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Marburg

Donnerstag, 12. Mai 1910.

Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene ZeUc

oder devm Rau» 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. je ^Yrthrn Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UniverfitätS-Buchdruckerei x)Uy*M«

Inhaber Tr. L. Hihervth, Marburg, Markt 21. Telephon 65.

Die »Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2 25 <M lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 r«X.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Mnb den Beilagen: ,Mch Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage."

Zum Tode König Eduards.

Rew - Bork, 10. Mai. Prästdent Tast er­klärte, er werde wahrscheinlich Roosevelt beauf­tragen, als Spezialgesaudter an den Trauerfeier- fichkeiien in London teilzunehmen.

Paris, 10. Mat. Der Minister«!, der in Uambautllel zusanlniengetreten ist, beschloß, zu ßen Trauerfeierlichkeiten für den König Eduard fine Abordnung zu entsenden, welcher Minister Aichou, General Dalaierin, Admiral Marquis Und der Ordonanzoffizier des Präsidenten AallitzreS angehören werden. Ferner wird in­folge deck Hinscheidens des Königs die Eröffnung der stanzösischen Abteilung der Ausstellung in Brüssel, die am 16. Mai stattfinden sollte, ver- jschsben.

London, 10. Mai. König Georg empfing Heute morgen Asquith im Marlboroughhouse. Nachmittags hielt der König eine Sitzung des Ge- tz-ttnen Rats im Marlboroughouse ab, Asquich, Elohd George, Winston Churchill, Crewe, Morley Cir Edward Grey, Haldane u»:d andere waren zugegen. Die Minister überreichten formell ihre Portefeuilles dem Könige, der sie ihnen sofort zn- rückgab.

London, io. Mai. (Unterhaus.) Bei Be­ginn der Sitzung verlas der Vertreter des Spre­chers eine große Anzahl von Beileidskundgeb­ungen der verschiedensten Parlamente; sodann schritten die Mitglieder zur Eidesleistung. Der Premierminister war heute nicht anwesend; er wird morgen die Botschaft des Königs über­bringen, in der dem Hause der Tod des Königs Eduard amtlich bekannt gegeben wird und als­dann eine Antwonadreffe Vorschlägen.

London, 10. Mai. Das Kabinett trat heute Rachmittag unter dein Vorsitze des Premier­ministers zusammen, um über die durch den Tod König Eduards geschafiene Lage zu beraten; es verständigte sich über die Ernennung einer be­sonderen Kommission, die die Revision der Zivil­liste in Erwägung ziehen soll.

London, 10. Mai. Rach der Sitzung des Geheimen Rates begab sich Premierminister Asquith nach dem Buckinghampalast, und der Königin Alerandra um der königlichen Familie fein Beileid auszusprechen. Viele Freunde des verstorbenen Königs wurden zum Sterbezimmer zugelassen, um den verewigten König zum letzten Male zu sehen.

Eine kleine französische Hetzerei.

Mehrere Pariser Blätter haben sich nicht ent­halten können, auch die Gelegenheit des TodeS König Eduards zu einer kleinen Bosheit gegen Deutschland zu benutzen. Sie haben gemeldet, daß der deutsche Kronprinz am Todestage König Eduards einen Ball gegeben und sein Beileid der englischen Botschaft nurtelephonisch" ausge­drückt habe. Diese Meldung wird heute, wie uns der Preß-Tel. aus Paris meldet, vomRew- Oork Herald" dementiert. Dieser hat auf An­frage beim Hofmarschallamt erfahren, daß der Kronprinz am Freitag seinem Geburtstage einige seiner Brüder und befreundeten Offiziere zu einer kleinen Privatfestlichkeit geladen hatte. Von einem großen Ball kann nicht die Rede sein.

81 (Nachdruck verboten.)

Ilm Ebre und Recht.

Roman von O. Elfter.

lForttehung >

Sollte er (ich an die Baronin direkt wenden?

Aber was konnte er anführen, um von ihr Rechenschaft zu fordern? Er wußte ja noch nicht einmal, wessen man ihn anklagte. Das zu erfah­ren, mußte seine erste Sorge sein, und wahrschein­lich tvürde er es am ersten und zuverlässigsten auf dem Bezirkskommando erfahren, denn dieses konnte nicht ohne nähere Kenntnis der Sachlage jenes Schreiben an ihn gerichtet haben.

Fritz fuhr deshalb am nächsten Tage in die Stadt und ließ sich beim Bezirkskommando melden.

Major von Waldau war ein alter, sechzig­jähriger Offizier, der sich schon vor zehn Jahren Mts dem anstrengende» Frontdienst aus den ruhige» Postetl eines Bezirkskommandeurs zu­rückgezogen hatte. Fritz kannte ihn persönlich als einen gutmütigen, ehrenhaften Herrn, der ohne Grund gewiß niemandem strenge entgegentral. ^Ungerecht oder auch nut allzu rasch einen Men­schen zu verurteilen, lag außerhalb des Wesen­des alten Herrn.

Fritz wurde in die Privatkanzlei des Majors geführt, der ihn in steifer militärischer Haltung an seinem Schreibtisch stehend empfing, ohne jedoch Fritz' achtungsvollen Gruß zu erwidem.

Ich habe Ihre» Besuch erwartet, Herr Born," sagte er mit seiner knarrenden Stimme eines eiten Soldaten.Aber ich muß Ihnen von vorn- herein sagen, daß ich Ihnen keine Hoffnung machen kann, das Reftript, welches Sie erhalte» haben, zurückzunehmen."

Ich wollte Herrn Major auch nicht darum hitten," entgegnete Fritz, indem er sich gewaltsam

Weiterhin erkundigte sich der Kronprinz fett dem Bekanntwerben der ungünstigen KrankheitSnach- richten über König Eduard wiederholt tele­phonisch auf den englischen Botschaft Über das Befinden seines Großonkels. Am Freitag abend rief er sogar mehrere Male an. Als er daS letzte­mal, kurz nach Mitternacht sich beim Botschafter erkundigte, wurde ihm die soeben eingetroffene Nachricht vom Tode des Königs mitgeteilt. Er drückte selbstverständlich Sir William Goschen so­fort fein Beileid aus und stattete ihm außerdem am folgenden Tage einen Kondolenzbesuch ab,

Aus den Parlamenten.

Deutscher Reichstag.

82. Sitzung vom 10. Mai.

Das Haus nimmt zuerst debattelos den Antrag der verbündeten Regierungen an, den Reichstag bis zum 8. November zu vertagen. (Es folgt dann die zweite Lesung des Kaligesetzentwurfs. Die Kom­mission hat den Entwurf völlig umgestaltet. Ar Stelle der Betriebsgemeinschaft, des Zwangsfrm- dikats ist in der Hauptsache getreten eine Kontin­gentierung des Absatzes mit Abgabe von 1017 <M. per Doppelzentner auf das Ueberkontingent sowie eine Festsetzung der Preise. Daneben sind Bestim­mungen getroffen zur Sicherung der bisherigen Lohn- und Arbeitsbedingungen der Kaltarbeiter. Es liegen zu dem Gesetz tn der Kommissionsfaffung eine Anzahl Anträge vor. Beim 8 1, der bestimmt, daß Kaligesetze von Kaliwerkbesihern nur nach Maßgabe der Bestimmungen dieses Gesetzes verkauft werben dürfen, erfolgt erne allgemeine Aussprache.

Abg. Heim (Ztr.) führt aus, daß die Kommission einzig Sorge getragen hat für Maßnahmen zur Ver­hinderung einer rücksichtslosen Ausbeutung der Äon« umenten und der Arbeiter. Das Syndikat habe in einer Eingabe durch falsche Preisberechnungen für ich Vorteile zu erringen gesucht. Abg. Dove Fortschr. Vp.) meint, man wisse nach keiner Rich­tung hin, wie das Gesetz wirken wird. Es sei ge­macht unter Verleugnung aller wirtschaftlichen Grundlagen. Handelsminister Sydow führt aus, die Regierungen wollten mit diesem Gesetze Deutsch­land wirtschaftlich vorwärts bringen, sie würden des­halb auch diesen geänderten Entwurf anne^nen. Mit den Maßnahmen zu dem angestrebten Gewerbe hänge auch die Kette der Bestimmungen für die Ar­beiter eng zusammen. Er verkenne auch nicht, daß dieses Votgehen bei der einen, der Kali-Industrie, vorbildlich werden dürfte für andere Industrien. Abg. v. Brockhausen (kons.) betont, daß die Konser­vativen stets bereit sind, auch für die Industrie zu sorgen. Die Landwirtschaft sei allerdings älter und ärmer, aber in diesem Falle müsse man der Industrie zu Hilfe kommen. Man müsse dem unwirtschaftlichen Auoau des Kalis zum Vorteile des Auslandes ein Ende machen. Sein Antrag bezwecke, das Verhält­nis, wie es bisher zwischen den Kaliwerken und den chemischen Fabriken bestanden habe, unverändert fortbestehen zu lassen. Den Schutz der Arbeiter gegen etwaige Lobndrückereien halte auch er für unerläß­lich, man dürfe daraus aber nicht irgendwelche Fol- gerunaen für andere Erwerbsverhältnisse ziehen. Abg. Bärwinkel (natl) gebt von dem Erundiaüe aus, daß die natürliche Monopolstellung Deutsch­lands in der Kalifrage aufrecht erhalten werden müsse. Abg. Emmel (Soz.) meint, daß einzig die Verstaatlichung des Kalibergbaues erst annehmbare Verhältnisse schaffen könne. Abg. v. Stubbendorff (Nn.l erklärt, eine Mehrheit seiner Freunde sttmme dem Gesetze zu. wogegen ein Teil es ablehne. Abg Kölle (Wirtsch. Vq) hat an dem Zustandekommen des Gesetzes mitaewirkt im Interesse der Industrie, der Landwirtschaft und der Arbeiter. Abg. SBer»

zur Ruhe zwang,sondern darum, mir mitzn- teilen, welcher unredlichen Handlungsweise man mich beschuldigt."

Ich weiß nicht, ob ich dazu befugt bin, Sie müssen sich an diejenigen Personen halten, welche das Gerücht verbreitet haben. Wären Sie bereits Offizier, dann wäre es freilich meine Pflicht, die Angelegenheit weiter zu verfolgen, entweder auf ehrengerichtlichem Wege ober vor dem Kriegs gericht. So muß ich Sie an die Zivilgerichte ver­weisen."

Die ich sicherlich zu meinem Schutze anrufen werde. Um das zu können, Herr Major, muß ich irgend eine Person kennen, welche das ehren­rührige Gerücht über mich verbreitet hat. Ich bitte Sie also, mir den Namen jener Person zu nennen, welche das Gerücht Ihnen mitgeteilt hat."

Dazu bin ich leider außerstande. Es war eine dienstliche Meldung, die ich verpflichtet bin geheim zu halten."

Aber, Herr Major," rief Fritz verzweifelt und mit erregter Stimme aus,Sie werden mich doch nicht einer elenden Verleumdung opfern? Ich muß wissen, wessen man mich beschuldigt und wer diese Beschuldigung erhoben hat. Wenn es n'cht anders geht, werde ich Sie selbst vor Gericht ziehen."

Der Major zuckte die Achseln.

Das würde Ihnen wenig helfen. Ich könnte vor Gericht nichts anderes aussagen, als was ich Ihne» eben gesagt habe."

Herr Major, ich flehe Sie an, mir zu helfen. Sie kenne» mich schon jahrelang. Sie haben mir stets Wohlwollen entgegengebracht, halten Sie mich einer Unredlichkeit für fähig?"

Aus meine Meinung kommt es hier nicht an, sondern auf die Meinung jener Herren, welche über Ihre Wahl zum Offizier ihre Stimme ad- geben haben."

nee (Refp.) spricht für möglichst schnelle Verabschie­dung des Gesetzes, während Aba. Gothein (Fortschr. Vp.s das Gesetz für ein Unglück hält.

Nach weiterer unerheblicher Debatte wird die all- ?»meine Besprechung geschlossen und das Haus tritt n die Beratung der einzelnen Paragraphen ein. Das Gesetz wird ohne erhebliche Debatte an« aenommen. Vizepräsident Spahn empfiehlt, die dritte Lesung des Gesetzes sofort vorzunehmen. Abg. Dr. Heim (Ztr.) tritt für en dloc-Annahme des Gesetzes ein.

Das Haus nimmt das Gesetz sodann in dritter Lesung definitiv an. (Der Reichskanzler betritt den Saal.) Abg. tziebee (natl.) spricht im Namen des Hauses dem Präsidenten den Dank für die Geschäfts­führung aus, worauf der Präsident für die Unter­stützung dankt, die ibm zuteil geworben ist.

Reichskanzler e. Betbmann-Hollweg verliest so­dann die Vertagungsurkunde. Die Reichstagsmit- glieder haben sich erhoben, während die Sozialdemo- ntTten den Saal verlassen. Mit einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser schließt die Sitzung.

*

Z« Abgeordneteuhause

wurde am Dienstag die Beratung der Sekundär- bobnvorlage und damit der Borirag ungezählter Eisenbahnwünsche fortgesetzt. Abg. Dr. Dahlem (Z.) verlangte Verkehrsverbesserungen für den Nieoer- labnkreis und den Westerwald. Unterstaatssekretär Fleck sagte den vielen Wünschen möglichste Berück­sichtigung zu. Nach Erledigung einer Reihe von Petitionen war die Tagesordnung erschöpft. Nächste Sitzung Dienstag, den 24. Mai: Wohnungsgeld- zufch»ß, Initiativanträge.

Deutsches Reich.

Roosevelt in Berlin. Berlin. 10. Mai. Theo­dore Roosevelt ist heute vormittag gegen 9 Uhr auf dem Stettiner Bahnhofe angekommen. Da die an­gekündigte Zugverspätung wieder eingeholt worden war, hatten sich noch nicht alle zum Empfang be- ftimmten Herren eingesunken. Zugegen waren Staatssekretär Frhr. v. Schön, das Personal der amerikanischen Botschaft und zahlreiche Mitglieder der amerikanischen Kolonie mit ihren Damen, darunter das älteste Mitglied, der frühere General­konsul Reismann. Als Roosevelt den Wagen ver­ließ, wurde er vom ersten Sekretär der Botschaft, Laughlin, begrüßt. Darauf begrüßte ihn Staats­sekretär ». Schön, der längere Zeit mit Roosevelt im Gespräch verweilte und bann seine Gattin unb Kin­der begrüßte. Unter den Hochrufen der Menschen­menge fuhren Roosevelt und seine Familie zur amerikanischen Botschaft. Wildpark, 10. Mai. Roosevelt nebst Gattin und Kindern trafen heute mittag 12 Uhr 52 Min. mittels Eonderzuge« auf der Station Wildpark ein und begaben sich nach dem Neuen Palais. Mit dem Sonderzuge trafen auch bet Rei hskanzler und andere zum Frühstück eingeladene Gäste ein. Der Kaiser erwartete die Gäste in dem Vestibül vor dem Muschelsaale und trat bei bet An­kunft der Gäste auf die Freitreppe heraus. Er be­grüßte Roosevelt und seine Gattin auf das herzlichste unb geleitete sie durch den Muschelsaal nach dem Ttosseuzimmer, wo sie von der Kaiserin, sowie den Prinzen und Prinzessinnen des Königshauses em­pfangen wurden. Auf der Iafpisgalerie fand das

Ah, diese Herten . . . ?"

Halten Sie nicht für würdig, Offizier zu werden, weil Gerüchte über Sie im Umlaufe find, welche sich mit der Ehre eines Offiziers, überhaupt nicht mit der Ehre eines Mannes ver­tragen. Das ist alles, lvas ich Ihnen dienstlich sagen kann."

Unb wenn ich Sie nun außerbienstlich frage, Herr Major?" sagte Fritz, aus bas äußerste er­regt.Würden Sie mir dann auch nicht ant­worten? Wurden Sie mich dann auch ungehört verdammen und verutteilen?"

Fritz traten rmwillkiirlich die Tränen in die Augen seine Hände krampften sich zusammen und feine Lippen zuckten. Er machte den Eindruck eines verzloeiselnden, tief unglücklichen Menschen.

lieber des Majors Gesicht ging ein Zug des Mitleids, als Fritz wankte und sich an die Lehme eines Stuhles halten mußte, um nicht zusammen- zusinken.

Setzen Sie sich, Born," sagte er mit mild- einfter Sttmme.Ich will Ihnen antworten als ehrlicher Mann, nicht mehr als Ihr Vorgesetzter."

Fritz sank auf den Stuhl nieder.

Sie werden mir das Leben retten, Herr Major . . ."

Dieser schritt einigemale mit ernst nachderck- licher Miene in dem Zimmer aus und ab. Dann blieb er vor Fritz stehen, die Hände auf dem Rücken zusammenlegend.

Sie wissen wirklich nicht, wessen man Sie beschuldigt?" fragte er.

Nein . . ."

Und auch nicht, wer Sie beschuldigt"

Nein obgleich ich mir denken kann, von Wern die Verleumdung ausgeht."

Nun denn man beschuldigt Sie eines Diebstahls..."

Herr Major!4

Frühstück statt. An dem Frühstück "ahmen teil die hier anwesenden Prinzen unb Prinzessinnen unb Roosevelt nebst Frau, Sohn unb Tochter, seine drei Sekretäre, der amerikanische Botschafter mit Ge­mahlin und Tochter, der amerikanische Marine- unb Militärattachee, der Reichskanzler, der Oberstkäm. nteret Fürst zu Eolms-Baruth, der Staatssekretär des Auswärtigen v. Schön, General v. Loewenfeld, die drei Chefs bet Kabinette, sowie die Damen unb Herren der Umgebungen. Nach bet Frühstückstafel hielten bet Kaiser unb bie Kaiserin im Muschelsaal« Cercle, hierbei hatte der Kaiser eine lange Unter­redung mit Roosevelt allein. Um 3 Uhr fuhren die meisten Gäste im Sonderzug nach Berlin zurück. Roofevelt mit Familie verblieb noch im Neuen Pa­lais. Nachdem fich die Kaiserin um 3 Uhr zurück- gezogen hatte, verweilte bet Kaiser mit Roosevelt unb ben Herren bet beiderseitigen Umgebungen im Billardzimmer bei der Zigarre. Mts. Roosevelt nahm Tee mit der Hofstaatsdame Fräulein von Eersootff. Prinzessin Viktoria Luise besuchte mit Miß Roosevelt ben kaiserlichen Marstall. Nach 4 Uht machte bet Kaiser mit ben Gästen eine Fahrt durch bie königlichen Gärten nach dem Schlosse Sanssouci. Im ersten Automobil nahm der Kaiser mit Roose­velt Platz. Rach der Besichtigung des Schlosses Sanssouci kehrte bet Kaiser nach dem Neuen Palais zurück, während Roosevelt mit Familie in kaiser­lichen Automobilen nach Berlin fuhren.

Die Enthüllung der Moltke-Büste in Wal­halla. Regensburg, 10. Mai. Die Enthüllung bet Büste bes Eeneralfeldmarschalls v. Moltke in bet Walhalla wohnten u. a. bei: der bayrische Kriegs- Minister v. Horn als Vertreter des Prinzregenten, der preußische Kriegsminister v. Hesringen, General- stabschef v. Moltke, mehrere Vertreter der Familie v. Moltke, die Prinzen Leopold unb Rupprecht von Bayern, sowie Bertreter der Bunbesstaaten und des Reichstages. Berlin, 10. Mai. Zur heutigen Walhallafeier richtete der Reichskanzler folgendes Telegramm an ben Mi nisterpräsibenten v. Pode- wils:Wie alle Deutschen nehme ich heute im Geiste an bet Ehrung Moltke» teil, durch bie Bayern vor aller Welt kunbtut, wie teuer bem geeinten Deutsch­land bas Andenken einer großen Zeit ist. Beth- mann-Hollweg." Ministerpräsident v. Podewil» telegraphierte darauf an den Reichskanzler:D-r heutige Tag hat in bet Halle, bie im Herzen bay­rischer Lanbe zum Gebächtnis deutschen Ruhmes stch erhebt, bas Dteigestirn vereint, dessen Glanz Deutsch­lands fernen Geschlechtern noch erstrahlen wirb. In Dankbarkeit feiner Großen gedenkend, wirb das deutsche Volk in Stärke, Einigkeit unb Ruhe seiner Zukunft entgegengehen. Frhr. v. Podewils-Dütniz."

Zur Fahrt des Grafen Zeppelin nach Oester­reich. Linz, 10. Mai. Der Oberösterreichische Ver­ein für Lustschiffahrt ersuchte ben Grasen Zeppelin, bei bet Fahrt nach Wien eine Zwischenlandung in Linz vorzunehmen. Graf Zeppelin antwortete tele­graphisch. er bedauere, dem Wunsche nicht entsprechen zu können, da Zwischenlandungen au» flugtechnischen - Gründen vermieden werden sollen.

Fritz sprang empor, doch der Major legte ihm bie Hände auf die Schuftet und drückte ihn auf bet» Stuhl zurück.

Bleiben Sie ruhig keine Aufregung immer ruhig Blut behalten Also man beschuldigt Sie eines Diebstahls. Ich war ja von vornherein des Glaubens, daß hier ein Irrtum vorliegen müsse, aber die anderen Herren behaupteten, daß. Ihr Rus in der Gesellfchaft so ungünsttg sei, daß eine Wahl zum Offizier unmöglich sei. Die Be­schuldigung auf ihre Wahrheit hin zu prüfe», lag nicht in unserer Kompetenz, das mußten wir Ihnen überlassen. Deshalb schrieb ich Ihne» jenen Brief. Aber mein Interesse für Sie war doch zu groß, als daß Ick nicht versucht hätte, jenem Gerücht aus den Grund zu kommen. Ich forschte daher der Entstehung des Gerüchtes nach und erfuhr, daß die Baronin Hambach, in deren verstorbetnen Gatten Dienst Sie gestanden, Sie' verdächtigt, ihr einen kostbaren Schmuckgegenstand entwendet zu haben, um aus dessen Erlös Ihre Spielschulden zu bezahlen. Sie sollen auch vo» dem verstorbenen Baron wegen Ihrer Spiel­leidenschaft. der Sie stch in dem Gasthaus zum Weißen Roß hingegeben hätten, entlassen fein. Soweit reicht meine Kenntnis der Dinge was. davon auf Wahrheit beruht, vermag ich nicht pt. entscheiden."

Fritz war leichenblaß geworden. Er zitterte vor innerer Erregung und ein heftiger Schmer, zerriß sein Herz bei dem Gedanke», daß es die Mutter Erikas war, welche ihm diesen tödliche» Swß versetzt hatte.

Erstaunt sah ihn der Major an und trat einen Schritt von ihm zurück. Ein Gefühl des Ätb» trauens schlich sich in feine Seele, als er Frttz jfc stumm unb doch so bleich dafitzeu sah, il

B-ttsetzrmg folgt.)