6
*2
t -
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
xnd den Beilagen: .Jach Feierabend» (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage.»
toiMtg.
JällO
Zweites Blatt
103.
104.
105.
110.
108.
100.
Verantwortlich für dre Redaktion: Dr. phil. Dari Hitzeroth in Marburg.
Die Jnfertioulgebühr beträgt für die 7gespalrene Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. — Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, Universitäts-Buchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth. Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Kleinbauern und Sozialdemokratie.
Last und Lust, die Arbeit und der Geuutz deS Lebens find natiirlich solang« nicht gleich, als das immobile Besitztum des Kleinbauern den Charakter des Einzelhoses trügt. Aus diesem Grunde verlangt daher auch die sozialdemokratische Theorie die Beseitigung des Einzelge- höftes, dafür aber Errichtung von Gemeinde- scheuern, Gemeindeställen und Gemeindewohn- häusern. Haus, Hof, Vieh, kurz alles, was sich die Vorfahren mit saurer Mühe zusammengear- beitet und gemehrt haben, kann dann natürlich nicht mehr Eigentum der Nachkommen, der eigenen Kinder werden, sondern fällt der Gesamt- gemcinde zu, die ihrerseits dann wiederum eine gleichmäßige Verteilung des Erbes auf alle Gemeindemitgliedcr vornehmen muß, wobei die trägen und fleißigen einen völlig gleichen Anteil erhalten müssen. Ehe es Kapitalisten in modernen Sinne des Wortes gab, gab es schon Unterschiede im Grundbesitz, und darum richtet sich der Kamps des Sozialismus nur vorläufig gegen das Großkapital, zuletzt und im Grunde aber gegen den Grundbesitz als Privateigentum. Mer der Mensch soll und dars Eigentum erwerben, auch über das tägliche Bedürfnis an Speise und Kleidung hinaus. Das Eigentum ist der Lohn der Arbeit und die Bürgschaft für den Fortschritt der Menschheit; Aushebung des Privateigentums dagegen bedeutet Rückschritt, insbesondere für den ländlichen Grundbesitz. Das Eigentum gehört mit zum Menschen und wird für ihn ein Sporn zur Arbeit. An der Erhaltung und Verbesserung des Eigentums arbeitet ein jeder mit doppelter Freude. Der Besitzlose ist in gewissem Sinne heimatlos und die Baterlands- ficbe wird ihm ein bloßes Wort. Es mag ja teilweise wahr sein, daß der Betrieb auf den großen Gütern vielfach rationeller ist, als in den kleineren Wirtschaften, weil dort mit mehr Mittel,! gearbeitet wird, aber er ist doch immer nur deshalb rafioneller, weil ein Besitzer da ist, der »nit seinem Eigentum arbeitet, oder doch ein Pächter, dem für bestimmte Abgabe auf eine Zeit so .tu sagen, das Eigentumsrecht übertragen ist. so daß der Ertrag jeder Wirtschaftsverbesserung ihm zugute kommt und sein bleibendes Eigentum w'-rd. Und mag sich bei der Zerschlagung der großen Güter auch nicht immer der Erfolg zeigen, dcn man durch dieselbe mit zu erreichen hoffte, daß in den vielen Einzelwirtschaften das Land noch besser mtsgenutzt wird, als tn großen Komplexen, die Besitzer sind ja nicht gleich, trotzdem — jeder hat doch einen Besitz, mtt dem er verwächst, der ihm lieb ist, und der ihm schließlich ein Sporn wird, über seine bessere Ausnutzung uachzusinnen. Eben das aber, was so der Einzelne zunächst für sich tut, kommt der Gesamt- hett zugute. Die deutsche Landwirtschaft ist denn doch eine andere, als die Landwirtschaft jener Länder, wo, wie in Rußland die Feldflur vielfach nvch Gemeindebesitz ist, und von Zett zu Zett gewöhnlich alle sünf Jahre, neu zur Bewirtschaftung verteilt wird. Es fehlt eben dort der Trieb zur Verbesserung, denn von jeder Verbesierung, die der eine macht, hat ja in den nächsten fünf Jahien ein anderer den Vorteil. Die Arbeit des
furwrsiraße 50
Hofmann. Adolf, Gchlttzenhausen, Theot., Wet- terqajse 7
Edel, Gustav, Weyher», Math, ei Rat^ Bar- füßerstraße 4
Röchling. Gottfried, Jackschönau, Theol, Roter»
Tie „Oberheffische Zeitung» er'cheint täglich mit An--ahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel» jährlich durch di- Post bezogen 2 25 <K (ohne Bestellgeld) bet unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 <Ä.
strafte 4
Zorn, Beruh., Magdeburg. Med.. Am Grün 16
Pardölk Hans, Magdeburg. Phil., Barsüfter» strafte 21
Hofmeister, Ludwig, Windbergi, Thecl., Stein» weg 2
Ausland.
*♦ Aus Frankreich Paris, 11. Mai. Im Toulouser Gemeinderat kam es gestern abend zu heftigen Auftritten. Ein der geeinigten Sozialisten Partei angehöriges Mitglied fordette unter Hinweis auf die Wahlniederlage des sozialistisch-radikalen Kandidaten in Toulouse, daß der gesamte Gemeinderat zurücktteten solle. Der Bürgermeister erwiderte, daß er diesem Ansinnen der geeinigten Sozialisten, die bei den Wahlen die Bundesgenossen der Klerikalen gewesen seien, keine Folge geben werde. Das anwesende Publikum stieß hieraus feindselige Rufe gegen die Radikalen aus, sang die internationale und lärmte so heftig, daß der Bürgermeister Polizei herbeirufen und die Galerie räumen taffen mußte — Aus Dünkirchen wird gemeldet, daß die Hafenarbeiter neuerdings mi. dem Ausstand drohen, weil den Salpeterverladern die verlangte Lohnerhöhung verweigett wurde. Auch die Bauarbeiter agitteren eifrigst sür einen Streik. Seitens der Behörden wurden umfassende Gegenvorkehrungen getroffen.
*• Die Pforte und Kreta. Konstantinopel. 10. Mai Die Pforte faßte noch keinen Beschluß gegenüber der Eidesleistung der krettschen Kammer. Gestern, vor Eintreffen der Nachricht von der Eidesleistung, beauftragte die Pforte ihre Botschafter, bei den Kretamächten wegen der formellen Erklärung bet Gewährleistung der türkischen Rechte neuerlich einzuschretten. Wie in den Kreisen der Pforte erklärt wird, wird die Regierung ihre Haltung von der Antwort abhängig machen. Wie dieselben Kreise hoffen, werden die Schutzmächte gemäß ihren früheren Versprechungen erklären, daß die Eidesleistung als nichttg zu betrachten sei.
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller OriginalartUet ist gemäß 8 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe „Oberhess. Ztg.» gestattet.)
Marburg. 12. Mai.
* Wie wird da» Psingstwetter? Der Umstand, daß e» bisher andauernd kühl, trübt und regnerisch ist, gibt zu der Erwartung Anlaß, daß bis zu den Feiertagen noch ein grundlegender Witterungswechsel eintritt. Wann er einsetzt und ob dann das schöne Wetter von Dauer ist, läßt sich allerdings noch nicht sagen. Man muß sogar wünschen, daß der Umschwung nicht augenblicklich erfolgt, damit nicht bis Pfingsten schon wieder ein neuer Wettersturz droht. Wenn aber das hohe Maximum, das gegenwärtig auf dem Atlantischen Ozean lagert, nach der Aus- füHung der über dem Kontinent zur Zeit lagernden Tiefgebiete erst nach Mittel- und Osteuropa gelangt, so ist Aufheiterung und schnelle Erwarmung sicher. Gewöhnlich bringt ja die erste Maihälfte bereits eine solche Periode warmen Hochdruckwetters, uno
Sänger und Redner.
Das Gute bricht rieh Bahn. Dieses alte Wort bewährte sich in den letzten Wethen ganx besonders bei den Anstrengungen, welche die Fabrikanten VOS Wybert-Tabletten gemacht haben, um für ihre seit 6o Jahren hochgeschätzten Produkte neae Freunde i« erwerben. Die Nachfrage nach Wybert-Tablette« ist so gross, dass die Fabrikanten Mühe haben, genug Tabletten tu produzieren. Die Stimme wird durch regelmässigen Gebrauch von Wybert -TaMetten so wohlklingend und ausdauernd, dass Sänger und Redner nur noch Wybert-Tabletten verwenden, die in allen Apotheken in Schachteln 4 Mk. i.— erhältlich sind. Depot in Marburg: Alte Universität*-Apotheke z. Schwan.
Landmannes ist vor allem eine harte Arbeit und eine immerwährende. Niemand arbeitet so viel in unserem Volk, als der Landwirt. Sollen wir ihm das Einzige rauben, was ihm die Arbeit erleichtert und ihn unverdroffen macht von früh bis spät? Das Einzige? Das ist die Freude am Besitz, das Bewußtsein, daß er am ©einigen arbeitet!
graben 1
106. Karsten, Dethlof. Treptow. Pharm., Stehtro. 43
107. Bode. Hermann, Kammerbach, Theo!., Renthof.
da diese bisher ausgebtieben ist. so spricht die größere Wahrscheinlichkeit dafür, daß sie demnächst ein- tritt, daß die Pfingsttage also warm, sonnig und trocken verlausen werden.
• Som Fortfall der Eingangsabgaben. Die mit 1. April 1910 reichsgesetzlich erfolgte Aufhebung der gemeindlichen Eingangsabgaben auf Rahrungsmittel war bekanntlich bestimmt, eine Verbilligung der steuerfrei werdenden Arttkel für die Verbraucher herbeizuführen. Sehr zeitgemäß erscheint daher in Nr. 3 des „Deutschen Statistischen Zenttalblattes» eine Untersuchung von Dr. Helbling übet die Frage, ob auf statistischem Wege das Gelingen oder Fehlschlägen jener Absicht des Gesetzgebers nachgewiesen werden kann. Die Frage ist durchaus nicht leicht zu beantworten, weil außer der Eingangsabgabe noch andere und zwar wichttgere Faktoren auf die Preis- b.ldung Einfluß haben und daher sowohl ein Gleichbleiben der Preise am Anfang des Monats Avril rot- ein Steigen und Sinken derselben durch andere Ursachen al» die Abschaffung der Eingangsabgaben hervorgerufen sein kann.
* Was ist unter ..«»«milch" zu verstehe«? Ab nehmer, sowie Lieferanten von Milch dürfte es interessieren, was unsere höchste Instanz in Milch- sälschungsprozesten, das Reichsgericht, unter „Vollmilch" versteht. Es versteht damntrr Milch, der nichts von ihren natürlichen Bestandteilen entzogen ist und an der nichts durch Zusätze oder weitere künstliche »der natürliche Einwirkungen verändert ist, fttrzmn bet Kuhmilch «tue Milch, wie sic von der Kuh kommt.
• Grenzeschutz. Daß der Grenzstein auf dem Felde oder in Gärten eine „amtliche Urkunde" bildet, dürfte wohl allgemein unbekannt fein. Der 70jährige Weber Johann Rleuffer in Glehn hatte einen Grenzstein weggenommen, der fein Grundstück von demjenigen eines Nachbarn trennte. Er war deshalb der „Vernichtung enter amtlichen Urkunde" angeklagt und ivurbe von der hiesigen Sttaskammer zu 1 Tag Gefängnis unb 300 Mark Geldstrafe verurteilt. — Solche Leute, die sich gern ihre Grundstücke auf Kosten ihrer Nachbarn vergrößern möchten, müßten sich doch sagen, daß, ab- gesebeti von den Grundbüchern, in denen ja die Größe der Grundstücke meist genau angegeben ff», in beu Flurkarten die Grenzsteine eingezeichnet sind und bei jeder Vermessung sich jede Grenzver- änderung, und Wenns noch s» lange her ist, schnell herausstellt.
♦ Heffeniand Der Inhalt der Rr. 9 des „Hessenland" ist solgender: Woringer, Jean. Die kurfürstlich hessische «enteret Hofgeismar. — Bogt Karl. Johann Balthasar Schupp (Schluß). — Eisentraut. G.. Generalmajor z. D. Johann Gottfried Seumes Rekrutenzeit 1781/83 (Schluß). — Bock, Alfred Gesang der Geister (Elegie). — Lewalter. Joh. Das Easseler Königliche Theaterorchester im Jahre 1874 (mH Bild). — Traudt, Valentin. Viel tausend Blüten fallen (Novelle). — Engelhard, Karl. Frühfingsengel (Gedicht). — Aus Heimat und Fremde. — Personalien.
Hessen-Nassau und Nachbargebiete.
* Casiel, 10. Mat. Die Krankenpflegeschule des Diakonisienhauses zu Tastet hat am heutigen Tage ihren zweiten Jahreskursus begonnen. An demselben
Marburg
Stretta«, 13. Mat 1910
nehmen 5 Schwestern unb 3 Pensionärinnen teil. In dem ersten Anstaltsjahr sind in der Krankenpflege- kchule 9 Schwestern und 3 Pensionärinnen vorgebrl- vet unb haben vor der Prüfungskommistion bä» staatliche Krankenpflegeeramen abgelegt. Eine bet Pensionärinnen in eine Schülerin der Sudan» Pionier-Mission, welche sich im Diakonistenhans die für ihren Berus notwendigen Kenntniste und Fertta- feiten in der Krankenpflege erworben hat. Die bet» den andern find zunächst in den Dienst des Dia» kEiienhauses getreten und erhalten dadurch Gelegenheit, die in der Krankenpilegefchule erworbenes prcttischen und theoretischen Kenntnisse in der Ar> beit eines Krankenhauses zu vertiefen, um sich bau» selbständig der Krankenpflege zu widmen.
Ufingen, 10. Mai. In Arnsbach fiel die 7fr jährige Witwe Katharina Hofmann beim Wafier- holen in den Brunnen und erttank.
Verzeichnis
der tm Sommer-Semester 1910 an bet Universität Marburg neu immatrikulierten Stubierenben.
90. Doornkaat-Koolman, Gerrit, Hamburg, Meb^ Weitergasse 42
91. Horlbog, Erich, Berlin, Math, et Rat., Weiden.
Häuserstraße 105
92. Fresdorf, Erich, Erfurt, Math., Wettergaste 7
93. Fresdorf. Ernst, Rothensee (Provinz Sachsen), Jur.. Wettergasse 7
94. Chelius, Johs., Ebsdorf, Phil., Wörthstt. 29
95. Aßmann, Karl, Friedrichsberg, Phil., Pilgrim, stein 25 ' .
96. Ealliebe, Walter, Zilllchow b. Stettin, Theol, Zwischenhausen 20
97. Niemann, Hermann, Düchelsdorf, Med., Zwt»
Ichenhausen 12 „ .
98. Farthmann. Heinrich, Hesteln (Wesff.), Math.
et Rat., B^üßerstraße 33
99. Freiherr o. d. Kopp, Hans, Gttßen, Jur., Rent- hofstratze S ~
100. Studemund, Friedrich, Greversmühlen, Jur, Savignystraße 19
101. Klinosporn, Hans, Wetzlar, Jur., Schulstr. 14
li’2 3RcV Paul, Niesky (Schlesien), Phil., Frank»
r---- >» .....
82 (Nachdruck verboten.)
Um Ehre und Recht.
Roman von O. Elfter.
lgorttetzung.l
„Meine Mitteilung scheint Sie P> überraschen." sagte er in kälterem Tone.
.Allerdings — das ist die elendste Berleum- tzung, welche ein boshafter Geist je erfunden hat," brach Fritz los und sprang von feinem Sitz empor.
„Es müssen wohl Verdachtsgründe vorliegen," entgegnete der Major zurückhaltend.
„Unb kennen Sie diese Gründe?"
„Allerdings . . ."
.Welche sind es?"
.Fragen Sie die Baronin."
.Sie möffeit sie mir sagen, Her< Major, oder. . ."
„Ich biue junger Mann, keine Drohung Sonst ist unsere Unterredung zu Ende."
„Herr Major — haben Sie Mitleid mit mir! — Hallen Sie meiner grenzenlosen Empörung ein unbedachtes Wort zugute — ich bitte Sie, sage;! Sic mir alles, was Sie wisien."
„Nun denn — man hat Sie am Schreibttsch tzer Ba.on'.r gesehen, aus dem der Schmuckgegen- stand i h glaube eine wertvolle Brillantbrosche — lag ü?i anderen Tage hatten Sie Hambach Verlassen und das Schmuckstück war ver- schlvunden."
„Und das ist alles* — Auf solchen elenden Nw.stand wagt man einen Verdacht auszusprechen, der eines Menschen Ehre vernichtet?"
„Es ift noch nicht alles. Man hat in dem von Sbnen bewohnten Zimmer das EtuiS versteckt
gesunden, in dem die Brillantbrosche gelegen..." „Ach. über die elende Spitzbüberei! — Ich
danke Ihnen, Herr Major, aus ganzem Herzen für biefe Mittteilungen — Sie haben mir den Weg gewiesen, auf dem ich meine Ehre wieder herstellen und den Schurken — den Dieb — den Verleumder entlarven kann."
Fritz sprach diese Worte in solch ehrlicher Entrüstung, daß der Major wieder mehr Zulranen faßtt.
„Es sollte mich freuen, wenn Ihnen dies gelingen würde," sagte er freundlicher.
„Es wird mir gelingen — aber noch eins — weshalb hat man den Diebstahl nicht angezeigt? Weshalb mich nicht als Dieb verfolgt? Weshalb vis jetzt geschwiegen? Als ich Reuhof kaufte, kam mir jebemann freundlich entgegen, erst in den letzten Wochen scheint sich dieses infame Gerücht verbreitet zu haben."
„Das sind alles Fragen, die ich nicht beantworten kann."
„Und darf ich mid) auf Ihr Zeugnis berufen?"
„Ich würde Sie bitten, davon Abstand zu nehmen. Ich bin durch meine dienstliche Stellung verpflichtet, über dienstliche Meldungen Still schweigen zu beachten."
„Aber auf wen kann ich mich beziehen?"
„Auf alle Welt — nehmen Sic den ersten besten Nachbar — er weiß das alles ebensogut wie ich."
„3d) danke Ihnen Herr Major. Ich werde Ihren Rat befolgen. Und jetzt bitte ich, mich entfernen zu dürfen, ich möchte noch mit meinem Rechtsanwalt sprechen."
„Tun Sie das — und guten Ersolg . ." Da
mit reichte er ihm die Hand, die Fritz herzlich brädtc Dann entfernte sich dieser rasch.
Auf der Straße angekommen, stand et eine Weile da, als fei er aus einem bösen Traum er» wacht. Er atmete tief auf. Die elende Verleumdung dütrtte ihm so leicht abzuschütteln, daß seine Lippen ein verächtliches Lächeln kräuselten. J.tzt fühlte er festen Grund unter den Füßen; fiat stand ihm vor Augen, tote sich alles abgespielt, uer der eigenttiche Urheber der Verleumdung und leer der wirkliche Dieb wat. Er dachte an die letzte Szene, welche er mit Stanislaus gehabt, er dachte an dessen haß- und racheerfüllte Mene, und e« war ihm fiar, daß niemand anders als er diesen elenden Schurkenstreich vollführt hatte, um ihn zu verderben.
Im Vollgefühl seines Triumphes eilte er zu seinem Rechtsanwalt, einem jungen, schneidigen Juristen, der ihm bei dem Kauf des Reuhofes zur Seite gestanden hatte.
Dieser hötte ihn ruhig an, durch seine blitzen- den Brillengläser Fritz mit fingen nachdenklichen Augen beobachtend.
Dann legte er die Hand auf Fritzens Arm und sagte langsam und bedächttg: „Ich begreife Ihre Erregung vollkommen, lieber Herr Born — da scheint mir ein Schurkenstreich sondergleichen zugrunde zu liegen — aber denselben aufzudecken, ist nicht so leicht, als Sie sich denken."
»Aber..."
„Hören Sie mich eine Weile ruhig an," fuhr der Rechtsanwalt fort. „Ich will die Klage gegen die Baronin wegen Verleumdung und Ehrverletzung gern einleiten, aber ich weiß nicht, ob wir damit einen vollen Erfolg erzielen werden. Tatsache ist, daß das Verschwinden der Brillant»
drösche mit Ihrem Abschied von Hambach zn- fammenfättt, Tatsache ist, daß Sie an dem Schreibtisch der Baronin gesehen worden find, Talsache ist, daß das Etuis der Brosche in Ihrem Zimmer versteckt gesunden worden ist — diese Momente können tn der Baronin sehr wohl den Verdacht geweckt haben, daß Sie die Brosche ent»’ wendet haben. Das Gericht selbst wird sich den Tatsachen nicht verschließen können, dann erlangen wir höchstens einen negattven Erfolg — das heißt: Sie werden allerdings aus Mangel an Beweisen freigesprochen, aber auch die Baronin wird kaum mtt einer Strafe belegt werden, ba- ste ja nur die Taffachen weiter erzählt zu habe»' braucht, die Schlüsse daraus den anderen Leuten überlaffend. Haben Sie mich verstanden."
„Sehr wohl — aber wie kann ich meine Unschuld klar dartun?"
„Da liegt eben der Haken. Der beste Beweis wäre, wenn man den wahren Dieb entdecken könnte."
„Das ist Prokowsky!"
„Das ist Ihre Ansicht, vielleicht ist sie auch richttg. Aber wie wollen Sie das beweisen? 6» viel ich weiß, ruht nicht ein Schimmer von verdacht auf ihm - er braucht nicht der Dieb zu sein, das geben Sie mir doch zu — auch ein an derer kann die Brosche genommen haben."
„Ja — aber aus welchem Grunde?"
„9hm, weSdald ftiebü der Mensch? — Ur sich zu bereichern. — Hat daS dieser Herr Pro- kowSkv nöttg? Ich weiß es nicht."
„Ich weiß, daß er mtt Schulden nach Schloßt Hambach kam."
, (Fortsetzung folgt.)