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Lie JnjertionAgebühr beträgt für die 7zespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. — Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UniversitätS-Buchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
der Versammlung selber wurde ihnen ein« deut, liche Antwort zuteil. Aber der Vorfall bleibt doch symptomatisch für das Bestreben linksstehender Kreise, auch die Encyklika Angelegenheit zu Verdächtigungen und Feindseligkeiten gegen die recht-, stehenden Parteien auszunutzen."
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 48.
wenn ich ihre bellen roten Soden von ferne sah und Magita mit ihren kleinen Weißen Zähnen vergnügt in einen Apfel biß, da faßte ich mir ein Herz und gab ihr einen Kuß/
„Na, und fie?"
„Sie gab mir eine Ohrfeige, daß ich gleich vom Zaun ins feuchte Gras fiel und einige Bemerkungen, wie „Dummer Junge" sielen hinter mir her."
„Na, und dann?"
„Dann war es aus. Ich mußte am nächsten Tage zurück in die Kadettenanstalt und habe Ma- gita dann erst hier wieder gesehen. Sie ist mit ihrer ganzen Familie zerfallen, weil sie sich nun einmal in den Kopf gesetzt hat, zu studieren. Daß ich sie mal geküßt habe und sie mir eine Ohrfeige gegeben, hat sie hoffentlich vergessen."
„Schade, schade," murmelte Benno.
„Was ist schade?"
„Na, daß ein so reizendes Mädchen sich so verrückte Schrulle» in den Kopf setzt. Gegen das Studium an sich habe ich natürlich nichts, aber die albernen Auswüchse der sogenannten Frauenemanzipation sind mir ein Greuel."
„Mir nicht minder. Ich versuche immer wieder Magita davon abzubringn, aber das Ende vom Siebe ist stets ein regelrechter Zank. Du kannst nächstesmal mickommen, wenn ich sie besuche."
„Ja, ich denke, sie lebt hier allein."
„Versteht sich, das hindert doch an der Sache nichts. Es ist übrigens höchst sidet auf ihrer Studentenbude, wenn sie gute Saune hat und ich sie nicht zu sehr ärgere."
„Und die andere?" fragte Benno.
„Ist noch verschrobener, aber anders, denn sie tut es ums künftige Brot."
„Ra, ich denke, die Baronesse hat auch nichts?" 1 „Unsinn, doch bloß, weil man sie von zu Haufe
iten.
mit
stündigen Unterredung zunächst durch den Hinweis auf die gleichzeittg erschienene und den zuvor geäußerten Wünschen des Gesandten entsprc- chmde amtliche Note des Osservatore Romano. — Beim Diplomatenempfange am neunten überreichte der Kardinal-Staatssekretär dem preutzi- schen Gesandten eine entsprechende Note. Ein darüber hinausgehender, insbesondere den die Unbefriedigung" der preußischen Regierung und Bevölkerung erkennen lassenden Aeußemngen im Abgeordnetenhause Rechnung tragender Bescheid auf die preußische Verwahrung ist seitens des Vatikans noch nicht erfolgt, und es liegen bisher auch keinerlei Anzeichen dafür vor, daß ein derartiger Bescheid erfolgen wird. In den Kreisen der hiesigen Deutschen Prälaten wird bei dieser Gelegenheit sehr bedauert, daß kein deutscher Kurien- kardinal vorhanden ist.
Marburg
Mittwoch, 15. Juni 1910
„Sie auch," gab Gröben zurück. „Wo geht es denn heute hin?"
„Na, wenn's hoch kommt, ins christliche Ber- einshaus," meinte die Baronesse Diestermann sarkastisch, dankend das dargereichte Zigarettenetui in die Palottasche schiebend, „zu mehr langt es für ein paar arme Gymnasiastinnen nicht."
„Ich bitte Sie, Baronesse, bei Ihren Erbschafts- ausstchten!"
„Darauf puste ich. Ehe das Geld kommt, was doch ungewiß ist, kann ich alt und grau werden und Jahr und Tag krumm liegen."
„Sieber nicht," lachte Graf Borris, dann schieden sie mit einem kräftigen, etwas burschikosen Händedruck.
Benno stand einen Augenblick, den Hut in der Hand, und starrte den beiden jungen Mädchen mit offenem Munde nach, was ihn eben nicht sehr geistreich erscheinen ließ.
„Ra, was sagst Du zu den Vorbildern der künftigen Generatton deutscher Frauen, Benno?"
„Daß Du die Motten kriegst. Und dabei sind die Mädels noch hübsch, bildhübsch sogar. Die schwarze mit der kleinen Stumpfnase und dem verdammten Kneifer, glaube ich, hat Raffe und die Rothaarige, die bat wohl drei Teufel int Beit»?*
„Weißt Du, daß ich Magita von Diesterweg mal geliebt habe?"
„Ach nee? Erzähle doch."
Sie schritten jetzt um die Promenade herum am neuen Rathaus vorüber, der Thomaskirche zu.
„Ja, aber feste. Als Junge spielte ich mit ihr, da die Güter unserer Eltern aneinander grenzten. Magtta war mein liebster Spielkamerad. Sie war gescheidt, mutig, gewandt und sie schreckte vor keinem Zaun, vor keiner Hürde zurück, über die es zu setzen galt. Wir verstanden uns prächtig. Dann kam aber eine Zett, wo mein Herz mächtig klopfte.
Tie „Overheffische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch di: Post bezogen 2 25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 TJU
Ausland.
** Kreta. Paris, 13. Juni. Der „Temps" schreibt betreffs der Haltung Englands gegenüber dem französischen Vorschläge nach einer endgültigen Bösung der Kretastage: Unter den Gründen, welche man in Bonbon gegen diesen Vorschlag geltend mache, müffe der, daß der Augenblick für eine endgültige Regelung schlecht gewähtt sei, als richtig anerkannt werden. Eine solche Regelung sei gegenwärttg, wo dte Gemüter so erhitzt seien, nicht leicht, aber man müsse es bann mit irgenb einem kräftigen Provisorium versuchen, denn wenn man mit dem Spiel der Roten und Gegennoten fortfahre, so führe dies zum Kriege. Eine Erklärung der Mächte möge ankündigen, daß die ungewöhnliche Sage von Kreta die Entsendung einer ungewöhnlichen Mission erheische, welche durch ihre Gegeulvart die einander gegenüberstehenden Seidenschasten zügeln könnte, es sei dies wohl nicht hinreichend, aber vielleicht notwendig. — Köln, 13. Juni. Ein Telegramm der „Köln. Ztg." aus Kanea vom 12. Juni besagt: Der jetzige Zustand der krettschan Frage läßt sich von hier gesehen, dahin zufammenfaflen, daß der jetzige regierende Ausschuß der stetischen Kammer unter dem Vorsitze Venizelos bestrebt ist, eine Verschärfung der Sage zu vermeiden. Man ist geneigt , den Wünschen der Schutzmächte zu folgen, die Zulaffung der 16 mohammedanischen Abgeordneten zur Kammer zu empfehlen, sobald sie wieder zufammentritt, die Ruhe im Innern hergestellt ist und die Mohammedaner Schutz erhalten, von bet Etttsenbung kretischer Abgeordneter zur kretischen Nationalversammlung bi» gegen abzuraten. Es besteht bie Gefahr, baß bie radikalen Draufgänger hier im Juli in der Kammer die Oberhand gewinnen, da von der schwachen Mehrheit des jetzige» regierenden Ausschusses viele abbröckeln. Es steht der Wunsch bevor, diese Gefahr durch eine Koalition beider Parteien zu einem regierenden Sechserausschuß zu bannen, wobei jede Partei durch drei Mitglieder toertreten fein soll.
** Der türkische Boykott gegen Griechenland. Konstantinopel, 12. Juni. Die Behörde des Wila- jets Smbrna veröffentlicht ein Kommunique, demzufolge Personen, die versuchen, die Sperrung del griechischen Kaufläden zu erzwingen, streng be- ftraft werden. Es herrscht völlige Ruhe. — Der hiesige griechische Gesandte Gryparis ist bei den Boffchaftern vorstellig geworden, um die Aufmerksamkeit der Mächte auf bie wachsende Boykottbewegung unb bie angebrohte Ausweisung der Griechen, sowie auf bie Aufreizung gegen Gtie- chenlanb, bie einen gefährlichen Grab erreicht haben, zu lenken. Der Gesandte ersuchte bie Mächte um Intervention bei ber Pforte. Diesem Wunsche würbe seitens einiger Botschafter, besonders im Hinblick auf bie Ereignisse in Smyrna, bereits entsprochen. Gestern erhob Gryparis bei ber Pforte gegen bie Bohkottbewegung Protest, wobei
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Deutsches Reich.
ElsaH-Lothringen. Straßburg, 13. Juni. Unter bem Vorsitz des Staathalters fand heute zwischen dem Staatssekretär Dr. Delbrück und den 'Mitgliedern der elsaß-lothringischen Regiemng eine achstündige Beratung statt, die morgen fortgesetzt werden soll. Die Teilnehmer beobachteten bis jetzt über das Ergebnis strenges Sttllschwei- gen. Heute abend findet im Statthalterpalais ein Diner statt, zu welchem außer Staatssekretär Dr. Delbrück und SBertretcrn der Regiemng auch Abgeordnete der verschiedenen Parteien des San« desausschusses geladen sind, barunter ber Präsident des Sandsausschuffes v. Jaanez unb ber Reichstagsabgeorbnete Vonderscheer.
— Von ber Protestversammlung gegen die Encyklika, die am Samstag im Zirkus Busch stattsand, wird noch eine sehr unangenehme Szene gemeldet. Als der konservative Abgeordnete Strosser an das Rednerpult tritt, enffteht auf der Gallerie großer Särm. Nachdem einige Burschen schon vorher die Versammlung zu stören versucht hatten, ertönte jetzt der Ruf „Raus", „Redefreiheit", „Abgeordnetenhaus" unb erst als Prof. Kahl erklärt hat: „Der Verfuch, eine Versammlung zu stören, ist immer ein Zeichen von Schwäche und Feigheit", wird es mhiger und die Ruhestörer werden aus dem Saal geführt. Die „D Tagesztg." bemertt dazu: „Die Ruhestörer wurden freilich zur Ordnung gewiesen, und aus
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
nnd den Beilagen: „Rach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbellage) «nd .Landwirtschaftliche Beilage
am
132 :
16.
Politische Umschau.
■ T ’ ’ Zur Borromäus EncyMka.
Dresden, 13. Juni. Bereits am Samstag, den 11. Juni, sind in ber Evangelicis beauftragten Staatsminister zu einer Sitzung zusammen getreten, um zu ber Borromäus-Encyklika Stellung zu nehmen. Sie nahmen mit tiefem Bedauern von der die Reforrnatton verunglimpfenden und .damit die evangelisch-lutherische Kirche schwer verletzenden Kundgebung Kenntnis und teilen die Entrüstung ber evangelischen Volkskreise des Sandes hierüber. Sie weisen jene Angriffe auf das Schärfste zurück. Von dem lebhaften Wunsche erfüllt, daß der bisherige konfessionelle Friede zum Segen der Bevölkerung gewahrt werde, halten sie sich versichert, daß die Königliche Staatsregierung eintretenben Falls nach Maßgabe der Sandesge- setze für den erforderlichen Schutz forgen werde. — Der König berief die in Evangelicis beauftragten Staatsminister, um mit ihnen die durch die Borromäus-Encyklika geschaffene Sachlage zu besprechen. Seine Majestät erklärte seine lebhafte
kalt gestellt hat, um ihr die wahnwitzigen Ideen auszutteiben. Sie führt ja übrigens einen Prozeß um eine Erbschaft im zehnten Grade ihrer Verwandffchaft. Auf den hofft sie. Wenn sie gewinnt, will sie mit dem Geld die ganze von den Männern unterdrückte Frauenwelt beglücken und den Frauen die Wege frei machen, die ihnen jetzt noch verfchlossen sind."
„Na, bann bete nur, daß die Baronesse den Prozeß verliert," lachte Benno. „Gott foll behüten." , „ _ „
Der Graf fchlug mtt seinem Spazierstock arger-- lich durch die Sufi.
„Die Frauenzimmer haben mir das ganze Mittagessen verleidet."
„Ei, ei," lachte Benno, na dann mache ich den Vorschlag, wir nehmen zur Ausbesserung unserer Finanzen unb um den Aerger herunterzuspülen erst mal einen Frühschoppen im Thüringer Hof . Wie wärs mit Würstchen unb Kraut, Herr Graf? .
,Brr," machte Gröben sich fchüttelnd. „Komm nur, alter Freunb, Du weißt, baß Vater Grincho, immer einen herrlichen Trunk tn seinem tiefen Keller für feine burstigen Mufenföhne hat." ;
Sie stiegen Arm in Arm die mäßige Anhohe, j die auf die Thomaskirche zuführt, hinan, um nach der Burgstraße zu gelangen, wo die berühmte alte Bierstube des Thüringer Hofes gastlich winkte
„Wenn ich hier über den ehemaligen Kirchhof fchreite," sagte Benno träumerisch, „so muß ich immer daran denken, wie vor Jahrhundert'« hier vom Thomasmünster die Angnsttner Chorherren in goldstrotzendem Ornat herüber zur Kirch« schritten und Seipzigs Frauen und Mägdelein, Blumen und Kränze im Haar, fromme Siebet fingenb, In langem Zuge ihnen folgten, wie eS dtt j alten Chroniken berichten, in benen ich immer wa, immer wieber les«." (Sortierung folgt)
Kantate.
von Anny Wothe. (gfortfefcung.)’
Die rotblonde Baronesse mtt den schwarzen Sammetaugen, die jetzt so zornig aus bem feinen Gesicht herausfunkelten, nickte hochmütig ein Nein wenig mit bem Kopfe unb bemerkte, zu Benno ge- toanbt. „Wenn ber Graf wirklich Ihr Freunb ist, bann könnte es einem bange um Sie werben, benn ber gute Gröben behanbelt keinen Menschen so schlecht wie seine Freunbe. Haben Sie auch Ihr Zigarettenetui bei sich, wandte?" sie sich an den Grafen, ber sie amüsiert ansah, „bann, bitte, borgen Sie es mir mal, ich habe meins glücklich vergeffen unb ohne ben Glimmstengel schmeckt mir nun mal das Essen nicht. Nicht wahr, Fernando?"
Die Angeredete, die einen Klemmer auf der kecken, kleine» Stumpfnase trug, hinter dem ein paar lebhafte braune Augen blitzten, reckte ihre lange Gestalt noch höher auf und fagte fchnippisch:
„Ich an Deiner Stelle würde die Zigaretten des Grafen nicht annehmen, denn er wird sie morgen unbarhmerzig von Dir zurückfordern."
„Gewiß, mein Fräulein," lächelte der Gros fiebenswürdig, „gleiches Recht für Alle. Nachdem mir die Damen so unerbittlich klar gemacht haben, baj Sie auf jede Bevorzugung verzichten, wenn Sie nur bie Gleichstellung mit ber Männerwelt erreichen, bemühe ich mich, bie Damen ohne jebe Weitere Auszeichnung zu behandeln, was Sie boch tn keiner Weife kränken kann?"
„Na, quatschen Sie sich man ordentlich aus, Graf," lächelte bie Baronesse und lassen Sie sich das Essen schmecken."
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Genugtuung darüber, daß seine Besttebungen, den konfessionellen Frieden zu schützen, in seinem Bande bisher immer von Erfolg gekrönt waren. Umfomehr bedauere er, wenn diese seine Bestrebungen gegenwärtig durch so schwere Angriffe auf die der evangelisch-lutherischen Sandeskirche angehörende überwiegende Mehrheit seiner Untertanen durchkreuzt werde. Seine stät eröffnete den Staatsministern, deshalb aus Allerhöchst eigener wegung in Aussicht genommen sei, ein Handschreiben an den Papst zu richten. Die Staatsminister sprachen im Namen der evangelisch-lutherischen Bandeskirche Ihrer Majestäten für deren gnädige Entschließung ihren wärmsten Dank aus.
Aus Rom wird gemeldet: Auf die am 8. Juni abends erfolgte amtliche Verwahrung des preußischen Gesandten gegen die Encyklika entgegnete der Kardinal-Staatssekretär im Verlauf der zwei-
Bei der Stichwahl in Uckermünde-Wollm liegt die Entscheidung bei ben 4300 freisinnigen Wählern. Die konservative Korrespondenz weist nun auf das Verhalten der Konservativen bet ber Stichwahl in Iauer-Bolkenhain hin, wo der Sieg des freisinnige» Kandidaten tatsächlich nur durch konservative Unterstützung ermöglicht worden ist. Das parteiamtliche konservative Organ erklärt jetzt schon, daß das Verhalten des Freisinns in Ueckermünde- Usedom-Wollin von entscheidenden Wirkung sein werde für die Stellungnahme der Konservativen gegenüber der fortschrittlichen Volkspartei bei den zukünftigen Wahlen. Damit soll offenbar gesagt sein, daß, wenn die Freisinnigen sich jetzt nicht entschließen können, für den konservativen Kandidaten in Usedom-Wollin einzutreten, sie künftig auf eine konservative Wahlhülse überhaupt nicht mehr zu rechnen haben werden. Dies würde besonders für eine Reihe schlesischer Wahlkreise, die zur Zeit in fteifinnigem Besitz sind und nur durch konservative Unterstützung gehalten werden können, von Bedeutung fein. Die freisinnige Parteileitung steht also hier am Scheidewege. Folgt sie dem Drängen der linksliberalen Preffe und gibt sie in Usedom-Wollin tatsächlich die Parole zu Gunsten der Sozialdemokratie aus, so wird sie bei den nächsten Reichstagswahlen eine Anzahl »on Mandaten von vornherein als verloren betrachten können. Und das von Rechts wegen.
Zu der Wahl schreibt jetzt auch die parteiamtliche „Ratlib. Korr.": Was die Freisinnigen tun «erde«. Ist aus ihrer Preffe noch nicht ersichtlich. Das „Verl. Tagebl." freilich ist sofort mit großer Begeisterung für die Entscheidung zugunsten der Sozialdemokratie etngetreten; doch wohnt den Aeußerungen diese» Blattes eine politische Bedeutung bekanntlich nicht inne. (NB. Die „Franks. Ztg." und andere Organe auch!) Es bleibt vielmehr durchaus die Hoffnung, daß die Volkspartei das gerneinfamebürger- liche Interesse im Auge behalten und die trennenden Eesichtspuntte für den Augenblick auszuschalten sich bereit finden wird. Und das um so mehr, als sie der Stichwahlhilfe, welche ihnen am gleichen Tage die Konservativen in Jauer-Bandeshut-Bolken- hain leisteten, die Behauptung des bisherigen 5er« messchen Mandates verdankt. Die Konservativen gaben sofort die Parole für BLchtemann aus. Es ist ersichtlich, daß der freisinnige Erfolg den etwa 3000 Stirnen zu danken ist, welche die Konservativen Herrn Büchtemann zuwandten. In Use« Hom-Wollin bietet sich der Volkspartei also Gelegenheit, den Konservativen die Gegenleistung für die In Zauer gewählte Wahlhilfe zukommen zu lassen."
Trotzdem werden die Radikalinskis für den sozialdemokratischen Erfolg sorgen!
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Aus den Parlamenten.
Im Abgeordnetenhaus«
wurden bei der dritten Beratung des Eisenbahnanleihegesetzes wieder eine große Reihe Wünsche lokaler Natur zwecks Verbefferung und Anlage neuer Verbindungen für den Verkehr vorgebracht. Abg. v. Stockhausen (kons.) will durch Fahrplanände- rungen bessere Anschlüffe in Cassel nach Westfalen an bie Berliner Schnellzüge eingeführt wiffen. Die Vorlage wurde in dritter Sesung angenommen. Abgeordneter Linz (Ztr.) begründete einen Antrag bett. Bildung kommunaler Zweckverbände nach Art der bereits in den östlichen Provinzen geltenden Sandge- meindeordnung resp. deren Uebertragung auf sämtliche Provinzen. Abg. Frhr. v. Zedlitz (freikons.) beantragt, namentlich für Groß-Berlin, die Schaffung von Zweckverbänden auf gesetzlichem Wege für Angelegenheiten des Verkehrs, der Bebauung und des Waldschutzes. Geheimrat Freund erklärte, daß die Uebertragung der Bandgemeindeordnung auf sämtliche Provinzen bereits vorbereitet werde. Die Lösung dieser Frage für Groß-Berlin im Sinne des Antrages Frhr. v. Zedlitz sei sehr schwierig, wenn nicht unmöglich. Der Antrag Linz wurde schließlich angenommen, der Antrag von Zedlitz der Kommis- stonsberatung Überwiesen. Abg. Dr. von Liszt (Vp.) begründete einen Antrag Aronsohn u. Een. (Vp), der die gesetzliche Neuregelung der Rechtsstellung der Studierenden an den Hochschulen fordert. Die Studierenden sollen dem Vereinsgesetz unterstellt werden. Der Karzer soll abgeschafft und viele andere Sonderrechte sollen beseitigt werden. Abg. Graf Clairon d'Hauffonville (kons.) erklärte, daß er der im Anträge verlangten großen Umwälzung in der akademischen Gerichtsbarkeit nicht zustimmen könne. Er möchte an den alten Rechtsverhältnissen möglichst wenig geändert wiffen und beantrage jedenfalls, ben Antrag Aronsohn zunächst an die Unterrichtskommission zu verweisen. (Beifall.) Geheimrat Tillmann erklärte, daß nach Ansicht der Regierung die Bestimmungen von 1879 mit dem Reichsvereinsgesetz nicht in Widerspruch ständen. Der Antrag Aronsohn erfuhr eine redaktionelle Aenberung, wodurch die Bezugnahme auf das Gesetz von 1879 gestrichen wird. Rachdmn Abg. Graf Clairon d'Hauffonville (kons.) seinen Antrag auf Kommissionsberatung zurückgezogen batte, wurde der Antrag Aronsohn angenommen. Das Haus vertagte sich um 4% Uhr auf Dienstag, norm. 11 Uhr. Petitionen. Initiativanträge.
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