Einzelbild herunterladen
 

MchM MM

mit dem Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain^

*nb den Beilagen:,Flach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage."

J2128

TieOberheffische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch di: Post bezogen 2 25 dH (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 T<M.

Marburg

Sonnabend, 4. Juni 1910.

Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 1b Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei Inhaber Dr. E. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

45. Jahrg.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 45.

Die Frankfurter Universität im preußischen Herrenhause.

Wir können heute das Stenogramm der Rede ver­öffentlichen, die der Vertreter unserer Universität im Herrenhause, Herr Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Küster, in der Sitzung vom 28. Mai d. I. dort gehalten hat. Die Mitteilung derselben wird unser» Lesern um so willkommener sein, als sie einen für Marburg sehr wichtigen Gegenstand, nämlich die Universität Frankfurt a. M behandelt.

Herr Geheimrat Prof. Dr. Küster führte aus:

Meine Herren, der Herr Oberbürgermeister Adickes, den ich zu meinem großen Bedauern heute nicht in diesem Hause sehe, hat sich gestern wohl in einem leichten Anflug von Aerger dahin aus­gesprochen, daß er es nicht für angebracht halte, die Universität Frankfurt hier zu besprechen, da der Plan ja noch völlig unausgereift sei und ein wirk­liches Projekt noch nicht vorliege. Der Herr Redner hat dabei offenbar nicht an den auch heut« noch zu­treffenden schönen Grundsatz gedacht: principiis obsta! Denn es ist doch wirklich viel verlangt, je­mand, der eine Gefahr heranziehen sieht, zuzumuten, daß er die Augen zumacht und die Gefahr heran­kommen läßt, bis sie unabwendbar geworden ist. Das ist der Grund, meine Herren, weshalb ich zu der Frage der Universität Frankfurt hier noch einmal das Wort nehme. Ich werde mich bemühen, die Lache auf eine möglichst breite Basis zu stellen und Licht und Schatten nach Möglichkeit gerecht zu ver­teilen.

Zunächst möchte ich bemerken, daß ich mich jenen Stimmen nicht anschlreßen kann, die von einer Ver­mehrung der Universitäten im allgemeinen eine Ge­fahr befürchten durch Mehrung des sogenannten geistigen Proletariats. Wer so spricht, meine Herren, vergißt dabei häufig genug, daß die Bevöl­kerung seit 100 Jahren in Deutschland ganz außer­ordentlich zugenommen hat und dach in llniversitäts- gründungen eigentlich seit 100 Jahren, abgesehen von Straßburg, nichts geschehen ist, vergißt außer­dem, daß der Bevölkerungszuwachs des Deutschen Reiches jetzt gegen 800 000 Köpfe jährlich beträgt. Schon daraus geht hervor, daß eine entsprechende Vermehrung der Universitäten notwendig ist, wenn der Nation die gleiche Möglichkeit der geistigen Aus­bildung wie früher gegeben werden soll. Aber die lleberfüllung der Universitäten, wie sie sich selbst in ihren kleinsten Vertreterinnen bemerkbar macht, zeigt, daß hier durchaus eine Abhilfe geschaffen wer­ben muß. Von einer Ueberfüllung der Berufe kann doch im Ernste bei uns nicht gar zu sehr die Rede fein. Ich glaube sogar, daß durch eine Vermehrung der Universitäten, durch eine Vermehrung der Kon­kurrenz auf geistigem Gebiete, die jungen Leute an- aetrieben werden, das Beste zu leisten, dessen sie fähig sind, was bei einer geringeren Konkurrenz nicht immer der Fall gewesen ist.

Meine Herren, wenn wir uns umsehen, in welcher Form die Universitäten auf dem Erdenrund auf­treten, so sind es im wesentlichen nur zwei Formen, nämlich staatliche und private Universitälen, letztere in verschiedener Unterform: als städtische, als Stif- tungsuniversttäten oder als private im engeren Sinne, d. h. von einem einzigen sehr reichen Manne gegründet und auf seinen Namen getauft, wie wir sie von Amerika her kennen. In Deutschland ist bis­her ausschließlich die Staatsunioersität vorhanden gewesen, und man kann wobt sagen: wir haben gute Erfahrungen damit gemacht. Denn die deutsche Wissenschaft steht doch angesehen in der Welt da, und daran haben nicht zum wenigsten die Universitäten

61 (Nachdruck verboten.)

- Um Ehre und Recht.

; Roman von O. Elster. ?;>

(Fortsetzung.)

Wenn Erika in ihren Briefen an Fritz stets ein heiteres und hoffnungsvolles Wesen gezeigt hatte und auch im Hause des Oberamtmanns Born sich so gegeben, so entsprach dasselbe doch nicht recht ihrer inneren Gemütsstimmung. Zwar bereute sie den Schritt nicht, den sie getan, denn sie wußte, daß sie recht gehandelt und daß sie sich nicht mit dem erkannten Unrecht verbinden durste, aber der Abschied von der Heimat und die Trenn­ung von der Mutter, welche ihr in der ersten lei­denschaftlichen Aufwallung leicht erschienen waren, kasteteten denn doch je länger desto schwerer auf ihrer Seele und ein leichtes Heimweh bemächtigte sich ihrer, zumal auch die Briefe Fritzens öfter nicht sehr hoffnungsvoll lauteten.

Doch die heutige Morgenpost brachte ihr einen Brief, welcher sie teils mit neuer Hoffnung und freubiger Genugtuung erfüllte, teils sie aber auch fehr nachdenklich stimmte.

Fritz teilte ihr mit, daß man dem wahre« < Dieb des Schmuckgegenstandes auf der ©put sei, taß sein gleich anfänglich gehegter Verdacht, daß Stanislaus der Täter sei und die verbrecherische Kntrige gegen ihn eingefädelt habe, sich bestätigt 'hätte und daß man sehr wahrscheinlich heute schon .zur Verhaftung Prokowskys, der sich außerdem einer Wechselfälschung schuldig gemacht habe, -schreiten werde. Jeder Verdacht gegen ihn selbst Jet hinfällig geworden und glänzend gerechtfertigt hebe er da. - - -< --

-loaistz wajiacn pq uaq usqvholjpjujf, urrhi rangeiwsten Anteil. Wir könnten also 'sagen: die Staatsunioersität hat sich in Deutschland als das beste System bewährt.

Damit will ich allerdings nicht gesagt haben, daß die Staatsuniversitäten ohne jeden Tadel sind, und wenn ich das ausspreche, so geschieht es insbesondere mit Rücksicht auf die Verhältnisse in Preußen, die seit 25 bis 30 Jahren eine merkbare Aenderung er­fahren haben. Vielleicht ist diese darauf zurückzu- sühren, daß die Staatsregierung gegen die Universi­täten aus den Studenten- und Unwersttätsunruhen der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts her ein gewisses Mißtrauen besitzt, welches sich darin äußert, daß die wahrlich sehr eng bemessene Selbstverwal­tung, wie sie den Universitäten aus früheren Jahr­hunderten Übrig geblieben ist, noch weiter beschränkt wurde uild noch immer beschränkt wird. Wenn ich das, was an preußischen Universitäten geschieht, in ein Wort zusammenfasse, so möchte ich es als eine Bureaukrakisierung der Universitäten bezeichnen.

Ich darf dafür wohl einige Beweise anführen. Die Bureaukratifierung zeigt sich zunächst einmal in der Art des Verkehrs des Königlichen Ministeriums mit den Universitäten. Sehr häufig etwa all­wöchentlich oder noch öfter erhalten Senat oder Fakultäten von dem Ministerium Zuschriften mit der Anweisung, einen Bericht über diese oder jene Sache zu erstatten, und fast immer mit der Bezeich­nung versehen: Eilt sehr! Das hat sich immer mehr gehäuft. Selbswerständlich habe die genannten Kör­perschaften jedesmal, oft bis in die Nacht hinein, über die Dinge beraten, um möglichst bald dem Wunsche des Ministeriums nachzukommen. Eine Antwort darauf, eine Mitteilung, auch nur in der Form, daß der Bericht eine Wirkung gehabt habe, ist nie erfolgt. Verpflichtet ist das Ministerium natür­lich nicht dazu, es ist in seinem Rechte, wenn es schweigt: aber ich kann nicht leugnen, daß dieses Schweigen peinlich wirkt. In einem sonderbaren Gegensätze aber zu dieser Eile, die den Körperschaften der Universitäten auferlegt wird, steht das Verhalten des Königlichen Ministeriums in den Fällen, in welchen vonseiten des Senats oder der Fakultäten Anfragen, Bitten um Abänderung gewisser Vor­schriften und dergleichen geschehen. Da erfolgt keinewegs immer nicht einmal in den meisten Fällen möchte ich sagen eine Antwort, und wenn die Antwort erfolgt, so geschieht dies ost erst nach Monaten. Das ist ein so auffallender Gegensatz ge­gen die gute altpreußische Manier, welche es sich zur Aufgabe machte, jede Änstage zu beantworten, wenn auch zuweilen in ablehnendem Sinne, daß die Mit­glieder der Universität durch dieses Verfahren sich nicht gerade angenehm berührt fühlen. Daß auch auf den übrigen preußischen Universitäten ein gleiches Verfahren Platz gegriffen hat, geht daraus hervor, daß die Angelegenheit vor wenigen Jahren in ziem­lich erregter Weise auf der Rektorenkonferenz zur Sprache gebracht worden ist. Als Mitglied der Aka­demischen Vereinigung des Herrenhauses, deren Vor­sitzender ich zu sein die Ehre habe, konnte ich von den dort gepflogenen Verhandlungen Kenntnis nehmen

In einer zweiten Sache sind gleichfalls gewisse Anstände vorhanden, nämlich in der Art der Beru­fung bei Neubesetzung erledigter Stellen. In den von dem Landesherrn der llniversstäten verliehenen Statuten findet sich überall die Vorschrift, daß das Ministerium die Fakultäten über Neuberufungen hören kann. Das Ministerium ist also an die Mei­nung der Fakultät in keiner Weife gebunden. Den­noch wird im übrigen Deutschland noch heute so ver­fahren, daß, wenn eine Vakanz eintritt, seitens des Ministeriums die Aufforderung zu Vorschlägen an die Fakultäten ergeht, und es ist früher auch in Preußen immer so gewesen. Wurden diese Vor­schläge gemacht, so fanden sie nicht immer die Billi­gung des Ministeriums, vielmehr kam gelegentlich die Aufforderung zu neuen Vorschlägen. Auch diese brauchten nicht berücksichtigt zu werden, und wenn unter solchen Umständen von dem Votum der Fakul-

Die Freude in der Familie des Oberamt- rnanns war ebenso groß, wie die Erikas und der braven Miß Bahleh. Aber in Erika erweckten diese Mitteilungen auch ernste Gedanken; sie mußte an ihre Mutter denken, wie diese die Aufklärung über den Charaster ihres Schützlings ertragen werde und ob nicht jetzt schon der Zeitpuntt der Versöh­nung gekommen sei.

Erika äußerte diesen Gedanken auch der Frau Born gegenüber, mit der sie in ein inniges Ver­hältnis getreten war.

Frau Born nickte ernsthaft mst dem Haupte.

Ich habe auch schon daran gedacht, liebes Kind/ sagte sie nachdenklich,wie Ihre Mama diese Aufklärung ihres Irrtums aufnehmen wird. Man weiß nie, wie solch stolze Charaktere wie der Ihrer Mama, derarttge schwere Enttäusch­ungen auffaffen; jedenfalls leiden sie mehr und schwerer darunter, als oberflächliche Naturen/

Ich fürchte fast/ entgegnete Erika traurig, Mama wird jetzt erst recht jede Aussöhnung zu- rückweffen, um sich verstimmt und enttäuscht von uns allen zurückziehen. Mama ist nicht lieblos, aber wenn ihr Stolz einmal verletzt ist, dann tarnt sie unversöhnlich fein.*

Das verhüte der liebe Gott/ sagte die wackere Frau Oberamtmann.DaS wäre ein sündhafter Stolz; der wahre Swlz erkennt sein Unrecht an und beugt sich demüttg dem Recht/

Mama wird das Recht anerkennen, dgs Weitz ich, dafür liebt fie die Gerechttgkett zu sehr aber einen Schritt zur Versöhnung wird ste nicht tun.*

So müssen Sie den ersten Schritt tun, mein Kind, indem Sie jetzt $u Ihrer Mama eilen, M ihren Füßen ihre Verzeihung erbitten für den Schritt, den Sie der Gerechttgkett M6e tun

töt abgesehen wurde, so ist das nicht weiter aus­gefallen. In neuerer Zeit aber wie gesagt, seit 25 Jahren etwa ist es vielfach so gegangen, daß eilige Aufforderungen zu einem Berichte tarnen und daß zuweilen, wenn der Bericht kaum fertig oder doch noch nicht in den Händen des Ministers war, bereits der neu ernannte Professor erschien, um sich den Mitglieder der Fakultät vorzustellen. In wach­sender Häufigkeit ist es auch geschehen, besonders außerhalb Berlins, daß die Professuren ohne jede Anfrage sofort beseht wurden. Nun ist bas Mini­sterium dabei allerdings dem Wortlaute nach voll­ständig in seinem Rechte. Dagegen ist gar nichts zu lagen. Jeder Unbefangene wird anerkennen müssen, daß diese Berechtigung um so größer ist, als inner­halb der Fakultäten, besonders an kleinen Univer­sitäten, doch manchmal persönliche Feindschaften und Freundschaften eine zu große Rolle spielen. Im all­gemeinen aber wird mit dem größten Ernst und bet größten Gewissenhaftigkeit jedes Anrecht auf eine Professur geprüft, und dementsprechend werden dem Ministerium die Vorschläge gemacht. Unfehlbar ist aber auch bas Ministerium nicht. Zwar habe ich einmal aus dem Munde eines höheren Minifterial- beamten den Ausspruch gehört: Das Ministerium irrt sich nie! allein ich habe den Ausspruch doch nicht ganz ernst nehmen können; denn ich fühle mich außerstande, zu glauben, daß ein einzelner Mensch oder auch eine Behörde ganz unfehlbar fein könnte.

Der dritte Punkt, den ich hier zu erwähnen habe, ist folgender ich spreche hier von der Universität Marburg, weiß aber, baß sich auch auf anderen Uni­versitäten ähnliche Vorgänge abgespielt haben: als die Universität Marburg im Jahre 1866 in preu­ßische Verwaltung überging, da ist bald hinterher von Seiner Majestät dem Könige der Universität ein Statut verliehen worden. In diesem Statut steht ausdrücklich, daß die Fakultäten sich Fakultäts­statuten entwerfen sollten, welche von dem Königliche» Ministerium zu bestätigen sein würden. Wenn ich nicht sehr irre die Jahre sind mir nicht genau in Erinnerung, so ist anfangs der achtziger Jahre zum ersten Male an die Marburger Fakultäten die Aufforderung ergangen, Statuten zu entwerfen. Das geschah. Darauf kam keine Antwort; sie sind nicht bestätigt worden. Erst genen Ende der achtziger Jahre» kam die zweite Aufforderung, aber mit keiner Bemerkung darüber, was etwa beanstandet würbe. Wiederum haben die Fakultäten ihre Sta­tuten ausgearbeitet, wiederum geschah nichts darauf. So ist es noch zum dritten Male in den siAinziger Jahren geschehen, und so haben denn die Marburger Fakultäten, ganz entgegen dem Wortlaute des flni- versitätsstaturs, noch heute keine von dem Mini­sterium bestätigten Statuten, sondern sie müssen sich mit dem behelfen, was sie sich selber gemacht haben, müssen bähet aber mit ber Möglichkeit rechnen, daß ihre Beschlüsse nicht anerkannt werden, weil ste eben nicht auf genehmigten Statuten beruhe». Das ist, wie man wird anerkennen müssen, nicht nur ein schwerer Mißstand, sonder» geradezu eine Ungesetz­lichkeit.

Das, meine Herren, find so einige Dinge, welche zeigen, daß auch in einer Universität unter staatlicher Leitung allerlei geschehen kann, was nicht gerade sehr angenehm und dabei ungerecht ist. Aber diesen Dingen ist meiner Ansicht nach bei gutem Willen s» außerordentlich leicht abzuhelfen, daß ich wohl an den Herrn Minister die Bitte richten darf, hierin baldigst Wandel zu schaffen. Damit würde de» preu­ßische» Universitäten jebenfalls ein großer Dienst erwiesen und mancher Unmut beseitigt werden.

Nun, meine Herren, verlautet, bisher allerdings weientlich nach Zeitungsberichten, die aber doch ihren Widerhall auch schon im anderen Hause des Landtags gefunden haben, baß bei Frankfurt von dem bisher bewährten Grundsätze der Staatsuniversität abge­gangen werden soll, und zwar auf Grund von Dar­bietungen nicht nur einer ziemlich erheblichen Geld­summe an den Staat, sondern auch von Instituten, die als außerordentlich hervorragend und bedeutend bezeichnet werden müssen. Was würde aber, wenn

ten, und sich in kindlichem Gehorsam dem Willen Ihre Mama fügen. Einer Mutter gegenüber be­hält das Kind stets unrecht . .*

Ja, liebste Frau Oberamtmann/ erwiderte Erika mit Tränen in den Augen,denselben Ge­danken habe ich auch schon gehabt. Und ich denke» ich werde ihn noch heute ausführen. Aber dann ach, liebste, beste Frau Born, dann wird wenig Hoffnung fein, daß Fritz und ich glücklich werden!*

Das steht in Gottes Hand, mein Kind/ ver­setzte Frau Born emft.Wir können kein Glück erzwingen und so gern ich euch glücklich sehen möchte, so beuge ich mich doch willig der Ent­scheidung Ihrer Mama. Und auch Fritz wird ge­duldig sein.*

Erika weinte leise.Es wäre schrecklich . . .* Ihnen bleibt jetzt nichts weiter zu tun übrig, liebe Erika/ fuhr Frau Born fort,zu Ihrer Mama zurückzukehren und ihr in dieser schweren Zett als demüttge und gehorsame Tochter zur Seite zu stehn. Alles andere müssen sie ihr an­heimstellen, und das Mutterherz wird schon die richttge Enffcheidung treffen/

Sie haben recht, liebste Frau Born/ entgeg­nete Erika und trocknete entschlossen ihre Tränen. Ich werde sofort an die Vorbereitungen gehen, damit ich noch heute reisen kann.*

So ist eS recht, mein Kind . . /

Frau Born küßte Erika zärtlich auf die Sttrn, und diese eilte in ihr Zimmer, um ihr Gepäck in Dtbttung zu bringen. Die wackere Miß Bahleh war allerdings etwas überrascht durch den Ent­schluß Erikas, billigte ihn jedoch schließlich und protestiert« nur, daß ste selbst nach Schloß Ham­bach zurückkehren sollte.

»Venn Ähre gtwt Mama/ sagte ste,Mich

das geschähe, zu erwarten sein? Wir würden, da die 50 Millionen, von denen gestern die Rede war, vielleicht doch nicht ganz in Frankfurt zusammen­gebracht werden könne», eine Art von gemischtem System haben. Es ist nur dringend zu hoffen, dich der Staat sich seine Vorrechte unb die Aufsicht wah­ren wird, insbesondere dann, wenn er genötigt sei« würde, bei der Gründung einer Universität Frank­furt noch klingende Beihilfe zu leisten. Ich frage, was würde die Folge sein, wenn wirklich in dieser Weise eine Universität in Frankfurt zustande käme, wenn der Staat sich dazu herbeiließe, nur nach ge­wissen plufokrafischen Rücksichten eine Universität zu gewähren, deren Notwendigkeit doch mindestens als sehr zweifelhaft bezeichnet werden muß. Die nächst« Folge würde doch sein, daß noch in einer ganzen Reihe anderer reicher Städte der Wunsch erwachen würbe, sich gleichfalls eine freie Universität zu schaf­fen, und dann konnte allerdings leicht ein Pleonas­mus an Universitäten entstehen. Auch mancher Pri­vatmann könnte vielleicht auf den Gedanken kommen, in ähnlicher Weife wie die amerikanischen Milliar­däre, sich einmal den Luxus einer besonderen Uni­versität zu gestatten. Gerade an diesem amerikani­schen Beispiele läßt sich aber zeigen, zu welchen Aus­wüchsen die Sache führen kann. Ich will nur daran erinnern, daß die Stadt Philadelphia nicht weniger als 4 Universitäten in ihren Mauern hat und Chi­cago mindestens 2, wenn nicht 3, ich weiß das nicht genau. Das zeigt, daß in Amerika infolge solcher Privatgründungen die Universitäten sehr ungleich verteilt find, wohl vielfach nach einer Laune hier und da begründet werden, wo ein Bedürfnis gar nicht vorliegt unb ohne Rücksicht auf die Verteilung ber Bevölkerung.

Aber in Preußen brohen noch ganz andere Ge­fahren, sobald einmal ber Grundsatz zugelassen ist, daß die Darbietung von Geld den Staat zu Kon­zessionen bestimmen kann, die er sonst nicht mache« würde. Mit welchem Rechte könnte fortan die Grün­dung katholisch-konfessioneller Universitäten abge­lehnt werden, wie sie z. B. in Belgien und bet Schweiz bestehen? Könnte nicht einmal auch bas polnische Volk auf den Gedanken kommen, sich eine Universität zu gründen auf deutschem Boden? Und mit welchem Rechte würde eine solche Gründung ver­sagt werben können, wenn einmal das Prinzip bei Staatsuniversitäten aus plutokratischen Rücksichten durchbrochen ist? Ja, wenn selbst ber Gedanke ist vielleicht nicht ganz ein Wölkenkuckucksheim die sozialdemokratische Partei einmal auf den Gedanke» tarne, eine eigene Wissenschaft sozialdemokratisch lehren zu lassen? Genug, meine Herren, wie man die Sache auch ansehen mag, es ist ein gefährlicher Weg, auf den sich die Regierung begibt, wenn ste aus plutokratischen Rücksichten Unioerfitätsgrünbungen zuläßt.

Selbstverständlich kann es ja nur sehr erwünscht Sein, wenn der große Reichtum auch in Deutschland ich allmählich dahin geltenb macht, baß er nicht bloß hier und da einmal zu humanitären Schöpfungen benutzt wird, sondern auch zu Kulturschöpfungen, wie es gerade bei den reichen Amerikanern Gewohnheit geworden ist. Wenn das geschähe, so würde die Re­gierung daburch Mittel erhalten, um eine Reihe von Ausgaben zu erfüllen, die bisher unerfüllt geblieben sind und aus Geldmangel auch wohl unerfüllt blei­ben mußten.

Ich denke dabei in erster Linie an Münster. Die Universität Münster ist ein Torso geblieben bis zum heutigen Tage. Aber auch dieser Torso wird, wie bet Antrag zeigt, bet wohl jetzt in Ihrer aller Händen ist, noch recht stiefmütterlich vom Ministe­rium behandelt. Ich meine, die kleine Universität Münster, wie sie etwas herablassend von Frankfurter Zeitungen genannt wird, hat den Beweis ihrer Be- rechtt-'ung fckion geliefert; denn dieser Torso, dem zwei Fakultäten fehlen, hat heute bereits über 2000 Studenten und ist damit der Zahl nach in die sechste Stelle bet preußischen Universitäten eingerückt. Das zeigt, baß bie Provinz Westfalen alle Ursache hat, eine Volluniversität zu verlangen, unb ich glaube,

wieder haben will, soll sie mich holen ober mir wenigstens schreiben. Ich bin mir keines Unrech­tes bewußt, habe nur meine Pflicht getan, indem ich Sie begleitete, um Sie nicht fchutzlos in die Welt hinausgehen zu lassen ich habe keinen Grund, reumütig zurückzukehren.*

Dabei blieb sie, und Erika ließ sie gewähren, in der sicheren Hoffnung, daß später auch eine Versöhnung zwischen Miß Bahleh und ihrer Mut­ter zustande kommen werde.

Erika war noch mit dem Einpacken ihrer aller­dings nicht sehr umfangreichen Garderobe be- schäfttgt, als das Stubenmädchen in das Zimmer trat und ausrichtete, daß Frau Oberamtmann das gnädige Fräulein bitten lasse, in das Wohnzim­mer zu kommen, da Frau Oberamtmann Erika eine wichtige Mitteilung zu machen habe.

Erika begab sich in das Wohnzimmer, torr ihr Frau Born mit einem Lächeln der Rührung auf dem guten Gesichte entgegentrat.

Was ist geschehen, Frau Oberamtmann?*

Nichts, was Sie erschrecken könnte, liebes Kind/ entgegnete Frau Born mit bewegter Stimme.Ich habe recht behalten: das Mutter­herz trifft fchon die richtige Enscheidung gehen Sie in den Salon, dort erwartet Sie jemand . . /

Eine freudige Ahnung blitzte in der Seele Eri­kas auf. Sie eilte zum Salo» eine Dame im Sftifeangug stand in der Mitte desselben und streckte ihr die Hände entgegen.

Erika, ich bin gekommen, um dich um Ver­zeihung zu bitten. . .* 1

Mama liebe Mama* jubelte Erika laut auf und lag im nächsten Augenblick in den Armen der Mutter.

Schluß folgt.)