mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
And den Beilagen: .Fach Feierabend" (wöchentliche Unteihaltungsbellage) und »Landwirtschaftliche Beilage."
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Tie „Oberdeffische Zeitung" erscheint täglich mit An^ncchme der I Sonn« und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- I jährlich durch die Post bezogen 2 25 dl (ohne Bestellgeld), bei I unseren Zcitungsstessen und der Expedition (Markt 21), 2 dl. |
Marburg
Donnerstag, 5. Mai 1910.
45. Jahrg.
Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennig«. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversitätS-Buchdruckerei Inhaber Dr. 6. Hitzeroth. Marburg. Markt 21. — Telephon 65.
Zweites Blatt.
Politische Umschau.
Fortbildung«- und Fachschulen in Preuße«.
Bon dem beträchtlichen Umfange des gewerb- ttche.i kaufmännischen Fortbildunys- und Fachschulwesens in Preußen gibt die Rachweisung ein Bild, die dem Ministerialblatt der Handels und Gewerbeverwaltung beigefügt ist. Hiernach zählen wir zunächst 20 staatliche und staatlich unterstützte Raschinenbauschulen und andere Fachschulen für Metallindustrie mit einer Schülerzahl von 4837 tm Wintersemester 1909/10. Die 25 Baugewerk schulen hatten zusammen 9402 Schüler im vergangenen Jahre. Die Zahl der Handwerker-, Kunstgewerbe- und ähnlichen Fachschulen mit höheren Zielen beträgt 26, die zusammen im Wintersemester 16 595 Schiller unterrichteten, von denen 3655 auf die Tagesschule, 12 940 auf di Abeno- und Sonntagsschulen kommen, eine Zahl, die als Belveis dafür gelten kann, wie groß unter der gewerblichen Jirgend das Streben ist, neben der Erwerbstätigkeit in den freien Stunden sich eine bessere Bildung zu verschaffen. Die Textilfach- schulen, und zwar die 7 höheren und die 6 andem, hatten zusammen im letzten Winter 2036 Schüler, wovon 879 Tages- und 11r7 Abend und Sonntagsschttler waren. Die Zahl der gewerblichen Fortbildungsschulen betagt 1715, die der kaufmännischen 390; davon sind 1640 und 339 mit der Schulpflicht ausgestattet. Nur noch der kleiner- Teil von ihnen begnügt sich also mit dem freiwilligen Schulbesuch. Die gewerblichen Schulen Haien 315 020 Schüler, die kaufmännischen 45 597 männliche und 5444 weibliche, zusammen also 51041 Schüler. Die meisten Schulen erhalten einen Staatszuschuß, nämlich 1559 gewerbliche und 229 kaufmännische. Interessant sind die Nachweisungen über die Lehrpersonen der Fortbildungsschulen. An beit gewerblichen Spulen unterrichten 14 536 Lehrpersonen; davon gehören 12 394 den, Lehrerstande, 837 dem Hcknd- werkerstande und 1305 anderen Berufen an. Bon den 2480 Lehrern an den kaufmännischen Fortbildungsschulen sind 2267 aus dem Lehrer-, 144 au? dem Kaufmannsstand und 69 aus anderen Berufen. Bon den 1550 Lehrern der Jnnunas- und Bereinsschulen gehören sogar d': meisten, 664. dem Handwerkerstands, 467 dem Lehrerstande und 219 anderen Berfen an. Die Verwendung von „Praktikern" ist also im gewerblichen Schuldienst immerhin schon aanz erheblich verbreitet. Zum Schluß noch eine Mitteilung über die Fach- und Ftortb'ldungsschnlen für das weibliche Geschlecht. Bon derartiaen Schulen .. lten 123 einen Staatszuschuß. Die Zahl der Schülerinnen beträgt etwa 11 459. Hauptsächlich handelt eS sich hierbei um Haushaltungs-, Handels- Jndu- strr:- und Kochschulen.
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Die Höhe der Wertzuwachsfteuer.
In der Freiwas Sitzuna der Reichstagskommission für die Wertzuwachssteuer kam ein Be
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‘bete Jahr der Besthdauer bis zum 30. Jahre um 1 v. H. seines Betrages. Dem Erwerbspre-S werden für jedes Jabr der Besitzzeit hinzugerechnet 214 v. H. des Erwerbspreises bezüglich der in § 10 Ziff. 4 und 5 genannten Aufwendungen, soweit diese Sumnie den Betrag von 100 JH für den Ar nicht übersteigt, iyz v. H. für den Mehrbetrag.
über 4001>. H. beS Erwerbspreises.
Steuersatz ermäßigt sich für jedes voll»n-
sckluß über den § 20. der die Sätze der Steuer enthält, zustande. Danach soll die ©fettet betragen: , Bei einer Wertsteiaerung
v. H. von iitfit mehr als 10 o. 6. b. ErwerbSpreiseS. n 'n mehr als 0 v. H. 618 einschl. 30 o. H. b. ®. » n 9 0 . „ 60
Ausland.
. ** Beisetzung BjörnsonS. Kristiania. 3. Mai.
Heute fand b’e feierliche Beisetzung BjörnsonS patt. Außer bem Königspaar waren anwesend: i BjörnsonS Familie, die Vertreter ausländischer Fürsten, darunter Legattonssekretär Freiherr von Maltzan, der den deutschen Kaiser vertrat, der Stadtverwaltung, der Gesellschaft der Wissen- Phaften, Mitglieder der Regierung und des Storchings, Vertreter norwegischen, dänische«
und schwedischen Schriftstellervereine usw. Pro- fessor Friedtjof Nansen hielt die außerordentlich warm empfundene Gedächtnisrede. ES wurden ungezählte Kränze niedergelegt, darunter auch solche vom deutschen Kaiser und dem deutschen Reichskanzler.
*♦ Roosevelt. Die „Washington Post" veröffentlicht einen Aufsehen erregenden Artikel über Roosevelts politische Zukunft: „Es wird mit größter Sicherheit erklärt, daß Roosevelt unter keinen Umständen im Jahre 1812 wieder zum Präsidentenstuhl kandidieren werde. Roosevelt wird sich vollkommen in das Privatleben zurück ziehen und nur noch mtt literarischen und wissen- schaftlichen Arbeiten, sowie Abhaltung öffentlicher Borträge befassen." Die „T. R." bemerkt dazu: Die Bosschaft hören wir Wohl . . . Vielleicht ist sie ein Versuchsballon oder sonstiger taftischer Zug guter oder schlimmer Freunde; vielleicht aber auch das Erzeugnis eines „reinen Toren*. Auf alle Fälle dürfte die gegenwärtige Reise Roosevelts mit ihren Begleiterscheinungen kaum eine gute Vorübung für ein Zurückziehen in das Privatleben sein.
Hessen-Nassau und Nachbargebiete.
Hofgeismar, 1. Mai. Etwa 1400 Anmeldungen ehemaliger Angehöriger der hiesigen Dragonerregiments zur Teilnahme an der Ende dieser Woche stattfindenden 50jährigen Jubelfeier liegen bisher vor, und es hat nicht geringe Mühe gelastet, für die große Zahl von auswärtigen (Säften hier in unserer Kleinstadt genügend Quartiere zu beschaffen. Die Proben zu den Reiterspielen, die neben dem Kommers, dem Regimentsappell und bet Denkmalseinweihung einen Hauptpunkt in bem Festprogramm bes 7. Mai bilden werden, gehen ihrem Abschluß entgegen. Diese Retterspiele, die in Damen-Quadrille, Wassenspielen, llnteroffizierquadrtlle, Fahrschule und Wildwestszenen bestehen, werden am Dienstag den 10. Mai eine Wiederholung für bas Publikum im allgemeinen erfahren; der Ertrag soll den Armen der Stadt zugute kommen.
Gifhorn, 2. Mai. Durch Grobfeuer sind acht Hinterhäuser, Scheunen, Stallungen rc. vernichtet Eine Menge Inventar ich rniwerbrannt.
Niederdresselndorf, 2. Mai. Ein im vorigen Jahre ohne ersichtlichen Grund von hier verschwundener Lehrer befindet sich bei bet französischen Fremdenlegion. Er hatte in Deutschland bereits seiner Militärpflicht genügt. Wie der junge Mann zu der Fremdenlegion gekommen, ist hier nicht bekannt.
Heiligenstadt (Eichsfelds, 1. Mai. Ein Groß feuer äscherte ht Großengottorn sieben Gehöft» ein. Ter Schaben ist groß.
Mainz, 30. April. Am 10. April fanb bei Engelstabt ein Straßen-Fahrrabrennen statt, an bem sich auch bet 19jährigeLanbwirt Joh. Valentin Juli aus Mainz-Zahlbach beteiligte. Juli kam mit seinem Rab zu Sturz, zog sich eine Kopfverletzung zu, bet er keine weitere Beachtung schenkte. Nachträglich verschlimmerte sich sein Zustand der art, baß er vor acht Tagen Im Nochusspital ausgenommen werden mußte. Gestern starb der junge Mann.
Lorch a. Rh.. 29. April. Der hier verstorbene Herr Karl Altenkirch hat unserer Stadt zum Bau
eines Krankenhauses und zur Berpflegung be- dürfttger Kranker die Summe von 190000 JH vermacht. Die Stiftung hat schon die Genehmigung erhalten.
Hagen, 29. April. Im nahen Haspe fiel gestern kurz vor Mittag ein kleines Kind einer dort bei Verwandten weilenden Familie in den Ennepefluß und ertrank.
Münster, 2. Mai. In den letzten Wochen wurden hier wieder drei Taunushirsche erlegt Zwei Heren vvn Frankfurt und ein Jäger aus Fauerbach v. d. H. waren die glücklichen Schützen Es handelte sich um junge Tiere, das letzte war ein Sechsender.
Herdors, 2. Mai. Wie gemeldet, wanderten im Monat Dezember des verflossenen Jahres von hier Steiger Oerter und 12 Bergleute nach Süd west Afrika aus, um in den dorttgen Kupferminen der Otavi Gesellschaft zu arbeiten. Am kommenden Freitag verlassen uns wieder zwei verheiratete, schon in den vierziger Jahren stehende Bergleute, um in den Marmorbrüchen Südwest Afrikas tätig zu sein. Direktor Schünemann von der Gesellschaft, dem sich die zwei Bergleute in der verflossenen Woche in Hamburg vorgestellt haben, erflärte ihnen, daß sie bis jetzt die einzigen Bergleute seien, die man eingestellt habe, es seien sonst nur Schlosser und Steinhauer berücksichtigt worden. Rach etlichen Monaten aber, tvenn die Marmorbrüche aufgeschlossen seien, könnten noch zahlreiche Deussche dort in Arbeit treten. Die Gesellschaft beabsichtigt, dann Arbeiterwohnungen zu bauen, und so die Familien der Arbeiter nach dort kommen zu lassen. In un mittelbarer Nähe der Marmorbrüche seien einige 100 deutsche Ansiedler ansässig. (Sieg. Ztg.)
Hochschulnachrichten.
X In Göttingen ist am 30. April der Reuiesta- mentler, ord. Professor in der dortigen theologischen Fakultö, Geh. Konststorialrat Dr. thel. et phil. Emil Schürer im fast vollendeten 66. Lebensjahre gestorben.
Der Flug Loudon—Manchester.
Der französische Flieger Pcmlhan Hai die rund 300 Kilometer betragende Entfernung London-Manchester in 3 Std. 55. Min., also mtt einer Stundenleistung von über 75 Kilometer in einem Doppeldecker zurückgelegt und den von der Londoner Zeimng „Daily Mall" ausgesetzte« Preis von 200 000 M gewonnen. Heber bett Verlauf bet Fahrt hat er eine Schllberung in diesem Blatte veröffentlicht, in der einige Angaben interessieren können. Kurz nach dem Aufstieg erhob -sich Paulhan zu einer Höhe von 90 Meter. Er konnte von dieser Höhe aus, wie er erzählt, den Rauch bet Lokomotive eines unter ihm fahrenden Eisenbahnzuges erkennen und nach den -Eisen bahnschienen seine Richtung bestimmen. ES war sehr kalt. Paulhan litt namentlich unter dem scharfen Wind, der ihm bei der schnellen Bewegung ins Gesicht schlug; da« einzige, was er tun konnte, um sich warm zu halten, war pfeifen und singen. Eine Stunde nach der Abfahrt trat starker Reger ein. Paulhan sagt: „Es war mir unmöglich, etwas zu sehen, ich war blind. Sollte ich landen? Rein, niemals! Und bald fieß der
Den beklagenswerten Unfall des Militärlust- schiffes „Z 2" bei Weilburg, der einen so tragischen Abschluß der Homburger Fahrt der deuffchen Militärlustflotte bildete, zeigt unfern Lesern des heutige Bild. Das Wrack liegt an der nach Weilmünde führenden Straße, unmittelbar neben der Eisenbah« Gießen-Koblenz. Das
mächtige Aluminiumgerippe ist zum größten Teil zerstört, die einzelnen Teile haben sich durch die Ballonhülle gebohrt. Die bei dem Unfall fast unversehrt gebliebene Spitze des „Z 2" ist inzwischen des leichteren Transports wegen zerschlage« worden.
Regen nach." Dann kam die Stadt Rugby bl Sicht. Gleichzeitig vernahm Paulhan den Pfiff einer Lokomotive und er bemerkte einen Eisea- bahnzug; es war derselbe, in dem seine Frau saß und ihm mit einem Taschentuche zuwinkte. Nachdem Rugby passiert war, vernahm der Flieger vielfach die Zurufe der Menge, die feinen Flug verfolgte. Die Dunkelheit nahm fchnell zu. und als Paulhan glaubte, eine große Stadt vor sich zu sehen, entschloß er sich zur Landung. Er fand auch eine geeignete Stelle und war tatsächlich in der Nähe von Manchester angelangt. Er toat aber durch Kälte vollkommen enthaftet und mußte, nachdem er mit der Eisenbahn nach Manchester und in ein dortiges Hotel überführt war, mit Massage behandelt werden. Paulhan erklärt noch, daß die größte Höhe, die er erreicht hat, 300 Meier betrug, daß aber der Flug vorwiegend in einer Höhe von 240 Metern vor sich gegangen ist. Sein Flugapparat ist französischer Konstruktion, ein Biplan des neuesten Tys Far- rnan. In ihm hatte Paulhan zusammen mtt Henry garmatt die Strecke Orleans Arcis-snr- Aube, Fannan allein eine Strecke von 232 Kilometern in 4 Stunden 5 Min. zurückgelegt. In ihm ist auch die bisher größte Höhe, nämlich rund 1270 Meter erreicht worden. Aufs neue wird der auf der Strecke London Manchester so erfolgreich gewesene Flugapparat seine Leistungsfähigkeit bei der Wettfahrt um den Preis für die Sttecke Paris Clermont-Ferrand zu erweisen haben.
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Alle« per 100 Kilo netto effektiv loco hier.
Weizenkleie Rogaenlleie Futtermehl
Berantvortlich für die Redaktion:
Dr. phil. Carl Hitzeroth in Marburg.
Getreide und Futtermittel.
Frankfurt, den 2. Mai 1910.
Mk. '0,50-10,7b Mk. 10,00-10.50 Mk. 12,00-18,00
Tendenz:
Weizen, bi-sta-r nnb Wetterauer
, turheffifrfier
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Roggen, b'esiaer
, rukülch-r
, rumäniicher
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Mk. 22 25-22.50 Mk. 22,25—22,50 Mk. 22,25-22.50 Mk. 16.00-1625 Mk. CO.CO—00.00 Mk. 00,00-00^00 Mk. 00,00 - 00,00 Mk. 16,00—1650 Mk. 16,75-17,50 Mk. 16,03-16« Mk. 1640-16.60 Mk. 31.0)—31,25
Roggenmehl Nr. 0 Mk. 23,50—23.75
, , 1 Mk. 20.50-70.75
. , 2 Mk. 16,50-16,75
Alle« per ICO Kilo inkl Sack loco biet.
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