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mit dem Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain
Mttb den Beilagen: „Nach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage.«
45, Jahrg.
I Die „Oberheffifche Zeitung« erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn, und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel, jährlich durch di- Post bezogen 2,25 Jt (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 'M.
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Marburg
Sonntag, 5. Juni 1910
Drittes Blatt.
Tie Umwandlung der indirekten Steuern in direkte.
In der gegen den Konservativismus gerichteten Agitation der Sozialdemokratie wie des Linksliberalismus haben seit jeher und besonders scharf in den Tagen der Reichsfinanzreform, die Angriffe gegen die von konservativer Seite vertretenen Anschauungen über die Berechtigung «nd die Vorgänge der indirekten Steuern stets im Vordergründe gestanden und in den über den Wesensunterschied der direkten und indirekten Besteuerungsari nicht so unterrichteten Bevölker- mgskreisen teilweise Zweifel über die Volkstüm- üchkeit und Mittelstandsfreundlichkeit konservatt- m Politik hervorgerufen und die von der Sozialdemokratie programmatisch vertretene Forderung nach Beseitigung aller indirekten Steuern zu einem bei gewissenloser Verwertung gefährlichen Kampfesmtttel gemacht, obwohl diese Forderung, die in ihrer historischen Entwicklung keineswegs -nls einfach aus der sozialistischen Theorie von der gleicher Belastung jedes einzelnen der Gesamtbevölkerung sich ergebend, angesehen werden darf als im höchsten Grade mittelstandsfeindlich bezeichnet werden muß. Prüft man die sehr instruktiven Zahlen der Steuerstatistik aus den Jahren 1905/06, unter Nichtberücksichtigung der Steuerzuschläge des vergangenen Jahres, die das Bild nur zugunsten der Beweisführung modifizieren könnten, so betrug danach die Zahl der physischen Personen 4 393 219: nüi Einkommen über 3000 Jt 501 437, d h 1,4 v. H. der Be. vökkerung oder ’/„ der physischen Personen. Das Gesamteinkommen betrug 9668 Millionen, das Grsamtsteuersoll 188 Millionen. Davon zahlten die Zensiten über 3000 Jt Einkommen (— % der Einkommensteuer) 131 Millionen. Das Gesamteinkommen dieses Neuntels betrug 4459 Million. Rechnet man dazu die kommunalen Zuschläge, so erhält man an direkten Kommunaleinkommensteuern über 200 Millionen; dazu die Ertragssteuer mit über 110 Millionen, die Vermögenssteuer mit über 40 Millionen, die Erbschaftssteuer mtt rund 10 Millionen so ergibt sich eine annähernd direfte Gesamtsteuerlast des preußischen Mittelstandes ‘ von etwa 560 Millionen Mark gegen 450 Millionen vor 12 Jahren. Dagegen leisteten über 63 v. H. der preußischen Bevölkerung gar keine direkten Steuern. Außer den direkten Steuern werden aber noch 580 Millionen Mark indirekte Steuern in Preußen, einschließlich Anteil an Reichssteuern erhoben. Nimmt man nun an, diese indireften Steuern würden abgeschafft und sie nach dem Einkommensteuerfuß auf die Steuerpflichtigen verteilt, dann kämen auf das Mittelstandsneuntel wieder 75 v. H. — 435 Millionen, d. h.: die direfte Steuerlast müßte nahezu verdoppelt werden auf rund 1023 Millionen Mark. Run hat dieser Mittelstand aber laut Steuerstatistik ein Einkommen von insgesamt 4Z4 Milliarden, er müßte also durchschnittlich rund ein Viertel seines Einkommens als Steuern ablicfern, bei den höheren Steuersätzen infolge des Progrefsivsteuerfußes noch mebr. Damit würde also die Umwandlung der indireften Steuern in direkte die sosorttge finanzielle Vernichtung der produzierenden Stände des deutschen Volkes bedeuten.
Aber damit noch nicht genug. Außer diesen zwangsweisen Beiträgen, wobei die jährlich 300 Millionen Mark der Arbeitgeber für die Arbeiterversicherung gar nicht in Rechnung gestellt werden sollen, zahlt der deutsche Mittelstand nach den Berechnungen eines Züricher Gelehrten freiwillig jährlich noch etwa 200 Millionen Mark für Wohlfahrtseinrichtungen, Spenden usw, zu gunsten der von der direkten Steuer befreiten Bevölkerungsteile. Geht man nun Wetter von der Annahme aus, das Neuntel der hier berücksichtigten Steuerzahler, das beinahe die Hälfte des Volkseinkommens versteuert, verzehre dementsprechend auch die Hälfte der durch Zoll und Steuer belasteten Konsumprodutte, so kämen auf Preußen allein über 220 Millionen, während der Zensitenziffer nach nur etwa 48 Millionen auf den Mittelstand kommen sollten. Denn an vielen Konsumarttkeln wie Kakao, Tee. Wein, Drogen, Seidenwaren usw. dürfte der Zensit des Mittelstandes mit Familie und etwaigen dienenden Gliedern das Doppelte der ärmeren Bevöflerung verbrauchen, was sich auch bei einer Vergleichung der verschiedenen Haushaltungsbudgets als Tatsache herausstellt. Nach einwandsfreien Berechnungen dürfte der preußische Mittelstand beinahe 200 Millionen indirekte Steuern zahlen, mit den direkten zusammen daher etwa 1080 Millionen Mark, also weit über eint Milliarde bei einem Einkommen von — wie schon betont — 4y2 Milliarden : das macht ziemlich genau ein Viertel seines Einkommens aus. Diese ungeheure Summe bringen 12 v. H. der Steuerpflichtigen auf, während die vrenßische Bevölkerung mtt
einem Einkommen von unter 3000 Jt an indirekten Steuern 250 Millionen Mark und etwa 60 Millionen Mark direkte Staatssteuern mit 150 v. E. Kommunalzuschlag, im ganzen etwa 190 Millionen direfte Steuern ausbringt, von dieser aber v. H. überhaupt keine direfte Steuern und ihre Ersetzung durch direfte würde dernach mit einem völligen Steuerraube, ja einer staatlichen Konfiskatton des Einkommens der einzelstaatlichen Steuerzahler gleichbedeutend sein und nicht nur den sicheren sinanziellen Untergang der wirtschaftlich und geistig führenden Klassen des preußischen und der übrigen deutschen Staaten, sondern den Zusammenbruch Preußens und Deutschlands selbst herbeiführen.
Die Selbstmorde in Preußen.
Das Königliche Stattstische Landesamt hat vor einigen Wochen eine Statistik der in Preußen vorkommenden Selbstmorde veröflentlicht, die einen sehr tiefen Einblick gestattet in die Welt der Verzweiflung. Es ist eine traurige Tatsache, daß im preußischen Staate alljährlich etwa 7650 Menschen ihr Leben durch eigene Hand gewaltsam beenden und unter 100 000 Lebenden 21 durch Selbstmord sterben. Die Frauen stehen ungleich günstiger da als die Männer, während von den letzteren nach fünfjährigem Durchschnitt 32 Selbstmörder auf 100 000 Lebende kommen, weisen die Frauen unter 100 000 nur 9 auf. Wunderbarerweise nimmt die Häufigkeit der Selbsttötungen mit dem Alter zu, und zwar bei beiden Geschlechtern; so endeten beispielsweise im Jahre 1907, welches das Landesamt vor kurzem bearbeitet hat, insgesamt 62 Jugendliche, d. h. im Alter von 10—15 Jahren stehende Personen durch eigene Hand, und zwar 44 männliche und 18 weiblichen Geschlechts; das Gros der Fälle, 7581 an der Zahl, entfiel auf die Altersgruppen über 15 Iahte, 5800 Männer und 1781 Frauen.
Die Beweggründe der Selstmorde sind ost schwer festzustellen; trotz der eingehendsten Sorgfalt, mit der die amtliche Stattsttk das Mottv jeder Selbsttötung auszugraben sucht, bleiben in jedem Jahre etwa 20 v. H. aller Fälle übrig, bei denen die Triebseder nicht festgestellt werden kann. Im Jahre der Berichterstattung waren es 1534 Fälle. Fast wie ein Trost mutet es uns an, daß in Preußen mehr als ein Viertel unzweifelhaft auf Geisteskrankheit beruht. Auch von den übrigen Selbstmorden sind die meisten aus seelische Ursachen zurückzuführen. Lebensüberdruß, Leidenschaften, Trauer, Kummer, Reue u. dergl. Interessant ist dabei, daß bei den Frauen Geisteskrankheit und körperliche Leiden als Mottve zum Selbstmord überwiegen, ferner Nervenftankheit und Leidenschaften, bei den Männern dagegen Lebensverdruß, Laster, Trauer und Kummer. Als Mittel zum Selbstmorde kommen besonders zwölf in Betracht, und zwar, nach der Reihenfolge ihrer Häufigkeit aufgezählt, Erhängen, Ertränken, Erschießen. Vergiften, Ucberfahren lasten, Sturz aus der Höhe, Schnitt in den Hals, Gasvergiftung. Oeffnen der Pulsadern. Erbrechen, Erdrosteln oder Erwürgen und Ausschneiden des Bauches. Diese Reihe zeigt von Jahr zu Jahr nur geringe Veränderung. Ungefähr zwei Drittel der männlichen Selbstmörder enden durch Erhängen, von den Frauen nur die Hälfte; ein Drittel der selbstmörderischen Frauen sucht den Tod im Wasser, dagegen nur ein Achtel der Männer; im allgemeinen findet Erschießen bei den Männern mehr Anflang, Vergiften-bei den Frauen.
Auch die Zeit der Selbstmorde bietet viel In teressantes. Im Jahre 1907 entfiel die größte Zabl der männlichen Selbstmorde auf den Monat Juli — inner hundert Fällen elf —, während der Februar die günstigsten Zahlen aufweist, unter hundert Fällen sechs. Bei den Frauen ist der Mai der sclbmordreichste Monat — unter hundert Fällen zcbn —, während wie bei den Männern der Februar der ärmste Monat ist — unter hundert Fällen 61/». Zweifellos ist die Jahrestemperatur von wesentlichem Einfluß auf die Zahl der Selbstmorde. Die Monate Mai, Juni, Juli find schon lange als die selbstmordreichsten Monate bekannt; allein Berlin zeigte in den genannten Monaten des Jahres 1907 wöchentlich rund 20 Selbstmorde. Sonst weist, nach Kalenderjahreszeiten berechnet, das Frühjahr die größte Anzahl der Selbstmorde auf (30 bezw. 28 v. H.), dann folgt der Sommer mit 28 bezw. 27 v. H., der Herbst mit 22 bezw. 23 v. H. und endlich der Winter mit 20 bezw. 22 v. H. aller Fälle, von den Wochentagen ziehen die Männer den Montag, die Frauen den Sonntag vor und die wenigsten Fälle entfallen auf den Sonnabend. Man sucht dies dadurch zu erklären, daß am Sonnabend bei der das Gros des Volles auS- machenden Bevölkerung am Sonnabend der Lohn gezahlt wird und nun die Freuden des Sonntags in Aussicht stehen, dagegen am Montag die Folgen des durchschwelgten Sonntags schmerzlich in die Erscheinung treten. Der Sonntag ist für die Frau deshalb ganz besonders verhäng
nisvoll. well oft genug am Sonnabendabend und am Sonntag derMann in der Kneipe sitzt, seinen Wochenlohn ganz oder zum großen Tell vertut und Weib und Kind vergißt. Das bringt die Frau in Verzweiflung und zur Selbswernichtung wobei sie vielleicht auch noch ihre unschuldigen Kinder mitnimmt.
Ms Tageszeit des Selbstmordes wird am meisten der Abend, der Mittag und die Zeit kurz nach Sonnenaufgang. Diese Reihenfolge ist alljährlich wiederkehrend seit 1869 beobachtet worden. So starben 1907 durch eigene Hand am Vormittag 1615, am Nachmittag 1531, in der Nacht 1212 Menschen, während der Abend nur 824, der Mittag nur 659 und die Zeit kurz nach Sonnenaufgang nur 410 Fälle aufzuweisen hat. Freilich bleiben dann noch 1392 Fälle übrig, bei denen die Tageszeit des Selstmordes nicht festzustellen ist.
Marburg und Umgegend.
(RachL:uck aller Originalartikel ist gemäß § 18 be# Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberheff. gtg.“ gestattet.)
Marburg, 4. Juni.
* Winke zur Badezeit. Ein kühles Bad wird jetzt wieder zu einer ganz besonderen Wohltat für den Menschen. Doch damit mehren sich auch wieder die Fälle, die von dem Tode Ertrunkener handeln. Viele Menschen sind beim Baden zu leichtsinnig und oft auch zu mutwillig! Besonders die Jugend liebt es, vor badenden Kameraden allerhand „Scherze" und „Bravourftückchen" auszuführen, die hin und wieder mit dem Leben bezahlt werden müssen. Hier wagt sich ein Knabe in eine Stromschnelle, da will einer, der noch nicht recht schwimmen kann, einen reißenden Strom durchqueren, dort wagt sich ein Kind auf unbekannten Grund, verliert den Boden unter den Füßen und weiß sich in feiner Verwirnng nicht mehr zu helfen. Mso Vorsicht! — Hier einige Verhaftungsmaßregeln gegenüber Ertrunkenen. Man wird gut tun, jeden Ertrunkenen zu öffnen und (wie dessen Nase) von Schlamm und Schmutz zu säubern, was aber natürlich möglichst rasch ge- fchehen muß. Dann wird der Verunglückte auf den Bauch gelegt und zwar in der Weise, daß Kopf und Brust tiefet zu liegen kommen als die Beine. Dies gefchieht zu dem Zwecke, damit daS Master herausfließen kann. Unterdesten hat schleunigst jemand etwas Schnupftabak herbeizuholen. Der Ertrunkene wird nun flach aus den Rücken gelegt, den Kopf etwas erhöht. Eine Prise Schnupftabak wird ihm in die Nase geblasen, der Schlund mit einer Federgekitzelt, Brust und Gesicht gerieben und bespritzt. Man laste ibn an Salmiakgeist oder Efligäther riechen. Bleiben diese Hilfsmittel wirkungslos, so macht sich die „künstliche Atmung" notwendig, indem dem Verunglückten beide Arme langsam (jedoch mindestens fünfzehn mal in der Minute) auf und nieder gezogen werden (auf der Erde hin bis über den Kopf). Das Aufziehen der Arme geschehe erst langsam, dann schneller, doch nicht allzu hafttg, immer, der Atmung entsprechend; bis zwei Stunden lang, wenn der Ertrunkene nicht atmen sollte. Die Zunge ist dabei dem Betteffenden herauszuziehen und sein Mund geöffnet zu halten.
* Zur Mückenplage. Die Bekämpfung der Stechmücken ist von dem Abteilungsleiter am Institut für Infektionskrankheiten Professor Dr. Schilling, sowohl experimentell im Labaratoriurn, als auch in der Praxis in Angriff genommen worden. Für die Vernichtung der Mückenbrut im Wasser z. B. der zahlreichen Tümpel und keinen Seen in der Umgebung von Berlin kommen das Begießen mit Petroleum, sowie kostspielige Drai- nagierungsarbeiten nicht in Frage. Dagegen hat eine andere Maßregel mehr Aussicht auf Erfolg, das ist die Vermehrung der natürlichen Feinde der Mückeubrut. Deshalb hat Pofestor Schilling Versuche gemacht, welche von den in solchen Tümpeln vorkommenden Tieren sich von Mückenlarven nähren. Es hat sich herausgestellt, daß Schwimmkäfer (Dyticus-, Neap- und Rotoncta- arten) und Sttchlinge (Gasttosteus) die besten Larvenvettilger sind. Aber auch die Keinen Wastersalamander (Triton tacniatus) und die Larven der Libellen fressen viele Larven. Es ist also zu empfehlen, diese Mückenseinde zu schonen und sie in Tümpeln, wo sie nicht Vorkommen, einzusetzen. Gerade während des Winters sollte diese Maßregel am energischten bettieben werden; denn der Winter, der in der norddeutschen Tiefebene nur vorübergehend die Wasserflächen mtt Eis bedeckt, tötet die darin enthaltenen Mückenlarven nicht ab: im März 1910 sind bei Finkenkrug bei Spandau massenhaft Larven von Culex zu finden gewesen. Die bei wettern für unsere Verhältnisse wirksamste Art, die Mücken zu bekämpfen, besteht darin, besteht darin, die überwinternden MosftwS zu vernichten. Mt Wintersanfang flüchten die Mücken in Keller, Gewächshäuser, Schuppen, Ställe, Remisen u. ä. und sitzen dort in einer Art Winterschlaf an Wänden und Decken. Diese Mücken, (meist Weibchen) können durch den Rauch von gutem reinen Insektenpul
ver bei richtiger Anwendung nicht nur betäubt sondern auch abgetötet werden. Nach diesen Ge- stchtspuntten hat aus Anregung des Professors Schilling der Kommunalverein Westend seit bereits 4 Jahren eine Bekämpfung der Mückenplage organisiert. Im Verlaufe des Winters werden alle Keller ufw. mit Jesektenpulver ausgeräuchert. Im Sommer werden in die Springbrunnen Stichlinge eingefetzt, alle überflüssigen Wasserbehälter werden befeittgt oder zugedeckt. Es ist in der Villenkolonie bereits eine deutliche Abnahme der Mückenplage zu konstatieren gewesen. Hinzugefügt sei, daß auch der hiesige Maaistrat Mittet für Einsetzung von Stichlingen in stehenden 5fp entliche Gewässer bewilligt hat.
* Viehseuchen. Im Regierungsbezirk Cassel herrschen zur Zeit in folgenden Ortschaften Vieh! seuchen: Schweineseuche (Schweinepest): Stadt-« kreis Cassel: Cassel; Landkreis Cassel: Nieder- kaufungen, Oberkaufungen. Mönchehof, Crumbach, Dennhausen: Kreis Fritzlar: Fritzlar, Wabern, Kirchberg, Uttershausen, Oberurff; Kreis Gelnhausen: Helfersdorf, Bad Orb, Hettersroth, Wächtersbach. Waldensberg, Lohrhaupten; Krei« Schlüchtern: Breitenbach. Salmünster; Landkreis Hanau: Hochstadt, Bruchköbel. Marköbel, Mittel« buchen, Niederrodenbach, Hüttengesäß, Großkrotzenburg, Ostheim, Langendiebach; Kreis Esch^ Wege: Efckwege, Niederhone, Oberhone, Grebendorf, Reichensachfen; Kreis Hofgeismar: Trendelburg, Vaake, Grebenstein, Veckerhagen, Beverbeck; Kreis Hersfeld: Petersberg; Kreis Ziegenhain: Ropperhausen; Kreis Kirchhain: Schwabendorf; Kreis Fulda: MagdloS. Geflügelcholera: Kreis H of geismar: Liebenau.
Unpolitische Tagesnachrichten.
Geständnis auf dem Sterbebette. Lichtenberg, 2. Juni. Rach dem „Berl. Lokal Anz" klärte sich der vor 5 Jahren an dem Diensttnäd chen Konradt verübte Mord auf. Die Frau des Gärtnereibesitzers Weber, bei der das umgebrachte Mädchen in Dienst war, soll gestern auf dem Sterbebette das Geständnis abgelegt haben, daß sie das Mädchen in der Rächt zum 29. Januar 1905 erschlug.
Vermischtes.
Sven Hedin Über die evangelischen Missionen. In seinem unlängst erschienen Reisewerke „Transhimalaja" schreibt der berühmte Tibetforscher Sven Hedin u. a.: Viele meiner schönsten Erinnerungen aus den langen in Asten verlebten Jahren stammen aus den Missionshäusern, und je besser ich die Missionare kennen lernte, desto mehr bewunderte ich ihre stille, beharrliche und oft so undankbare Arbeit. Alle die Herrnhuttr, mit denen ich im westlichen Himalaja zusammen- ttaf, stehen auf einer sehr hohen Bildungsstufe und kommen außerordentlich gut für ihre Aufgabe vorbereitet hierher. Deshalb ist es stets herzerhebend und in hohem Grade lehrreich, unter ihnen zu weilen, Juni) es gibt unter den jetzt lebenden Europäern niemand, der sich an Kenntnis des Ladakvolks und der Gefchichte Ladaks mit diesen Missionaren messen könnte. Einige junge Fante, denen nichts heilig ist, und deren Oberstübchen nicht entfernt fo gut möbliert sind, wie die der Missionare, glauben, es gehöre zum guten Tone, letztere mit überlegener Verachtung zu behandeln, sie zu tadeln, über sie zu Gericht zu sitzen und ihre Arbeit im Dienst des Christentums zu verurteilen Was auch das Ergebnis der undankbaren Tättg- keit fein mag, der selbstlose Kamps für eine ehrliche Ueberzeugung ist sie's bewundernswert, und in einer Zeit, die an widerstreitenden Faftoren so reich ist, erscheint es wie eine Erlösung, gelegentlich noch Menschen zu begegnen, die für den Siea des Lichts auf der Erde kämpfen."
Verurteilte Hochstapler. Die Strafkammer deS Landgerichts I verurteilte heute den aus dem Le- wandowskiprozeß bekannten Reichsgrafen Arz zrf Vasegg, welcher nach der Verbüßung der einjährigen Gefängnisstrafe sich neue Hochstapeleien zu Schulden kommen ließ, wegen Betrugs und schwerer Urkundenfälschung zu einem Jahr und fechs Monaten Gefängnis. Sein Mitschuldiger Staczak wurde zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis verurtellt.
Deportierte Sträflinge. In Marseile kamen an Bord eines Postdampfers 34 anamittsche Gefangene an. Genossen des Führers Detha, die zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt wurden. Sie werhen nach der Insel Rä und von dort mtt dem nächsten Sttäflingsttansport nach Cayenne gebracht werden. Gleichzeitig mit diesen Gefangenen ist eine der Frauen Detha's eingettoffen, die wegen der von ihr begangenen Verbrechen und Grausamkeiten gleichfalls zu lebenslänglichen Zuchthaus verurteilt worden ist.
Wu hat Glück. Ein chinesischer Glückspilz ist der Legattonsrat der Berfiner chinesischen ®e»i sandtschaft Wu. Er kaufte sich bald nach feinem Eintreffen in Berlin ein Los her preußischen Klassenlotterie und gewann gleich bei der ersten Ziehung 15 000 Jt.