Panzerkreuzer „von der Tann". Im Anschluß daran nahm der Kaiser die Abmeldungen des Staatssekretärs von Tirpitz, des Marineattach^s Kapitän zur See Starke und des Korvettenkapitäns Widmann entgegen. Um 12% Uhr empfing der Kaiser den Professor für deutsche Literaturgeschichte und Direktor des Ger­manischen Museums an der Havard-Universität zu Cambridge Dr. Francke, ferner den Gesandten von Brekert vor seiner Ausreise nach Chile und um 1 Uhr den Finanzminister Dr. Lentze. — Der Kaiser stellte den Großherzog von Oldenburg st la snite Marine. — Zur heutigen Abendtafel an Bord der „Hohenzollern" ist Mr. Cochran, der Besitzer der Jacht „Westward" geladen.

— Kiderlen-Wächter und der Kaiser. Die be­vorstehende Ernennung des Gesandten in Bukarest, Herrn v. Kiderlen-Wächter, weckt allerlei Erin­nerungen. Es gab eine Zeit, wo man dem be­gabten Diplomaten prophezeien zu können glaubte, er werde sich mit fünfzig Jahren die Boffchaster-

stand sie auf, um das Foyer zu gewinnen. Ute vermochte kaum so schnell zu folgen. Etta flatterte schon draußen auf den Gängen mit ihren Freundinnen gleich einer aufgescheuchten jungen Vogelschar umher.

Langsam nur kamen Karleen und Ute in dem Gedränge vorwärts. Alles strömte in das mit Blumen geschmückte Foyer, wo der König Cercle hielt.

Die hohe, weiträumige Wandelhalle mit den aufstrebenden Marmorsäulen und den herrlichen weißschimmernden Marmorbüsten der Meister der Töne war schon dicht gedrängt voll von einer neu­gierigen Menge, die sehen wollte, wie der König Tee trank, und sich in der ihm eigenen liebens­würdigen Art unterhielt. Mder Willen waren die beiden jungen Mädchen auch in den Saal ge­drängt worden, ohne daß es ihnen möglich war, den Kreis, der sich fast bis zur Mitte in unmittel­barer Nähe des Königs und seines Gefolges vor­geschoben hatte, zu durchbrechen. Jetzt sah sie aber Milla Landheim und die schöne Fremde plötzlich von dem König in ein Gespräch gezogen.

Meder kroch eine heiße Angst zu Karleens Herzen.

Hatte es wirklich Milla bei chrem Bruder durchgesetzt, daß er sie und die schöne auffallende Fremd« in den Kreis führte, um der Eitelkeit der Frauen zu schmeicheln? Es war doch sonst nicht Hans Jürgens Art Jetzt zog der König auch Hans Jürgen ins Gespräch und auch zu ihrer Mutter, deren „Grauseidenes" von da drüben herüber gleißte, sprach er anscheinend einige freundliche Worte.

Da sah sie, wie der junge Dichter Erik Lund- green, sich mühsam einen Weg bahnend, grüßend

(posten aussuchen können; nun hat er zehn der besten Jahre seines Lebens auf dem verhältnis­mäßig unbedeutenden Gesandtenposten in Bukarest versitzen müssen, nicht weit jenem berühmte« Tomi, in dem einst Ovid die Ungnade seiner Augustes zu büßen hatte. Aber der Augustes, dem Kiderlen sein Tomi zu verdanken hatte, ist an­scheinend milder und hat ihn offenbar Wicker in Gnaden ausgenommen. Hebet den Grund dieser Ungnade erzählen sich aber Eingeweihte folgendes Geschichtchen: Kiderlen begleitete den Kaffer als Vertreter des Auswärttgen Amts auf einer Reise. Der Kaiser hatte sich über jemand geärgert und sandte ihm ein sehr ungnädiges Telegramm. Kiderlen hätte es zu besorgen. Rach ein paar Stunden tat dem Kaiser die Schärfe seines Tones leid und er sagte zu Kiderlen, er möge ein zweites Telegramm auffetzen, durch das die Unfreundlich­keit des efften wettgemacht würde. Kiderlen meinte, das würde gar nicht nöttg sein, er würde die Sache schon zur kaiserlichen Zufriedenheit in Ordnung bringen. Der Kaiser schien zufrieden und fragte später einmal Kiderlen, wie er denn die Sache gemacht hätte; „ich habe das erste Tele­gramm nicht abgeschickt, Majestät!" war die Ant­wort. Dem Kaiser war,s gewiß sehr angenehm, aber Kiderlen wurde es sehr unangenehm, daß er die Vorsehung hatte spielen wollen.

— Bundesrat. Berlin, 30. Juni. Der „Reichs­anzeiger" meldet: In der gestern unter dem Vor­sitze des Staatsministers und Staatssekretärs des Innern Delbrück abgehaltenen Plenarsitzung deS Bundesrats fanden die Vorlage betreffend Aus­führungsbestimmungen zum Gesetz über den Ab­satz von Kalisalzen und die Vorlage betreffend den Entwurf einer Verordnung zur Ausführung der rebibiertcn Berner Uebereinkunft zum Schutze von Werken der Literatur und Shrnft Annahme. Ebenso wurde den Entwürfen einer Vorlage be­treffend die Aeuderung der Verordnungen über Tagegelder, Fuhrkosten und Umzugskosten der Reichsbeamten, einer Vorlage betreffend die Aen- derung von Bestimmungen zur Ausführung des Weingesetzes, dem Antrag Preußens betreff nd die Prüfung von Dreimarfftücken in Form von Denkmünzen zur Feier des 100jährigen Bestehens der Universität Berlin, sowie dem Entwurf von Bestimmungen über die Zulassung von Wert­papieren zum Börsenhandel zugestimmt. Ferner wurde die Vorlage wegen Aeuderung und Er­gänzung der Weinzollordnung angenommen, ebenso der Entwurf einer Vergütungsordnung für Tabak usw. und die Vorlage betreffend die Aen- derung der Grenzen des hamburgischen Frei- hafengebiets.

— Taufe eine» neuen Linienschiffes. Danzig, 30. Juni. In Anwesenheit des Grotzherzogs von Oldenburg, der Prinzessin Eitel Friedrich von Preußen, des kommandierenden Generals von Mackensen, des Oberpräsidenten von Jagow ,deS Oberwerftdirektors Freibern von Schimmelmann, des Vizeadmirals Capelle vom Reichsmarineamt und sonstiger Vertreter der staatlichen und städti- schen Behörden fand beute mittag der Stapellauf des Linienschiffes „Oldenburg" statt. Die Taufe vollzog Prinzessin Eitel Friedrich von Preußen; die Taufrede hielt der Großherzog von Olden­burg. Der Feierlichkeit wohnten auch die Mit-

an Utes Sette trat. Karleen konnte nicht ver­stehen, was sie sprachen, aber das gleiche Glücks- leucbten lag in beider Augen.

Und plötzlich war es Karleen, als würde ihre Hand erfaßt.

Erschreckt wollte sie sich umwenden, da flüsterte eine Stimme heiß an ihr Ohr:

„Sehnsucht ist Qual! Wenn sie nachher bett Tönen lauschen, die diese drei Worte in allen See­len wiedergeben, so werden sie vielleicht begrei­fen, daß viele Herzenswege dunkel sind. Mein Schicksal liegt in Ihrer Hand, nach Ihrem Mtnsche Wick es sich erfüllen."

Karleen hatte nicht den Kopf gewandt We unter einem Zwange stand sie, ohne sich zu rühren.

„Was wollte der Fremde. Fürchtete er noch immer, sie könnte ihn verraten?" Ein Zittern lief durch Karleens Gestalt. Wie eine Verbrecherin kam sie sich vor. „War sie nicht miffchuldig, wenn sie schwieg, wenn sie es vielleicht ruhig geschehen ließ, daß der Fremde in der Leipziger Gesellschaft Eingang fand."

Erlösend tönte der Klang der Glocke da­zwischen. Die Pause war zu Ende, und der zweite Teil des Konzertes, die Schumanusche un­vollendete Symphonie begann.

Karleen wandte sich, dem jungen Dichter mit dem dunkelblondem Gelock nur flüchtig grüßend und Uie zurücklassend, eiligst und schob sich wie von Angst gehegt, durch den Menschenstrom. Aber immer war es ihr, als folge ihr wie ein Schat­ten die hohe düstere Gestalt des Fremden. Sie hätte laut auffchreien können, und doch wagte sie nicht noch einmal den Blick rückwärts zu wenden.

Befreit ausatmend trat sie endlich in ihre Loge.

fllieber der zurzeit hier tagenden 51. Hauptver­sammlung des Vereines deuffcher Ingenieure bet.'

— Dementi. Berlin, 30. Juni. Die „Nockd.^ Allfl. Ztg." schreibt: In einem Teil der Presse ist die Nachricht verbreitet, die preußische Regie­rung hätte die vom Großherzog von Baden be­sichtigte Verwahrung beim Vatikan gegen die Enzyflika hintertrieben. Sechs von den evangeli­schen Fürsten, so wird weiter gesagt, hätten sich dem Wunsche Preußens um des lieben Friedens willen gefügt. — Wir stellen fest, daß an diese« Behauptungen kein wahres Wort ist.

Ausland.

** Geständnis Graf Ungern - Sternbergs. Petersburg, 29. Juni. Der unter dem Verdacht der Spionage verhaftete österreichische Journalist Graf Ungern-Sternberfl hat jetzt ein volles Ge­ständnis abgelegt, nachdem das vorgefundene Be­weismaterial geradezu erdrückend geworden ist., So geht aus seinem Notizbuch hervor, daß er aus, Oesterreich für das inzwischen eingegangene Abendblatt „Weffcherni Golos" monatlich tausend Rubel Unterstützung erhielt, ferner bekam et monatlich 150 Rubel für Nachrichten über Rc- krutenkontigente usw. Ebenso wurde bei ihm ein Geheimbericht aus der Reichsduma vorgefunden,j und Beweismaterial dafür, daß er mit Beamten, der österreichischen Kundschaftsbureaus in Ver­bindung gestanden hat. Weitere Verhaftungen, darunter auch solche von Frauen, stehen bevor, da-, gegen ist die Meldung falsch, daß der österreichisch« Militärattache kompromittiert sein soll und dem­zufolge Petersburg verläßt; deffelbe weilt viel­mehr seit Wochen in Men und hat mit der Affäre nicht das geringste zu tun.

** Franzose« und Marokkaner. Paris, 30., Juni. Der Tangerer Berichtefftattrr des „Matin"' meldet: Die kriegerischen Ereignisse im Tadla-' Gebiet hätten auf El Mokri einen sehr nieder- schlagenden Eindruck gemacht. El Mokri erklärte, er habe sich fett feiner Rückkehr nach Tanger zur Aufgabe gemacht, die Freundschaft MaroKos mit Europa durch die Erfüllung aller billigen Forde-' rungen noch enger zu gestalten. Im Augenblick,, wo er dieses Ziel erreicht zu haben glaubte tour«, den die französisch-marokkanischen Beziehungen von neuem durch unvorhergesehene und ernste Zwischenfälle gestört. Der Sultan habe die von ihm in dem letzten sranzösischwiarokkanischen Ab-, kommen übernommene Verpflichtung, dem Agi­tator Ma el Ainin den Aufenthalt in Marokko zu untersagen, nicht mti einem bloßen Sendschreiben an die Stämme des Südens erfüllen können. Ma ei Ainin genieße als Marabnt in Marokko ein«! große Verehrung und könne deshalb ohne Er­laubnis in Marokko umherziehen, um Gaben z«' sammeln. Der Machsen müßte, um Ma ei Ainin beizukommen, erst mit den unruhigen Stämmen; des Südens verhandeln. El Mokri fchloß vor­wurfsvoll mit der Erklärung, er habe nach Fez gehen wollen, um mit dem Sultan übet die Ang«-' legenheit Ma el Ainins zu verhandeln, aber man habe ihm nicht die Zeit dazu gelassen.

** Zum Untergang bet „Pluviofe". Paris, 30. Juni. (Kammer.) Millevoye richteet an de«!

Angstzitternd suchten die großen, blauen Augen den Platz des Fremden. Er blieb leer.

Karleen sah nicht, daß der Gesuchte sich im Hintergrund einer Loge der zweiten Gallerte, zu­rückgezogen hatte und unverwand zu ihr hetnie- de/ sah. Und doch fühlte sie seinen 'rennenden Blick voll bebender Angst und während die herr­liche Symphonie Schumanns an ihrem Ohr vorüberrauschte, zitterte es wie ein Traum durch ihre Seele:

„Sehnsucht ist Qual."

8ta allen Tonarten tauschte es dort vor ihr auf/mlt allen Varitationen, das große, das einzig' schöne Lied der Sehnsucht und still und immer stiller wurde ihr aufgeregtes Herz.

Das Konzert war zu Ende. Der Rausch, der Königsrausch war vorbei.

Ernüchtert riefen die Männer vor den Glas­türen des Kewandhaufes nach ihren Wagen, beb-" ten die schönen Frauen fröstelnd in der leichten Kleidung zufammen. <

Nur in Utes braunen Augen barg sich ein strahlendes Glück, als sie in den Wagen schlüpfte. !

Erik Lundgreen stand, den Hut in der Hand, am Wagenschlag.

„Wollen Sie mit uns fahren?" fragte betj Kommerzienrat gönnerhaft den jungen Dichter.

Erfreut fchwang er sich in den Wagen und di«! Kommetzienrätin dachte gutmütig: „Du liebet Gott, der arme Kerl! So'n Dichtet! Er Wick Hunger haben," und sie beschloß, ihn großmütig auszusockem, noch eine Tasse Tee bei ihnen ein­zunehmen. ..

(Fortsetzung folgt.) !