MchM Reifung mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain and den Beilagen: Illach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."
M 98
Tie „Obrrheffischr Zertna," erscheint täglich mit ?Iu?nahm- der Sonn« und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- jährlich durch die Post bezogen 2 25 <M (ohne Bestellgeld i. bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 'JL.
Marburg
Donnerstag, 28. April 1910.
Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raun» 16 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. — Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UniversttätS-Luchbrnckerei Inhaber Ti. C. Hitze roth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
45. Jahrg.
Erttes Blatt.
Roosevelt.
Bei der Beurteilung der Red« des frühere« Präsidenten Roosevelt in der Pariser Sorbonne L wird m«n sich vor allem gegenwärtig zu halten haben, daß der amerikanische Staatsmann als äl. Republikaner vor Republikaner sprach. Dann ist sogleich der richtige Standpunkt gewonnen und ist auch den Lobeserhebungen, Zustimrnuugs- äutzerungen und Freudenausbriichen der beut» scheu demokratischen Presse, die mit Sicherheit zu erwarten sind, die wesentliche und entscheidende Voraussetzung für ihre Berechtigung und für ihre Nutzanwendung auf deutsche Verhältnisse entzogen. Aber auch ohnedies ist ein Teil der Darlegungen Roosevelts, und sicherlich nicht der unwichtigste Teil, als berechtigt und zutreffend an zuerkeitnen. Roosevelt hat die demokratische Republik als einen Versuch bezeichnet, di« Regierung des Volkes im vollen Sinne durch und für das Volk zu verwirklichen, und hinzugesügt, ein solcher Versuch sei ein soziales Experiment, das ebenso leicht zum Guten wie zum Bösen aus» schlagen könne und dessen Gelingen davon ab- häuge, daß die Eigenschaften der Durchschnittsmitbürger auf eine möglichst hohe Stufe gebracht ioürden. Aber um dieses Hinaufheben der Mehrheit der Nation auf eine höhere politische und sittliche BildungssMfe zu ermöglichen, weiß auch Roosevelt kein anderes Mittel, als daß „die Führer" auf einer noch viel höheren Smse der politischen und sittlichen Bildung stehen urüffen. Von dem gleichen Grundgedanken geht auch die Leitung und Verwaltung eines monarchischen Staatswesens aus. Auch in einem solchen ist es oberstes Gesetz, daß zu Führern der Nation die tüchugstea Männer und die zuverlässigsten Eharaktere berufen werden. Darüber hinaus aber bietet der monarchische Staat die Garantie, daß, anders als in Republiken mit parlamentarischer Regierungsform, wo der Besitz der Macht, je kürzer er ist, desto mehr zu persönlichen Einflüssen und zur Befriedigung persönlicher In- teresien verschiedenster Art benutzt wird, die Berufung in ein hohes Staatsamt allein nach den Grundsätzen der Eignung und der Leistungsfähigkeit erfolgt und daß über das Machtbcwußtsein und über die Befugnis der Ausübung der Macht in jedem Falle die sittliche Pflicht und die unbedingte Treue gegen das Staatsoberhaupt gestellt ist. Sodann hat Theodore Roosevelt in seiner Rede über die Pflichten eines republikanischen Staatsbürgers die Frage des Militärismus berührt Von dem Manne, der während seiner Amtsführung mit größter Energie aus die Verstärkung der Land- und Seestreitkräft« der Vereinigten Staaten hingearbeiiet hat. mußte man ertvarten, daß er sich zu der Notwendigkeit einer starken militärischen RüsNtng bekennen ivürde; mau mußte cs um so mehr erwarten, als er Vor Franzosen sprach, vor den Bürgern eines Landes, das seit einem Menschenalter die allergröß ten Opfer bringt, um für einen Revanchekrieg, mit dem in Frankreich immer noch gerechnet wird, genügend gerüstet zu sein. Roosevelt bat denn auch erklärt, daß der Bürger zu einem guten Sol-
20 (Nachdruck verboten.)
Hin Ebre rmd Recht.
Roman von O. Elfter.
tflorkletzung.t
„Aa, nehmen Sie," sagte der Inspektor ungeduldig. „Wenn Sie sich beeilen, können Sie de« Zug um 2 Uhr noch erreichen. Mein Wagen soll Sic hinftthren."
Da brach Fritz los:
„Herr Inspektor, was ist denn geschehen, daß ich hier wie ein Verbrecher behandelt werde?!
Der Inspektor zuckt« mit den Schultern.
„Davon weiß ich nichts," entgegnete er. „Sie haben den Wunsch ausgesprochen. Hambach zu verlassen, und der Herr Baron wird wohl seine Gründ« haben, Ihrem Wunsche so rasch wie möglich zu willfahren."
„Aber gerade diese Gründe möchte ich wissen k"
„Wollen Sie sie wirflich wiffen?" sprach Grupe und erhob sich und stand Fritz in drohender Haltung gegenüber. „Run Herr Born, ich bin nicht beauftragt, Ihnen die Gründ« mttzu- teilen, ich kan Ihnen nur sage«, daß dem Herrn Baron Ihre liederliche Lebensweise nicht zusagt. El., junger Mann der sich toi Wirtshaus« mit anrüchigen Personen umhertreibt, Hasard mit Abenteurern spielt, und sich mtt der ganzen sau- hertt Gesellschaft prügelt — ein solcher Mensch paßr nicht auf Schloß Hambach und paßt auch nicht in ehrbares Inspektorshaus So — nun Wissen Sie die Gründe, und damit basta Hier ist Ihr Geld."
E» reichte Fritz das Geld, das dieser hastig Ptrstckstieß.
„Sind Sie verrückt geivorden?" schrie der Inspektor.
baten erzogen werden müsse und daß, so sehr ein Krieg Unheil über ein Volk bringen könne, die große« zivflisterten Völker in letzter Linie den Willen und die Macht haben müsien, Unrecht abzuwehren. „Mr glauben aufrichtig und ernsthaft an den Frieden, so verachten wir den Mann, welcher nicht für die Gerechtigkeft eintritt, wenn auch eine Welt in Waffen gegen ihn stehen sollte." Die leitenden deutschen Staatsmänner haben allezeit den Standpunft eingenommen, daß Deutschland nur einen Krieg führen könne und iöerbe, der ihm aufgezwungen wird, wefl seine Ehre ober seine Sicherheit bedroht sei, und der von der Begeisterung der ganzen Nation ge tragen werde. In diesem Punkte decken sich also die sittlichen .Pflichten des republikanischen und des monarchischen Staatsbürgers vollkommen. Endlich hat der frühere Präsident der Vereinigten Staaten auch die sozialdemokrattsche Gefahr in den Kreis seiner Betrachtungen gezogen. Es genügt aus diesen Ausführungen bi« Heiden Sätze wiederzilgeben: „Ein konsequenter und extremer Sozialismus bedeute für jede Raste den Tod durch Selbstvernichtung. Er schließe eine schlim mere Immoralität in sich ein als jedes andere Svstem." Und auch die wirtschaftlichen Doktrinen der Sozialdemokratie hat Roosevett in einem einzigen Satze schlagend ad absurdum geführt, in dem er sagte: „Jeder habe Anspruch auf die gleiche Gelegenheit, zu zeigen, aus welchem Stoff er gemacht sei. aber ungleichen Leistungen müsie stets eine ungleiche Belohnung entsprechen."
Somit können diese leitenden grundsätzlichen Gedanken, die der frühere Präsident her Ver einigten Staaten vor den Vertretem und Bürgern einer demokratischen Repnbftk entwickelt hat, auch im monarchischen Deutschland in Weitem Maße Verständnis und Zustimmung finden. Am ollerwenigsten aber werden die deutschen Demokraten und Sozialisten In bet Lage sein, einen Mann wie Theodore Roosevelt oder seine poli tische und sittliche Lebensanschauung für sich zu reklamieren.
Aus den Parlamenten.
Deutscher Reichstag.
Wahlorüfuugen.
Die starke Besetzung de» Saales und die in ihm herrschende Unruhe und Erreaung wie die vollständige Verlassenheit des Bundesratstifches verraten dem Eingeweihten, daß es sich um eigene Angelegenheiten des Hauses handelt, durch die sich jede einzelne Partei berührt fühlt. Die Wahlprüfungen, die beute und mornen zum Austrag aebracht werden sollen, sind in letzter Zeit wiederholt sehr in den Border- grund gerückt worden: man drängte auf ihre Erledigung: denn es ist in her Tat kein schönes Schauspiel und kann auch für den „Anaeklaqten" selbst — wie sich heute ein Mitglied abllchtlich ober unabsichtlich zur Erheiterung bet Mitglieder ausbrütftc — keine angenehme Emvfindung sein — monatelang und noch länger zwischen Tür unb Angel zu sitzen und sich selbst nur noch als halb unb halb geduldet vorzukommen.
So entsvrach es den allaemeinen Wünschen, daß man heute sich mit Eifer der Erledigung der Wahlproteste binanb Dem Außenstehenden ein genaues Bild über die Protei",inkte im einzelnen zu geben, ist schwer. Man müßte sich in Kleinmalerei unb erakte Milieuschilderung verlieren, wollte man alle die zur Verwerfuna oder Anerkennung der Einsprüche führenden, von Zeugen bestrittenen und durch
Zeugen festgestellten Begebenheiten während der Wahlakte auch nur andeuten: die Mitwirkung de» Gemeindedieners laver Niedermaner in Nieder- bayern, bet al« Aufsichtsrat für die Akten tu die al» Isolierraum dienend« „Kanzlei" gesetzt wurde mit der strengsten Weisung des Wahlvorstandes, jedesmal, wenn ein Wähler zur Kouvertjerung seine» Sttmmzettel« den Raum betrat, jum Fenster hinauszuschauen" und noch viele ähnliche idyllische Bot- Ke wie dieser, dessen Bedeutungslosigkeit für da» lergebnis der Aba. Dr. Arendt (Reichsp.) ie humorvoller Weise zu schildern wußte
Neben der Behauptung der Verletzung de« Wahl- geheimnistes kehrt in den Protesten die Behauptung amtlicher Wahlbeeinsluffung durch Beifügung de» Amtscharakters bei den Namen unter den Wahlaufrufen wieder. In dieser Beziehung hat der Abg. e. Oertzen (Reichsp.) schon wiederholt barauf hinge- wiesen, daß ein solcher Zusatz des Titels, wie et in Deutschland Gewohnheit ist, heutzutage wirklich nicht eine so starke, fast suggestiv zu nennende Wirkung auf die politisch reifen Wähler üben kann, daß sie danach ihre Abstimmung einrichten, ganz abgesehen davon, daß ja doch jeder die unterzeichnete Persönlichkeit zu kennen pflegt, ob sie nun ihren Titel beifügt oder nicht. Dieser Auffassung schloß sich da, wo sie in Betracht kam, dann auch die Mehrheit in ihren, den Anträgen der Wahlprüfungskommission teilweise widersprechenden Baten an. die wir nachstehend verzeichnen.
Die Berhandlungen nahmen, nachdem entsprechend den Anträgen bet Kommission die Wahlen der Abg. Elowatztt (Ztr.) und Labroise (b. k. F.) für gültig erklärt waren, einen sehr lebhaften, zum Teil stürmisch bewegten Verlauf. Bei der Wahl de» Abg. Kleye (natl.) hat die Kommisiion Ungültigkeit beantragt, weil sie in dieser Wahl eine amtliche Kanbidatur gegenüber dein welfischen Kandidaten erblickte. Die Mehrheit des Reichstages entschied, daß es sich hier um eine noch nicht genügend geklärte Prtnzipienfrage handele, und verwies diese Wahl an die Kommission zurück. Sodann wurden die Mahlen der Abg. Arnstadt (kons.), Mayer-Pfarrkirchen (Ztr.) unb v. Kaphenast (kons ), für die seitens der Kommisiion Ungiltigkeit beantragt war, von der au« den Parteien bet Rechten und dem Zentrum bestehenden Mehrheit für giftig erklärt. Diese Beschlüsse riefen stürmischen Widerspruch seitens der gesamten Linken hervor, wobei namentlich gegen die Auffassung protestiert wurde, daß in dem Umstande, baß Beamte unb Gemeindevorsteher ihren Namen unter einen Wahlaufruf setzen, noch keine amtliche Beeinflussung zu erblicken sei. Bei den Wahlen der Abg. Wehl (natl.) und Sievers (natl.) stellte sich entgegen der Auflassung der Wahlprüfungskommis- ston dieselbe Mehrheit auf den Standpunkt, daß die Kriegervereine, wenn sie auch behördlich gefördert werden, al» eine amtliche oder behördliche Einrichtung nicht annsiehen find, daß daher ihr Eingreifen bei den Wahlen al» eine amtliche Beeinflussung nicht onzufehen fei.
Die Wahlen der Abg Bols (natl. 5 Trier) Siewers (natl. 16 Hannover), Bols (natl. 5 Trier), Henning (kons. 10 Frankfurt a. d. Oder), Böhle (Soz. 8 Elsaß-Loibringen). Euen (Ztr. 8 Breslau), Ganze (natl. ? Minden) unb Enders (fortschr. Vp.) werden ebenfalls entgegen bett Kornmiffionsanträge« für giftig etflärt
Preußisches Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 26. April.
In der heutigen Sitzung wurde zunächst der Etat der Universitäten xu Ende beraten, dann wurde in die allgemeine Besprechung der höheren Lehranstalten eingetreten. Rach einer allgemeine Fragen be- handelnben Rede de« Abg. Siebert (kons.) und einer Rede des Abg. Dr. Heß (Ztr.) über die Stellung der Kuratorien zu den Lehrkörpern an städtischen höheren Lehranstalten, erklärte der Minister, die in
„Fast möchte ich es annehmen," entgegnete Fritz mit vor Zorn und Erregung bebender Stimme. „Alles, was Sie da sagen unb mir zum Vorwurf machen, sinb heillose Lügen. Ich bin mir keiner Schuld bewußt."
Der Inspektor lachte kurz auf.
„Sie mögen ja an Ihrer Aufführung nichts Unpasiendes finden," sagte er ironisch. „Andere Leute sind eben anberet Meinung. Ober wollen Sie leugnen, daß Sie gestern Abend tot „Weißen Roß waren?"
„Nein —"
„Ober baß bort Champagner getrunken unb Hasarb gespielt unb schließlich geprügelt würbe?"
„Nein — aber —"
„Nun bas genügt. Ich habe keine Lust, mich aus weitere Auseinandersetzungen einzulasien; feien Sie froh, baß bie faubete Geschichte nicht bet Behörbe zu Ohren gekommen ist, unb haben Sie sich nicht noch so großspurig. Hier ist Ihr Gelb. . ."
„Ich brauche Ihr Gelb nicht!"
„Wie Sie wollen. Aber bann muß ich Sie ersuchen meine Kanzlei zu verlassen . . ."
„Herr?"
Ra, na, nur immer ruhig Blut, fungcr Mann." sagte bet Inspektor unb zog sich nach ber Ecke zurück, wo sein berbet Knotenstock stanb. „Sie sinb ein entlaßener Beamtet unb haben in meiner Kanzlei nichts mehr zu suche,r. Alles anbere machen Sie gefälligst mtt bem Baron ab."
„Das werbe ich auch!" rief Fritz unb stürmte zur Tür hinaus. Der Jnspettor sah ihn über de« Hof gerabenwegS auf das Schloß zugehen.
„Schabe ists um den Burfcheu boch," murmelte er. „Em feder macht Wohl einen bummen
Streich — aber biefe Wirtschaft tot „Weiße» Roß" konnte wirflich nicht so weiter gehen."
Dann begab er sich in baS Wohnzimmer, w» bie Suppe schon auf bem Tische barnpste.
Fritz traf in ber Vorhalle bes Schlosses de» Diener.
„Selben Sie mich bei bem Herr« Baron," sagte er.
Der Diner zuckte bie Achseln.
„Bebaure, Herr Baron find nicht bähe im."
„Wo ist er?" .
„Herr Baron sinb heute früh fortgefahren und kommen erst heute abenb wieder."
„So melbeii Sie mich bet Frau Baronin." „Frau Baronin empfängt nicht."
„Melben Sie mich immerhin . . ."
„Tut mir leib — ich bart nicht."
„Unb bas gnädige Fräulein?"
„Gnädiges Fräulein sinb krank unb haben ihr Zimmer noch nicht tot1’ ~*n."
Fritz sah bas Rutz.oje seiner Bemühungen ein. Der Diener sah ihn mit einem solch frechen, höhnischen Gesicht an, baß ihm bie Schamröte t» bi« Wangen stieg.
Was stanb er noch hier wie ein zudringlicher Bettler, der sich nicht abweisen lassen wollte?
Er drehte sich um und entfernte sich, ohne beu Dienir noch eines Wortes zu würdigen.
Als er bie Treppe zu seinem Zimmer hinaufschritt, trat ihm zu seinem größten Erstaunen Stanislaus Prokowskh entgegen, ber eben au8 Fritzens Zimmer kam, unb mit einem Male war Fritz flar, von wem bie elenbe Verleumdung aus- gingen. Niemand anders als Prokowskh hatte bem Baron von ben Vorfällen bes gestrige« Abcubs Mitteilung gemacht unb sie ta solcher Weise zu Fritzens Ungunsten entstellt l
der Oeffentlichkeit vielfach angegriffene Instruktion für die Lehrkörper solcher Anstalten sei seit drei Jahren in der Ausarbeitung begriffen. Es handel« sich aber nur um einen Entwurf, bet behufs Nachprüfung vertraulich einzelnen Eachverstädigen mti- geteilt sei. Di« Oberlehrer dürfen vertrauen, daß ihrer Stellung, ihren Rechten bei Erlaß einer solchen Instruktion nach keiner Richtung hin nahe getreten werde, sie müßten sich aber auch erinnern, daß bk Stellung ber Lehrer an städtischen Anstalten eint etwas andere sei als die der Lehrer an staatlichen Anstalten. Auf ein gutes Verhältnis der Lehrer cm städtischen höheren Lehranstalten zu den städtischen Körperschaften sei im Interesse dieser Schulen selbst der größte Wert zu legen und lege er auch persönlich den größten Wert.
Dann befürwortete in eingehenden Auseinandersetzungen der Abg. Engelbrecht (freikons.) die raschere Umwandlung einer größeren Anzahl humanistischer Gymnasien in Resormanstalten unb empfahl bas Englische statt des Französischen als erste neue Sprache in den höheren Lehranstalten zu setzen. Der Abg. Dr. Hintzrnann (natl.) verbreitete sich übet eint ganze Reibe von Fragen des höheren Schulwesens und trat dem Vorredner in den von ihm gegebenen Anregungen bei. — Nächste Sitzung morgen.
Ans den Kommissionen.
Ablehnung des Antrags Erzbeeget.
In der Budgekommission oes Reichs,ags kam es gestern nach abermaligen stundenlangen Redekämpfe« über die Aufstandsausgaben für Sudwestafrika zur Abstimmung. Der Antrag Erzberger, den der Antragsteller selbst als nicht mehr haltbar bezeichnet hatte, wurde abgelehnt, ebenso die Anträge ßatti mann unb Ledebour: es wurden statt dessen Grundsätze für eine Resolution aufgestellt, wonach die etwa noch vorhandenen Hoheitsrechte von Kolonialgesell- schaften aufgehoben werden, das Bergrecht einer Revision unterzöget, und ein besonderes Gesetz erlassen werden soll, das die Gewinnung und den Absatz vov Edelsteinen regelt. Ferner sand folgende Resolution Annahme: „Den Reichskanzler um Vorlage eines Gesetzes zu ersuchen, durch welches in dem Schutzgebiet Eiidwestafrika vor Ausbruch des dortigen Aufstandes domizilierte leistungsfähige Personen und Gesellschaften zur Entlastung des deutschen Reichsfiskus herangezooen werden." Mit der Formulierung der Resolutionsbeschlüsse wurde eine Redaktionskommission betraut. In bet vorausgegangenen Debatte hatte Staatssekretär Dernburg die Vorlage einer Denkschrift über die Frage der Heran- ziehu^ eines Schutzgebiets zu den Kosten, bie au» den Reichszuschüssen in diesem Sckmimebiet erwachsen, zugesichert. Auch an der vollständigen Ablösung etwa noch vorhandener Hoheitsrechte werde sich bie Koloniolverwaltung gern beteiligen. Der Frage der Schaffung eines Diamamengesetzes stehe er nicht unsympathisch gegenüber. Die Materie sei allerdinas ank-erordentlich schmierig.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser in Elsaß. Straßburg i. El., 26. April. Der Kaiser ist Punkt 2 Uhr Nachmittags mtt Nlflitörischem Gefolge in Automobile» «ach Schloß Urbitte abgefahren. Die Kaiserin unb Prinzessin Viftoria Luis« sinb um 3 Uhr IS Min. tot Sonberzuge nach Kürzel abgereist, vos wo sie sich nach Schloß Urvillo begeben werden. — Urvittc, 26. April. Der Kaiser ist um 1 Ubr tot Automobil vom Kaiscrpalast in Straß- bürg abgefahren, über Jabern. Pfalzburg, Saarburg nach Vic; dar, stieg Sein« Majestät an bei kürzlich wicberbergestellten bischöflichen Münze aus. Bezirks-Präsident Gras Zeppelin-Asch» hausen begrüßte Seine Majestät mit einer An-
War Prokowskh nicht ncch in ber Stacht mit bem Fremben zufarnmengetrossen?
Bebenb vor Zorn fragte Fritz ihn: „Was haben Sie in meinem Zimmer zu suchen, Hen von Prokowskh?"
Dieser zeigte ein sehr verlegenes Wesen unb wollte sich an Fritz vorüberschleichen, inbem er murmelte: „Entschulbigen Sie ..." Doch Fritz hielt ihn zurück unb nötigte ihn, klebet in sein« Stub« zu treten.
„Ich will wissen, was Di« hier gemacht habe«, Herr von Prokowskh," sagte er brohenb. „Wir stanb«« sonst nicht auf Besuch sfr, ß unb ich versetz« mich von Ihnen nichts Gutes."
„Aber Herr Born," entgegnete Stanislaus mtt einem bösen Lächeln, „tote können Sie mir fv entgegemreten? — Ich hörte, baß Sie Schloß Hambach verlassen würben, unb wollte Ihne« Adieu sauen . . ."
„Das ist nicht wahr! — Dazu stnb Sie nickt hergekommen — ober wollten Sie sich an Ihre« Triumph weiben?"
„Meinem Triumph?!"
„Ja — beim nur Ihnen habe ich es zu Verdanken. baß ich auf bies« Weise Hambach der- lasten muß . .
„Herr Bor« —"
„Schweigen Sie! Oder ich stehe für mich nicht ein . . . Unwillkürlich hatte Fritz eine ans bem Tisch liegende Reitpeitsche ergriffen, dte er zitternd vor Erregung mtt beide« Händen z» einem Halbkreis zusammenbog.
Stanislaus wich einige Schritte zurück, «ich sein Gesicht bedeckte eine fahle, gelbliche Blässe, seine ganze tor Grunde feige Natur zeigte sich.
(Fortsetzung folgt.)