45. Jahrg.
Die JnferttonSgebühr beträgt für die 7gespaliene geile oder deren Raum 16 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch. NniversitätS-Buchdruckrrei Inhaber Tr. E. Hitzeroth, Marburg. Markt 21. — Telephon 56.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
nnd den Beilagen: ,Mch Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage.'
Marburg
Donnerstag, 9. Juni 1910.
Tie „Oberhesfische Zeitung« erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel» jährlich durch di: Post bezogen 2 26 dk (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 'dH.
Der Leiter der deutschen Kolonialverwaltung, Staatssekretär Dernburg, wird in Kürze von seinem Amte zurücktreten,' er hat bereits im Anfang Mai sein Entlassungsgesuch eingereicht. Wie verlautet, wird er einen Staatsposten vorläufig nicht wieder Innehmen. Mit Dernburg scheidet der erste kaufmännisch ausgebildete deutsche Minister aus seinem Amte. Bernhard Dernburg, der frühere Direktor der Darmstädter Bank, wurde im September 1906 als Nachfolger des Erbprinzen zu Hohenlohe-Langen- bürg zum Leiter der damaligen Kolonialabteilung km Auswärtigen Amt ernannt. Der Anfang 1907 ueugewählte Reichstag bewilligte dann bekanntlich die Erhebung des Kolonialamts zum selbständigen Reichsamt und auf diese Weise wurde Dernburg am 17. März 1907 der erste deutsch« Kolonialsekretär. Als sein Nachfolger werden Dernburgs vtsherige Anterstaatssrekretäre v. Lindequist, der vor kurzem Mrückgetretene Gouverneur von Südwestafrika, von Schuckmann, sowie der frühere Gouverneur von Ost- «ftika, Graf Coetzen, genannt.
Aus den Parlamenten.
Im Abgeordnetenhause
standen die Gesetzentwürfe betr. die Erhöhung der Krondotation um 2 Millionen Mark und betr. Erhöhung der Betriebskosten für die Königlichen The» ater um 1% Millionen Mark, in erster und zweiter Lesung zur Beratung. Abg. Dr. o. Heydebrand und der Lase erklärte, daß die konservative Partei die Vorlagen ohne bisherige Kommissionsberatung annehmen werde, da sie die geforderten Erhöhungen für voll begründet erachte. Aba. Dr. Friedberg (natl.) und Abg. Fischbeck (fortschr. Vp.) stimmten namens ihrer Fraktionen ebenfalls den' Vorlagen zu, beantragten aber zunächst Kommissionsberatung, um die Einzelheiten der Gesetzentwürfe eingehender prüfen zu können. Die Abg. Dr. Dittrich (Zentt.) und Frhr. v. Zedlitz (freikons.) gaben die Erklärung namens ihrer politischen Freunde ab, daß sie den Vorlagen zustimmten und eine Kommissionsberatung eigentlich für unnötig halten. Sie würden aber den Antrag auf Kommissionsberatung annehmen, da sie
8 . (Nachdruck verboten.)
. .' Kantate.
von Anny Wothe, "MMi'
' (Fortsetzung.)
Auf den Zügen der alten Frau glänzte, als der letzte Ton verhallt war, ein stiller Friede. Langsam schweiften die Augen im Zimmer umher, um schließlich an einem Gemälde haften zu bleiben, das einen reizenden braunloekigen Knabenkopf zeigte. Die beiden hohen, in die Wand eingelassenen Spiegel des großen Eckzimmers mit dem durch Spiegelglas unterlegten br.iten geschnitzten Rand von lichtem Holz strahlten das Bild des Kinderköpfchens wieder, dem die alte Frau jetzt grüßend zunickte.
Der schrille Klang einer Klingel hallte durch das Haus.
»Die Torglocke", verwunderte sie sich, hastig aufstehend und die Falten ihres schwarzen Seidenkleides glatt stteichend. „Wer kann jetzt kommen zu so später Stunde?"
„Frau Professor, Frau Professor," rief die alte langjährige Dienerin des Hauses, plötzlich ihren rothaarigen, glatt gescheitelten Kops zur Tür hereinsteckend:
„Es is ne Dame am Tor, fokl'n mer fe denn «ein lassen?"
„Eine Dame? Zu mir?" fragte die alte Frau Professor Mehnert mit einem Zittern in der Stimme.
„Mer brauchen ja nich uff z'machen," ermunterte Lina; des Hauses Hüterin, „mer empfang'« doch nu eenmal keene Besuche Nich."
„Geh und frage nach der Fremden Begehr." Kopfschüttelnd schlürfte die alte Lina von dan-
Xi) Und in den dunklen Garten hinaus,
von einer großen Partei verlangt werde. Abg. Hoss- mann (Soz.) wandte sich in einer echt sozialdemokratischen Brandrede, voller Eehäffigkeit, gegen die Annahme der Vorlagen. Als er im Verlaufe seiner Rede sagte, der König müßte vom Volk gewählt werden, rief ihn der Präsident v. Kröcher wegen dieser hochverräterischen Bemerkung unter dem Beifall des Hauses zur Ordnung. Minister Frhr. ». Rheinbaben bezeichnete es als Anmaßung, wenn die Sozialdemokraten sich als Vertreter des preußischen Volkes bezeichneten, wo von 19 Millionen Arbeitern nur 1 138 000 der Sozialdemokratie angehören. Die Erhöhung der Krondotation rechtfertige sich schon allein aus der allgemeinen Verteuerung aller Lebenshaltungen seit 1889, wie die Kommunal- und Staatshaushaltsetats als lebendige Zeugen bewiesen. An der Hand einwandfreier Zahlen hielt der Minister dem sozialdemokratischen R-dner entgegen, welche enormen Summen seit 1895 für die soziale Fürsorge aufgewandt worden sind. Er dankte den bürgerlichen Parteien für ihre einmütige Zustimmung zu den Vorlagen und hoffe, daß sie auch in Zukunft geschlossen gegen die Sozialdemokratie Stellung nehmen werden. (Lebhafter Beifall.) Abg. v. Hevde- brand und der Lase (kons.) erklärte, daß seine politischen Freunde ebenfalls für Kommissionsberatung stimmen würden. Die Vorlage ging an die Budgetkommission. Bei der folgenden zweiten Beratung des Eisenbahnanleihegesetzes wurde ein Antrag Re- woldt (fteikons.), der eine Anschlußlinie von Groß- Garz nach Seehausen fordert, angenommen. Im übrigen wurde die Vorlage nach den Kommissionsanträgen in zweiter Lesung debattelos genehmigt.
.®?ratun0 einer Petition um Abänderung der westfälischen Landgemeindeordnung wurde durch einen Vertagungsantrag des Abg. Frhrn. v. Zedlitz (freikons.) unterbrochen. Das Haus nahm den Antrag an und vertagte sich auf Mittwoch vormiftag 11 Uhr. Rest der heutigen Tagesordnung. Kleinere Vorlagen. Initiativanträge. Petitionen
Deutsches Reich.
— Som Kaiserlichen Hofe. Potsdam, 7. Juni. Die Braut des Prinzen Friedrich Wilhelm, Prinzessin Agathe von Ratibor-Torvey, traf heute nach- ni'.nag mit Gefolge uno Anverwandten auf oer sra- tion Wildpark ein, wurde von der Kronprinzessin empfangen und aufs herzlichste begrüßt. In feierlicher Auffahrt begaben sich dann die Herrschaften ins Neue Palais. Eine halbe Eskadron des Leibgarde- Husarenregiments eröffnete den Zug. Bei der Ankunft empfingen die Prinzen des königlichen Hauses die hohe Braut. Im Tressenzimmer des Neuen Palais wurde die Braut vom Kaiser, der Kaiserin und den Prinzessinnen des Königlichen Hauses und den höchsten Gästen empfangen und dann nach den für sie bestimmten Gemächern geleitet.
— Bon der Prinz Heinrich-Fahrt. Straßburg, 7. Juni. Ms heute morgen bei der Ausfahrt zum Start der Prinz Heinrich-Tour der Wagen Nr. 27 H. G. Heilmann u. Toepchin, der eben die Garage am alten Bahnhof verlaffen hatte, sich gezwungen sah, zur Einnahme von Benzin am Kleeberstaden Halt zu machen, geriet der Wagen plötzlich in Brand und brannte bis auf die Metallteile in wenigen Minuten nieder. Wie der Besitzer versichert, ist der Brand, bei dem glücklicherweise niemand verletzt wurde, durch Unachffamkeit eines der hentmstehenden Zufchauer entftanden, der ein brennendes Zündholz auf das Benzin fallen ließ. Der verbrannte Wagen war ein neuer Siemens-
„Nee, fo was, wo mer doch, wer weeß wie lange, nich for Besuche da waren un nu mit eenmal, un noch dazu bei eene fo nachtschlafende Zeit," brummte Lina vor sich hin.
Die alte Frau aber hatte die Hände ineinander gelegt und den Blick starr auf die Tür gerichtet.
„So kommt das Unheil in dies Haus," murmelte sie.
In dem alten Kachelofen knisterten die dicken Holzfchette und die roten Flammen fprühten. Glutrot lag ihr Schein auf den beiden Hellen achteckigen Holzfäulen, welche die Decke des ehemaligen großen Saales, der jetzt in zwei Zimmer geteilt war, stützten.
Wie die Säulen da, fo wollte sie fest stehen.
Lina steckte jetzt ihren Kopf wieder zur Tür herein.
„Weeß Kneppchen, Frau Professorin, ich jloobe ja, fe is es, janz jewiß. Soll ich ihr denn rin lassen?"
Die Augen der beiden Frauen begegneten sich toi: in irrer Angst, dann aber sagte die kleine Weißhaarige mit fester Stimme:
»Laß die Dame eintreten. Hast Du nach dem Namen gefragt?"
„Se meente, es fei ejal. Ich folle man sagen, fe kennten ihr doch nicht, nu äben."
Ein Wink von Linas Herrin und die Tür öffnete sich wett. Auf der Schwelle wurde eine hohe Frauengestalt sichtbar.
„Was wünfchen Sie von mir?" fragte die kleine Frau Professor und fah ft, das feltfam blasse und klare Gesicht der Befucherin, dar wie lichter Marmor fchimmerte. Die fchwarzen mandelförmigen Augen der Fremden richtete« sich gebietend auf die alte Damt.
„Ich wünsche Ihren Sohu g* K>reche« «Md
Schnckert-Wagen. Die Feuerwehr war sofort zur Stelle und löschte die brennenden Rester. — Zu den bereits gemeldeten Unfällen ist noch ein weiterer zu verzeichnen. Nr. 17 Edmond Tiffot- Mannheim erlitt beim Einfahren in die Garage einen Radbruch, ebenso hat Nr. 95 Emil Quaas- Meerane i. S. am späten Nachmittag wegen Kolbendefeftes bei Schwäbisch-Gmünd die Fahrt aufgeben müssen. Heute früh um 6 Uhr gingen auf der Kolmarer Straße 101 konkurrierende Wagen vom Start. Prinz Heinrich von Preußen befindet sich auch heute wieder mit der Oberleitung an der Spitze der Fahrt. Diefelbe geht zunächst füdwärts bis Kolrnar-Maienhein, dann über Rufach, Rappoltsweiler, Saarunion, St. Avold nach Metz. Der heutige Tag bringt die zweite Schnelligkeitsprüfung bei Heiligenkreuz-Maien- hein, deren Ergebnis den Rennfahrern doppelt bewertet wird. — Metz, 7. Juni. Bis 4 Uhr 2 Min. waren in ziemlich schneller Folge 35 Wagen am Ziel eingetroffen, von da an erfolgte die Ankunft der Wagen in mehr oder minder bedeutenden Zwifchenräumen. Bis kurz nach 7 Uhr waren insgesamt 70 Wagen angekommen, teilweise in einem durch Regenwetter stark beschmutzten Zustande. Unfälle sind nicht mehr vorgekommen. Ms 9 Uhr ist die Konttolle am Ziel ausgedehnt worden. Morgen früh um 7 Uhr beginnt am Deuffchen Tor der Start für die letzte Strecke Metz - Koblenz - Limburg a. d. Lahn - Homburg, rund 350 Kilometer.
— Colmar, 7. Juni. Prinz Heinrich von Preußen ließ durch den Grafen Sierstorff einem Vertreter der „Neuen Badischen Landeszeitung" in Mannheim offiziell erklären, daß der heuttge Unfall nicht auf einen Pneumatikfehler zurückzu- führen fei. Eine genaue Untersuchung hat einen Mangel an der (Steuerung ergeben, die den Sagen in eine Wasserrinne des Banketts gleiten ließ und ihn dadurch der Macht des Lenkers Heine entriß, sodaß er auf den schräg gegenüberstehenden Baum rnrmt# D->r Btaa»u zprlvrana und die Insassen wurden herausgeschleudert. Der Chauffeur des Wagens und der Unparteiische Allenstedt aus Siegburg sind tot, der Lenker des Wagens, Herr Heine, wurde schwer verletzt. Ein Mann aus dem Publikum wurde verletzt, trug aber nur eine Fleischwunde davon. Wahrscheinlich hatte die Steuerung zuviel toten Gang.
— Zum Rücktritt Dernburgs. Hamburg, 7. Juni. Zn den an der Hamburger und der Berliner Börse verbreiteten Gerüchten, daß Dernburgs Nachfolger Ballin, der Generaldiretkor der Hamburg-Amerika Linie werde und Ballin sich in den Aufsichtsrat zurückziehe, erhält das „Hamburger Fremdenblatt" von zuverlässiger Seite folgende Mitteilung: „Diese Nachricht beruht durchaus auf freiester Erfindung und enthält kein wahres Wort. Generaldirektor Ballin denft nicht daran, feinen Posten zu verlassen. Zum Vorsitzenden des Aussichtsrates der Hamburg-Amerika- Linie ist übrigens als Nachfolger des verstorbenen Herrn G. W. Tietgens Herr Max Schinkel erwählt.
— Die Schiffahrtsabgaben im Bundesrate. Berlin, 7. Juni. Der fertiggestellte Entwurf der Schifs- fahrtsabgaben ist nunmehr dem Bundesrate zugegangen. Dessen Ausschüsse dürften Mitte dieses Mo
mein Kind zu sehen. Wenn wir uns auch noch nicht im Leben begegnet sind, werden Sie doch ahnen, wer ich bin, zudem man mich Ihnen ja auch in Bildern genügend vorgeführt hat."
Die kleine Gestalt der alten Fran richtete sich hoheitsvoll empor. Ein Zug stolzer Abwehr legte sich über das feine Gesicht, als sie jetzt zu der Fremden äußerte:
„Sie haben mir bereits fo kategorisch Ihren Besuch angekündigt, daß ich darauf vorbereitet war, eine Frau hier eindringen zu sehen, die so unsagbares Leid über mein einziges Kind gebracht. Ich hätte Ihnen ja mein Haus verschließen können, aber ich wollte Ihnen doch wenigstens gern einmal sagen, daß ich Sie verachte."
Ein seines Rot huschte über die blassen Wangen der Fremden.
„Meine verehrte Frau Professor," erwiderte sie mit einem hohnvollen Klang in der Stimme, „ich bin wirklich nicht zu Ihnen gekommen, um Liebesoder Achtungsbetoeise einzuheimsen, ich suche nichts als mein Recht."
„Das steht Ihnen zu jeder Zeit zu," gab die alte Frau zurück, „nur hier haben Sie jedes Recht verwirkt."
„Nicht fo ganz, meine gnädige Frau. So lange mein Kind in diesem Hause weilt, hat auch die Mutter ein Recht daran."
Frau Professor Mehnerts Herzschlag stockte. Sie beherrschte sich jedoch äußerlich und sagte kühl:
„Sie sind von einem seltsamen Irrtum befangen. Es wird Ihnen bekannt fein, daß die Nachforschungen, die Sie bereits durch die Behörden anstellen ließen, auch nicht die geringsten Anhaltspunkte für Ihre« Verdacht ergaben, daß die kleine Jela sich hl« befindet. Ab« felbst,
nats ihre Beratungen beginnen, und bald darauf dürfte bet Bundesrat selbst den Gesetzentwurf oer» abschieden, der dann im Herbst dem Reichstage sofort nach dessen Wiederzusammentritt zugehen soll.
— Da» Gesetz übet das Staatsschuldbuch. Berlin,' 7. Juni. Der „Staatsanzeiger« veröffentlicht da« Gesetz über die Erleichterung der Eintragungen in das Staatsschuldbuch. Das Gesetz ist mit „Wilhelm, Kronprinz" unterzeichnet.
— Einheitsstenographie. Berlin, 7. Juni. Morgen findet im Reichsamt des Innern unter dem Vorsitz des Geh. Oberregierungsrats Dr. Matthias vom Preußischen Kultusministerium die Konferenz von Regierungsvertretern zur Vereinheitlichung bet deutschen Stenographie statt.
— Eisenbahnverwaltung und Eisenbahnarbeiter. Berlin, 7. Juni. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat sich mit Rücksicht auf die günstige Entwicklung der Eisenbahneinnahmen entschlossen, die für den 1. April 1911 in Aussicht genommene Erhöhung der Staatszuschüsse für die Eisenbahnarbeiter in Abteilung B. schon zum 1. Juli d. I. in die Wege zu leiten, um den Beteiligten die höheren Pensionen1 sobald als möglich zuteil werden zu lassen.
............. ' ■
Ausland.
** Aus der französischen Kammer. Paris, T. Juni. Nachdem in den letzten beiden Sitzungen die Wahlen von 530 Deputierten für gültig erklärt, worden waren, schritt das Haus heute zur Wahl des definittven Bureaus. Zum Präsidenten wurde mit 304 von 450 abgegebenen Stimmen Brisson gewählt. Ein Gegenkandidat war nicht aufge- stellt worden, alle geeinigten Sozialisten enthielten sich der Abstimmung.
** Eine Sonderbotschaft Tafts. Washington, 7. Juni. Eine Sonderbotschast des Präsidenten Taft an den Kongreß empfiehlt, bk Klausel brr Bahnvorlage, durch welche die Interstate Comm- ceree-Kommission erinächttgt wird, die von den Bahnen eingereichten höheren Frachttaten zu untersuchen und zu fuspensieren, sofort nach Unter» Zeichnung der Vorlage in Straft zu fetzen. Rach der jetzigen Fassung würde die Klausel erst in drei Monaten wirksam werden.
** Ministerwechsel in Norwegen. Kristiania, 7. Juni. Als dem König das Gesetz zur Sank- tionterung vorgelegt wurde, welches den Frauen für die Kommunalwahlen eine ertoeitertel Stimmrecht verleiht, riet ihm Handelsminister Arkiander, die Sankttonierung nicht zu vollziehen. Nachdem die übrigen Mitglieder der Regierung sich für die Sanktionierung ausgesprochen hatten, vollzog der König sie. Darauf reichte Handelsminister Arttander feine Demission ein, die ange- nommen wurde. Der Minister der öffentlichen Arbeiten Braenner übernimmt für Arttander daS Handelsministerium. Der Oberingenieur bei den Staatsbahnen Darre Jensen wurde zum Minister der öffentlichen Arbeiten ernannt. Der stattgefun- deue Personenwechsel bedenet keinerlei Aenderung in der Polittk der Regierung.
wenn ich den Aufenthalt des Kindes wüßte, Ihnen würde ich ihn mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln vorenthalten. Sie verdienen nicht ein Kind zu besitzen, das Sie doch nicht erziehen können. Ich glaube, wir haben einander nichts mehr zu sagen."
Die dunklen Augen der Fremden blitzten drohend auf.
„Hüten Sie sich! Man hat mir mein Kind gestohlen und ich werde nicht ruhen noch rasten,, bis ich den Entführer ausfindig gemacht 6abeJ Damm bin ich hier und werde in Leipzig bleiben, bis ich das Kind gefunden und feinen verbrecherischen Vater den Behörden überliefert habe.' Das ist mein Recht, verehrte Frau, und niemand/ hören Sie, niemand soll es mir nehmen."
Die Heine weißhaarige Dame bebte an allen Gliedern, aber sie zwang sich wieder zur Ruhe und entgegnete gemessen:
„Ich kann Ihnen natürlich hier in Leipzig den Aufenthalt nicht wehren, aber hier, dieses Haus, bitte ich nicht wieder zu betteten. Sie haben nicht nur den größten Teil des Vermögens meines Sohnes vergeudet, fein Leben und Glück zerftört, sondern Sie haben ihn auch zum Mörder gemacht in der Stunde, da er erkannte, daß Sie ihn grausam betrogen. Unbedenklich schoß er ihren Lieb-. ,haber nieder."
„Um sich dann feige der wohlverdienten Straf» zu entziehen," höhnte die Fremde, „o ja, ich kenne. Ihren Sohn zur Genüge, der mein Glück, memi Leben vernichtet hat und der mir auch noch bafr Letzte, mein Kind, nahm, das mir aber niemand, auch er nicht vorenchalten foll."
(Fortsetzung folgt.)
t—.*--