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45. Jahrg

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danke Ihnen, Erika.

Preußische« Abgeordnetenhm,». Sitzung am Dienstag, 8. Mai 1910.

hat und

Die Jnserttonsgebühr beträgt für die 7gcspallene Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. Druck und Periag: Joh. 8ug. Koch, Univerfitäts-Buchdruckerei Inhaber Dr. L. tzitzeroth. Marburg. Markt 21. Telephon 55.

Noch ein tiefer, inniger Blick, dann wandte er sich rasch ab, er wollte die Szene, die schon anfing, Aufsehen zu erregen, nicht noch verlängern und auffälliger machen.

Erika aber folgte ihrer Mutter, ein stolzes, fast glückliches Gefühl im Herzen.

XII.

Stil verächtlichem Lachen warf die Baronin den Brief auf den Frühstückstisch, an dem sie, Mist Bayleh, Erika. Stanislaus und dessen Mutter, Frau Julia von Prokowsky, saßen, die feit eini­gen Wochen schon zum Besuch auf Schloß Ham­bach We lte und immer noch keine Miene machte, den gastlichen Aufenthalt abzukürzen.

»Du hast einen ärgerlichen Brief erhalten, liebste Adelheid?" fragte Frau von Prokowsky mit süßlicher Anteilnahme.

»Sag lieber, eine« albernen Brief,' entgeg­nete die Baronin.Da lies selbst oder besser noch, Stanislaus liest den Brief vor, damit gleich alle wissen, woran sie find.'

Sie reichte den Brief Stanislaus, der ihn mit höflicher Verbeugung empfing und entfaltete.

richtungen von Klempner-, Tischler-, Dachdecker-, Maurer-, Gas- und Wafferl-itunasarbeiten übernehmen und dabei die verschiedensten Arbei­ten und von einem und demselben Arbeiter aus- führcn lassen, der vielleicht kaum ein Handwerk richtig gelernt hat. Daß dieser von den meiste« Arbeiten nichts verst-ht, sondern gewissermaßen Pfuscher in allen Handiverken ist. weiß der Haus­besitzer und der Mieter nicht. Wenn dann solche Reparaturarbeiter von diesen Hausbau Aktienge­sellschaften wenig oder gar nicht kontrolliert wer­den, dann heißt es, die Handwerksmeister können

(Nachdruck verboten.)

Um Edre und Recht.

Roman von O. Elster.

l Forti ktzung.»

Marburg

Donnerstag, 5. Mai 1910.

DieOderhessische Zeitung' erscheint täglich mit der

Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- Ehrlich durch die Post bezogen 2,25 * (ohne Bestellgeld). bei unseren Zeitungsstellen itnb der Expedition (Markt 21), 2JK..

Deutsches Reich.

Der Kaiser in Wiesbaden. Wiesbaden, 3. Mai. Zur Frühstückstafel war der Kriegs­minister geladen. Heute Nachmittag unternahm der Kaiser mit Gefolge eine Ausfahrt im Auto­mobil nach der Platte mit anschließendem Spa- ztergang. Um 5 Uhr 36 Minute» traf der Reichs­kanzler von Bethmann Hollweg hier ein. Er wurde am Bahnhof vom Gesandten Freiherr» von Jenisch empfangen und nach dem königliche» Schlosse geleitet, wo er Wohnung nahm. Der Reichskanzler wurde bald darauf vom Kaiser empfangen und nahm an der Abendtafel bei Seiner Majestät teil.

Der Kaiser und der Herzog von Cumber- land. Aus Anlaß der bevorstehendenTausseier» lichkeiten in Schwerin sollten sich, wie gemeldet

Fritz Born stand vor ihr und vemeigte sich ehrerbietig.

Gestatten Sir mir, gnädigste Frau Baronin,' sprach er mit bewegter Stimme,daß auch ich mein herzlichstes Beileid Ihnen zu Füßen lege Der Tod des von mir so hochverehrten Herrn Barons hat mich tief ergriffen.'

Er vermochte nicht weiter zu sprechen, ausstei- gende Tränen erstickten feine Stimme. Er er­wartete eine Antwort doch nichts erfolgte da schaute er auf und sah, wie sich die Baronin abivaudte. ohne ihn zu beachten, die Hand in dem Arm ihres Schwiegersohnes legte und mit eisiger Stimme sagte:

Führe mich fort, Bruno . . . mich ekelt.'

Mama,' suchte dieser zu intervenieren. Doch .asitaer noch sagte die Baronin:Führe mich fort ich kenne diesen Menschen nicht.'

Fritz stand w'e erstarrt da, als habe er einen Schlag in das Gestch erhalten. Er sah nichts mehr, ein Schleier hatte sich vor seine Augen ge- log,. |

~a kühlte er plötzlich seine Hand von zwei I weich.n. kalten kleinen Händen ergriffen Erika I ftonö vor ihm und fah ihn mit eine« traurige«, doch freundlichen Lächeln an. I

Heren, Neuhof soll, wie der Inspektor Grupe sagte, ganz heruntergewirtschastet sein.'

Daraus kommt es hier nicht an,' entgegnete die Baron w scharf.Ob Herr Born auf Neuhof Geschäfte macht oder nicht, ist mir ganz gleich­gültig, aber eine Frechheit sondergleichen ist es, einen solchen Brief an mich zu schreiben.'

Weshalb, Mama?' fragte Erika, indem eine Helle Flamme ihre blassen Wangen überstrahlte. Ich halte den Brief für eine freundliche Auf­merksamkeit.'

Ihre Mutter maß ste mit einem strengen Blick.

»Ich weiß, daß du Herrn Borns Partei schon seit langer Zett zu nehmen pflegst. Ich verzeihe es dir, denn ich kann mit dir über das, waS dieser Herr getan hat und was uns auf ewig von ihm trennt, nicht sprechen. Deshab habe ich dir auch die Tattlosigkeit bei dem Begräbnis deines Vaters verziehen. Aber ich warne dich solltest du fortfahren, Borns Partei zu nehmen, vielleicht sogar wieder Beziehungen mit ihm anknüpfen, dann müßte ich jede Schonung beisette setzen und diesen Menschen unschädlich machen.'

Ich glaube kaum,' erwiderte Erika stolz, daß dir das gelingen würde, Mama. Fritz Born hat weder dir noch irgend jemanden einen Schaden zug-ftigt.'

Die Baronin lachte scharf auf.

Ich we-de dir sagen, welchen Schaden er mir »»gefügt hat,' sagte sie zornig.Er ist ein Mensch, der nicht mehr in anständige Gesellschaft gehört, er hat. . .'

Ich bitte Sie, gnädigste Baronin,' unter­brach ste Stanislaus.Lassen Sie die alten Ge­schichten auf sich beruhen. Sie schade« Ihrer ®<* suudhett durch Ihre Erregung.'

(Fortsetzung folgte

Ich danke Ihnen, Fritz,' sprach sie mit lau­ter, wenn auch bebender Stimme,daß Sie ge­kommen sind. Mein armer guter Papa hat noch in seiner letzten Stunde von Ihnen gesprochen und mir Grüße für Sie aufgetragen. Er Ihnen Unrecht getan er hat es erkannt läßt Sie durch mich um Verzeihung bitten.'

Erika?!'

Von Herrn Born?' fragte et erstaunt.

Ja, von ihm lesen Sie nur.' Stanislaus räusperte sich und las:

Hoverehrte Frau Baronin! Gnädige Frau!

Hierdurch beehre ich mich, Euer Hochwohl­geboren anzuzeigen, daß ich das Rittergut Neuhof des Herrn Hugo Wietholz käuflich erworben und am 1. April übernommen habe. Ich halte es für me ne Pflicht Euer Hochwohlgeboren dies an­zuzeigen, da Neuhof mit seinen Feldern und Wiesen an das Areal Hambachs grenzt und ich somit der Gutsnachbar Euer Hochwohlgeboren geworden bin. Ich bitte um fremdnachbarliche Gesinnung, wie ich selbst mich bemühen werde, Ihnen in jeder Weise Entgegenkommen zu be- we sen. Ich gebe mich dabei der Hoffnung hin, daß Sie, gnädigste Frau Baronin, die kleine Ver­stimmung, die ohne mein Verschulden zwischen uns entftanben zu sein scheint und die ich selbst längst vergessen habe, ebenfalls vergessen haben, da auch Ihr von mir hochverehrter Herr Gemahl eingesehen hat. daß ich nicht so schuldig war, wie es den Anschein hatte. Ich habe noch immer nicht die hochherzigen Worte der Baronesse Erika ver­gessen, welche diese bei der Beisetzung des Herrn Barons an mich zu richte« die Güte hatte. Ich gedenke dieser Worte mit innigstem Dank und bitte um die Erlaubnis, bei dieser Gelegenheit der Baronesse meinen Dank zu Füßen legen zu dürfen.

Ich verbleibe allezeit Euer Hochwohlgeborene« hochachtungsvoll ergebenster

Fritz Born, Rittergutsbesitzer. Reuhof, den 5. April 19 . .

Stanislaus ließ den Brief finken und sagte lächelnd:

»Rüg, > kann man Herrn Born ja aratn-

unb ver-

Mit scharfer, schneidender Stimme rief es Baronin, ihre Augen blitzten ihre Lippen o terten der Rittmeister, welcher den Ausbruch ihrer Heftigkeit fürchtete, führte sie rasch hinweg.

Fritz atmete tief auf.

. wußte, was sich für eine Baronin Ham­bach Walbstätten ziemte.

Doch plötzlich zeigte ihr Gesicht einen Zug der Ueberraschuug. der in dem Ausdruck eisigen Hoch­muts und starrer Zurückhaltung überging., Ihre Stirn tötete sich, ihre Lippen bebten wie im ge­waltsam unterdrückten Zorn und grenzenloser Verachtung.

Städtische ^Monopole und Handwerker.

Auf der Generalversammlung des Deutschen Handwerks und Handwerkskammertages im

vorigen Jahre in Königsberg haben sich die deut­schen Handwerkskammern darüber beschwert, daß die Gewerbefreiheit durch eine große Anzahl städtischer Werke zum großen Teil beeimrächtigt werde. Sie haben anerkannt, daß die Wasser­werke, Kanalisation, Elektrizitätswerke, Gaswerke usw. in städtische Regie zu nehmen nicht mtr nütz lich, sondern absolut notwendig ist. Aber die fast uneingeschränkte Selbswerwaltung, welche der Stadt sehr viel Freiheit läßt, bringt auch sehr empfindliche Nachteile für das selbständige Hand­werk und hat auch dazu geführt, daß eine ganze Reihe von Städten auf dem Gebiete der Werk­tätigkeit Monopole eingeführt hat. Wo ste ihre Betriebe nicht selbst in Regie genommen haben, haben ste dieselben zumeist an Aktiengesellschaften mit Monopolgewalt übertragen. In ganz ähn­licher Weise zeigt eine Reibe städtischer Betriebs­verwaltungen Monopolbestrebungen. Es gibt sehr viele städtische Gasanstalten und Elektrizi­tätsanstalten, die sich nicht damit begnügen, in den Verträgen, die sie mit ihren Abnehmern ab­schließen. zu sagen: wir Fefern euch die Kraft und das Licht und führen die Lei ungsrohre auf de« Straßen bis zum Kellergelcboß in euren Häuser« aus, sondern ste geben leider sehr viel weiter und verlangen, daß die Privatteute, welche das Licht und den Kraftstrom entnehmen, die Jnnen- arbeiten von städtischen Arbeitern ausführen lassen, also innerhalb der Pridcttwohmmgen der Abnehmer. Die Gründe der Stadtverwaltungen, welche durch ihre Verträge Monopole geschaffen haben, sind folgende: Sie behaupten, daß die Sicherheit des Betriebes kn» bet Abführung eigener Arbeit mehr gewährleistet sei, als bei der Ausführung durch die einzelnen Handwerks­meister. und daß der Konsum vermehrt und die Bereitschaft von Arbeitern im Notfälle dadurch gewährleistet werde. Man behauptet auch sehr ost. daß die Handwerker nur wenig von In stallitionsarbeiten verständen. Das mag wobl hin und wieder zutreffen, aber im großen und ganzen sind sie auch darin jetzt fast überall sehr leistunassähig. Es gibt zahlreiche Hausbau-Ak­tiengesellschaften und auch Haus und Grundbe- fitzervereine, welche die Ausbesserungen in den. Häusern solchen Reparaturengesellschaften über- ttagen haben, die alle Reparaturen und Neuein-

Ibie Arbeit nicht sachgemäß leiste«. I« der Stabt Lüdenscheidt z. B. geht die Ausschaltung des selb­ständigen Handwerks seitens der Stadwer- waltung so wett, daß man die Schornsteinfeger- meister ausgemerzt hat und durch eigene ange- | stellte Schornsteinfeger fegen läßt. Die Stadt I Frankfurt a. M. hatte durch Ortsstatut einen I Zwang für einen städtischen Leichentransport I »ach den Friedhöfen eingeführi. Nun ist ja be- I tonnt, daß leider eine Anzahl von privaten Be- I erbigungsinstituten die Todesfälle, wo alles be- I stürzt und verwirrt zu fein pflegt, recht erheblich I ausnutzt und zum Tett sehr hohe Beerdigungs­kosten ansetzt, daß man es Wohl verstehen tarnt, wenn versucht wurde, dieser wenig schöben Aus­nutzung der Situation abzuhelfen. ES war aber doch ein starker Eingriff in die Gewerbe­freiheit, dadurch die sämtlichen Beerdigungsin­stitute zu ruinieren. Das angerufene Schöffen­gericht sowohl wie die Straflammer haben er­freulicherweise dieser Versiigung ein Ende ge­macht. Man kann sich unwillkürlich eines ! Lächelns nicht erwehren, daß die freisinnige Stadt Frankfurt a. M. sich über die Gewerbcfreiheit so hinweggesetzt hatte, deren Vertreter sonst so viel darauf hatten. Diese Uebelstände, welche dring­end der Abstellung bedürfen, bewogen daher den konservativen Abgeordneten Hammer, in der Sitz­ung des Abgeordnetenhauses vom 25. Februar b. I., an die Königliche Staatsregierung Las Er­suchen zu richten, ohne der Selbstverwaltung zu­nahe zu treten, doch die feine Linie, die zwischen der Selbswerwaltung und der Oberaufsicht des Staates liegt, in solchen Fällen den betreffenben Gemeinden in Erinnerung zu bringen und da zu mahnen, wo man darüber hinausgeht. Man wünsche keine Unterdrückung der städtischen Werke, man bitte aber darum daß dem konkurrierenden Handwerk die Gewerbefreiheit gewährt und nicht der freie Wettbewerb in »st so rücksichtsloser j Weise verletzt werde.

Ans bett Kommissionen.

Die Kommission des Reichstags für das Haus« arbeitsgefetz nahm 8 3 in folgender Fassung einstimmig an:In denjenigen Raumen, in welchen Arbeit für Hausarbeiter ausgegeben ober Arbeit sob cher Perso"-n angenommen wird, muß. soweit es sich nicht um Werkstätten bet tn § 1 Abs. 1 Satz 2 be­zeichneten Art handelt, den Hausarbeitern durch offene Auslage von Lohnverzeichnisten, oder Aus­hängen von Lohntafeln die Möglichkeit gegeben fein, sich über die für die einzelnen in diesen Räumen zur Ausgabe gelangenden Arbeiten jeweilig gezahlten Löhne zu unterrichten. Für neu einzufühtende Muster gilt diese Bestimmung nicht. Der Bundesrat kann zur Ausführung dieser Bestimmung nähere Anord­nungen erlassen, gegebenenfalls für einzelne Bezirke. Er kann für bestimmte Eewerbezweige oder Be­triebsarten auf Antrag der Beteiligten Ausnahmen gewähren. Der Bundesrat kann vorschreiben, daß, soweit das Arbeitsentgelt in Preisen zum Ausdruck kommt, die Preise gemäß Abs. 1, 2 bekanntgegeben werden.

Die Kommission des Reichstags für das Wert» zuwachsstenergefetz trat in die zweite Lesung der Vorlage ein. Im 8 1 wurde die Ziffer 4 der Regierungsvorlage wiederher gestellt: danach wird die Zuwachssteuer nicht erhoben beim Erwerbe der Abkömmlinge von den Ettern, Großeltern und ent­fernteren Voreltern, sowie beim Erwerbe der an Kindesstatt angenommenen Personen und deren Ab­kömmlinge von den Annehmenden.

Abg. Hirsch-Berlin (Soz.) wandte sich gegen__

Verbot der Maiumzüge und beklagte die Ausweisung | von Ausländern aus politischen Gründen. Abg. v. Brandenstein (kons.) betonte, daß die Regierung gegenüber den Siraßenbemonstrationen der Soztal- txmoftatie einen Zickzackkurs eingeschlagen habe, und daß bei den Erlassen bezüglich der Versamm­lungen unter freiem Himmel und bet öffentlichen Umzüge, bet Wille verschiedener Persönlichkeiten von Einfluß gewesen xu [ein scheint. Der Sozialdemo­kratie sei es lediglich darauf angekommen, eine Heer- fjbau über die ihr gefügigen Massen abzuhalten, wegen solche Versammlungen und Umzüge, die unter allen Umstanden eine Gefährdung bet öffentlichen Sicherheit bedeuten, müsse energisch eingeschritten werden. Die Ruhe, die bet den genehmigten De­monstrationen geherrscht habe, sei im wesentlichen vaourch erkauft worden, daß die Staatsorgane das Feld vor der Sozialdemokratie geräumt hätten. In einem solchen Paktieren mit der Sozialdemokratie aber liege eine Kapitulation vor ihr, und ein solch fortdauerndes Paktieren und Kapitulieren könnte schließlich za einem Bankerott der Staatsregierung führen. Die Sozialdemokratie könne auf ihre Er­folge der Gtaatsregierung gegenüber stolz fein und auch auf den blinden Gehorsam, den ihr die von ihr verführten Massen leisten. Minister v. Moltke er­klärte, daß das Gesetz zwischen öffentlichen Versamm­lungen unter freiem Himmel und öffentlichen Um­zügen unterscheide. Die Versammlungen können ge­nehmigt werden, wenn keine Gefahr für die öffent­liche Sicherheit zu besorgen sei. Die öffentlichen Umzüge waren weit bedenklicher, wenn sie veranstal­tet werden, um Zwiespalt und Haß in die Klaffen der Bevölkerung zu tragen und den ruhigen Bürger einzuschüchtern oder aufzureizen, wie z. B. bei der Maifeier, die der Bewegung entspringe, die am letz­ten Ende die Staatsordnung untergraben wolle. Er der Minister habe deshalb auf Grund der ge- machten Erfahrungen die Regierungspräsidenten

darauf hingewiesen, daß es in einer Zeit wie der jetzigen, im allgemeinen mit bet öffentlichen Sicher bett nicht vereinbar lei, öffentliche Aufzug« zu ge­statten. Abg. Dr. Friedberg (nattib.) meinte, man dürst aus dem Geist, der in den sozialdemokratische» Maffenversammlungen liege, nicht auf eine Gefähr­dung der öffentlichen Sicherheit schließen. Der Etat wurde bewilligt.

Beim Kultusetat kam Abg. Kovsch (sortschr. SpJ abermals auf die Angriffe des Abg. Dr. Heß auf den Preußischen und bett Deutschen Lehrerverein zu sprechen, die et als haarsträubend bezeichnet. Durch die Simultanschule werde der konfessionelle Frieden gefördert. Abg. Dr. Heß (Ztr.) wundert sich darüber» daß die Angelegenheit mit dem ßebreroetein wieder ausgegraben werde. Abg. Eickhoff (sortschr. Dp.t St sich über bas eigenmächtige Eingreifen deck ürgermeisters Holle in Esten in den Schulbe» trieb und fordert den Minister auf, gegen solche Uebergtifst einzuschreiten. Abg. Haarmann-Witte» (nattib.) meinte, Oberbürgermeister Holle habe diese Angriffe nicht verdient.

Aus den Parlamenten.

Deutscher Reichstag.

78. Sitzung vom 3. Mai, 2 Uhr.

Das Zusatzabkommen zu dem Handelsverträge mit Aegypten wird definitiv angenommen. Zur zweiten Lesung steht der Gesetzentwurf zur Ausfüh­rung der revidierten Bernet Uebereinkunst bett. Urheberschutz für Werke bet Literatur und Kunst. Es liegt dazu ein Abänderungsantrag Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg vor: Für die ausschließliche Befugnis zur öffentlichen Aufführung eines Biihnen- roerfes ober eines Werkes bet Tonkunst tritt an die Stelle der Frist von dreißig Jahren eine 56jährige Friss. Abg. Wagner (kons.) beantragt außerdem in llebeternstimmung mit einem Antrag Strefemann, daß der Vervielfältiger mechanischer Tonwerks-In­strumente die Rückvergütung der an den Autor ge­zahlten Gebühr beanspruchen dürfe für alle die Musikwerke, beten Ausfuhr nach Staaten ohne Ur­heberschutz erfolge. Die Abg. Junck (nattib.), Miiller- Memrngen (Vp.) und Werner (Reff.) treten für die Kommissionsbeschliiste ein. Abg. Wagner (kons.) zieht seinen Antrag zurück, ebenso der Abg. Sttesemann.

Bei einem weiteren Paragraphen erbittet Abg. Müller-Meiningen eine authentische Interpretation übet den Schutz von Zeitungsartikeln. Ein Regie- rungskommiffar bestätigt die Richtigkeit feiner Be­griffsbestimmung. Abg. Erbprinz zu Hoheulohe-

Langenourg (Hosp. d. Reichsp.) befürwortet in län­gerer Ausführung feinen Antrag. Nachdem sich dann die Abg. Kirsch (3h.), Junck (nattib.) und Dose (Vp.) gegen den Antrag Hohenlohe ausgesprochen, wird nach fernerer kurzer Debatte bet Gesetzentwurf unverändert angenommen.

Es folgt die zweite Beratung bet Gesetzentwürfe bett, die Zuständigfeit des Reichsgerichts (Ent­lastung) sowie bett. Aendetungen der Rechtsanwalts­ordnung. Abg. Thaler (Ztr.) meint, daß die Kom­mission den Entwurf wesentlich verbessert habe, hotz- dem hält ihn ein Teil seiner Freunde für nicht an­nehmbar. Der Entwurf wolle nur Richter sparen, weil er Kosten sparen will. Abg. Eyßling (sortschr. Vp.): Die Gründe, die für eine Vermehrung bet Richter sprechen, seien durchschlagend. Abg. Heinze (nattib.) meint, bet Entwurf verfolge an sich eine gesunde Tendenz, nämlich die, die Rechtsprechung mehr in die unteren Instanzen zu verlegen. Staats­sekretär Lisco verteidigte bte Heraufsetzung bet Re­visionssumme und erklärte die Bereitwilligkeit der Regierung, sich auf ben Boden der Kommisstonsbe- schlüste zu Nellen. Abg. Schmidt-Warburg (Ztr.) be­fürwortet den Anhag, bet gegen bte Entscheidung des Oberlanbesgerichts eine Beschwerde nur insoweit zulasten will, als es sich um die Versagung bes Ar- menrechts handelt. Staatssekretär Dr. Lisco: Die Belastung bes Reichsgerichts mit Armensachen, die ergebnislos verlaufen, ist eine ganz ungeheuerliche. Ich bitte, ben Antrag abzulehnen. Rach weiteren Bemerkungen der Abgeordneten Spahn (Ztr.), Hil- benbranb (Soz), Schmidt-Warburg (Ztr.) Staatssekretärs Lisco wird bte Sßetterberatung tagt.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen: .Flach Feierabend' (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."