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45. Jahrg.

Jts. 138

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nur irgend erwart:»

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freulich.

(Nachdruck verboten.)

9

ist im Interesse des uns in Deutschland

lichen Gelegenheit die Freude gehabt, diese seine Gefühle zu wiederholen.

verloren und wird der Sozialdemokratie zufallen. Es steht zu erwarten, daß auch hier die linksradikalen Elemente es ihr zuschanzen, wenn auch die National« lroeralen selbst Parole für v. Helmolt ausgeben werden.

schredene Vorgehen unserer was nach Lage der Dinge werden konnte.

Diese Lösung der Frage

Froher Sang und Becherklang scholl ihnen ent­gegen. Studenten rieben in der alten Trinkstube jugendfroh einen Salamander und aus dem Wag­nerzimmer tönte es weithin durch die stillen Gassen:

r$on allen den Mädels, so blink und so blank, Gefällt mir am besten die Lore."

Da schwand das frivole Lächeln von des Gra­fen Lippen und die blauen Augen strahlten auf. Leise summte er, in die Trintstube steigend, mit: .Sie ist mein Gedanke bei Tag und bei Rächt Und wohnt im Winkel am Tore."

.Du," sagte zur selben Zeit Etta Bermann, zu ihrem Bruder Hans Jürgen, .weißt Du es schon, ich gehe von Ostern ab aufs Mädchengym­nasium."

Hans Jürgen sah von seiner Zeitung. die er im Erker des großen Eckzimmers der väterlichen Villa, las, weil die Suppe noch nicht aufgetragen war, flüchtig aus und streifte die Keine Schwester mit einem ironischen Blick.

.So? warum denn?"

Wefl es Pflicht jeder Frau ist, selbständig zu werden," entgegnete die Kleine und hob die fein gebogene Rase über der zwei große braune Augen lackten, keck in die Höhe.

.Wer hat Dir denn den Unsinn in den Kopf gesetzt?"

.Unsinn? Weißt Du denn garnicht, was vor­geht in der Welt? Hast Du nicht erst neulich den entzückenden Vortrag von Käthe Windscheid ge­hört?"

Entzückender Vortrag? Was das für über­triebene Ausdrücke sind? Die Vorträge von Fräu­lein Windscheid in allen Ehren, aber eines schickt

Die Jnsertion-gebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile obe*- deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversitätS-Buchdruckere, Inhaber Tr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 56.

.Schenk mir was?" :

Hast Du schon wieder all Dein Geld ver­möbelt?" rief Hans Jürgen streng.

Etta seufzte Näglich und sah mit ihren brau­nen Schelmenaugen neckisch ihrem Bruder in das Antlitz. t '

Ich weiß gar nicht, wo das Geld immer bleibt," Sagte sie. .Kaum habe ich die Tasche voll, ist sie auch schon wieder leer."

Weil Du schlecht erzogen bist," wollte er aus­brausen, er bezwang sich aber und sagte, .weil Du schlecht haushältst." .

.Ja, natürlich, wenn ich so war wie Ihr und immer mit Pfennigen rechnete, Ihr mit Eure« Kommistenten, dann hätte ich am Ende auch am Schluß des Monats ein paar Kröten erübrigt, aber ich danke für solche Kleinigkeitskrämerei, da­ran stürbe ich."

Ach was, es sttrbt sich nicht so lelcht. Aus . Pfennigen werden Goldstücke, merke Dir da-, Etta." , , _

Na ich danke, wenn ich sie mir so wie D« und Papa verdienen müßte. Von jedem Zah­lungszettel von Herrn Schulze oder Schmidt i« Dingsda ein Prozent Agio zur Ostermeß. Das nennt Ihr Geschäft."

Mit eisernem Grift umspannte die hagere Hand Hans Jürgens Ettas Finger. .Schämst Du Dich nicht, so wegwerfend von dem Geschäft Dei­nes Vaters und Urgroßvaters zu reden, das eine- der ersten und größten in Leipzig ist? Weißt Du nicht, daß ein Kommiflions- und VerlagSge- schäft wie das unsrige aus Millionen Sandkörner» besteht, davon jedes einzige zu Gold wird unb eine Macht repräsentiert, von der Deine Seele nichts ahnt." < (Fortsetzung folgt.)

sich nicht für alle. Du wärest die Letzte, die sich für ein ernsthaftes Studium eignet, und ich hofte, Papa wird vernüftig genug sein, Dir diese unge­sunden Ideen auszutreiben."

So," empörte sich Etta und knuffte ihren Bru­der gehörig in den Rücken. .Du willst wohl gar noch Papa gegen mich aushetzen. Sei versichert, daß ich Dir dann aber gründlich die Finger klopfe. Du denkst wohl, ich weiß nicht, wo Du immer des Abends hingehst, wenn Du hier großartig er­zählst, Du wollest Deine Sprachstudien aus­frischen? Wohnt Deine Sprachlehrerin vielleicht in der Nähe des Völkerschlachtdenkmals?"

Halte gefälligst den Mund, Du Raseweiß," gebot Hans Jürgen, aber es war doch, als würde sein hageres, etwas müdes Antlitz einen Schein bläffet.Meinetwegen brauchst Du Dir keinen Zwang aufzuerlegen und Du kannst, wenn Du vermutest, daß ich Geheimnisse habe, sie ausplau­dern. Das mußt Du ganz mit Dir selber ab­machen, Etta."

Er hatte ruhig und gleichmüttg gesprochen und Etta zog wie ein verlegenes Kitü> ein wenig die Schultern in die Höhe.

Du, Hans Jürgen," lenkte sie dann mit halb abgewandtem Gesicht ein,ich meins doch garnicht so, und weißt Du petzen, nein petzen is nich. Ich hätte doch nur zu gern gewußt, Hans Jürgen, oh Du eine heimliche Liebe hast," seufzte sie.Ach, es muß doch himmlisch fein."

Du bist unglaublich. Etta. Mama sollte et­was mehr auf Dich acht haben."

Etta lachte, daß all« ihre Heinen weißen Zähne blitzten . Dann streckte sie halb bittend, halb zärt­lich ihre rundliche Hand dem Bruder entgegen und sagte bettelnd:

Der Freisinn in Ückermünde.

In llckermünde-Wollin ist es gekommen, wie wir voraussagten nein schlimmer! Die Freisinnigen des Wahlkreises haben nicht einmal das bischen Mut aufgebracht, eine klipp und klare Antwort zu geben auf die Frage, ob sie sich für oder gegen den Sozial­demokraten entscheiden. Immerhin ist ihre Stellung­nahme deutlich genug, um zu zeigen, wie es gemeint ist. '

Über die Verhandlungen im Schoße der Fortschritts­partei zu Ückermünde weiß dieFrft. Ztg." zu berich­ten:Bei der entscheidenden Beratung der volks­parteilichen Vertrauensmänner, die Sonntag Abend stattfand, wurden allerdings verschiedene Meinungen über die am nächsten Freitag einzunehmende Haltung vertreten. Zustizrat Herrendörfer empfahl, daß man ebenso wie 1903 eine offene und entschiedene Parole für den konservativen Ordnungskandidaten ausgeben solle. Er stand aber damit f a st a l l e i n. Beinahe die ganze übrige Versammlung hielt es für liberale Pflicht, in bei gegenwärtigen Situation die Front geschlossen gegen rechts zu nehmen und sich für den Sozialdemokraten, als für das kleinere ließet, zu erklären. Schließlich aber trug man doch Bedenken, den unterlegenen Kan­didaten der eigenen Partei und langjährigen Leiter der freisinnigen Organisation in dieser Art zu über­stimmen und es kam zu einem Kompromiß. Die volksparteiliche Wahlkreisorganisation veröffentlicht heute eine Erklärung, in der den Wählern t*es Herrn Herrendörfer freigegeben wird, für wen sie bei der Stichwahl eintreten wollen."

Diese Antwort wird natürlich niemandem gefal­len, am wenigsten zunächst Leuten, wie derFrkf. Ztg.". Sie bringt es fertig folgendes hinzu zu setzen: Gegenüber der Parole von 1903 spricht sich darin immerhin ein deutlicher Ruck nach links aus. Private Mitteilungen von angesehenen Anhängern der Volks-

Marbrrrg

Donnerstag, 16. Juni 1910.

Die Reichstagsersatzwahl in Friedberg-Büdingen.

Friedberg i. $., 14. Juni. Bei der heutigen Reichstagsersatzwahl int Kreise Friedberg-Büdingen erhielten Professor van Galtet (natlib.) 4,79, Helmolt (Bund der Landwirte) 6310 und Vu- sold (Soz.) 9419 Stimmen. Es findet somit Stich­wahl zwischen Helmolt und Busold statt. Bei der Hauptwahl am 25. Januar 1907 entfielen auf: Graf Oriola (natlib.) 8492, Busold (Soz.) 7234, Bähr (Antisemit) 3299 und Dr. Strecker (linkslib.) 1472 Stimmen. Bei der Stichwahl siegte Graf Oriola mit 11525 Stimmen gegn Busold, der 8515 Stimmen auf sich vereinigte.

Die Verhetzung der bürgerlichen Parteien ist auch hier den Genossen zugute gekommen. Bei der Kan­didatenfrage hat sich bekanntlich die nationalliberale Partei des Wahlkreises den drohenden Forderungen des Freisinns gefügt, wie man sieht zum Schaden der Partei. Der linksliberale Professor van Galtet, ein Freund bet Genossen, hat wenig Zugtiaft ausge­übt. Das Mandat ist bet nationallibeialen Partei

Diese Erledigung läßt ertennen, daß das Vorgehen unserer Regierung von Erfolg begleitet worden ist. Die Antwortnote des apostolischen Stuhles enthält sich derjenigen Bekundungen, welche in der ersten Kundgebung desOsservatore romano" noch verletzten, es ist darin weder di- von die Rede, daß die Bewegung gegen die Ency Nika von den Protestanten tünstlich geschürt, noch das schon der Wortlaut dieses Schriftstückes er­kennen lasse, daß die Absicht der Beleidigung nicht vorlag. Roch bedeutsamer erscheint die Tatsache, daß der Papst die deutschen Bischöfe angewiesen hat, die Eneyflika weder von der Kanzel verkün­den noch durch die bischöflichen Amtsblätter mit­teilen zu lassen. Dies kommt so ungesähr in Wirflichkeit einer Zurückziehung feiner Enehkltka für Deutfchland gleich. Es ist daher durch das ent

Regierung erreicht.

konfessionellen Friedens bei als eine glückliche zu bezeichnen und hoch er-

xartei in Ueckermünde-llfedom-WoUin zeigen, daß auch solche Parteifreunde, die bisher durchaus auf dem rechten Flügel gestanden haben, entschlossen sind, diesmal, in der Aera des schwarz-blauen Blocks, für den sozialdemokratischen Stichwahlkandidaten zu stimmen. Natürlich hat solche private Stellungnahme nur beschränkten Wert. Vielleicht könnte eine An­zahl angesehener Volkspartciler in einer Erklärung kundgeben, welchen Gebrauch sie von der offiziellen Freigabe der Wahl machen wollen."

Nredriger hängen! Die Konservativen werden diesen Verrat, nachdem sie eben in Jauer-Landes- hut den Forttschrittler gegen den Sozialdemokraten herausgerissen haben, zu würdigen wissen und ein für allemal nunmehr die Parole ausgeben: Nie mehr eine Stimme für die Helfershelfer der Genossen, die fortschrittliche"Volks"partei! Denn darüber wer­den die Herren, die die Parole der Freigabe der Wahl geben, sich nicht im Unklaren gewesen sein, daß sie bei dem Stimmenverhältnis der Hauptwahl die Wahl des Genossen direkt herbeiführen. Und der Hergang in der entscheidenden Sitzung zeigt ja auch, daß dies bet Zweck ist, ben man nur feige nicht aus­zusprechen wagt.

Die gesamte nationale Presse ist sich in biesem Urteil einig. Die nationalliberalenLeipz. Reuest. Nachr." schreiben zu bcr Stichwahlparole:Das kommt einer direkten Unterstützung des Sozialdemo­kraten gleich." DieTägl. Rdsch." bemerkt sehr richtig:Das dürfte fast ebenso töricht sein, wie wenn sie die Parole für den Sozialdemokraten abge­geben hätte: vom engeren Parteistandpunkt aus wo­möglich noch törichter, denn die Freisinnigen setzen sich damit aus Angst vor dem Zug nach links zwischen zwei Stühle." Es illustriert die Sachlage, daß die freisinnige Presse zum großen Teil weiter einer di­rekten Unterstützung des Genossen das Wort redet ganz im Sinne derFrft. Ztg ". Für die rechts­stehenden Parteien ist es von größter Wichtigkeit, sich diese Entscheidung stets vor Augen zu halten.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen: ,Iach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage

TieOdcrbeffische Z-itung" erscheint täglich mit Aufnahme der Sonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt biertel» jährlich durch di: Post bezogen 2,25 Jt (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 dl.

Aus den Parlamenten.

Abgeordnetenhaus.

In der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde eine sehr große Zahl von Petttionsberrchten erledigt, überwiegend handelte es sich um Fragen von geringerem allgemeinen Interesse. Petitionen wegen Aenderung des Eestnderechts veranlaßten eins längere Debatte. Der Äba. Liebknecht (Soz.) be- gründete den Antrag auf lleberweisung zur Berück­sichtigung mit schweren Vorwürfen gegen die Dienst­herrschaften im allgemeinen und die ländlichen tm besonderen ohne indessen seine Angaben so genau zn machen, daß sie auf ihre Richtigkeit nachgepruft wer- den konnten. Der Abg. v. Oertzen (freikons) und nach ihm der Abg. Kreth (kons.) wiesen diese Art bei Sachbehandlung sehr nachdrücklich zurück; sie verlang' ten, daß nicht mit vagen Beschuldigungen operiert sondern unter Namensnennung und wiesen dabei nach, daß die Beschuldigungen des Abg. Liebknecht offensichtlich auf völliger Unkenntnis der ländliche« Verhältnisse beruhten.' Dort sei nicht der Dienstbott der Sklave des Dienstherrn, sondern eher umgekehrt der Herr. Schließlich wurden die Anträge auf Be- rüctstchtigung abgelehnt und die Bittschriften unUl Anerkennung der Verbessernnasfäbigkeit des Eestiux > rechtes der Regierung als Material überwiesen.

Von allgemeinerem Interesse war ferner der An trag des Zentrums, den Berginvaliden die Wahlbar feit zu den Knappschaftsvorständen zu verschaffen Die Berginvaliden sind seinerzeit von der Wählba» feit ausgeschlossen worden, weil sie erfahrungsgemäß ihre einflußreiche Stellung im Vorstände der Knapp­schaften häufig zu Agitationszwecken mißbrauche» und Unfrieden zwischen Arbeitgebern und Arbeib nehmern Hervorrufen. Ganz mit Recht wies auch der Vertreter der Staatsregierung darauf hm, daß es unmöglich zur Berustiauno der Arbeiterschaft bei­tragen könne, wenn man jetzt nach kaum 2 Jahre« diese Streitfrage wieder aufrolle. Die Sozialdemo­kraten suchten diesen Vorstoß des Zentrums mtt ber Dchauvtung zu parier " daß es sich um ScheinmanS- vor dieser Partei zu Wahlzwecken handele, woraus bann das übliche Wortgefecht zwischen ihnen und be« Brbeitersekretaren des Zentrums sich einstellte. Dir Parteien der Rechten und Nationalliberalen be- teiligten sich an der Debatte nicht, sorgten aber da­für " daß unter Ablehnung des Zentrumsantrages über jene Bittschriften zur Tagesordnung überge­gangen wurde. Entgegen den Anträgen des Zen­trums und der Sozialdemokraten überwies fern« die Mehrheit eine Petition des EisenwerksKraft , um zu seinem Betriebe notwendige Ausnahme von den Bedingungen der Sonntagsruhe, der Regierung zur Erwägung. , ,

Nächste und letzte Sitzung Mittwoch 11 Uhr, einige 30 Petitionsbsrichte und eine Reihe voi Initiativanträgen.

Herrenhaus.

Bevor das Herrenhaus beute in die Tagesordnung eintrat, nahm Graf v. Zieten-Schwerin, bet Vor. sitzende der Eeneralsynode, Veranlassung, der ftek. gehenden Erregung zu gedenken, die in der evangeli- scheu Bevölkerung die Borromaus-Emnkttka b« Papstes hervorgerufen hat. Im Hinblick auf di« vom Ministerpräsidenten abgegebene Erklärung und die Geschäftslage des Landtages sehe er davon ab, mit seinen Freunden eine förmliche Beschlußfassung des Herrenhauses über diese Enzyklika herbeizufuh- ren, die unter Nichtachtung der geschichtlichen Tat­sachen schwere Verunglimpfungen der evangelische« Kirche enthalte und geeignet sei, den für das Vater- land notwendigen konfessionellen Frieden zu stören.

Der Vatikan und die Borromäus- Enzyklika.

lieber ben Verlauf und das Er­gebnis der diplomatischen Attion, die in Sachen der Borromäus-Encyklika eingeleitet wor- hen ist, macht dieNorddeutsche Allgemeine Zei­tung" folgende Mitteilung:

Am 6. Juni war dem preußischen Gesandten heim Vatikan telegraphisch die Weisung erteilt worden, dem Kardinalstaatssekretär eine Note zu übergeben, worin die preußische Staatsregie- jrunfi aus den in der Erklärung des Minister­präsidenten namhaft gemachten Gründen gegen die auch an das preußische Episkopat gerichteten Kundgebungen der Enchklika Verwahrung ein­legt. Zugleich weist die Staatsregierung darauf hin, daß die Verantworttmg für die Störungen des konfessionellen Friedens, welche die Folge des Rundschreibens sind, allein diejenige Stelle trifft, von der es ausgegegangen ist. Dies glaubt die preußische Regierung, die beim apostolischen Stuhl in Interesse guter Beziehungen zwischen Staat und Kirche. eine diplomatische Vertretung unterhält, durch ihren Vertreter mit um so grö­ßerer Berechtigung aussprechen zu können, als sie ihrerseits, tteu ihren verfassungsmäßigen Aus­gaben, bestrebt ist, mit allem Ernst und mit allen Mitteln die Wahrung und Festtgung des kon­fessionellen Friedens zwischen der evangelischen und katholischen Bevölkenliig des Staates zu fördern.

Der Gesandte führte den Aufttag am 8. Juni aus. Er sprach dabei, der ihm erteilten Jnstruktton gemäß, die bestimmte Erwartung aus, daß die päpstliche Kurie Mittel und Wege finden werde, die geeignet wären, die aus der Veröffentlichung der Eneyflika sich ergebenden Schäden nach Mög­lichkeit zu beseitigen. Insbesondere müßten wir erwarten, daß die Enehklika in ben deutschen Diö­zesen weder von der Kanzel verkündet noch durch die bischöflichen Verordnungsblätter verösfent- licht würde.

Am 11. d. M. ist dem Gesandten amtlich er­klärt worden, daß der Papst bereits den deuffchen Bischöfen den Befehl gegeben habe, eine solche Verkündigung oder Veröffentlichung zu unter­lassen. Am 13/ d. M. hat die Kurie dem Ge­sandten eine vom Kardinal-Staatssekretär unter­zeichnete Note behändigt, in der es im Hinblick auf die Erregung der preußischen Bevölkerung heißt: Der heilige Stuhl glaubt, daß der Ursprung dieser Erregung darauf zurückzufühen ist, daß der Zweck nicht richtig erkannt wurde, worauf die Enchflika gerichtet war, daß daher einige ihrer Sätze in dem Sinne ausgelegt worden sind, der den Absichten des Heiligen Vaters völlig fremd ist. Es liegt daher dem unterzeichneten Kardinal daran zu erflären, daß Seine Heiligkeit mit wah­rem Bedauern die Nachricht von einer solchen Erregung vernommen hat, da, wie schon öffentlich formell erffärt ist, irgendwelche Absicht, die Nicht­katholiken Deutschlands oder dessen Fürsten zu kränken, seiner Seele ganz und gar fern lag. Der Heilige Vater hat übrigens niemals die Gelegen­heit Vorbeigehen lassen, seine aufrichttge Achtung und Sympathie für die deuftche Natton und ihre Fürsten zu bekunden, er hat noch bei einer kürz­

Karrlale.

' von Anny Wothe, ; ; > t Fortsetzung.)

Und mir fällt ein," entgegnete Borris bitter, daß hier an der Stelle, wo Deine Seele fromme Kränze der Erinnerung flicht, ein Narrenhaus stand. Hier an der Kirche war es. Eine Art Käfig nur durch Latten verschlossen, nahm die Trinker, die Flucher, die Zauberer, die Gotteslästerer auf und jeder Vorübergehende konnte feinen Witz an ihnen erproben. Ist das Leben, in welchem ich jetzt stehe, nicht auch ein solches Narrenhaus, in das mich die Schaarwache, die gemeine Not, ge­steckt hat, und muß ich nicht ruhig den Spott der großen Menge dulden, weil der Spruch sich be­wahrheitet: Ich will die Sünden der Väter heim­suchen an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied?"

Heber Bennos blasses Gesicht lief eine heiße Röte.

Erlaube mal, Du machst es Dir aber bequem tm Leben. Wer alles von andern erhofft, ist Überhaupt schon verloren. Haben Deine Vorfah- ren gesündigt, so ist es Deine Sache, Dich frei zu machen von der Last ihres Erbes."

'Will ich auch," gab Gröben zynisch zurück. »Ich nehme jetzt die erste, beste und reichste unter den Töchtern des Landes und bessere meine Ver­hältnisse auf. Komm, altes Haus, was kann das sthlechte Leben nützen?"

Sie traten in den weiten Torbogen des Thür tnger Hofes, der sich mit seinen malerischen ©ie- >efn in der winkligen Burgstraße erhob.