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unb „Landwirtschaftlich« Beilage."
Die „Oberheffifche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und vertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch di: Post bezogen 2,25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstcllen und der Expedition (Markt 21), 2 ’«Ä.
Marburg
Freitag, 3. Juni 1910.
Die JnfertiotlSgebühr beträgt für die 7gehaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennig«. — Druck und Verlag: Joh. Äug. Koch, UniverfitätS-Buchdruckrrei Inhaber Dr. C. Hiheroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
45. Jahrg«
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Eine neue Encyklika des Papstes,
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Fräulein Tina hatte, wie sie das in Romanen gelesen, einen sehr gefühlvollen Bief an die Eltern zurückgelassen, durch den nun alles klarge- stellt wurde.
Sofort beorderte der Amtsvorsteher den Gendarmen nach dem Bahnhof, um dort die Verhaftung Prokowskys vorzunehmen, während er selbst sich in das Schloß begab, wo auch bereits alles wach geworden war, um der Baronin Bericht zu erstatten.
Nach kaum einer Swnde kam der Gendarm m,t Stanislaus zurück, den jetzt endlich seine Keckheit verlassen hatte. Er war leichenblaß und schlotterte in den Knien.
_ »Wenn ich bitten darf, Herr Amtsvorsteher,' flüsterte er mit gebrochener Stimme, „lassen Sie mich sogleich zur Stadt bringen, ich will niemand mehr sehen . .'
„Auch Ihre Mutter nicht?'
„Rein — o nein — sie am allerwenigsten!"
„Gut, dann steigen Sie in meinen Wagen, der Gendarm kann nebenher reiten. Ihr Zimmer habe ich versiegelt, morgen werden wir Wetter sehen.' „ Als der Wagen aus dem Tor hinausfuhr, stürzte Tina ihm entgegen, mit fliegendem Haar und zerrissenen Kleidern.
„Verräter — Verräter!" kreischte sie und erhob drohend die Hände. „Jetzt kenne ich das große Rätsel deines Lebens — elender Verräter . .
Sie schien den davonrollenden Wagen verfol-
die er am 26. Mai zu Ehren des heiligen Boro- mäus gegeben hat, liegt jetzt vor. Sie enthält einzelne Stellen gegen dir Deformation und die Reformatoren, die in der evangelischen Welt mit Recht großes und unliebsames Aussehen erregen. Die deutsche Uebersetzung der italienischen Originalstellen lauten in der abgeschwächten Wiedergabe der ermania":
»Und unter diesen Umständen traten stolze und widerspenstige Menschen auf, „Feinde des Kr e u z e s Christi', Menschen mit irdischer Gesinnung, deren Gott der Bauch war". Diese verlegten sich natürlich nicht auf die Besserung der Sitten, sondern auf die Leugnung der Dogmen, sie vermehrten die Unordnung und ließen für sich und andere der Zügellosigkeit freien Lauf, oder sie untergruben wenigstens, mit Verachtung der maßgebenden Führerschaft der Kirche und im Gefolge der Leidenschaften verkommene rFür st en und Völker, mit einer gewissen Tyrannei Lehre, Verfassung und Disziplin der Kirche. Dann ahmten sie jenen Gotlosen nach, denen die Drohung gilt: „Wehe euch, die ihr das Gute bös und das Böse gut meint", und nannten den rebellischen Wirrwarr und die Verkehrtheit des Glaubens und der Sitten Reform und fich selb st Reformatoren. In Wahrheit aber waren sie Verführer, und indem sie durch Streitigkeiten und Krieg die Kräfte Europas erschöpften, haben sie die Empörung und den Abfall der modernen Zeiten vorbereitet, in denen sich die drei Arten von Kampf, die früher getrennt waren, und aus denen die Kirche immer siegreich hervorging. zu einem einzigen vereinigt haben: die blutigen Kämpfe der ersten Zeit, dann die innere Pest der Härefien, endlich unter dem Namen der evangelifchen Freiheit, jene Verderbtheit der Sitten und Verkehrtheit der Disziplin, zu der vielleicht das Mittelalter nicht gelangt war.'
Die Stelle „verkommener Fürften und Völker" lautet im italienischen Text sogar „der am mieisten verkam men en Fürsten und Völker". Es bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung, daß in den Worten der Encyklika eine schwere Kränkung des protestanttschen Bewußt- sems und des evangelischen religiösen Gefühls enthaften ist. Das evangelische Volk speziell Deutschlands, wo ja die Reformation entstand, müßte alle SelbstachMng verloren haben, wollt« es hiergegen nicht mit aller Wucht protestieren, zumal es überzeugt sein darf, daß die Geschichte über die Entstehung der Reformation anderes lehrt. Es follte für moderne Verhältnisse unmöglich feilt, daß Fürsten und Völker evangelischer Staaten so angegriffen werden. Wer den Wunsch hat, daß bei uns in Deuffchland Frieden unter den Konfessionen herrscht zum Segen unseres Vaterlandes, kann, ob Katholik oder Protestant, die Worte der Encyklika nur bedauern. Der Papst war hier nicht gut beraten. Der Sturm, der sich aus diesen Angriff hin erheben wird, kann nicht dem Frieden dienen.
Die „Norddeutsche Allg. Ztg.' druckt aus der von der „Germania" veröffentlichten
(Nachdruck verboten.)
Um Ehre und Recht.
Roman von O. Elfte«. ptfl"!
(Fortsetzung.)
Uebersetzung die verschiedenen gegen die Reformatoren gerichteten Stellen ab und bemerft, daß diese Aeußerungen in den evangelischen Kreisen großes Aussehen erregen. Sie zitiert im Anschluß daran folgende Bemerkung der „Kreuzzeitung': „Einem solchen Vorgehen des Papstes gegenüber, — wenn es wirklich erfolgt ist —, müssen alle Versuche, den äußeren Frieden unter den Konfessionen zu fördern, erfolglos bleiben.'
Die „Kreuzzeitung", der man gewiß keine Feindschaft gegen den Katholizismus, Wohl aber ein stark protestantisches Gefühl nachsagen darf, meint weiter:
„Die öffentliche Abwehr solcher Beschimpfungen durch die evangelifche Christenheit muß bald und mit aller Entschiedenheit erfolgen. Das geschichtliche und moralische Urteil über die Resor mation und die Reformatoren, das in den oben mitgfcilten Sätzen ausgesprochen wird, zeugt ja freilich von einer fo grotesken Unwissenheit, daß jedes Wort der Widerlegung überflüssig ist. Aber der bös« Wille, der aus ihnen spricht, muß auss schärfste in seine Schranken gewiesen werden.'
Deutsches Reich.
— Die Krankheit des Kaisers. Die „Deutsche „Medizinische Wochenschrift" bringt, wie der „Lokal-Anzeiger" meldet, in ihrer heutigen erscheinenden Nummer den folgenden authentischen Bericht über die Krankheit des Kaisers. Seine Majestät der Kaiser bemerften am Abend des 24. Mai auf der Rückreise von Vlissingen eine kleine Hautabschürfung an der radialen Seite des rechten Handgelenks, wahrscheinlich entstanden durch Reibung der Manschette. Die Umgebung zette einige Rötung und Schwellung. Trotz sofor- tiger sachgemäßer Pflege und Ruhehaltung entwickelte sich in den nächsten Tagen ein Furunkel von ansehnlicher Große mit leichter Beteiligung der Lvmphkahnen des Annes, jedoch ohne wesentliche Störung des Allgemeinbefindens und ohne Temperatursteigerung. Am 26. Mai wurde Geheimrat Professor Rektor Bier hinzugezogen, welcher am 28. Mai unter lokaler Betäubung mit Chloraetyn den Furunkel öffnete. Vor diesem Tage wurde ein Eingriff nicht gemacht. Die entzündeten Erscheinungen gehen in der erwünschten Weise zurück, sodaß über die Gutartigkeit des Verlaufes kein Zweifel besteht. Seine Majestät sind außer Bett, nehmen die Mahlzeiten in gewohnter Weise und gehen an di« Luft, müssen sich jedoch in der Betättgung diejenigen Schranken auferlegen, die sich aus der Notwendigkeit ergeben, bi« rechte Hand zu schonen.
— Parade bet Berliner Garnison. Berlin, 1. Juni. Auch die Parade der Berliner Garnison auf dem Tempelhofer Feld, die heute Vormittag bei herrlichem Wetter stattfand, wurde in Vertretung des Kaisers von dem Kronprinzen abgenommen. Der Parade wohnten die Kaiserin, der König und die Königin der Belgier, die Kronprinzessin, die Übrigen Prinzen und Prinzessinnen, die chinesische Militär- misfion, Mitglieder der deutsch-amerikanischen Kriegervereine und zahlloses Publikum bei.
— Anfall eines Jrsinnigen auf den Kronprinzen Berlin, 1. Juni. Als der Kronprinz heute Mittag nach Schluß der Parade über den Schloßplatz durch den Lustgarten zum Schloß
ritt, wurde von einem Manne eine Konservenbüchse geworfen, die vor die Füße eines Schutzmannes fiel. Der Mann wurde festgehalten. Wie sich herausstellte, war die Konservenbüchse mit Perlbohnen gefüllt. Der Mann, der sie geschleudert hat, ist der Polizei schon seit längerer Zett als Geisteskranker bekannt. Er heißt Abraham Eierweiß, ist geborener Russe, betreibt hier in der Kaiser Wilhelmstraße em Partiewarengeschäft und wohnt in der Meyerbeerstraße. — Der Russe Abraham Eierweiß, der gestern den Kronprinzen belästtgte, hat nach der „Vosstfchen Zeitung' in Freundeskreisen öfters erklärt, daß er demnächst eine große Tat vollbringen werde, die die Aufmerksamkeit der Welt auf ihn richten würde. Schon vor einem Jahre ging er in einer Versammlung der freireligiösen Gemeinde mit einem alten verrosteten Revolver gegen Dr. Bruno Wille los. Seine Absicht war Aussehen zu erregen. Er wurde gestern in einer Anstalt untergebracht.
— Der König der Belgier in Berlin. Berlin, 1. Juni. Der König der Belgier stattete heute Nachmittag dem Reichskanzler einen halbstündigen Besuch ab.
Ausland.
** Kaiser Franz Josef in Bosnien. Sera- jewo, 1. Juni. Nach der heutigen Truppenrevue huldigte die Jugend von Serajewo dem Kaiser. Tausende von Kindern in festlichen Kleidern, viele in Landestracht, zogen in Reihen zu Vieren unter Musik und Piviorufen an dem Kaiser vorüber.. Die Kundgebung, die den Kaiser tief rührte, schloß damit, daß etwa 200 Knaben unb Mädchen die Volkshymne sangen.
** Kreta. Paris, 1. Juni. Die „Agence Ha- vas" meldet aus Kanea: Die Ueberreidntng der kretischen Note an die Mächte scheint der kretischen Frage ein anderes Aussehen geben zu sollen. Es handelt sich nicht mehr um die Zulassung der muselmanischen Abgeordneten zur Nattonalver- sammlung ohne Eidesleistung, da man hier eine definitive Regelung der Stellung der Insel wünscht. Die Mächte werden sich daher verständigen müssen, um an das Problem als solches heranzutreten und die Juitiattve der provisorischen Regierung wird in den europäischen Kreisen nicht als geeignet angesehen, die Beruhigung zu erleichtem.
" Kreta. Konstantinopel, 1. Juni. Wie „Ildarn" erfährt, soll Rußland den Übrigen Schutzmächten mitgeteilt haben, daß eine andere Lösung gesucht werden müsse, da die Wiedereinsetzung Zaimis di« Pforte nicht zufriedenstelle. — Adabasar, 1. Juni. In Anatolien meldeten fich 15 000 Freiwillige für den Fall des Ausbruchs eines Krieges um Kreta.
• * Dänemark. Kopenhagen, 1. Juni. Der Ministerpräsident Zahle äußerte sich einem Vertreter von „Ritzaus Bureau' gegenüber, daß das Ministerium wieder ein Entlassungsgesuch einreiche, sobald der Reichstag, nachdem bas Urteil bes Reichsgerichts im Verfahren gegen ben früheren Ministerpräsidenten Christensen unb ben früheren Minister des Innern Berg ergangen sein werde, einberufen sei.
* * Marokko. Köln, 1. Juni. Der „Kölnischen Zeitung" wird aus Tanger gemeldet: Zwischen dem Machsen und dem diplomattschen Korps sind wegen der Tätigkeit der marokkanischen Schulden
gen zu wollen, als sie vom Inspektor fest am Arme gepackt wurde.
„Du kommst jetzt mit nach Haus, dumme Trine" knurrte er. „Da sprechen wir noch ein Wörtchen miteinander."
Tina wollte sich dem Vater zu Füßen weren, aber dieser riß sie rauh empor.
„Spiel keine Komödie! Das hat jetzt ein Ende!" Und er führte sie nicht gerade sanft seinem Hause zu — was darin geschah, soll lieber nicht erzählt werden. Hofleute aber wollten ein klatschendes Geräusch wie von einem paar tüchtigen Ohrfeigen gehört haben.---
In dem Zimmer der Baronin verbreitete die durch einen roten Schirm verhüllte Lampe nur ein gedämpftes Licht.
Die Baronin ging ruhelos auf und nieder, die Anne über die Brust gekreuzt, die Augenbrauen finster zufammengezogen, das Gesicht von einer tiefen Blässe überzogen.
Nichts hörte man in dem halbdnnflen Gemach als das sonore Ticken der großen Standuhr und zuweilen das wehe Auffchluchzen einer weiblichen Gestalt, welche aus dem Sofa zusammengesunken war.
Weinen konnte die unglückliche Julie von Pro- kowsky nicht mehr; mit brennenden .trostlosen Augen starrte fp vor sich hin. ab und zu geschüttelt von einem krampfhaften Schluchzen.
Die Baronin blieb vor ihr stehen.
„Weine nicht mehr, Julie," sagte sie mit ernster aber weicher Stimme. „Dein Sohn ist der Tränen einer Mutter nicht wert.'
„Ach, Adelheid — sprich nicht so. Der Unglückliche trägt vielleicht die geringste Schuld ..."
„Wem willst du seine Schuld aufbürbenf'
»Mir Adelheid — mir, seiner Mutter, die ihn in dem Gedanken an Reichtum, an Wohlleben erzogen hat, die ihn niemals ernstlich arbeiten gelehrt hat, die ihn selbst auf die Bahn des Leichtsinns und des Verbrechens geführt hat . . . ich bin die Schuldige, nicht er ist schuldig . . .'
Die Baronin war tiefbetoegt durch ben furchtbaren Schmerz der armen Mutter. Aber ihre Worte riefen auch in ber Baronin ein eigenartiges Gefühl hervor, das fast einem Schuldbewußtsein glich.
»Wenn bu dich anklagst," sagte sie mit bewegter Stimme, „fo mußt du auch mich Auflagen. Denn auch ich habe ihn nicht zu ernster Arbeit an- gehalten, auch ich habe ihn verzogen, habe ihm vertraut, habe ihn nur als angenehmen Zeitvertreib meiner müßigen Stunden angesehen und ihm alle Freiheiten gestattet, während er arbeiten und lernen sollte. Ich bin ebenso schuldig wie du, Julie — ich habe es gefühlt schon vor diesem entsetzlichen Abend, als man ihn der Fälschung an- ttagte; da hab' ich ihn geschützt und gerettet, jetzt kann ich ihn nicht mehr schützen."
„Du hast mehr als großmüttg gehandelt, Adelheid . .'
„Nein, ich habe getan, was ich tun mußte, um meine eigene Schuld gutzumachen. Daß alles sich so gestaltete, konnte ich nicht ahnen. Aber wenn ich ihn jetzt nicht mehr vor Schande und Schmach retten kann, so soll er doch nicht untergeben. Die Strafe feiner Tat muß er abbüßen, hoffentlich bessert sie ihn auch. Dann werde ich für sein Fortkommen sorgen — freilich nicht hier, sondern im Auslande . . .'
»Ich danke dir, Adelheid. Und damtt er nicht wieder in Versuchung gerät und ihr unterliegt,
ttlgungskommifston insofern Schwierigkeiten entstanden, als das diplomattfche Korps den Standpunkt einnimmt, der Sultan habe durch seine frühere Zustimmung, die Schulden des Machsen durch diese Kommission zu regeln, auch das am 11. Mai nach Fez gesandte, vom diplomattschen Korps ausgearbeitete Reglement Über die Tättg- feit und Befugnisse dieser Kommission von Dom« herein gebilligt. Dagegen will der Vertreter deS Sultans, Gebbas, die ausdrückliche Zustimmung des Sultans zu dem Reglement abwarfen, ehe er die Arbeiten der Kommission beginnen läßt. Die Kommission sollte ihre Tättgkeit morgen aufnehmen, während die Zustimmung des Sultans erst wenige Tage nachher zu erwarten ist. Diese Verzögerung um einige Tage gibt einer gewissen Sette Anlaß, die Lage wieder zu einem Konflikt zuzuspitzen. — Tanger, 1. Juni. Das diplomatische Korps, das dem Sultan den 1. Juni al- Frist für den Beginn der Tätigkeit der Schulden- Kommission gesetzt hatte, erhielt von El GebbaS ein Schreiben, in dem er mitteilt, daß er von Fex keine Instruktionen erhalten habe, die ihm gestatteten, in dieser Beziehung etwas zu tun. Der ganze Zolldienst sei von heute ab der Verwaltung der marokkanischen Anleihe angegliedert, da alle Einnahmen als Garantte für die neue Anleihe in Betracht kämen.
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Marburg und Umgegend.
Kdruck aller Originalarttkel ist gemäß 8 18 del errechts nur mit der deutlichen Quellenangabe „Oberhefs. Ztg." gestattet.)
Marburg, 8. Juni.
• Universität. Wie wir erfahren, wird am 11 Juni für den ersten Kurator unserer Universität, Feige, in seiner Heimat Hesfisch-Lichtenau ein Denkmal in Gestalt eines Monumentalbrunnens etnger weiht. An dieser Feier werden vorausfichtlich «. e. ber Rektor, die Dekane der einzelnen Fakultäten ei* die Chargierten der studentischen Korporationen teil nehmen.
* Som Jägerbataillon. Heute treten biet etwa 200 Reservisten zu einer 14tagtgen llebung ein. Die aktiven Mannschaften werden so lange in Bürgerquartiere untergebracht.
* Ober-Ersah-Kommission. Zum bürgerlichen Mitglied« der Ober-Ersatz-Kommission im Bezirk» des 11. Armeekorps, 2. Bezirk 43. Infanterie-Brigade, wurde für die Kreise Marburg, Kirchhain, Ziegenhain und Biedenkopf Bürgermeister Müller in Allendorf an der Werra und als dessen Stellvertreter Bürgermeister Kern in Raunheim (Kr. Biedenkopf) bestellt.
* Beamtenpersonal-Rachrichten. (Ernannt: bet Regierungsassessor von Günther zum Stellvertreter des Vorsitzenden des Steuerausschusses der Gewerbe- steuerklasse II des Regierungsbezirks Cassel, lieber- tragen: dem Förster Siebert zu Uschlag, Oberförster et Oberkaufungen, vom 1. Juli d. I. ab die Förstesstelle Remsfeld, Oberförsterei Riederbeisheim. Versetzt: der bisherige Landesbauinspektor, Baurat Trimborn in Cassel unter Ernennung zum Regierungs- unb Saurat an die Regierung in Posen; die Strafanstaltsaufseherin Siasche von der Strafanstalt in gor- don an die Strafanstalt in Ziegenhain.
werde ich ihn begleiten unb ihn arbeiten lehre», daß er später ben Menschen wieder frei in bas Gesicht sehen kann.'
„Tue bas, Julie — unb solange findest bu bei mir ein Asyl."
„Rein, nein — laß müh einen einsamen Winkel aufsuchen . . .'
„Du kannst auch hier einsam unb zurückgezogen leben, wir sprechen noch herüber. Doch nun laß mich allein — ich habe auch einige Briefe zu schreiben und die Vorbereitungen zu meiner Abreise zu treffen.'
„Du willst verreisen?"
»Ä« . . .'
„Wohin?"
„Ein großes Unrecht habe ich gui zumachen, Julie, das ich meinem Kinde zugefügt habe," entgegnete die Baronin ernst. „Ich habe einen stolzen. harten Sinn, ich weiß es, ich beuge mich nicht so leicht, ich gehe nicht so leicht von einem Entschluß ab, aber wo ich Unrecht getan, da erkenne > ich es an und bemühe mich, es gutzumachen. Ich muß demütiger werden, Julie, denn mein Stolz hat mir meine Tochter enssremdet, die doch allein von uns allen recht gehandelt hat. Und nun geh' — ich habe noch zu tun.'
Julie ging und ließ die Baronin allein, die sich sogleich vor ihren Schreibttsch niederließ und eifrig schrieb.
Bis zum frühen morgen, bis das Helle TageS- ftcht in die Fenster schien, brannten die Lampen in dem Zimmer der Baronin. Dann flingette st« nach dem Haushofmeister, gab ihm Verhaltungsmaßregeln für die Zeit ihrer Abwesenheit, ließ anspannen und fuhr zur Bahn, um ben Frühzuf nach Berlin zu benutzen. (Fortsetzung folgt)