Einzelbild herunterladen
 

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

*nb den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage."

32106

Marburg

Snmttag, 8. Mai 1910.

Di« Jnsertiondgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile

oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. i e

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei 40. ^ZUllrff.

Inhaber Dr. 6. Hiheroth, Marburg, Markt LI. Telephon 55.

~teOberheffische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn, und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel. Ehrlich durch die Post bezogen 2 25 <K (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellcn und der Expedition (Markt 21), 2M.

Zweites Blatt.

Die Weltpolitik des Deutschen Reiches.

Italien scheint das Festhalten am Drei- bunde bei gewissen Konstellationen der europäi­schen Lage schwer zu sein, aber es ist anzunehmen, daß alle Versuche, es vom Dreibunde tatsächlich soszureißen, an den» größeren Interesse Italiens, sich ihn zu erhalten, scheitern werden. Es gibt .seine größeren Schwärmer für Italien- Alter­tümer. Kunstschätze und Naturschönheiten, als ge­rade die Deutschen die in jedem Frühling in be­geisterten Scharen herbeiströmen. Geradezu an­geboren ist uns Deusschen die Liebe für das schöne Italien, und unser großer Goethe, der die Personifikation unseres höchsten deutschen Jedals .ist. har erst in Rom den Höhepunkt seiner Ent­wicklung gefunden.

Aus politischen Gründen wird sich aber Ita­lien erst recht nicht von uns entfernen. Italien würde bei seiner Schwenkung zu Frankreich Gefahr laufen, wieder, wie einst, zu dessen Va- Jaffoi herabzusinken und ihm auf Gnade oder Ungnade preisgegcben zu sein, wie in den napoleonischen Zeiten während es von den Drei­bundmächten als völlig gleichberechtigter Faktor behandelt wird. Von England kann aber Italien kaum eine größere Rücksichtnahme erwar­ten, als es sie jetzt schon genießt. Es ist daher zu hoffen, daß Italien den Rückhalt, den es am Dreibunde besitzt, nicht so ohne weiteres ausgeben wird: zu wünschen wäre aber, daß man sich in Deutschland mehr Mühe um die italienische öffentliche Meinung geben möchte, indem man, wie die Franzosen es getan haben, eine direkte Lelevbonverbindung und einen innigeren Ge- bankeuauStausch mit der italienischen Presse - schasst, denn nur dann wird die Freundschaft, die jetzt noch eine platonische ist, sich inniger gestal- ten können.

Unserem Dreibund gegenüber steht der russisch - französische Zweibund. Rußland hat von ibm große ftnanzielle Vorteile gehabt, aber po­litischen Gewinn ha» biS jetzt keiner der Kontra- heulen aus ihm gezogen. Rußland hat mit uns eln Jahrhundert hindurch in traditioneller Freundschaft gelebt und auch jetzt an keinem Punkte der Erde Interessen, die mit den unserigen kollid'eren. An üch sollte eS also nicht so schwierig sein, wieder innigere Beziehungen zum Rarenreiche herzustellen, denn die panssawiftischen Provokationen in der Presse braucht man nicht pll.zu ernst zu nehmen. Die Politik der Groß» M/M.' wird nicht Von Sentimentalitäten, sondern von Ihren Interessen bestimmt. ES sind also sehr W.'chl Eventualitäten der politischen Lage denkbar W« 4 für Rußland vorteilhaft erscheinen würde, mH uns gemeinsam vorzugeben. Nur müssen wtt unter allen Umständen, mich den gemachten Erfahrungen, Rußland die Inttiative überlassen. Daß wir den von Caprivi gekündigten loaenann- ifn Rückversicheruugövkrtrag erneuern könnten, ist wohl ausgeschlossen. Dieser Vertrag konnte damals trotz Abschluß der Allianz mit Rußland zustande kommen, weil Rußland diese Allianz,

durch die Oesterreich verhindert wurde, sich mit damaligen Feinden Rußlands zu Verbünden, gar nicht so unangenehm empfand, als man gewöhn­lich anzunehmen pflegt. Inzwischen hat sich aber durch da- Zustandekommen des russisch-französi­schen Zweibnndes und durch die Annäherung Rußlands an England die Lage auf der Welt­bühne so verändert, daß vorläufig für Deutsch- land an einen politischen Vertrag mit Rußland nicht zu denken ist. Es liegt aber tm wohlver­standenen Interesse Deutschlands, daß Rußland sich möglichst bald von Wunden erhole, die ihm Kri g und Revolution geschlagen haben; denn für die in Zukunft vielleicht zu erwartende große Ausemandersetzung zwischen Europa und Asten würde ein starkes und besser als jetzt gerüstetes Rußland selbst dann schwer zu entbehren sein, wenn wir annehmen wollen, daß unsere kriege­rischen Machtmittel in derselben Progression wie bisher zunehmen werden.

Frankreich, der andere Partner des Zwei­bundes, hat durch den Abschluß des Marofloab- kommend mit unS bewiesen, daß eS auf ein fteundliches Verhältnis zu Deutschland Wert legt. Die offene Aussprache zwischen den Regierungen hat endlich die Reibungen und das Mißtrauen der früheren Jahre beseittgt und die Bahn frei gemacht für eine spätere allgemeine dentsch- ftanzösische Annäherung. Immerhin hat die Re- vanche-Jdee zu lange Jahre den Grundton im politischen Leben Frankreich gebildet, als daß in absehbarer Zeit von einer deutsch französischen Freundschaft die Rede fein könnte. Alles aber, was dazu beittägt, uns untermt westlichen Nach­barn näher zu bringen, verdient die vollste Be­rücksichtigung. Die Franzofen werden uns stets bereit finden, in kulturellen internationalen Fra­gen mit ihnen Hand in Hand zu g--hen. Man darf aber nicht glauben, daß sich die polittsche Freundfchaft der nun einmal argwöhnischen Franzosen durch Liebenwürdigkeit erlaufen lasse. Was einst Wilhelm I. über die Franzosen gesagt hat, man könne sie mit Güte nicht gewinnen das trifft auch heute noch zu und follte als gol­dene Regel bei allen offiziellen und offiziösen Aeußemngen an die französische Adresse beherzigt werden. Mr werden eine polittsche Annäherung Frankreichs an uns nur bann bewirken önnen, wenn wir ihm Zeit lassen und eine günstige Kon­stellation abwarten. Die Gegensätze zwischen Frankreich und feinem alten Erbfeinde Eng­land sind keineswegs ll tont lamais begraben »md vergessen, sondern zeigen sich dem unter­richteten Beobachter bei bett verschiebensten Ge­legenheiten. Sie können sehr wohl wieder den Gnind zu ernstlichen Reibungen geben, während wir jetzt keinerlei Gegegensätze zu Frankreich mehr haben. Eine ruhige, korrefte, fachliche Geschäftspolitik ebne Animosität und ohne Hebet- schwenglichkeit, ohne Ententenrummel und ohne Besuchsaustausche wird daher zweisellos bald gute Früchte trauen und zu eiter innigeren deutsch-französischen Annäherung fick'- ' _______

Politische Umschau. "

Einschränkungen bei Submissionen.

Der Zentralverband Deutscher Industrieller hatte eine Umfrage über Einschränkungsvorschrif-

88 (Nachdruck verboten.)

Um Ehre und 9?ed)t.

; ~ Roman von V. CINet. "

(Sortierung.)

«Ich schelte Sie nicht wegen Ihrer Abneigung gegen Herrn Stanislmls, die ich sehr Wohl ver­stehe. Und Sie können sich darauf verlassen, mein teures Kind, daß ich Ihnen hilsreich zur Seite stehen werde wenn . . ., doch daran ist ja nicht zu denken, daß Ihre Mama Sie zwingen wird, einem ungeliebten Mann die Harrd zu reichen."

Und wenn es doch der Fall fein sollte, Miß Bahleh, kann ich dann auf ihre Hilfe bauen?*

Ja das können Sie, aber, wie gesagt . . *

Ich danke Ihnen, meine liebe Miß Bahleh. Nun habe ich doch wenigstens eine treue Seele. Aber weshalb schelten Sie mich denn?*

Wegen des anbern, Erika. Wir wollen kei­nen Namen nennen mag ja sein, daß er weniger schuldig ist, als Ihre Mama annimmt ;nur Gott kennt die Wahrheit aber Sie verletzen ihre kindliche Pflicht, wenn Sie Ihrer Mama in der Weise wie heute entgegentteten. Das dürfen Eie nicht. Das widerspricht den Geboten Gott s, der da sagt: Du sollst Vater und Mutter ehren, «ns daß es dir wohl gehe auf Erden *

Aber wenn ich weiß, daß die Absichten meinet Mutter nur mein Unglück fördern können?*

So wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihre Warna.*

Das kann ich nicht.*

Sie lönnen es. Jetzt zeigen Sie Ihrer Mama nur Stolz und Trotz, das ruft toi der den Stolz und den Trotz Ihrer Mama hervor und mit Recht, denn Ihre Mama hat von Ihnen Ver- trauen und Zärtlichkeit zu ertoarten und zu ver­langen. Eröffnen Sie Ihr Herz, Ihre Mama

will doch nur Ihr Glück, Ihr Bestes viel­leicht auf einem falschen Wege, zeigen Sie ihr den rechten Weg nicht durch Stolz und trotziges Schweigen, sondern durch Zärtlichkeit und Ver- trauen es wäre doch wunderbar, wenn ein Kind auf diese Weise nicht den Weg zum Mutter­herzen finden würde.*

Sie mögen recht haben,* sagte Erika ge­dankenvoll.

Gewiß habe ich recht, und das war es, was ich Ihnen sagen wollte. Handeln Sie nur nach meinen Worten, Ihre Mama will nur Ihr Bestes, glauben Sie mir sagen Sie ihr, daß Sie Herrn Stanislaus nicht lieben können, und sie wird ge­wiß nicht auf einer solchen Verbindung bestehen.*

Das wäre nur die Hälfte von dem, was ich ihr zu sagen hätte,* entgegnete Erika leicht er­rötend.

Was habe» Sie ihr noch zu sagen?*

Daß ich daß ich den anderen liebe* stteß Erika hervor und schlug leidenschaftlich auffchluch- zend die Hände vor das Gesicht.

Erika das dürfen Sie nicht sagen,* sprach Miß Bahleh fast streng.

Aber es ist doch die Wahrheit o, meine liebe Miß Bahleh, helfen Sie mir.*

Weinend schlang sie die Arme um den Hals des alten Fräuleins, das zärtlich und tief be­kümmert das Haar Erikas streichelte.

Ich weiß nichts von dieser Liebe,* sprach sie mit zitternder Stimme.Es ist schon lange her, daß ich jung war es gab auch einmal eine Zeit, wo dieses alte Herz jung war und wo S auch eine Hoffnung hegte aber das ist lange her, ich weiß kaum noch, ob es wirMch einmal war, ich weiß nur, wenn man liebt, muß man auch achten können.*

Erika fuhr auf.

DaS ist es ja, Bahleh,* tief ste,wes­

ten bei Submissionen veranstaltet. Es war ihm mitgeteilt worden, daß die Behörden bei bet Aus­schreibung von Submissionen immer häufiger von ben sich beteiligenben Finnen bie Erklärung ver­langten, daß ste keinem Kartell oder Syndikat an- gehötten. AuS den Antworten, die der Zentral- verbanb auf die Umfrage erhalten, geht folgendes hervor: Der großen Mehrzahl der Industriellen find solche erschwerenden Bedingungen nicht vor­gekommen; allerdings stellt eine Anzahl von Be­hörden bei Submissionen Bedingungen gegen Verbände und Abmachungen auf, die mehr oder weniger ungerechtfertigt oder unausführbar sind, in der Praxis aber wird vorherrschend nicht schroff auf das Eingehen ober Einhalten solcher Verpflichtungen gesehen; eine allgemeine Kala­mität ist also nicht vorhanden. Indes wird schon das Verlangen von der überwiegenden Mehrzahl der Stimmen die überhaupt eine Meinnngs- äußemng abgeben entschieden gemißbilligt; verschiedentlich betonen dabei diese Antworten, daß der Betteffende selbst nicht genannt werden möchte, um keinen Un gesegenheiten ausgesetzt zu sein. Rach eingehender Berichterstattung und Er­örterung hat das Direttorium des Zenttalver- bandes, nach dem Ergebnis der Rundsrage, be­schlossen, nicht öffentlich und auch nicht im Wege von Eingaben, sondern gelegentlich den betreffen­den Behörden nahe zu legen, daß Bestimmungen, welche für die Teilnehmer an einer Submission die Zugehörigkeit zu den freien Wettbewerb ein fchränkenden Verbänden, also Kartellen und Syn- bifafen. untersagen, als verfehlt und stellenweise unausführbar angesehen werden müssen, und des­halb nicht mehr in die Bestimmungen aufgenom­men werden möchten. Zugleich sollen dabei einige anderweitige Wünsche, die in den Antworten auf die Umfrage geltend gemacht wurden, zur Kennt­nis der betreffenben Behörden gebracht werden. So liegen lebhafte Beschwerden vor über zu lange, nicht im Verhältnis zu den Lieferterminen stehende Ztlschlagsfristen. Auch die alte Streit­frage betreffs der Frachtpreise bei Ziegellieferun­gen zu Eisenbahnbauten wird vorgebracht, in der aber schwerlich eine Aenderung zu erreichen sein dürfte. Bon anderen Seiten wird über verlän­gerte Garantteforderungen geklagt, sowie über die gestellte Bedingung, wonach die Anbietenden sich bereit erklären müssen, im folgenden Rechnungs­jahre jede weitere Bestellung zu denselben Be­dingungen und Preisen zu liefern.

Bergbauliches.

Die vor kurzem erf«bienen Jahresberichte der Königlich Preußifchen Bergbehörden für das Be­richtsjahr 1909 enthalten ein reichhaltiges Mate- rial für die Beurteilung der Lage der Bergwerks- industrie und der wirtschaftlichen VerhälMisse der Bergarbeiterschast. Im Jahre 1909 waren in den 5 preußifchen Oberbergamtsbezirken insge». samt 723 669 Arbeiter und Arbeiterinnen be» fchäfttgt, gegen 706 818 im Jahre 1908, (mithin 1909 mehr 16851). Hiervon entfallen auf den Oberbergamtsbezirk Dortmund 342157 (im Vor­jahre 336 422), Breslau 166 651 (154 200), Bonn 124 735 (124 406), Halle 68 028 (69 067), Claus tbal 22 098 (22 723). Die Gesamtzahl der im Bergbau beschäftigten weiblichen Arbeitskräfte betrug 10 480 gegen 10174 im Jahre 1908 (1909

halb ich es Mama nicht sagen kann. Sie ver­achtet Fritz aber er verdient diese Verachtung nicht.*

Wissen Sie das ganz bestimmt. Erika?*

Ja, er ist der höchsten Achtung wert, ich schwöre auf feine Ehre wie auf die meinige.*

Armes Kind *

Was wollen Sie damit fagen?"

Fragen Sie Ihre Mutter. Ich darf nicht sprechen und meine Sache ist eS auch nicht, einen Stein auf meinen Mitmenschen zu Wersen. Denn auch der Verbrecher ist noch immer Mensch und unser Bruder.*

Erika war leichenblaß geworden.

Sie zeihen Fritz eines Verbrechens?* fragte sie mit bebender Stimme.

»Ich nicht da sei Gott vor Fragen Sie Ihre Mutter.*

Ich iverbe sie fragen, darauf können Sie sich verlassen." entgegnete Erika mit fester Stimme. »Aber das versichere ich Sie, Miß Baley, auch wenn meine Mutter ihn eines Verbrechens bezich­tigt, ich glaube nicht daran eher glaube ich, daß ich, daß ich selbst ein Verbrechen begangen hätte.*

Unglückliches Kind.*

Rennen Sie mich nicht so. Ich bin kein Kind mehr und unglücklich bin ich aud» nicht mehr, feit ich mir klar geworden bin, was ich zu tun habe. Haben Sie Dank, Miß Bavley, daß Sie mir den Weg gezeigt haben, Sie sollen sich nidit in mir getäuscht haben, ich werde nickt mehr schweigen und ttotzen wie ein unartiges Kind, ich Werde sprechen und handeln wie ein Mädchen, wie ein Weib spricht und handelt für den Mann, den es liebt und Miß Bavley, den eS achtet.*

Seien Sie ruhig und sanft, Erika.*

Ich werde es sein aber um die Lüge, Re Verleumdung tödlich zu treffen, dazu mut man

mehr 306). Davon entfallen auf den Oberberg* amtsbezirk Breslau 9 386 (9 028), Halle 828 (851), Bonn 247 (270), Clausthal 15 (22), Dort­mund 4 (3). Die Zahl der jugendlichen Arbeiter ist von 25 334 im Jahre 1908 auf 26 212 in 1909 gestiegen (1909 mehr 878). Auf die einzelnen Oberbergamtsbezirke verteilt sich diese Zahl tote folgt: Dortmund 11839 (11412), Bonn 5 654 (5638), Breslau 6549 (5996), Halle 1600 (1692), Clausthal 570 (596). An der Gesamtzahl bet jugetrdlichen Arbeiter ist das weibliche Geschlecht mit 2,2 Proz. (gegen 2,7 Pro,, im Jahre 1908) beteiligt. Rach der amtlichen Lohnstatistik hat der verdiente reine Lohn im Jahre 1909 auf eine Schicht im Durchschnitt betragen: im Ober­bergamtsbezirk Dortmund 4,49 M (im Vorjahre 4.82 .M, bei Aachen 4.45 M (4,58 Jil), auf den staatlichen Saarbrücker Gruben 3,96 M (4,04 Jt,) in Oberschlesten 3,48 M (3,52 .M, in Rieder- fchlesien 3,23 M (3,29 Im OberbergamtS- bezirk Dortmund war demnach wieder der höchste Durchschnittslohu zu verzeichnen. Aus einzelne allgemein interessierende Mitteilungen cmS den Berichten der Bergbehörden -kommen wir noch zurück.

Die Verhetzung der Arbeiterjugend durch die Sozialdemokratie.

In welcher Weise die Arbeiterjugend von der Sozialdemokratie verhetzt wird, davon gibt fol­gendes Beispiel, das wir dem Organe der sozial­demokratischen Jugendorganisationen derAr­beiter-Jugend* (Rr. 5 vom 26. Februar diese- JahreS) entnehmen, einen erschreckenden Beweist

Der Mord.

Der Richter:Gestehe, 'Scheusal, du hast beh. Kind in der Geburt erstickt?*

Die Mutter:Ich gestehe. Ich warm bettel-, arm und einsam auf eisiger Landstraße. Da er­barmte ich mich des Wurmes*

Der Richter:Ans das Schafott, Verruchte!*

Der Richter:In deiner Fabrik stirbt jährlich ein Viertel deiner Arbeiter an Schwindsucht?*

Der Unternehmer:Jawohl, ich habe eS z» einem großen Betrieb gebracht.*

Der Richter-Der scharfe Staub zersetzt ihre Lungen; da- weißt du?*

Der Unternehmer:Jawohl, wo eine große Produktion ist, gibt es viel Staub.*

Der Richter :Und daS läßt sich nicht v r- meiden?*

Der Unternehmet:Rein, denn es würde dle Unkosten steigern.*

Der Richter:Dein Geschäft gebt aber?*

Der Unternehmer:Ich kann nicht flogen. Wir verteilten im letzten Jabre 20 Prozent Dividende und gaben außerdem ein halbes Prozent in die Waisenkasse.*

Der Rücktet:O, du wohltätiger Mann, toür- dest du wohl die Gnade hoben, mir zwei biS drei Aktien zu verkaufen?*

Ueber eine derartige Gemeinheit der Ver­hetzung ist nichts weiter zu sagen.

Deutsches Reich.

Geschätsplau de« Reichstages. Der Reichs­tag wird in der nächsten Woche noch Sitzungen

auch fest und Han sein, Rttx Bahley, und, verlassen Sie sich daraus, ich werde fest und hart sein, wenn Ruhe «mb Sanftmut nichts ausrichten.*

Sie stand vor dem alten Fröulcin, straff auf« gerichtet in ihrer jugendlichen Kraft und Schön­heit. Jede Aengftlichkett, jeder Zweifel war von ihr geivichen, ihre Bangen glühten und ihre Augen blitzten.

Mein Gott, toa« wollen Sie tun?* klagte Miß Bavley, die mit Sckreckeu fah, was ihre Worte angerichtet hatten.

Ich werde tun, was meine Pflicht ist und toa« ich meinem Vater in feiner Sterbestunde ver fprochen habe,* entgegnete Erika stolz.Haben Sie keine Sorge um mich *

Damit schritt ste rasch hinweg, das alte Fräu­lein in großer Erregung zurücflassend.

(Fortsetzung folgt.)

'----- - - ==...... <

Wanderlust.

Ein Tag schöner als der andre, Blauer Himmel, Sonnenschein!

Nimm den Stab und wandre, wanbre In die schöne Welt hinetni

Welch ein Drängen, Knospen, Treiben!

Vogessang und Blühenslust!

Willst du in der Enge bleiben Mit bet Sehnsucht in der Brust?

Ein Tag schöner als der andre.

Laß die Grillen doch zu Haus, Nimm den Stab und wandre, wandre In die neue Welt hinaus!

(ermann Haase-Gelnhanfe»,