Einzelbild herunterladen
 

mit dem ; larburg und Kirchhain

*nb den Beilagen: ,Iach Feierabend- (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage.

M 117

DieOberheffische Zeit»«,- erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch dir Post bezogen 2 25 JK, (ohne Bestellgeld), bei unseren ZeitungSstellen und der Expedition (Markt 21), 2 X.

Marburg

Sonntag, 22 Mai 1910.

Die Jufertioulgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. Druck und Verlag: Joh. Aug. Roch, Universitäts-Buchdruckerri Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Marit 21. Telephon 56.

45. Jahrg.

Erstes Blatt.

Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.

Zur Beisetzung König Eduards.

London, 20. Mat. Um 9 Uhr 45 Minute« wurde der Sarg durch einen Offizier und zwölf Mann von der Garde aus der Westminster-Halle getragen und auf eine Lafette gesetzt. Dir Krone, die Regalien und die Insignien des Hosenband­ordens waren auf das Bahrtuch gelegt. Der Trauerzug setzt sich hierauf in Bewegung. Die Musikkapellen der Gardekavallerie eröffneten ihn. Es folgten Abteilungen der Territorial- und Kolonialtruppen, der Spezialreserve, der indischen und der regulären Armee, sowie der Marine, von deutscher Seite waren die Flotte, das erste Gardedragoner-Regiment, das Husaren-Rrgiment Fürst Blücher von Wahlstatt und das Kürassier- Regiment Graf Geßler vertreten. Hinter ihnen folgten sechs kommandierende Generäle, die Feld­marschälle Lord Kitchener, Str Henry Wood, Lord Roberts, die zwei kommandierenden Ad­mirale, die Großadmirale und die Admiralität, schließlich die 63 Flügeladjutanten des verstorbe­nen Königs, das Gefolge des Königs Georg und der königlichen Prinzen, Earl Marschall von Norfolk und die obersten Hofbeamten.

Die von acht Pferden gezogene Lafette mtt dem Sarg wurde von königlichen Leibgardisten «nd Stallmeistern des verstorbenen Königs ge­leitet. Hinter dem Sarge ritt Admiral Prinz Louis von Battenberg, sodann der Träger der königlichen Standarte, hinter dem das Leibroß Königs Eduards geführt wurde. Run folgten M Pferde König Georg, zu seiner Rechte« ritt der deutsche Kaiser, zu seiner Linken der Herzog vo« Eonnaught. In dem ersten Wagen saßen die Köniegin Alexandra, die Kaiserin-Mutter vo« Rußland, Prinzessin Royal, Prinzessin Viktoria. Bei der Ankunft auf der Station Paddington wurde der Sarg durch Unteroffiziere von der Garde von der Lafette gehoben und in den Sonderzug gesetzt.

London, 20. Mai. Als der Kaiser an der Westminster-Hall von seinem wundervolle« grauen Pferde gestiegen war, drückte er dem Erz- bischof von Canterbury und den LordS Carring­ton und Crewe, welche am Portal standen, die Hand. Als die Equipage der Königin-Mutter vorfuhr, eilte der Kaiser hinzu, half ihr «ms dem Wagen und küßte sie mtt großer Herzlichkeit. Die Königin-Mutter nahm den Arm des Königs, toeb- cher sie in die Halle geleitete. Der Kaiser, König Georg und der Herzog von Eonnaught waren ge­nau gleich gekleidet, nämlich in die Feldmarschall­uniform mit dem blauen Bande des Hosenband­ordens. Die Königin-Mutter trug tiefes Schwarz mit langem dünnen Schleier und den Stern NS Hosenbandordens auf der Brust. Die Königin sah wohl aus und bewegte sich lebhaft. Der An­blick des Reitpferdes des verstorbenen Monarchen «nd seines kleinen weißen Lieblingsterriers, der von einem stattlichen Hochländer geführt wurde, machte einen rührenden Eindruck.

London, 20. Mai. Lange Zeit, nachdem die Spitze des Zuges den Paddington-Bahnhof er­reicht hatte, verkündigten die Klänge ausSaul* das Herannahen des Sarges. Die Lafette hielt vor dem Salonwagen, der den Sarg aufnehmen sollte. Die anwesenden Fürstlichkeiten bildeten zwischen der Lafette und dem Salonwagen Spa­lier. Der Totenmarsch ertönte aufs neue; alle Trupen am Bahnbofe standen Salut. Die Fahne« senkten sich. Der Sarg wurde auf den im Zug bereitstehenden Katafalk gesetzt. Die Fürstlich- keiten nahmen im Zuge Platz. Um 11 Uhr 58 Minuten verließ der Zug die Halle.

Wenige Minuten vor dem Eintreffen deS Trauerzuges hatte die Hitze über einer Tribüne einige Platten eines Glasdaches gesprengt; die Splitter fielen auf die Zuschauer herab, was eine leichte Panik verursachte. Es wurde niemand verletzt.

London, 20. Mai. Der Zug mit der Leiche des Königs Eduard und mit dem Trauergefolge ist um 11 Uhr 58 Minuten nach Windsor abge^ fahren.

Windsor 20. Mai. Bei der Ankunst in Wind­sor wurde der Sarg von Gardeunteroffizieren aus dem Wagen gehoben, auf die Lafette gesetzt, mit einem Bahrtuch von rotem Samt, dann mit der königlichen Standarte bedeckt, worauf die königlichen Insignien niedergelegt wurden. Leib­garde Kavallerie eröffnete den Zug. Rur di« Equipage der Königin Alerandra folgte im Zuge, die übrigen fürstlichen E.uipagen fuhren dirett zur Kapelle. Der Altar war mit Lilien und brennenden Kerzen einfach, aber außerordentlich schön dekoriert. Die Plätze links vom Altar waren den Diplomaten angewiesen; es wurde bemertt. daß der französische und deutsche Botschafter Seit«

an Seite durch die Kirch« schritte«. Die Trauer- versamlung erhob sich, als die Geistlichkeit, in dopelter Reihe geführt vo« den Erzbischöfen von Canterbur und Mark, erschien unter den Sängen des Schubertschen Trauermarsches und schritt zu dem Westportal, um den Sarg mtt der Leiche des Königs j« empfangen. 10 Minuten später begannen die vereinigten Mustkkorps vor der Kirche den Beechovenschen Trauermarsch zu spielen. Gedämpfte Trommelwirbel kündigten an, daß der Sarg von der Lastete gehoben wnrd«, währeta» zugleich die letzten Pfdfenstgnale der Mattosen vor der Kirche für d«n taten Groß­admiral ertönte«. Unmittelbar hinter dem Sarg schritt König Georg, der d'e Königin-Mutter führte, dann folgte der Kaiser mtt der Königin Mary. Die übrigen fürstlichen Damen nahmen ihre Plätze in dem königlichen GestM ein. Den Gottesdienst schloß eine Trauc/liturgie, mit wel­cher der Erzbischof von Canterbury die königliche Leiche der Erd« übergab, während der Sarg langsam in der Gruft verschwand. Unmittelbar vorher trat der König hervor und legte des Vaters Garedegrenadierflagge auf den Sarg, damtt diese mit ihm begraben werde. Bei diesem feierlichsten Augenblick schluchzten die Damen auf und die Königin-Mutter verhüllte ihr Angesicht. Der König vermochte seine Tränen nicht mehr zurück­zuhalten. Während der Erzbischof den Segen sprach, kniete di« ganze Trauergemeinde nieder. Dann leitete der König seine Mutter zur Gruft. Mutter und Sohn Warfe« einen letzten Blick auf den Sarg. Dann begab sich die fürsttiche Trauer­versammlung ins Schloß. Während des feier­lichen Teiles deS Gottesdienstes in der Kapelle wurde OberkommUar von Neuseeland, Hall- Jones, der unmittelbar hinter den Fürstlichkeiten war, ohnmächtig und mußt« aus der Kapelle ge­bracht werden.

London, 20. Mai. Auf Einladung des deut­schen Botschafters versammelten sich eine große Zahl von Mitgliedern der deuffche« Kolonie und deutsche Journalisten auf der Terrasse der deut- schen Botschaft, die bei ihrer Lage unmittelbar über der Hall eine unvergleichliche Aussicht auf den Zug bot. Der Zug setzte sich um S Uhr 45 Min. in Bewegung. Die Prozession zog langsam vorüber, was in England selten bemerkbar ist. Der Himmel war anfänglich bewöllt, dann brach die Sonne durch und bdeuchtete das junge Laub des St. James-Parkes. Der Sarg wurde von allen ehrfurchtsvoll begrüßt; eine besonders starke Bewegung zeigte sich in der Menge, als der König und der Kaiser vorüberkamen. Alles drängte unwilllürlich vorwärts, um daS Bild besser er­fassen zu können. Eine ähnliche Bewegung machte sich bemerkbar, als die Equipage der Königin vorüberfuhr. Die Zuschauermenge vermehrte sich inzwischen gewaltig. Bon den Sttecken des Weges, welcher der Trauerzug bereits passiert hatte, strömte alles nach dem St. James-Park, der einem Mc:r von Menschen glich. Als dann Abteilungen von Polizei und Feuerwehr den Zug beschlossen, folgte ihm ein dichter Menschenstrom in der Rich­tung nach dem Hydepark.

London, 20. Mai. Schon während der Rächt versammelten sich in den Straßen, welche der Zug mit der Leiche des Königs passieren sollte, große Menschenmengen. Bei Tagesanbruch schwoll die Zahl gewaltig an. Als um 6 Uhr früh der Wagenverkehr aufgehoben wurde, war der ganze Weg so dicht besetzt, daß schlechterdings kein Platz mehr für neue Ankömmlinge zu sein schien. Trotz dem drängten immer neue Menschenmasien hinzu. Im Hydepark und im St. James-Park waren alle Sitze, die eine gute Aussicht versprachen, in dem­selben Augenbstck besetzt, wo die Tore geöffnet wurden. Am dichtesten war di« Meng« am süd­lichen Eingang des Hydeparks. Infolge der Hitze kamen schon in den Morgenstunden viele Ohn­machtsfälle vor. Zur <^>alierbildung sind 35 000 Mann Truppen und die ganze verfügbare Polini Londons aufgeboten.

London, 20. Mai. Die Geschäfte bleiben heute in den Straßen, die der Trauerzug passiert, ge­schloffen. Die Ladenbefltzer verkauften Zuschauer­plätze. Die Zahl derer, die die Aufbahrung an­gesehen haben, wird auf 400 000 geschätzt.

Loudon, 20. Mai. Die Zahl der Unfälle bei den Zuschauern gelegentlich der Beisetzung König Eduards ist sehr groß. Biele wurden ohnmächtig und viele kamen im Gedränge zu Fall. Die Menge stampfte über sie weg; die Herausschaffung der Verunglückten aus der Zuschauermaffe war mit großen Schwierigkeiten verknüpft; es heißt, daß über 200 Personen Unfälle erlitten haben.

London. 20. Mai. Die Hitze, die schon morgens geherrscht hatte, hielt während der ganzen Trauer- seierlichketten an; viele Fälle von Sonnenstiche sind zu verzeichnen. Hunderte wurden ohnmäch­tig, und die Ambulanzen waren ständig in An­spruch genommen; auch die Truppen litt«« er­heblich

Windsor, 20. Mai. Rach Schluß des Gottes- dienstes begaben sich die Fürstlichkeiten mit Lftls- nahme der Königin Alexandra in den Spetsesaal, wo die Mitglieder der königlichen Familie und die anderen Fürstlichkeit««, insgesamt 70 Per­

sonen, das Mahl einnahmen. 5. e übrigen Gäste speisten in der St. Georgshalle. Rach der Tafd besichtigten d ie Füstlichkeiten die Kränze und fuhren sodmm nach bem Bahnhofe.

Politische Umschau.

Sie demokratische Bereinigung, zu deren Gründern betantlich auch Herr ». Eerlach gehört, hat sich in dieser Woche einen Parteitag ge­leistet. 156 männliche und weibliche Delegierte wa­ren erschiene». Mit Stolz wurde festgestellt, daß die Mitgliederzahl von 5061 auf sage und schreibe 7214 gestiegen ist. Angesicht» dieser enormen Zahl wird die nationalliberale Partei vo» einem Freuden­taumel in den anderen fallen, wenn sie mit gebühren­der Hochachtung vernimmt, daß eine Enffchließung gefaßt wurde, in der Ne Unterstützung eine» natio­nalliberalen Kandidaten für die Fälle empfohlen wurde, in denen eine fortschrittliche oder sozialdemo­kratische Kandidatur aussichtslos erscheint. Bekannt­lich gehören Ne Nationalliberalen zu den Parteien, Ne neben den Junkern (Ne Pfaffen wolle« wir dies­mal weglaffen) von den Helden der demokratischen Feder mit den stärksten Fußtritten behandelt wurden. Daß man sich besonder» für die Wahlrechts-Demon- strationen gegen dieDreiklassenschmach" «. a. aus­sprach, verwundert wenig. Interessant war nur da» Verhalten gegenüber Herrn Dr. Schücking. Dieser Herr ist bekantlich längere Zeit so eine ArtPartei­heiliger gewesen, seitdem er zum Märtyrer gewor­den war. Wo man irgend im deutschen Reiche eine radikale Kandidatur nur ahnte, wurde der frühere Bürgermeister von Husum von den Demokraten auf den Schild erhoben. Herr Dr. Schücking hat den Geschmack gehabt, daß ihm dies Verfahren schließlich zu dumm wurde, er protestierte in einer Zuschrift an das Berliner Tageblatt. Diese Diszi- plinlofigkett wurde auf dem Patteitag eingehend verurteilt, besonders von einem Herrn Rechtsanwalt Cohn, der sich einst mtt Herrn Dr. Schücking asso­ziieren wollte. Rechtsanwalt Dr. Schücking ist nun­mehr aus der demokratischen Vereinigung ausgeschie­den und zwar, wie derFranff. Ztg." zu dieser Ver- undnigung gemeldet wird, weil ihm die Att, wie er auf der Kölner Tagung behandelt wurde, nicht zusagt. Ja, Ne Herren Demokraten!

Deutsches Reich.

Trauergottesdienst für König Eduard. Berlin, 20. Mai. Heute Vormittag wurde in der englischen Et. Georgs-Ehurch i« Monbijoupark ein Trauer- gottesdienst abgehalte«. Die Kaiserin erschien in einer Ealakaroffe, ferner die Prinzessin Viktoria Luise, der Kronprinz «nd die Kronprinzessin, Prinz Eitel Fttedttch und Gemahlin und Pttnz August Wilhelm, da» Nplomattsche Korp«, der Reichskanz­ler, viele Minister und Generale, Oberbürgermeister Kirschner, viele hohe Würdenträger und zahlreich« hviitgliebet der englischen Kolonie.

Landung eine» Frankfurter Ballon« in Frank­reich. Metz, 20. Mai. Der Frankfurter Freiballon Tillie 2", Führer Kaufmann Julius Hahn-Frank- futt, ist gestern früh in Eouilly bei Verdun gelandet. Die Insassen waren außer dem Führer Lederfabri­kant May und Archiiett Grumbach. Der Ballon war wider den Willen der Insassen durch Ziehen am Schleppseil von einem Förster zur Landung Kzwun- gen worden. Die ftanzösische Polizei, sowie der Souspräfett von Verdun und Luftschifferoffiziere waren sofott zur Stelle. Rach 2vstündigem schonungs­vollem Festhallen und einer Zollhinterlegung von 500 Franks wurde der Ballon freigegeben, nachdem die Aparate gründlich untersucht und auch Wert da­rauf gelegt worden war, festzustdlen, ob die Jnsaffen Offiziere seien. Auf Grund der Rangliste ergab sich dann, daß es sich um zwei Reserveoffiziere handle. Das Verhalten der Behörde gegenüber den Luft- schiffern war höflich.

Beehandlungen im Baugewerbe. Dresden, 20. Mai. DerDresdner Anzeiger" meldet: Nachdem es gelungen ist, die Bereitwilligkeit des Geschäft», führenden Ausschusses des Deutschen Arbeitgeberbun­des für das Baugewerbe sowohl als auch die Zen- ttalvorstände aller btteiligten Gewerffchasten und des Zentralverbandes christlicher Bauarbeiter zum Eintritt in neue Verhandlungen über die Beendig- «ng der Ausschließung im Baugewerbe herbeizufüh­ren, ließ gestern, wir wir von zuständiger Stelle er- fahren, das Reichsamt des Innern den Vorsitzende« de» Arbeitgeberbunde» wissen, daß das Reichsamt de» Inner« Verhandl«ngen einleiten will. Darauf zog Oberbürgermeister Dr. Beutler, der die Präli- minarien bisher gefühtt hat, die Einladung zu einer ersten gemeinschaftlichen Verhandlung der Parteien die morgen in Dresden stattfinden sollte, zvrück.

Allgemeine« Deutsche» veteraneafcht. Metz, L Mai. Luter dem Ehrenausschuß, der sich au» de«

Spitzen der hiesigen Zivil- «nd Militärbehörden zu- sammensetzt, veröffentlicht eine Vereinigung zur Schmückung und fortdauernden Erhaltung der Krie­gergräber und -Denkmäler bei Metz einen Aufnif, worin Ne Kriegsteilnehmer von 1870/71 eingeladen werden, sich in Nesem Jahre möglichst zahlreich ein- zufinde«, da au« Anlaß der verflossenen vierzig Jahre statt der schlichten Feier der Ausschmückung der Kttegergräber und -Denkmäler de» Metzer Schlachtgefildes ein allgemeines deutsche» Beteranen­gedenkfest begangen werden soll. Zu der Feier, Ne i« den Tagen vom 14. bis 18. August (Colombey- Gravelotte-St. Privat) stattfinden soll, hat, wie in dem Aufruf hervorgehoben wird, der Kaiser de» Generaffeldmarschall Grafen Häseler mit seiner Set« ttetung beauftragt.

Ausland.

♦♦ Frankreich. Paris, 20. Mai. Der Genercck- sekretär der Wohltätigkeitsanstalten der Schwester Candide, Dr. L6on Petit, verübte Selbstmord, tote man annimmt, wegen deS Konflifts der Schwester mit der Justiz. Dr. Lson Petit, welcher fich heute Nacht erhängt hat, lleß eine Postkarte an seine Gemahlin zurück, in welcher es heißt: Ich ziehe eS vor zu sterben, als in die schauderhafte Geschichte hineingezertt zu werden, welche ich voraussehe und für die Schwester Candide ver- antwottlich ist, welche rings um sich nur Tod und Verderbe« säte. Verzeihe mir die Scham, die ich Dir antue, ich bin ein Märtyrer. Ferner wurden auf dem Schreibtische des Selbstmörders zwei Papierbündel gefunden, welche die Aufschrift: Be­weis für Diebstähle, Beweis für Unterschlagungen trugen. Diese Schttftstücke wurden von dem Untiersuchaungsttchter beschlagnahmt. Rach einer neuesten uns telegraphisch zugegangene« Meldung hat eine Haussuchung bei der Schwefle» Candide ein überraschendes Resultat gezeitigt. Man fand eine Menge Pfandscheine über Schmuck» fachen und für 1250 000 Francs Wertpapiere.

♦♦ Kreta Konstantinopel, 20. Mai. Die Bot­schafter der Kretaschutzmächte ttaten gestern Abend zu einer Besprechung zusammen, in der beschlofle« wurde, der Pforte eine Rote zu überreichen, i» der erklätt wird, daß der Eid der kretischen Depu- Werten als nichtig betrachtet werde.

Der Komet.

Verschiedentlich wird zum Ausdruck gebracht, daß der Durchgang der Erde durch den Schweif de» Kometen vielleicht noch gar ncht erfolgt sei. Dr. P. Euthnick von der Berliner Königl. Sternwarte hat entdeckt, daß man mit voller Bestimmtheit noch nicht sagen könne, wann «nd ob der Durchgang stattgefun­den habe. DasBerliner Tageblatt" läßt fich au» Wien melden: Die heutige Rächt hat nach den Be­obachtungen auf dem Sonnenwendstein mit einer großen lleberraschung geendet. Der Kometenschweif, durch den wir in der heutigen Rächt gehen sollten, lag gegen Morgen noch außerhalb der Erde, und zwar nach seinem Aussehen zu schließen, «m ein recht beträchtliches Stück. Ist die Beobachtung richtig, so kann die Erde noch nicht durch den Kometenschweis gegangen sein, und dies erfchtießt Ne weitere An» «ahme, daß der Kometenschweif in der Ebene der Bahn nach rückwärts gekrümmt ist. Dann aber ist der Durchgang der Erde durch den Schweif erst etwas später zu erwarten. 'Beobachtungen in den folgende» Nächten werden darüber Auskunft geben. Dan» wäre auch das Austauchen des Kometenschweifes am Abendhimmel erst in einigen Tagen zu erwarten; es wäre denn, daß Nr Komet, ähnlich dem vom Jahre 1858, zwei Schweife, einen geraden und einen ge» krümmten, hätte. Dann wäre die ErN durch Nn ge­raden Schweif gegangen und dieser Schweif würN dann, genügende Lichfftärke vorausgesetzt, bald am Abendhimmel erscheinen, während dies für den ge­krümmten erst später einhete« würde. Es könnt« somit eintreten, daß am Morgen und am Abend ft ein Kometenschweif des Halley fichtbar wäre.

Frankfurt, 20. Mai. Vom Feldberg-Observa- torium Ns Physikalischen Vereins «miN heute Abend Nr Kometenschweif als ein klarer roter Licht- ftteifen, der fich von Westen nach Norden über 90 Grad erstreckt, gesichtet. Der Streifen war gestern von Westen nach Süden gettchtet fichtbar, wurde aber nicht als Kometenschweif erkannt.

Berlin, 21. Mai. Von der Königlichen Stern, warte aus konnte gestern Abend zwischen 'M 8 «nd 1 llhr Nr Komet durch das große Fernrohr am roefb lichen Himmel beobachtet werden. Der Komet ev schien ld>iglich al» großes Flechsen. Heute Abend geht Nr Komet eine volle Stunde später auf al» gestern. Auf dem dunkleren Himmelsgrund wird et bei klarerer Witterung vielleicht bester ju beobachte» sein. In Breslau ist in Nr Rächt vom 19. auf den 20. Mai auf Nr Universitäts-Sternwarte der Dorllbergang Nr ErN am Schweife des Kometen be»