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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

xnd den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) «nd urandwirtschastliche Beilage.«

N 101

Lie Jnsertioukgebühr beträgt für die Tgejpaliene Zeiic oder deren Staunt 15 Pfennige, für Reklamen SO Pfennige. Druck und Verlag: Joh. Lug. Koch, llniversitätS-Buchdruckrrei Inhaber Dr. 6. Httzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel» jährlich durch die Post bezogen 225 <M, (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2

Marburg

Sonnlaa, 1. Mai 1910

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45. Jahrg.

das; selbst in solchem Falle die Gefahr der Partei­wissenschaft beseitigt wird. Auch dann würde der Einfluß der maßgebenden Persönlichkeiten der Stadt auf die Berufung der Professoren, auf ihre gesamt« Betätigung im Lehramt schwerlich zurückzudrängen sei«, der von selbst sich einstellen und wirksam fei« würde, weil eben der Geldgeber nicht der Staat, son­dern die Stadt ist. Eine mächtige Presse würde dann auch das ihrige tun. abweichende Richtungen nieder­zuhalten. Meine politischen Freunde halten an der bewährten Richtung unsrer Staatsuniversitäten fest und werden die Gründung von Universitäten auf kommunaler und anderer Grundlage bekämpfen. Die volle Unarteilichkeit der Wissenschaft, ein gerechter Ausgleich zwischen den verschiedenen Richtungen kann nach konservativer Auffassung nur gewahrt wer­den durch vom Staat beaufsichtigte und mit solchen Mitteln unterhaltene Universitäten, über die der Staat selbständig, unberührt von kommunalen oder parteipolitischen Einflüssen verfügt.

Die llniversttät Frankfurt, wenn sie ins Leben träte, scheint uns den Anfang einer Reihe von soge­nannten freien Universitäten zu bedeuten, die ihrer Gründung sich anschließen würden, und die dann ebenfalls daseinsberechtigt wären. Wir befürchten, daß wir mit der Zustimmung zu der Universität Frankfurt am Anfang einer Entwicklung stehen wür­den, die große Gefahren in sich birgt und verhäng­nisvoll werden könnte. Mir fühlen uns daher ge­nötigt. uns gegen diese Universität zu erklären und hoffen, der Herr Minister werde sich auch auf de« Standpunkt stellen, die Errichtung einer Universität, die einerseits im Staatsintereste nicht erforderlich ist, andererseits die Erfahr einseitiger Parteientwick­lung in stch bergen würde, abzulehnen.

Der Herr Abgeordnete Funck hat von der Konkur­renz gesprochen, Die Frankfurt enteren Universitäten machen würde, und dabei auch Marburg genannt. Er meinte, das sei ja nicht so schlimm, durch den Be­völkerungszuwachs würde die Zahl der Studenten überhaupt zunehmen, und infolgedesten würden die anderen Universitäten keinerlei Einbuße erleiden. Es ist aber außer allem Zweifel, daß die Abwande­rung eines erheblichen Teile» der Studenten von Marburg nach Frankfurt etntreten würde, wenn eiw Universität Frankfurt eröffnet würde, und gerade d e wohlhabenderen Studenten wurden Marburg der Rücken kehren, lleberdies würde auch der spätere Zuwachs an Studenten in Marburg geringer fei», und an einen Ausgleich infolge allgemeiner Zvi nähme der Studenten ist in absehbarer Zeit bod nicht zu denken, da die Bevölkerungszunahme doch n« allmählich erfolgt. Die Universität und die Stad. Marburg würden in gleicher Weise leiden, denn ii einer kleinen Stadt hängt von dem Bestehen und der günstigen Weiterentwicklung einer solchen Anstalt das Wohl und Webe des gesamten städtischen Wesens und der gesamten Bürgerschaft ab. Es würde konser. vntiven Gründsähen nicht entsprechen, eine klein« Stadt schädigen zu lasten durch Maßnahmen, die le­diglich einer großen Stadt zugute kommen. (Sehr richtig! rechts.)

Der Herr Abgeordnete Funck führte bann weiter aus. baß ein Bedürfnis nach Universitäten in Groß­städten sich Herausstellen werde, und wenn man von Berlin und München absähe, so werde eine Groß­stadtuniversität im Westen wohl zu rechtfertigen fein. Herr Abgeordneter Funck hat aber die Eroßstadt- universität Leipzig nrcht erwähnt, auch nicht die Uni­versität in der Grossstadt Breslau. Wir haben nun also schon vier Grosisiadtuniversitäten, nicht nur zwei. (Zurufe rechts: Königsberg!) Es tft auch zu be­denken. daß durch das Wachstum der Städte noch an­dere Universitätsfiädte in die Reihe bet Großstädte einrücken werden. Also glaube ich, baß mit diesem Hinweis ein Bedürfnis nach einer GroMadtuniverfi- tät in Frankfurt nicht zu begründen fein wird.

Ueberhaupt ist es fraglich, ob es wünschenswert ist, daß ein immer höherer Prozentsatz der Studenten in Großstädten verweilt. Die Einfachheit bet Lebens­führung in den kleinen Städten ist für die funaen Leute im ganzen vorzuziehen gegenüber der Gewöh­nung an verfeinerte Bedürfnisse rote sie ihnen gerade in der reichen und schönen Stadt Frankfurt auf Schritt und Tritt voraefübrt werden.

Auf einen besonderen Umstand muß ich zum Schluß noch Hinweisen. In Marburg ist schon seit obren ein immer mehr zunehmender Mangel an Material für den anatomischen Unterricht überaus schwer empfunden worden. Der Bezug von Leichen ist auf die Provinz Hessen-Nassau beschränkt und da- ruber hinaus nicht ausdehnungsfäbig. Ware nun noch eine Universität auf das gleiche Landesgebiet mit ibrem Anspruch auf 9ei*enmateriat angewiesen so würde die Aufrechterhaltung be« anatomischen Unterrichts in Marburg ernstlich gefährdet sein.

Eine Universität in Frankfurt begegnet den größ­ten Bedenken. Aus sorgfältiger Erwägung kann ich nur den Schluß ziehen, daß dieser Gedanke, so herr­lich et auch denen, die ibn bisher hegten, erschienen fern mag. der Verwirklichung nicht zugeführt werden dürfte.

Drittes Blatt.

Rede des Abg. Herr» Geh Req.-Ral v. Rrßeleiu im Abqeordlletenhaus zur

Frankfurter llniversitatssrasie.

Meine Herren, die Frage einer Universität in * Frankfurt a. M. ist bereits in der Budgetkommission erörtert, sodann hier vor dem gesamten Hohen Hause und besonders vom Herrn AbgeordnetenFunck näher besprechen worden. Als vor einigen Monaten bet Gedanke dieser Universitätgründung zum erstenmal in bee Presse an die Oesfentlichkeit trat, war sofort zu erfawen, daß es sich um eine ganz ernst gemeinte Sache rtmdelte. Wenn auch bisher kein ausgearbei­teter pinn und kein Antrag der Königlichen Staat»- regietrmg unterbreitet wurde, so kann doch nicht be- zweifelt werden, daß auch jetzt noch die maßgebenden Persönlichkeiten in Frankfurt diesen Plan festhalten und weiter verfolgen. Das hat auch der Herr Abge- ordnete Funck mit seinen Worten bestätigt, wenn er auch zwar milde und beruhigend sich ausdrückte. Der Herr Abgeordnete Funck meinte, man solle doch erst abwarten. Lis der Plan völlig ausgeretft fei, elje man gegen ihn zu Felde zöge. Nun, meine Herren, das wäre für den Gegner eine verkehrte Taktik. (Sehr richtig!) Als der Plan zuerst bekannt wurde, war er bereits fo weit ausgereift, und seine Richt- (inten waren fo genau vorgezeichnet, daß es not» wendig war, dagegen Stellung zu nehmen, und das ist auch in der Presse bereits geschehen. Wollte man martern bis der Plan fertig vorliegt, fo wäre es vielleicht zu spät, mit Einwendungen zu kommen' bann würde es jedenfalls sehr viel schwieriger sei«, ihn zu beseitigen.

Stein unmittelbarer Herr Vorredner, der Abge­ordnete Dr. v. Liszt, hat vorhin gesagt, der Plan einer solchen Universitätsgründung fet mit Svm- pathie ju begrüßen. Meine Herren, ich brauche wohl ** als vollkommen selbstverständlich nicht erst besonder» hervorzuheben, daß wir auf der rechten Seite de» Hauses der Weiterentwicklung unserer deutschen Wissenschaft mit vollster Sympathie zur Seite stehen, ebenso wie dem Aufblühen unserer Universitäten. Aber es ist eine andere Sache, ob es stch um das Auf­blühen der Wissenschaft im allgemeinen handelt, um ihre allgemeine Förderung, oder um einen speziellen Fall einer solchen Unioersttätsartindung. Einen solche« Fall haben wir die Pflicht, uns naher anzu- fehen. und es soll heute meine Aufgabe fein, die Be­denken meiner politischen Freunde bei dieser Frage näher darzulegen.

2Bcen eine Universitätsgründung beabsichtigt wird, so muß man zunächst fragen: ist die gewünschte Unweefität überhaupt nötig und ist sie nötig an dem Ort und in der Gegend, wo sie entstehen soll?

Da ist nun in der Presse hervorgehoben, daß unsere Bevölkerung in Deutschland seit 40 Jahren sich nahezu verdoppelt, die Zahl der Universitäten aber nur wenig zugenommen habe; es sei nur eine Univerfttät Straßburg neu gegründet, eine zweite Münster erweitert worden. Meine Herren, würde die Zahl der Bevölkerung zuarunde gelegt, so würden wir wahrscheinlich alle 10 Jahre eine neue Universität errichten müssen. (Sehr gut! rechts.) Wenn wir uns dies klar machen, werden wir sogleich einsehen, daß der Maßstab bet Bevölke- rung für bie Zahl der Universitäten nicht entscheidenb fein kann. Höhere Schulen wie Gymnasien usw. werden mit dem Wachstum der Bevölkerung, insbe- * sondere der städtischen, an Zahl zunehmen. Bei den Unieerfitäten ist das Gleiche nicht erforderlich, da eine jede Universität, ich möchte sagen, eine fast an« begrenze oder doch große Uusdehnunasfähigkeit be­sitzt. Die Universitäten zählen tatsächlich heute weit mehr Studierende als vor 30, 40 oder 50 Jahren. Aber ich frage: können sie das nicht vertragen? Sie haben sich alle ausgedehnt, an ihnen unterrichten mehr Dozenten als früher, ihre Institute sind ver­bessert und vermehrt: es steht auth nichts entgegen, bass die vorhandenen Universitäten sich noch mehr' er­weitern, daß auch bet kleineren Universitäten, wenn dies erforderlich wird, doppelte Lehrstühle für m.auche "cker errichtet werden. Unseren Universt. täte« Hai die Vergrößerung durchaus nicht geschadet, vielmehr genützt' gerade die kleineren Universitäten habe« durch die Zunahme der Studierenden in jete Beziehung gewonnen. Die bestehenden Universitäre,, : habe,! bisher gentiat, um die Studierenden auszu- : nehmen: fühlbare Mißstände infolge von Ueberfül- fing, denen nicht Abhilfe geworden märe, haben sich nicht geltend gemacht.

. Die bloße Bevölkerungszunahme kann also die Errichtung einer neuen Universität nicht begründen, i Für den heutigen Bestand der Universitäten ist nicht 1 die Zahl und die Dichtigkeit der Bevölkerung maß« gebend, vielmehr schließen sie sich in historischer Ent- Wicklung an die Landschaften an. Wenn in Strafe ! bürg und in Münster neue Universitäten entstanden, &war eben in Elsaß-Lothringen, in Westfalen eine cke auszufüllen. Sehen mir uns heute um, wo

; etwa solche Lücken auszufüllen sind, so würden wir i unsere Blicke nach dem Osten zu richten haben, wo noch m zwei Provinzen die Universität fehlt, nicht ! «bet nach Hessen-Nassau, wo bereits eine Lande». : Universität besteht, die in den letzten Jahrzehnten einen sehr günstigen Aufschwung zu verzeichnen i Mite. Für die Bewohner dieser noch dazu kleinsten j Provinz Preußens ist die Universität Marburg aus- i reichend, ein Bedürfnis zur Errichtung einet zweiten f Universität in dieser Provinz ist nicht anzuerkennen. ; Ein Staatsinteresse liegt jedenfalls dafür nicht vor.

Entspringt nun etwa der Gedanke, daneben noch i In Frankfurt eine neue Universität zu errichten, : einem lokalen Bedürfnis in dem Sinne, daß die Stu- ; dirrenden in Frankfurt und feiner nächsten Umgebung die Gelegenheit, akademische Bildung zu empfangen, 'in unmittelbarer Nähe haben müßten? Da müßte ! »»nächst ermittelt werden, welche Zahl an SttSie-

renben Frankfurt und seine Umaebnng innerhalb der preußischen Grenzen stellt. Diese Zahl wird nicht ausreichen, um das Bedürfnis einer neuen Universi­tät nachzuweifen. Die Bildungsbedürftigen aus Frankfurt und Umgegend werden in absehbarer Zeit noch sämtlich auf den bestehenden Universitäten Auf­nahme finden können, zumal die Entfernung bis zu den nächstgelegenen Universitären nickt groß ist. Marburg ist kaum 100 Kim entfernt, und die danach nöchstgelegenen preußischen Universitäten Bonn und (Böttingen sind ebenfalls unschwer und ohne große Kosten zu erreichen, von den noch näher gelegenen anßervreußischeu Universitäten Gießen. Heidelberg und Würzburg gor nicht zu reden. Eine so reiche Auswahl bevorzugler Universitäten, wie sie den Frankfurter jungen Leuten in der Nähe lick bietet, steht wohl kaum anderswo im Deutschen Reiche in gleicher Art der studierenden Jugend zu Gebote. (Sehr richtig! rechts.) Ein Bedürfnis aus lokalen Gründen kann also weder wegen der Zahl der Stu­dierenden in Frankfurt zwch wegen der Nähe zahl­reicher anderer Universitäten anerkannt werden.

Es muß also wohl noch ein anderer Grund vor­handen sein, der den Frankfurtern eine eigene Uni­versität erwünscht macht. Es sind dort gewisse An­sätze zu einer Universität vorhanden: die Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften, das Senken- bergiamim und der Physikalische Serein; dazu kom­men noch mustergültige Krankenhäuser, vielleicht auch noch andere Institute.

Herr Abgeordnete Funck hat nun hervorgeboben, daß man sich bemühe, in Frankfurt einen Mittelpunkt für Kunst und Wissenschaft zu schaffen: nachdem die Bedeutung Frankfurts als Handelsstadt sich nicht in dem Maße weiter entwickelt habe wie früher, müsse man sich nach einem Ersatz umsehen. Wenn Frank­furt für die Wissenschaft und Kunst viel geleistet fiat, fj können wir dies nur im hohen Maße anerkennen. Wir alle gönnen der Stadt ihre Erfolge und wün­schen ihr Glück zu weiteren Fortschritten auf diesem Gebiete. Nur braucht als Gipfelpunkt nicht gerade eine Universität ausersehen zu fein; dabei find doch noch andere Gesichtspunkte zu beachten als nut das fernere Aufblühen der Stadt Frankfurt.

An Geldmitteln, um die Einrichtung zu erhalten, die Frankfurt schon besitzt, und, soweit es nötig wäre, durch andere Institute noch zu vervollständigen, kehlt es nicht; das hat auch Herr Abaordneter Funck er­klärt. Frankfurt ist eine reiche Stadt, eine der lei­stungsfähigsten Städte Deutschlands; es wird auch wohl möglich sein, noch mehr Geld zusammenzubrin­gen, als bisher für diese Zwecke vorhanden ist. Es tönte eben nur darauf an, die vorhandenen Ansätze zu einer vollen Universität mit allen staatlichen Be­rechtigungen auszubauen.

Dazu noA eine n>- (grmf'wm''- v--r pm», Ruhm der Stadt Frankfurt, die ja in deutschen Lan­den eine uralte Kulturstätte ist, soll durch eine llnk- Derfität womöglich noch erhöht werden. Man sprach in der Presse von einer Entschädigung für die unter­gegangene staatliche Selbstständigkeit der alten freien Reicksstadt. Meine Herren, von einer Entschädigung für Verluste, die durch die politischen Vorgänge, durch den efiernen_ Gang der Geschichte herbeigeführt find, sollten wir überall und unter allen Umständen absehen. Welche Ansprüche könnten dann nicht aller­orten geltend gemacht werden? Nur die gegenwär­tigen Verhältnisse, nur das unmittelbare Bedürfnis der Gegenwart und der näheren Zukunft dürfen maßgebend fein, wenn es sich darum handelt, neue Einrichtungen zu schaffen. Und wenn hier von einer Entschädigung für vergangene Herrlichkeit die Rede sein könnte, würde sie nicht eher darin zu erblicken sein, daß Frankfurt jetzt eben durch ein Eingemein­dungsgesetz sein altes Staatsgebiet zurückerhalten hat? Diese Gebietserweiterung würde wenigstens sachftch eher mit dem früheren Verluste sich decken, als die Gründung einer Universität, die gar nichts mit den alten Frankfurter Verhältnissen zu tun hat. Für die in Frankfurt Einheimischen mögen diese Gründe für eine Universität in ihrer Mitte viel Be­stechendes haben; die Außenstehenden können ober weder dem romantischen Einschlag bet diesen Er­wägungen noch den praktischen Gesichtspunkten nach- gefien, die aus gewissen Ansätzen den Ausbau einer Universitä als wünschenswert erscheinen lassen.

Vorsorglich wurde auch auf den materiellen Vor­teil in der Presse hingewiesen, den eine Universität der Stadt Frankfurt bringen könnte. Da ist der Geldumsatz berechnet worden, den die Studenten der Frankfurter Geschäftswelt zuführen würden. Dieser Umsatz würde sich etwa auf 2 bis 3 Millionen be­laufen. Aber was will das sagen, wenn man den großartigen Handels- und Geldverkehr in Frankfurt bagcflfn hält! (Sehr richtig! rechts.) Zur Hebung des Wohlstandes wie etwa in einer kleinen Stadt bedarf es in der Tat nicht einer solchen Veranstal­tung. Der Herr Abgeordnete Funck hat hervorge­hoben, daß die '- in Frankfurt jetzt nicht mehr die Bedeutung fit*1- >e in alten Zeiten. Nun, das mag feinj aber jci der Frankfurt kennt, wird zu- geben müssen, daß der Handel, die Industrie, der ge­samte Verkehr dort eine großartige Ausdehnung ge­nommen haben. Frankfurt hat überhaupt feit der Vereingung mit Preußen eine großartige, eine glän: zende Entwicklung genommen; (sehr richtig! rechts) es hat sich weit über fein altes Weichbild ausgedehnt und es wird auch einer weiteren glanzvollen Zukunft entgegengehen. Durch den Handel und die Industrie, durch den gewaltig flutenden Verkefir wird es die von Alters her überkommenen Reichtümer noch wei­ter vermehren können; da kommt der Umsatz von einigen Millionen, den eine Universität etwa ein» bringen könnte, kaum in Betracht. Wir können es aussprechen: ein durchschlagendes lokales Interesse liegt für die Begründung einer Universität in Frank­furt nicht vor, ebenso wenig wie ein Staatsinteresse hierfür vorhanden ist.

Die Richtigkeit dieser Auffassung verkennen auch die Freunde der Universitätsgründung nicht' denn sie haben es bisher in allen an die Oeffen/ickkeit ge­langten Aeußerungen unterlassen, die Hilfe be» Staate» für sich in Anspruch zu nehmen; Re waren willen», bie Universität <m» Crwatmtttel« und.

wenn diese nicht zureichen sollten, aus städtischen Mitteln zu errichten. Käme hierbei irgendein Staatsinteresse in Betracht, so würde ganz ohne Zweifel die Mitwirkung des Staates in bas Pro­gramm ausgenommen worden fein; der beste Beweis bafür, daß es sich hier um ein Werk handelt, da» nicht einem allgemein empfundenen Bedürfnis ent­spricht, vielmehr nur für Frankfurt einen, ich möchte lagen, besonderen Affektionswerk besitzt.

Wenn nun Frankfurt bie Universität ohne staat­liche Beihilfe errichtet, so hegt es auch den Wunsch, den Einfluß des Staates auf die Berufung der Pro­fessoren, auf ihre Besoldung, überhaupt auf bie Uni- öerfitätsangelegenfieiten möglichst zu beschränken oder gar ganz fernzuhalten; eine freie Universität mit Selbstbestimmungsrecht erscheint den Trägern des Gedankens als das zu erstrebende Ideal. Damit wäre dann eine neue Art von Universitäten in Preu­ßen wie in Deutschland überhaupt geschaffen. Die bisherigen Universitäten waren und sind Staatsuni­versitäten. Die Professoren werden als Staatsbe­amte unter ähnlichen Bedingungen angestellt wie an­dere Staatsbeamte.

Wir dürfen mit Stolz aussprechen, daß unsere Universitäten sich bisher vollkommen bewährt haben. (Sehr richtig! rechts.) Obwohl die Staatsaufsicht besteht und mit dem erforderlichen Nachdruck ausge­übt wird, ist die Freiheit bet Wissenschaft gewähr­leistet und nirgends gefährdet. Durch Berufung ge­eigneter Lehrkräfte wird auch für den Fortschritt bet Wissenschaft gesorgt. Die deutsche Wissenschaft und der deutsche Gelehrtenstand ist in der ganzen Welt vorbildlich. Niemand wird behaupten können, daß unsere Universitäten durch die Fürsorge und die Auf­sicht des Staates <5(haben Gelitten hätten: bas Ge­genteil ist richtig; (sehr richtig! rechts) sie würden auf die Heutige Höhe, bie sie im ganzen noch zu keiner Zeit erreichten, sich nicht geschwungen haben, wenn nicht unausgesetzte staatliche Fürsorge sie gefördert hätte. Warum nun von diesem bewährten Svstem ahgefien und eine Universität errichten, die dem staat­lichen Einfluß entzogen fein soll? Man möchte wohl einesteils durch hohe Dotierung der Stellen bie be­sten Kräfte nach Frankfurt ziehen, andernteils scheint es, als ob die kelbständiae Auswahl der Lehrkräfte bet Universität einen besonderen Charakter aufptä- gen sollte.

Der Herr Abgeordnete Funck hat erklärt, eine staat-wefäbrtiche Richtung würde keinesfalls bei der neuen Universität rtnges^lagen werden. Ick will nickt behaupten, daß die Richtung . von bet sie be­herrscht fein soll, eine geradezu staatsgefährliche sein sollte: das würde ja unter keinen Umständen gedul­det werden. Aber man kann sich dem Gedanken doch nickt verschließen baß die ersehnte Stätte bet Wissen­schaft einer einseitigen Parteirichtung, bet auf poli­tischem, sozialem und teliaiofem Gebiet in Frank­furt a. M. vorherrschenden Richtung Raum und Ver- breituna gewähren soll. Bezeichnend ist. daß die tbeoloaffcke Fakultät ausgeschaltet sein soll; so wat es wenigstens in den Aeußerungen bet Presse zu le­sen. Der Herr Abgeordnete Funck hat es ja nun in feiner Rede als nicht ausgeschlossen bezeichnet, daß auch die Theologie bei der neuen Universitätsgrün- dung berücksichtigt werden könnte. Meine Herren, bas müßten wir doch aber erst einmal abwarten, ob in dieser Beziehung eine Wandlung bei den Frank­furter maßgebenden Persönlichkeiten vor sich ge­gangen ist; ich glaube es vorläufig kaum. Wenn aber eine Universität ohne die theologische Fakultät errichtet würde, bann würde eine universitas littera« rum in vollem Sinne nickt bestehen; denn auch die ReligionswrtzensHaft gehört zu den Dingen mensch­licher Erkenntnis und darf da. wo alle Wissenschafts­zweige zusammen gepflegt werden, nicht ausgeschlos­sen fein. Das ist ja aerobe die Eigenheit und Stärke der deutschen Universitäten, daß sie die gesamten Wissenschaften in vier Fakultäten von jeher umfassen. Die Gelehrten wurden dadurch vor Einseitigkeit und vor einem engen Gesichtskreis bewahrt.

Der Kosten wegen kann die Beiseitefchiebung bet Theologie nicht beabsichtigt sein; denn diese Fakultät dürfte die wenigsten Kosten verursachen. Wenn im übrigen Geld genug für eine Universität vorhanden ist, wird es nicht schwer fallen, auch diese blßtafte der Fakultäten auszustatten. Aber es liegt wohl im Svstem, von der Theologie abzusehen. Der demo­kratische Zug des Herzens drängt zur Befreiung von den Fesseln des Herkömmlichen. Unwillkürlich wird man dabei erinnert an den von der Sozialdemokratie

Was könnte nun die nächste Folge sein, wenn eine Universität mit ausgesprochener Parteiricktung in» Sehen tritt? Wahrscheinlich würde es nicht lange wäfiren, bis irgendeine andere reiche Stadt nach dem Muster von Frankfurt a. M. eine Universität mit einer andern Parteiricktung gründen wollte. Ich will hierauf nicht näher eingehen; aber wäre es wunderbar, wenn bann nacheinander bie verschiede­nen Parteiricktunaen und Weltanschauungen Psleg- ftätten bet Wissenschaften jede für sich errichteten, die sie allein von ihrem Standpunkte beeinflußten und mit ihrem Geist erfüllten? Hier heißt e»: principits obsta; mir würden sonst Gefahr laufen, unsere Wis­senschaft in das Fahrwasser der Parteivolittk gleiten ju lassen, ihr die zum Dasein gleich Licht und Luft notwendige Objektivität zu rauhen. Unsere jetzigen Universitäten gewähren allen Anschauungen Raum. Fm geistigen Kampf wirb einer jeden Anschauung Gelegenheit geboten, sich durchzusetzen, wenn ander» Kraft und Wahrheit ihr inne wohnt; nicht aber darf eine einzelne Richtung von äußeren Machtmitteln, von Geldmitteln getragen, derart vorherrschen, um anbete Richtungen zu unterdrücken. Es muß auch fernerhin die Losung fein: freie Entfaltung der Wis- senkchaft nach jeder Richtung! Ein Universitätsge- bilbe mit einseitiger Parteirichtung kann vom kon­servativen Etandunkt au» nicht gebilligt werden, wie ich namens meiner politischen Freunde erklären darf.

Wir vermögen uns aber mit dem Gedanken einer Universität Frankfurt auch nickt zu befreunden, wenn efma der Unterricktsverwaltung bet voll» Ei"fl"S wie sie ihn nach dem geltenden Staatsrecht auf die bestehenden nitfoerR täten ausübt, offiziell und for- ««ll eingeräumt würbe, denn wir müssen bezweifeln.

Deutsches Reich.

Seschäftsd «post io« deS Reichstags. Ber- lin, 29. April. Der Seniorenkonvent des Reichs­tags sprach mtt großer Mehrheit sich dahin auS. daß versucht werden soll, vor Pfingsten die noch schwebenden großen Vorlagen zu erledigen. Gegen Schluß der nächsten Woche soll die Wert- zuwachssteuer ht zweiter und dritter Lesung er­ledigt werden. Zu Beginn der darauf folgende« Woche soll das Kaligefetz folgen. Es soll aber unter keiner Bedingung nach Pfingsten getagt werden. Die anderen Tage bis Pfingsten solle« durch Behandlung der Heinen Vorlagen ausae- füllt werden.

Zum Ableben des «rufe« Driola. Berti», 291 dlvrU. Da« Beileidstelegramm deS Kaiser« rum Ableben M Reichstagsgbgeordneteu «rase*