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45. Jahr»

M 99

ugspreis beträgt viertel»

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Mnb den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.^andwirtjchastliche Beilage.

Lee Jnsertrondgebühr betrügt für die TgefpuUene Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. Druck und Verlag: Iah. Aug. Koch, UniversitätS-Buchdruckerei Inhaber Dr. C. Hihervth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

jährlich durch die Poft bezogen 2 25 dH (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 \Ä.

Marburg

Freitag, 29. April 1910.

DieOberhesftfche Zeitung" erlernt täglich mit Ausnahme der

Sonn« und Feiertage. Der Bez jährlich durch die Poft bezogen 2 21

Bestellungen

|tr »ie Monate Mat und Juni 1910 auf dieOberhesslsche Zeit«««" nebst ihren Beilagen werden van unserer Expetzi- tton (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt, Wetter, Gb»- darf, Hachborn, HeOkem-M-ll», Lei­nenhosen, Drethausen, Wittelsberg, .Niederweimar, Niederwalgern, Dam« und Lohr« sowie von allen Post» anstalten und LandbrieftrSgern entgegengenom­men.

Jugendlettüre.

Man schreibt uns:

Die Erziehung unserer Jugend zu tüchtigen Män- N«rn ist eine» für die Geschicke des Vaterlandes schlechthin entscheidende Frag«, denn die Knaben und Jüngling« von heute find die Männer von morgen. Für die geistige und charaktermäßige Bildung der Auo-nd wiederum sind die von ihr gelesenen Bücher ein sehr wesentlicher Faktor und so ist es denn durch­aus berechtigt, wenn man immer wieder die Frag« der Zugendlektüre ernsthaft und eindringlich behan­delt. Eine Anzahl toller von halbwüchfigen Zungen ausgeführter Streiche haben die Aufmerksamkeit auf die Abenteuer-,Romane gelenkt.

Wer die Abenteuer-Romane schlechthin verwirft und alle diese Erzählungen auf einen Haufen wirft, der urteilt und handelt sehr oberflächlich. Es kommt bei dieser Gattung von Erzählungen genau so wie bei jeder anderen Belletristik auf den literarischen Wert an. Die bekannten Lederstrumpferzäblunoen von Cooper haben einen solchen starken poetischen Wert, sie gewähren einen so interessanten Einblick in das allmähliche Vordringen der weißen Pioniere auf dem amerikanischen Kontinent mit allen Vor­teilen und Mängeln dieser Männer, daß diese Bücher für die Jugend nicht nur unterhaltend, sondern auch belehrend sind. Ebenso werden die Merke Friedrich Gersiäcker« in ihrer frischen Darstellung und mit ihrem gesunden Humor sicherlich nicht schädigend auf die Jugend einwirken.

Es kann uns natürlich nicht beifallen, hier eine Liste der für die Jugend durchaus brauchbaren Abenteuer-Romane und der nicht brauchbaren aufzu­stellen. Mir wollten nur an einigen Beispielen zei­gen, wie töricht es ist, das Kind mit dem Bade aus- zus^ "tten. Die Phantasie der Jugend verlangt An- regung. Wenn man den Kindern bloß Bücher in die Hand gibt, die in erzählender Form die Erlebnisse braver, normaler Menschen schildern, so werden solche . Bücher den Kindern sehr leicht langweilig werden und sie werden sich auf heimlichen Wegen Bücher zu verschaffen suchen, die ihrer Phantasie mehr bieten und die dann, wenn eben nicht die Eltern ober Er- -ieher die Lektüre auswählen, natürlich billiger und sch^^'^er Schund sind.

21 (Nachdruck verboten.)

Um Wre nnb Recht.

Roman von O. El^e».

'Sortierung I

Antworten Sie,* fuhr Fritz energisch fort, haben Sie dem Baron mitgeteilt, was sich gestern abend imWeißen Roß* zugetragen hat?'

Ja aber . . .'

Haben Sie ihm gesagt, daß ich zugegen ge­wesen bin?*

Ja aber . . .*

Haben Sie ihm gesagt, daß ich mich am Spiel beteiligt hätte?'

Ich weiß nicht . . .*

Antworten Stet Haben Sie es ihm zesagt?*

Ich habe nur gesagt, was man mit erzählt U«l . . suchte sich Stanislaus zu entschuldigen.

Was Ihnen dieser fremde Schurke Sommer l rzkihlt hat?*

»Ja allerdings*

.Und ohne zu prüfen, ob es wahr sei ... . Herr, wissen Sie, wie man einen solchen Men- ,scheu nennt?*

Herr Born, ich bitte . .

Einen elenden Verleumder nennt man einen solchen Menschen, der die Lügen anderer Leute weiterverbreitet, um sie zu seinem eigenen Zwecke auszunutzen! Haben Sie mich verstanden? Sie

Sie sind ein solcher elender Verleumder, ein solcher Lügner, den ich Lust hätte mit dieser Reit- striffche zu züchtigen.'

Prokowsky wich noch Wetter zurück. Erzitterte

W allen Gliedern.

1Fürchte» Sie nichts,* fuhr Fritz, verächtlich Nchelnd, fort,ich werd« mich an Ihnen nicht ver-

Im übrigen soll man bei Kindern die Aengst- lichkeit auch nicht übertreiben. Uns fällt eine sehr niedliche kleine Erzählung von Rosegger ein:Mar­tin, der Mann". Resegger schildert, wie er einen achtjährigen Knirps auf einem Dachfirst herum­klettern sieht, wie er selbst vor Schrecken halbtot ist, während das Kind Über das ganze Gesicht lacht und vor Freude jauchzt. Rosegger macht sich dann selbst wegen seiner Aengstlichkeit Vorwürfe und er sagt, dieses Kind sei viel mehr Mann, als er, der mit Nerven geplagte Erwachsene. So ähnlich ist es auch mit dem geisttgen Herumtoben. Die Kinder lesen manches, was ihnen gefährlich werden könnte, wenn sie auf die Gefahr Überhaupt aufmerksam gemacht würden, sie gelangen aber, wenn fie geistig gesund und normal find, mit vollkommen heilen Gliedern wieder auf den Boden der wirklichen Tatsachen an.

Damit soll nicht gesagt werden, daß man sich um die Lektüre der Kinder gar nicht kümmern soll. Zm Gegenteil, insbesondere die Schule hat die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die Kinder gute Lektüre erhal­ten. Diesen Zweck können am besten die Schulbiblio­theken erfüllen, die auch bei der Austeilung der Bücher nicht gar zu sparsam sein sollen. Die Kinder zwischen dem 12. und 13. Lebensjahre haben oft einen wahren Lesehunger, insbesondere in den Groß­städten. wo die Kinder nicht so viel im Freien spie­len können, wie kleinstädtische ober länbliche Kinder. Bietet die Schulbibliothek dem Kinde genug gut aiiogewähltes Lesematerial, so hält sich das Kind van selbst van den Nick Carter-Erzählungen und ähnlichem Schundzeug fern.

Aus den Parlamenten.

Deutscher Reichstag.

74. Sitzung vom 27. April.

Auf der Tanesorbnung siebt zunächst die dritte Lcsimcz der Varlaae beit. Verlängerung des deutsch- fd)roebt;..,en Handelsvertrages.

Abg. Graf Kanitz (ton|.) führt aus, man sollte genen Schweden nicht zu nachgiebig fein, sondern nötigenfalls den Eeneraltarif anroenben. Es würde aber auch beruhigend wirken, wenn man die Erklär­ung vom Regierungstische hörte, baß wir nicht ge­sonnen finb, uns auch bie französischen Zollerhöhun­gen wlberstandslos gefallen zu lasten.

Obne weitere Debatte wird die Vorlage enbgfittig genehmigt. Es folgt die dritte Beratung des Gesetz­entwurfs über die Haftung des Reichs für feine Be­amten. In der Spezialberatnng wird bei § 4 ein Antrag Schultz (Rp). Erzberger (Ztr.) und Roth angenommen, der auch die Besatzung des Schutz­gebiets Kiautschou in das Gesetz einbezieht. Mit dieser Aenderung wird das Gesetz definitiv ange­nommen.

Es iolat die dritte Beratung de» Gesetzentwurfs über die Gewährung von Beihilfen an die Kriegs­teilnehmer.

In der Generaldebatte bemerkt Abg. Prinz Caro- lath (natl.): Zu bedauern fei. daß die Wehrsteuer- Refolntion obaelehnt lei. Schatzlekretär Wermuth meint, daß sich feine Bedenken als berechtigt heraus- gellellt haben, indem bas frans ja bie Wehrsteuer­resolution abgelehnt hat. Daß worauf Sie mich verweisen die Regierung einen Entwurf aus- arbeiten soll, ist ja ganz richtig. Es sind auch schon rchr Entwürfe zugunsten der Veteranen ausaearbei- v»> Wirten. Ihm sei bie Sache sehr ernst. Er hege

greifen. Wenn Sie ein Fünkchen Ehre im Leibe haben, dann wifien Sie. was Sie zu tun haben ich stehe jederzeit zur Verfügung. Aber mer­ken Sie sich, Herr von Prokowskv, das Eine: Ich werde ein wachsames Auge aus Sie haben was Sie mir getan haben, das mag hiermit er­ledigt fein, wenn Sie aber Ihre Intrigen auf eine andere Person ausdehnen, ober um deutlich zu sprechen, wenn Sie Fräulein Erika nicht in Ruhe kaffen, wenn Sie die junge Dame wetterhiu mit Ihren nichtswürdigen Plänen zu umgarnen versuchen, wenn Sie die junge Dame ferner mit Ihren Aufmerksamkeiten, bie die junge Dame ängstigen und auälen, verfolgen, dann werde ich Ihr elendes Spiel aufdecken, und bann, mein Herr Stanislaus von Prokowsky, könnten Sie noch einmal diese Reitpeitsche z« kosten be­kommen.*

Herr Born, diese Sprache . . .'versuchte Pro­kowskv aufzubegehren.

Wenn Sie Ihnen nicht paßt, stehe ich zur Verfügung wann und wo Sie wollen. Ich vertrete meine Worte gegen jedermann und nehme nichts von Ihnen zurück. Und nun. Herr Stancktaus von Prokowsky, verlaflen Sie mein Zimmer *

Er wies mU der Reitpeitsche nach der Tür, und sein Gesicht hatte einen so finsteren, drohen­den Ausdruck angenommen, daS Prokowskv es vorzog, sich schweigend zu entfernen, ohne sich in weitere Auseinandersetzungen einzulaffen. Aber als die Tür sich hinter ihm geschloffen hatte, da verzerrte sich sein blaffes Gesicht zu einer Maske der Wut und der Rache. Mtt geballter Faust drohte et gegen das Zimmer Borns und zwischen den Zähnen stieß er zischend hervor:

Das werde ich dir gedenken, du Starr! An diese Stunde sollst du noch oftmals denken . . und rasch eilte er die Treppe hinab.

auch bie Hoffnung, daß sich noch ein Weg finden wird. Abg. Eroeber (Ztt): Die Wehrsteuer ist nicht abgelehnt, sondern nur die Resolution. Es fragt sich eben nur, wie die Ausführung ift Abg. Arnstadt (kons.): Der Staatssekretär wird zu großer Beliebtheit gelangen, wenn er endlich diese Frage in annehmbarer Form löst. Wir halten so lange, bis uns heilere Vorschläge gemacht werden, an der Wehr- fteuer fest. Abg. Kopsch (Fortschr. Vp.) will gern an bet vom Prinzen Carolnth empfohlenen freien Konkurrenz teilnehmen. Abg. n. Siebert (Reichs.) meint, baß mit schönen langen Reden den Veteranen nicht gebient werbe. Die Vorgänge am Sonnabend habeu im Lande Entrüstung hervorgerufen. Erstens die ablehnenbe Erklärung bes Schatzsekretärs und zweitens bie negativen Abstimmungen über die Auf­bringung der Mittel.. Schatzsekretär Wermuth hält an feinem Vorschlag wegen der Wertzuwachs­steuer fest und deshalb habe er sich auch übet den Vorschlag wegen bet Konferenz nicht weiter aus- gelaffen Auf eine Anfrage des Abg. Prinz Caro» lath, ob denn der laufende Etat bereits Uebetfchüffe ergebe, antwortet Schatzsekretär Wermuth, daß das Defizit, das der Etat von 1909 habe, erst bis auf 60 Millionen gedeckt fei.

Hierauf wird der Beteranengeketzentwurf en bloc angenommen, und zwar einstimmig (Bravo!)

3m «bgeorbneteehaufe

wurde am Mittwoch die zweite Lesung des Kultus­etats beim Knnitelfrühere Lehranstalten" fortge­setzt. Abg. Eickhoff (Fortschr. Vp.) bezeichnete bie Entwicklung der Realgymnasien und Oberrealschulen als ein Charakteristikum für eine neue Aera unseres Schulwesens. Abg. Siroebel (Soz.) beklagte es. baß für bas Volk nichts getan werde. Abg. Dr. Bell- Effen (Ztr.) verlangte Klärung der Frage, ob die Oberlehrer an städtischen Schulen mittelbare oder unmittelbare Staatsbeamte wären. Minister von Trott zu Solz wies auf die Nützlichkeit bes Erlasse» hin, wonach es Volksschullehrern, bie da» Mittel- schullehreteramen gemacht haben, möglich ist, in den unteren Klaffen der höheren Lehranstalten zu unter­richten. Uedergrisfen der städtischen Verwaltang in die innere Schulverwaltung werde er stet» entgegen« treten. Die Erörterung der Frage, ob die städtischen Lehrer mittelbare oder unmittelbare Staatsbeamte wären, sei müßig, da alle Lehrer diszivlinarisch dem Staate unterstanden. Abg. Biereck (freikons.) trat für enalischen und ruffischen Sprachunterricht ein. Abg. Dr. Gottschalk-Solingen (natl.) für Cexual- pädaaoaik. Abg. Caffel (Fortschr. Vo.) verlangte für die Städte auch einen gern äffen Einfluß auf die inneren Angelegenheiten ihrer Schulen. Die all­gemeine Befprechlmg wurde geschloffen. Bei der fol- aenben Einzelberatuna trat Abg. Wollkowski (kons.) für eine schleunige Inangriffnahme des Neubaues des Gymnasiums in Reustabt i. Westpr. ein. Aba. Siebert (kons.) erbat einen Staatszuschuß für bie höhere Lehranstalt in München, zu bet die Stadt jährlich bereits 45 000 dH zuzahle. Die Abg. Schmed­ding (Ztr.), Griffon (natl.) und Lüdicke (freikons.) brachten bauliche Wünsche für bas Paulinenm in Münster, bas Gymnasium in Coesfeld, bas Dom- gymnafiurn in Magdeburg und das Snandauer Gym­nasium. Regierungsseitig wurde möglichste Berück- fichtiaung bet ooraebrachten Wünsche zugesagt. Um 4% Uhr wurde die Sitzung abgebrochen, um abend» 7V- Uhr wieder aufgenommen zu werden.

Deutsches Reich.

Der Kaiser i« Urville. Schloß Urbitte, 27. April. Nachmitags unternahm das Kaiser­paar mit der Prinzeffin und Gefolge eine Aus­fahrt in Automobilen. Generalleutnant Freiherr v. Lhncker, Jnspetteur der Verkehrtruppen, Major

Fritz atmete auf, als Prokowsky das Zimmer verlassen hatte. Jetzt war ihm leichter geworden und er konnte schon wieder lachen über die Feig­heit und Furcht Prokowskys.

Ich hoffe, er wird an meine Warnung den­ken,* sprach er zu sich,und Erika zufrieden taffen Ich werde ihr schreiben sie wird mir glauben, wem: ich ihr sage, daß ich das Opfer einer elen­den Verleumdung geworden bin. Mich dem Ba­ron gegenüber zu verteidigen, dazu bin ich den« doch zu stolz. Wir werden uns später Wieder­sehen und ich kann es der Zeit übertaffen, mich zu rechtfertigen . . . aber Erika soll alles wissen. Ihr bin ich die Aufklärung schuldig . . .*

Und er setzte sich an feinen Schreibtisch, um an Erika einen langen Bries zu schreiben.

X.

Die Baronin zeigte seit einigen Tagen eine merkwürdige Verstimmung und Unruhe. Sie durchsuchte ihr Schlafzimmer, ihr Toilette, das Wohnzimmer und den Salon, um, wenn sie da­mit fertig war, von vorn anzufangen. Ver­wundert sah der Baron ihr zu und fragte sie einige Male, was sie denn habe, erhielt aber nur b:e kurze Antwort:Oh, nichts, ich suche nur eine Kleinigkeit, welche ich verlegt haben muß.*

Der Baron dachte nicht weiter darüber nach, et war jetzt mit der im vollen Gange befindlichen Ernte beschäftigt, war nur auf den Feldern drau­ßen und kehrte des Abends ermüdet heim, um sich bald tti seine Zimmer zurückzuziehen.

Dafür leistete dann Stanislaus der Baronin Gesellschaft, und da auch Erika sich jetzt öfter früh zurückzog, waren die Baronin und ihr junger Schützling oft allein.

So auch heute abend, nach einem schwülen Sommertage, während sich nach Sonnenunter­gang schwarze Wolken am westlichen Himmel auftürmten, welche fftr die Rächt mit einem

Groß, Kommandeur des Lustschifferbataillrat und Geheimer Regierungsrat Profeffor Dr. Her gesell finb heute Rachmitag hier eingetroffen.

70. Geburtstag. DieFreikons. Korresp* schreibt unter dem 27. April. Seinen 70 Ge­burtstag feiert heute der Landtagsabgeordnete, Landrat des Kreises Frankenberg, Geheimer Re­gierungsrat Riesch. Geheimrat Riesch, der eil Mitglied der freifonferbatiben Fraktion des Ab­geordnetenhauses feit 1888 den Wahlkreis Kirch­hain-Frankenberg vertritt, nahm, nachdem er als Offizier an den Feldzügen 1866 und 1870/71 teil genommen hatte und bei St. Quentin schwer ver wundet War, Anfang der siebziger Jahre seinen Abschied aus dem aktiven Militärdienst und trat in den Verwaltungsdienst über. Landrat bei Kreises Frankenberg wurde Geheimrat Mesch in Jahre 1883. Wir gedenken des hochgeschätz- len Jubilars am heutige« Tage in Verehrung und mit den besten Wünschen für ein fernere» Wohlergehen.

Ausland.

England und Österreichs Flotte. London.

27. April. (Unterhaus). Ans die von dem Union!« ften Burgogne an den ersten Lord der Admirafi- 161 gerichtete Anfrage, ob et etwas wisse Ober eine Vereinbarung zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn belreffenb die Uebernahme von vier großen im Bau befindlichen, bezw. pr»> jektterten Panzerschiffen seitens Deutschland! falls die österreichisch-ungarische Regiening auf Schwierigkeiten bei der Bewilligung der nötige« Gelder stoßen sollte, erwiderte Mc Kenna, daß er amtlich keine Kenntnis von etwas Derartigem habe. Eine weitere Frage, ob einer der projek­tierten österreichisch-ungarischen Dreadnoughts bereits auf Stapel gelegt worden fei, berat- , wortete Mc Retina im gleichen Sinne.

** Dom Ausstand in Marseille. Paris, 27. April. Aus Marseille wird im Zusammenbau, mit dem Ausstand der eingeschriebenen Seeleut» berichtet, daß die Werkstätten der Gesellschaft der Mittelmeer-Eisenwerke und -Werften am 31. De­zember geschloffen werden sollen. Der gesamt» Betrieb soll in Lasebne konzentriert werden, w» die Gesellschaft bereits große BanstStten besitzt.

** Ans den fianzilfffchen Kolonien. Paris, 27. April. Nach einer von den Blättern mH Vorbehalt veröffentlichten Meldung aus Amov hätten die französischen Behörden im Norden von Auam eine weitverzweigte Verschwörung ent­deckt. Seudlinge deS nach Ehina geffsichteten anamilischen Prinzen Knong de sollten einen att- gcmeinen Aufstand anstiften, um nach Nieder- metzelung oder Auslreibung der Franzosen die sen Präsidenten ans den Thron zu setzen. Dur' einen Wohl organisierten Schmuggel sei eS r hingen, zahlreiche Anhänger von Knong-de in Waffen auszurüsten.

* vom Balkan. Saloniki, 27. April. Der Engpaß von Katschanik befindet sich noch in bat Händen der Rebellen, die Verstärkungen erhalten haben. Die Arnauten gestatten nur den gewöhn lieben Bahnpost- und Paffagierverkehr. Der marsch von Torgut Pascha scheint sich zu in zögern. Angesichts Der schwachen Garnison in

schweren Gew:"er drohten. Schon sauft« der nahende Sturm mit heftigen Windstößen durch die Kronen der Bäume im Park und wirbelten die welken Blätter empor, welche, von der bei ßen Augustsonne versengt, von den Bäumen ff» losgelöst hatten und die Wege und die Safen- fläcken bedeckten.

Die Baronin und Stanislaus saßen auf bet Veranda. Das Gespräch war verstummt, Stanis- laus rauchte eine Zigarette nach der andern und sah nachdenklich zu dem am Monde voriiberjag- enden Wolken empor, die so gespensterhast vor dem nahenden Sturm dahineilten, als befände» sie sich auf wahnsinniger Flucht. Die Barontti ein Tuch fest um die Schultern gezogen, saß t» einem tiefen Korbsessel, In sich zusammengesunken, auf der Stirn finstere Falten, die Augen statt auf die in der Ferne aufzuckenden Blitze gerichtet.

Als der Donner näher und stärker rrttte. er­hob sie sich und sagte:Lasten Sie uns hinein« geben, Stanislaus Sie sind gewiß auch :r* müdrt von der Arbeit auf dem Felde und sehnen sich nach Ruhe.*

Durchaus nicht, gnädigste Baronin,* beteu­erte Stan slaus.Sie wisten ja. daß ich eigent­lich erst am Abend zu leben beginne, wenn ich im traulichen Gespräch bei Ihnen weilen darf. Ick bin in der Großstadt aufaewacksen, da ge­wöhnt man sich an das lange Ausbleiben.*

Das ist Wohl war. So blecken Sie noch, ich möckte auch bei dem Gewitter nicht allein bleiben, der Baron schläft schon und läßt fick nicht gern stören, und Erika ist so selffam die letzte Zeit ge- ivorden . . . Seien Sie aufrichtig. Stanislaus! Hat es zwscheu Ihnen etwas gegeben?*

Ich wüßte nicht. . .*

Sie w sten, daß ich eS gern sehen Würtz», wenn Sie Erikas Liebe gewinne« könnte» .. .*

(Fortsetzung folgt.) 1