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WHM Jeilmg mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain xnd den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Fandwirtschastliche Beilage."

45. Jahrg.'

Zweites Blatt

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zer-j wir aus

DieOberhessische Zeitung" erfcheint täglich mit Ausnahme der ' ~ ' Der Bezugspreis beträgt viertel-

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ist, denn wir haben im Gegensatz zur alten Welt die moderne Arbeiterbewegung. Diese Bewegung gibt dem Arbeiter Freiheit. In diesem Zusammenhang erörterte B. ein Ideal eines Zustandes, in dem bei­spielsweise über Eintritt und Austritt von Gehilfen in einem Fabrikbetrieb nur die Gehilfen­organisationen zu entscheiden haben. Im übrigen merkte man von seiner Zugehörigkeit zur sozialdemo­kratischen Partei wenig, außer daß die ganze einsei­tige Zuspitzung der Frage und Antwort auf die mo­derne Arbeitsbewegung natürlich nur von einem Anhänger dieser Partei herrühren kann. Der ganze im einzelnen nicht uninteressante Vortrag litt unter dieser Einseitigkeit, die von vornherein diese Ant­wort erwarten lieh. Kein Wort hörte man vom Chirstentum, dessen grundlegende Wertung der ein­zelnen Menschenseele doch bereit» im Altertum der Sklaverei den Todesstoh versetzte. Kein Wort auch von den religiösen und sittlichen Kräften, die wenig­stens in unserm Volke doch Gott sei Dank noch vor­handen sind und als wesentliche Hemmnisse für einen allgemeinen Niedergang der neueren Kultur in Be- tracht kommen trotz aller Degenerationserschein­ungen einer vorhandenen Ueberkultur. Wir erkennen die Bedeutung einer Arbeiterbewegung, die allen Schichten der Bevölkerung ein menschliches Dasein sichern will, für die allgemeine Kultur vollauf an, aber neben ihr gibt es doch noch wichtigere innere kultur- fördernde Faktoren. Inwiefern die Arbeiter­bewegung, soweit sie sozialdemokratisch ist, an dem. Ruhm kulturfördernd zu sein nicht teilnimmt, können wir heute nicht ausführen. Jedenfalls ist sie nicht dazu angetan, die vorhandenen sozialen Gegensätze zu mildern, ja sie will es garnicht einmal. Sie arbeitet ja bewuht auf den Kladdera­datsch" los, von dem freilich derRevisionist" Bern- ktein nichts wissen wollte.

Versammlungen, Äeiyette, Theater, Vergnügung*« Nachri chtem niw.

Eommertheater Marbach. Heute Abend «>W das vieraktige Schauspiel JDte Waise aus Lowood mit Frl. Wolters in der Titelrolle, aufgeführt. I» den übrigen Hauptrollen sind die Dame» Steg« ww

Marburg

Freitag, 1. Juli 1910.

Deutsches Reich.

Der Kaiser über die Frage: Hat Jesus gelebt? Der Kaiser nahm bei dem von ihm auf derHohen- zollern" am Sonntag abgehaltenen Gottesdienst, wie schon kurz gemeldet, Stellung zu der gegenwärtig aktuellen Frage:Hat Jesus gelebt?" Der Kaiser, der über Lukas 23, Vers 44 und folg, sprach, bejahte die Frage unter Heranziehung von Matthäus 27, Vers 34 und Markus 15, Vers 39 als Beweisstücke, in denen der Hauptmann und seine Kriegsknechte von dem am Kreuz Gestorbenen sagten:Wahrlich, dieser ist Gortes Sohn gewesen." Indem der Kaiser diese Kriegsknechte den Mannschaften als Beispiel hin­stellte, forderte, er die Teilnehmer am Gottesdienste, unter denen sich auch der Reichskanzler befand, auf, gleich ihnen an Jesum zu glauben, denn Jesus habe gelebt.

Adelsverleihung. Berlin, 28. Juni. Der König hat dem Beigeordneten der Stadt Elberfeld August Frowein den Adel verliehen.

Zur Verabschiedung de» Fürsten Radoli«. Ber­lin, 29. Juni. DieNorddeutsche Allgemeine Ztg." veröffc Glicht nachfolgendes Handschreiben des Kaisers an den Fürsten Radolin: Lieber Fürst Radolin! Es mir ein Bedürfnis, Ihnen anläßlich Ihres Aus­scheidens aus dem Reichsdienste meinen kaiserlichen Dank auszusprechen für die ausgezeichneten Dienste, die Sie während einer nunmehr 47jährigen amtlichen Tätigkeit meinen Vorfahren, mir und dem gesamten Vaterlande leisten. Als Botschafter in Konstanti­nopel, Petersburg und Paris gelang es Ihnen, das Wohlwollen der Monarchen, die Achtung der Regie­rungen, wo Sie beglaubigt waren, in so hohem Grade zu erwerben, daß Sie in der Lage waren, meine Po­litik und die Interessen des Vaterlandes erfolgreich zu vertreten. Indem ich Ihnen, lieber Fürst, als Beweis meines Wohlwollens die Brillanten zum Kreuz der Eroßkomture des königlichen Hausordens Hohenzollern verleihe, deffen Insignien Ihnen dem­nächst zugehen werden, spreche ich die Hoffnung aus, daß es Gott gefalle, nach einem arbeitsvollen Leben Ihnen die wohlverdiente Ruhe noch durch lang« Jahre zu gewähren. Kiel, 27. Juni. Wilhelm.

Der neue Finanzminister und der Kur, der Etaatspapiere. In der Herrenhaussitzung vom 16. Juni führte der frühere Oberbürgermeister Lentze bei dem Angttff des Herrn v. Ewinner gegen Frhr. von Ryeinbaben aus:Schuld an dem niedrigen Kurs­stand unserer Staatspapiere ist die Konvertierung von 1897 gewesen. Bis dahin hatten unsere Staats­papiere einen sehr guten Kurs und wurden gern und viel gekauft. Durch die Konvertierung kam Miß­trauen gegen die Staatspapiere in das Publikum. Die Leute wurden gezwungen, weil sie die vier Pro­zent Zinsen nicht entbehren konnten, schlechtere, aus­ländische Papiere zu kaufen, und diese Gewöhnung hat angehalten. Nur eine bündige Versicherung der Regierung, daß auf eine Konvertierung nicht mehr

kr-mmandierung einer Anzahl Herren in den hin-, teren Laufgang brachte keinen Auftrieb der Spitz:.! Näher und näher kamen wir den Feldern. Eins Rascheln und Knistern ,ein Endchen Hochwald­fahrt, dann stieß dieDeutschland" nicht gerade unsanft, aber für uns im hinteren Laufgang doch sehr bemerkbar auf. Wir standen zwifchen oens Aluminiumrippen des Schiffes oder saßen dem Boden und merkten an den durch die

Eduard Bernstein

der bekannte sozialdemokratische Schriftsteller, sprach gestern Abend auf Einladung derFreien Studenten­schaft" über das ThemaWohin steuett unsere mo­derne Kultur". Der Saal des Hotels Freidhof war dicht gefüllt, namentlich waren auch viele Partei- genosien Bernsteins erschienen. Der Redner ent­wickelte einleitend sehr ausgedehnt, daß wir unter dem Begriff derKultur" nicht nur die Höhe der äußern Zivilisation einer Zeit, sondern auch ihren inneren Stand, ihr Ethos, begreifen im Gegen­satz zu anderen Völkern. Alle Kultur ist nach ihm von dem Begriff der Freiheit unzertrennlich. Des weiteren ging der Redner auf geschichtsphilosophische Fragen ein und stellte fest, daß die äußerst entwickelte Kultur der alten Welt daran zu gründe gegangen sei, daß sie auf dem System der Sklaverei aufgebaut sei. Von der modernen Zivilisation sang V. zunächst ein Loblied, wie herrlich weit wir es doch gebracht haben im Verkehrswesen, in der Vervielfältigung von Druckschriften usw. Dann aber stellt er dem die Schattenseiten dieser Zivilisation gegenüber. Er fand sie, und wir können ihm da unbedingt folgen, in der durch das Hasten nach Erwerb bedingten Oberfläch­lichkeit. Die Qualität hat sich überall verschlech­tert. Was an Breite der Ausdehnung gewonnen, ist an Sorgfalt in Tiefe verloren gegangen.

Was B. in diesem Zusammenhänge von der Presie sagte, war richtig. Mit spaltenlangen Berichten über die einzelnen Aussagen der Zeugen im Allensteiner Prozeß, die eine wirkliche Bedeutung überhaupt nicht hätten, sei das Publikum z. B. wochenlang gefüttert worden. Aus eben diesem Grunde haben wir auf eine Berichterstattung über den Prozeß verzichtet und uns auf kurze Angaben über den Verlauf beschränkt, um jetzt natürlich über die entscheidenden Schlußtage in weiterer Form zu berichten, Heber die Oberfläch­lichkeit des Publikums und der dadurch bedingten Vielseitigkeit" der Presse ließe sich gewiß manches Wort noch sagen, die Dinge liegen hier doch nicht so einfach, wie man nach B. annehmen sollte.

Auch dem kann man zusttmmen, daß B. die Land­flucht als den Kern der Agrarfrage bezeichnete und es bedauerte, daß heute das Land immer weniger Eigenkultur noch besitze. Das Anwachsen d« Eroß- stadtzentren betrachtete B. gleichfalls als Schaden und der überall sich zeigenden Abnahme der Geburten müßten alle Sozialpolittker die ernsteste Aufmerk­samkeit widmen.

Der Frage, wohin steuert die modern« Kultur, ständen viele sehr skepttsch gegenüber. B. glaubt, daß di« Sorg« um die Zukunft unserer Kultur unnötig

riffene Hülle eindringenden Sennen, daß unten" waren. Einer der Monteure, der ..... der Gondel absprang, um das Schiff zu erleich­tern, büßte seinen Opfermut mit Quetschungen und wurde mit einem requirierten Automobil

zu rechnen ist, wird wieder Sicherheit in das Land bringen und größere Kauffreudigkeit Hervorrufen. Es müßte eine gesetzliche Sicherheit gegeben werden, daß eine Konvertierung nicht wieder eintritt." Man wird ihm darin beisttmmen können.

«lsaß-Lothringe». Straßburg, 29. Juni. Der Statthalter Graf von Wedel wird am kommende« Freitag Abend die Reise nach Schweden zu seinem gewohnten Sommerurlaub antreten; am Samstag wird er sich in Berlin aufhalten und voraussichtlich mit dem Reichskanzler eine Besprechung über die Verfasiungsfrage haben.

Bom Reichsgericht. Berlin, 29. Juni. Der Staatsanzeiger" meldet: Oberlandesgerichtsrat Schlieben wurde zum Reichsgerichtsrat ernannt.

dem nächsten Krankenhaus zugefühtt. Direktor Colsman ging ruhigen Schrittes durch den Lauf- gang in die sogenannte Speisewagenkabine und verkündete sozusagen offiziös:Meine Herren, das LuftschiffDeutschland" ist gescheitert." Dann ging es an die eigentliche Landung. Auch die Ungeübtesten mußten Turnerkunststücke aus­üben, von denen sie noch lange erzählen werden. Wir standen also wieder auf der mütterlichen Erde, die wir treulos ver­lassen. um uns dem Spiel der Winde anzuvcr- traunt. Wir rieben uns die Augen und sah m uns den zitternden Wolkenbekampfer an. Tiefes Mttleid überkam uns bei dem Gedanken, daß den greisen Grafen Zeppelir. w 'der neues Leiv treff .'n iniif,- Das Schiff ist ge nickt die Hülle zersprengt, ein Baum ragt in die Kabine hinein, auch andere Teile sind beschästtgt, aber das silberweiße Ge­rippe, das Gestänge, die Motore und die techni­schen Instrumente sind unverfehtt. Das Luftschiff wird vollständig auseinander genommen. Biele Hände sind am Werk, um es zu zerlegen, bald wird kaum noch eine Spur von dem Schiff zu sehen sein. Monteure ans Düsieldors leiten die Zerlegung. Man hofft vom untergegangenen Luftschiff für 300 000 Mark Material zu retten. Die Herren der Lufffchiffahttsgesellschaft blieben, wie schon erwähnt, an Ort und Stelle und leiste­ten gemeinsam mit dem Personal Hilfe. Sie haben ihre Zuversicht nicht verloren, sondern regiftrieren auch diesen Unfall unter die Kinder­krankheiten der großen Erfindungen.

Die Insertionsgebühr beträgt für Inserenten aus dem engeren Verbreitungsgebiet des Blattes für die 7gewaltene Zeile oder deren Raum 15 4, für auswärtige Inserate 20 4, für Reklamen 40 L. Druck und Verlag: Ioh. ®ug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei, Inhaber Dr. E. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Citflinalartilel ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe Oberheff. Ztg." gestattet.)

Marburg, 30. Juni.

Bom städtischen Elektrizitätswerk. In nächster Nacht werden es zwei Jahre, daß die alte Herren­mühle, unser städtisches Elektrizitätswerk, ein Raub der Flammen wurde. Man war fast bange, daß die Ruine so lange erhalten würde, daß sie schließlich mit zu den Sehenswürdigkeiten Marburgs gerechnet und nicht mehr beseitigt werden drrfte. Es ist ja auch manches Wort gesprochen und noch mehr geschrieben worden, bis es geregelt war, wie es nunda unten in der Mühle" werden sollte. Ein goldener Mittel­weg ist bekanntlich gefunden und jetzt zeigt ei" gro- ßes der polizeilichen Vorschttft sicherlich g-.r'^-nbe« Schild an, daß gebaut wirklich gebaut werden fett. Die frühere Müllerwohnung, das kleine rzr springendc Häusch-n neben dem Mühlgräben am > »lgrimstein, ist zum größtenteil schon abgebrochen und inmitten der alten vom Brande übrig gebliebe­nen Mauer sind Arbeiter mit Fundamentierungs- arbeiten beschäftigt. Der Bau wird ausgeführt von der Firma Münscher, die oberste Leitung hat das Stadtbauamt.

* Jahrmarkt. Morgen am 1. Juli wird hier Krammarkt, der sog. Kirschenmarkt, abgehalten.

ein seltsamer Scherz. In einer Oberetage ein« Hauses in der Barfüßerstraße baumelte vergangen« Nacht und heute früh an einem Fensterhaken nach der Straße zu eine leblose Gestalt. Leblos deshalb, weil es sich nur um ausgestopfte Kleider handelte; der sonsttgeInhalt" derselben lag bis an die Nase zu- gedeckt in den Federn. Den Spaßmacher weckte heut« früh ein Polizeibeamter und machte ihm klar, daß diese Att, die Kleider und den Hut zu lüften, nach­träglich mit einer Steuer belegt werden dürfte.

* Astronomisches vom Juli. Nachdem wir eben der langen Sornmeriage froh geworden sind, müssen wir uns schon wieder mit der bettüben­den Tatsache abfinden, daß die Tage wenn auch glücklicherweise kaum merklich kürzer werden. Denn während die Sonn« am 1. Juli 3 Uhr 51 Min. ausgeht und 8 Uhr 15 Mtn. wieder ver­schwindet. läßt st« sich am 31. Juli erst 4 Uhr 25 Min. blicken und entzieht sich bereits 7 Uhr 47 Min. unserem Gesichtskreis. Die Tageslänge be­trägt demnach am 1. d. M. 16 Std. 24 Min., am 31. d. M. aber nur 15 Std. 22 Min. Am 23. Juli abends 8 Uhr tritt die Sonne aus dem Zeichen des Krebses in das deS Löwen. Am 4. d. M. steht der Mond der Erdnähe, rückt am 16. in Erdferne, um am 30. wiederum in Erdnähe zu gelangen Am 6. abends 10 Uhr 13 Min tritt Neumond ein am 14. vormittags 9 Uhr 18 Min. erstes Viertel am 22. vormittags 9 Uhr 30 Min. Vollmond uni endlich am 29. vormittags 10 Uhr 28 Min. letztes Viertel. Von den Planeten bleiben Merkur uni Mars gänzlich unsichtbar, während die Sichtbar­keit der als schönster Stern geltenden Ve us im­mer mehr zunimmt; gegen Ende d. M. ist fU früh 2 Stunden lang zu beobachten, weshalb ihi der Volksmund den NamenMorgenstern" ver­liehen hat. Ebenso bleibt der Saturn bis zum Aufgang der Sonne sichtbar. Man kann fein mattes, gelbliches Licht in der Mitte des Juli 2Vs, am Ende dagegen 4 Stunden lang wahr­nehmen. In vorgerückter Abendzeit ist jedoch Jupiter zu sehen und zwar in der Mitte d M. iy4 Stunde, am Ende desselben % Stunden lang.

* Schöffengericht. Zu 10 JW. Geldstrafe wurde et« junger Mann verurteilt, der in der Kugelgasse r'he- störenden Lärm verursacht hatte. 3 Geldstrafe muß ferner eine Frau bezahlen, die eine Hausge­nossin beleidigt hatte. Eine wettere Sache endet« auf dem Wege des Vergleichs.

Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt Hfl IM jährlich durch die Post bezogen 2,25 M. (ohne Bestelle

</iS. Ivl unseren Zeitungsstellen und der Erpedition (Markt 21), 2,00 M.

(Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redak­tion keinerlei Verantwortung.)

' Die Katastrophe im Teutoburger Walde.

£ Ein neuer Zeppelin ist den Unbilden des Wet­ters erlegen, und von neuem melden sich die Stimmen, die dem deutschen Volke klar mache« wollen, daß cs sich mit seiner Begeisterung für die Erfindungen des greifen Grafen auf dem Holwege befinde. Als die Fahrt des ersten Passagierluftschiffes nach Düffeldorf so gut gelun­gen, war überall in Deutschland die Freude groß. War doch wieder einmal in Be­weis geliefert, daß die Luftkreuzer Zeppelins Leistungen vollbringen konnten, die die LZelt mit Recht in Erstaunen setzten und die hämischen Glossen unsererfreundlichen" Nachbarn verstum­men machten. Jetzt ist auf diese Freude ein böser Tau gefallen und unsere Nachbarn werden wieder einmal im Brustton der Ueberzeugung ausführen können, mit den gepriesenen deutschen Fort- schritten in der Luftschiffahrt sei es im Grunde doch windig, allzu windig bestellt. Nun das wichtigste ist ja aber, daß wir uns selbst über 5ien Wert oder Unwert der Z-Schiffe klar werd-n. Zeigt dieser neue Unfall, daß die Schuld der Kata­strophen, die den Leidensweg der Zeppelin-Luft­schiffe bezeichnen, im System liegt? Diese Frage wird man sich vorlegen müssen. Die Mel- bung der Observatorien, daß SMrm kommen werde, hätte Wohl von der Fahrt überhaupt ab­hatten sotten. Warum aber nahm man denn ni ft wenigstens genügend Benzin mit. Das wesent­lichste Moment aber war das Versagen der Motore, und es scheint in der Tat, als ob die Motore den Anforderungen, die man an sie für «in Luftschiff, dessen Führer doch von vornherein mit allen möglichen Zufälligkeiten rechnen muß, nicht genügen. Dabei hat das System, mit dem man fährt, natürlich keine Bedeutung wnb es liegt an uns, wenn wir im Enthusiasmus über einzelne Erfolge bergeffen, welchen Gefahren ein Luftschiff, gleichviel, welchen Systems, n. > immer ausgesetzt ist. Man wird also dem System Zeppelin wegen der neuesten Katastrophe nicht einfach die Zukunft absprechen wolle«.

Ohne Frage wird sich auch in der Lustschiffahrt ein völlig sicherer Betrieb erst erwarten lassen, nachdem man hat tüchtig Lehr­geld zahlen muffen, das ist überall so und nur die großen Erfolge Zeppelins hab.« uns darüber hinweg getäuscht. Es wäre demnach un­gerecht, gerade das System des Grafen Zeppelin vergelten zu lassen, daß mit diesem die Erfahrun­gen gesammelt werden, die nun hin und wieder tei.i.- zu stehen kommen«. Parseval fährt bekannt­lich bei irgendwie unklaren Wettertagen Über­haupt nicht, das wissen wir Marburger ja ganz genau. Die Frage wäre bloß, ob die teuren Zeppelin-Schiffe für Versuche nicht zu werwoll sind. Doch wer auf einem völlig neu n Gebiete ungeahnte Erfolge erringen will, der muß auch den Mut haben, zu wagen und nicht nur Summen. Wir wollen deshalb nicht mit den Zeppeliw-Leuten rechten. Ihr Mut, ihre Aus­dauer und ihr ungebrochener Glaube an die Zu­kunft ihres Systems trotz manchen Schicksals­schlages verdient immer aufs neue unsere Be­wunderung.

Ein Vertreter derFrankfutter ZeiMng" hat die Fahtt mitgemacht, Wir entnehmen seinem Bericht folgendes:

Tas Schiff hat auf seiner Reise von Friedrichs- hafen nach Düsseldorf bewiesen, daß eS mit 15 Meter Wind pro Sekunde noch fertig werden kann. Die Sturmstärke steigerte sich gestern aber bis auf 20 Meter und in diesem Wüten mußte die Steuerung versagen und der Riese in den wallenden Lüsten ein Spielball widrige Mächte werden. Gegen 5 Uhr geriet es in einen gewal­tigen Wirbel, der es in eine Höhe zwischen 1200 und 1500 Meter riß. Wir sichren in diesen unge­heuren Wolken dahin, undurchdringliches Blei­grau ringsum. Der Sturm sauste uns um die Köpfe, das Wasser von Regen konnte man nicht sprechen plaffchte uns ins Gesicht. Jede Orientierung war unmöglich. Wir fühlten, daß wir ein Lustabenteuer schaurigster Art erlebten. Aber das Gefühl der Sicherheit verließ uns keinen Augenblick, denn das Toben des Sturmes wurde übertönt von dem sich stets gleichbleibenden star­ken Baßlied der Propeller, das uns den ganzen Tag begleitet hatte. Aber dann versagte das Steuer. Das Schiss sank. Ein hoher Berg wurde noch passiert, ohne daß man aufstieß. Plötzlich aber stockte der vordere Motor und das Schiff, das in de« höchsten Höhen starken Gasverlust erlitten hatte, und dessen Ballonetts schlaff wurden, tonnte nichr mehr den notwendigen dynamischen Auf­trieb bekommen. Der Abgang allen Ballasts gr- ügte nicht mehr zum Hochkommen, und die Ab-