WechM Mlmg mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain wnb den Beilagen: Illach Feierabend- (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und »Landwirtschaftliche Beilage."
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Die „Oberheffische Zeitung" erscheint täglich mit Nu?nahme der Sonn« und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch di: Post bezogen 2 25 Jt (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 r*.
Marburg
Dienstag, 24. Mai 1910.
Die JusertiouSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Rau« 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. — Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UniverfitätS-Buchdruckerei Inhaber Dr. 6. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
4b.J-HNd:
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f *r den Monat 3««i 191» «s die „Oberhessische Seit««," nebst ihre« Beilagen werde« V«t unserer Expedition (Markt 21), unsere« Ausgabestellen tw Kirchhain, Neustadt, Wetter, Ebsdorf, Hachborn, HeSkem-Möll«, Leidenhofen, Dreihause«, Wittelsberg, R iederwelm ar, Niederwalgern, Damm und Lohra sowie von asten Post- anstalten und Landbriefträger« entgegengenommen.
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Die kretische Gefahr.
Als im Winter der Gedanke der griechischen Nationalversammlung austauchte und die Teilnahme kretischer Abgeordneter an dieser Versammlung an- gekündigt wurde, legte die türkische Regierung bei den vier kretischen Schutzmächten schärfste Verwahrung gegen die geplante Verhöhnung der türkische« Eouveränitätsrechte ein. Damals sahen die Schutzmächte von einer entscheidenden Maßregel ab, weil die griechische Nationalversammlung erst im Herbst zusammentreten würde und bis dahin mancherlei geschehen könnte.
Inzwischen ist allerdings mancherlei geschehen — aber nur solche Dinge, welche die ohnehin schon schwierige Lage zu verschärfen geeignet find. Die Kreter haben ihr eigene Nationalversammlung etn- berufen und dem Könige der Heüenen den Eid geleistet. Das ist eine gröbliche Herausforderung der türkischen Geduld. Eine vielleicht noch schlimmere Provokation ist der Beschluß der christlichen kretischen Abgeordneten, die mohammedanischen Vertreter nicht zur Nationalversammlung zuzulassen, weil sie wege« ihres Glaubens nicht imstande wären, die Interessen des kretischen Staat» zu wahren. Ersten» gibt es noch keinen krettschen Staat und zweitens ist e» denn doch unerhört, die Abgeordneten, dir denselben Glauben haben, wie der Herrscher de« die Souveränität ausübenden Staates, politisch rechtlos zu machen. Damit wird der Sultan nicht nur al« Herrscher gekränkt, sondern auch in seiner Eigenschaft als Khalif, als oberster Herr des Mohammedanismus.
Die Konsuln der Schutzmächte haben bte Kreter vor ihrem übermütigen Gebühren gewarnt. Diese Warnungen find in den Wind geschlagen worden. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Vertreter Rußlands und Englands ein doppeltes Spiel spielen, indem fie offiziell die Kreter warnen, aber sie heimlich ermutigen. Rußland würde es einerseits aus konfessionellen Gründen, andererseits auch wegen der nahen Verwandtschaft mit dem griechischen Königs- Hause gern sehen, wenn Kreta endgültig von der Türkei loskäme. In England hat die gegenwärtig herrschende liberale Partei ja schon seit langem eine Abneigung gegen die Türkei, die von dem bedeutendsten Führer des englischen Liberalismus, dem verstorbenen Gladstone, einst als der „unspeakable Turk" verhöhnt worden ist. Das liberale England ^=== ■ ======== 40 (Nachdruck verboten.)
Um Ebre und Recht.
Roman von O.
«Fortsetzung.»
Er schloß fie wieder in seine Arme. Dann zog er ihre Hand durch seinen Arm und führte fie tiefer in den Garten hinein und erzähl'e ihr von seinen Eltern, von seiner Mutter und seinen Schwestern, und sie lauschte lächelnd seinen Worten, lehnte das Haupt an seine Schuller und war glücklich.
Doch lange sollten sie sich diesem süßen Geplauder in der lieblichen Einsamkeit des blühenden Gartens nicht hingeben können. Miß Florence vahley kam herbeigeeilt und machte ein sehr ernsthaftes Gouvernantengesicht, über das Erika fast gelacht hätte.
„Das ist nicht recht von Ihnen, Herr Born," sagte Miß Bavlev, „daß Sie solange mit Erika allein im Garten umherstreifen. Ich bin für Erika verantwortlich — ich werde fie von jetzt an überhaupt nicht mehr allein im Garten spazieren gehen lasten."
Lackend umarmte Erika die treue Freundin «nd rief, fast in den früheren Uebermut fallend:
„Aber. Bahley. er ist doch mein Verlobter?" „Verlobte sollen erst recht nicht allein umher- Kreifen, das schickt sich nicht," sprach die Miß in strengem Tone.
„Ach, was verstehe« Sie davon, Bahley," ries Erika übermütig.
„Halt, Erika," nahm Fritz das Wort, ein Lächeln unterdrückend, „Miß Bahley hat ganz «cht, «nd ich bitte Sie um Entschuldigung, Miß Bavletz, daß ich mich vergeffen habe. Gerade
hat also sicherlich nichts dagegen, wenn von der Türkei fich Glied auf Glied löst, besonders wenn dabei eine Vergrößerung des englischen Machtbefitzes herausschauen sollte. Und wer weiß, ob nicht schon bei dem Gedanke« der Ablösung Kretas von der Türkei habgierig« englische Pläne mitspielenl Frankreich und Italien find weniger an Kreta toter» essiert, aber als Freunde Englands und Rußlands werden fie den Machenschaften dieser beiden Staaten sicherlich keine Schwierigkeiten in den Weg legen.
Wie dem auch sei, soviel steht jedenfalls fest, daß die Türkei auf eine loyale Unterstützung der vier Schutzmächte nicht rechnen kann. Sie dürfte deshalb gegenüber den aufsässigen Kretern auf die eigene Kraft angewiesen sein. Ob fie mit der geplanten Flottendemonstration viel erreichen wird, steht noch dahin. Die türkische Marine ist noch zu schwach, als daß fie den Kretern sonderlich imponieren dürfte, Auch ist es fraglich, ob die Schutzmächte ein Bombardement kretischer Küstenstädte zulasten würden. Mit dem bloßen Kreuzen türkischer Schiffe in den kretischen Eewästern wird aber sicherlich nicht» erreicht.
E» ist so höchst wahrscheinlich, daß die kretische Frage auf kriegerischem Wege gelöst wird. Dann aber dürften nicht die kretischen Küsten den Schauplatz der kriegerischen Begebenheiten bilden, sondern Theffalien, auf besten Boden schon vor zwölf Jahren um den Besitz Kretas gefochten worden ist. Die Türkei wird dann freilich eine ausgesprochene Herausforderung durch Griechenland abwarten wollen. Eine solche Herausforderung wird vorliegen, wenn kretische Delegierte an der griechischen Nationalversammlung teilnehmen. Rach dem dreisten Uebermut, den die Kreter in diesen Tagen an den Tag gelegt haben, ist es durchaus wahrscheinlich, daß es auch zu dieser neuen Herausforderung komme« wird. Dann wt* bi« XflcM marschiere» lasten, ohne erst «och lange mtt den vier Schutzmächten zu verhandeln, die in der kretischen Frage bisher eine Pastivität bezeigt haben, die vou üblem Willen schwer zu unterscheide« ist.
Aus den Parlamenten.
Herrenhaus.
Am Samstag vollzog das Herrenhaus die formelle Schlußabsnmmung über die Wahlrechtsvorlage. Da» Haus war in allen Teilen gut besetzt. Am Tische der Regierung wohnte der Minister de» Innern von Moltke der von dem Freiherrn v. Hertzberg beantragten namentlichen Abstimmung bei. Der Präsident des Hauses, Frhr. v. Manteuffel, verkündete das Ergebnis dahin, daß der Gesetzentwurf in bet am 29. April beschlossenen Fassung mit 127 gegen 82 Stimmen angenommen ist. Damals hatten sich 234 Mitglieder an bet Abstimmung beteiligt, das Gesetz wat in der Eesamtabstimmung mit 140 gegen 94 Stimmen angenommen worden: die Mehrheit hat sich also bei der am Samstag vorgenommenen zweiten Abstimmung nur um eine Stimme vermindert. — Sodann wurden einige Heinere Vorlagen, wie die Gesetze über Reinigung öffentlicher Wege, über die Einführung des Höferechts in der Graffchaft Schaumburg und die Novelle zum Bezirks- und Landeseisenbahnratsgesetze endgültig verabschiedet. Schließlich waren noch Petitionen zu behandeln. Nur eine von ihnen, eine Petition des Feuerbestattungsvereins in Hagen (Westfalen) gab iu längerer Debatte Anlaß. Die Kommission hatte lleberweisung als Material
Wir in unserer seltsamen Lage müsten doppelt vorsichtig sein. Es soll nicht wieder Vorkommen, Miß Bahley, und nun, hören Sie, was wir be- schlosten haben."
Er teilte der Erzieherin feinen Plan mit, daß sie und Erika einstweilen bei seinen Ellern Wohnung nehmen sollten, da vorläufig an eine Aussöhnung mit der Baronin nicht zu denken sei.
Miß Bavlev hatte ihre Besorgniffe. Aber schließlich gab sie doch zu daß es so das Beste fei, nachdem fie den Brief der Baronin gelesen.
Die Frau Baronin verkennt mich?" sagte sie leicht beleidigt. „Nicht aus Leichtsinn habe ich Erika begleitet, sondern im Gegenteil aus ernstem Pflichtgefühl, um übet ihr Wohl und Wehe wachen zu können."
„Wir wissen es. Miß Bahley," sprach Fritz bewegt, „und wir sind Ihnen von Herzen dankbar."
Gemeinsam begaben sie sich in das HauS zurück. wo Fritz an ferne Eltern ein langes Telegramm richtete und Miß Bahley «nd Erika sich zur Abreise rüsteten.
Mit dem Schnellzuge, der mittags die Station Hambach passierte, reiften sie nach Berlin zu dem Oberamtmann Friedrich Born, dem Vater Fritzens. ____
xvm.
Der „fchöne Stanislaus", wie ihn Erika in ihrem früheren Uebermut genannt hatte, saß auf der Veranda des Schlosses und rauchte, nachdenklich gestimmt, eine Zigarette nach bet andern, den Rest bet gerauchten Zigaretten stets in weitem Bogen in den Park schleudernd.
Seine Mutter, Frau Julie von Prokowsky,
beantragt. So wurde auch beschlossen, nachdem bet frühere Staatssekretär v. Köller gegen bte Feuer- beftattung, bet frühere Staatssekretär Frhr. v. Thiel- mann und Professor Dr. Reinke (Kiel) lebhaft dafür gesprochen hatten. — Nächste Sitzung am 27. Mai.
Politische Umschau.
Kaiser Wilhelm und Pich»«.
Paris, 21. Mai. Stefan Lausanne berichtet auch über eine Begegnung bes Deutsche« Kaisers mit Pichon im Buckinghampalast folgendes: Pichon unterhielt sich mtt zwei englischen Admiralen. Da gingen der Kaiser von Deutschland und der König von Spanien im angelegentlichsten Gespräch vorüber. In dem Augenblick, wo Pichon den König von Spanien grüßen wollte, beide waren einander be- kamtt, nachdem dieser Pichon mit einer Handbewegung zu sich gerufen hatte, schritt der Deutsche Kaiser mtt einigen flüchtigen Schritten auf Pichon zu und ohne vorherige Vorstellung streckte er ihm die Hand entgegen und begann sich mtt ihm zu unterhalten, so, als ob er ein langjähriger Bekannter von ihm gewesen wäre. Pichon fieß sich über dieses Gespräch nicht ausführlich aus. Nur soviel konnte Chefredakteur Lausanne erfahren, daß die Unterredung zwischen dem Deutschen Kaiser und Pichon die allerherzlichste war. Der Kaiser stellte an Pichon freundschaftliche Fragen über Frankreich und überdie ihm bereits bekannten französischen Persönfichkeiten. Hierauf begann der Kaiser auf einige allgemeine politische Fragen einzugehen. Wie der „Mattn" gehört haben will, habe der Kaiser Herrn Pichon mtt großer Beredsamkeit die ihm sehr sympathische Idee eines europäischen Staatenbundes eni- wickelt.
Zum Tode König Eduards.
8 o n d o n, 21 Mai. Der König hat einen Erlaß an Armee und Flotte gerichtet, in dem et seiner Anerkennung Mr deren gestern geleistete Dienste Ausdruck gibt. Daß Matrosen die Lafette mtt dem Sarge des Königs gezogen hätten, wäre der passendste Tribut gewesen, den sie seinem ge- fiebten Vater hätten zollen können. Weiter spricht der König in einem besonderen Erlaß bet Polizei seine Anerkennung für ihre bewunderungswüt- digen Leistungen nicht nur am Begräbnistage, fonbern während bet ganzen vergangenen Woche aus, wo ihre Pflicht besonbers schwer gewesen sei. Allerbings sei ihre Aufgabe erleichtert worben burch bie ausgezeichnete Haltung umb ben Geist bet Ordnung, den die ungeheuren in diesen Tagen in London versammelten Menschenmengen an den Tag gelegt hätten.
London. 21. Mai. Die Königin Mutter empfing im Thronsaale des Buckingham-PalasteS Abordnungen der Flotte, des Heeres, städttsche Depuiattonen. welche ihrem Beileid Ausdruck zu geben wünschten. Lord Kitchener begab sich vor- mittags in den Palast, wo er von dem zum Ehrendienst kommandierenden Generalmaior Sir Leopold Swaine empfangen «nd zum Kaiser geführt wurde. Der Kaiser hatte eine lange Unter» halttmg mit Kitchener.
Deutsches Reich.
— Born Deu schen Flottenverein. Berfin, 22. Mai. Unter zahlreicher Beteiligung von Dele-
stand an die Balustrade gelehnt und beobachtete ihren Sohn mit ängstlichen Blicken.
Frau Jufie war trotz ihrer fünfundvierzig Jahre noch immer eine schöne Frau, wenn ihre einstige jugendliche Schlankbeit auch einem behaglichen Ernbonpoint gewichen h ar. Aber das schwarze Seidenkleid — sie trug fast immer schwarz — umspannte knapp ihre volle Gestalt und ließ sie schlanker erscheinen als sie in der Tat war. Auch hob das Schwarz den immer noch zarten Teint ihres Gesichtes, dem Puder und Schminke allerdings nachhelfen mußten. Ihr reiches, schönes, blondes Haar schmiegte fich in sanfter Wellenlinie um ihr Antlitz da- dadurch mit seinen blauen Augen und btm süßlickmelan- chofischen Lächeln auf den Lippen einen rnadon- nenartigen Eindruck machte.
Diese sanfte Schmiegsamkett, diese süße Schmeichelei, diese melancholische Dulderinnen- tniene hatte dadurch ihren leichtaufbrausenden, starrköpfigen Ehemann gezähmt, daß et schließlich ihr allen Willen tat.
Wer an dem Ruin der Familie mehr schuld war, der leichtsinnige, geschäftsunkundige Herr von Prokowsky ober Frau Julie, bie au8 Lässigkeit ihre Hausstauenpflichten vernachlässigt und ihre Genugtuung in glänzenben Gesellschaften, in kostspieligen Toiletten und teuren Babereisen sah, wäre schwer zu enffcheiben gewesen. Beibe trugen bie Schuld, nur büßte Frau Jufie schwerer, da ihr Mann kurz nach dem wirffchaftfichen Zusammenbruch gestorben war und seiner Frau bie Sorge überließ, sich mtt ben zwei Kinbern durchs Leben zu schlagen.
Jufie verstaub das aber ausgezeichnet, tnbem fit die Hilfe ttnb Mildtätigkeit wohlhabender Re
gierten aus allen Teilen Deutschlands fand rottet -bem Vorsitze des Großabmirals v. Köster bte • zehnte ordentliche Hauptversammlung deS deute scheu Flottenveteius statt. Als Ott bet nächste« Hauptversammlung wurde Nürnberg gewühlt. Rach bem Jahresbenchte hat sich die Zahl bet Ortsgruppen des Deutschen Flottenvereiito. um 41 verringert; sie betrügt jetzt 3335. Die Zahl ber Vertrauensmänner ist um 37 zurückgegangen, auf 2936. Auch bie Zahl bet Einzelmitglieder Hai sich verringert, bagegen bie bet körperschaftliche« Mitglieder gehoben, so daß bie Gesamtzahl bet Mitglieber von 1007 536 auf 1031339 gestiegen ist. Das Vereinsvermögen stieg um über 40 000 Jt und betragt 335 838 Jt. Der Flottenverei« konnte auch im abgelaufenen Jahre aus be« Fonds und Unternehmungen, die er bisher rottet* stützte, umfangreiche neue Unterstützungen gewähren. Reu angeknüpft wurde eine Verbindung mit dem Deutschen Luftflottenverein. Die „Flotte" , hat eine Auflage von 345000. Die „Mitteilungen des Denffchen Flottenvereins sind weiter ausgebaut worden. Es fanden eine Lehrerfahrt und elf Schülerfahrten nach bet Wasserkante statt. Auch sonst hat ber Verein durch zahlreiche Versammlungen «nd Vorträge den Flottengedanken gefördert.
— Der Bau eines neue« Zeppelin-Luftschiffei. Wie uns aus Frankfurt a. M. gemeldet wird, hak bie bortiae Luftschiffahrts A.-G bei bet Zeppelin- gesellschaft ein zweites, zu Passagierfahrten bestimmtes Luftschiff in Auftrag gegeben. Das Schiff ist bas achte, welches auf bet Werft von Manzell gebaut wirb.
— Eine dritte polnische Partei. Zur Gründung einer dritten polnischen Partei unter bem Namen „Polkspartei". bie in der Hauptsache ben Handwerker und Arbeiterstand umfallen will, wird durch einen in bet polnischen Presse veröffentlichten Aufruf aufgefordert. Die Gründung ber polnischen Volkspartei würbe, wie bte „Pos. N. N." mitteilen, auch bereits in einer Vertrauens» männerversammlnng beschlossen.
— 5 Monate Gefängnis wegen Beleidigung des Landtaaes. Nachdem bereits ein Redakteur des Braunschweiger sozialdemokrattschen Organs wegen der Wahlrechtsbemonstrattonen mit 17 Monaten Gefängnis bestraft worben ist, wurde ein zweiter Redakteur deS Blattes wegen Beleidigung des Landtages zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt.
Ausland.
*♦ Ungarische Wahlkämpfe. Budapest, 22. Mai. In Marginen (Wahlbezirk Fogatas) kam es zwischen Wählern des Regierungskandidate« und Wählern bet rumänischen Nattonalpartei zu einem Zusammenstoß, wobei zwei Personen getötet mtb zwei verwundet wurden.
** Schwester Candide. Paris, 21. Mai. Schwester Candide, bie heute vom Untersuchungsrichter einem langen Verhör unterzogen würbe, gab zu, baß sie Vertrauensbrüche begangen hatte, erklärte aber, baß fie nur im Interesse ber von ibt geleiteten Wohltätigkeitsanstalten gehandelt habe. Die ber Schwester anvertrauten Kleinodien sind in einer Londoner Pfandleihe verpfändet unb die Pfandscheine verkauft worben.
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kannten schlau auszunutzen wußte. So hatte st« ihre Tochter in einer reichen polnischen Familie als Gesellschafterin untergebracht, mH ber Angabe. ihr Ruin sei bie Folge bet anttyolnischen Politik bet Regierung" gewesen, unb ihrem Sobne hatte sie bie Stellung tot Hause bet Baronin geschaffen, in bem sie ietzt nach bem Tobe bes Barons auch eine bebaglitfie Unterkunft gefunden hatte. Um so stärker erschrak sie, als ihr Stanislaus rnitteifie. daß er Schloß Hambach in ber nächsten Zeit ve-lassen wolle.
„Was hat dich nur aus diesen unsinnigen Gedanken gebracht?" fragte ste ärgerlich.
„Mir gefällt es hier nicht mehr." entgegenete et nachlässig. „Der Zweck meines Hierseins ist ja doch berfebtt. seit Ettka mit den unzwei- beuHaen Korb erteilt und das Haus ihrer Mutter verlallen hat."
„Watte nur ben Ausaang des Protestes ab, bann wird sich alles klären. Menn Born als Dieb entfärbt ist. bann wird Erika auch wieder zur Vermmft kommen, reumütig zu ihrer Mutter zurückkehren — «nd dann ist deine Zett gekommen."
„Ach. dieser ekelhafte Prozeß!" tief Stanislaus unmutig ans. „Wenn die Baronin meinem Rate gefolgt wäre, hätte ste ben Prozeß gegen Born aarnicht angefanaen, sondern ihm eine N'chtSsaaeube Ehrenerklärung gegeben. Damib wäre bte dumme Geschichte aus ber Welt geschafft, «nb bet Verdacht, ben Diebstahl begangen zn bab-n wäre auf Born hoch sitzen gebfieben. Ge-' sellschaftfich wat et so gut wie tot — «nb baS genügte vollkommen."