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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
*n6 den Beilagen: ,Iach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage."
Jts. 151
Die „Oberhessisch« Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2L0 <M. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)
Marburg
Freitag, 1. Juli 1910.
45, Jahrg.
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Erstes Blatt.
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VIII. ordentliche Generalversammlung des Deutsch-Evangelischen Frauenbundes in Coblenz.
' : ' 22. Juni 1910.
I.
Die 8. Generalversammlung deS Deutsch- Evangelium wiederbringen. Gott gebe uns allen 21. Juni, abends, durch einen Festgottesdienst in der Chrrstusttrche eingeleitet. Der Festpredigt legt Herr Pfarrer D. Weber-M.-Gladbach, einer her Beiräte und Gründer des Frauenbundes, 2 Trm. 1, 7 zugrunde. Der Deutsch-Evangelische Frauenbund steht aus dem Bekenntnis, so führte er in warmen Worten aus, von diesem aus schaut er ins Leben hinein und auf die Schäden desselben. Die Frau des Deutsch-Evangelischen Frauenbundes will dem deutschen Bolle daS Evangelium wiederbringen. Gott geb uns allen dazu den Geist der Kraft, der Liebe und der Zucht.
Zur Ausschußsttzung am Dienstag vormittag hatten sich die Abgesandten der Ortsgruppen des Bundes zahlreich eingefunden. Die Wahl von Gräfin Selma von der Groeben-Hannover zur S. Vorsitzenden des Bundes wurde einstimmig durch Zuruf vollzogen. Mittwoch, den 22. Juni, beginnen die öffentlichen Mitgliederversamm- mngen im Gemeindehaus. Fräulein Paula Müller, die Vorsitzende des Bundes, begrüßte di« Anwesenden.
Den nun folgenden Geschäftsbericht erstattete die 2. Bundesvorsitzende Gräfin S. von der Grceben, deffen schlichte Sachlichkeit eine reg« Tätigkeit des Bundesvorstandes durchblicken läßt. 4390 Eingänge und 4130 Ausgänge sind in der letzten Geschästsperiode erledigt word-n. Zahlreiche Petttionen an die zuständigen Behör- den, Ministerien und an den Reichstag, iourd.n eingereicht. Sie betrafen: die Anstellung von Fabrikpflegerinnen; daL akttve und passive Wahlrecht der Frauen zu den Arbeitskammern; die Hinzuziehung von Frauen bei der Einrichwng von Jugendgerichtshöfen und Fürsorgeausschüssen; die Zulassung von Frauen zum Amt eines
22 (Nachdruck verboten.)
Kantate.
Von Anny Wothe.
(Fortsetzung.)
Jäh wandte er den Kopf zur Seite und da stand lächelnd, die großen schwarzen Aug-n zwingend auf ihn gerichtet, eine Frau, die oft in seinen Träumen gespuft hatte, seitdem sie aus seinem Leben verschwunden war.
„Sotka Peiösi," rief er fast laut, zu der schönen Frau hinstürzend und stürmisch ihre Hand an seine Lippen ziehend, „welches Glück, ste hier zu sehen."
Die schöne Frau lächelte huldvoll. „Graf v. d. Gröben, wenn ich nicht irre? Ja, ich erinnere mich, wir waren ja oft in Ostende zusammen. Der Aufenthalt dort hatte so viel Trübes für mich gebracht, daß ich eigentlich nicht gem daran er- innert werde."
„Für mich ebenfalls, gnädige Frau, ich verlor dort mein ganzes Vermögen," entgegnete er brutal.
„Trösten sie sich, Graf," lachte Frau Sorka leise, „Sie sind nicht der Einzige, der dort diese« Verlust erlitt. Doch die Klingel mahnt. Aus Wiedersehen, bester Graf."
Sie neigte ein klein wenig das stolze schwarzhaarige Haupt.
Borris sah ihr ganz entgeistert nach. „War denn das möglich? Sollte sie wirklich kein« Ahnung davon haben, daß sie es selbst war, die Schuld trug, daß er auch noch den letzten Rest seines Vermögens dem sündigen Roulette geopfert? Waren es nicht ihre schlanken, mit Brillanten besetzten weiße Hände, die lächelnd ein Goldstück nach dem «»deren aus seiner Börse dem Spielteufel ge- »pfert?
Schöffen und Geschworenen in den Fällen, wo es sich um weibliche Angeklagte und um Kinder handelt; die Anstellung von Frauen als Kranken- Kontrolleurinnen; die Aenderung des § 33 der R.-G.-O. zur Bekämpfung der Animier- kneipen und Bars, sowie mehrere §§ der R.-V.- O.; di« Eingliederung der Frau in die verfassungsmäßige Gestaltung der Kirche und schließlich war gebeten worden um Erlaß zeitgemäßer Vorschriften für das Dienstbotenwesen.
Der Bund umfaßt zur Zeit 97 Ortsgruppen über ganz Deuffchland verteilt mit 10 700 Mitgliedern.
Es folgten einige Berichte über besondere Arbeitsgebiete des Bundes. Fräulein H. Busch gab «men UeoKöRä übr: £??. Verlauf de7 4. und 5. Kursus der christlich-sozialen Frauenschule in Hannover. Die Erfahrungen der letz en beiden Jahre sind durchweg gut zu nennen, auch die Frag« der Anstellung der ausgebildeten Schülerinnen hat sich in befriedigender Weise löftn lassen.
Dem Geschäftsbericht der Stellenvermittlung und Auskunftsste.e für gebildete Frauen und Mädchen zufolge erfreute sich diese Vermittlung auch in der letzten Geschäftsperiode reger Inanspruchnahme.
Nach kurzer Pause wurde eine Resolufion zu einem Protest gegen die jüngste Enzyklika des Papstes gefaßt. Die Verlesung des Wortlautes löste eine spontane Kundgebung der Versammlung aus, die in dem begeisterten Gesang des alten lutherischen Kraftliedes „Ein feste Burg ist unser Gott" zum Ausdruck kam.
Es folgte der Antrag der Ortsgruppe Göttingen: „Die Generalversammlung möge den Bundesvorstand veranlassen, dafür einzutreten, daß ein Arbeitszwang für arbeitsscheue Personen gesetzlich festgelegt werde." Er wurde nach Besprechung einer Kommission überwiesen.
Den Schluß der Vormittagssitzung machte das Referat über das Gemeinde-Bestimmungsrecht von Fräulein W. Lohmann-Bielefeld. Die Mehrheit fand im Anschluß an das Referat, an das sich eine ausgedehnte Diskussion anschloß, schließlich folgende Resolutton: „Von den Erwägungen aus- gehend, daß das Gemeinde-Bestimmungsrecht bei unserer mornarchischen Verfassung in Deuffchland in absehbarer Zeit schwerlich auf die Frauen ausgedehnt wird, und daß ohne bvefe Mitwirkung der Frauen die erwarteten Erfolge Wohl kaum eintreffen dürften, steht sich der D. E. F. außerstande, schon jetzt in seiner Gesamtheit für die Einführung einzutteten. Dagegen erstrebt er die auch auf andere Weise mögliche weiteste Einschränkung der Schankkonzession als eines der wichtigsten Mittel im Kampfe gegen die Schäden des Mkoholismus."
Die Nachmittagssitzung bringt ein Referat von Frl. v. Bennigsen über „die Zulassung der Mädchen zu den höheren Knabenschulen." In autzerdeutschen Ländern, z. B. in Amerika und Holland, besteht die Coedukation seit Jahrzehnten. Es sind günsffge Resultate damit erzielt. Wenn sie auch nicht ganz allgemein eingeführt ist, so wird sie doch anerkannt als notwendiges Ergänzungsmittel zu höheren Mädchen- chenschulen und gymnasialen Anstalten. In Deuffchland find innerhalb der letzten Jahre die widersprechendsten Anfichten laut geworden. Im Gegensatz zu einzelnen Staaten, die schon seit Jahren den Mädchen die Gewährung zum Besuch von Knabenschulen er-
„Das Gedächtnis schöner Fraüen ist eng begrenzt," dachte er, grollend in den Konzerffaal tretend, der fast bis auf den letzten Platz bereits mit einer glänzenden Festgesellschaft gefüllt war.
Nur die große Mittelloge aus der Galerie war noch leer. Feierlich und schweigend hob sie sich in chrem roten Sammeffleide mit dem grünen Blattschmuck im Hintergründe, aus der bunten Menge empor. Jetzt ging eine lebhafte Bewegung durch den Saal. Ein Rauschen unb Wogen im Parkett und dann plötzlich stand die ganze fesffrohe Menge wie auf einen Schlag in ehrfürchtigem Schweigen.
Sachsens junger blonder König in lichtblauer Uniform war in die Mittelloge getreten.
Geheimrat Professor Dr. Wach hieß Seine Majestät willkommen.
Der König dankte verbindlich. Huldvoll wandte er sich hier und da zu den in seiner Nähe sitzenden Damen. Wie ein Rausch kam es über die Konzertbesucher. Wie liebenswürdig der König war. Jetzt sprach er mit dem Präsidenten des Reichsgerichts und seiner Gattin, jetzt wandte er sich den Herren vom Direttorium des Gewandhauses zu, jetzt nicke et zu Etta Bermann, die er wieder erkannte, freundlich herüber und jetzt sprach er leuffelig mit dem Oberhaupt der Stadt.
Das Konzert begann, aber die Aufmerffamkett der Zuhörer war nur eine geteilte. Aller Augen waren fortgesetzt auf die königlich« Loge gerichtet. Wie ein schwüler versengender Atem flog es bei den gluwollen Rhyttnen, die jetzt einsetzten, durch den lichffchimmernden Saal, und Meister Nikisch am Dirigentenpult, schwang mit blassen Händen, die so müde und lässig aussahen, und doch so mit Kraft und Leidenschaft spenden konnten, den Taktstock. Von Zeit zu Zett strich er die ihm auf die Stirn fallende dunlle Lock« von der bleichen Stirn und seine Hauen schwarzumsäumten Augen
teilt haben, verhalten sich dem gegenüber die Regierungen der übrigen Staaten ablehnend. Rednerin gibt zum Schluß der Hoffnung Ausdruck, daß die Forderung an Regierungsbehörden und Kommunal-Ver- waltungen Zustimmung finden möchte: Oeffnet den Mädchen die Knabenschulen an den Orten, wo ein Bedürfnis nach höherer Frauenbildung herrscht, wo aber dafür eigens eingerichtete Anstalten ncht errichtet werden können. In sehr lebhafter Diskussion wild allgemein dem Thema zugestimmt. Die Ansichten der Versammlung verdichteten sich zu folgender Resolutton: „Die heutige Versammlung des D.-Ev. Fr.- Bundes vertritt die Ansicht, daß man den Mädchen die bedingte Zulassung zu den höheren Knabenschulen überall da gewähren möge, wo gleichartige Mädchenbildungsanstalten nicht vorhanden sind. Die Versammlung glaubt, daß in diesem Fall die Vorteile der bedingten Zulassung die etwaigen Nachteile. über« uieyJH, ::r2? daher die Zulassung bet^ Mädchen zu den höheren Knabenschulen für ganz Deücsiq« land an.“
II.
Am ersten Abend hatte Oberhofprediger Scholz- Gotha gesprochen und zwar über das zeitgemäß« Thema: „Die sittlich« Notwendigkeit der Frauenbewegung." Einen tiefen Eindruck auf die Hörer machte bet großzügige Vortrag, der die Frauenbewegung in ihren edelsten Grundgedanken würdigte und ihre inner« Notwendigkeit überzeuget darlegte.
Die Verhandlungen deS 2. Si^ungstageS brachten Anträge int Sinne der Jugendfürsorge.
Vor dem Einttitt in die Tagesordnung machte d«r Vorsitzende bekannt, daß ttotz der Trauer, die unerwartet über das Kaiserhaus hereingebrochen ist, die Kaisettn die Gnade gehabbt habe, für de« Huldigungsgruß des Bundes danken zu lassen.
Es folgt Bettcht der Kommission für Kinderschutz und Jugendfürsorge, erstattet von Fräulein Kramer-Bielefeld. Die Hauptarbeit des letzt« Jahres galt den Jugendgettchten und den Fürsorgeausschüssen. Sie werden hervorgerufen durch bie Not unserer Zett, bie wachsende Kriminalität der Jugendlichen und die Mißstände in Bezug auf Sttafverfahren und Strafvollzog bei Jugendlichen. Die Mttglieder der Kommission suchen darum dahin zu wirken, daß überall dort, wo Ottsgrupen des Bundes bestehen, auch Jugend- gettchte und Fürsorge-Ausschüsse erttchtet werden, und daß auch möglichst die Mitglieder der Gruppen als Hilfskräfte, Helferinnen, Ausschußmtt- glleder usw. zugezogen werden.
Im Anschluß an diesen Bettcht brachte Fräulein Pönsgen-Berlin chie vollen Sympathien des Präsidiums der deuffchen Zentrale für Jugendfürsorge in Berlin mit den Bestrebungen des Deutsch-Evangelischen Frauenbundes zum Ausdruck.
Wetter wird verhandelt der Anttag der Ortsgruppe Bielefeld: Der D. E. F. möge dahin wirken, daß auf dem Wege des Gesetzes oder der Verordnung Bestimmungen erlassen werden, welche bei der Beschäftigung frember Kinber in Betrieben, bie unter die §§ 5, 6 8 des Reichsgesetzes vom 30. 3. 03 bett, die Kinderarbeit in gewerblichen Bettieben fallen, die Verbindung häuslicher Arbeit mit der gewerblichen Kinderarbeit regeln.
Es folgt der Anttag der Ottsgruppe Elbing: „Die Generalversammlung möge beschließen, daß
bllckten unter den halb gesenkten Lidern fast spöttisch über die unruhige Menge.
Heute jauchzte man dem jungen König zu, morgen war er hier wieder König, da lag die Leipziger Damenwelt ihm bedingungslos z« Füßen.
Er kannte den Lauf der Wett, der blasse Mann der da oben stand unb mit ruhiger Sicherheit feine Künstlerschar führte. Tausend Lichter woben um seine dunlle, nervig-geschmeidige Gestalt einen Glorienschein und flimmerten über die vielen fündhaft fchönen Frauen mit den roten Lippen.
Und dann fang Edith Walker, und eine Heine Weile war es, als zöge doch ein Strom der Andacht durch das Hans als die wundettiefe Stimme der Künstlettn fo weihevoll erllang:
„Der Himmel hat eine Träne geweint".
Und dann in jauchzender Lust:
„Nun bricht aus allen Zweigen
Der Maien fttfches Grün."
Zu den aufmerkfamsten Znhörettnne« gehötte Wohl Karleen Bermann. Ihr war noch die Musik ein Heiligtum, ein unerschöpflicher Born, der nut seinem Zauberquell allen Alltagsstaub sottspülte, aber plötzlich, wie ste so versunken der Sängerin lauschte, war es ihr, als brenne em bannender Blick in ihrer Seele. Ihr Herzschlag stockte plötzlich und eine glühende Röt« huschte über ihr Anffitz. Und wie sie die Augen hob und sie über den Saal, die Gallette« enllang schweifen tteß, da sah ste dicht an die Wand gedrückt, fast i« der Nähe der Orgel, den Man« mtt den glühenden Augen wieder, die ste fett Wochen durch all ihre Träume verfolgten.
Still saß er da, das dunkle Haupt mit bem leicht gewellten Haar an di« Holzbelleidung der Wand gelehnt, unaufhörlich zu Karleen herüber blickend.
Und jetzt neigte er sich ihr, wie el Rartee«
der Deuffch-Evangelische Frauenbund an zuständige.' Stelle um Erlaß eines Verbotes des Besuchs öffentlicher Tanzlustbarkeiten für Jugendliche dis zum 16. Jahre vorstellig werde."
Er bezweckt Fernhaltung der Kinder wenigstens von öffentlichen Lustbarkeiten. Eine derartige Bestimmung besteht schon in Danzig, ist also möglich. Es wird in der Diskussion der Wunsch ausgesprochen, auch die Kinematograph n mit dem Verbot zu erfassen, derselbe wird jedoch, wegen der Verschiedenheit desselben, abgelehnt. Der Anttag findet im Allgemeine.: Zustimmung doch wird mehrfach betont, daß vor Allem füi die schlechten Lustbarkeiten ein guter Ersatz geschaffen werden muß.
Der Antrag wird angenommen mit der Abänderung: Der Deutsch Evangelische Frauenbund wolle dayrn iriÄu:, düß drr Sef“* von öffentlichen Tanzlustbarkeiten für Jugendliche bis zum 16. Jahre verboten werde.
Den nächsten Puntt der Tagesordnung bildet die Besprechung des einen Verbandsthemas, die Dienstbolenfrage.
In der Diskussion werden die Ersahrungen in der Organisation der Dienstbote,, in den verschiedenen Städten besprochen. Fräulein Paulo Müller faßt dahin zusammen, daß die Frauen di, Einzelnot sich angelegen sein lassen müssen, sowohl wie die Organisation bei Gesamtheit — ber Dienstboten wie der Hausfrauen — unb ba| schließlich die Hülfe durch Gesetzgebung anzu- stteben sei.
Der 2. große Abendvortrag vor reich besetztem Hause bildet zugleich einen würdigen Abschluß der öffentlichen Verhandlungen der inhaltreichen Tagung. Als Thema war gestellt: „Die Frau als Glied der Kirchengemeinde“ und dies Thema wird in giofe zügigen Eedankengängen von Herrn Professor D. Schian-Gießen ausgeführt.
Auf Anregung des Herrn Konsistorial-PrSstden- ten Dr. Eurtius-Straßburg, in welchem die Frage ttrchlicher Rechte für Frauen einen warmen Fürsprecher besitzt, und dem viele interessante Ausführungen durch Diskussionsredner vorangegangen waren, wurde eine Resolution gefaßt und angenommen: In Erkenntnis der Pflichten, die das Eemeindeleben der Frau stellt, fordert der Deutsch-Evaug. Frauenbund die Rechte der Frau in der Kirche, welche zu rechter vertiefter Erfüllung der Pflichten befähigt.
Politische Umschau.
Die gelbe Gefahr zur See.
Die englische Gesetzgebung hat sich in jüngster Zeit mehrfach mit ber Beschäftigung gelber Arbeitskräfte auf englischen Schiffen befassen müssen. Bestimmungen würben geschaffen, bie bie Anwerbung solcher Elemente künftig erschweren sollen. Da sich bas englische Menschenmaterial, bas sich ber Handelsschiffahrt anbietet, von Jahr zu Jahr verschlechtert, konnte vielfach ein Zurückweichen des weißen Seemannes vor bem gelben beobachtet werben. Interessant sind in dieser Hinsicht Erkundungen des Londoner Board of Stabe. Mehr als zwanzig Schiffahrtsgesellschaften haben btefer Behörbe übereinstimmenb versichert, baß ihnen bi« Beschäftigung chinesischer Seeleute beim einzelnen noch etwas teurer zu stehen komme als bie weiße Mannschaft. Der Vorzug gelber Arbeit liege ht r 1 j -......
schien, sogar grüßenb entgegen. Karleens Herz pochte in rafenben Schlägen.
Zögernb wandte sie bas blonde Haupt ab. Sie konnte und mochte nicht mehr to die seltsam zwingenden Augen sehen. Verworren rauschten di« Töne an ihrem Ohre borbei. Zwei Seelen rangen in ihr. Die eine war weit ab in einem herrliche» Wundergarten mit phantastischen Ttaumgebilden, die andere nahm alles so schrecklich deutlich und wirtlich in sich auf.
Da drüben in der Loge die schöne Frau in dem wett ausgeschnittenen Samffleide zupfte genau wie bei jedem Gewandhaus Konzert an bem Ausschnitt ihres Kleides und mehr als einmal glitt ihr Blick prüfend über die eigene und and »e Toiletten. Feurig flogen die großen leuchtenden Augen umher und wenn eine Programmnummer zu Ende war, dann hob sie die Hände und Hatschte so ostentativ Beisall, als hänge von ihrer Gunst daS Heil der Künstler ab.
Ihre beiden Töchter blond und braun, knospenhaste Schönheiten verharrten steif tot, zwei Pagoden tot Hintergrund der Loge. Bald würden sie Konkurrentinnen der eigenen Mutter sein. Karleens Blick schweifte toeiter.
Dort to der Künstlerloge, nicht weit von dem Matze des Königs sah man die anmutioe Gattin Meister RickischS to Gesellschaft der jungen gefeierten Sängerin Elena Gerhard. Von da drüben grüßten lächelnd die Gattin des Direttors deS Schauspielhauses herüber, unb von weit her hi-tt ste Peter Pankwitz, tote sie wohl fühlte, im Ang« unb jetzt hing ihr Auge starr an der Landheim- schen Loge unmittelbar neben der des Königs. Milla saß in einer tief dekolletierten feuertoten Ereperobe, von bet das gelbe Haar sich leuchtend' abhob, in der vorderen Reihe und ihr zur Seite, eine Dame, die Karleen zum erste« Mal sah. 1
(Fortsetzung folgt.)