Nnd den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."
45. Jahrg.
Die Jnsertion»gebühr beträgt für die Tgefpultene Seile ober beten Raum 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. — Druck und Verlag: Joh. Äug. Koch, UniversitätS-Buchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Sonnabend, 21. Mai 1910
Tie „Oberhessifche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme ber IWn 11ß Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel-
e/I=. Uv jährlich durch di: Post bezogen 2 25 X (ohne Bestellgeld), bei
unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 X.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 41.
Deutschland und Persien.
Deutschland hat ein wesentliches Interesse daran, sich die „offene Tür" in Persien für seinen Handel zu sichern. Run haben aber England und Rußland sich zusammengetan, um in Persien jeden dritten auszuschlietzen. Daß Deutschland ntürlich nur wirtschaftliche Zwecke dort verfolgt, weiß Rußland wie England ganz genau. Es gilt aber, den lästigen Deutschen hinauszubeißen, und jo wird das alte gute Rezept angewandt, unsere Absichten zu verdächtigen. Man liest da in der „Rowoje Wremja": .
„Deutschlands wirtschaftliche Interessen in Persien sind zwar gering, trotzdem müssen sie natürlich berücksichtigt werden. Wenn Deutschland dagegen politischen Einfluß in Persien beansprucht, dann begeht es ein Verbrechen gegen den europäischen Frieden. Denn Britannien und Rußland müssen eine derartige Anmaßung zurückweisen."
und die englische Presse sekundiert dieser Mache kräftig.
Die „Köln. Zeitung" wendet sich jetzt osftziös in einem längeren Artikel gegen die Aeußerungen der russischen und englischen Presse über die persische Frage, insbesondere gegen die „Rowoje Wremja", die ersichtlich wiederum Deutschland als einen internationalen Stoerensried hinzu-' stellen wünsche. Dazu bediene sich das Blast durchweg falscher Behauptungen. Falsch fei, daß die Deutslche Bank Persien eine Anleihe zu sehr schweren Bedingungen angeboten habe. Die Deutsche Bank habe überhaupt in Persien keine Anleiheverhandlungen geführt. Falsch sei ferner, daß deutsche Finanziers um eine Konzession zu einer Verbindung Persiens mit der Magdadbahn nachgesucht hätten, ebenso sei die Behaupwng von einer deutschen Konzession auf den Urmiasee nur ein Phantasiegebilde. Deutschlandstehe bei der Wahrung der wirtschaftlichen Interessen Persiens aus einem sehr klaren und einfachen Bertrags- standpuntt und könne sich auf das russisch englische Abkommen vom Jahre 1907 und die damals von Petersburg und London gegebenen Zusicher- ungen berufen. Der deutsche Standpunkt sei seit den Erklärungen des Fürsten Bülow im Reichstage unverändert. Politische Aspirationen Deutschlands in Persien existieren nicht. Auch die „Rowoje Wremja" anerkenne anscheinend da- Prinzip der Gleichberechtigung, lasse aber nicht erkennen, wie sie sich die Wahrung dieses Prinzi- pies vorstelle. Die „Köln. Ztg." erinnert daran, daß seit Jahren eine deutsche Gesellschaft eine freilich nicht ausgenutzte Bankkonzession in Persien besitze. Wenn die „Rowoje Wremja" bezüg- lief) der offenen Tür die Grundlagen des Völkerverkehrs in Frage zustellen zu dürfen glaube, so ist es unzulässig der deutschen Politik vorzuw r- fen, daß sie diese Grundlagen erschüstere. Die deutsche Politik entfernte sich niemals auch nur einen Schritt von dem Boden des Vertragsrechts. Die „Köln. Ztg." erblickt in dem hier charakterisierten Artikel der „Rowoje Wremja" keine amtliche Aeußerung, da der russischen Regierung die Tatsachen amtlich bekannt sind, glaubt aber es fei nutzlos die Haltlosigkeit dieses Arttkels zu erweisen.
Es ist eben der alte Trick, Deutschland als denStörenfried hinzustellen. Das kann uns freilich kalt lassen. Mit den eOvaigen Entschuldigungen
87 (Nachdruck verboten.)
Um Ehre und Recht.
I Roman von O. Ll^er.
l Fortsetzung, l
„Aus Ihren Worten, aus Ihrer Verlegenheit <n'ne6me ich," fuhr Fritz ernst fort, „daß sie von den. Gerücht wissen, das über mich im Umlauf Ist Sie wissen vielleicht auch, daß es die Frau Baronin Hambach gewesen ist, welche dieses Gerücht verbreitet hat, ja, daß diese Dame mich jetzt öffentlich zum Diebe machen will — nun, Herr Grupe, meine Ehre gegen die andere Ehre."
„Um des Himmels willen, Herr Born, Sie wollen doch damit nicht sagen, daß Sie die Ehre der Familie vernichten wollen, weil ein Gerücht über Sie in Umlauf ist, welches Ihren Ruf schädigen könnte?"
„Es fällt mir nicht ein, eine derartige Rache zu üben. Ich bin Erika zu dem größten Danke verpflichtet und würde mein Leben für ihre Ehre lassen, wie sie in ihrem Opfermut für meine Ehre eingetreten ist. Was ich Ihnen sage, geschieht im Auftrage Erikas, verstehen Sie mich wohl. Richt bin ich es, der zu Ihnen spricht — der freie Wille der Baronesse ist in keiner Weise beschränkt, sie kann gehen, wann und wohin sie will —, aber sie zieht es vor, hier zu bleiben, dis ihre Mutter, die Frau Baronin, durch eine tsfentliche Erklärung und Abbitte meine Ehre wieder hergestellt hat. Die Baronesse läßt Sie
und Richtigstellungen schaffen wir diese perfide Manier natürlich nicht aus der Wett, zumal sie ja in einem gewissen Teil der deutschen Presse selbst den stärksten Nährboden findet, wo die „Rieder tracht' der deutschen Regierung fortgesetzt so laut verkündet wird.
Unsere Friedfertigkeit brauchen wir nicht zu beweisen. England und Rußland kennt die auch ganz genau, wenn die dort in nationalem Sinne wohldisziplinierte Presse einmal ein Interesse daran haben sollte, diese Seite hervorzukehren. Andrerseits kann es für die Vertretung unserer Interessen im Auslande nur von Nutzen fein, wenn wir keinen Zweifel darüber lassen, daß törichte Verdächstgungen uns in der Verfolgung dessen, was wir für im Auslande richtig und notwendig halten, nicht beirren.
Zum Tode König Eduards.
London, 19. Mai. Kaiser Wilhelm ging um 10 Uhr 25 Minuten in Port Victoria an Land, um im Sonderzuge nach London zu fahren.
London, 19. Mai. In Begleitung des deutschen Kaisers auf der Fahrt von Port Victoria nach London befanden sich Feldmarschall Roberts, General Sir Leopold Sweine, Oberst Segge, Bot schafter Gras Wolff Metternich und der deutsche Marineattach6 bei der Botschaft in London Kapitän Widemnann. An den Zugängen zum Bahn hos, sowie an den nach dem Buckingham-Palast führenden Straßen hatten sich große Menschenmengen angesammelt. Aus dem Bahnsteig befanden sich außer den Mftgliedern der Botschaft der deutsche Gneralkonsul Geheime Legationsrat Dr. Johannes und mehrere hundert Zuschauer, darunter viele Angehörige der deutschen Kolonie. Kurz vor der Ankunft des Zuges erschien der König und die übrigen bereits gemeldeten Fürstlichkeiten; außer ihnen die Großherzöge von Hessen und von Mecklenburg-Strehlitz. Sobald der Zug hielt, verließ der Kaiser mit entblößtem Haupte den Wagen, trat schnell auf König Georg zu, ergriff dessen rechte Hand mtt seinen beiden Händen und küßte ihn auf beiden Wangen. Sodann begrüßte der Kaiser, immer noch entblößten Hauptes, die Herzöge von Cornwall und Con- naught, sowie die anderen fürstlichen Herrschaften. Nach Vorstellung der beiderseittgen Gefolge begaben sich die Fürstlichkeiten in die Wartezimmer und fuhren nach einigen Minuten nach dem Buckingham-Palast. Infolge des traurigen An lasses des Besuches enthielt sich die Volksmenge auf den Straßen jeder Demonstration, aber jedermann entblößte sein Haupt, als der Kaiser vorüberfuhr; die Damen winkten mit den Taschen- ttichern. Prinz Johann Georg von Sachsen ist hier etngetroffen.
London, 19. Mai. Kaiser Wilhelm itnb König Georg fuhren kurz nach 3 Uhr in Begleitung der beiderseittgen Gefolge In geschlossenen Wagen nach der Westminsterhalle.
London, 19. Mai. Zum Empfange des deutschen Kaisers waren auf dem Bahnhof anwesend: König Grorg, Herhog von Cornwall, Prinz Heinrich von Preußen, der Herzog von Connaught, Prinz Arthur von Connaught, Prinz Christian von Schleswi Holstein, Prinz Franz von Teck, Herzog von Arghll, der frühere Botschafter in Berlin, Sir Frank LasseNes und das Personal der Kaiserlichen Botschaft.
London, 19. Mai. Bor der Fahrt nach der Westminsterhalle stattete Kaiser Wilhelm dem Könige und der Pönigin einen Besuch im Marl borough House ab In Begleitung des Kaisers
ersuchen, dies ihrer Mutter, der Frau Baronin, mitzuteilen."
„Aber das ist ja Wahnsinns"
„Stein, Herr Inspektor, es ist der Mut der Wahrheit, es ist die Ueberzeugung von meiner Ehrenhaftigkeit."
„Man wird sie zwingen zurückzukebren!"
„Ich glaube kaum, daß die Frau Baronin zu Zwangsmaßregeln greifen wird. Aber um die Frau Baronin zu beruhigen, bitte ich Sie, ihr von mir zu fagen. daß ich ein weiteres Opfer von der Baronesse Erika nicht verlange, daß ich den Kamps um meine Ehre allein führen werde; nie wird ein Wort von dem großmütigen Schritte, den Erika um meinetwillen getan hat üler meine Lippen kommen: und da sie durchaus nicht nach Hambach zurückkehren will, fo werde ich ihr ein Afhl in dem Haufe meiner Eltern an« bieten, wohin sie morgen mit Miß Bavley abreifen wird, wenn die Frau Baronin sich nicht eines anderen besinnt."
„Das wird niemals geschehen, Herr Born! Sie kennen ja auch den Charakter der Baronin. Ich bitte Sie, als Ihr alter Freund, treiben Sie die Angelegenheit nicht aus die Spitze."
„Sie nennen sich meinen alten Freund — wo Ivar denn diese Freundschaft, ate man mich Inder elendesten Weise verleumdete? Wo war sie, al8 man mich sogar eines Diebstahls zieh?"
„Aber man fand doch das Etuis in Ihrem früheren Zimmer."
und des Königs auf ber Fahrt nach der Westminsterhalle befand sich der König der Belgier. Die Majestäten wurden im Hofe des Westminster- Palastes von den Lordgroßkammerherrn Eairl of Carrington und Earl Marshal, dem Herzog von Norfolk, Minister Harcourt, Sir Schömberg Stert und Mc Donnell empfangen und in das Innere geleitet Während die Herrscher durch die Volksmenge schritten, entblößten sich schweigend alle Häupter. Die Majestäten verweilten 15 Minuten in tiefer Trauer in der Halle. Sodann kehrten die Majestäten nach dem Marlborough-House zurück.
London, 19. Mai. Während die Majestäten in der Westminsterhalle verweilten, wurde der Men- schenstrom nicht unterbrochen. Die Majestäten beobachteten mehrere Minuten lang die an dem Sarg vorüberziehende Menge. Sodann betraten sie den Raum rings um den Katafalk. Der Kaiser legte am Sarge einen prachtvollen Kranz nieder. Darauf kniete der Kaiser und der König nieder und verharrten einige Minuten im Gebet. Als sie sich erhoben, waren sie sichtlich sehr bewegt und drückten sich die Hände. Diese Szene machte auf die Menge einen tiefen Eindruck.
Deutsches Reich.
— Vierte Weltkonferenz der Jnngsrnuenoereine. Berlin, 19. Mai. Heute Mittag wurde hier die vierte Weltkonserenz der Jungfrauenvereine in Ee- genwart der Kaiserin durch Frau Kultusminister v. Trott zu Solz feierlich eröffnet. Aus der Konferenz sind 22 Länder mit 850 Delegierten vertreten. Die Kaiserin wurde von dem Vorsitzenden der Jung- frcmenvereine Deutschlands, Burkhard, empfangen; sie ließ sich eine Anzahl Mitglieder de» Weltbundvorstandes vorstellen. Staatssekretär Dr. Delbrück begrüßte die Versammlung im Auftrage de» Reichskanzlers und namens der Reichsregierung. Ministerialdirektor von Thappuis hieß die Teilnehmer namens des Kultusministers unb der königlich preußischen Staatsregierung willkommen. Sodann nahm die Versammlung die Berichte des Weltbundvorstan- des entgegen. Schon vorher hatte Oberhofprediger Dryander die Grüße und Wünsche des evangelischkirchlichen Ausschusses und des evangelischen Obet- kirchenrates überbracht.
— Die Unterstützungen für Tabakarbeiter. Berlin, 19. Mai. Unter dem Vorsitze des Staatssekretär« des Reichsschatzamtes Dr. Wermuth fand im Reichsschatzamte eine Beratung mit den Vertretern des Deutschen Tabakarbeiterverbandes, des Verbandes christlicher Tabak- und Zigarrenabeiter, des Verbandes der Zigarrensortterer und der Kistenbekleber Deutschlands statt. Gegenstand der Beratung war die künftige Gestaltung der Unterstützungen für Tabakarbeiter, die durch das Tabaksteuergesetz in ihrem Gewerbe beeinflußt find. Morgen, Freitag, wird im Reicksschatzamte dieselbe Frage mit den Sertertern ber deutschen Tabakindustrie besprochen. Alsdann sollen die neuen Grundsätze ausgearbeitet werden, aber vor einer endgültigen Entschließung die Verbände nochmals gehött werden.
— Der „Anhalt"-Etreit. Berlin. 18. Mai. Von unterrichteter Seite wird der „Rat.-Ztg." bestätigt, daß der Dampfer „Anhalt" in Tsingtau verkauft worden ist, und daß die russische Regierung es unterlassen hat, durch gerichtlicke Schritte ihr Besitzrecht geltend zu macken. Die „Anhalt" ist unter japanischer Flagge nach Dalnn obgegangen.
„Kann es nicht ein anderer dorthin gelegt haben Herr Grnpe?"
Er sah den alten Mann fest an. Dieser zwinkerte verlegen mit den Augen, und dann brach er los:
„Der Henker soll mich holen, Herr Born, ich habe Sie stets für einen ehrlichen Menschen geholten ! Die dumme Geschichte damals im „Weißen Roß" lag ja auch ganz anders, als sie dieser Schleicher, der jetzt leider Gottes den Herrn auf Hambach spielt, dem seligen Baron erzählte. Wir haben dos später erfahren. Aber das Weibergeschwätz hat mich ganz dumm gemacht, zuerst bte Baronin, dann meine Alte und meine Tochter, die dumme Gans, und schließlich diese Frau Julie von Vrokowskv — ber Kuckuck hole sie alle!"
„Wir wollen nicht zu fchars mit ihnen in daÄ Gericht gehen lieber Herr Grude," entgegnete Fritz lächelnd, „wenn sie nur ihren Irrtum einseben. wie Sie es eben getan haben. Sagen Sie ber Baronin, daß ich jederzett zur Versöhnung bereit bin, daß ich alles, was geschehen ist, vergessen werde, nur muß auch sie von ihrem verhängnisvollen Irrtum zurücktteten unb offen unb frei bekennen, daß sie sich geirrt hat."
„Sagen will ich's ihr schon Herr Born," erwiderte ber Inspektor unb rieb mit verlegener Geberde fein Kinn. „Aber ob's etwas nützen wird, daS bezweifle ich. Der Herr Stanislaus unb bie Frau Julie haben ba zu großen Einfluß. Ach, lieber Born, Sie wissen garnicht, was baS
— Der Deutsche Techniker-Verband hatte sich, wie wir bereits berichteten, während der Pfingsttage in Stuttgart zu seinem 20. Verbandstage versammelt. An 800 Abgeordnete wohnten der Tagung bei. Zur Eröffnungsfeier, an der Staats- und städtische Behörden teilnahmen, sprach Herr Prof. Wilbtandi- Tübingen über „Technik und Organisation" und legte die Zusammenhänge zwischen beiden klar. Sie ergänzen sich zu einander zum Vorteil unseres Wirtschaftslebens, sodaß es für bie Techniker Pflicht ist, sich mit ihrem Kampfe um Organsation zu befassen. Das wird nicht nut ihnen in ihrem Kampfe um eine bessere Wertschätzung zum Vorteil gereichen, sondern vor allem auch der Allgemeinheit. Bei be« Verhandlungen erweckten bie Berichte Über die günstige Entwicklung der Kasse sowohl, als auch die gute Wirkung der übrigen Einrichtungen dM Beifall ber Abgeordneten. Eingehend wurde da« soziale Programm des Verbandes beraten, weiter auch bie Reichsversicherung, das Beamtenrecht und die '.lt- beitszeit. Nach langen Verhandlungen wurde eine neue Satzung angenommen, bei der besonders interessant war, ob künftig Arbeitgeber als ordentliche Mitglieder ausgenommen werden können. 18 000 Mitglieder erklärten sich dagegen, ohne damit die notwendige Zweidrittel-Mehrheit für diese Satz- ings-Aenderung zu erreichen. In einer Entschließung wandte sich ber Verbandstag an ba» Reichsamt des Innern, um durch eine Vermittlung zu versuchen, die gegenwärtige Bauarbeiteraussperrung, die auch dem Technikerstande schweren Schaden zufügt, zu beenden. Als Ort der nächsten Tagung wurde Köln bestimmt. Die Teilnehmer gingen auseinander in dem Bewußtsein, ein gutes Stück Organisationsarbeit für den technischen Berufsstand im Interesse der Allgemeinheit geleistet zu haben.
— Eine neue Untersuchung über bie Zerstörung des Mitttärluftschifle» „Z. f. Die „Köln. Ztg." bestätigt, daß der preußische Kriegsminister eine neue umfangreiche Untersuchung Über die Ursache der Katastrophe des Zeppelinballons bei Weilburg angeordnet hat, und baß die in Betracht kommenden Personen, namentlich diejenigen, welche die Fahrt mit- gemacht hatten, zur umgehenden Erstattung eine» detailierten Berichtes aufgefordert worden find. Heber den Abschluß der erneut anzustellenden Untersuchung wird alsbald dem Kaiser Bericht erstattet werden.
Ausland.
— Oesterreich-Ungarn. Wien, 19. Mai. Bei der Verhandlung bes Voranschlags des Ministerium» des Innern wendete sich Kramarcz gegen die Schli« ßung bet russischMthodoxen Kulturvereine in bet Bukowina, bie beshalb erfolgt sei, weil diese Vereine Unterstützungen aus Rußland erhalten hätten, indem er darauf hinwies, daß in Oesterreich evange- lische Gemeinden aller Nationalitäten vom Eustav- Adolf-Berein unterstützt würden. Ebenso bekomme ber Deutsche Schulverein vom Auslände Unterstützungen, ohne daß jemand darin etwas staatsgefähr-' liches erblicke. Alle, die gute nachbarliche Verhältnisse zwischen Oesterreich und Rußland wünschten, müßten alles vermeiden, was das Empfinden bet Russen verletzen könnte. Baron Wassilko erklärte, bei dem Eustav-Adolf-Verein und dem Deutschen Schulverein handele es sich um die Förderung deutscher Interessen durch Deutsche. In der Bukowina.
jetzt für ein Leben auf Hambach ist! Ich alter Mann muß mich von biefem dummen Jungen schikanieren lassen, wenn das noch lange so fort* geht, bann kündige ich meine Stellung auf. Dabei verliert selbst ein Esel bie Geduld!"
„Sie müssen in Hambach bleiben, Herr Grupe," sagte Fritz ernst, „um bie Baronin und der ganzen Familie willen. Sie sind ja doch bet einzige, ber diesem jungen Menschen mit Erfolg entgegenarbeiten kann. Denken Sie daran, was geschehen würde, wenn Stanislaus Prokowskh ganz allein in Hambach herrschen würde."
„Dann würbe ba halb ber Teufel los fein," knurrte ber alte Inspektor, „und alles drunter und drüber gehen."
„Also müssen Sie bleiben unb bürfen Ihren Posten nicht verlassen — wollen Sir mir baS versprechen, Herr Grnpe?"
„Was haben Sie beim für ein Interesse?"
Vielleicht hat Erika noch einmal einen guten Frennb auf Schloß Hambach nötig."
„Ach fo — ba haben Sie recht! Hier meine Hanb, Herr Born, ich bleibe auf meinem Poste« unb der Frau Baronin werde ich auch meine Meinung fagen."
„So ist's recht, liebet Grupe. Sind wir mm wieder Freunde?"
„Ja — und für immer!"
(Fortsetzung folgt.)