mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
»nd den Beilagen: „Nach Feierabend» (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftlich« Beilage."
Jto 145
Tie „Oberhrffische Zeitung» erscheint täglich mit AuZnabme der Sonn« und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch di: Post bezogen 2 25 Jt (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 *<it.
Marburg
Freitag, 24. Juni 1910.
Die Jnsertion-gebühr beträgt für die 7zespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. — Druck und Verlag: Joh. Slug. Koch, UaiversitätS-Buchdruckrrei Inhaber Dr. C. Hiheroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
45. Jahrg.
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Overheffische Zeitung
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Kreisßlalt für die Kreise Marbürg «nd Kirchhai«
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Die Unterhaltungsbeilage „Nach Feierabend" wird wie bisher spannende Romane und Erzählungen bringen, damit in großem Maße für Unter- Haltungs-Losestoff gesorgt ist.
Die eigens für unsere Gegend bearbeitete „Landwirtschaftliche Beilage" unterrichtet über alle Fragen des Gartenbaues und der Landwirtschaft.
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Der Streit über die Bo.romcius- Snzyklik-
ist aufs neue entflammt. Von einer Abnahme der Protestbewegung kann kaum die Rede sein. In Bremen fanden zwei große Protestversammlungen statt. In einer Studentenversammlung in Leipzig sprach Prof. Lamprecht. Dem König von Sachsen wurde ein Huldigungstelegramm gesandt, in dem ihm der Dank für das tatkräftige Eintreten zugunsten des konfessionellen Friedens ausgesprochen wurde. Der Dresdener Bllrgerausschuß für vaterländische Kundgebungen hat beschloßen, dem König au» Dankbarkeit und Freude über sein Eintreten für die evangelisch-lutherische Sache eine große Huldigung der gesamten Bürgerschaft darzubringen.
Den wesentlichsten Anteil an dem neuen Aufflammen des Streites trägt ein Teil der vatikanischen und klerikalen Presse. Es muß die Evangelischen schwer reizen, wenn ihnen hier bewiesen wird, daß das angebliche Entgegenkommen des Papstes gegenüber den Vorstellungen der preußischen Regierung „Spiegelfechterei" sei. Die „Sächs. Volkszeitung", das Organ des Abg. Erzberger, schreibt von „bitteren Pillen", die der Vatikan der preußischen Regierung „in Schokoladenpulver eingewickelt" habe zu teil werden lassen, und die „Nürnberger Volkszeitung" meint gar: „Angenommen, die Nachricht sei richtig, so hätte der Papst und sein bestgehaßter Staatssekretär Merri del Val die „entrüsteten" Schreier großartig über den Löffel barbiert. Denn unseres Wissens wäre das die erste päpstliche Enzyk-
16 (Nachdruck verboten.)
Kantate.
' Von Anny Wothe.
. * (Fortsetzung.)
Der goldene Abendschein verblaßte und Leipzig, in dem hier und da schon ein Licht aufblitzte, lag in einem graufahle.r Licht. Wie Schnee lastete es schon in der Luft. Er würde dieses Jahr auf Rosen fallen.
In der Nähe des Flutkanals, dort, wo man einen freien Ausblick über die Wiesen zum Nonnenholz hat, lag ein prunkvolles Haus. Arkaden von weißem Marmor zogen sich um die Längsseiten des Gebäudes, große, im Sommer von üppigen Blumen umwucherte Veranden blickten hinaus in das malerische Landschaftsbtld, das sich hier den entzückten Blicken bot.
Jetzt lag eine weiße Hülle über dem Kanal, sie spannte sich weit hin über die Wiesen und hing wie weiches Schwanengesieder an den Bäumen des nahen Waldes. Es war ein Glitzern und Flimmern in der List und ringsum Sonntagsstille. Rur ab und zu der jauchzende Laut einer Kinderstimme. Es waren Knaben, welche die schwache Eisdecke des Flutkanals erprobten.
In einem großen Salon zur ebenen Erde des stattlichen Hauses, an das sich ein üppiger Wintergarten schloß, lehnte eine junge Dame am Fenster und schaute hinaus in den Wtntertag. Zwischen den grünlich schillernden Augen des jungen Mädchens grub sich eine böse Falte.
Ein langschleppendes weißes Gewand fiel aus den dicken lichtgelben Smyrnateppich. Gelb war Auch die breit« Seidenschärpe, die das los« Ge-
lika, die auf den Kanzeln verkündet würde. Also man protestiert, man parlamentiert, man kündigt in der Schule an: „Der deutsche Kaiser wird es dem Papst schon besorgen!" und das Ende vom Lied ist: Die Enzyklika wird nicht aus den Kanzeln verkündet, weil von Anfang an kein Mensch, auch der Papst nicht, die Enzyklika von den Kanzeln verkünden lassen wollte. Wir gratulieren zu dem Erfolge."
Die Blätter hätten bedenken sollen, daß erstens die Offenheit und Ehrlichkeit des Vatikans bei dieser Auslegung sehr schlecht weg kommt und daß zweitens mit ihr dem konfessionellen Frieden schlecht gedient wird. Man kann der evangelischen Bevölkerung nicht zumuten, daß sie nach allem, was vorgefallen ist, einen derartigen bittern Hohn erträgt.
Zu dem neuerlichen Streit nimmt jetzt auch die „Rordd Allgem. Zeitung" mit folgenden Ausführungen das Wort: „Unsere Mitteilungen vom 15. Juni über die Erledigung des durch die Boromäus Enzyklika hcrvorgerufenen Streitfalles werden von einem Teil der Presse unter Bemfung auf die Veröffentlichungen vatikanischer Blätter in Zweifel gezogen. Von unseren Mit teilungen haben wir kein Jota zurückzunehmen. Sie geben genau die Erklärungen wieder, die vom päpstlichen Staatssekretariat dem preußischen Gesandten schriftlich und mündlich gegeben worden sind. Weder die Klarheit noch die politische Bedeutung dieser Erklärungen können durch nachträgliche Kommentare verdunkelt oder abge schwächt werden. Ist deninach daran festzuhalten, daß der päpstliche Stuhl den von der preußischen Regierung gestellten Forderungen entsprochen hat, was den Ausdruck des Badauerns über die durch die Enzyklika hervorgerufene Störung des konfessionellen Friedens betrifft, so ist das in der Note des Staatssekretärs gebrauchte Wort „dis placere" von uns zutreffend mit „Bedauern" übersetzt worden, wie sich leicht aus einem italienisch deutschen Wörterbuch ersehn läßt. Die gleiche Uebersetzung findet sich übrigens auch in der aus Rom datierten Wiedergabe der Note im Wiener „Vaterland" Gefordert wurde ferner am 8. Juni das Unterbleiben der kirchcnamtlichen Veröffentlichung der Enzyklika in den deutschen Diözesen. Am 11. Juni ließ der Staatssekretär dem preußischen Gesandten in amtlicher Fonn Mitteilen ,daß der Papst bereits den deutschen Bischöfen befohlen habe, solche Veröffentlichung zu uMerlassen. Für die Bedeutung dieses Schrittes ist es unerheblich, ob die päpstlichen Abordnungen schon vor Erhebung der preußischen Forderung ergangen sind oder nicht. Der preußischen Regierung konnte es nur auf die Taffache der schleunigen Inhibierung der kirchenamtlichen Publikatton ankommen. Das Vorgehen der preußischen Regierung hatte von Anfang an kein anderes Ziel, als die Störung des Friedens unter den Konfessionen abzuwehren und gutzumachen. Dabei befand es sich in Uebereinsttmmung mit dem preußischen Abgeordnetenhaus und führenden Kreisen des evangelischen Volkes. Daß der Abschluß des Konflikts das evangelische Ernpfin den befriedigen durste, ist nach unserer Veröffentlichung vielfältig zum Ausdruck gekommen. Zu einer Aenderung dieser Auffassung liegt nicht der mindeste Grund vor."
wand gefesselt hielt, gelb die schweren seidenen Vorhänge, gelb, von starrer Seide die Bezüge der weichen Empire-Möbel, die rings in stilvoller Anordnung gruppiert waren. Ueber das gelbseidene Ruhebett war ein großes weißes Eisberenfell gebreitet und ein anderes lag vor dem zierlichen Schreibttsch mit dem lichtgelben Tuchbezug auf der Platte.
Milla Landheim, die unbeweglich am Fenster verharrte, liebte es, ihre Kleidung stets im Einklang mit den Farben ihres Salons zu bringen, und so kam es denn, daß ihr Salon auch oft seine Farben und Formen wechselte.
Gegenwärttg war gelb und weiß die Losung.
Das gelbe, augenscheinlich gefärbte leuchtende Haar der jungen Dame fügte sich harmonisch in die herrschende Farbensymphonie des Gemaches und die wundewollen gelben Rosen, die jetzt trotz der Winterszeit aus Schalen und Vasen ranften, verbreiteten einen leisen süßen Duft.
Millas Laune war durchaus keine sonntägliche. Ungeduldig trat ihr kleiner Fuß den Boden, und mehr als einmal wandte sie den Blick vom Fenster hinweg zur Tür.
„Wo er nur bleibt," murmelte sie zwischen den Keinen Zähnen hervor, „er scheint wirklich keine Eile zu haben, hierher zu kommen."
Sie sah abermals auf die Keine mit Brillanten besetzte Uhr ihres Kettenarmbandes, dann trat sie wieder einige Schritte in das Zimmer zurück; denn ihr auftnerffam lauschendes Ohr hatte Schritte vernommen.
„Er ist es wieder nicht!" konstatterte sie dann mit allen Zeichm des Unmuts. „Ach, Papa," rief sie jetzt einem eleganten, etwa fünffzigjährigen Manne entgegen, der mit der chevaleresken Be-
meister Marx willkommen geheißen, worauf da« zahlreich den Ballonplatz füllende Publikum stürmische Hochrufe aus den Grafen ansttmmte. Graf Zeppelin dankte in herzlichen Worten füre die Begrüßung. Er sei ihm eine große Freude gewesen, daß er selbst habe hierher kommen können und er freue sich doppelt, eine solche Begrüßung erfahren zu haben. Unter den brausenden Hochrufen verließ der Graf di« Gondel.
Nach der Landung hat Dr. Eckener über das neue Luftschiff und die Fahrt einem Berichterstatter einige interessante Mitteilungen gemacht, ll. a. heißt es da: Die gegenüber den ftüheren Luftschiffen getroffenen Aenderungen haben bewirkt, daß der Widerstand in der Luft erheblich geringer und somit die Geschwindigkeit bedeutend größer geworden ist, die bei etwa 20 000 Kubikmetern Inhalt und nur 360 Pferdekräften teilweise 60 Stundenkilometer betragen hat. Das neue Luftschiff „L Z 7“ oder, es in Zukunft heißen soll: „Deutschland", ist das erste Passagierschisi, und die Kabinenanlage ist als sehr glücklich zu bezeichnen. Man sitzt bequem, hat' ausgezeichneten Ausblick, man kann schreiben und lesen, und die mitfahrenden Damen könnten die feinsten Handarbeiten verrichten.
Politische Umschau.
Saaienstand im Reiche.
Berlin, 22. Juni. Der Saatenstand be5 Reiches betrug Mitte Juni bei Winterweizen 2,2 (Vorjahr 3.0), bei Sommerweizen 2,5 (Vorjahr 2,7), bei Winterspelz 2,0 (Vorjahr 2,4), bei Win- terroggen 2,4 (Vorjahr 2,8), bei Sommerroggen 2,5 (Vorjahr 2,5), bei Sommergerste 2,5 (Vorjahr 2,5), bei Hafer 2,6 (Vorjahr 2,6), bei Kartoffeln 2,5 (Vorjahr 2,6), bei Klee 2,2 (Vorjahr 3.3), bei Luzerne 2,2 (Vorjahr 31,), bei Bewässerungs- Wiesen 1,8 (Vorjahr 2,8), andere Wiesen 2,3 (Vorjahr 3,3). Unter den Bemerkungen heißt es: Strichweise zwar brachten häufig warme Ge- witteregen den Pflanzen die zum Wachstumr nötige Feuchtigkeit, in vielen Gegenden aber waren bis zur Zeit der Berichterstattung noch keine, oder nur unbedeutende Niederschläge gefallen, sodaß dort über große Dürre geklagt wurde. Heber sterische Schädlinge wird wenig geklagt, umsomehr aber über starke Verunkrcm- tung der Felder. Wintergetreide hat der anhaltenden Trockenheit verhältnismäßig gut widerstanden. Sommerhalmfrüchte werden recht ver« scheiden beurteilt. Wo hinreichende Niederschläge gefallen stnd, machte das Wachstum gute Fortschritte, wo aber anhaltende Dürre herrschte, blie- he« die Sommersaaten mehr oder weniger zurück, nm meisten bei Hafer, bei dem vereinzelt schon Mißernte befürchtet wird, falls nicht bald in ausgiebiger Regen fällt. Kartoffeln stnd vielfach ungleichmäßig aufgelaufen, zum Teil lückenhaft bestanden, entwickeln sich aber im allgemeinen befriedigend. Der erste Schnitt der Futterkräuter, Klee und Luzernen wurde größtentells und zwar in recht reichlichen Mengen eingerntei. Auch die Beschaffenheit des Heues ist fast überall in vollem Gange und fällt meist reichlich aus, verschiedentlich stehen sogar sehr hohe Erträge in Aussicht, zu deren Werbung die Fortdauer des warmen, trocknen Wetters sehr erwünscht wäre.
Ein neuer Siegeszug des Grafen Zeppelin.
Die gestrige Fahrt des 1. Zeppelinschen Passagierluftschiffes hat überall freudiges Erstaunen hervor- genifen. Weite Kreise hatten bereits begonnep, dem Zeppelinschen System etwas skeptischer gegenüber zu stehen, namentlich seit der Katastrophe von Weilburg. Das vorzügliche Gelingen der gestrigen Fahrt hat die Scharte ausgewetzt, und der französische Kriegsminister, der vor einigen Tagen e. tärte, Frankreich müsse lenkbare Luftschiffe haben, und zwar bessere als Deutschland: Deutschland habe nämlich bisher nur lenkbare Luftschiffe, deren Fahrten zwar angekündigt, aber entweder wieder abgesagt würden oder den Luftschiffen selber die Vernichtung brächten, wird vielleicht in Zukunft etwas vorsichtiger mit seinen Urteilen über die Leistungen Deutschlands sein müssen.
An der Fahrt nahmen teil außer dem Grafen Zeppelin als Führer die Mitglieder des Aufjichts- rates der Deutschen Luftschiffahrtsaktiengesellschaft und ferner Geheimrat Löwe-Berlin und Kommerzienrat Vögele-Mannheim. Sie nahmen das Luftschiff für die genannte Gesellschaft ab. Ferner nahmen teil Direktor Colsmann, Dr. Hugo Eckener, zwei Luftschiffkapitäne, die Monteure sowie einige Führer der Deutschen Luftschiffahrtsaktiengesellschast, insgesamt 13 Personen.
Wie bekannt, soll „L Z 7“, der in Düsseldorf den Namen „Deutschland" erhält, der erste Passagierluftkreuzer der Luftschiffaktiengesellschaft werden.
Wie ein Automobil, so lenkbar hat „L Z 7“ die ganze Fahrt vollführt. In der Kabine waren keine Erschütterungen zu spüren. Die Freude und Genugtuung des Grafen und seiner Mitarbeiter, nicht minder der Fahrgäste über die schnelle und glatte Fahrt find groß. Die geleistete Schnelligkeit hat die Erwartungen zum Teil weit übertroffen. Da der „L Z 7" mit wechselnder Geschwindigkeit gefahren ist, so läßt sich einstweilen nur eine Durchschnittsgeschwindigkeit für die gesamte Strecke feststellen. Die Entfernung der durchfahrenen Strecke in der Luftlinie beträgt etwa 470 Kilometer. Da diese Entfernung in 8% Stunden zurückgelegt worden ist, so ist damit eine Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 54 Kilometern in der Stunde erreicht worden.
Während die Z-Schiffe bisher 12—15 000 Kubikmeter groß und 136 Meter lang waren, hat der „L Z 7" als erstes Passagierschiff einen Rauminhalt von über 19 000 Kubikmetern und ist 148 Meter lang. Der „L Z 7" hat zwei Maschinengondeln, in deren vorderer ein Motor und in deren Hinterer zwei Motoren von je 110—120 Pferdekräften stehen. Dje Motor« treiben je ein Paar Schrauben. An Bedienung braucht der „L Z 7" 7 bis 8 Mann. Als erstes Passagierschiff hat der „L Z 7" eine große Kabine, die in den Laufgang zwischen beiden Gondeln eingebaut ist und für 16—20 Personen — je nach Gewicht — Raum bietet. Demnach kann der Z 7" unter normalen Umständen nahezu 28 Menschen mitnehmen.
Nachdem das Luftschiff gelandet war, wurde Graf Zeppelin mit herzlichen Worten von Oberbürger-
dringlich und sah ihrem Vater forschend in daS Gesicht, das mit seinem mächtigen rotblonden Schnurrbart und den graublauen Augen ihr beute besonders jugendlich erschien.
Ihr Vater war wirllich ein stattlicher, ja saft noch ein schöner Mann! Etwas wie blinde Angst kam über sie. -
„Papa, Du willst doch nicht etwa das schrecklich aufgeputzte Frauenzimmer, die Petöfi, heiraten, die jetzt hier überall herumwinnnelt? Ich hörte von Etti, daß sie neulich mit Dir in unserer Theaterloge und auch ftn Gewandhaus gewesen ist."
Eine leichte Röte flog über Landheims Antlitz.
„Unsinn, Kind," sagte er leicht hin. „Also, sie gefällt Dir nicht, diese Sorka Petöfi? Merkwürdig, daß sie so wenig Frauen gefällt. Bei den Mannern ist das anders. Ganz Leipzig steht schon ihretwegen auf dem Kopf, ich meine die Manner natürlich. Im übrigen kannst Du ohne Sorge sein Milla, ich denke gar nicht daran, mrch wieder zu verheiraten. Wie Du weißt, kenne ich Fr<m Petöfi von Ostende her, und da sie hier fremd ist, hat sie sich natürlich gleich an mich -ttachiert.
Die Spannung in Millas Gesicht begann langsam zu Weichen. Jetzt lief eine leidjte Slirt» welle darüber hin, denn den anmeldenden Diener bei Seite schiebend, trat Hans Jürgen hastig in den Salon. , .__
Er war im Frack. Den Klapphut unter dem Arm, reichte er seiner Braut einen Strauß kostbarer gelber Orchideen.
„Verzeihe, Milla," enffchuldigte er sich, seinen Schwiegervater fiüchttg begrüßend, „daß ich Dich warten ließ, ich hatte eine geschäftliche Honferen^ die sich nicht aufschieben ließ." (Fortsetz, folstl.)
weglichkeit eines jungen Elegants in das Zimmer trat, „es ist gut, daß Du kommst, vielleicht kannst Du mir sagen, wo Hans Jürgen heute eigentlich steckt. Wir wollten doch Visiten fahren,"
„Soll ich Deines Bräuttgams Hüter sein, Milla?" lächelte Bantter Landheim selbstgefällig. „Nein, Kleine, damit wirst Du Dich Wohl selber befassen müssen. Ich habe Dir den Willen getan, in die Verlobung zu willigen, ttotzdem ich eigentlich andere Pläne hatte, aber mit Hans Jürgen, Kind, mußt Du selber fertig werden."
„Er ist eine so schwierige Natur," flogt« Milla, und wie Zornestränen funkelte es in ihren Augen.
„Ja,„ lachte der Bankier gemütlich, „schwierig sind wir Männer alle. Was würdest Du wohl sagen, Millachen," fragte er listig, indem er sich, wie es fchien, etwas verlegen über das schon etwas dünne, glattgescheitelte, rotblond« Haar strich, „wenn ich auch noch einmal auf Freiers- füßen ginge?"
„Papa, Du wolltest?" fchrie Milla erfchreckt auf und umklammerte den Arm ihres Vaters mit beiden Händen.
„Na, warum denn nicht?" fragte der Bankier, seine große, robuste Gestalt selbstgefällig in die Höhe reckend. Bin ich etwa zu alt dafür? Wenn Du erst fort bist, wird es hier sehr einsam sein."
„Das hat ja noch lange Zett," nahm Milla bitter das Wort. „Du weißt ja, Hans Jürgen denft vor „Kantate" nicht an Hochzett. Das ist im Mai."
„Ra, also, ich denke auch nicht früher daran, Kind," lachte »anfier Landheim, „«S hat also Zett."
„Papa, Du scherzest doch wat" fragte Milla