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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain"

*ni) den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage."

.N115

TicOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit AuSnnbme der Sonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch di: Post bezogen 2 25 M (ohne Bestellgeld). bei unseren ZeiiungSstellen und der Expedition (Markt 21), 2 'M.

Marburg

Freitag, 20. Mai 1910.

Die JnsertiouSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. Druck und Verlag: Joh. Äug. Koch, UniverfitätS-Buchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Rarburg, Markt 21. Telephon 56.

45. Jahrg.

Examen-Fetischismus.

4 Man schreibt uns:

Mit den, nach kurzer Abschwächung jetzt nun schon wieder saft zwei Jahrzehnte hintereinander andauernden Andrang zur juristischen Laufbahn Ist naiiirlich auch die Zahl der Assessoren wieder erheblich gestiegen. Die zahlreichen Ernennungen »euer Richter im Jahre 1900 in Verbindung mit der Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches haben auch nur auf eine kurze Frist Lust verschaf- scn können. Es ist begreislich, wenn die oberste glisiizbehörde angesichts dieses Uebcrflusses an siesioren daran denkt, minder taugliche Elemente abzustoßen und so die Tütigeren nicht allzulange ü.f? die Ernennung zum Richter warten zu lassen. Der preußische Justizminister soll die Absicht ha­ben, drei Klassen von Assessoren zu schassen und der aus den Ulindesttüchtigen Assessoren bestehen­den dritten Klasse den Zutritt zur Richterlaufbahn zu versperren.

Entscheidend für die Zuteilung zu dieser Stoffe soll die Bewährung im praktischen Dienste sein. Auch die bayerische Justizverwaltung will drei Klassen von Assessoren schaffen, und zwar je nach- dcin die Assessoren die zweite große Staatsprü­fung bestanden haben. Wer dem Prädikat I und II bestanden hat, soll Richter werden können, wer mit einer TIT, also mit Ach und Krach, durchge- kommen ist, soll von der Richterlaufbahn ausge­schlossen werden.

Diese Bewertung nach der Art der Ablegung des Examens halten wir für recht unglücklich. Wir haben eben Aehnlichcs bereits bei der Marine. Dort werden die Fähnriche in der Reihenfolg« des Bestehens der Offiziersprüfung zu Offizieren ernannt. Dies hat zur Folge, iu.ß die Mitgileder eii.erCrew" zwar am selben Tage Leutnant zur iSee werden, aber die Beförderung zu den höheren Stellen dann immer wieder diese Reihenfolge be- /iicksichtigt So liegt bei der Ernennung zum Korvettenkapitän zwischen dem ersten und dem letzten einerCrew" schon manchmal ein Jahr und bei den höheren Stellen wird dieser Zeitraum immer ausgedehnter. Wir halten diese Beförde­rung nach dem Examen- wie erwähnt, nicht glück­lich. Es kcknn jemand als Seekabel tein fauler Strick gewesen sein und dann mit Ach und Krach sein Ossizieröeramen machen und kann ein außer­ordentlich tüchtiger Seeossizer werden. Umgekehrt kann jemand, der ein sehr gutes Examen gemacht har, dann späterhin in seinen Leistungen r cht ngchlassen. Bei der juristischen Laufbahn ist es nicht ander?. Wir kennen einen Fall, wo ein Re- ferer.zur, der von dem höchsten Vertrauen seiner vergeseyicn Richter und seiner Kollegen getragen lns Assessorenexamen ging, nicht nur einmal, son- dun zweimal durchsiel. Nur weil sein Ober landeSgelrchlspeäsidcnt, der ganz genau seine her- dorcagenden Fähigkeiten kannte, auf das Euer« tzischstc bei den: Justizministerium für ihn eintrat, durst, er überhaupt zum dritten Male das Exa- mtr. machen, fine Erlaubnis, die höchst selten ge­währt wird. Er ift dann ein ganz ausgezeichneter Rechtsanwalt geworden mtb wäre, wenn er in d«t Richterlanfbahn geblieben wäre, auch ein vor- zllgtteber Richte, geworden. Umgekehrt kannten wir einen Referendar, der nicht übermäßig be­gabt. aber übermäßig faul und noch kurz vor fei« ftem Asseflorencxamen derart unwissend war, daß Hin thin wohlivollcnder Staatsanwalt ihm auf

das Dringendste riet, vom Examen zurückzutreten und sich lieber noch ein Jahr gründlichst vorzu- bcreiten. Dieser Mann kanr gleich beim ersten Versuche ganz gut durch und er quittierte über diesen unerwarteten Erfolg, indem er seinen ihn vor dem Justizministerium erwartenden Freun­den zurief:Sind die dumm!" womit er die Exa minatoren meinte. Das Examen hängt ober nicht nur von den Fähigkeiten und den Kenntnissen ob, sondern auch von dem Temperamente. Es gibt Leute, die im Bewußtsein der hohen Bedeutung des Examens derart nervös wurden, daß sie keine Frage beantworten können und es gibt andere Leute von leichterem und glücklicherem Tempera mente, die eine bis zur Frechheit gehendeWursch ligkeit" entwickeln und dadurch durchkommen.

Der Weg also, den das bayerische Justizmini­sterium einschlagen will, ist sicherlich sehr bedenk­lich. Der Gedanke des preußischen Justizmuu steriums, die praktische Bewährung zur Grund läge zu nehmen, ist an und für sich zweifellos viel bester.- Nur fürchten toier, daß dann der Willkür der vorgesetzten Behörde Tor und Tür geöffnet sind und daß man den Begriff der prattischen Be­währung sehr dehnbar wird gestalten können. Vielleicht tritt einmal an Herrn Beselers Stelle, von dem wir das nicht annehmen, ein Justiz Minister, der praktische Bewährung weniger in den juristischen Leistungen erblickt als in der Ent­wicklung hervorragender Fähigkeiten bei der Agi taiion für bestimmte politische Parteirichtungen. Der Möglichkeit des Strebertums wird jedenfalls durch solche schwer in eine feste Form zu brin­gende Begriffe Vorschub geleistet. Außerdem wird natürlich einem Assessor, dem eröffnet wird, daß er wegen geringer Bewährung auf Anstellung als Richter nicht zu rechnen habe, ein Makel ausge drückt. Ihm bleibt bann nichts anderes übrig, als zur Anwaltschaft überzugehen denn daß ihn, wenn er ein derartiges Attest hat, irgend ein Ort zum Bürgermeister ober Stabtrat nehmen wirb, ist auch nicht anzunehmen unb darunter leibet toieber Ansehen unb Bedeutung beS An tvattstanbcs.

Wir meinen, baß biegroben Hindernisse" in der juristischen Laufbahn nicht hinter das zweite Examen gelegt werden sollen, sondern vor das erste. Wenn jemand sein Militärjahr abgebient hat, 3V Jahr (einschließlich des Referendar examens) studiert hat und 41< Jahre (einschließ­lich des Assessorexamens) Referendar gewesen ist. also nach dem Bestehen des Assessorexamens etwa 27 bis 29 Jahre alt ist, dann ist es eine große Härte, einem Manu in diesem Mer zu erklären, daß ihm der wichtigste unb ehrenvollste Teil der juristischen Laufbahn versagt sein soll. Wir glau­ben beshalb nicht .daß der Plan bes Preußischen Justizministers sich viel Freunbe erwerben wird.

Deutsches Reich.

Einnahmen der Eisenbahn. Berlin, 18. Mai. Die Betriebseinnahmen der preußisch- hessischen Staatseinnahmen betrugen derNordd. Allg. Zeitung" zufolge im April 1910 im Per sonenverkehr 2,6 Millionen Mark gleich 5 35 Proz. weniger, im Güterverkehr 10,9 Millionen Mark gleich 10,77 Proz mehr, insgesamt einschließlich der sonstigen Einnahmen 8,5 Millionen Mark gleich 5,37 Proz. mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Zu berücksichtigen ist hierbei, daß

das Osterfest im Jahre 1910 in den März fiel und der April 1910 daher zwei Festtage weniger imb zwei Werktage mehr hatte als im Vorjahre, waS naturgemäß den Güterverkehr günftig, den Passa­gierverkehr aber ungünstig beeinflußt.

Evangelisch sozialer Kongreß. Chemnitz, 18. Mai. Heute vormittag fand im kaufmännischen Vereinshaufe die erste Haupwersammlung deS Evangelisch-sozialen Kongresses statt, der aus allen Teilen Deutschlands zahlreich besucht ist. Der Vorsitzende, Geheimrat Professor Harnack (Ber­lin) eröffnete die Tagung mit einer Rede, in der er alle Erschienenen aufs wärmste begrüßte und um lebendige, wirksame Teilnahme bat.

Der Hauptzeuge gegen den Kaiserdeputier­ten Schröder gestorben. Der frühere Gendarm Muenter unb spätere Magistratsbureauassistent ist plötzlich an einer Gallensteinoperation gestorben. Gegen Muenter schwebte beim Magistrat eine Difziplinaruntersuchung und gleichzeitig ein Ver­fahren wegen Meineides. Dieses Verfahren war soweit gediehen, daß Muenter verhaftet werden sollte. Muenter ist dadurch weiteren Kreisen be­kannt geworden, daß er als Gendarm Aussagen in dem Aussehen erregenden Prozeß gegen den Kaiserdeputierten Bergmann Schroeder gemacht bat, gegen den bekanntlich jetzt das Wiederauf­nahmeverfahren durchgeführt ist.

Bestrafte Demonstranten. Kiel, 18. Mai. Vor der hiesigen Strafkammer wurde heute gegen mehrere Teilnehmer an den Wahlrechtskrawallen in Neumünster verhandelt. Von den wegen Auf­laufs bezw. tätlichen Angriffs und Beleidigung angeklagten fünf Arbeitern wurden zwei zu einem Jahre drei Monaten, einer zu einem halben Jahre vier Monaten unb zwei zu zehn Monaten Gefängnis benirteilt

Ausland.

** Zum Tode König Eduards. London, 18. Mai Um die Aufbahrung der Leiche in der Weftminsterhalle zu sehen, begannen schon nachts große Menschenmengen sich reihenweise aufzu­stellen und warteten geduldig trotz des strömen­den Regens stundenlang. Mit dem Beginn des Bahn- und Omnibusbienstes mtb des Verkehrs der elektrischen Bahnen strömten neue Massen, haupt­sächlich Arbeiter hinzu. Als die Halle um sechs Uhr geöffnet wurde, waren gegen zehntausend Menschen versammelt. Von da ab wurde ein un­unterbrochener Menschenstrom langsam durch die Halle geleitet. Um acht Uhr war die Zahl der auf den Straßen Wartenden auf etwa hundert­tausend gestiegen. Vlissingen, 18. Mai. Die KaiserjachtHohenzollern" mit dem Kaiser ist um 11 Uhr in See gegangen. Berlin, 18. Mai. Auf Befehl des Kaisers wirb bie deutsche Marine bei den Besetzungsfeierlichkeiten für den verewigten König Eduard VII. von Großbritannien durch eine Deputatton, bestehend aus dein Großadmiral Prinz Heinrich von Preußen, Königliche Hoheit, Kapitän z. S. Hopmann, Kommandant S. M. S. Rheinland", und Fregattenkapitän v. Egidy von der Marinestatton der Ostsee vertreten fein.

** Erste Lustschiffahrts-Konferenz. Paris, 18 Mai. Der Minister der öffentlichen Arbeiten, Millerand, eröffnete beute die Erste Luftschifs- fahrts-Konferenz. Millerand wies auf die Not­wendigkeit bin, für die Luftschisfabri ein Regle­ment aufzustellen. Die Teilnehmer an der Kon­ferenz würden zahlreiche einander entgegen»

86 (Nachdruck verboten.)

Ilm Ehre und Recht.

Roman von O. Elfter.

(Fortsetzung.)

Ich habe es nicht anders von dir erwartet," rntgegnert sie,deshalb will ich auch Zeugnis für beitu Ehre vor aller Welt oblegen. Und nun höre wie eS kam, daß Ich meine Mutter verließ." Neben ihm sitzend, seine Hand in der ihrigen foaltenb, erzählte sie, was am Nachmittag ge» schcben war, und er hörte ihr mit stets wachsen­den: Erstaunen, mit stets sich mehrender Ver- hiinberung zu.

Dann erzählte auch er. Aber jeder Zweifel, jede Mutlosigkeit Ivar von ihm gewichen; er sah Jetzt mit fröhlichem Mut dem Kampfe entgegen, iatie er doch eine Wassengefährtin gefunden, wie ix sie mutiger, kraftvoller, hoffnungsfreudiger nicht hätte ftnben können.

Wohl eine Stunde saßen sie im Gespräche zu­sammen, all das Rollen eines Wagens, der aus den Hof fuhr, sie aushorchen machte.

»Man kommt, mich zurückzuholen," sagte Erika lächelnd, indem sie sich erhob.

Der Wagen hielt vor dem Hause. Fritz war n das Fenster geeilt.

ES ist der Jnspeftor Grupe," sagte er.Was willst du tun, Erika 1"

.Wenn bet Inspektor im Auftrage meiner Mutter kommt, sage ihm, baß ich nicht eher wie­der zurücklehren ioflrbe, als bis meine Mutter sich von den falschen Freunden befreit und deine Ehre wieder hergestellt hat."

Unb du?" J Sfü"

Laß mich in ein anderes Zimmer treten. Miß Bahleh wird bei mir bleiben. Nicht wahr, meine gute Miß Bayleh?"

Gewiß, ich verlasse dich nicht, mein Kind." Die Wirtschafterin Friß Borns trat ein.

Herr Born, der Herr Jnspeftor Grupe wünscht Sie in einer dringenden Angelegenheit zu sprechen."

Es ist gut, lassen Sie ihn eintreten aber vorher führen Sie diese Damen in die Zimmer, welche meine Mutter bewohnt hat. Auch können Sie den Damen Tee und kalte Küche hinauf schicken."

Er hatte seine ganze Kaltblütigkeit wieder ge­wonnen so daß er schon wieder an die leiblichen Bedürfnisse seiner Gäste denken konnte.

Miß Bahlev begrüßte bie Aussicht auf eine Tasse ihres geliebten Rationaisgetränkes mit Dank, die Erregung des Tages war für ihre Nerven doch etwas zu stark gewesen, so daß sie einet Beinen Erfrisckmng bedurfte.

Sie reichte Fritz die Hand.Sagen Sie Herrn Grupe auch noch von mir," sagte sie sehr energisch,daß ich, Miß Florence Bavleh, unsere Erika nicht verlassen und für ihre Sicherheit ein» stehen werde."

»Ich danke Ihnen Miß Bayleh ich werde es dem Herrn Jnspeftor ausrichten," entgegnete F»itz lächelnd.

Dann entfernten sich die beiden Damen mit der alten Wirsschasterin, die erstaunt über alles was sie sah unb horte, den Kops schüttelte.

Fritz ging einige Male im Zimmer auf und ad. Er befand sich in einet frohen, freudigen Stimmung. Jetzt mußte fa alles gut werden."

So ging er dem Jnspeftor entgegen, der in steifer Haltung und mit ernstem mürrischen Gesicht eintrat.

Herr Inspektor Grupe, was verschafft mir die Ehre Ihres so späten Besuches? Wollen Sie nicht Platz nehmen?"

Ich danke," entgegenete Grupe steif.Ich ziehe es vor, zu stehen."

Wie Ihnen beliebt. Wollen Sie eine Zigarre?"

Ich danke Herr Born, ich komme nicht als Gast zu Ihnen, sondern im Auftrage meiner Herrin, der Frau Baronin Hambach Wald- statten."

Sehr angenehm."

Mein Auftrag ist sehr ernst, Herr Born, und ishr leichter Ton paßt nicht zu demselben."

Also dann ganz ernsthaft: was wünscht die Frau Baronin von mir?"

Die Frau Baronin hat zu ihrem größten Erstaunen und Schmerz durch einen Brief der Baronesse Erika erfahren, daß diese sich in Ihrem Haufe befindet. Ist das so?"

Allerdings. Baronesse Erika hat sich in mei­nen Schuh gestellt, ba sie in Schloß Hambach vor Beleibigungen nicht sicher war."

Herr Born Sie überlegen sich wohl nicht die Tragweite Ihrer Worte. Der Aufenthalt einer jungen Dame im Hause eines unverheirateten Mannes schickt sich ganz und gar nicht und schädigt den Rus der Dame."

Im allgemeinen haben Sie recht, Herr Jn- freftor. Aber es gibt Verhältnisse im menschlichen Heben, wo man sich Aber diese allgemein gültigen Gesetze hinwegzusetzen genötigt sst "

stehende Forderungen auszugleichen haben nutz bei der gegenwärtigen Regelung auch der Zn- htnft die noch manche Ueberraschung auf dem Ge­biete der Luftfchissahrt dringen werde, Rechnung tragen müssen. Auf der Konferenz sind insge­samt 18 Staaten vertreten.

* Die russische Duma und Nie fremde Ein­mischung in die finnische Angelegenheit. Peters­burg, 18. Mai. Rach der Erössnung der heutigen Sitzung der ReichSduma legte das Mitglied bet extremen Rechten, Graf Bobrinsft, ensschieden Protest ein gegen ein ihm zugegangenes Memoire englischer und irischer Parlamentarier in bet finnischen Angelegenheit. Bobrinsft schloß seine Ausführungen mit den Worten: Was würden die Engländer sagen, wenn ihnen seitens Rußland- Ratschläge erteilt würden, wie sie sich gegenüber Irland oder Indien zu verhalten hätten. Mag bie unS befreunbde englische Ration wissen, daß auch In Rußland und speziell in der Duma Leute vorhanden sind, die jegliche Einmischung von Auslänbern energisch zurückweisen. (Stür­mischer Beifall rechts und im Zentrum.)

** Marokko. Paris, 18. Mal. Aus Mequlnez vom 12. März wird gemeldet: Hadj Ben Aissa, Gouverneur der Stabt, ist wegen der in der hie­sigem Gegend vorgekoinmenen Unruhen verhaftet unb nach Fez transportiert worben; gegen feinen 9ruber und seinen Sohn wurden Verhaftungsbe­fehle erlassen. Die Käinpfe brr Stämme Gusroun und Zemmur dehnten sich bie in die Stadt ans.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalarttket ist gemäß § 18 des Urheberrechts nur mit bet deutlichen Quellenangabe Oberhefl. Zig." gestattet.)

Marburg, 19. Mai. '

Das Rahen de» Äomets bildete gestern da« Tagesgespräch. Wohl fetten wurde das Himmelsge­wölbe fo genau betrachtet, ote gestern Abend und vergangene Nacht. Jedenfalls ist hier von dem Durchgang des Kometen vor le: Sonne wegen bei bewölkten Himmel» nichts zu sehen gewesen. Auch von der Sternwarte au» ist nichts von dem Komet gesehen worden. Viele Leute haben sich vergeblich auf da» Schloß unb andere erhöh e Punkte bemüht. Der Durchgang bet Erbe durch ben Kometen har sich nun mittlerweile vollzogen und die von bem einen ober anderen gehegte Befürchtung, baß es zur Kata­strophe kommen würde, hat sich nicht erfüllt. Der Komet wird jetzt als Abendsiern sichtbar werden, unb zwar geht et am 19. Mal 40 Minuten nach den Sonne unter; am 20. eine Stunde 50 Minuten,' am 21. zwei Stunden 14 Mn.; am 22. zwei Stunden 44 Mln.; am 23. drei Stunden 3 Mln., am 24. drei Stunden 15 Mtn.; am 25. drei Stunden 20 Min. Am 19. unb 20. Mai abend» wird et auf dem hellen Erunde bet Abenddamerung für bas bloße Auge kaum sichtbar fein. Erst vom 21. Mal ab, wo et mehr als zwei Stunden nach der Sonne untergeht, kann man erwarten, Ihn beutttchet zu sehen. Den günstigsten Tag für bie Sichtbarkeit bes Phänomen» werden voraussichtlich in die Zelt vom 23. Mai bi» zum 26. Mal fallen. Indem sich der Komet dann mit größerer Geschwindigkeit sowohl von bet Erde wie auch von bet Sonne entfernt, nimmt auch feine Helligkeit sehr rasch ab.

SBiffen Sie, daß Sie fich mit dem Strafgesetz in Konslitt bringen, Herr Born? Baronesse Erika ist noch minderjährig, wenn Sie dieselbe zurückhatten . . ."

Ich halte sie nicht zurück, mein lieber Grupe. Baronesse Erika ist freiwillig hierhergekommen, es steht ihr jederzeit frei, mein Harts wieder zu verlassen, lieber ihre Sicherheit können Sir aber beruhigt sein, Miß Bayleh ift bei ihr und wird sie nicht verlassen."

Das ist noch ein Glück, obgleich doch das steht auf einem andern Blatt. Ich muß Sie er­suchen, Herr Born, mich zu Baronesse Erika zti führen."

Es tut mit leib, Ihren Wunsch nicht er­füllen zu können."

Herr Born?!"

Baronesse Erika hat mich beauftragt, Ih ren zu sagen, daß sie Sie nicht empfangen könne. Nebtigens haben sich bie Damen schon zurückge­zogen."

Aber ich muß Erika sprechen! Herr Born, begreifen Sie denn nicht, was auf dem Spiele steht? Der Ruf, die Ehre der jungen Dame, dcr Rnf, die Ehre der ganzen Familie! Roch läßt sich Sie Sache verheimlichen, und ich hoffe, Sie werden uns dabei behilflich fein."

So, Herr Grupe, der Ruf, die Ehre der hoch­freiherrlichen Familie fleht auf dem Spiel ? Glauben Sie, daß mit mein Ruf, meine Ehre nicht ebenso viel wert ist?"

Herr Bom . . ." warf bet Jnspeftor mit stchflicher Verlegenheit ein,davon ist jetzt nicht die Rede."

(Fortsetzung folgt.)