mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
xnb bet« Beilagen: „Nach Feierabenb" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) «nb .Fanbwirtschastliche Beilage."
M 124
Tie „Oberhessifche Zeitung" erscheint täglich mit Rnk-nahmc der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel» jährlich durch di: Post bezogen 2 25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 T<Ä.
Marburg
Dienstag, 31. Mai 1910.
Die JnfertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversitätS-Buchdruikerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
45» Jahrg.
eben
möchten den etwas konservativer denkenden
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(Nachdruck verboten.)
Erörterung der Frage hält Wir glauben ihr gern, daß tn der Oeffentlichkeit lieber dem Herr Adickes mit den
Die ganze vorzeitige st- für „überflüssig.* sie eine Verhandlung gesehen hätte, nach»
eine dem scher Wir
v. Bethmann-Hollweg, Frhr. v. Rheinbaben, Dr. Delbrück, Dr. Beseler, v. Breitenbach. v. Arnim, v. Moltte, Sydow, v. Trott zu Solz. — An den Kronprinzen des Deutschen Reichs und Kronprinzen von Preußen, Kaiserliche und Königliche Hoheit.
— Ein Rücktritt des Ministers von Moltke? Wie ein parlamentarisches Korrespondenzburean mitteilt, wird Herr v. Moltke, der preußische Minister des Innern nach Schluß der LandtagS- session zurücktreten.
— Besuch einer chinesischen militärischen Stu- dienkommiffion. Neues Palais, 29. Mai. Prinz
Nachdem nun die zuständigen Instanzen sich zunächst im allgemeinen gegen die Gründltng einer Universität in Frankfurt ausgesprochen haben, wird man abwarten müsien, was für Vorschläge im einzelnen von Franksirrt aus gemacht werden, welche Forderungen man stellt, um einer Universität nach amerikanischem Muster in Deutschland Gestalt zu geben. Uns scheint es aber, als ob die nunmehr abgeschloffene allgemeine Debatte auch für die Frankfurter von Wert war — wenn auch nur von negattvem —, insofern als sie sehen, was für ihre Universitätswünsche als erreichbar gelten kann.
Nationalökonomen sehen, der überhaupt nach Frankfurt einen Ruf erhielte! Die Universitäten aber sollen alle Richtungen berücksichttgen. Dem Staat mußte es direkt an Einsicht in seine wesentlichen Existenzbedingungen mangeln, der sich eine derartige „freie" Universität in Frankfurt leisten würde.
.. ®raf Hutten-Czapski würde es bedauern, wenn die Medizinalabteilung vom Kultusministerium ge- trennt werden würde, will dann aber lieber einen Midiztner als einen Juristen an deren Spitze sehen.
Der Kultusetat wurde bewilligt.
der gemeinsamen Minister und der beiden Minister» Präsidenten nach Bosnien abgereist.
Wien, 29. Mai. In Besprechung der Reise des Kaisers nach Bosnien und der Herzegowina führt das „Fremdenblatt" aus: Die Reise bekräftigt den unzerreißbaren Zusammenhalt der neuen Reichsländer und des alten Reiches. Dem Abschluß jener Entwicklung, die 1878 begann und ein Menschenalter später durch die Annektion beendet wurde, wird jetzt gleichsam ein Siegel aufgedrückt. Mit der Angliederung Bosniens und der Herzegowina ist die Balkanpolitik Oesterreich-Ungarns zu einem Beharrungspunkt gelangt. Nachdem Oesterreich-Ungarn die beiden Provinzen erworben hat, hat es mit seinen politischen und territoialen Aspirationen auf dem Balkan abgeschlossen. Unverbrüchlicher Grundsatz der österreichisch-ungarischen Politik ist die Auf- rechterhaltung des Status quo auf dem Balkan. Oesterreich-Ungarn wünscht, daß die Türkei auch mit den anderen Mächten auf dem besten Fuße stehe und hat sich immer dafür eingesetzt, daß zwischen dem Osmanenreiche und den christlichen Balkanstaaten ein dauernd gutes Verhältnis herrsche. Friede und Freundschaft mit dem Balkan und auf dem Balkan ist die Parole der Politik Oesterreich-Ungarns, da- mit es sich in seinen eigenen Grenzen, in die nunmehr Bosnien und Herzegowina untrennbar einbezogen find, mit Ruhe und Stetigkeit entwickeln kann.
find nun auch im Herrenhaus« zur Sprache gebracht worden. Mit erfreulicher Deutlichkeit sprach sich der Berichterstatter der Kommission gegen die Bestrebungen der Frankfurter aus. Die Gründe sind zu oft von uns behandelt, als daß wir sie «och einmal zu wiederholen brauchten. Sie sind im wesentlichen politischer Natur. Ganz abgesehn von den lokalen Interessen anderer preußischer und außcrprcußischer Hochschulen, die zwei» felos schwer — am meisten Marburg — geschädigt würden, geht es nicht an, wie Prof. Hillcbrandt richtig betonte, Kommunen derarttge staatliche Hoheitsrechte, wie sie mit der Ernennung der Professoren usw. verbunden sind, zu übertragen, wenn sie nur das nötige Geld haben. Die konservativen Parteien werden
—. r, I das ganze Bild unseres heuttgen Hochschulwesens Tie Frankfurter Unlverfttatswunsche völlig verändern.
„Nein, nein, Stanislaus — das sollst du nicht. Ich folge dir, wohin du willst."
Er umarmte und küßte sie.
„So bist du mein mutiges, starkes Mädchen. Und nun lebe wohl, vergiß nicht, heute abend 1t Uhr — und nimm so viel Geld mit, als du hast."
• „Ich habe ein Sparkassenbuch über zweitausend Mark —"
„Sehr gut — bringe es mit . . ."
In diesem Augenblick ging unten die Haustür.
„Man kommt," flüsterte Tina. „Leb' Wohl — auf Wiedersehen . . ."
Damit schlüpfte sie in die elterliche Wohnung zurück, gerade als der Diener aus dem Schloff« auf dem ersten Treppenabsatz erschien.
Stanislaus wollte in sein Zimmer gehen, doch der Diener hielt ihn zurück.
„Um Entschuldigung, Herr von Prokowskh," sagte er. „Frau Baronin läßt Sie ersuchen, sofort zu ihr zu kommen."
„Ich habe setzt keine Zeit — ich muß mich umziehen."
„Frau Baronin läßt sagen. Sie möchten kommen, wie Sie wären. Es sei eine wichtige Angelegenheit zu besprechen, Ihre Mama ist «ben- salls zugegen." >
Stanislaus sah ein. daß er sich nicht weigern durfte, dem Ersuchen der Baronin Folge zu leisten. Was konnte ihm auch geschehen? Die Baronin war ja stets nachsichtig und gütig gegen ihn gewesen, und wenn wirklich ein nachteiliges Gerücht zur Baronin gedrungen war, dann wükde seine Mutter schon seine Vertretung übernommen nnd den ersten Entrüstungssturm abgeschlagen haben.
So folgte et denn dem Diener in das Schloß.
' (Fortsetzung folgt.)
Deutsches Reich.
— Die Erkrankung des Kaisers. Neues PalaiS 29. Mai. Der Kaiser leidet, wie bereits bekannt gegeben, an einem Furunkel in der Gegend deS rechten Handgelenks. Die lebhafte Entzündung machte eine Oeffnung erforderlich, welche am Samstag, den 28. Mai von Geheimrat Profeffo: Bier ausgeführt wurde. Der Verlauf ist bishe: normal. — Die für morgen in Aussicht genom mene Uebung der 2. Garde-Jnfanteriebrigade ir Döberitz wurde aufgeschoben.
Der Kaiser hat dem Kronprinzen in folgendem im „Rcichsanzeiger" veröffentlichten Erlasse die Unterzeichnung von Schriftstücken übertragen: Da Ich auf ärztlichen Rat Mir für einig«
ändere, übrigens leicht zu beantwortende Frage. Den Zorn des Frankfurter Blattes hat aber besonders Prof. Hillebrand erregt, weil er sich so energisch gegen die Frankfurter Universität aus- sprach. Für die Leser der „Franks. Ztg." wird der Herr dadurch abgetan, daß er „in der Wahlrechtssache eine höchst merkwürdige Stellung (weil konservattv) eingenommen haben soll", das genügt? Man sieht, die kräftige Abwehr der konservativen Parteien gegen die „amerikanischen" Frankfurter Pläne hat das Blatt nervös gemacht. Sonst ist auch nicht einzusehen, wie die Konse» quenz, daß dann auch andere Städte UniversttätS» Pläne der Vollendung entgegenführen wollen, von ihr so kurzerhand abgelehnt wird. Demokrattscher Grundsatz ist doch „Was dem einen recht ist, ist dem andern billig". Und wenn in Köln, Aachen oder Hamburg irgend ein reicher Gönner der .Stadt einmal größere Summen Hinterlasten sollte, so ist nicht einzusehen, wie dann, da einmal da« Prinzip durchbrochen ist, hier der Gründung einer Universität widersprochen werden tonnte. Zwei oder drei solcher Universitäten würden aber schon
Politische Umschau.
Di« Rrise dr» Kaiser« Franz Joses nach Bosnien und Herzegowina.
Budapest, 29. Mai. Der Kaiser ist heute abend im Sonderzug in Begleitung eines großen Gefolges,
hierzu niemals ihre Hand bieten könne«, namentlich nicht, wenn es sich um eine Kommune handelt, die wie Frankfurt in keiner Weise die pupillarische Sicherheit bietet, daß ihre Verwaltung mit den Zielen und Gedanken der preußischen Staatsverwaltung konform geht, ja von der man fast dirett das Gegenteil ruhig erwarten darf. Es wird “ immer wieder betont werden müssen, daß Universität Frankfurt im wesentlichen unter Einfluß der sich von Tag zu Tag demokratt- gebärdenden „Frkf. Zeitung" stehen würde.
einzelnen zuständigen
Stellen gewisse Verhandlungen ins Reine gebracht hätte. Ob das freilich im Interesse der Gegner des Projettes gelegen hätte, ist eine
Der „Franks. Zeitung" paßt natürlich die erneute Verhandlung garnicht.
den Zentrumsantrag, Abg. v. Kardorsf (freikons.) seinen Antrag begründet und noch eine kurze Debatte stattgefunden hatte, wurde unter Ablehnung beider Anträge die Vorlage angenommen.
Fürst zu Salm-Horstmar beklagte sich über die Vernachlässigung der Universität Münster und die Bevorzugung der Universität Bonn.
Kultusminister v. Trott .1« Solz gab zu, daß auf baulichem Gebiete für die Universität Münster etwas geschehen müsse. In den nächsten Etat würden dafür die nötigen Mittel eingestellt werden.
Eeneralfeldmarschall Graf v. Hiiseler trat wiederum für die Einführung der allgemeinen obliga- wrischen Fortbidungsschule ein und verlangte ein Ersetz, nach dem jeder Preuße bis zum vollendeten 18. Lebensjahr schulpflichtig sein soll.
Minister v. Trott zu Solz erkannte an, daß auf dem Gebiete der Fürsorge für unsere aus der Volksschule entlassene Jugend etwas geschehen müsse. Es handle sich um die Abwehr eines Angriffs, der von einer politischen Partei mit vollem Zielbewußtsein gegen unsere Jugend unternommen werde, und in । ~ - m L »
ihr« Köpfe di« von dieser Partei propagierten Ideen I Tage Schonung Meiner Hand auserlegen, muß, einzupflanzen und sie mit Feindschaft und Gegner- I will Ich Eure Kaiserliche und Königliche Hoheft «egen den bestehenden Staat und unsere Ee- I und Liebden für die Dauer Meiner Behinderung sellschaftsordnung zu erfüllen. Dagegen müsse die I beauftragen, an Meiner statt diejenigen Schrist- treffen11"0 P°RtWe aKa&rc8cIn unb Einrichtungen I stücke unterschristlich zu vollziehen, welche Ich
stadten. ' V 8 I Neues Palais, den 27. Mai 1910. Wilhelm I. 8.
Herrenhaus.
Sitzung vom 28. Mai.
Am Ministertische: v. Trott zu Solz.
Die Beratung des Kultusetats wurde fortgesetzt.
Prof. Dr. Klein (Göttingen) forderte eine gesetzliche Regelung der Stellung der Oberlehrer zu den Stadtverwaltungen.
Oberbürgermeister Dr. Lentz« (Magdeburg) erklärte, da sich die Stadtverwaltungen nicht in den Betrieb mischen wollten, aber das Recht verlangen, beim Unterricht hospitieren zu können. Man müsse den Patronaten die Stundenpläne vorlegen und sie über die Nebenbeschäftigungen und Beurlaubungen der Lehrer unterrichten.
Prof. Küster (Marburg) meinte im Hinblick auf die Wünsche Frankfurt a. M., daß im allgemeinen gegen eine der Bevölkerungszunahme entsprechende Vermehrung der Universitäten nichts einzuwenden sei. Nur dürfe das Prinzip der reinen Staatsuniversität niemals durchbrochen werden. Den Frankfurtern könne man empfehlen, ein Forschungsinstitut mm Andenken Robert Kochs zu errichten. Ein solches Institut, dessen Schaffung schon Alexander v. Humboldt angeregt habe, würde der Stadt Frankfurt zu größerem Ruhm gereichen, als eine Universität, die außerdem der nahegelegenen ältesten evangelischen preußischen Universität Marburg gefährlich werden könnte.
Oberbürgermeister Dr. Wilms (Posen) dankte für die Errichtung der Akademie in Posen. Hoffentlich werde sie bald zu einer Universität ausgebaut werden.
Um Ehre und Recht.
Roman von O. Elfter.
(Fortsetzung.)
„Ich muß bitten — keine Gewalttätigkeit . , ' rief er in feiner Angst.
Fritz ließ die Hand sinken, ein verächtliches Lächeln umspielte sein« Lippen.
„Verlassen Sie augenblicklich den Hof," sagt« er kalt und sich zur Ruhe zwingend.
„Ich wollte Sie nochmals bitten, Herr Born, mir die Möglichkeit zu geben, jenes Papier, da- ,iwr durch einen Irrtum in Ihre Hände getont» men fein tonn, einzulösen. Vielleicht kann ich das ^bei Ihrem Anwalt tun, darf ich mir seinen Namen ausbitten?'
„Der Name nutzt Ihnen nichts — Dottor Fischer liefert Ihnen den Schein doch nicht aus."
„Herr Born — ich bitte — flehe Sie an — Herr Born, Sie befinden sich in einer peinlichen Lage, die Baronin hat einen schmählichen Verdacht auf Sie geworfen, eine Untersuchung ist Segen Sie eingeleitet, ich mache mich anheischig, le Baronin zu bewegen, jene Anklage zurückzunehmen, Ihnen eine volle Ehrenerklärung aus- «rstellen, wenn Sie mir das Papier überliefern . . .'
Fritz erhob die Hand und wies nach dem Tor.
„Fori", sagte er scharf. „Entfernen Sie sich, «der ich lasse Sie durch meine Knechte hinaus- sKhren."
„Herr Born — haben Sie Mitleid . - . ich will Ihnen alles fagen . . .'
■' „Fort! Ich will von Ihnen nichts hören. Ich Kbe Ihnen drei Minuten Zeit, sich z« entfernen,
nn gebrauche ich mein Hau-rech: . .."
Aus den Parlamenten.
I« Abgeordnetenhaus«
wurde am Samstag zunächst die Vorlage betreffend Verlegung der Landesgrenze gegen das Königreich Württemberg in dritter Lesung debattelos angenommen. Minister v. Arnim befürwortete hierauf die Vorlage betreffend den Rogatabschluß. Abg. von Oldenburg (kons.) begrüßte die Vorlage namens seiner Fraktion und beantragte sie an eine Kommission von 28 Mitgliedern zu verweisen. Diesem Anträge wurde nach unwesentlicher Debatte zugestimmt. Bei der folgenden Fortsetzung der zweiten Beratung des Gesetzentwurfs betreffend Abänderung des Eerichtskostengesetzes beantragte Abg. Kirsch (Ztr.), bei allen Testamentseröffnugen nur die Hälfte der angesetzten Gebühren zu erheben. Minister Beseler erklärte, dem Anträge nicht widersprechen zu wollen. Der Antrag wurde nach kurzer Debatte angeommen. Abg. Dr. Seyda (Pole) be- antragte, die Besttmmnng zu streichen, nach der die Gebühren um ein Viertel erhöht werden sollen, wenn ein Beteiligter am Rechtsgeschäft in fremder Sprache verhandelt. Minister Beseler trat dem Anträge entgegen und betonte, daß Dolmetscher-Ver- Handlungen größere Kosten verursachten, also auch erhöhte Gebühren gerecktfertigt wären. In der Debatte ttaten die Abg. Dr. Keil (natl.) und Boisly (natl.) dem Anträge mit großer Scharfe entgegen. Die Anmaßung der Polen, die deutsche Sprache, die sie in der Schule gelernt hätten, im Verkehr mit den Behörden nicht gebrauchen zu wollen, dürft nicht prämiiert werden. Der Antrag Seyda wurde gegen die Stimmen des Zentrums und der Polen abgelehnt. Abg. Cahenslq (Ztr.) beantragte, die Kommissionsbeschlüsse, welche die Gebühren für die Eintragug in das Handelsregister gegenüber der Regierungsvorlage erhöhen wollen, abzulehnen. Nachdem aber auch ein Regierungskommrssar für die Kommissions- beschlüss« etngetreten war, wurden sie angenommen; ebenso der Rest des Gesetzes. Der Gesetzentwurf betr. Gebühretwrdnug der Notare wurde tn zweiter Lesung debattelos genehmigt, desgleichen die Vorlage bett. Gewährung von Zwischekrediten bei Renten- gutsgründunaen. Bei der zweiten Beratung des Gesetzentwurfs betr. den obligatorischen ländlichen Fortbtldungsschulunterricht in Schlesien erklärte Abg. v. Goßter (kons.), daß seine Partei der Vorlage sympathisch gegenüberstehe, ebenso dem Zen- trumsantrage auf Einführung des obligatorischen Religionsunterrichts, der aber kaum durchführbar fei da die Stundenzahl zu begrenzt sei. Auch der Antrag ». Kardorff (kons.) auf Einführung des Gesetzes in Posen wäre annehmbar, wenn der Antrag von der Provinz selbst gestellt werden würde. Die Petitton auf Ausdehnung des ländlichen obligatorischen Fortbildungsschulunterrichts auf die Mädchen erscheine zurzeit noch nicht durchführbar. Man müsse sich vorläufig mit den hauswirtschaftlichen Kursen begnügen. Nachdem der Abg. Stull (Ztr.)
| Er zog gelassen feine Taschenuhr. I gehen wollte, öffnete sich die Tür der Jnspettor-
I »Herr Born," flehte Stanislaus, „hören Sie I Wohnung und Fräulein Tina fchlüpste heraus, I mich doch nur an . . ." I auf dem blaffen Gesicht den Ausdruck grober
I »Eine Minute ist verflossen ..." I Aengstlichkeit.
I »Herr Born — mein Leben — meine Ehre | „Ach, Stanislaus — da bist du endlich" I liegt in Ihrer Hand . . . haben Sie Mitleid ..." I flüsterte sie. „Man fucht dich fchon überall, deine
I "ZE Minuten . . .' I Mutter war bereits einige Male hier, um nach
I "yfun ~ gehe — aber die Folgen I dir zu fragen — sie war furchbar aufgeregt — I kommen aus Ihr Haupt! I mein Gott, Stanislaus, was ist denn gefchehen."
I Damit stürzte er fort. Fritz steckte die Uhr I Da keimte ein neuer schändlicher Plan in fei» I wieder in die Tafche und atmete tief auf. „Jetzt I nem listigen Geiste auf. Er trat dicht an Tina
I 'ennen wir den Fälscher," sprach er zu sich. I heran und legte ihr die Hand auf die Schulter.
I " i Dottor Fischer diese Szene nicht I „Tina — Mädchen —* sprach er mit düsterer
I miterlebt hat ... Doch nun wieder an die Ar- I Stimme und eine feierliche Miene zeigend du
bett ..." Und er wandte sich seinen Leuten wie- I hast mir gesagt, daß du mich liebst ..." -
1,61 _ I »Ja, Stanislaus, von ganzem Herzen!"
Spat am Nachmittag kam Stanislaus nach I „Willst du es beweisen, so ist die Stunde ge-
Schloß Hambach zurück und wollte sich auf fein I kommen."
Zimmer in dem Jnspettorhause schleichen. Ziel- „Mein Gott, Stanislaus, ich tue alles, was ws und planlos hatte er sich seit seinem Fortgang du willst . . ." entgegnete das arme Mädchen von Reuhof umher getrieben; verzweifelte Ent- I jttfemb.
| schlösse hatte er gefaßt, im Walde wollte er sich I „Run gut, dann erwarte mich heute abend elf erhängen; als er an einem Teich vorüberkam, I Uhr an der Hinteren Pforte eures Gartens. Nimm wollft er sich hineinstürzen; aber feige wie er I mit, was du für eine Reift von mehreren Wochen war, bebte er vor der Ausführung zurück und ent- I nötig hast — vor allem Geld . . .'
floh, um sich endlich zum Tode erschöpft und er- I „O Gott, was willst du tun, Stanislaus«!'
matt-t tn das Gras einer Wiese zu werfen, wo I „Bist du bereit, mit mir zu entfliehen?'
er in finsterem Brüten liegen blieb. I „Ja — aber —'
Aber ein Entschluß mußte gefaßt werden, und I „Ich muß entfliehen — das Rätsel meines so schfich er sich nach Hambach zurück mit dem I Lebens will es so . . . Nebst du mich so wie ich Vorsatz, die Dunkelheit der Nacht zur Flucht zu I dich liebe, dann kommst du mit mir — nur so benutzen; mit Geld war er ja Dank der Großmut I können wir einander angeboren * her Baronin genügend versehen, so daß er einige „Wirst du mich auch zu deiner Frau machen?' Zeit sorgenfrei leben konnte. In der Nacht „Frage nicht, Mädchen, sondern handle! Hast passierte ein Schnellzug die Station Hambach, I du mich lieb, fo vertraue mir — bist du nicht mit dem er morgen früh tn Hamburg fein konnte. I stark genug in deiner Siebe, fo bleibe hier . . . Dort würde man ja Wetter fehen. I Dann gehe ich allein hinaus in die wette Rett —
Als er die Treppe zu seinem Zimmer hinauf- ' unglücklich und allein---