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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

And den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage."

45. Jahrj

M135

Dernburgs Nachfolger

Erttes Blatt

men in der Stichwahl für den Fortschrittler abgege­ben. Will der Freisinn endgültig ans der Reihe der bürgerlichen Parteien ausscheiden? Fast scheint es so, wenigstens wenn man nach der ,Zrkf. Zig." schlie­ßen soll. Dies Blatt bringt es fertig angesichts der horrenden Schlappe des Freisinns folgendes zu schrei­ben: Freisinn und Sozialdemokraten waren schon im Jahre 1907 so wenig in der Stimenzahl von einander verschieden, daß mit der Möglichkeit des Ausfalles des fortschrittlichen Kandidaten aus der Stichwahl gerechnet werden mutzte, wenn es nicht gelang, die konservative Stimmenzahl sehr wesentlich herabzu­drücken. Letzteres ist nun zwar geschehen, die Kon­servativen haben über 2000 Stimmen weniger er­halten; aber die radikalere Stimmung ist hier aus- schlietzlich den Sozialdemokraten zugute gekommen, die 1600 Stirnen gewannen, während die fortschritt­liche Stinrmenzahl bei einer im allgemeinen schlechten Wahlbeteiligung um 2000 Stimmen zuriickblieb.

Der Stichwahlkampf ist nun zwischen dem konservativen und dem sozialdemokratischen Kandi­daten auszufechten. Hier ist die Parole gegeben. Es gilt, der gegen die Reaktion gerichteten Stim­mung Ausdruck zu geben, datz die Konservativen den ihnen das vorige Mal entrissenen Wahlkreis wieder erobern.

Man kann eine reinliche Scheidung nur wün­schen. Der Fortschritt war in dem Punkte seiner Stellung zur Sozialdemokratie stets unklar. Freilich wer sich so den Genossen an den Hals wirft, darf nicht darauf rechnen auch nur eine Stimme von den rechts­stehenden Parteien zu erhalten. Die konservative Partei müßte alle Selbstachtung verlieren, wollte sie dann künftighin die Sozialdemokratte und den Freisinn nicht ihre Kämpfe grundsätzlich allein aussüh- ren lassen. Das ist im nationalen Jntereffe bedauer­lich, ist aber die einzige Möglichkeit den Herren der Linken klar zu machen, wohin für sie die Reise geht. Sehr richtig schreibt dieTägliche Rdschau": Hier hängt es aber nun von den Freisinnigen ab, den Sieg des Konservativen zu entscheiden oder den Wahlkreis den Sozialdemokraten auszuliefern. Es bedarf keines Hinweises, was in diesem Fall die Pflicht des Freisinns ist. Ein Versagen in diesem Fall würde das Konto des Freisinns in einer für seine Reputation vernichtenden Weise belasten."

Wahrscheinlich wird er versagen!

Zum Nachfolger des Staatssekretärs Dernburg wurde der bisherige llnterstaatssekretär im Kolo­nialamt, v. Lindequist, ernannt. Dr. Friedrich von Lindequist, der frühere Gouverneur von Deutsch-Süd­westafrika, dessen Bild wir beistehend bringen, steht gegenwärtig int 48. Lebensjahre. Er wurde am 15. September in Wosterlitz geboren und studierte auf den Universitäten Greifswald, Tübingen und Berlin. 1886 wurde er als Regierungs-Referendar beim Ober-Landgericht Stettin verpflichtet, später war er als solcher in Trier tätig. 1892 kam er als Regierungs-Assessor in die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes, 1894 wurde er rechtskundiger Hilfsarbeiter der Landeshauptmannschaft Windhuk, 1896 der Stellvertreter des Landeshauptmanns und zum Negierungsrat befördert. Von 19001905 war er General-Konsul in Kapstadt, 19051907 Gouver­neur von Südwestafrika. Im Jahre 1907 wurde er zum llnterstaatssekretär im Reichskolonialamt er­nannt. Im Anfang des Jahres 1909 unternahm von Lindequist eine längere Informationsreise nach den afrikanischen Kolonien und verstand es, auf ihr die großen Sympathien, die er sich während seiner Tä­tigkeit dort erworben hatte, neu zu erwecken.

DieOverheffische Zeitung" erscheint täglich mit Aufnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch di: Post bezogen 2 25 dt (ohne Bestellgeld). Bei unseren Zeitungsstellen und der Expeditton (Markt 21), 2 'M.

Lie JnferttonSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei Inhaber Dr. E. Hiheroth, Marburg, Markt 21. Telephon 5B.

Deutsches Reich.

Kaiser Wilhelms Institut. Berlin, 10. Juni. In Gegenwart des Kaisers und der Kaiserin nebst Gefolge und im Beisein des Kultusministers, des Kriegsministers, sowie anderer hohen Persönlich­keiten, Vertteter der Stadt Berlin und das Sani- täts- und Offizierkorps, fand heute Mittag die Einwcihungsfcier des Neubaues der Kaiser Wil­helm Akademie für militärärztliches Bildungs­wesen statt. Nach dem Gesänge eines Männer- Quartetts hielt der Kaiser eine Ansprache, in der er die Kaiser Wilhem Akademie zur Vollendung des neuen Heims beglückwünschte und seine An­erkennung für die guten Dienste, die die Akademie der Armee und dem Vaterlande geleistet babe, aussprach. Durch ernstes Streben aller Mitglie­der habe die Akademie ihre Aufgabe, ein jederzeit auf der Höhe der medizinischen Wissenschaft und der ärztlichen Kunst stehendes Sanitäts- und Oftizicrkorps beranrubilden. voll und ganz gelöst. Die drei Hammerschläge vollzog der Kaiser mit den Motten: Den Sterbenden zur Erleichterung, den Gesunden zur S:ärkung, den Seuchen zum Verderben. Ein Gesang schloß die Feier.

Aus der Konservativen Partei. Der Weitere Vorstand (Fünfziger-Ausschuß) der deutschkonser­vativen Pattei war am Mittwoch abend im Hcrrenhause versammelt zu einer Aussprache über geschäftliche Angelegenheiten. Jnbezug auf die politische Lage »vurde folgende Resolutton ange­nommen:Der Weitere Votttand (Fünfziger- Ausschuß) der deulschkonservattven Pattei spricht den konservativen Fraktionen des Herrenbaufes und des Hauses der Abgeordneten und ihren Führern für ihre Mitarbeit an den Beratungen über die Wahlresormvorlage die Anerkenunq und den Dank der Gesmntpartei aus. Der Weitere Vorstand hat, in der Erwägung, daß das besteh­ende preußische Wahlrecht sich immer und durch­aus zum Segen Preußens bewähtt hat und ange­sichts des Umstandes, daß sich über einen Versuch, an seine Stelle etwas Besseres zu setzen, unter den bürgerlichen Patteien keine Verständigung hat herbeiführen lasten, keinen Anlaß, den Ausgang der Beratungen zu bedauern. Für die Zukunft hegt der Weitere Vorstand die feste Zuversicht, daß unsere Fremrde im Herrenhause und im Hause der Abgeordneten jeder Demokrattsterung des Wahl­rechts mtt größter Entschiedenheit entgegentteten werden."

Beteranenbeihilfen. Heute fanden in dem Reichsschatzamt unter dem Vorsitz des Reichsschatz­sekretärs Wermuth Verhandlungen ftott über die Gewährung von Veteranenbeihilfen und die Deck­ung des hierfür erforderlichen Bedarfs. Der Schatzsekretar hatte bereits bei den Reichstagsver- 1

Ausland.

* Kreta. London, 10. Juni. Wie dasReuter. sche Bureau erfähtt, haben gestern die Konsuls der Schutzmächte der krettschen Regierung die letzt« gemeinsame Note überreicht, welche besagt, daß, wenn die kretische Regierung den Muselmanische« Deputietten nicht gestattet, an den Arbeiten der Nationalvettammlunq tellzunehmen, wenn dies« zusammentritt. die Mächte diejenigen attiven Maß« nahmen ergreifen werden, die die Lage erfordert:

** Roosevelts Heimkehr. Southampton, l»1 Juni. Theodor Roosevelt ist mit seiner Familie heute an Bord des DampfersKaiserin Auguste Viktoria* nach Newvork abgereist. Und nun wird dir Welt vor ihm mal wieder etwas Ruhe haben!

*» Finnland. Petersburg, 10. Juni. Die Reichsduma nahm den ganzen Finnland-Gesetz-' entwurf mit 164 gegen die 23 Stimmen der Okto- bristen an, in deren Namen der Abgeordnete Glje-,

Marburg

Sonntag, 12. Juni 1910

Rückblick.

Im Vordergründe des Interesses steht zur Zeit die Borromäusenzyklika. Die Nachrichten über große evangelische Proteswersammlungen und Kundgebungen mehren sich. Die Erklärung der be­leidigenden Worte imOsservatore Romano" hat bei uns keinen Eindruck gemacht, und nach wie vor bleibt eine schroffe Beleidigung des evangelischen Volkes durch den Papst bestehen. Das hat auch die preußische Regierung anerkannt, als sie durch den Reichskanzler gegen die Enzyklika protestierte. Der Regierung eines Landes mit gemischtkonfessioneller Bevölkerung kann es obwohl sie prinzipiell inter­konfessionell ist, keineswegs gleichgültig sein, ob durch Veröffentlich ngen irgend welcher Art der Friede unter den Konfessionen erschüttert wird. Datz die Enzyk ika aber auch in ihrer mildesten Form hierzu geeignet ist, wird auch auf katholischer Seite nicht geleugnet, und es verdient hervorgehoben zu werden, daß die Gefahr des konfessionellen Konfliktes von katholischer Seite sehr bedauert wird. Man wird abwarten müssen, wie sich die Angelegenheit weiter entwickelt und welchen Erfolg die Vorstellungen des preutzischen Gesandten am vatikanischen Hose haben. Jedenfalls entsprach es der Würde des evangelischen Volkes, dem festen Willen Ausdruck zu geben, Schmähungen der Männer, zu denen es in religiöser Verehrung aufblickt, nicht ohne scharfen Protest auf- zunehmen. Dagegen wird man es billigen, datz die konservativen Parteien im Landtag einem Manne, wie Sem sozialdemokratischen Abgeordneten Hoff­mann die Gelegenheit nahmen unter dem Schutze der Immunität gegen die Religion überhaupt seine Widerwärtigen Blasphemien zu schleudern.

Die ganze Verhetzung unserer patteipolitischen Verhältnisse war übrigens auch hier zu beobachten. Der Vertreter der Fortschrittspartei konnte es nicht über sich gewinnen, diese sehr difficilen, weil das Elaubensleben berührenden Fragen anders als durch dieschwarz-blaue" Brille zu sehen, d. h. parteipoli­tisch zu Hetzen, wie es seit der Finanzreform üblich ist. Der Zweck ist ja überaus durchsichtig, man will auf diese Weise die frühere Mittel Partei der Na­tionalliberalen ganz ins linke Lager ziehen. Darum wird dieselbe Melodie bei jeder passenden und un­passenden Gelegenheit gesungen. Was man sich auf feiten des Fortschritts heute bereits alles erlauben darf, ist recht viel. Sobald die National­liberalen einmal irgendwo einen rechtsnatio­nalliberalen Kandidaten aufstellen, wird ihnen gleich von fortschrittlicher Seite mitgeteilt, daß sie in diesem Falle nicht auf ihre Unterstützung zu rech­nen hätten usw. So zuletzt bei der Reichstagsersatz­wahl in Frankfurt a. O. Zwar wendet sich die natio­nalliberale Korrespondenz sehr scharf gegen diese Bevormundung", in der Praxis aber hat diese Methode Erfolg, wie in Friedberg u. a. gezeigt wurde. Im Interesse der Entwickelung unserer Par­teiverhältnisse ist diese offensichtliche Linksschwenkung der alten Mittelpartei sehr zu bedauern.

Es darf aber auch als sicher gelten, daß sie von vielen Parteimitgliedern nicht gutgeheißen wird. Der Bund von Bassermann bis Bebel, auf den die Herren der Linken hinsteuern, ist in Norddeutschland auf lange Jahre hinaus noch unmöglich: und sollten nationalliberale Kreise die Partei auf diesen Weg drängen, so haben die Freikonservativen und Konser­vativen daraus den Nutzen zu erwarten.

Wieder liegen zwei Wahlen vor, die gezeigt ha­ben, daß die r a d i k a l st e Linke sehr im Wachsen ist. lleber Landeshut-Jauer haben wir kürzlich erst be­richtet, daß ein Stimmenzuwachs im wesentlichen den Genossen zugute kam. Konnte hier wenigstens von einem kleinen Erfolg des Fortschritts geredet wer­ben, so liegt die Sache in lleckermiinde-Wollin noch schlimmer. Es wurden bisher abgegeben für Herrn von Böhlendorff-Kölpin (kons.) 6065, für den frei- finnigen Kandidaten Justizrat Herendörfen 4299, für den sozialdemokratischen Parteisekretär Kuntze 7787 , Stimmen. Bei der letzten Reichstagswahl im Jahre 1907 erhielten in der Hauptwahl Herr von Böhlen- dorff 8156, der verunglückte freisinnige Abgeordnete Dr. Delbrück 6353, Kuntze 6113 Stimmen. Die bür­gerlichen Parteien haben je 2000 Stimmen verloren.

- Der Freisinn trotz der beliebten Hetze gegen 'den schwarzblauen Block und trotz der natio­nalliberalen Wahlhilfe. Die Konservativen werden ja überhaupt mit einem Abspringen von Stimmen i- Zt rechnen müssen. Interessanter aber ist zur Zeit die FrageWas nun?" Wird der Freisinn in der 'Stichwahl für den konservativen oder für den sozial­demokratischen Kandidaten stimmen? Die Entschei- dung dürst« von grundlegender Bedeutung sein. 3 Javer haben u*Ben die Konservativen ihre Stirn«

Handlungen über diese Frage feine Bereitwillig feit erklärt, mit den Patteien erneut über eii zweckmäßige Lösung Beratungen zu pflegen uq Vorfchläge entgegenzunehmen. An der heutige Beramng waren Vertteter aller Reichspattei« von der Reichspattei die Abg. Dr. Arendt. FrH Herr von Gamp und Schultz-Bromberg, beteilig In mehrstündiger Sitzung wurde das Thema na allen Seiten hin gründlich erörtert und es toure verabredet, in der nächsten Woche die Verhau« lungen fortzufetzen. >

Stellungnahme zur Borromäus - Enzyklikk Berlin, 10. Juni. Die Kreissynode Berlin-Koell» Stadt nahm einstimmig eine Resolution an, nach dck sie mit tiefer Entrüstung von den unerhörten Schmä Hungen Äentnis nimmt, welche die Borromäus Enzyklika gegen die Väter, Fürsten und Völker b6 Reformatoren und damit gegen die ganze eoai| gelische Christenheit schleudere, und gegen die ti| bedauerliche Störung des konfessionellen Friedew Verwahrung einlegt. Zugleich bittet sie die ffilaü bensgenossen, trotz dieser päpstlichen Herausforderin» weiter auf den Frieden mit der katholischen Bevö! kerung bedacht zu sein. -

isin Dementi. Berlin, 10. Juni. DieRordH Allg. Z." schreibt: Ein Artikel, der kürzlich aus eine Zeitungskorrespondenz in die Blätter ubergegange. ist, behauptet, daß nach Ablauf des Quinquennair im Ausbau unseres Heeres ein Stillstand eintrete] werde. Die Entscheidung darüber sei anscheinem schon beim Amtsantritt des Reichskanzlers gefalle^ Um das Fiasko der Reichsftnanzreform zu verbergen solle am Landheer gespart werden. Rach Ansicht de] Reichskanzlers und Reichsschatzsekretärs, dessen Spa ) samkeitsvollmacht gegenüber dem Heere der Kanzltt zur Bedingung seiner Amtsübernahme gemacht hab» sei für den Ausbau und die Fortentwicklung bg Armee kein Geld übrig. (Ein Hamburger Bla'j glaubt jetzt bestätigen zu können, daß der gegenwäü tige Reichskanzler bei seiner Uebernahme der ES schäfte allerdings die Bedingung gestellt habe, ej dürfe nach Ablauf des Quinquennats keine größer« Heeresforderung kommen. Diese Sachlage solle abej vertuscht werden. Im übrigen ziehe man sich Hinte» den Vorwand zurück, daß 1911 eine besondere Vor läge überhaupt nicht nötig sei, weil die Präsenzziffetz auch unter der Hand erhöht werden könne, äßij wollen feststellen, daß alle diese Angaben EiH schluß der angeblich vom Reichskanzler verlangtes Sparsamkeitsvollmacht auf reiner Erfindung bet ruhen. Hinsichtlich der kommenden Neuforderungev für das Heer ist nichts zu vertuschen. Sie werden für das nächste Quinauennat in voller Uebereinftim* mung. zwischen dem Reichskanzler und den militari» schen Stellen ganz im Sinne der hierüber früher schon gegebenen Erklärungen aufgestellt und werden nichts vermissen lassen, was nach dem Urteil der ponye» teufen Behörden im Interesse der Schlagferiigkei^ der Heeres notroenbig ist.

Journalistenfahrt. Thorn, 9. Juni. Di» auf der Ostmarkenfahrt begriffenen süddeutsche« Parlamentarier und Journalisten besuchten heul« von Thorn aus die Orte Schönsee, Osterbitz nutz Gollub, wo sie die dortigen Ansiedelungen de« suchten. Sodann unternahmen sie einen Absteche« nach dem russischen Grenzort Dobrzhin und kehr« ten von da aus nach Thom zurück, wo sie nach» mittags um 5 Uhr eintrafen.

Die Kosten des Kampfes im Baugewerbe, Berlin, 10. Juni. Welche Lohnsummen der Bau arbeiierschast durch den Kampf im Baugewerb» verloren gegangen sind, zeigt folgende Rechnung» Da die Äusspermng im allgemeinen bis zum 15 Juni dauern wird, so wird sie sich über 45 Arbeitstage erstrecken. Die Zahl der Ausgesperr ten betrug an 200 000, davon 130 000 Maurer und Zimmerer und 70 000 Bauhilfsarbeiter. Rechne» man bei jenen bei zehnstündiger Arbeitszeit einen Stundenlohn von 50 H, so kommt man auf dits Summe von mnd 32 Millionen Mark; bei letz» teren, eien Stundenlohn von 40 H vorausgesetzt, auf mnd 13 Millionen, zusammen also mehr als, 45 Millionen Mark.

Aus den Parlamenten.

Im Abgeordnetenhaus«

wurden am Freitag, dem Anträge der Wahlprü­fungskommission entsprechend, die Wahlen der Abg. Spinzig (freikons.) und Dr. Wendlandt (natl.) be­anstandet und Beweiserhebung beschlossen, die übri­gen Wahlen für gültig erklärt. Bei der zweiten Be­ratung des Gesetzentwurfes bett, die öffentlichen Feuerversicherungsanstalten beantragte Abg. Gyß- ling (fortschr. Vp.) für Beschwerden über Ablehnung eines Versicherungsantrages den Bezirksausschuß und nicht den Oberpräsidenten zuständig zu machen. Abg. v. Wentzel (kons.) bemängelte die Höhe der Versiche­rungsprämien, die die Domänenpächter zu zahlen hätten und regte an, die Domänenfeuerschädenfonds oufzulösen und die Versicherung der Domänen den öffentlichen Feuerversicherungsanstalten anzugliedern. Der Antrag Vartscher (Ztr.), das WortSubaltern­beamte" durchMittlere Beamte" zu ersetzen, wurde nach Befürwortung durch den Abg. v. Hennigs-Tech- lin (fonf.) angenommen. Abg. Winckler (kons.) wandte sich gegen den Antrag Eyßling bezüglich der Beschwerdeinstanz, der darauf abgelehnt wurde. Abg. Wallenborn (Ztr.) verlangte die Streichung der Be­stimmungen über die Verpflichtung der Anstalten, 25 v. H. ihres Vermögens in Staatspapieren anzu­legen. Minister Frhr. v. Rheinbaben bat, die Be­stimmungen aus praktischen Gründen beizubehalten. Abg. Winckler (kons.) trat ebenfalls für Beibehaltung der Bestimmungen ein und erklärte namens seiner Partei, daß sie zu den Maßnahmen des Finanz­ministers das größte Zutrauen hätten und in ihnen der Anfang einer großzügigen Finanzpolitik erblick­ten. Es wurden schließlich die Kommissionsbeschlüsse unter Ablehnung aller Äbänderungsanträge ange­nommen. Das Gesetz wurde in zweiter Lesung an­genommen. Die Annahme in dritter Lesung erfolgte auf Antrag des Abg. Herold (Ztr.) debattelos und en bloc. Die Resolution der Kommission wegen Ausdehnung der Vermögensanlage - Verpflichtung auch auf andere öffentlich-rechtliche Anstalten wurde ebenfalls angenommen. Bei der folgenden zweiten Beratung des Gesetzentwurfs über Wohnungsgeld- zufchuß und Mietentschädigungen erklärte Minister Frhr. v. Rheinbaben, daß diese Frage im Reich und in Preußen gleichmäßig geregelt werden müßte. Sollten die Anträge der Kommission, die Dispariiät schafften, angenommen werden, so müßte die Vorlage als gescheitert betrachtet werden. Abg. v. Hennigs- Techlin (kons.) betonte, daß man sich in der Zwangs­lage befinde, die Kommissionsbeschlüsse zu beseitigen, um nicht das Gesetz scheitern zu sehen und das un­erwünschte Provisorium zu behalten. Aus diesem Grunde würden seine politischen Freunde für die Re­gierungsvorlage und gegen die Kommissionsbeschlüsse stimmen. Abg. Giesberts (Ztt.) gab für den größten Teil feiner Partei dieselbe Erklärung ab. Das Haus vertagte die Weiterberatung auf Samstag. Außer­dem Rogatabschluß, Eisenbahnanleihegesetz, Rest der heutigen Tagesordnung.