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Die Insertionigebühr beträgt für ixe Tgefpcurene Zeile oder deren Rau« 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UniverfitätS-Buchdruckerei Inhaber Dr. 6. Hiheroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55

Die preußische Wahlreform.

Zu dem Ergebnis der Verhandlungen des Herrenhauses in der Wahlrechlsreformfrage schreib! dieFteikons. fforr*

DaS Herrenhaus bat in vollem Maße da- ihm entgegengetragene Vertrauen gerechtfertigt. Die Annahme des Antrages von Sckorlemer über­trifft sogar die kühnsten ErwarMngen. Die Minderheit, welche bei der Gesamtobstimmung ablehnend polsterte, setzt sich auS grundsätzlichen Gegnern der verschiedensten Art zusammen und zwar aus den Anhängern des Reichswahlrechts, aus den entschiedenen Freunden der öffentlichen Abstimmung und atls derjenigen Gruppe, welche einer Aenderung des Wahlrechts nur unter der Bedingung zustimmen wollten, daß die setzt ge­troffenen Bestimmungen nur durch eine */, Mehr­heit in beiden Häusern abgeändert werden können. Diese Zusammensetzung der Opposttion gegen die Wahlvorlage in ihrer fetzigen Gestalt und die Tatsache, daß die konservative Fraktion des Herrenhauses geschlossen für den Antrag von Schorlemer gestimmt hat berechtigten zu der Hoff­nung, daß die Beschlüsse des Herrenhause- auch die Zustimmung des Abgeordnetenhauses und zwar mit einer Mehrheit finden werden, welche eine mrsreichende und sichere Grundlage für eine Neuordnung des Wahlrechts bildet. Das Herren­haus hat bei der Behandlung der Wahlvorlage sich zweifellos ein großes Verdienst um die wei­tere innerpolitische Entwickelung Preußens er­worben und aufs neue den Beweis geliefert, daß es wirklich staatserhaltende Politik frei von Par­tei- und Wahlrücksichten zu treiben vermag.

Zu derselben Frage schreibt dieGermania": Die Wahlrechtsvorlage ist in der Fassung, wie sie vom Herrenhause angenommen ist für die Zen­trumsfraktion des Abgeordnetenhauses unan­nehmbar. Wir halten uns verpflichtet, dies so­fort festzustellen und mtt umso größerem Nach­druck zu betonen als im Herrenhause Stimmen laut geworden sind, die der Erwartung bezw. Hoffnung Ausdruck geben, die Zentrumsfraktion des Abgeordnetenhauses werde sich damft zufrie­den geben, daß geheime Wahlrechte für die preußische Land'agswahl erobert zu haben und geneigt fein alS Gegenkonzession den Antrag Schorlemer gew-siermaßen mit in den Kauf zu nehmen. Wir sind überzeugt, daß in der ganzen Zentrumspartei im Lande das .Unannehmbar" e:n lautes Echo finden wird. DieNational- zeitung" sagt: Die Frage der Drittelung wird an Wichtigkeit übertroffen durch die geheime und direfte Wahl auf der die Nationalliberalen und die Freisinn gen bestehen. Die Spannung ist auch im jetzigen Stadium der Wahlreform noch nicht gewichen, denn Niemand wird ernsthaft glauben, daß die Nationalliberale Fraktion nunmehr mit Paucken und Trompeten den veränderten Ge­setzentwurf begrüßt..

haben den hier aus-

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Mr erblicken in diesen Worten eine, wenn auch konziliante Form der Ablehnung der Frankfurter Pläne, die ja weniger auf eine Konsolidiert,ng der bestehenden Institute als die Schaffung einer Bollnniversitat gehen. Die Parlaments- debatte, i t der der hiesige Abgeordnete Geheimrat d. Negelcin geschickt die Interessen der Marbur­ger Universität zu verteidigen wußte, bietet, wie auch die Preßerörternngen, mancherlei Interes­santes. Seit langem bemüht sich dieFrank­furter Ztg." mit ihrem Anhang und auch xt Frankfurter Abgeordnete Funk bließ im Abge­ordnetenbause in dasselbe Horn uns Marbur­gern klar zu machen, daß eine Universität Frank- furt für uns nickst so viel Schädigung bedeute. Den wesentlichsten Abbruch würden die großstädtischen Universitäten Berlin, München haben, und außerdem würde bei dem ständigen Wachsen der Besuchsziffer der Universitäten ein Schad n

sondern diese Angelegenheit ernstlich $n (Beifall.) Ob dieser Zweck aller- am besten durch Schaffung Universität erreicht werde» lasse ich dahingestellt.''

offensichtlichen Zweck, die von

Marburg leicht verschmerzt werden.

stehenden Parteien weiter auf ihrem ablehnenden Verhalten gegenüber dieser neuen Universität beharren, worin allein für uni Marburger die Garantie für eine Entwickelung der Angelegen­heit geboten ist, die uni nicht schädigt.

Interessant dürste ei außerdem fein, wie die Frankfurter Pläne die Wünsche nach Universi­täten geradezu emporschießen lassen. In der Kölnischen Zeitung" wurde bereits für Köln Stimmung gemacht, die Hamburger dürsten nicht mehr lange auf sich warten lassen und dieGermania" schlägt jetzt in Aachen eine Universität unter folgender Begründung vor:

Auf die bestehenden Hochschulen des west­lichen Mitteldeutschlands wird die Eröffnung einer nniversitas Francofnrdensis ähnlich wirken; gerade in diesen Gebieten ist nie Mangel an hohen Schulen gewesen. Zwar sind Mainz, Trier. Fulda, Herborn heute ihrer Institutionen akademischer Art beraubt, aber Heidelberg. Würz­burg und die sehr nabe beieinander liegenden Hochschulen Marburg und Gießen dürsten doch ckls ausreichend betrachtet werden. Viel geeig­neter fiir eine Neugründung wäre irgendeine Stadt der Rbeinprovinz. etwa Aachen; die große, über sechs Millionen Nnwohner zählende Rbein­provinz steht nämlich mit ihrer einzigen Univer­sität Bonn gegen andere Provinzen und Bundes­staaten erheblich zurück; so bat Baden zwei, Badern drei Hochschulen bei Reinerer, bezw fast gleicher Bevölkerungszahl. Die Gründung kon­fessioneller Hochschulen ist bei den Katholiken be­reits international geworden; Frankreich. Bel- flien, die Schweiz und Nordamerika besitzen zum Teil blühende katholische Universitäten. In den außereuropäischen Ländern haben die Orden, alten Traditionen getreu, mehrfach Fachschulen errichtet; die Jesuiten unterhalten beispielsweise in Beirut und Bombav solche akademische In­stitute. in Tokio beginnen sie eben mit einer neuen Grundlegung."

Hoffentlich berücksichtigt auch der Minister, daß das, waS dem einen recht ist. dem anderen billig sein mutz und sieht bei Zeiten, auf welche Bahn zahlreicher Neugründungen das Frauk- stirter Projekt lockt.

Marburg

Sonntaq, 1. Mai 1910

gehende starke Opposition zu beruhigen. Ge­glaubt werden sie aber bloß von solchen Leuten, die sich wesentlich aus politischen Gründen ge- zwrulgen sehen, einer Universität Frankfurt zuzu­stimmen. Aus allem, insbesondere auch aus den Auskührungen des Frankfurter Abgeordnet n Funk, b-ff en Worte auch, um mit dem Ab­geordneten Fnedbcrg zu reden, wirkungsvoller gelvesc» wären, wenn sie nicht gerade von dem Vertreter der Stadt Frankfurt gekommen wären, lassen erkennen, wie energisch gewisse Frankfurter Kreise noch immer auf ihr Ziel losgehen. Wir honen sogar, daß ein Geheimfond von zirka 10 Millionen bereits besteht der, zu den übrigen Legaten zugerechnet, zur Unterhaltung der Uni- berfität verwendet werden soll. Daß eine, wie es bei dem Reichtum der Frankfurter Geldmag­naten selbstverständlich ist, so gut dotierte Uni­versität (zweite Landesun-Versttät von Hessen- Nassau) für uns von großem Schaden ist. möchten uns die Frankfurter doch nicht aus^reden suchen.

DieFrankfurter Zeitung" hofft, daß der Minister, wenn er sich einmal ernstlich mtt der Sache befassen muß, sich von den Reinen Konkurrenz Bedenken nicht beeinflussen läßt. Wir würden es für eine grenzenlose Pflicht- verjäumnis Marburgs halten, wollte es sein wesentlichstes Interesse, das ist die einzige Landesuniversität für Hessen-Nassau zu sein, nicht Mi: allen Mitteln schützen. Eine Stadt, die mit Le­gaten, wie die der Frau Speher, rechnen kann, wird . dies natürlich Reinlich finden. Wir hoffen aber, daß der Minister die historisch berecht gten Priv legten unserer Universität gegenüber etwai­gen Neugründungen schützt, und daß die rechts- L

Die Frankfurter Universitätsfrage.

Seitdem in derKreuzzeitung", derPost' und «uberert rechtsstehenden Organen zuerst gegen den Plan einer Universttätsgründung in M. Frankfurt unter allgemeinen Gesichtspunkten «O Stellmig genommen ist, ist die Frage sowohl in Presfeerörterungen als auch im Parlament nicht - zur Ruhe gekommen. Es ist natürlich, daß Frank­furter Blätter von Zeit zu Zeit unter lokal»n oder auch allgemeinen Gesichtspunkten für daS Projeft m längeren Ausführungen begeistert habe«. Bielleicht ist es ebenso natürlich, denn die Frage ist und wird eine politische durch die ganze Art der geplanten Neugründung, daß das der Frankfurter Zeitung" nahestehendeBerliner Tagoblmt" kürzlich in längeren Ausführungen sich gleichfalls für das Frankfurter Proje« verwandt hat. Nachdem vor einiger Zeit der Kulwsminister von den dem Plan feindlich gegenüberstehenden Parteien der Rechten in der Kommission über die Frage interpelliert worden war, mußte das Frankfurter Projeft auch im Plenum des Abge- orduetenhauses zur Sprache kommen. Wir haben bereits kurz darüber berichtet.

Der Kultusminister hat sich sowohl in der Kommission, wie auch im Plenum gegen die geplante Universitätsgründung ausgesprochen. Im Plenum hat er zunächst wiederum betont, daß der Plan in amtlicher Form noch nicht an ihn herangetreten fei. Dann führte er wörtlich au«:

Es bestehen in Frankfurt eine Reihe von In­stituten, für die die Stadt und Private reiche Mittel zur Verfügung gestellt haben. Diese In­stitute sind allerersten Ranges und erfreuen sich in wissenschaftlichen Kreisen eines hohen Ansehens. Wenn die Stadt den Wunsch hat, diese bestehenden Einrichtungen zu konsolidieren und ihren Zwecken dauerud zu erhalten, und wenn der Staat ange­gangen wird, bei Erreichung diese» Zieles mit- zuwirken, dann glaube ich allerdings, datz es Pflicht des Sttaaies ist, hier nicht kur, Rein $n

gefangenen 20 000 Einwohner ein weiterer Drittel­bezirk gebildet werden sollen. Mein Antrag >lgr ben^ Zweck, bie Mttzstänbe zu beseitigen, von 1891 angeordnet

l- n k« ein

verfolgt den Zweck, die Mitzs " weiche die Wahlgesetznovelle von ____ ___

und eine Drittelung in Urwahlbezirken in den gro­ßen Städten und Industriebezirken herbei oefuhtt hat. Mein Antrag will der Demokratisierung bet unteren Klassen entgegenwirken und den Einfluß der staatserhaltenden und besitzenden Klassen auf dem Lande In den Städten und Industriebezirken wieder

Herrenhaus.

Sitzung vom 29. April

Am Ministertisch: von Bethmann-Hollweg, von Moltke und von Arnim. Die Tribünen find gut besetzt.

Auf der Tagesordnung steht die Weiterberatung der Wahlrechtsvorlage. 8 6 enthält Bestimmungen über die Drittelung; nach den Kommissionsbeschlüs­sen sollen Drittelungsbezirke von höchstens 5000 Ein­wohnern gebilligt werden.

Frht. e. Schorlemer begründete seinen Antrag, nach welchem Eemeindedrittelung für Gemeinden bis zu 10 000 Einwohnern verlangt wirb und für Ge­meinden von 1030 000 Einwohnern zwei Drittel­ungsbezirke und in größeren Gemeinden für jede an»

TteCi iriiefir<;e Zeitung" erscheint täglich tuii Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2 25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 X.

Im Abgeordnetenhaus«

wurde am Freitag zunächst der Nachtragsetat für das Königliche Opernhaus erledigt. Abg. e. Ar­nim-Züsedom (kons.) erklärte die Zustimmung seiner politischen Freunde zur Vorlage

sei, daß die Schließung des Opernhauses am 1. Mat erfolgen und der Umbau sofort In Angriff genom­men werden müsse. Die Vorlage wurde unverändert angenommen. Es folgte die Beratung des Baue« einer Schutzmauer für Helgoland. Abg. e. Arnim. Züsedom (kons) erklärte auch für diese Borlage die Zustimmung seiner politischen Freunde. Es wäre je­doch angemessen, wenn das Reich zwei Drittel unb Preußen ein Drittel zu den Baukosten zahlen wür­den und nicht jeder die Hälfte, wie es vorgesehen ist. der Titel wurde bewilligt. Bei der folgenden Fort­setzung bet zweiten Beratung des Kultusetats be­grüßte es Abg. o. Neumnnn-Großenborn (kons.) daß am Kunstgewerbemuseum jetzt bet praktische Unter­richt wieder mehr gepflegt werde, als bet theoretische. Abg. Hammer (kons.) wies auf ben Lehrermangel hin, der an der Lehranstalt des Kunstaewetbemu- feums herrsche und der auf die wenig rücksichtsvolle Behandlung der Lehret bezüglich ihrer Pensionierung zuruckzufühten sei. Abg. v. Tilly (kons.) wünschte, datz dte Akademie Posen in den Stand gesetzt werde, Berechtigungen zu erteilen. Minister v. Trott zu Solz erklärte, alle» zu tun, was die Akademie for- dern könnte. Abg. Hammer (kons.) wünschte auch für den Osten reichlichere Mittel für Ausgrabungen.

Westen geschehe dafür sehr viel, tm Osten nichts. Abg. v. b. Osten (kons.) verlangte Abwehtmaßtegeln egen ben übermäßigen Zudrang ausländischer Stu­denten zu den technischen Hochschulen. Um 4% Uhr vertagte bas Haus bie Weiterberatung auf 7% Uhr abends.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

unb den Beilagen:Nach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage

Aus den Parlamenten.

Deutscher Reichstag

75. Sitzung vorn 29. April 2 Uhr.

Auf der Tagesordnung steht zunächst das Zusatz, abkommen zu dem Handelsabkommen mit Aegypten. Es wird debatelo« in erster und zweiter Lesung tr« lebig. Ebenso geht debattelos die Gesetzesvorlage an die Kommission, die für die Mitglieder der Kom­missionen für die Vorberatung der Reichsoersiche- mn^5orhnuna in bet Strafrozeßreform je 1500 X fordert. Es folgt dann die zweite Lesung der Gesetzes- vertage bett. 23 Millionen restliche Aufftandsaus- paben für Eübwestafrika. Abg. Eemler (nattib.) als Berichterstatter weift auf die Verhandlung über den in der Kommission eingebrachten und von ihm abge­lehnten Erzbergerfchen Antrag bett, steuerliche Her­anziehung einiger Gesellschaften in Eübwestafrika kurz hin. Abg. Erzberger (Ztr.): Seinen Antrag babe man als gerabezu revolutionär bezeichnet. Der Staatssekretär habe auch gemeint, sein Antrag greife in die Rechte des Kaisers ein. Er protestiere vage- neu, daß man den Kaiser zum Prügeljungen für alle Torheiten und Fehler der Verwaltung macht. Eine Auseinandersetzung mit den großen Gesellschaften fei unentbehrlich. Der Gedanke, die in 'erster Linie an dem Gedeihen der Kolonie interessierten großen Kovitalgesellschasten heranzuzieben, sei fa auch gar nicht neu. Auch in England habe man in ähnlicher Weise koloniale Kriegskosten auf die Kolonien ge» wälzt. Der zweite Grundgedanke feines Antrages sei die Auslösung der Hoheitsrechte der ^Gesellschaft ten. wo solche Hoheitsrechte noch bestehen. Wäre es nach dem Staatssekretär gegangen, so wäre auch das große Diamontengebiet wegaegeben worden, ohne einen Pfennig als Entgelt. Sehr mit Anrecht werde in der Denkschrift des Staatssekretärs sehr wegwer­fend von ben Leuten in der Kolonie gesprochen, vom Bäcker, Schneider. Metzaer usw. Es werde doch nicht jeder als Staatssekretär geboren. Für die Dtaman» tenaewinnunq passen die sonst herkömmlichen berg- nes-tzkschen Besiimmunaen nicht. Es bedürfe eines besonderen Gesetzes hierüber Präsident Graf 6<f>we« -in-Löwsh rüat den dem Staatssekretär aemachten Vorwurf als mindestens der Form nach nicht gebörlg. Staatssekretär Deeubutg: Rach Herrn Grzberaer soft len in 4 Fahren von den «Gesellschaften 81 Millionen mmouimen werden. Der Kurswert der Gesellschaften beträgt aber nur etwa 80 Millionen. Es fei auch gänzlich verfehlt, zu sagen, daß er die Person des Kaisers in die Debatte gezogen bätte. Man will bet Kolonie bie Kriegskosten auRaben, aber was bei einen Kolonie recht ist, ist der anderen billig. Herr Grzberaer meinte, der Fiskus hätte das ganze Gebiet bergrechtflch zu feinen Gninften Inerten sollen. Er babe jedoch schon in bet Kommission gesagt, daß bet Fiskus nicht ein so ausgedehntes Gebiet für sich oder einen anderen sperren kann. Er lehne nach wie vor eine solche Besteuerung ab, wie sie der Abg. Erzbet» aer vorschlägt. Aber er habe nicht daneben, bie Leute zu den Kosten der Verwaltung heranzuziehen. Abg Droescher (kons.) meint, der Ausgangspunkt bet Erörterung sei die nachträgliche Heranziehung bet fcfrh.noafrnT»..« Gesellschaften zu den Krieaskosten.

Genontgtz zum Staatssekretär batte et das an sich für zulässig, aber nut unter gebührender Rücksicht- nähme. Diese sei schon nötig im Interesie bet Ko­lonien selbst. Die ganzen Kosten des Aufstandes den Kolonien aufzubsirden. wie ein Antrag der Sozial» demokraien es will, das halte et für unzulässig.

zur Geltung verhelfen; et bedeutet insbesondere eie Entgegenkommen gegen Handel und Industrie. E» ist darauf bingerotefen worben, datz die Annahme des Antrags das Scheitern der Vorlage berbeifübten könne. Die Verbindung der Konservativen mit dem Zentrum ist eine societas leonina. Die Konservativen lehnen das gleiche und direkte Wahlrecht ab. wäh­rend das Zentrum die Vorlage als eine Etappe auf dem Wege zur Einführung des Retchstagswahft rechtes betrachtet. Wer in dieser Ehe den kürzere» zieht, brauche ich nicht darzulegen. Wir erwarten, daß bas Zentrum und die übrigen Parteien zu Äon» zessionen bereit sind. Salus rei publicae muß die Devise sein.

Inzwischen ging ein Antrag ein. nach welchem die S<bkiitz(?bstimmung namentlich sein soll.

Professor ßoening: Den Kommissionsbeschlüsseu zuzustimmen würden wir nicht in der Lage sein, wenn aber der Antrag Schorlemer angenommen unb der Antrag Hork-Wartenburg, bet für dte Abänder­ung des Gesetzes Zweidrittelmehrheit fordert, abge­lehnt wird, bann werben wir bie Vorlage annehmeu. Der Antrag Schorlemer liegt im Interesse der aus» gleichenden Gerechtigkeit, deshalb bitten wir 1« feine Annahme.

Oberbürgermeister Wilms-Pofen: Das allgemeine gleiche Wahlrecht eignet sich nicht für Preußen. Liebet würbe ich für bie Beseitigung bes allgemeinen Wahlrechts tm Reiche etntreten, als für dessen Ein­führung in Preußen.

». WedeftPiesvorf: Wir empfehlen ebenfalls bi» Annahme bes Antrages Schorlemer.

Graf Oppersdorf: Cs stimmt, datz der Antrag Schorlemer den Wünschen der Industrie unb bes Handels entgegentommt. Die Behauptung, datz etn« societas leon-'na zwischen hem Zentrum unb ben Kon­servativen bestht, wobei das Zentrum im Trüber fischen unb so bas Reichstagswahlrecht für Preuße» erreichen wolle, ist unbegifinbet.

Darauf wird der Antrag Schorlemer mit großer Mehrheit angenommen, mit derselben Mehrheit unb mit dieser Modifizierung sodann auch 8 6. Die Be- ratung Über ben § 7 wurde zurückgestellt. Die 8§ 8 unb 8» enthalten Bestimmungen über bie Kultur- ttäget.

Prinz Schönaich - Carolath bebauette, datz die Kriegsteilnehmer nicht unter die Kulturträger auft genommen wurden.

Traf Haeseler schloß sich dem Vorredner an.

Staatsminister Koller befürwortete, datz bie Kriegsteilnehmer unter bie Kulturträger ausgenom­men werben.

v. «edel-Piesdorf: Der Antrag bezüglich bet Kriegsteilnehmer wäre für ben Kriegsfall unvurch. fühlbar; unangängia wäre, baß alle aus dem Kriege Zurückkehrenben vrtvtleotert würden.

Oberbürgermeister Wilms bedauerte, datz die Lehret nicht t» diese Paragraphen aufgenommen würben.

Minister bes Innern v. Moltke: Diese impulsive» Wünsche führen ins Uferlose unb erschweren bie Bet- absibieimng bes Gesetzes.

Staatsminister Köller beantragte Privileaierunx bet Kreistags- u. Provinztallandtagsabgeoroneten

Darauf würbe bet Antrag c. Wedel, nach welche» auch pensionierte Rektoren unter die Rektoren aus­genommen werden sollen, angenommen. Alle übri­gen Anträge wurden abgelehnt. Darauf wurde § 8 unverändert nach ben Beschlüssen der Herrenhaus- temmiffton mtt großer Mehrheit angenommen, ebenso § 8a mtt der Modifizierung des Antrages v. Wedel.

§ 7 (Bildung von Abteilungen) begründete Ober­bürgermeister Becker seinen Antrag, nach welchem die erste Abteilung nicht mehr Wähler als bie zweite und dte zweite nicht mehr als die dritte zählen darf. Entfallen in einem Stimmbezirk auf die erste Ad- tetlung weniger als 5, auf dke zweite weniger als 15 Wähler, so wirb diese Abteilung auf diese Wählerzahl durch Zuweisung von Wählern aus der nächstfolgenden Abteilung ergänzt.

Der Antrag Becker rotrb abgelehnt.

Der § 7 wirb unverändert angenommen. Die §§ 914 wurden unverändert angenommen. Z» § 15 (Wahl der Wahlmänner) beantragte Ober» landesgerichtspräsident Hamm die Wiederherstellung bes Beschlusses bet ersten Lesung bet Kommission nach welchem in ländlichen Stimmbezirken auch bte Wablmämier aus einem angrenzenben Stimmbezirk gewählt werben können.

Der Antrag Hamm wirb abgelehnt, ber § 15 so­wie bet Restbestand bes Gesetzes werben unoeränbert angenommen.

Graf York-Warienburg zog seinen Antrag zurück, wonach zur Abänderung des Gesetzes die Zwei» drittelmehrhett in beiden Häusern bes Landtages er­forderlich sein soll. (Beifall.) Daraus wurde das Ge­setz in namentlicher Abstimmung mit 140 gegen 94 Stimmen angenommen.

Hierauf begründete Oberürgerrneister Bender- Breslau die Resolution bes Oberbürgermeisters Wallraf-Köln, in welcher bie Regierung ersucht wird, durch Gesetz eine Vermehrung der Zahl der Abgeord­neten herbeizuführen. Professor Dr. Wagner: Ma» sollte allen berechtigten Wünschen und Interessen ge» reiht werben. Das ist aber bei der jetzigen Wahft kreiseinteilung nicht der Fall. Ich stehe auf ton» ftivativ-agrarischem Standpunkte. In diesem Hause überwiegen die agrarischen Tendenzen so sehr, daß es nut der Gerechtigkeit entspricht, wenn in dem an­deren Hause dem Interesse bet Städte und der Im dusttie mehr Rechnung getragen wirb. Ich bitte u», Annahme ber Resolution.

von Buch erklärte: Wir halte» <m bet historisch'