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mit -em Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain
xnb den Beilagen: „Nach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) unb .Landwirtschaftliche Beilage.«
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45. Jahrg<
Die „Oderhessische Zeitung« erscheint täglich mit Nu-"-ihme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- jährlich durch bfe Post bezogen 2,25 JH (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 JU
Die Jnsertionlgebühr beträgt für die 7gespalrene Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. — Druck und Verlag: Joh. «ug. Roch, UniversitätS-Buchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
MMwoch, 29. Juni 1910
Der heutigen Nummer liegt bet Kreisblatt Nr. 52.
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KreiSblalt für die Kreise Marburg und Kirchhai«
zu erneuern. Unsere Stadt- und Agentur-Abonnenten erhalten die Zeitung, wenn nicht ander- bestellt, weiter.
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Die Unterbaltungsbeilage „Nach Feierabend"wird wie bisher spannende Romane und Erzählungen bringen, damit in großem Maße für UnterhaltungS- Lesestoff gesorgt ist.
Die eigenes für unsere Gegend bearbeitete „zandnfirttschaftliche Beilage" unterrichtet über alle Fragen des Gaeteubaue« und der Landwirtschaft.
Wau abonniert auf die „Gberhesstsche
Zeitung" bei allen Postämtern für 2 M. 25 Pfg., bei der Grprdttio« (Marburg, Markt 21) und den Zeitmrgaftelle« für 2 M. vierteljährlich.
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Markt 21.
Umschau im Auslande.
Ein merkwürdiges Bild der Leistungsfähigkeit »französischer Techniker haben die kläglichen । Versuche gezeigt,, die Leichen der Unglücklichen zu bergen, die mit dem „Pluviose" untergegangen find. Wenn man bedenkt, daß die Japaner die riesigen Fahrzeuge der gesunkenen russischen Kriegsflotte in kurzer Zeit vom Grunde des Ozeans hervorholten, erscheint dieses Versagen völlig unbegreiflich, und die Mutmaßung liegt nahe, daß es auf anderen Gebieten nicht um vieles bester stehen wird. — Die eben zum Abschlüsse gelangte französische Volkszählung Hat eine Bevölkerung von 39 252 245 Köpfen ergeben, gegen 38 269 011 im Jahre 1901. Im Vergleich zum Jahre 1908 sind die Geburten um 33 000 gesunken, die Todesfälle um 11274 gestiegen. Die Heirats- zifier betrug auf 10 000 Köpfe 157 gegen 161 im Jahre 1908, die Zahl der Scheidungen auf 10 000 Einwohner 6,56 gegen 3,68 im Jahre 1900. Trübe Aussichten auf die französische Heeresergänzung.
Was Roosevelt nach seiner Rückkehr bc- ginnen wird, beschäftigt die Oeflentlichkeit lebhaft. Immer mehr mehren sich die ost seltsamen Angebote, die er erhält. Jedenfalls wird immer klarer, daß der frühere Präsident mich weiterhin eine führende Rolle im politischen Leben der Union spielen wird, mag er wollen oder nicht. Ob er zum driften Mal den Präsidentenstuhl besteigen wird, liegt nur an ihm. Entscheidend ist es nur
20 (Nachdruck verboten.)
Kantate.
Von Anny Wothe.
(Fortsetzung.)
König Friedrich August von Eawien war la Leipzig. Wie alljährlich hatte er für ewige Tage in der alten Handelsstadt Aufenthalt genommen. Zahlreiche Einladungen waren an die Vertreter der Bürgerschaft, der Kunst- und Gelehrtenwelt und der maßgebenden Behörden ergangen, und Überall bildete der Besuch des Königs das Tagesgespräch.
Auch zahlreiche Firmen hatte Seine Majestät durch seinen Besuch ausgezeichnet, darunter auch das Hmis Bermann u. Ko. Etta hatte dem König einen Maiblumenstrauß überreicht unb Karleen und Ute kredenzten dem König und seinem Gefolge bei dem Frühstück, das sich an die DeNchtigimg des neuen imposanten Geschäftshauses schloß, perlenden Champagner.
Seine Majestät war sehr huldvoll zu den beiden jungen Mädchen gewesen, während sein Auge ohne Interesse über die ziemlich auffallend gefleidete Gestalt Milla Landheims, die auch zugegen mar, hinweg blickte.
Milla war wütend gewesen, und Hans Jürgen, der mit feinem Vater den Führer durch b>e weitverzweigten Geschäftsräume gemacht, hatte Nicht ivenig unter ihrer üblen Laune zu leiden.
Auch auf dem Ballfest, das der Kommandeur zu Ehren der Anwesenheit deS Königs gab, war Ihre schlechte Laune nicht gewichen. Sie hafte sich «stentaftv an Gras v. d. Gröben attachiert, der
sür das polittsche Leben, auf wessen Seite er sich stellt, und wo er seine Verbündeten und seine Gegner sucht. Sicher ist, daß die Demokraten, deren Aussicht auf Erfolg bei den nächsten Kongreßwahlen in der letzten Zett so gestiegen ist, ihn fürchten. Denn kandidiert Roosevelt wieder, dann fallen ihre Chancen unter Rull.
Wieder einmal gehen Gerüchte um, die von der Erhebung Montenegros zum Königreich zu melden wissen. Daß dieser Wunsch in Montenegro besteht und daß Fürst Nikita den Ehrgeiz hegt, als dritter in die Zahl der flawischen Balkankönige aufgenommen zu werden, ist auch nicht unwahrscheinlich, zumal diese Bestrebungen bei den nahen verwandffchastlichen Beziehungen der Dy- naft'.e Petrowitsch Njegosch zu den Regentenhäusern in Italien und Rußland von diesen gebilligt und gefördert werden. Gelegentlich der Feier des 50jährigen Regierungsjubiläums ds Fürsten Nikolaus I. soll nun die Königsproflamafton am 15. August ftattfinben. In Serbien würde man bie» fern Vorgänge mit gemischten Gefühlen zusehen, denn noch immer ist bie durch den Verschwörer- Prozeß hervorgerufene montenegrinisch-serbische Feindschaft nicht behoben. Bei den Jubiläumsfeiern wird daher auch der kleine Prinz Paul Kasageorgiewiffch den König Peter vertreten.
Die chinesische Regierung zeigt große Befriedigung gegenüber den mäßigen und gerechten Ansprüchen Englands und Japans, die beide für den ihren Staatsangehörigen bei den Unruhen in Tschanghscha zugefügten Schaden erhoben haben. D'e Forderungen beider Staaten fußen auf genauen Abschätzungen; die Frage einer Bestrafung der Schuldigen ist nicht aufgerollt worden. England und Japan geben sich mit der Leistung von Schadenersatz zufrieden, da die chinesische Regierung versprochen Hai, in Zukunft die volle Ver- anttoortung für ähnliche Ereignisse zu tragen.
Politische Umschau.
Weiterer Wechsel in hohen Staatsämtern?
Berlin, 28. Juni. Der „Kreuzzeitung" zufolge ist dem Finanzminister Frhrn. von Rheinbaben die erbetene Entlassung aus dem Amt in Gnaden bewilligt worden. Frhr. von Rheinbaben durfte für die Besetzung des Coblenzer Oberpräsidiums in Betracht kommen.
Ferner meldet eine Berliner Korrespondenz, daß der Rücktritt des Freiherrn v. Schön als Staatssekretär des Auswärtigen Amtes bevorsteht und daß Herr v. Kiderlen-Wächter fein Nachfolger werden soll.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser in Kiel. Kiel, 27. Juni. Der Kaiser empfing heute Vormittag den Besuch des Eroßher- zogs von Oldenburg und dessen Kinder. Der Groß- Herzog war auf seiner Jacht „Lensahn" eingetroffen. Hierauf nahm der Kaiser die Vorstellung einiger französischen Herren durch den französischen Botschafter Cambon entgegen, nämlich des Besitzers der französischen Dampsjacht „Ariane", Senators Gaston Meu- nier und dessen Gäste, des ehemaligen Gesandten, Senators Albert Decorais, der Deputierten Lucien Hubert, Paul Vonceur und Gustave Berardi. Später empfing der Kaisen den Staatssekretär a. D. Drrnburg zur Abmeldung.
ihr mit Ausdauer den Hof machte. Etta tanzte vorzugsweise mit Benno von Lassow und war, wie sie sich ausdrückte, „mopsvergnügt" in Erwartung auf bas heutige Gewaichhaus-Konzert, das durch den Besuch des Königs verherrlicht werden sollte.
Im Vesftbül des Gewandhauses, jener bedeutenden Kunststäfte Leipzigs, die sich seit altersher mit ihren musikalischen Großtaten einen Weltruf eroberte, herrschte ein buntes Gewühl, das sich wie ein breiter Strom in die Garderoben ergoß.
Herren in Frack und in Uniform. Damen in einem förmlichen Rausch von Crepe, Spitzen und blitzenden Schmuck, nackte Schulter und Arme, duftige Weiße Pelze, raschelnde knisternde Seide unb Über all biesem blenbenden Gewoge leis wie ein Hauch bet Dust von weißem Flieber, Hyazinthen unb Maiblumen, die aus einem Gewirr von kostbaren Palmen und Blattpflanzen ihre zarten Köpfchen tausendfach emporreckten. Das Weiße elektrische Licht ergoß sich verschwenderisch darüber hin und spiegelte sich in den Augen schöner erwartungsvoller Frauen.
Die breite, mit Teppichen belegte Marmor- treppe rechts war für den König unb sein Gefolge reserviert, währenb bie gegenüberliegende für die anderen Sterblichen bestimmt war.
Auf dem ersten Treppenabsatz stand Karleen Bermann und schaute in das Gewühl.
Sie trug, wie Etta sich ausdrückte, „traumblaue" Crepe-Robe. Blitzende Edelsteine riefelten wie ein Tränenschleier darüber hin. In dem blonden hochfrisierten, lockigen Haar schimmerte ein schmaler Reif von kostbaren Brillanten,
„Me ein Königskind aus dem Märchen,"
— Zur Beisetzung bet Schwester bet Kaiserin. Primkenau, 27. Juni. Unter allgemeiner Teilnahme der Bevölkerung erfolgte heute Nachmittag die Beisetzung der Prinzessm Feodoro. In der Umgebung des Schlosses hate die Stabt Trauerschmuck angelegt. Um 1% Uhr fanb im Beisein der allerhöchsten unb höchsten Herrschaften in der Hofkapelle, wo die Leiche aufgebahrt war, eine Trauerfeier statt. Während der Leichenzug sich ordnete, begaben sich die Kaiserin, 'die Kronprinzessin und die übrigen fürstlichen Damen zu Wagen in die evangelische Kirche, wo sie in der H.s- loge Platz nahmen. Dem Sarge folgten Herzog Ernst Günther, rechts von ihm Prinz Friedrich Leopold, links Prinz Eitel Friedrich, dann Prinz August Wilhelm, der Herzog von Sachsen-Koburg und Gotha, Prinz Albert zu Schleswig-Holstein, Prinz Joachim, Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg, Prinz Oskar, Prinz Philipp von Koburg, ferner die Vertreter des Königs von Sachsen, des Eroßherzogs von Oldenburg und andere. Superintendent Jentj^-Prim- kenau hielt die Trauerrede.
— Ein Dementi. Berlin, 27. Juni. Die „Rordd. Allgem. Ztg." meldet Die in Bukarest erscheinende Zeitung „Adaverul" hatte behauptet, der Kaiser habe an den Kronprinzen von Rumänien ein Telegramm gerichtet, in dem er den Ueberfatt auf den rumänischen Dampfer „Jmperatul Trajan" im Piräus als eine schwere Beleidigung des gesamten Herrscherhauses Hohenzollern bezeichnet und die Kinder des kron- prinzlichen Paares zur Errettung vor den Ausschreitungen der Angreifer beglückwünscht. Das Telegramm ist erfunden. Der Kaiser hat zu dem rumänisch-griechischen Zwischenfall in keiner Weise Stellung genommen.
— Minister a. D. v. Moltke. Tilsit, 27. Juni. Dem Staatsminister von Moltke wurde, der „Tilsiter Allgem. Ztg." zufolge, nach dem einstimmigen Beschluß der städttschen Körperschaften, das Ehrenbürgerrecht der Stadt Tissit verliehen.
— Auszeichnung. Berlin, 27. Juni. Der „Staatsanzeiger" meldet: Dem Leibarzt des Kaisers, Generalarzt Dr. v. Jlberg, wurden die Brillanten zum Roten Adlerorden zweiter Klasse mit der Königlichen Krone und dem zweiten Leibarzt, Oberstabsarzt Dr. Riedner, das Kreuz der Sliter des Hausordens von Hohenzollern verliehen.
— Zum Fall Eulenburg. Berlin, 27. Juni. Die „Norddeutsche Allgemeine Ztg." schreibt: Zum Fall Eulenburg brachten in den letzten Tagen einige Blätter die Mitteilung, daß Fürst Eulenburg wieder verhandlungsfähig sei unb daß die Staatsanwalrschafi, um einer parlamentarischen Interpellation über den Stand des Meineidsverfahrens aus dem Wege zu gehen, den Prozeß im September wieder aufnehmen wolle. Diese Nachrichten sind völlig unzutreffend. Aus Veranlassung der Staatsanwaltschaft Ist der Fürst nach eingeholten Gerichtsbeschlüssen durch Medizinalrat Dr. Stoermer im April und Mai untersucht worden, und zwar beim zweiten Male auch mit Nöntgenapparat und Orthodiagraph. Die Untersuchungen haben erneut ergeben, daß der Fürst nicht verhandlungsfähig ist und daß die Arteriosklerose und Herzvergrößerung weiter fortbestehen. Die Staatsanwaltschaft ist daher außer Stande, die Anberaumung eines neuen Hauptverhandlungstermins zu beantragen.
meinte der Graf v. d. Gröben bewundernd, bet unten gerade der Garberobefrau feinen neuen wertvollen Pelz zuwarf, ben Tante Regina für die Suche nach einer reichen Frau in Gnaben gespendet hatte.
„Na, ich banke," rief eine kecke Stimme Plötzlich neben ihm unb Borris v. b. Gröben sah in Etta Bennanns spitzbübische braune Augen. „Sie träumen wohl, Graf, anstatt mir ein wenig behilflich zu fein. Da, ziehen Sie mal gefälligst."
Sie hielt ihm ungeniert ihren Heinen Fuß hin, währenb sie die Arme haltsuchend um eine Säule schlang.
Gehorsam zog ihr bei Graf bie schützenden Boote von ben Füßen.
„Ute unb ich sinb in Pankwitz Automobil bet» gefahren," berichtete sie. „Die Eltem unb Kat- leen sinb schon lange hier. Wenn wir hätten warten sollen, bis Puschke toieber mit unserem Wagen zurückkam, dann hätten wir von dem ganzen Rummel nichts mehr gesehen. Fein, was?"
’ „Was?" wollte der Gras auch fragen, et lächelte aber etwas überlegen unb sagte galant:
„Ja, mein gnädiges Fräulein, Sie sind seht fein. Ganz charmant sehen Sie heute aus. Wenn ich ein Dichter wäre, würde ich sagen, wie Blüten- schnee."
„Na, lassen Sie man ben Unsinn," rief Etta, währenb eine heiße Röte bei dem banalen Kompliment ihr Gesichtchen überflammte, „und sagen Sie lieber, wo ich Henn von Lassow finde. Mtt dem habe ich ein Vielliebchen gegessen, das et natürlich verlieren muß."
„Er steht dort mtt Ihrem Fräulein Schwester." Etta folgte ben Blicken des Grasen und entdeckte
Ausland.
** Berhastung eines östereichischen Journalisten. Petersburg, 27. Juni. Große Aussehen erregt die Verhaftung des Barons Ungern- Sternberg, eines österreichischen Journalisten, der in St. Petersburg das K. K. Telegraphen-Korre- spondenzbureau vertritt. Baron Ungern-Siem- berg soll unter Spionageverdacht in Hast genommen worden sein; et wird beschuldigt, mit russischen Offizieren in Verbindung getreten zu fein, um diesen militärische Geheimnisse zu entlocken. Mehrere russische Offiziere sollen kompromittiett sein, doch hält man in unterrichteten Kreisen Baron Ungern Sternberg für nichlschuldig und meint, daß feine Verhaftung nur bie Vergeltung für bie Festnahme des russischen Konsuls in Lemberg sein soll, dem nachgewiesen wurde, daß er ein förmliches Spionagebureau betrieb.
** Die Krawalle in Frankreich. Paris, 27. Juni. Me Blätter bringen spaltenlange Berichte über die gestrigen Krawalle. Die konservattven Organe nehmen die Ruhestörungen zum Anlasse, um das gegenwärtige Regime einer harten Kritik zu unterziehen. Der „Galois" schreibt: Es ist bedauerlich, daß der König der Bulgaren, der ein ausgezeichneter Beobachter ist, den Zusammenstoß zwischen der Polizei unb ben Revolutionären auf bem Friedhöfe von Pankin nicht sehen konnte; er, her Begründer eines Volkes, hätte vielleicht den» jenig-n, die eine der ältesten Nattonen Europas alle»! Anstürmen der Revoluttonäre auslieferten, gute Ratschläge erteilen können. Das Blatt „Peuple fran$ai8 meint: Während ein Teil bet Sn f ben auf bem Longcharnps bem bulgarischen Königspaarc bie Ehrenbezeugungen erwies, mußte ein anderer Teil die Straßen durchziehen, und Manifestanten auseinandertreiben, die di« Inte vvtionale und Lieder zur Berhenlichung t.wifernber Soldaten fangen. Dieser Gegensatz gfi.gt die ganze Gebrechlichkeit der scheinbare« Ordnung unserer Zustände. Die sozialistisch« „Humanitö" behauptet, Polizeipräfeft Lepim habe bie Ruhestörungen absichtlich hervorgerufen, um eine Begnadigung d»s wegeuErmordung eines Polizisten zum Tode verurteilten Liabeuf zu verhindern. Im Laufe der qestrig-n Unruhen wurden etwa 15 Poliziftrn in* 29 Ruhestörer verletzt, jedoch ntcmanb schwer. Wfint Verhaftungen wurden aufrecht erhalten.
** England London, 27. Juni. Die Gedächtnistafel für die Unteroffiziere und Mannschaften der Rohal-Dragoons, die im südafrikanischen Kriege gefallen sind, wurde in bet Krywo der St. Pauls-Kathedrale durch len General- major Rüssel enthüllt. Der Militär-Attc^ der deuffchen Botschaft legte im Namen 'es deutschem Kaisers 'inen Kranz an der Ged-chintsasel nieder.
** Kreta. Konstantinopel, 97. Juni. Die Botschafter der Kretaschutzmächte überreichten gestern der Pforte die Antwortnote auf die Note vom 13. Mai. Nach dem von der Pforte publizierten Text teilt die Rote den bekannten Schritt bet Konsuln bei bem kretischen Erekunvkomitee, sowie den Be- schftlß der Mächte mit, die vor Kreta stationierte" Schiffe zu vermehren. Hierdurch bezeugten bie Schutzmächte nochmal« die Absicht, die Souveränitätsrechte des Sulians zu wahren. Die Schu> mächte fordern daber die ottomcmische Regierung auf, wirksame Maßnahmen zu treffen, damit der Erregung im Lande ein Ende gesetzt werde, weil > > ■ 1 .....
Ute mit Benno von Lassow plaudernd vor dem großen Gaskamin. Ute stemmte abwechselnd einen ihrer kleinen, in weißseidenen Schuhen steckenden Füße gegen das goldene Kamingitter, hinter dem die Flammen loderten.
Ein he'ßer Schreck Überkam Etta.
„Da haben wir den Salat," nickte sie Sem Grafen zu. „Ute hat sich gewiß schon wieder erkältet und bloß meinetwegen, weil ich Unverstand in dem offenen Automobil fahren wollte. Sie glauben gamicht, Gras Gröben, welche Wut mich packt, wenn ich sehe, daß es Menschen gibt, die sich selber zu Grunde richten, bloß weil sie ander-n unverständigen Personen nichts abschlagen können. Ra, dem Lassow muß ich von rückwärts kommen, der Mensch ist im Stande und läßt mich das Bielliebchen verllereiu"
Sie nidte dem Grafen burschikos zu und schob sich vorsichtig durch die Menge, um unemerft in Lassows Nähe tu kommen.
Graf v. d. Gröben sah bem reizenden Persönchen in bem matlrofaen Tüllkleide wohlgefällig nach. Me ein schillernber Heiner Vogel tauchte sie jetzt hier unb da auf, bann wandte sich fein Auge zögernd Ute zu, die allem Anschein nach fröftelnb um Kamin lehnte.
Sie war ganz weiß geöeibet, ohne Schmuck, ohne Blumen. Bie Weiche zarte Wellengeriesel umschmeichelte da- duftige Gewand ihre schlanken' Glieder unb Über dem braunen Haar lag ein goldiges Leuchten wie ein Hefligenschein.
(Fortsetzung folgt.)
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