mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg uud Kirchhain
«nd den Beilagen: Illach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) «nd.Landwirtschaftliche Beilage.«
M 112
Zweites Blatt
Zivil-
de«
find die
schließ. Strecke
daß er geleitet
,mng zu regeln und Vorsorge zu treffe«, nach Möglichkeit durch andere Straßen
würde.
Ein sachverstälchiges Gutachten
Ingenieurs Covacs besagt folgendes:
Für die Rentabilitätsberechnung litt, von dem Sachverständigen sür
I Die Jnsertionlgebühr beträgt für ine 7gc,paltene Zeile I
oder deren Raum 16 Pfennige, für Reklamen 30 Menniqe - I jk Aftthr (L Druck und Verlag: Joh. «ug. «och. UnwersttatS-Bmbdrucker-i I H*
Inhaber Dr E Sitzerath, Marburg. Markt 21. — Telephon 56. |
Marburg-Rord—Marburg Süd im Tal fftr den gefahrenen WagenNlometer bet 10 ÜRinutetv Verkehr 24 Pfg. und für die Strecke Markt bis Bahnhof-Süd 18 Pfg. im Durchscksttttt als Einnahmen angenommen. Er ftitzt bezüglich dieser Annahme darauf, daß die Pferdebahn Marburg. Nord—Wilhelmsplatz jährlich 25000 Mark eingebracht hat. Diese leistete täglich twm alten Fahrplan 202 Wagenkilometer und nahm im Jahres, durchschnitt für den gefahrenen Wagenkilometer 83,6 Pfg. ein. Der Sachverständige nehm also an, daß bet erheblicher Mehrleistung bezüglich der Fahrten und größeren Länge der Strecke man auf rund % dieser Einnahmen für die Talstrecke und rund y» derselben für die Strecke Markt—Mar- bnrg-Süd rechnen könne.
Betreff« der Verwendung der alten Gleife und der Berechnung der Betriedskostn heißt eS u. a.: Di« geldliche Bedeutung und Verwendung der alten Gleis« liegt darin, daß für die Strecke Bahn- hnf Nord—wilhelmsplatz, runb 2,5 Kilometer, die Beschaffung und Verlegung neuer Schienen rund bl MO Mark kosten würde. Für Herrichtung des vorhandenen Gleises werden rund 11000 Mark gebraucht, sodaß 40 000 Mark erspart würden. Allerdings find die Unterhaltungskosten etwa« höher für das alte Gleis. Auch muß eine höhere Summe in den Ernenenmgsfonds gelegt werden.
Der Plan, die Strecke Wilhelmsplatz—Babn- Hof-Süd auszilbauen und die Wagen durch Pferde befördern zu lassen, wurde hierauf all undurchführbar aufgegeben.
Die Erfolge der Wrforqeerfielnmg im Reclienmqsbemk Caffel.
Auf Beranlaffung des Herrn Ministers de« Inner« ist dem Regierungsbezirk Cassel eine Statistik über Leben und Verhalten der au« der
Marburg
Soimtafl, 15. Mai 1910.
neuenmgsfonds 2100 Mark und für die Verzinsung 900 Mark = 3000 Mark für die erste Ste cke und für die vereinigte« Lüste« 3000 + 1300 — 4300 Mark. Für die Stadt könne« als» 3080— 3213 = 1767 und 4300—1213 = 3187 Mark weniger in die Berechnung eingesetzt werden, ohn« daß sie hierdurch weiter belastet wird.
Die Kommission hat inzwischen ein anderes Projrtt, nämlich den Bau der Berbindungstrecke Pilgrimstein (Ecke der Deutschhausstratze)—Markt bearbeitet.
Der Betrieb sollte f» gestaltet werden, daß alle 10 Minuten ein Wagen von Bahnhof Nord abgeht und abwechselnd einmal über den Markt, das andere Mal über den Rudolpbsplatz fährt. Die Wagen machen dann jedesmal eine Rundfahrt. Es zeigte sich, daß bei dieser Anordnung ein Wagen weniger zu fahren braucht. Es be- tnige« alsdann die Anlagekosten 300 600 Mark, gefahren wurden 255 000 Wagenkilometer im Jahre. Für die Einnahmen wurden auf der Snecke Rordbahnhof—Wilhelmsplatz 166 440 Wagenkilometer mit 24 Pfg und für die Strecke Wilhelmsplatz—Bahnhof Süd 86198 Wagenkilo Meter mit 18 Pfg in Rechnung gestellt, waS eine Einnahme von 55 560 Mark ergab.
In der Sitzung der fast vollzähligen Kommif- sion am 1. April 1910 wurden die Resultate der verschiedenen Berechnungen eingehend durchgesprochen. Bezüglich der Schätzung der Einnahmen war man fast übereinstimmend der Ansicht, daß der niedrigste der Erfahrungssätze, nämlich 20 Fahrten auf den Kopf der Bevölkerung — bei 22 000 Einwohnern eine Einnahme von 2 X 22 000 Mark ^-44 000 Mark - als Mindesteinnahme für Marburg angenommen werden dürfe, lieber dir Wahl der Strecken kam es zu folgenden Abstimmungen: Das weitaebendste Pro» sek. — Neubau Anlagekapital 300 600 Mark — wurde mit 9 gegen 2, das folgende Projekt — Anlagekapital 289 000 Mark — mit 7 gegen 4 Stimmen abgelebnt. Die Talbahn Babnhvf- Nord — Bahnhof-Süd — Anlagekapital 252 000 Mark — wurde ober einstimmig angenommen.
Es wurde weiter ausgesprochen, daß nur die gespannte finanzielle Lage davon abgehalten Hal«, gleich dem weiteren Ausbau der Stadtbahn näher zu treten und einstimmig beschlosien, die Strecke Marst—Wilhelmsplatz für den elektrischen Betrieb einzurichten, sobald die Tallinie eine ausreichende Verzinsung ergibt.
An der Sitzung vom 15. April 1910 legte Beigeordneter Sardemann, einer Anregung deS Herrn Stadwerordneten Geßner folgend, Kostenanschlag und Betriebsplan vor für den Weiterbau der Linie vom Wilhelmsplatz durch die Friedrichstraße, über den Frtedrtchsplatz, Weißenburg- straße, Schwanallee zum Bahnhof-Süd. Die Mehrkosten für den Bau dieser etwa 300 Meter längeren Strecke würden rund 13 000 Mark betragen. die Jahresbetriebskosten mis 52 554 Mark steigen. Gefahren würden 270 000 Wagenkilometer, von welchen % — 90 000 Mark je 0,18 Mark und 180 000 Wagenkilometer 0 24 Mark brinaen sollen Die Einnahme berrägt dann 59 400 Mark, somit würde rechnungsmäßig ein
Ueberschuß von 59400—52 554 — 6846 Mark t)0> Händen fein.
Betreffs der Baukosten der endgültig gewählten Linien heißt e«:
Es betragen die Baukosten für die Gleisanlage 89 000 Mark, für Stromzuführung 32 000 Jl, fft» Betriebsmittel 79 600 Mark, für Werkstättenei,, rtchtung 6000 Mark, sür Reserveleile 3500 Mark, fü. Kraftwerk 30000 Mark, für Bauleitung und Bauzinsen 7500 Mark insgesamt 247 600 Mark Hierzu treten die «osten für Bau einer Wagenhalle mit Werkstatt, welche mtt 22 000 Mark vorgesehen waren und eventuell für ein geeignetes Grundstück, welches mit 10000 Mk. bewertet war.
Die Gesamttosten würden sich demnach auf 247 6000 + 32 000 + 4500 — 2841000 Mark stellen. Um einen Spielraum für unvorhergesehene Ausgaben, z. B. Kosten der Anleihe, Wartehallen usw. zu haben, wurde es für ange- zeigt erachtet, die gesamte von den städtischen Behörden ju erbittende und durch Anleihe aufzubringende Kostensumme auf 300 000 Mark abzurunden. _
Die Jahresbetriebskosten sind auf 55230 Mk. berechnet, hiervon betragen die direkten $etrieb8» kosten 32 000 Mark, der Erneuerungsfonds für neue Anlage 6850 Mark, für das alte Gleis 2100 Mark, die Verzinsung des Bmikapitals 4 Prozem von 300 000 Mark = 12 000 Mark und der Koste« des alten Gleises 980 Mark.
Die Anträge an die städttschen Körperschaften lauten:
1. Die vorhandene Straßenbahn ist von Bahn- dos Marburg-Nord bis Wilhelmsplatz für elektri- schen Betrieb umzubauen und vom Wilhelmsplatz durch Friedrichstraße—Friedrichsplatz—Wörth- straße—Schwanallee zum Babnhos-Süd Wetter z» führen. Für den Betrieb ist ein Verkehr mit einer Wag-msolge von 10 bis 12 Minuten vorzuseben.
2 Der Betriebsunternehmerin der Pferdebahn ist eine Pauschalsumme von 4500 Mark dafür zu bewilligen, daß sie der Stadt die in ihrem Besitz 1-efinNiAen 6 Pferdebahnwagen, sowie Streu- wagen und Schneepflug überläßt, auf jede Forderung für Betriebsschädiguna durch Störungen beim Bau der elektrischen Bohn verzichte« und in die Auflösung de« Vertrages zum 1. November 1910 einwilligt.
3. Zur Ausführung der Beschlsisie ad 1 und 2 werden 300 000 Mark bewilligt, welche durch eine Anleihe ausrubrinqen sind.
Die Schritt, die wir hier auszugsweise wiedergeben, enthält am Schluffe ein Anerbieten der Firma Hecker & Co in Wiesbaden, welche sich bereit erklärt hat, den Bau her Bahn zu übernehmen. _
Die Kommission war einstimmig her Ansicht, daß es nicht im Jntereffe ver Stadt liege, einer fremde« Gesellschaft eine Konzession zu erteilen.
Nachdem die Vorfragen erledigt waren, war die Kommission einig, daß man der VerkehrS- schwierigkeiten halber zunächst von der Durchführung der elektrischen Bahn durch die Bergstadt absehen wolle. Es wurde beschlosien, der Be- ttiebskommission ,6" aufzugeben, die Linie Bahnhof - Nord—Pilgtimstein—Wilhelmsplatz— Cckwanallee—Bahnhof-Süd, wie auch die Strecke Martt—Bahnhof-Süd betriebstechnisch generell unter der Annahme zu bearbeiten, daß alle 10 Minuten abwechselnd je ein Wagen vom Bahn hol Nord bis zum Amtsgericht und ein Wagen bis zum Bahnhof-Süd weiter fährt. Außerdem sollte, versucht werden, einen Wagen vom Martt nach Bahnbof-Süd alle 20 Minuten so fahren zu lasten, daß auf Bahnhof-Süd alle 10 Minuten Gelegenheit iväre, zum Martt ober nach Bahnhof Nord zu fahren. Am 8. Januar 1908 legte die Betriebskommisfion dies Projett vor. Der Baukostenanschlag schloß für die Strecke Bahnhof- Nord bi« Babnhof-Süd mtt 210 000 Mark und für die Einrichttmg der Strecke Martt—Wilhelmsplatz mit 11 000 Mark ab. Unter Annahme einer Verzinsung von rund 4 Prozent und einer Amor- ttsatton von 2 Prozent, aber ohne weitere Abschreibungen ergaben sich die Betriebskosten für die Hauptstrecke zu 40 000 Mark, für den Betrieb her Strecke Martt—Bahnhof-Sud zu 6000 Mar?.
• Die Baukosten belaufen sich nach dem Gutachten he« Sachverständigen wie folgt:
Gleisanlage a) neue« Gleis 65 000 Mark, b) alte« GleiS 11000 Mark, Stromzuführungsanlag, 27 000 Marl. Betriebsmittel 67 000 Mark. Depotanlage 27 000 Mark. Grundstückkosten 10000 Matt, Wettstarr-Einrichtung 6000 Mark, Reserveteile 3000 Matt. Kraftwerk SO 000 Mark, Bau- leitnng und Bauzinsen 8500 Matt, Summa 250 000 Watt.
Die Elektrisierung der Strecke Martt—Wilhelmsplatz soll <mBerbern kosten 11 000 Wart, womit der Gesamtanschlag die Höhe von 261000 Matt erreich!.
Freilich erhöhen sich bann die Anlagekosten für Weichen um weitere 2600 Mart und für zwei Wagen um 25 400 Mart also zusammen um 28 000 Mark, sodaß sie insgesamt 289 000 Mart betragen.
Die Gesamtjahresausgaben stellen sich für die Tallinie auf 55840 Mart und für die Martt- und Bahnhofsüdlinie einschließlich der ersteren auf 70 906 Matt Die Gesamteinnahmen werden mit 62 7000 Mark berechne! Da» Den-iebsergebnis wird also sein bei der Linie Bahnhof-Nord—Süd 4^200 Mark Einnahmen und 55 840 Matt Ausgaben, einschließlich Mark—Südbahnhof 62700 Matt Einnahmen und 70 900 Mart Ausgaben.
Die Resultate de« Covacs'schen Gutachtens wurden in der beffbefutbtm Kommissionssttzung am 13. Ma! 1908 nörgelest.
lieber die Rkinverbelastnng her Stadt durch Amortisation und Verzinsung des alten Gleis s heißt es:
Der Unternehmer Heppe zahlt jetzt wie schon erwähnt wurde, der Stadt 1213 Mark, aus der bitte ble Verzinsung und Amortisation des An- lagekspitals bestreiten mutz. Die Berechmtng Ccitnc« steht für dies alte Gleis vor für den Er»
vas Piojtkl einer elektrischen Stadtbahn ft bekanntlich noch nicht fallen gelasien. Die von »tu städtischen Körperschaften gewählte Kommis- jioii hat jetzt das Resultat ihrer Bemühungen in ftycr Schrift niedergelegt. Zunächst werden hier He früher gepflogenen Verhandlungen vom Jahre 1907 mitgeteilt.
Zur Entscheidung der Frage über Ausbau der Straßen im Süden der Stadt, namentlich der ßrankfnrterstraße, erbat die Stadtverordnetenversammlung vom Magistrat eine Vorlage übet die Linienführung einer Straßenbahn nach Bahnhof Marburg-Süd. Auf seine Anfrage erhielt der Magistrat am 18. März 1908 vom Herrn Regierungspräsidenten den Bescheid, daß bei Einhal- tun5 einer Geschwindigkeit, talabwärts von 5 Kilometern und bergauf von 8 Kilometern in der Stunde In den engen Straßen der Bergstadt und bei guter Ausrüstung der Wagen mit Bremsvorrichtungen gegen die Anlage nichts einzuwenden sei. Es sei aber der Fuhrwerksverkehr in den steilen und engen Straßen durch Pollzetverord-
Tie „Obertiessische Leitung" erscheint tästlich mit An'.mhwe der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel» jährlich durch di: Post bezogen 2 25 M (ohne Bestellgeld). bei I unseren Zertungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 'M.
88 (Nachdruck verboten.)
Um Ehre und Recht.
Roman von O. QWt.
lFortsetzung.)
.Ihr seid auch zu nichts nütze, al« auf und nieder zu schwimmen," zagte taut „©er* wie wir, bte toi kein» andere Aufgabe haben, als gequält durch das geben zu gehen."
„Sie tun sich »r unrecht. Fräulein Brite," sprach eine mannt '. S'-mme hinter Ur, und ul« sie sich leicht erschre ^mw^ndte, stand Stanislau« vor ihr, dar sanfteste »ich süßeste Lächeln, das ihm ztt Gebote stand, auf dem Gesicht.
„Sie haben den Lauscher gespielt, Herr von ProkowSkh," sagte sie mit einem verächttiche« Achselzucken und erhob sich, um in da« Schloß zu geben.
Doch Stanislaus vertrat ihr den Weg.
»Ich bitte Sie, Fräulein Erika, bleiben Siel Mit Sehnsucht habe ich den Atlgenblick herbeige- wünscht, ivo ich allein mit Ihnen sprechen kann."
.Ich ivüßte nicht, was Sie mir allein zu sagen hätten."
.Fräulein Erika — haben Sie die erste Zett unsere« Zusammenlebens vergessen? Die herrlichen Nachtstitnden, in denen Ihnen meine Geige fingen und singen durfte, was in meinem Herzen vorging? Gibt mir diese Zeit nicht daS Recht, JM Ihnen zn sprechen?"
Eine Helle Glut überflammte ErikaS Wangen, um dann einer tiefen Blässe Platz zu machen.
.Rein," sagte Erika scharf, .sie gibt Ihnen das Recht — denn jene Zeit war eine Ber- »rntng meiner Phantasie, meiner Unerfahrenheit. Ich ersuche Sie, mich vorüber zu lassen."
Ein häßliches, spöttisches Lächeln huschte über fein Gesicht.
.Roch einen Augenblick, Fräulein Erika . . Eie sprechen da von einer Verirrung, sollten
wcht eher die nächtlich«« Zufatnmenkünste mit einem getoissen Herrn Fritz Born eine Verirrung gewesen sein?"
Erika erbebte.
.Wollen Sie mich beleidigen?" stieß sie erregt hervor.
.Durchaus nicht, Fräulein Erika — ich will Ihnen mir beweisen, daß ich mehr weiß, als Ihnen lieb sein kann, daß ich aber in Ihrem Inter efl> zu fdweigen verstehe."
.Ich verlange von Ihnen kein Schwelgen über meine Angelegenheiten. Ich habe nichts zu verbergen," entgegnete sie stolz.
.Vielleicht doch. Aber wie dem auch sein mag, Mein Schweigen soll Ihnen nur meine Ergebenheit, meine grenzenlose Liebe beweisen. Ich habe Sie geliebt, Erika, seit dem ersten Augenblicke, da ich Sie gesehen habe, und niemals hat mich die Hoffnung verlassen, daß Sie «och einst die meine würden."
.Niemals l"
.Erika. . . !"
.Niemals," wiederholte Erika fest und stolz. .Und damit Sie sich weiterhin keiner betrügen» fchen Hoffnung hingeben, so sage ich Ihnen, daß ich Sie verachte."
.Fräulein Erika?!"
„Daß ich Sie verachtet feit dem Augenblick, wo Sie durch elende Verleumdung einen braven Menschen bei meinem Vater verschwärzten und sich durch erbärmliche Schmeicheleien die Gunst meiner Mutter zu erschleichen wußten. Und jetzt ersuche ich Sie nochmals, mich vorüber zu lassen."
Stanislaus war leichenblaß geworden, als ihm Erika diese Schmähungen in vollem Zorn ciUgegenfchlcuberte. Seine sonst so fünften, schläfrigen Augen blitzten auf und mtt raschem heftigen Grift erfaßte er Erikas Handgelenk.
.Das sollen Sie mir büßen," kntrschte er zwischen den Zähnen, .Sie und je«« Elende, mit
dem Sie die nächtlichen Zusammenkünfte im Patt hatten. Alle Welt so« eS erfahren, wer Ihr Gesiebter war und noch ist . . . daß Sie schamlos genug sind, den Mann zu Heben, der Ihre Mutter bestohlen hat."
Sie schrie ans unb entriß ihm mit ein« heftigen Bewegung ihre Hand.
.Sie lügen" — stieß Sie hervor. „Niemand wird Ihnen glauben."
.Alle Welt wird mir glauben — schon ruht bet Fluch der Unehrlichkeit auf Ihrem Geliebten — schon schwebt die Anttage des Diebstahls üb« seinem Haupte — « ist verloren — nur Sie können ihn retten."
Fassungslos starrte ihn Erika an.
.Ich verstehe kein Wort von dem. wa« Sie sagen," stammelte fie.
.Dann will ich deuüicher sprechen," fuhr « ruhiger fort.
.Jener Wann, mit dem Sie im Patte hl« zusammen gekommen sind, und dem Sie jetzt noch Briefe schreiben, hat sich eine« Diebstahls in Ihrem Hause schuldig gemacht. Nur Ihre Mutt« und ich wissen darum, aus Schonung für ihn haben wir bislang geschwiegen, auS Schonung auch für Sie. Erika — aber ein Wort von mit und Fritz Born steht entlarvt da — « wandert in das Gefängnis. Ihnen zu Liebe will Ich ihn schonen — unter einer Bedingung."
„Unb diese Bedingung wäre?" fragte Erika äußerlich gefaßt, wenn auch in Ihrem Innen» ein Sturm der Erregung tobte.
.Daß Sie die meinige werden."
.Da haben Sie die Antwort!" stieß fie hervor, und schlug ihm mit her Hand in daS Gesicht.
Stanislaus taumelte zurück, dann wollte et sich in sinnloser Wut ans daS Mädchen stürzen.
Da richtete sich Bella, der große Jagdhund, welch« bislang ruhig dagelege« hatte, knurrend
empor und zeigte dem Bütenben seine scharfen, weißen Zähne.
Erika erfaßte da« Halsband deS Hnndes.
.Schütze mich, Bella," sagte sie, unb bet Hmtd stieß ein dumpfe« drohendes Knurren aus. bereit sich jeden Augenblick auf Prokowsky zn stürzen.
Dieser wich zurück.
„ES ist gut," sprach « mtt vor Wut zitternd« Stimme, .ich bin gegen Sie wehrlos — aber hüten Sie sich."
Et erhob drohend die Hand und entfernte sich rasch.
(Fortsetzung folgt.)
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Pfingsten.
Der Geist de» Werbens strömt durch die Natur, Die Lebensquellen neu unb reich erschließend. Wo man hinblickt, erkennt man seine Sput: 3m Saum, im Strauch, im Blümlein, das ersprießend Mit süßem Lächeln auf zum Simmel blickt, Im Vogel, der sein schönste» Liedchen schmettert. Der Saat, die rings die Felder lieblich schmückt, Zn dem Gewitter, bas so grimmig wettert.
3m Menschen, dessen Herz so hoftend schlägt, 3m klaren Auge, bas das Schöne findet, Zm tiefen Lied, das ihn zur Höhe trägt Unb Leib unb Freude fein« Seele kündet. In feiner Hand, die grüne Maien bricht. Sein Heim zu frohem Feste neu zu schmücken Denn Pfingsten naht mit seinem Enadenlicht, Um ihn dem Alltags-Dunkel zu entrücken.
Der Geist bes Werdens strömt durch bte Äatwt, Der Pstngstgeist durch ber gläubigen Christen Seele«. Wo man hinblickt, erkennt man seine Spur, Sieht Licht unb Schatten zagend sich vermähl««.
Wie eine hehre Friedentzstmonie Erscheinen uns bes Festes Sonnentage. — 0 Menfchenherz, genieß in Freuden st, Unb flügellahm ruh' henk deine Klage.
D. Feußner, vmola» (08* r