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45. Jahrg.

Die JnfertionSgebühr beträgt für die 7zefpatlene Zeile oder deren Raum 16 Pfennige, für Reklamen 80

Druck und Verlag: Joh. Äug. Koch, llniverfitätS-Buchdruckersi Inhaber Dr. C. Hiheroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen: »Jach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage.

Marburg

Dienstag, 28. Juni 1910.

DieOberheffifche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch di- Post bezogen 2,26 * (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 <K.

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Die UnterhaltungsbeilageNach Feierabend" wird wie bisher spannende Romane und Erzählungen bringen, damit in großem Maße für Unterhaltungs- Lesestoff gesorgt ist.

Die eigenes für unsere Gegend bearbeitete Landwirtschaftliche Beilage" unterrichtet über alle Fragen des Gartenbau»« und der Land­wirtschaft.

Ma« abonniert auf dievberhesstsche Zeitung" bei allen Postämtern für 2 M. 25 Pfg., bei der Grpeditio« (Marburg, Markt 21) und den Zeitnngsstelle« für 2 M. vierteljährlich.

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Markt 21.

Partetpolitik.

Wer in diesen Tagen irgendwo irgendeine 'Zeitung aufschlägt, wird Betrachtungen über den Ausgang der Stichwahl im benachbarten Groß- heryogtum lesen, die so oder so, je nach dem Parteistandpunkte, dem Tage eine besondere Be- deutung beimessen. Wir sind immer der Ansicht gewesen, daß die Haltung der Konservativen und des Bundes der Landwirte in der Frage der Erbschaftssteuer ein Fehler war. Es steht auch außer Zweifel, daß die jetzige heftige Feindschaft her Linken und die laue Haltung weiter Kreis« dis in die Reihen der Konservativen hinein damft in Zusammenhang zu bringen ist. Dar ist für das Parteiwesen in Deutschland in gewisser Weise ver­hängnisvoll, da im Hintergründe immer die Par­tei der roten Internationale lauert, die in gleicher Weise rechts wie links bedroht. Parteihader innerhalb derbürgerlichen" Parteien kommt immer ihr zu gute, und leider ist das alte Uebel der Selbstzerfleischung, das bei uns in Deutschland ja Heimatsrecht hat, noch nicht ausgerottet. Wie un­endlich töricht es für die Parteien der Linken ist, aus dem Verhalten der Rechten bei der Reichs- ftnanzreform parteipolitische Vorteile ziehen zu wollen, zeigen die bisherigen Erfolge der Nach­wahlen deutlich. Nur die Sozialdemokratie hat das Recht hier von Erfolgen zu reden. In Jauer- Landshut hat konservativeWahlunterstützung, die man nach der ganzen Hetze gegen sie nur sehr anerkennen kann, dem Freisinn das Mandat ge­rettet. Wie er dies in Usedom und Friedberg vergolten hat, ist bekannt, und wir haben bereits -- ------'

18-- (Nachdruck verboten.)

Kantate.

Von Anny Wothe.

(Fortsetzung.)

Milla fühlte, daß es hier keinen Widerspruch für sie gab.

Zornbebend stieg sie aus. Kaltlächelnd sah sie über den noch immer bewußtlosen Greis hin­weg, den Hans Jürgen jetzt im Verein mit dem Bedienten vom Boden amporhob und in den Wagen trag.

Ihre grünlichen Augen sentten sich forschend in die angstvollen des jungen Mädchens, das ihr wahrhaft entsetzt in das Gesicht starrte.

Sie hätten aus den alten Mann besser auf- Passen sollen, mein Fräulein," bemerfte sie lieb­los, ihr Kleid zusammenraffend und ohne Gruß über die Straße schreitend.

Die Tochter des Buchhalters sah ihr mit brennenden Augen nach. Jetzt verschwanden die weißen nickenden Federn von Millas Hut, und das junge Mädchen trat langsam mit schweren Schritten an den Wagen, in dem ihr Vater mit geschlossenen Augen in den Polstern ruhte.

Das Schicksal zwingt mich," sagte sie mH einem rauhen Klang in der Stimme,eine Hilfe anzunehmen, die ich weit von mir weisen möchte. Vielleicht aber haben Sie doch wenigstens noch so viel Achtung vor uns, daß Sie mich nicht zwin­gen, Ihre Begleitung zu dulden."

Hans Jürgen hob sie statt jeder Antwort in den Wagen.

Nach dem Krankenhaus," tief er noch dem Bedienten zu, dann setzten sich die Rappen mit den Hunten Bändern und den seltsamen Insassen vor- ßchttg in Bewegung.

öfter darauf hingewiesen, welchen Erfolg das haben wird! Keine Politik ab irato! Der Zorn ist «in schlechter Berater. Aber fragen wird man müssen, ob eine Unterstützung des Freisinns nicht denselben Effeft hat, wie eine Unterstützung des Genossen selbst. Es wird darum notwendig sein, daß dem Freisinn praktisch klar gemalt wird, welche Bedeutung sein Verhalten hat. Eine Nach­prüfung der freisinnigen Mandate ergibt nun ein­mal das zwar nicht überraschende, aber immer­hin bedeutsame Resultat, daß fast alle Man­date der Freisinnigen mit konservativer Hilfe errungen sind. Da mit einem Anwachsen der roten Sttmmzettel für die nächste Wahl ge­rechnet werden muß, wird die Hilfsbedürftigkeit der heute schon nicht übermäßig starken Partei, die nur durch einzelne große Blätter den Ein­druck hervorrast, als habe sie in der Tat im Volke größeren Boden, noch steigen. Das aber wird von den konservativen Parteien niemand verlangen können, daß sie Parteien, die sortgesetzt wie im Delirium nach ihrem Untergang schreien, auch noch unterstützen. Hier Hilst nur kalte Douche. Keine Stimme den Genossen. Aber auch keine dem Freisinn, bis ihm der Verlust des weitaus größ­ten Teiles der Mandate den Schmachtriemen etwas enger gezogen und ihn zur Vernunft ge­bracht hat.

Deutsches Reich.

Der Kaiser in Kiel. Kiel, 25. Juni. Der Kaiser hörte nachmittag die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts des Wirklichen Geheimen Rats v. Valentini und des Chefs des Marinekabinetts Vizeadmiral v. Müller. Um 6 Uhr 36 Min. traf der Reichkanzler auf dem hiesigen Bahnhof ein. Auf dem Bahnsteig waren erschienen der Chef des Zivilkabinetts, der Gesandte v. Treutler, Ober- prästdeitt d. Bülow, Polizeipräsident v. Schröter. Exzellenz v. Valentini und der Gesandte v. Treut­ler begleiteten den Reichskanzler auf dem Ver­kehrsbootHulda" zurHohenzollern", wo der Kanzler Wohnung nahm. Der Kaiser nahm heute Vormittag von Bord aus einige Neuein- richiungen und Neubauten der kaiserlichen Werft in Augenschein. An Bord derHohenzollern" nahm der Kaiser später die Meldungen des Marine-Attaches in Paris, Kavitän zur See Starke und des Professors Hergesell entgegen; Professor Hergesell erschien in der Uniform des Lustschifferbataillon. Kiel, 26. Juni. Heute Morgen fand an Bord derHohenzollern" Gottes­dienst statt, welchen der Kaiser selbst abhielt. Die Predigt, in deren Beginn der Kaiser auf die große Bewegung in der Frage hatHat Jesus gelebt?" hinwies, knüpfte an die Textworte Evang. Lucas 23 Vers 44 an. Am Gottesdienst nahmen der Reichskanzler und die an Bord wohnenden Herren der Umgebung teil. Vormittags 11.30 Uhr be­gann die Wettfahrt des Norddeutfchen Regatta­vereins auf der Kieler Förde bei günstigem Wei­ter. Zahlreiche Begleitdampfer gingen hinaus. In Klasse A I startete Meteor" mit dem Kaiser an Bord. Als Gäste zum Mi'segeln auf demMe­teor" waren geladen der Reichskanzler, Oberhof­marschall Graf zu Eulenburg. Staatssekretär von Tirpitz, Staatssekretär Freiherr Zorn von Bulach,

Das junge Mädchen hielt das Haupt ihres Vaters, von dem leise das Blut aus einer Stirn­wunde über die weißen Damastpolster des Wa­gens sickerte, angswoll an ihre Schulter. Ihre Äugen aber waren in bitterer Abwehr auf den Mann gerichtet, der ihr gegenüber faß, und plötz­lich nach ihren beiden Händen fassend, mit heißem Tone sich zu ihr neigte:

Rickle, ich bitte Dich, nicht so. Ich weiß, daß Du mich verachten mußt, aber Du toefrt nicht, was ich leide. Sei barmherzig, Rickle, und glaube mir, daß auch mein Leben zerstört ist, wie das Deine."

Mein Leben," entrang es sich leise den blassen jungen Lippen,was liegt daran, aber hier dem allen Manne haben Sie noch das Letzte genom­men, denn er hatte nur mich. Und in törichtem Eifer und Zorn glaubte er wohl etwas für mich retten zu können, als er Sie plötzlich int Hoch­zeitswagen gewahrte und den Wagen anhielt, um Ihnen ins Gesicht zu fchleudern, was er Ihnen zu sagen hat, und was er sich im Frohndienst der Arbeit nicht traut Ans den Knien habe ich meinen .ater gebeten, seine Stellung bei Ihnen auszu- fleben, aber er hat mir immer wieder das Eine geantwortet:

Richt vorKantate". Es wäre seine Pflicht, zu bleiben. Und nun," schloß sie tief atmend, hat das Schicksal selbst entschieden. Wir werden frei von Ihnen, ganz frei fein und nichts, nichts soll uns mehr an eine Zeit mahnen, die tot und vergessen fein foll."

Besorgt streifte ihr Auge das verfallene Gesicht des Heinen alten Mannes, von dessen Lippen jetzt leife ein Seufzer zitterte.

Rickle," rief Hans Jürgen beschwörend,ich fleh« Dich an. Nimm mir nicht auch noch daS Letzte. Laß mich nicht noch das Bewußtsein

Exzellenz von Valentini, Horftnarschall Freiherr von Seckendorfs, Oberprästdent von Bülow, Ge­sandter Graf von Götzen, Generaldirettor Ballin.

Von der Deutschen Ausstellung in Brüssel. Brüssel, 25. Juni. Heute Abend fand im deutschen Haus aus Anlaß der Anwesenheit der Minister Delbrück und Sydow und der Mitglieder des In­ternationalen Kongresses für Bergbau und Hütten­wesen'ein Festmahl statt. Das Kaiserhoch brachte Minister Hubert aus, der die deutf<e Ausstellung als Hymnus auf den deutschen Gewerbefleiß und als Beweis der Stärke der germanischen Rasse bezeichnete. Das Hoch auf den König Albert brachte der Gesandte von Flotow aus, worauf Staatssekretär Delbrück unter Dankesworten an alle belgischen Instanzen, die die deutsche Abtei­lung gefördert hätten, erlärte, daß es heute nicht seines Amtes fei, die Leistungen seiner Landsleute zu Preisen und den Ruhm seines Vaterlandes zu verkünden, daß er aber dankbarst der Anerkennung gedenke, die ihm und seinem Kollegen Sydow über den Erfolg der beutidicn Ausstellung ausge­sprochen wurden. Diese Freundschaftsbeweise von belgischer Seite begründeten die Zuversicht, daß die Brüsseler Ausstellung M dem Bande toirt- schaftl'cher Beziehungen zwischen ^Belgien und Deutschland ein Band der Freundschas' des Herzen füge, daß sie die Friedensarbeit im Inter­esse der Kultur fördere.

Ein Nachspiel zu den Ferrer Kundgebungen. München, 25. Juni. In dem Prozeß gegen den Schriftsteller Mühsam-Berliu, den Cbemigraphen Wittig-Berlin, den Arbeiter Art! Mühldorf, ben Reisenden Kindler-Heidelberg und den Klavier­spieler Schulz-Neustadt a. d. Haardt, die wegen Geheimbüudelei und Vergehens gegen die öffent­liche Ordnung, verübt durch Entfernung des Schil­des des spanischen Konsulats, gelegenttich der Ferrer-Versammlung angeklagt waren, wurde das Urteil gesprochen. Sämtliche Anaeklagte wurden von der Anklage der Geheimbündelei freige­sprochen. Schulz und Artl wurden wegen Ent­fernung eines Hoheitszeichens zu fünf bezw. drei Monaten Gefängnis verurteilt.

Die Affäre Hellfeld. Berlin, 25. Juni. Der Ger'ckttshof zur Entscheidung der Kompetenz­konflikte verhandelte in der Sache Hellfeld gegen den Fiskus des russischen Reichs. Vertreten waren Hauptmann v. Hellfeld, das Banchaus Mendels­sohn u. Co. und der Minister der auswärtigen An­gelegenheiten. Die rassische Regierung ist nicht vertreten. Der Gerichtshof erkannte für Recht, daß der Rechtsweg in dem Amtsgericht Berlin Mitte anhängigen Zwangsvollstreckungsverfahren in dieser Sache unzulässig sei; deshalb sei der vom Minister des Auswärtigen erhobene Kompetenz- konflitt als begründet zu erachten und daher der Pfändung-Ueberweisungsbeschlutz des Amtsge­richts Berlin I aufzuheben.

Graf Pückler, der vor einigen Tagen als Patient der Münchener NervenheilanstaltReu- friedersheim "bei einem Ausflug nach Kufftein seinem Wärter entkommen war und der im Dorfe Watten bei Hall in Tirol von seinem ältesten Brüser und seinem anderen Vormund abgeholt worden ist, hat mit diesen die Zeit in München verbracht und in einem Hotel gewohnt. Die Fa- rnllie ist der Ansicht, daß der Graf nach wie vor in Anstatlsbehandlung bleiben muß. Er ist des­

tragen, daß ich auch noch Deines Vaters Existenz in Frage stellte, daß meine'toegen vielleicht Not und Sorge bei Euch einkehrten."

Not und Sorge?" wiederholte das junge Mädchen bitter, die Heine Pelzmütze fester auf das blonde weichgelockte Haar drückend,was wißt Ihr denn, die Ihr von Sorgen sprecht, von der Herzensnot, von der Seelenpein, die Ihr lächelnd über uns bringt, die wir arm sind, gut genug, um Euch eine Heine Weile als Spielzeug zu dienen, um bann achtlos fortgeworfen und vergessen zu werben."

Ihr Auge streifte mit bunklern Blick den von Milla vergessenen kostbaren Orchibeenstrauß, der neben Hans Jürgen auf dem Wagensitz lag.

Der junge Mann war ihrem Blick gefolgt. Eine bunHe Röte flog über fein Antlitz. Hastig griff er nach dem Strauß und warf ihn zum Wagenfenster hinaus.

Er mochte ben lächerlichen stummen Zeugen der Komödie, die hier aufgeführt wurde, nicht fehen. Am liebsten hätte er die Wagenfenster zer­trümmert und die weichen Riffen mit der schillern­den Seide zerstört. Arn liebsten hätte er sich selbst vernichtet, und habet mußte er geduldig diesem Mädchen gegenüber sitzen und den barmherzigen Samariter spielen.

Er lachte ganz laut und schrill auf. Rickle sah ihm ernst und beftemdet ins Gesicht.

Der Wagen hielt jetzt vor dem hohen Portal des Jakob-Hospitals.

Ich danke Ihnen nicht," sagte Rickle, sanft das Haupt ihres Vaters aus ihrem Arm gleiten lassend,daß Sie uns gegen den Willen Ihrer Braut hierher geführt haben, und ich wünsch« auch für die Folge keine Teilnahme und Erkun­digung nach dem Ergehen deS alten Mannes hier. Unsere Weg« sind geschieden. Jeder Annäherung».

halb am Sonnabend noch in ein Sanatorium nach Thüringen gebracht worden.

Ausland.

** König Ferdinand in Paris. Chalons, 25. Juni. Präsident Fallitztes begab sich in Beglei­tung des Königs der Bulgaren von hier nach Mourmelon le Grande, wo Schießübungen uns Aufstiege von Aeroplanen veranstaltet wurden Nach Beendigung derselben kehrten der König uni der Präsident nach Paris zurück.

** DiePluviose". Calais, 25. Juni. Di« Pluviose" wurde heute ins Trockendock gebracht. Die Untersuchung des UnterseebootsPluviose" ergab, daß der Schiffsraum buchstäblich aufge- riffen und von Wasser ungefüllt war. Infolge- dessen war das Hinterteil gesunken, während das Vorderteil durch den starken Luftdruck sich noch einige Zeit über Wasser halten konnte. Das Er­gebnis der Untersuchung bestätigt die Ansicht, daß der Tob der gesamten Mannschaft auf der Stelle eingetreten ist.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Ortginalartiket ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe

.Oberheff. Ltg." gestattet.)

Marburg, 27. Juni.

Die Delegierten-Versammknng des Allgemeine« Deutschen Realschulmänner-Bereins wurde in diesem Jahre in unserer Stadt und zwar am 25. und 26. Juni abgehalten. Sie ist, um dies gleich vorweg z» nehmen, nach der Aussage der Teilnehmer in glän­zender Weise verlaufen. Sie zeigte, wie alle Del«, gierten mit begeisterter Hingabe be Realschulwesen ergeben sind und nicht ruhen werden, bis die voll« Gleichberechtigung der sogenannten Realanstalte« nicht nur amtlich, sondern auch in dem Urteil der Be­völkerung erreicht sein wird. Der Besuch war über­aus zahlreich: nicht nur fast alle Provinzen Preußens waren vertreten, sondern auch eine große Zahl von Bundesstaaten: von Mecklenburg bis Baden, Bayern und Württemberg, nicht zu vergessen der Sachsen, welche den langbewährten und hoch verdienten Vor­sitzenden, Geheimrat Dr. Steinbart in Duisburg, zu ihrem Ehrenmitgliede erkoren haben. Diese Ver­sammlungen sind nicht öffentlich, es wird zu ihnen nicht öffentlich eingeladen. Sie sollen kein Schau­gepränge, sondern ein Arbeitstag sein. Aber doch werden aus dem Orte der Tagung Ehrengäste einge­laden, und so war es auch hier, lleberraschend zahl­reich waren die Herren der Bitte um ihre Beteiligung gefolgt; wir können nicht die Namen aufzähl,.n, wol­len aber angeben, daß die Stadt, das Militär und in besonders erfreulich großer Zahl die Universität (wenn wir nicht irren: durch 10 Herren) vertreten war. Leider waren aber auch manche Herren, deren Gegenwart sehr erwünscht gewesen wäre, vo hindert, wie das ja in dieser Jahreszeit in unserer guten Stadt nun einmal nicht zu vermeiden ist. lieber den Verlauf der Tagung wollen wir nur kurz berich­ten. Schon die Versammlung am Sonn^e*^ Abend war von ungefähr 80 Herren besucht. In branntet.

versuch würde nur eine neue Schmach für mich und meinen Vater bedeuten."

Sage, daß Du mir vergeben bast, Stiefle," flüsterte Haus Jürgen heiß, während der Bedient« die herbeieilenden Krankenwärter informierte, die den alten Buchhalter Güncher, der jetzt langsam die großen lichtblauen Augen aufschlug und ver- berftört um sich sah, ins Hans tragen.

Nein," kam es herb von den jungen Lippen. Niemals! Sei glücklich, wenn Du kannst."

Die Tür fiel dumpf hinter Rickle ins Schloß.

Da stand Hans Jürgen wie ein Ausgestoßener allein auf der breiten Steintreppe des Kranken­hauses.

Was hatte er nur eigentlich gewollt?

Sagen, daß man den alten Mann dort gut verpflegen sollte? Das geschah wohl auch so. Daß er die Kosten tragen wollte, oder sonst was?

Ein Windstoß ritz ihm den Hut vom Kopfe. Er merfie es garnicht. Mechanisch nahm er dem Diener den Hut ab, der den FlüchÜing wieder ein« gefangen hatte.

Dann stieg Hans Jürgen in den Wagen. Seine Wangen glühten diinkelrot wie im Fieber.

Er lehnte den Kopf tief in die weißen Damast- Polster zurück und fchlotz die Augen.

Wie ein Sterbender kam er sich vor.

Unaufhaltsam rollte der Wagen mit ihm über den weißen Schnee der Landheimer Villa zu.

So endigte Hans Jürgens Brauffahri. di« et sich einst so anders, so ganz anders gedacht.

Leise fielen die Flocken auf die Erde, sie fiele« wie ht Bartuch auf sein Herz.

Der törichte Traum, den et einst geträumt, der mußte und sollte zu Eyde fein.

(Fortsetzung folgt.)