mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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^Fortsetzung folgt.)
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unb den Beilagen: ,Ilach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbellage) und »Landwirtschaftliche Beilage."
des toten Gemahles und ist nicht zu bewegen, sich in ihr Zimmer zurückzuziehen, um sich Ruhe zu gönnen. — Unter den Beileidskundgebungen besindei sich eine besonders herzlich gehaltene des deutschen Kaisers.
Der Thronwechsel.
London, 7. Mai. Der König teilte die Nachricht vom Tode seines Vaters allen Herr schein und Staatsoberhäuptern persönlich mit. Er erledigte in Dtarlboroughouse Regierungsgeschäfte Bis zum frühen Nachmittag war er nicht im Buclinghampalast erschienen, um nach seiner Mutter und seinen Schwestern zu sehen, ließ jedoch oftmals Erkundigungen einziehen, wie sie den schweren. Verlust tragen. Die Börsen sind geschlossen, die Gerichtshöfe vertagten sich. — Trotz Gewittersturms mit Hagelschauern sammeln sich an verschiedenen Punkten der Stadt große Menschenmengen, um Zeuge der Proklamatiori des neuen Königs zu sein.
London, 7. Mai. Halbamtlich wird mitgeteilt, daß wegen des Hinscheidens des Königs nicht wie ursprünglich geplant, der Prinz und die Prinzessin von Wales, sondern der Herzog von Connaught zur Eröffnung des neuen Parka ment- nach Südafrika geht.
London, 7. Mai. Die Mitglieder des Geheimen Rats begannen sich um VA Uhr nachmittags im St. Jamespalast zu versammeln. Unter ihnen befanden sich die Minister Winston Churchill, Earl of Crewe, Burns, Burton und Morley, ferner Balfour, Rosebery und der Erzbischof von Canterbury. Der König fuhr am Nachmittag in Admiralsuniform ohne Eskorte vom Marlboroughoufe nach dem Et. Jamespalast, ehrerbietig von der nach Tausenden zählenden Menge begrüßt. In der Ratshalle erwartete ihn eine glänzende Versammlung. Nach den gebräuchlichen Zeremonien unterzeichnete der König die Proklamation. Darauf hielt er eine Ansprache, in deren Beginn er mit großer Bewegung erklärte, er fühle sich nicht imstande, mehr als nur wenige
Worte zu sagen, so tief sei die Rührung. Er er» innerte an die Worte, welche sein Vater bei seiner Thronbesteigung gesagt habe, nämlich, daß et, solange er atmen werde, dahin streben werde, die besten Interessen seines Volkes zu fördern. Dieses Versprechen habe sein Vater nach besten Kräften erfüllt. Es werde sein eigenes ernstes Bestreben sein, mit Gottes Hilfe dem Beispiel seines Vaters zu fol- den. Der Verlust, den er erlitten habe, fei mehr al» der Verlust eines Vaters, denn in ihm habe er einen König, Vater und Freund verloren. Er erwähnte sodann die innigste Sympathie, welche man der königlichen Familie erwiesen habe und erklärte, es werde stets sein ernste» Bestreben sein, die Verfassung in ihrem vollen Umfange aufrecht zu erhalten.
London, 7. Mai. Der deutsche Botschafter Graf Wolff-Metternich ist heute Abend hter ein- getrosfen. — Die Mitglieder des Königlichen Haushalts erhielten nachmittags Zutritt zu dem Sterbelager des Königs. Seine Züge sind vollkommen ruhig und friedlich. Heber das Datum der Beisetzung ist noch nichts bestimmt. Wegen Mangels an Zeit für die Vorbereitungen der Formalitäten findet die öffentliche Proklamation des neuen Königs erst am Montag statt. Obwohl die Trauer über das Hinscheiden deS Königs das vorherrschende Gefühl ist, werden in politischen Kreisen die Folgen des Thronwechsels auf die innere Krisis erörtert. Die Presse äußcrt sich darüber nur wenig, aber bei der heutigen Sitzung des Parlaments bildete dieses Thema das Hauptgespräch in den Wandelhallen. Es wurde ein Vorschlag befürwortet die Austtagung des Konflikts der beiden Häuser hinausplschieben. Der Vorschlag kennzeichnet wie ttef man den Verlust der polittschen Autorität König Eduards bei der Lösung der inneren Krisis empfindet. — Der deuffche „Gesangverein Liederkranz* sagte die Feier eines Stiftungsfestes ab.
London 7. Mai. Der Tod deS Königs macht den alsbaldigen Zusammentritt deS Parla-
arbeitsfteien Sonnabendnachmittag
Sonnenscheins liegt eine gedämpfte Stimmung über den langsam sich bewegenden Menschen. Die gewöhnliche Schweigsamkeit, welche die Londoner Bevölkerung in der Oeffentlichkeit zur Schau trägt. Ift noch ausgeprägter und auffallender al» sonst Allgemeine Genugtuung riefen die gestern und heute Früh veröffentlichten Sympathiebe« zcugungen der ausländischen Presse an der Erkrankung des Königs hervor. Die Teilnahme Deutschlands erweck: besondere Befriedigung, bti Berliner Korrespondenz hiesiger Blätter betonte» nachdrücklich die Herzlichkeit und Aufrichsigkeit der dmffctzen Sympathieäußerungen. Es wird hier dankbar empfunden, daß der König in Deutsch-
„Was Hai sich zugetragen? — Habe ich etwa gestohlen?*
Leugner schien zu erschrecken, er sah Fritz mit einem eigentümlich erstaunten Blick an, dann sprach er langsam und bedächttg:
„Ich habe das nicht gesagt, Born — und — und ich glaube eS auch nicht, wenn eS ander« sagen*
„Bin ich verrückt oder find Sie eS, Lengner? — Sie sprechen gerade so, als wenn man mich eines Diebstahls bezichtigte.*
„Ich habe das nicht gesagt, Fritz Born — ich habe nur gesagt, ich glaube nicht daran, wenn es andere Leute sagen würden. Ich bitte, mich nicht in diese Angelegenbett zu mischen, ich weiß nichts und ich will nichts wissen. Aber eine« guten Rat will ich Ihnen geben: verkaufen Sie Reuhos wieder — ich wüßte sogar einen reelle» Käufer — und kaufen Sie stch anderswo an — wett weg von hier, im Posenschen meinetwegen — da kennt Sie ja niemand, und da sollen die Güter ja billig sein. Und noch einS: Ziehen Sie Ihre Meldung zum Reserve-Offizier zurück, wie die Verhältnisse nun eimal liegen, werden Sic hier nicht gewählt werden. Richt« für ungut, lieber Born, aber ich habe wirMch keine Zett mehr*
Er wollte fich entfernen, ober Fritz ergriff ih» heftig am Arm. „Sie kommen mir nicht von der Stelle, bis Sie mir eine Erklärung Ihrer seltsamen und bekeidiaeuden Worte gegeben haben 1* rief er mtt so starker (Stimme, daß einige Knechte neugierig herüberschauten. in der Meinung, daß die beiden jungen Herren handgemein Neibei würden.
men1« notwendig, das bi« zum 26. Mat vertagt ist, aber jetzt automatisch ohnebesondere Einde» ■ ruftmg zusammentritt. Der Sprecher ist äuge» - blicklich zum Besuch seines Bruder«, des Botschafters Lowther, in Konstanttnopek und wird i» einigen Tagen zurückerwartet.
Loudon, 7. Mai. Anläßlich des Todes des Königs versammelte sich das Unterhaus nachmit- tags um 8 Uhr zu einer formellen Sitzung und vertagte sich sodann in Abwesenheit des Sprecher« auf Antrag von Windston Churchill. — Im Obe«, hausc leisteten der Lordkanzler und andere Peer« den Huldigungseid.
London. 8. Mai. SBie der Hofbericht mit- teilt, hat der Erzbischof von Canterbury in de» letzten Augenblicken de« Königs Edward im Zimmer des Königs in Anwesenheit der könig- licben Familie einen kurzen Gottesdienst flöge- halten. Dem „Amtsblatt* zufolge legt der Hof von heule ab auf ein Jahr Trauer an. Die volle Trauer soll bis zum 7. November dauern.
Paris, 7. Mal. Der Londoner Korrespondent des „Mattn* berichtet, daß anläßlich des Ablebens Königs Eduards die Führer der liberalen Partei beschlossen baden, vorläufig auf ihre Poli- tif des Ansturmes gegen das Oberhaus währen» ger jetzigen Tagung zu verzichten, da sie nicht wollen, daß die neue Regierung durch Kämpfe tiefet Art eingeführt werde. Die Abänderung der Stellung des Oderhaufes wird nicht vor Anfang nächsten Jahres zur Beratung gelangen. „Matin" fügt hinzu, man müsse den Geist der nationalen Würde bewundern der die Leiter der Regientng und die Führer der Oppositton bewogen habe, fich um den Thron zufammenzn- scharen und auf jeden Parteikampf zu verzichte«.
London, 7. Mai. Obwohl die Bullrtin» ungünstiger lauteten, war man auf den Tod des Königs nicht vorbereitet. Der rapide Verlauf der Krankheit trug dazu bei, die Erschütterung über den Verlust zu vergrößern. Die Empfindung nationaler Trauer ist in allen Schichten des Volkes sehr stark. Im Lause des heuttgev Tage« pilgerten dichte Scharen ernster, schweigender Menschen zum Buckbinghampalast, wo die Flagge Halbmast wehte. Sie füllten den benachbarte» St. Iamcspark und versammelten sich vor dem Marlbormtghause, der bisherigen Residenz de» neuen Königs. Nachmittags fuhren der König und die Königin nach dem Buckbinghampalast zur Königin Akerandra. Die Menge begrüßte ihr erstes öffentliches Erscheinen durch Schwenke» von Hüten und Tüchern; aber in tiefem Schweigen. Die Straßen und Plätze Londons sind am
Marburg
Dienstag, 10. Mai 1910.
Zum Tode König Eduards VII.
liegen noch folgende Meldungen vor:
Die tödliche Krankheit.
London, 7. Mai. Wie die Blätter melden, Weigerte sich der König gestern morgen, Im Bett zu bleiben und erledigte mtt dem Sekretär Knollys die Geschäfte. Der König sah dem Verlauf seiner Krankheit gefaßt entgegen und unterhielt sich wie gewöhnlich, außer während der Husten- und Erstickung«- Unfälle. Der König hatte vormittags einen schweren Hustenanfall, abends naf "en die Hustenanfälle zu, hie im Laufe des Nachmittags sich öfter wiederholt hatten und immer beängstigendere Form annahmen.
London, 7. Mai. „Daily Expreß" sagt: Die Krankheit de» Königs war eine asthmattsche Herz- «ffektion. Die erste ärztliche Untersuchung ergab eine mögliche Komplikation in der Kehle. Man fürchtete, eine Operation sei notwendig. Doch Prozessor Thomson, der als Spezialarzt für Halskrank- - heilen hinzugezogen worden war, erklärte eine Operation für unnötig. Der König hatte im Laufe de» gestrigen Tages zweimal Ohnmachtsanfälle. Es wurde festgestellt, daß der ständige Husten und die .Atembeschwerden die linke Herzkammer so angegrif- Jen hatten, daß diese nicht mehr funktionierte. Auch "Sauerstoff schaffte keine Erleichterung.
L o n d o n, 7. Mai. Beim Ableben de» König» 'War von seinen Kindern nur die Königin von Norwegen nicht anwesend: sie telegraphierte, daß sie sofort abretfe, ihre Ankunft dürste Sonntag erfolgen. !— Dem Vernehmen nach befand der König sich den i ganzen Abend über in schlafartigem Zustande, nur Zwischen 9 und 10 Uhr trat ein leichtes Erwachen ein, darauf wurde der König bewußtlo».
Königin Alexandra.
1 London, 7. Mai. Die Königin Alexandra j Weilte von früh an im Sterbezimmer in der Nähe
jtnb. Aber ich lasse Sie nun nicht entwischen, ich will wissen, was gegen mich vorliegt, daß ihr mich alle meidet, als hätte ich die Pest.*
„Sie irren sich, Born *
„Ich irre mich nicht * entgegnete Born erregt „Und ich will den Grund wissen! Sie, Lengner, sind es mir als Kamerad und Freund schuldig, mir den Grund zu sagen. Ich fordere das von Ihrem kameradschastl'chen Gefühl. Al« ich Neuhof vor wenigen Wochen kaufte, begrüßten Sie mich auf das herzlichste als Ihren Nachbar, auch die anderen waren erfreut, daß ich Reuhos gekauft und zeigten stch mir freundschaftlich gesinnt Weshalb auf einmal diese offene Feindschaft?*
„Aber ich bin ja gar nicht Ihr Feind, lieber Born. Ich habe jetzt nur keine Zeit — man erwartet mich *
„Lassen Sie die anderen warten und fteben Sie mir Rede und Antwort Sie wollen Reserve- Offizier werden, wie ich — in nächster Zeit sollen wir zur Wahl gestellt werden, da kann es mir n cht einerlei sein wenn ungünstige Gerüchte über mich im Umlauf sind. Wenn Sie mir also nicht Rede unb Antwort fteben wollen, fo werde ich mich an den Bezirkskommandeur Major von Waldau melden und ihn bitte«, die Angelegenhett zu unterfutben.®
„Ich würde das an Ihrer Stelle nicht tun,* versetzte Lengner. der während der ganzen Unterredung ein verlegene« Wesen zur Schau trug.
„Weshalb nicht?*
„Ja — das ist so 'ne eigene Sache. Bei 'ne, Untersuchung kommt meistens nicht viel heraus. Damals, al« Sie fich hier anlmtften, lagen die Verhältnisse noch ander«, seitdem — mm, seitdem hat sich manches zugetragen.*
die Stirn — er erfuhr hier dasselbe Schicksal wie bei dem Abel. Er würbe nicht empfangen, und als er an zwei Stellen abgewiesen war, da erfaßte ihn der Zorn und er nahm sich vor, sich um die ganze Gesellschaft nicht mehr zu kümmern.
Er fuhr direkt nach Hause.
Auf dem Rückweg mutzte er durch Rengers hausen fahren, das Dorf, in dem das Gut Franz Leugners, de« Kameraden von Fritz aus dessen Dienstzeit, lag.
Franz Leugner befand sich gerade auf dem Hose als Fritz vorüberfuhr. Da kam Fritz der Gedanke, ob Franz Lengner, obgleich er eigentlich nicht zur ersten Gesellschaft gehörte, nicht den Grund des eigentümlichen Benehmens dieser wußte, unb er befahl seinem Kutscher, anzu- halten. >
Dann stieg er aus, um auf Leugner zuzugehen. Da sah er zu seinem Erstaunen, wie bieser sich rasch abwandte, als habe er auf dem Hose zu tun. Aber er wollte Gewißheit haben, ob auch Leugner ihn mied.
„Hallo. Leugner, wohin so eilig?* rief er ihm nach. „Ich wollte Ihnen eben meine Antritts Visite machen.®
Leugner blieb stehen, ein verlegenes Lächeln auf dem Gesicht.
„Guten Tag. Born,® fagte er. „Entschuldigen Sie mich, ich habe im Stall zu tun.*
Fritz trat nah an ihn heran und sah ihm scharf in die Augen.
»Franz Leugner,® sprach er fest und bestimmt, „Sie wollten mir ausweichen.®
„Ach nein — gewiß nicht.®
„Sie wollten mit ausweichen, Lengner, wie alle anderen früheren Bekannt-« mir ausgewichen
Tie „CberheflifAe Bettung" er;meini täglich mit Annahme der Soun- unb Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2 26 JC (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 K.
Um Effre und Recht.
Roman von O. Gitter.
tForttetzung. \
Das mußte der Einfluß der Baronin Hambach fein, bet ihn in solch kränkender Weise ans der Gesellschaft ausschloß!
Was hatte er dieser Frau nur getan, daß sie ihn mit ihrem Haß förmlich verfolgte? Seine Entlassung aus dem Dienste des Barons auf Grund einer von dem Baron später selbst als falsch erkannten Verleumdung konnte doch unmöglich der Grund ihres Hasses sein. Unb seine Liebe zu Erika? — Er hatte doch nie mehr gewagt, sich Erika zu nähern, er hatte gegen nie- manben. mit Ausnahme seiner Mutter, von dieser Liebe gesprochen, und er würde auch niemals hinter dem Rücken der Baronin sich Erika zu nähern versuchen, dazu stand ihm diese zu hoch, dazu hielt er feine Liebe für zu heilig — und ,was konnte es da der Baronin ausmachen, wenn ,er diese Liebe still als Heiligtum in seinem Herzen trug?
Da mußte noch em anderer Grund vorhanden fein. Sollte es nur leerer Adelsstolz fein? Der jfieß stch vielleicht bei dem Grafen Hennersdorf jbermuten, bei den anderen Herren jedoch nicht, die früher fogar, als er noch einfacher Verwalter war, freundfchastlich und zum Teil kameradschaft- ßich mtt ihm verkehrt hatten.
Vielleicht würde er den Grund bei den bürgerlichen Grundbesitzern erfahren, und fo machte ßr stch am nächsten Sonntag auf, um bei diesen seine Besuche zu machen.
Aber — das Blut stieg ihm siedend heiß in
Die Jnsertion«gebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile ober deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. — Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UniversitätS-Buchbruckerei Inhaber Dr. C. Httzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 56.