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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen: »Jach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und »Landwirtschaftliche Beilage."

JH117

DieOberhessische Beitang" erscheint täglich mit Nn?nahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch di: Post bezogen 2 25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 '<X.

Marburg

Sonntag, 22. Mai 1910.

Die Jnsertionsgebühr beträgt für di« 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniverfitätS-Buchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

45. Jahrg.

Zweites Blatt.

Bestellungen

für den Monat Juni 1910

wf dieOberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedi­tion (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Iischhgin,. Neustadt, Welter, Gös­dorf, Hachborn, HeSkem-Mölln, Lei­denhofen, Dreihausen, Wittelsberg, Niederweimar, Niederwalgern, Damm und Lohra sowie von allen Post- anstalten und Landbriefträgern entgegengenom­men.

Streiks und Aussperrungen im Jahre 1909.

Eine der wenig angenehmen Errungenschqktrn in ihrer Größe und ihrer wiri- schaitl'.chen Bedeutung ohne Zweifel hauptsächlich au das Konto der Sozialdemokratie zu setzen find, rst die Einrichtung der Arbeitseinstellungen und -aussperrungen. Unter der Arbeitseinstell­ung versteht man bekanntlich die gemeinsam er­folgte freiwillige Niederlcgung der Arbeit seitens der Arbeiter zum Zweck der Erzielung günstigerer Arbeitsbedingungen und unter der Aussperrung die gemeinsame Be'riebSe-ustellung von Arbeit­gebern, die gewöhnlich unter Festsetzung von Konventionalstrafen durch Sperrung ihrer Arbeitsstätten ihre Arbeiter zur Nachgiebigkeit zu zwingen suchen. Wenn man von den Arbeiter- aufständen des Altertums absteht, bei denen es sich lediglich um die Auflehnung unfreier Arbeiter zur Erringung der persönlichen Freiheit handelt, «nd von den vereinzelten Unruhen der Gcsellen- und Gehilfenkreise, bei denen aber das Shstcma- fische und Zielbewußte fehlt, sind die Streiks­ader Arbeitseinstellungen ein Erzeugnis des vorigen Jahrhunderts. Von England, wo sie be­reits 1824 nach Aufhebung der Koalitionsver­boie Boden faßten, kamen sie nach Deutschland herüber und nahmen hier erst in den 80er Jahren eine festere und umfangreichere Gestalt an. Dies steht in engstem Zusammenhänge mit der Aus­bildung der Gewcrkvereine, ganz besonders aber der sozialdemokratischen Gewerkschaften, wobei allerdings auch die sogenannte Gründungszeit der 70er Jahre und die darauf folgende ungünstige KonjnnkMr eine nicht zu unterschätzende Rolle spielten. Während sich in den Jahren 1880 bis 1890 zahlreiche gewerkschaftliche Lohnkämpfe ab­spielten, nahmen die ungelernten Arbeiter erst 1896-1897 in dem großen Streik der Hamburger Hafenarbeiter an den geivaltsam herbeigeführten Lohnkämpfcn teil. Im allgemeinen weit größer als die der siegreichen, und >venn sie auch hin und wieder Erfolge haben, so legen sie doch stets dem Arbeiter unverhältnismäßig große Opfer aus und betüirfen ein ungesundes Schwanken in seinen Lebensverbältnisscn, was die Von der Sozial-

88 (Aackdrnä verboten.)

Ihn (S;hre und Recht.

Roman von O. Elfer.

(Forilchung.) XVII.

Am folgenden Morgen gab ein Reitknecht von Schloß Hambach einen Bries an Fritz ab, aus dem, als er ihn öffnete, ein anderer Bries an Er-ka heranssiel.

.Ein Brief von deiner Mutter, Erika," sagte Fritz, den Brief Erika reichend, mit der er im Garten in ernstem Gespräch auf und ab ging.

Erika las den Brief und reichte ibn dann Fritz.

Lies," sagte sie traurig.Ich habe es nicht anders erwartet."

Der Bries lautete:

Erika! Deine Widersetzlichkeit, dein Trotz und Eigensiim überschreiten alle Grenzen. Wenn du geglaubt hast, dein törichtes Benehmen könnte Mtch in meinen Entschlüssen und Absichten irre machen, so hast du dich geirrt. Ich spreche jetzt das letzte Wort zu dir: entweder du kehrst augeu- blickl-cb reumütig zu mir zurück und bittest um Verzeihung, worauf ich mir dann das weitere über deine Zukunft Vorbehalten werde, oder du bist meine Tochter nicht mehr und magst sehen, wie du allein durch die Welt kommst. Ich beküm­mere mich nicht mehr um dich.

An Miß Bayley ersuche ich dich zu bestellen, daß sie aus alle Fälle aus meinen Diensten ent­lassen ist und nicht die Frechheit besitzen soll, noch einmal nach Schloß Hambach zurückzukehren. Sie Mag dem Haushofmeister mitteilen, wohin ihre Sachen geschickt werden sollen.

Deine Mutter

Adelheid, Baronin Hambach."

dcmokratie gehetzten und verblendeten Aus ständigen leider nicht einsehen wollen.

Das zeigt auch wieder das Jahr 1909, über das die einzelnen Zahlen der Oeffentlichkeit so eben vom Kaiserlichen Statistischen Amte Über­geben sind. Gegen das Vorjahr mit 1347 Streiks haben 190 Streiks mehr stattgefunden, mithin 1537. Die Zahl der Streikenden erhöhte sich von 68 392 auf 96 925, und die Zahl der Betriebe, die in Mitleidenschaft gezogen wurden, von 4774 aus 4811. lieber die Hälfte aller Streiks fällt auf Preußen, 829, und von den preußischen Provin­zen ist Nöcinland nur 1-26 die cnn schwersten he lastete. Mehr als ein Drittel Iller Streiks ent­fällt auf das Baugewerbe, sowohl was die abso tute Zahl der Streiks wie auch die der Streiken den anbelangt. Dem Baugewerbe reibt sich dem Umfang und der Bedeutung der Arbeitseinstell ung nach an Bergbau-, Hütten- und Salüten wesen, Torfgräberei. Dann folgen die Industrien der Holz- und Sckmitzstofte, der Metallverarbeit ung, die Texttlindnstrie, die Industrie der Steine und Erden und das Bekleidungsgewerbe. In allen anderen Gewerbegruppen wurden 5. v. H. der Streikenden nicht erreicht. Von diesen 1537

Streiks hatten nun nur 203=18,4 v. H. vollen Erfolg. 520=33,8 b. H. teilweisen Erfolg und 734=47,8 v. H. verliefen erfolglos. An dem er­reichten vollen Erfolg waren von den 96 925 Streikenden 14 020=14,5 v. H. beteiligt, und wenn auch 43 507=44,9 v. H. an dem teilweisen Erfolg teilnahmen, so blieb doch der Lohnkampf von 39 398 Arbeitern=40,6 v. H. ohne Erfolg. Interessant ist es. daß von den 1537 Streiks fast drei Viertel, nämlich 1148 oder 74,7 v. H., durch Verhandlungen ihr Ende fanden und zeugt noch von einem guten Stern in den Beteiligten, daß von diesen 1148 Streiks 579 oder 50,4 v. H. durch Verhandlungen unmittelbar zwischen den Par­teien beendet wurden, während bei 505=44 v. H. die Verhandlungen unter Vermittlung von BenifSvereinigungen oder dritten Personen statt­fanden und bei 64 oder 5,6 v. H. das Gewerbe­gericht mitzusprechen hatte.

Den Arbeitseinstellungen gegenüber warett die Aussperrungen nur gering. 115, die sich über 1749 Betriebe und 22 924 Arbeiter verbreiteten, Das Vorjahr zeigte dagegen 177 bei 1758 Betrieben und 43 718 Arbeitern. Beinahe die Halste aller Aussperrungen mit mehr als zwei Drittel aller

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Roossvelis Ankunft-in Berlin

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Fritz sah ernst vor sich nieder. In der Nacht, die er säst schlaflos verbracht hatte, Ivar er sich über den Ernst der Lage vollkommen klar gewor- d'n: gestern war er noch zu erregt und zu hin- gcriffen von der großmütigen Handlungsweise Erikas, heute sah er aber die Angelegenheit mit kühlerem Auge an, und war sich bewußt gewor­den, daß er das Opfer Erikas nicht annehmen durste.

Was ist da zu machen?" fragte Erika mit einem leichren Seufzer.Ich wußte ja, daß es so kommen würde."

Erika," sagte Fritz leise und scheu, denn er wußte, daß er sie überraschen, wenn nicht erzür­nen würde.Du weißt, daß ich dich von ganzer Seele liebe, daß ich deine Handlungsweise, die an Großmut ihresgleichen nicht findet, auf das Höchste bewundere, daß ich dir nie vergessen werde, was du für mich getan hast, mißverstehe mich also nicht, wenn ich dich bitte, zu deiner Mutter zurückzukehren."

Wie du bittest mich, zurückzukehren?!"

Ja, Erika, um deinetwillen und um meinet­willen."

Ich soll mich dem Willen meiner Mutter unterwerfen?"

Du kehrst nur dahin zurück, wo jetzt noch dein Platz ist. Du hast gezeigt, daß du bereit bist, für meine Schuldlosigkeit mit deiner ganzen Person einzutreten, das wird nicht ohne Eindruck auf deine Mutter bleiben und sie wird nach und nach zu derselben Einsicht kommen wie du."

Da täuschest du dich. Meine Mutter wird ihre Ansicht nicht ändern. Und weißt du, was mit mir geschieht? Da sie gesehen hat, daß sie mich M einer Heirat mit ProkowSky nicht be­wegen kann, wird sie mich irgendwo tm AuSlande

in ein strenges Pensionat für ungeratene Töchter unterbnngen. Wenn es ginge, würde sie mich in ein Kloster stecken."

Erika, du übertteibst."

Ichübertreibe nicht. Mein: Worte mögen lieblos klingen, sie sind cs aber nicht. Ich habe meine Mutter stets geliebt und geachtet, aber höher als das alles steht mir die Wahrheit, steht dann meine und deine Ehre. Ich mußte dafür einticien und zwar mit einer Tat, nicht mit Worten, die nichts genutzt hätten mochte auch daraus kommen, was wollte. Und nun schickst auch du mich fort?"

Ich schicke dich nicht fort. Aber steh, Erika, was soll die Welt von mir denken, wenn ich ver­suchen würde, dich hier sestzuhalten? Würde fie mich nicht noch mehr verurteilen? An die Rein­heit, an die Großmut deiner Tat an meine Schuldlosigkeit an deinem Schritte wie viele Menschen würden wohl daran glauben? Die Menschen sind geneigt, zuerst stets das Schlimmste von ihren lieben Mitmenschen zu denken, und wenn ich um deiner großen Tat willen dich auch nicht zu bitten wage, auf dich Rücksicht zu nehmen denn das wäre kleinftch von mir, so bitte ich bich doch zu bedenken, ob drin Hierbleiben dem Zweck, den wir beide verfolgen, nämlich meine Ehre wiederherzustellen, nützlich sein kann."

Erika blickte nachdenklich in die Feme.

Wie meinst du das?" fragte sie n«h einer Weile.

Ich meine, ob man mich nicht bezichttgen würde, deine großmütige Tat in unedler und un­ehrenhafter Weise bmutzt zu haben, um eine« Druck auf deine Mutter auszuüben. Ich glaube, wenn ich jetzt auch meine Schuldlosigkeit an jenem Diebstahl nachweise. <» würde doch immer efc

betroffenen Arbeiter betraf das Baugewerbe, das auch mit dem Bergbau zusammen die Aussperr­ungen am vollständigsten durchführte. In b« weitaus meisten Fällen handelte es sich um Auf­rechterhaltung des bisherigen Lohnes, 62 mal, und nur 19 mal um Herabsetzung des bisherigen Lohnes, ein Beweis, daß die Aussperrungen im großen und ganzen Abwehrmatzregeln sind, die den Arbeitgebem aufgedrungen werden. Von vollem Erfolge begleitet, waren 47 oder 40,9 der Aussperrungen, während 59 oder 51,3 v. H. wenigstens teilweisen Erfolg erzielten, während nur 9 ober 7.8 v. H. ohne Erfolg blieben. Man sieht, die Ausstände sind Kraftproben schr zweisil- Hafter Art, Angriffe, die meistens, wenn man das Gros der Arbeiter ins Auge faßt, mit ihren Erfolgen nicht im richtigen Verhältnis zu ben schweren Verlusten stehen, die sie mit sich bringen, während die Aussperrungen Verteidigungsmittel sind, die, wenn sie auch finanzielle Verluste und Gefahren gegenüber der Konkurrenz, besonders dek ausländischen in sich schließen, doch meisten- mit dem Siege der Arbeitgeber enden. Wird nicht bald die Zeit kommen, die durch die Ueberlegung und Mäßigung sowohl die Ausstände als auch die Aussperrungen als schwere Schädigungen unse­res wirtschaftlichen Lebens ganz aus der Welt schaffen?

Politische Umschau.

Saatenstand in Preußen.

Berlin, 19. Mai. Saatenstand-Bericht für Preußen. Mitte Mai (Wenn 2 gut, 3 Mittel be- bentet). Winterweizen 2,3 (Mai 1909 gleich 3,3), Sommerweizen 2.5 (2,7), Winterspelz 2.5 (2,7), Winterroaaen 2.7 (3,1). Sommerroggen 2.7 (3.0), Snniergerfte 2.5 (2,8), Hafer 2.6 (2,8), Erbsen 2.1 12,9) Reckerbohnen 2.6 (2,7), Wicken 2.6 (8.9), Kartoffeln 8,8 (2,9), Zuckerrüben 2.8 (2,9) Win­terraps und Rübsen 2,4 (3,6), Flachs 2,7 (2,9) Kleee 2,3 (3,0). Luzerne 2,6 (2,9) R.eselwiesen 2,6 (3,0) andere Wiesen 2,8 (3 4). In den Bemerkung .! derStatistischen Korrespondenz" heißt es: In kaum einem Jahre haben so wenig Umackemnacn ausgesubri zu werden brauchen wie in diesem. Als Ursache ist die besonders rauh« Frühjahrwitterunx anzusehen. Ueber tierisch« Schädlinge liegen verhältnismäßig wenig Mit­teilung vor. Mehr Anlaß zur Klage gab di« starke Verunkruumng insbesondere durch de« Hederich. Bei der Ungunst der Witteruvgsein- ftüsie haben sich die Wintersaaten wenig ob« '.al nicht weiter cnttoMn können. Es wird ab« bemertt, daß manches wieder gut werden würde, wenn recht bald Sonnenschein oder Wärme käme. Von Fntterger»i>chsen bat sich der Klee zufrieden­stellend weiter entwickelt. Luzerne hat etwas ver­loren. Hinsichtlich der Wiesen sind die Nachrichte« sehr verschieden. Auch die Weiden hatten noch keinen genügenden Bestand. Entspricht bei Stmch der Winterfrüchte, Futtergewächse unb Wiese« zwar nicht den nach der günstigen Durchwinterung gehegten Erwartungen, so ist es doch nicht u«- günstig. Mit den Bestellungsarbeiten für bU Sommerfrüchte ist man dennoch überall im 9tü* stände.

Flecken aus meiner Ehre haften bleiben, wen« ich deine groß---tige Handlungsweise annehme« würde. Sieh Enka, deshalb bitte ich dich, z» deiner Mutter zurückzukehren ich darf als Ehrrnmann dein Opfer nicht annehmen."

GS ist kein Opfer, was ich getan habe!"

Die Welt Ktrb es dafür ansehen «nd mich dafür verantwortlich machen."

Erika se'.kte das Haupt.

Du weißt nicht, was du von mir forderst," sprach fie leise.Wenn wir unS jetzt trenne«, werde« wir uns nie Wiedersehen."

(Fortsetzung folgt.)

-*

Geh' in »en Wald!

Geh' in den Wald

Jetzt oder bald. So lange noch das Frühlingssonnenlicht Durchs junge Laub der Buchenzweige bricht.

Und Maienblumendust

Erfüllt die laue Lust!

Geh' in den Wald

Jetzt ober bald, Wo unermüdlich Gottes Schöpferkraft Mst jedem neuen Tage neue Wunder schafft.

Und seiner Liebe Hauch

Still webt in Baum und Strauch.

Geh' in den Wald

Jetzt ob« halb, So lang' ber Vögel tausenbstimmg« Chor ßttm Thron des Höchsten bringt empor.

Und laut den Schöpf« preist, Sen großen Weltengeitz.

«Hermann Ha } Gelnhausen