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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg uns Kirchhain
Mtift den Beilagen: .Flach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und .Landwirtschaftliche Beilage.
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~i< „Olierbeffische Leitung« erscheint täglich mit der
Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel» iäbrüch durch di: Post bezogen 2,25 Jt (ohne Bestellgeld). bei unseren ZeitnngSstrllen und der Expedition (Markt 21), 2 ’<M.
Marburg
Sonnabend, 14. Mai 1910.
Di« JnsertionSgedühr beträgt für die 7gespaltene Zeile I oder deren Raum 16 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. — I Druck und Verlag: Job. Aug. Koch, UniversitätS-Buchdruckerei I Inhaber Dr. C. Liherotb. Marburg. Markt 21. — Telephon 55. |
45. Jahrg,
Ter hclrLrgcn Nummer liegt bei Kreisblalt Nr. 39.
Theodor Noojevelt die Weltkliltur-Bewegung.
;■ In der Aula der Berliner Universität sprach ^Theodor Roosevelt vor einer glänzenden Hörer- ftitaft über die „Welffultur Bewegung". The World Movement.)
In seinen Einleitungsworten gedachte Roose- >dt des bevorstehe,iden Jubiläums der Universität Berlin und der eigenartigen Gefühle eines Mannes, der von einer noch im Werden begriffe- luti Ration in ein Land mit unvordenklicher Vergangenheit kommt, zumal wenn dieses Land mh seiner alten Geschichte dennoch voll stolzen Vertrauens in die Zukunft blickt und in der Gegenwart all die iiberlchäumende Kraft froher Ittgend zeigt, wie das mit Deutschland der Fall «st . > .
Roosevelt warf sodann ehren flüchtigen Blick auf die wechselvolle äußere Geschichte des Jahrtausends. das vergangen ist, seit das römische Weltreich tatsächlich ein deutsches Kaiserreich wurde, bis das große Haus der Hohenzollern ernporstieg. das endlich Deutschland in die vorderste Front der Völker der M nschheit einrücken sah. »Der deutsche Anteil an unserem Blut ist groß, und ich selbst führe meine Abstammung auf jenen Zweig der Niederdeutschen zurück, welcher Holland ans der Nordsee empor gehoben hat. Und »loch mehr wir haben von Ihnen nicht mir einen großen Teil des Blutes, das durch unsere Adern rinnt entnommen, sondern auch einen großen Teil der Gedankenwelt, und dank der vorausschauenden Weisheit Seiner Masestät des gegenwärtigen Kaisers ist das innige unb freundschaftliche Verhältnis zwischen beiden Ländern fetzt in feder Beziehung enger, als eS fr zuvor war.'
Sodann ging der Redner auf sein eiflentliches Thema, die »Weltkultur Bewegung« über. Der Kedankengang seiner Ausführungen war etwa folgender:
In unendlich kleinen Stilfen hat sich der Mensch durch die unteren Grade der Tierähnlicheit vorwärts geschoben und gekämpft. Die ersten Kulturen, von denen wir unzweideutige Zeugnisse besitzen, entstanden in Mesopotamien und im Niltal etwa vor sechs oder achttausend Jahren. Soweit wir es beurteilen können, waren es fast gänzlich isolierte Mittekpuntte kultureller Entwicklung: ihre hervorragendsten Eigenschaften find ihre Zeitdauer und ihre vergleichsweise Starrheit. Mit dem Zusammenbruch dieser alten Kulturen rückten dir Völker in den Vordergrund u»it denen unsere eigene Kulftirgeschichte gewisser- n.aßen beginnt, die Juden, die Griechen und die Römer.
Die Juden steuerten eine Religion bei, welche der stärkste aller Faktoren in der Einwirkung auf die weitere Entwicklung der Menschheit gewesen fst, aber kein andrer Beitrag der Juden kann sich mit bim messen, was uns die Griechen und Römer hinterlassen haben.
Die griechisch römische Welt erlebte eine bet weitem glänzendere, mannigfachere und inten» sivere Kultur als irgend eine ihrer Vorgängerinnen. Zum ersten Mal begann da etwas, waS wenigstens eine Weltbewegung andeutete. Diese Kultur beeinflußte direkt oder indirekt di« gesamte Menschheit von der Wüste Sahara bis zur Ostsee. vom Atlantischen Ozean biS zu den westlichsten der vom Himalava auslausenden Bergketten. Sic war verhältnismäßig schnellen Aenderungen unterworfen und ging nach verhältnismäßig kurzer Zeit unter. Es dauerte Jahrhunderte, biS die Bewegung von neuem begann, ein volles Jahrtausend verging, bis sie wieder in vollem Fluß war.
Vor etwas über vierhundert Jahren wurde die unterbrochene Bewegung in der Richtung auf eine Weltkultur von neuem ausgenommen. alS die Erftndung der Bnchdruckerkunst und die R ihe von kühnen Seeabenteuern, welche in der Entdeckung Amerikas gipfelten, ihr« volle Wirkung aus das materielle »lnd intellektuelle Leben auS- zuiiben begannen. Seitdem haben, Jahrhundert für Jahrhundert, die Aenderungen an Schnelligkeit und Kompliziertheit zugenommen und in dieser doppelten Hinsicht im letzten Jahrhundert ihren Höhepunkt erreicht. Heute übt die europäische Kulturart so ziemlich auf die gesamte Welt eine mehr oder minder tief Wirkung aus. Jetzt ist die gesamte Welt so eng mit einander verbunden wie nie ztivor; das Band besteht manchmal mehr aus Haß, denn aus Liebe, aber eS besteht. Cb gern oder ungern, heute muß jeder Mensch der in der Welt der Gedanken oder auf dem Gebiet des Handelns eine führende Stellung einnimmt, über die Grenzen seines engeren Vaterlandes hinausblicken. Zum Guten und zum Schlimmen sind die Völker der Menschheit enger denn je zuvor miteinander verbunden. Dampf und Elektrizität haben unserer Rasse Ne Herr
schaft über Land und Wasser gegeben wie nie zuvor, unb zurzeit steht bte Eroberung bet Luft un mittelbar bevor. Wie Gebanken für alle Zeiten in Büchern niedergelegt werden, so lassen Telegraph und Telephon den Raum verschwinden. Die Fortschritte des letzten Jahrhunderts oder der letzten beiden Jahrhunderte erstrecken sich aus weitere Gebiete, als jemals vorher in der gesamten Geschichte der menschlichen Raffe erschloffen wurden. Die Fortschritte im Bereich des reinen Intellekts sind von gleicher Bedeutung gewesen, und ebenso sinnfällig ist das Spiel der neuen Kräfte in der moralischen und religiösen Welt Kräfte des Guten wie des Bösen treten überall hervor, jede mit hundert- oder tausendfach der mehrtet Intensität gegen die früherer Jahr hunderte wirkend. Die gesamte Weltftilwr B« wegung nimmt beständig an Geschwindigkeit zu. In dieser Bewegung gibt es Anzeichen von vielem, das ilebles verheißt. Die einzige frühere Kultur, mit welcher unsere heutige verglichen werden könnte, ist iene Periode der griechisch römischen Kultur, die sich von dem Athen des Thernistokles bis zum Rom des Marcus Aurelius erstreckt. Bildung, Lurns und Raffinement große materielle Güter, großer Landbesitz. Zunahme in der Meisterung mechanischer Hilfsmittel »tnb an gewandter Wissenschaft — bns sind alles Kenn Zeichen unserer Kultur, wie sie Kennzeichen der »vundervollen Kultur waren, die vor zwanzig Jahrhunderten an den Gestaden des Mittelmeeres blühte, und sie gingen dem Zusammenbruch bet älteren Kultur voraus. Doch auch ble Unterschiede sind zahlreich. Die einzige Tatsache allein, daß die alte Kultur aus Sklaverei basierte, zeigt die weite Kluft, die zwischen beiden gähnt.
Sodann ist eine der Hauptgefahren der Kul tur stets ihre Tendenz gewesen, einen Verlust au männlichen Kampfeigenschasten, an Kampflust herbeizuführen. Allmählich verweigerten die Bürger den Heeresdienst oder sie wurden untamg- lick zu richtigem Dienst. In unseren modernen Zeiten ist das gerade Gegenteil der Fall. Heute ist im ^wesentlichen jede Armee eine solche ans LaudeSkindern und bet Söldner fast ganz verschwunden, während die Armeen selbst wert stärker sind als je zuvor.
Ein dritter starker Gegensatz in den Bezieh ungen zwischen Reichtum und Polittk zu finden. In den klaffischen Zeiten, als sich die Kultur ihrem Höhepunkte näherte, wurde die Polittk ein anerkanntes Mittel zur Erwerbung großer R-ich- tumer. Heute würde eS buchstäblich einen Welt- skandal geben, wenn einer das tun wollte, was ein römischer Prokonsul als mäßig betrachtet haben würde und waS sogar in der englischen Kolonialverwastung vor anderthalb Jahrhunder- ten nicht als ungewöhnlich gegolten habe,» würde Im ganzen sind die großen Staatsmänner der letzten Generattonen entweder Männer von ge- geringen Mitteln oder, wenn sie reich waren, solche Männer gewesen, deren Reichtum durch ihre Teilnahme am öffentlichen Leben eher vermindert als vermehrt worden ist.
Sollen auch wir den Weg der alten Kulturen gehen* Wir dürfen nicht sicher sein, daß die Antwort verneinend lauten wird; aber besten können wir sicher sein, baß wir nicht untergeben werben, es sei benn. daß wir unser Eube verdienen. Ich persönlich glaube nicht, daß unsere Kultur untergeben wird. Ick glaube, daß wir im ganzen besser und nicht schlimmer geworden sind. Aber sicherlich werden sich die goldenen Ruhmesträmne der Zukunft nicht erfüllen, toenn wir sie nicht mit hochgemutem Herzen und mit starker Hand, durch unser eigenes tatkräftiges Handeln zur Erftill,mg bringen. Wir bedürfen zuerst der hausbackenen, alltäglichen Tilgenden. Wenn der Durschnittsmann nicht arbeiten will, toenn er in sich nicht den Willen und die Krafi hat, ein guter Gatte und Batet zu sein, wenn die DurchschnittSsrau nicht eine gute Hausfrau ist, eine gute Mutter vieler gesunder Kinder, dann toirb der Staat untergehen, gleichgültig, tote glänzend seine künstlerische Entwicklung oder seine materielle Leistung ist. Dazu muß jene Orgaui- sationsktaft hinzukommen, jene Fähigkeit, gemeinsam zu einem gemeinsamen Ziele hinzuarbeiten, welche das deutsche Volk im letzten halben Jahr lmndert in so hervorragender Weise gezeigt hat. Aber di« Nahrung des Geistes ist noch wichttger als die des Leibes. Unsere Dankesschuld an die Männer der Wissenschaft ist unberechenbar. Nie haben Philanthropie und Humanftät eine solche Entwicklung tote heute gesehen. Ein ungerechter Krieg ist zu verabscheuen; aber webe der Ratton, in welcher der Dnrchfchnittsmann den Kampses- mut verliert, die Kraft, als Soflmt zu dienen, wenn bet Tag bet Rot herankommen sollte! Man kann von einet Kultur träumen, in welcher Mora- liiät ethische Entwicklung und ein auftichttqes Gefühl der Brüderlichkett sich frei halten von falscher Seuttmenalftät und von den häßlichen und üblen Leidenschaften, die so oft die Beteuerungen von fentint entölet Verehrung bet Menschenrechte begleiten, einer Kultur, bte eine hohe materielle Entwicklung erzielt ohne Unterordnung des Geistigen unb Seelischen, aufrichtiges
Verlangen nach Frieben und Gercchttgkeft ohne Verlust jener männlichen Eigenschaften, ohne: welche keine Friedensliebe oder Gerechtigkeit einer Ratton etwas nützt, die vollste Enttvicklnng loiffenschaftlichet Forschung ohne den Wahn, daß Intelligenz je den Cbarafter ersetzen könne — denn vom Standpunkt der Nation sowohl wie des Individuums ist Charakter das eine vitale Bcsitzttun.
Schließlich sollte diese Kulturbewegung, deren Pulsschlag jetzt in jedem Winkel der Erde gefühlt wird, die Völker der Erde zusammenbringen. Aber der gute Bürger muß vorerst ein guter Bürger seines eigenen Landes sein, ehe et mit Vorteil ein Bürger der ganzen Welt werden kann. Ich wünsche Ihnen Gutes. Ich glaube an Sie und Ihre Zukunft. Ich bewundere die außerordentliche Größe und Mannigfalttgkeit Ihrer Errungenschaften auf so weite» unb so Vielen Gebieten: und meine Bewunderung und meine Anteilnahme sind um so größer, weil ick so fest an die Einrichtungen unb an das Volk »»eines eigenen Vaterlandes glaube.
Anwesend waren bei dem Vorträge u. a.: der Kaiser unb die Kaiserin. Prinzessin Viktoria Luise, die Prinzen August Wilhelm. Ettel Fritz, Adalbert und Friedrich Leopold, der Reichskanzler. Staatssekretär v. Schoen, Finanzminister v. Rheinbaben, Minister v. Trott n. Solz, Staatsminister Dr. v. Studt, Unterstaatsfekretär Dr. Weder, die Ministerialdirektoren Naumann und Elster, Botschafter Dr. Hill.
Zum Tode König Eduards.
London, 12. Mai. Für die öffentliche Aufbahrung des Königs in Westminster ist jetzt von Zimmerleuten eine dreieckige Plattform errichtet worden, auf die der Katafalk mit dem Sarg gestellt werden soll. Der Katafalk wird 14 Fuß lang sein und mit seinen zwei Stufen eine Höhe von 7 Fuß erreichen. Die Plattform und der Katafalk, wie die Schranken für die Menge werden mit königlichem Purpur bedeckt. Als Bahrtuch wird dasselbe benutzt werden, welches für die Königin Viktoria gebraucht worden war. Außer dem Purpur und den Draperien werden feine weiteren Ausschmückungen in der Halle vorhanden sein. Beim Eintreffen des Sarges in der Halle werden die Peers und die Mitglieder des Unterhauses an den Seiten der Halle ausgestellt sein. Die diensttuende Geistlichkeit und die Königlichen Leidtragenden werden vor dem Sarg Stellung nehmen. Der Sarg wird von Garde-Grenadieren getragen werden. — Nach dem Leichenbegüngnis am 20. Mai wird im Schlöffe zu Windsor ein Frühstück stattfinden, an den» 70 Fürstlichkeiten und 500 andre Gäste teilnehmen. Alle Teilnehmer werden nach dem Frühstück sofort nach London zurückkehren. — Der Sarg steht iwch im Schlafzimmer des verstorbenen Königs. Die Ueberführung nach dem Thronsaale wurde auf den Wunsch der Königin Alexandra verschoben. Der Sarg, soll, wenn möglich, bis nach dem Eintreffen des Herzogs von Connaught im Schlafzimmer bleiben.
Politische Umschau.
Koloniales
Berlin, 11. Mai. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Nach einer überseeischen Korrespondenz hat der Landesrat in Windhuk mit einer Resolutton geschloffen, worin er er- Närte. außerstande zu sein, der Polittk be8 Reichs- kolouialamts mit Zuversicht zu folgen, weil Staatssekretär Dornburg es abgelehnt habe bezüglich des Berttages mit der Kolonialgefellfchaft den Laudesrat anzuhören. Hierzu sührt die „Rordd Allg. Ztg." ans: „Die Begutachtung von Verträgen der Zentralverwaltung gehört nicht zu den Funkttonen des Landesrats. Die Notwendigkeit bet unter bem Namen „Sperre" bekannten Maßnahme ist sowohl hn Schutzgebiet als auch in bet Heimat allseitig anerkannt. Der jetzt bestehende Stteit gipfelt in der Frage, ob jene Sverre zu Gunsten der deuffchen Kolonialgesell- fchaft hätte ausgesprochen werden dürfen, oder ob die Möglichkeit bestand, sie für den FiskuS des küdwestafrikanischeu Schutzgebietes vorzu- nohmen. Diese Frage ist eine reine Rechtsfrage. Cie kann weder aus opportunistischen, lokalpolt- ttich-m noch aus fiskasischen Gesichtspunkten ent* sckiiedeu werden. Da die Euffcheidnug von Rechtsfragen nirgends zur Kompetenz von Körperschaften der Selbstverwaltung gehört, gehört sie mich nicht vor das Forum des Landesrates. Derartige Fragen stnd hn Streitfälle vor bte Gerichte zu bringen. Die Kolonialverwaltung hat ehr Gutachten beS ReichSjustizamts eingeholt, welches bahin ging, baß nach Lage ber zur Prüfung stehenbeu Rechtsverhältnisse zugunsten beS FiSkuS b«S sübwestaftikanischen SchutzaebieteS eine Sperre nicht zulässig wäre. Diese Sachlage nötigte die Kolonialverwaltung, ben Weg des Vertrage- zu beschreite«. ES erhebt sich schließlich die Frage, * dem Schutzgebiete durch die Resolution bei
Laudesrates gedient ist. Eine solche Resolution gehört zweffellos nicht zu seiner Kompetenz; auch laß: sie die unentbehrliche Objektivität vermiss«. Ter Landesrat ist ein beratendes Organ der Verwaltung. Setzt er sich durch eine solche Resolution in offenen Gegensatz zur Verwaltung, so wird et schwerlich verlangen können, daß die BerwattunO ihm mit Vertrauen entgegenkommt."
Deutsches Reich.
— Roosevelt » Berlin. Berlin, 12. Mai. U» 11-4 Uhr begann die Feierlichkeit zu Ehren Roose» velts in der Aula der Universität. Zu Seiten bet Katheders nahmen der Senat und der Lehrkörper bet Universität Platz, davor die geladenen Gäste, sowie die Studentenschaft. Unter den Gästen befanden sich der Reichskanzler e. Bethmann-Hollweg, Kultusminister von Trott zu Solz, bet amerikanische Botschaft-c Hill, die Witwe des Botschafters Freiherr» Speck von Sternberg, Reichstagspräsident Graf Schwerin-Löwitz, Staatsminister a. D. von Studt, Oberbürgermeister Kirschner, Bürgermeister Reick, und andere. Während des Gesanges des Akademischen Eesangschors „Heil Columbia, glücklich Landl* wurde Roosevelt von dem ältesten Dekan eingeführt, worauf et bei den Professoren Platz nahm. Gegen Schluß der Hymne betraten, geführt vom Rektor Geheimrat Schmidt, ber einen gestickten Purpurmantel und einen Degen trug, die Majestäten und die sonstigen Fürstlichkeiten die Aula. Rach einer «:• grüßung des Rektors an die Kaiserlichen Gäste und Roosevelt, den großen Staatsmann, den bet Kais«» gestern einen ausgezeichneten Amerikaner und seiner Freund genannt, der auf seinem Triumphzuge durch Europa hier angehalten habe, um den Katbeder M besteigen, trat Roosevelt vor und hielt vom Katheder noch einer Verbeugung vor den Majestäten und de» Professoren feine Rede über Zivilisation. Er sprach im wesentlichen frei, mit ein wenig belegter Stimm, in englischer Sprache. Sein Vortrag wurde mehrfach von Beifall und Heiterkeit unterbrochen. Seim Sprechweise war langsam, deutlich und scharf pointiert, mit lebhaften Gesten. Stürmischer Beifall Trampeln und Händeklatschen belohnten RooseveK. Dann hielt der Dekan der philosophischen Fnkultä' eine Ansprache an Roosevelt, von Humor getragen Die Fakultät ehre in Roosevelt den geschichtlichn- und naturwissensckmftltchen Sinn. Er sei Demokrat von reinsteni Wasser, und doch habe sein leuchtende* Auge gezeigt, daß er unseren Raffer liebe und verehre. Vor allem ehre die Fakultät in Roosevelt ben Willen zur Wahrheit, den der Doktoreid betone. Jr lateinischer Svrache folgte durch den Dekan dann di' Promotton Roosevelts zum Doctor honoris causa Der Dekan brachte ein dreifaches Hoch auf die Majestäten aus. Nach Absingung ber Nationalhymne traft ber Chor das „Star Svangled-Eamer" vor. Dl Ovationen für die Maiestäten und Roosevelt fetzte: sich draußen fort. — Staatsfekretär Frhr. v. Schö» gibt heute ein Frühstück in kleinem Kreise, zu wel chem Roosevelt und der amerikanische Botschafter mH ihren Familien geladen stnd.
— Bom Bundesrat. Berlin 12. Mai. De» „Reichsanzeiaer" meldet: Der Bundesrat erteilte, in seiner gestrigen Sitzung den Gesetzentwürse«! tetr, ble Znstänbiakett bes Reichsgerichts, bet; Acnberung bet RcckftsanwaftSvrbmrng. bem Gesetzentwurf zur Ausführung ber revidierten Berner Uebercinfunft zum Schutze der Werke bet, Literatur usw. seine Zustimmung. Anaenonnnen wurden ferner die Vorlagen bett. AusfÜbrungs- beftimmungen zum Wechselstempelgesetz und bett.» Erstattung zu viel erhobener Reichsstempelbeträge.
— Die „Post" teilt mit, daß ihre bisherige Be- triebsmittelacmeinschaft mit der „Nattonalztg." am 1. Juli gelöst und sie selbst von einem Konsortium von Freunden aus verschiedenen Teilen des Reiche» selbständig weitergeführt werde. Wie die „T.Rdsch* hört, steht dieses Konsortium unter Führung des Inhabers der „Rhein.-Westf. Ztg.", Herrn Reißmann- Grone, der die „Post" aufgekanft hat. Der bisherige Chefredakteur der „Post", Dr. Cronsbein, soll ans« scheiden und durch den Cheftedakteur der „Rhein.» Wesff. Ztg." Dr. Pohl ersetzt werden.
Ausland.
** Der Aufstand an der LlfenbetnNttte Paris, 12 Mai. Major Rogues, der die Expedition zu» Niederwerfung deS Aufstandes an bet Elfenbeinküste geleitet bat unb gestern in Bordeaux elnge- troffen Ist, erklärte einem Berichterstatter, ble Re» Volte ber Eingeborenen sei überaus ernst gewesen, boch scheine nunmehr iebe Gefahr beseitigt. De» aufrüherische Stamm bet Abbens habe in den verschiebenen Gefechten an 2500 Leuten verloren Ruf ftanzöstscher Seite seien 40 Mann gefallen Der Aufstaub habe einen solchen Umfang äuge uommen gehabt, daß geradezu eine Wiede« eroberung ber Elfenbeinküste notwendig gü wesen sei. I