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unb den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage."

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M 140

DieObertzesiische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch di: Post bezogen 2,25 'M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 rJt.

Marburg

Somabend, 18. Juni 1910.

Die JnferttonSgebühr beträgt für die 7zcspaltcne Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. Druck und Verlag: Joh. Äug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei Inhaber Dr. C. Hiheroth, Marburg, Markt 21. Telephon 65.

45. Jahrg.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 49.

Friedberg-Büdingen.

Ueber die Wahl in Friedberg-Büdingen fin­den in der Presse lebhafte und zum Teil intet» «ssante Erörterungen statt:

DieNationalzeitung" schreibt:Der AuS- fall der Wahl bedeutet für die nationalliberale 1 Partei einen schweren Mißerfolg. Diese Tatsache läßt sich nicht hiuwegdisputteren und muß alS wichtiger Faktor für künftige Wahlberechnungen in Betracht gezogen werden. Die Zunahme der Sozialdemokratie war vorauszusehen und bietet für den Stimmenausfall der nationaMberalen Partei weder Entschuldigung noch Trost. In der Stichwahl wird das Mandat wohl dem Bunde der Landwirte anheimfallen; denn wir können nicht annehmen, daß viereinhalbtausend nattonallibe- Tale Wähler mit Gewehr bei Fuß stehen bleiben werden."

Ebenso entschlossen tritt dieNat.-lib. Korresp." für Dr. v. Helmolt ein:

Es wird nun für die Sttchwahl darauf an­kommen, alle Kräfte zusammenzureißen, um das Mandat wenigstens nicht der Sozialdemokratte anheimfallen zu lassen. Es darf für dir National­liberalen Büdingen-FriedbergS keinen Augen­blick ein Zweifel bestehen, wohin sie die Pflicht tust. Sobald sich auch nur ein kleinerer Teil der Stichwahl fernhält, ist der Sozialdemokratie der ©leg sicher. Das ist aber auf jeden Fall zu ver­meiden. Das gemeinsame bürgerliche Jntereffe hat in diesem Augenblicke allen anderen, noch so verständlichen Rücksichten und Gefühlen voranzu­stehen."

Dieser erfreulichen Entschiü>enheit steht die Werbung der linksliberalen Organe für die So- -ialdemokratte gegenüber. Die freikonservative Post" hatte angesichts der Sttchwahl die Frage aufgeworfen:

Wo bleibt der Hansabund? Seine Sache wäre es, mit allem Nachdruck daraus hinzuwir- kön, daß die zur Entscheidung stehendm beiden Mandate nicht an die Sozialdemokratte verloren stehen. Verabsäumt die Leitung deS Hansa- Bundes hier klare Stellung zu nehmen, so wird er schwerlich in der Lage sein, der Behauptung her Gegner mit Erfolg entgegenzutreten, daß der H'ansa-Bund im wesentlichen linksliberale Ten­denzen verfolgt. ES wird dann auch eine Schei­dung der Geister innerhalb d«S Hansa-BtmdeS schwer zu vermeiden sein,"

Diese Bemerkungen haben derFrankfurter Bettung* eine so reizende Meinungsäußemng Nttlockt, die verdient ,festgehalten zu werden. DaS Blatt schreibt:

Schlimmer, als eS hier geschieht, kann wohl eine absolut klare Situation nicht entstellt wer­den. In den beiden Wahlkreisen, in Friedberg- Büdingen wie in Usedom-Ueckermünde, ist zwi­schen einem extremen Agrarier und einem Sozial­demokraten zu entscheiden. Für den Links- liberalismus, so weit er zur Erkenntnis der poli- ttschen Notwendigkeiten durchgedrungen ist, gibt es hier überhaupt keine Frage: für ihn gibt eS

seit der Entscheidung der Reichssiuanzreform nur eine Kampfstellung, die gesamte Linke gegen die gesamte Rechte; wer direkt oder indirekt denAgrariea fördert, kommt dem Feinde zu Hilfe; Mann für Mann für denSozial- demokraten, das ist die einzig mögliche Parole. Und auch für den Hansabund mit seiner rein wirtschaftspolitischen Orientierung wäre dies die einzig konsequente Stellungnahme. Wenn der Hansabund nicht diese Polittk desHeineren Hebels* treibt, wenn er im Kampfe gegen die Rechte nicht auch für den Sozialdemokraten ein­tritt, sondern bei Stichwahlen zwischen diesem und dem Agrarier auf eine Stellungnahme ver­zichtet, so ist schon bie8_ eigentlich eine Inkonse­quenz ,eine Konzession an diejenigen seiner Mit­glieder, die noch immer sür die Solidarität aller bürgerlichen" Parteien und ähnliche schöne Dinge schwärmen. Mit einer Polittk, wie die Post* sie vorschlägt, würde bet Hansabund sich selbst das Todesurteil sprechen, denn er würde damit seinen Daseinszweck selbst eliminieren."

Nach dieser Offenherzigkeit wird man kaum noch einen: Konservativen zumuten können, für einen radikalen Freisinnigen jemals eine Stimme abzng ben. DieFrankfurter Zeitung" hat be- kanntffch in den Kreisen der Linken einen großen Einfluß, sodaß ihre Stellungnahme die lebhafteste Beachtung verdient. Daß sie jetzt den Hansabund für ihreBlock*politik zur Unterstützung der So­zialdemokratie zu gewinnen sucht, kann ja nattir- lich nur humoristisch wirken. Wir möchten den Vertreter des Hansabundes sehen, der Gewerbe und Handel Narmachen wollte, daß die Unter­stützung der Genoflen in ihrem Interesse läge! Niemand würde ihm glauben, außer einigen linksradikalen Stürmern! Lassen wir den Hansabund au8 den Erörterungen, der sür unS an dieser Stelle nur von Interesse ist, weil er derFrankfurter Zeitung" ein so schö­nes Bekenntnis entlockt hat. Wichtiger ist, daß der Einfluß derFrankftttter Zeitung" sich schon deut­lich zu erkennen gibt. Wie aus Friedberg gemel­det wird, besteht in den maßgebenden Kreisen der sortschrittlichen Volkspartei des Wahlkreises, wie wir bereits vermuteten, keine Geneigtheit, Sttch- wahlparole gegen den Sozialdemokraten auszu- geben. Da es auf jede bürgerliche Stimme an» kommt, heißt dies nichts anderes als: Unter­stützung des Genoffen.

DaS genügt!

Aus den Parlamenten.

AuS dem Herrenhause.

Auch im Herrenhaufe wurde gestern des schweren Unglücks gedacht, das durch das Hochwasser über das Rheinland hereingebrochen ist. Graf Hoensbroech gab in beredten Worten dem schmerzlichen Empfinden der Mitglieder darüber Ausdruck, daß die armen Be­wohner des Ahrtals an Hab und Gut schwer geschä- digt find, und wünschte, daß möglichst schnell Staats­mittel zur Verfügung gestellt werden möchten, utp wenigstens über den ersten Jammer und Sie erste Rot hinwegzuhelfen. Minister v. Moltke verficherte die Ceschädigten der Teilnahme der Regierung und wiederholte die bereits gestern von ihm im Abge­ordnetenhause erklärte Bereitwilligkeit der Staats» regietung, nichts zu Unterlasten, um die erste Hilfe zu bringen, und mit der Provinzialregierung zu Über­legen, wie die durch das Unwetter verursachten Schä­den dauernd beseitigt werden können. Der Ober-

präfibent der Rheinprovinz treffe noch heute in Ber­lin ein.

Danach trat das Haus in die Tagesordnung ein. In der Generaldebatte über das Eisenbahnanleihe- gefetz kam Graf Mirbach-Sorguitten auf die Rebe des Direktors der Deutschen Bank von ©minner zu­rück, die dieser bei der Etatsberatung über unsere Eisenbahnanleihen und die Gründe für den niedrigen Kursstand der Staatspapiere gehalten hat. Graf Mirbach bedauerte unter Anerkennung der guten Ab­ficht des Redners, daß die große Schärfe der Kritik und die Stellung des Herrn v. ©minner die auslän­dische Presse in die Lage gebracht haben, die preußi­schen Finanzen und ihre Leitung zu diskreditieren. Zudem habe die Rede Irrtümer enthalten, so hin- sichtlich der Dauer der Amortisationen und des Be­sitzes der Deutschen Bank an Staatspapieren. Dem niedrigen Kursstand märe durch eine Vermehrung der Metallbestände und durch ein Reichsdepositenge­setz mit zahlreichen Filialen der Reichsbank abzuhel­fen. Im übrigen sei anzuerkennen, daß die jetzige Eisenbahnverwaltung die Technik des Betriebes her­vorragend ausgebildet habe und ebensowenig wie die Finanzverwaltung eine Kritik zu scheuen brauche. (Beifall.) Nachdem noch von den Herren v. Hertz- berg-Lottin, Grafen odh Arnim-BoitzenbUrg und von Alvensleben lokale Wünsche vorgetragen waren, de­ren wohlwollende Prüfung der Eisenbahnminister zusagte, wurde das Eisenbahnanleihegesetz angenom­men. Dann wurde die Vorlage über den Rogatab- schluß beraten. Erster Bürgermeister Merten-Elbing begrüßte das Werk als ein großes Meliorations- unternehmen, ein Wermutstropfen falle aber in die Freude durch die beabsichtigte Einführung von Schiffahrtsabgaben auf der regulierten Nogat.

Landwirtschaftsminister v. Ärnim-Griewen führte aus, daß es sich um die letzte Etappe der ein einheit­liches Werk darstellenden Weichselregulierung handle, und daß der projektierte Zustand gegenüber dem jetzigen und dem früheren eine so wesentliche Ver­besserung der Schiffahrtsverhältniste auf der Nogat bedeute, daß die Erhebung von Schiffahrtsabgaben gerechtfertigt sei. Diese würden aber nicht so hoch fein, daß die Elbinger Schiffahrt eine Schädigung zu befürchten habe. Ohne weitere Debatte wurde dem Entwurf dann in der Fassung des Abgeordneten- Hauses die Zustimmung erteilt.

Eine längere Debatte rief der Gesetzentwurf übet die öffentlichen Feuerversicherungsanstalten hervor; ie endete ebenfalls mit der Annahme nach den Be- chlüsten des Abgeordnetenhauses. Erledigt wurden einer noch der Gesetzentwurf über die Schülversäum- niste in Pommern und auf Rügen, der Gesetzentwurf Über die Verlegung der Landesgrenze gegen Würt­temberg und Petitionen. Während der Sitzung teilte der Präsident den Eingang der Einladung des Mi­nisterpräsidenten zur gemeinschaftlichen Schlußsitzung beider Häuser mit.

Schluß des preußischen Landtage».

Im Sitzungssaale des Abgeordnetenhauses am Donnerstag, den 16. Juni, die gemei./ame Schlußsitzung beider Häuser des Landtages statt

Nach Eintritt des Staatsministeriums, unter Führung des Miniftervräsidenten v. Bethmann-Holl- weg, eröffnete der Präsident des Herrenhauses, Frei­herr v. Manteuffel, die Sitzung um 5 Uhr. Er berief die Schriftführer und erteilte dem Ministerpräsiden­ten das Wort. Ministerpräsident v. Bethman-Holl» weg verlas eine Königliche Botschaft, welche die Sitz­ungen des Landtages für geschloffen erklärt. 1

Präsident Frhr. v. Manteuffel brachte ein drei­faches Hoch auf den König aus und schloß die Sitzung.

Deutsches Reich.

Herr Dernburg und bie Wahl in Matte«, berg. Berlin, 16. Juni. Wie demTag* ge­schrieben wird, hat sich derObmann der Rattonal»

11 (Nachdruck verboten.)

Kantate.

von Anny Wothe.

(Fortsetzung.)

Hans Jürgen atmete wie befreit auf und nahm sich eine so große Portion Fisch, den ihm Puschke soeben präsentierte, obwohl er ihn gar- lttcht mochte, daß ihn alle anstaunten.

Ute aber nahm liebenswürdig Hans Jürgen den Teller fort und schob ihm ihren noch leeren M.

Es lag so viel Güte und Zartheit in ihrem Ton, daß Hans Jürgen wottlos die schmale Hand der Schwester an seine Lippen zog.

Es ist herrlich da oben auf der Mattenhöh:", nahm Kommerzienrat Bermann wieder das Wott Ich kam gestern zufällig mit dem Wagen dort Vorüber. Ihr glaubt garnicht, was für geschmack­volle Villen und Landhäuser da draußen entstan» b«t sind. Alle lagen wundervoll im roten Licht der scheidenden Sonne. Ach, da fällt mir übrigens ein, es war mir, als hätte ich Dich Hans Jürgen, gestern da oben mit einer Dame gesehen, stimmtis?"

Hans Jürgen hatte doch gestern seine ita­lienische Stunde", toarf Ute ein,und dann war er im Theater, nicht wahr, Hans Jürgen?"

Der Bruder nickte. Ganz recht, Ute,* gab er zurück. Die Kehle war ihm wie zugeschnürt.

Dem Blick Ettas wagte er nicht zu begegnen.

So, na, dann muß ich mich getäuscht haben," meinte der Kommerzienrat, den Braten geschickt tranchierend,ich sage Euch aber, eine ganz neue Welt ist da draußen entstanden und wenn die »reite herrliche Straße, die vom Denkmal nach

dein Bayerischen Bahnhof geplant ist, erst fertig ist, dann wird der Vorott da draußen, der schönste Schmuck unserer Stadt fein."

Ute nickte mit ihren großen goldbraunen Au­gen ihrem Vater beisttmmend zu.

Ich will noch deute mit Karleen hinaus fah­ren, Papa, Du hast doch Lust, Karleen?"

Die Angeredete, die bis jetzt schweigend auf ihren Teller gestarrt hatte, ein fleinwenig in den Speisen herum stochernd, ohne in Wirklichkeit et­was zu genießen, sah verwirtt von ihrem Teller auf.

Wie meintest Du, Ute?"

Der Kommerzienrat Bermann ließ flirrend Meffer und Gabel fallen.

Na, nun hört es doch aber wirklich auf," rief er hastig.Was ist denn nur mit Dir los? So lange Du auS München zurück bist, ist kein ver­nünftiges Wott mehr mit Dir zu reden. Du hofft nicht, wenn man Dich fragt, Du stehst nichts, ahnst nichts, kurzum, Du hast ein Gettre. als wären Dir alle Kartoffeln verhagelt. Wo sitzt es denn, zum Kreuzdonnerwetter noch einmal."

Alexaneder, geniere Dich ein wenig," mahnte die Gattin mit Würde, Puschke einen Wink gebend wieder zu verschwinden, was er hochrot mit einem tiefen Katzenbuckel tat.

Was wird denn Karleen haben, was junge Mädchen immer haben, wenn man ste auf Reifen schickt, verliebt ist sie. Ich habe es ja gleich gesagt, wir wollen sie nicht nach München schicken, wo ihr der Sohn von Deinem alten Geschäftsfreund Pusch die Kour schneidet. Die Sache ist doch ganz aussichtslos, denn unsere Töchter heiraten nicht nach München, fonbem in Leipzig, wie es Tradi­tion in Leipziger Patttzierkreisen ist."

Jetzt sprang Haus Jürgen hastig aus. Sein

hageres Gesicht war leichenblaß und feine Augen glühten zornig bei den taktlosen Motten seine« Mutter, deren Refrain er zwar schon zur Genüge kannte, der ihn aber immer wieder auf8 neue er­bitterte.

Tradition," sagte er verächtlich.Was rem* Ihr denn Tradition? Daß Gold zu Gold kommt? Wehe, wer den Ring durchbricht, oder wer sich erdreistet, in diesen geheiligten Kreis, den die altangeseffenen Leipziger Famflien geschloffen ha­ben, zu treten. Unerbittlich wird er tote ein Ver­brecher isoliert. Das nennt Ihr Tradition? Seit urdenllichen Zeiten heiraten die Kinder der Leipziger Familien unter einander. Alles ist bis zur Bewußtlosigkeit verwandt und verschwägert. Was schadet es der Zweck ist ja dabei erreicht, das Geld zusammen zu halten, alles andere ist nebensächlich und gilt für nichts."

Na, nun ist es aber genug," gebot Aelxandtt Bermann seinem Sohne, während die Kammer- zienrättn weinend aus ihrem Stuhl zurücksank. Schämst Du Dich nicht, Deiner Mutter so zu begegnen?"

Nein, Vater, ich schäme mich nicht. Schon lange habe ich das, was ich hier aussprach, Ätch sagen wollen, und wenn Zeit und Stunde auch schlecht dazu gewählt sind, so will ich 6ud) gleich sagen, daß ich den üblichen Schwindel nicht mit» mache. Ich wähle, wen ich mal heirate, nur eine Fran nach meinem Herzen, ganz gleich, ob sie zu Eurer Clique gehört ober nicht."

Bravo, Hans Jürgen," Naffchte Etta in die Hände.

Nun hörst Du «S, Alexander," weinte Frau Theodora, ihre große breite Gestalt in dem knap­pen Seitenfleide dehnend, daß alle Räte krachten, »tote ich von den Kindern behandelt werde. Sie

liberalen im Wahlkreis Zschopau-Mattenl erg, wo bekanntlich durch den Tod des Reformers Zim- mevmann eine Reichstagsersatzwahl nötig ge­worden ist, an den Staatssekretär Dernburg mit der Frage gewandt, ob er geneigt wäre, ein« Kandidatur zu übernehmen. Darauf antwortete Dernburg folgendes:Obgleich mir ein sächsisches Mandat sehr sympathisch wäre, will ich mich doch bis aus weiteres politisch nicht betätigen. Derm bürg."

Freiherr v. b. Goltz. Buenos Aires, 15. Juni. Generaloberst Freiherr v. d. Goltz ist von seiner Reife ins Innere hierher zurückgekehrt. Die Reife war ein förmlicher Triumphzug und hat viel zur Vermehrung der Sympathie.r für Deutschland in Argentinien beigetrageu.

Erinnerungsfeier an das I. Deutsche Turn­fest. Berlin, 16. Juni. Am 18. und 19. Juni findet in Koburg eine Erinnerungsfeier an das 1860 dort abgehaltene erste Deutsche Turnfest statt. Die Feier beginnt am Sonnabend Abend mit einem Festkommers, zu dem der Herzog fein Er­scheinen mit Familie zugesagt hat. Am Sonntag wird eine Hulbigungsfeier vor bem Denkmal bei Herzogs Ernst, bem Schirmherrn des ersten Deutschen Turnfestes, veranstaltet. Der regierend« Herzog, der der Feier ein lebhaftes Jnterffe ent­gegenbringt, hat den 84 Jahre alten Vorsitzenden der Deuffchen Turnerschaft, Geh. Sanitätsrat Dr. Götz-Leipzig, den einzigen Ueberlebenben der fünf Einberufer des ersten Turnfestes, als Gast in Ehrenburg geladen.

Borromäus-Enzyklika. Weimar, 16. Juni. Wie dieWeimarische Zeitung" hört, ist die groß­herzogliche Staatsregierung infolge der Veröffent­lichung der Borromäus-Enzyklika in den Zeitungen bei der bischöflichen Behörde in Fulda unter Hin­weis auf die in dem päpstlichen Schriftstück enthalte­nen Beschimpfungen, Herabsetzungen der Reformato­ren und ihres Werkes und der beteiligten Fürsten vorstellig geworden, um die amtliche Bekanntgabe des Rundschreibens im Großherzogtum zu verhin­dern. Darauf hat das bischöfliche G-neralvikariat zwar bereits unterm 9. Juni mirgeteilt, daß eine amtlich- Veröffentlichung -der Enziklika dort nicht in Aufsicht genommen fei, sodaß sich weitere Schritte der großhe-möglichen Staatsrcgierung erübrigen.

Ausland.

** Aufruhr im Gefängnis. Lahore, 16. Juni. Im Zentralgefängnis von Fattigarh kam es am 9. Juni zu einem Aufruhr, der nach den jetzt er­haltenen Einzelheiten ernster war, als es zuerst den Anschein hatte. 300 bis 400 Verbrecher Der» suchten das Haupttor zu stürmen und schleudetten Ziegelstücke auf die Wachen, welche darauf zu feuern begannen. Sieben Aufrührer wurden ge­tötet und fünfzig verwundet.

** Der Zwischenfall im PiränS. Konstan­tinopel, 16. Juni. Der griechische Gesandte drückte bflit Khedive daS Bedauern seiner Regierung au8 über den Zwischenfall im Piräus; auf demJm- paratul Trjan" befanden sich, wie gemeldet wird, auch einige ägyptische Pttnzen und Prinzessinnen.

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haben eben keinen Respekt und keine Liebe für ihre Eltern, die sich Tag und Nacht für sie sorgen."

Na, Mama, wenn Du das Siebe nennst, daß Ihr Karleen an Peter Pankwitz verheiraten wollt, nur weil er so viel Geld hat und zu unserem Kreis gehört, bann hör, doch wohl verschiedenes auf," rief Hans Jürgen, unwillig seinen Stuhl unter den Tisch schiebend.

Hans Jürgen", mahnte Karleen und sah mit bittenden Augen dem Bruder inS Gesicht, indem sie gu Ute trat, nm der Schwester schnell etwas zuzuflüstern.

Ptter Pankwitz ist ganz etntoanbfret", rief der Baier,rede nicht über Dinge, die Du gar nicht beurteilen kannst."

Jawohl", lachte Etta dazwffchen.Er Hai Halskragen so breit wie Haus Jürgens Man­schetten, 100 verschiedene farbige Schlipse und un­zählige bunte Westen in den unmöglichsten Far­ben und Mustem. Der Glanzpuntt aber ist: Er hat ein Auto! Karleen, ich an Deiner Stelle i nähme Peter Pankwitz um jeden Preis. Gott j im Himmel, da fährt er ja schon wieder vorbei,", rief sie zum Fenster stürzend und einem lichtgel-1 ben Automobil nachspähend, daS pfeilschnell vor- übersauste.Karleen, so sperr doch die Augen auf, da fährt Dein Glück." '

Ein befreiendes Lachen des Kommerzienrats bei den Motten seiner Jüngsten löste di« Spou- nung, die sich mit dumpfem Druck auf die Familis gelegt hatte.

Karleen und Ute traten engumschlungen fit bet, Erker, wo Puschke soeben den Kaffe« servierte.

(Fortsetzung folgt.)